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Story Notes:

Disclaimer: Alle Charaktere, Orte, Schauplätze etc. sind Eigentum der jeweiligen rechtmäßigen Besitzer. Die Originalcharaktere und Originalhandlung sind Eigentum des Autors. Der Autor ist in keiner Weise mit den Besitzern, Erschaffern oder Produzenten irgendeiner Medienkonzession verbunden. Vorsätzliche Verstöße gegen das Urheberrecht sind nicht beabsichtigt.

 

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Rache ist süß 1

 

Als er in den Burghof ritt, wusste ich, das war der schönste Mann, den ich je gesehen hatte. Er war sehr groß, sogar größer als mein Vater und hatte dunkle gewellte Haare. Wie er auf seinem Pferd saß, so stolz und aufrecht und wie herrisch er dem Stallburschen die Zügel zuwarf! Er war viel zu weit weg und mehr als diesen Blick konnte ich von meinem Fenster aus nicht erhaschen. Ich raffte meine Röcke und rannte schnell die Treppe hinunter; mein Vater würde wie immer um diese Zeit bei einem Becher Wein in der Halle sitzen. Diesen Unbekannten musste ich unbedingt sehen. Am Fuß der Treppe bog ich um die Ecke und wäre in meiner Hast beinahe mit dem unbekannten Ritter zusammengeprallt. Nur wenige Zentimeter vor ihm kam ich zum Halten und schaute an schwarzem Leder hoch. Er war noch schöner, als ich gedacht hatte. Helle Augen, nicht ganz blau und nicht ganz grau, schauten auf mich hinunter und sein Mund verzog sich zu einem kleinen Lächeln. „Pass auf, wohin du rennst, Kleine,“ sagte er nicht unfreundlich und zog an meinen Zöpfen. Dann ging er mit kraftvollen Schritten in die Halle. Kleine hatte er gesagt, Kleine! Ich war schon fast zwölf, auch wenn Gertrude immer sagte, ich sähe aus wie zehn. Das Schlimme war, meine Schwester hatte Recht, ich sah aus wie zehn; noch nicht einmal der Ansatz eines Busens war zu sehen. Traurig schaute ich dem Ritter hinterher; dann stellte ich mich unauffällig an den Eingang zu Halle und betrachtete ihn weiter. Leider stand er zu weit weg und ich sah ihn auch nur von hinten. Während seine dunkle Stimme nett geklungen hatte, als er mit mir sprach, war sie jetzt schneidend und tönte durch die ganze Halle und vom Gesichtsausdruck meines Vaters her zu urteilen, war er nicht begeistert diesen Fremden zu sehen. Ich hörte noch etwas von Steuern, aber als mein Vater mich bemerkte, bedeutete er mir mit einer Handbewegung mich schnell zu entfernen. Sein Stirnrunzeln zeigte mir, dass ich besser keinen Versuch machte zu widersprechen, auch wenn ich ihn sonst manchmal um den Finger wickeln konnte.

 

Beim Abendbrot erfuhr ich, wer dieser unbekannte Ritter gewesen war. Sein Name war Guy of Gisborne und er gehörte zum Sheriff von Nottingham. Vater war fürchterlich wütend gewesen und hatte etwas von Halsabschneiderei geschrieen und wie er diese hohen Steuern noch aufbringen sollte. Es war nicht das letzte Mal, dass wir Guy of Gisborne sahen. Zu mir war er immer nett, wenn er mich sah, aber sonst verstand ich bald, warum mein Vater ihn nicht mochte. Einmal war ich anwesend, als mein Vater ihn anschrie, der alte Sheriff von Nottingham hätte nie versucht mehr Steuern einzutreiben als die Bauern der Noblen auch bezahlen konnten ohne zu hungern und ob ihm das denn egal sei. Guy of Gisborne hatte sein Gesicht nur höhnisch verzogen.

 

Als er die Burg verließ, trat ich ihm entgegen. „Sir Guy, es ist nicht richtig, was ihr macht. Kann es Euch so gleichgültig sein?“ Seltsamerweise fuhr er mich nicht an, sondern sah mich nur mit seinen durchdringenden hellen Augen an und strich mir sanft über die Haare. „Kleines, du hast noch keine Ahnung, wie es in der Welt zugeht. Wenn du dir nicht nimmst, was du brauchst, wirst du zertreten.“ Dann verhärtete sich sein Blick. „Und je eher du es lernst, umso besser.“ Mit schnellen Schritten ging er zu seinem Pferd, saß auf und ritt davon, ohne noch einmal zurückzuschaun. Was für eine seltsame Art mit mir zu reden! Es war fast, als ob er mit sich selbst gesprochen hätte.

 

~~~

 

Mein Vater hatte längst gemerkt, dass er nichts gegen den neuen Sheriff und seinen Mann ausrichten konnte; er wurde wortkarg und knurrig und ging auch nicht mehr zu der Versammlung der Noblen in Nottingham. Meine Brüder waren inzwischen so groß geworden, dass sie ihre Ausbildung als Knappen machten und oft genug vertraute mein Vater sich mir an. Du hast einen helleren Kopf als deine Brüder, Hyld, es ist schade sei, dass du ein Mädchen bist. Ich war gerne ein Mädchen, aber natürlich wusste ich, was er meinte. Aber wenigstens konnte ich meiner Mutter bei der Verwaltung der Burg helfen. Ich wusste, wie wichtig das war. Wenn die Burgherrin schlecht wirtschaftete, dann zerrann der Reichtum der Familie schnell zwischen den Fingern. Mutter hatte mir das Lesen beigebracht und ich konnte gut rechnen, während meine zwei Schwestern sich fast nur für ihre Handarbeiten und für die Küche interessierten. Ich war mittlerweile fast dreizehn und kein kleines Mädchen mehr. Mein Vater erzählte mir, dass die Noblen nur noch zustimmend nickten, wenn der Sheriff etwas vorschlug und dass er diese Farce nicht mitmachen werde. König Richard werde dem Ganzen eine Ende machen, wenn er wiederkäme und einen neuen Sheriff einsetzen, doch bis dahin müsste er sich fügen, wenn er nicht alles verlieren wollte. Nur einer hatte es gewagt sich gegen den Sheriff aufzulehnen, das war Robin of Locksley gewesen, der Earl of Huntingdon. Er war nun geächtet und ein Preis war auf seinen Kopf ausgesetzt. Guy of Gisborne hatte vom Sheriff die Länderein von Locksley erhalten.

 

Ich wusste nicht warum, aber es tat mir weh, wenn soviel Schlechtes über Guy of Gisborne geredet wurde und vor allen Dingen, weil ich wusste, diese Dinge waren wahr. Pater Guthric sagte, dass er seine Seele wohl der Teufel verschrieben habe und was er von Sir Guy erzählte erschreckte mich. Auf einen Wink des Sheriffs hin brachte er Menschen um ohne mit der Wimper zu zucken, die Diener fürchteten sich vor seinen Wutausbrüchen und es ging das Gerücht, dass er ein Kind, das er mit einer Magd hatte, im Wald ausgesetzt hatte. Trotzdem folgten ihm die Frauen, denn es gab keinen Mann in der ganzen Gegend, der so gut aussah wie er. Natürlich schwatzten die Mägde und natürlich übertrieben sie, aber was sie von Sir Guy erzählten, trieb mir die Röte ins Gesicht.

 

Vor ein paar Wochen hatte Vater mir gesagt, dass er bald nach einem Mann für mich Ausschau halten würde. Es sei an der Zeit an meine Verlobung zu denken. Als er bemerkte, wie bleich ich wurde, versuchte er mich zu beruhigen, ich würde meinen zukünftigen Mann vor der Hochzeit kennen lernen. Ich hatte gewusst, dass meine Kindheit endgültig vorüber war. Was für einen Mann würden sie mir aussuchen? Durfte ich davon träumen, dass er zumindest ein bisschen so aussah wie Sir Guy und mich ein bisschen so anschaute wie er Lady Marian anschaute?

 

Er hatte Lady Marian lange umworben und ihr irgendwann einen Antrag gemacht, den sie auch angenommen hatte. Sie würde ihn heiraten, wenn König Richard aus dem Heiligen Land wiederkäme. Es war seltsam, aber wenn ich sie mit ihm sah – und das war nicht oft – dann hatte ich nicht das Gefühl, als ob sie verliebt in ihn sei. Offensichtlich merkte er es nicht, aber vielleicht hatte es damit zu tun, dass Männer nicht so aufmerksam wie Frauen waren.

 

Nichts konnte meinem Traum unähnlicher sein als der Mann, der einige Wochen später in unseren Burghof einritt.






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