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Story Notes:

 

Erst einmal ein Testlauf, ob sich überhaupt jemand für eine Sequel zu "Wagnis der Liebe" (der deutsche Titel ist echt ein bisschen doof, engl. halt "A Hazard of Hearts"), feat. Lord Justin Vulcan interessiert. Ich weiß, dass der Film zu den Guilty Pleasures von vielen gehört und da ich mich mit leichten Einschränkungen auch dazu bekenne, habe ich halt mal drauf losgeschrieben. Ich weise darauf hin, dass hier nicht gegengelesen wurde!

 

DISCLAIMER


Alle Charaktere, Handlungen, Schauplätze etc. von „Wagnis einer Ehe", die auf dem Buch und der gleichnamigen Verfilmung „A Hazard of Hearts"  beruhen, sind Eigentum des rechtmäßigen Besitzers Barbara Cartland und Erben sowie Gainsborough Pictures. 

Die von der Autorin selbst erschaffenen Charaktere und die Handlung des Romans „Wagnis einer Ehe“ sind Eigentum der Autorin.

Die Autorin ist in keiner Weise mit den Besitzern, Erschaffern oder Produzenten irgendeiner Medienkonzession verbunden.
Vorsätzliche Verstöße gegen das Urheberrecht sind nicht beabsichtigt.

© Doris Schneider-Coutandin 2013/14

 

 




 

 

Sie wollte nicht auf Mandrake Castle wohnen. Serena fand das Haus zwar schön, aber weitgehend ungemütlich. Außerdem wurde sie hier ständig an ihre böse Schwiegermutter erinnert, eine notorische Spielerin, der nichts heilig gewesen war, nicht das Ansehen ihres Mannes, nicht das Erbe ihres Sohnes, nicht einmal die Gesetze Englands. Lady Harriet hatte vor illegalem Spiel, Schmuggel, Menschenhandel, Körperverletzung, ja, sogar vor Mord nicht zurückgeschreckt, um ihre eigenen Interessen rigoros durchzusetzen. Mehrere Male hatte Lady Harriet versucht, die Anweisungen ihres Sohnes, Justin Lord Vulcan, zu umgehen; doch nicht nur das, sie hatte auch einen perfiden Plan ausgeheckt, um die Erbin Serena zu verschachern, sie zu verkaufen wie ein Stück Vieh, damit sie mit der Summe, die dieser verabscheuungswürdige Handel ihr einbringen würde, einen Teil ihrer Verschwendungssucht ausgleichen hätte können.

Als Justin dahinter gekommen war, war es beinahe zu spät gewesen, doch in einer heldenhaften Aktion war es ihm gelungen, Lord Wrotham, den Widersacher, Entführer Serenas und Mörder von Lady Harriet im Kampf Mann gegen Mann zu töten, nachdem Wochen zuvor ein Duell nur zu einer Verwundung des Gegners und zu dessen vorübergehendem Abtauchen geführt hatte.

Doch Justin hing an Mandrake, seinem Zuhause, seinem Erbe. Aus Liebe zu ihm versuchte Serena in den ersten Wochen ihrer Ehe, Mandrake unvoreingenommen zu begegnen und ihre eigenen Bedenken und Gefühle hinten anzustellen. Der Erfolg war mäßig. Justin war unglaublich oft unterwegs, weil so vieles in London zu regeln war und so fühlte Serena sich allein gelassen und unwohl, um nicht zu sagen mitunter sogar unglücklich. Die wenigen Stunden, die sie miteinander verbrachten, und die so rar und deswegen so kostbar waren, wollte sie genießen; die schöne Zeit gemeinsam mit ihrem Gatten nicht durch Klagen und eigene Befindlichkeiten trüben.

Als sie eines Tages in Abwesenheit Justins einen Brief von ihrem Cousin Nicholas erhielt,  der sie bat, einiges bezüglich des Nachlasses ihres Vaters auf Staverley Court zu regeln, ihrem Heim vor der Verlobung und Eheschließung mit Justin, das ihr Vater auf schändliche Weise in einem Würfelspiel an den Schurken Lord Wrotham verloren hatte, packte sie das Heimweh unwiederbringlich und sie ließ packen und anspannen.

Ihr Vater hatte sich noch am gleichen Abend, nachdem er Haus, Hof, Tochter und Ehre verspielt hatte, eine Kugel in den Kopf gejagt. Er hatte nicht mehr erlebt, dass Lord Vulcan noch keine halbe Stunde nach dem unglückseligen Spiel mit tragischem Ausgang dem triumphierenden Wrotham beim Würfeln alles wieder abgenommen hatte. Ob dieses Wissen ihn jedoch vom Selbstmord abgehalten hätte, war fraglich, denn wenn Wrotham der Inbegriff von Überheblichkeit, Falschheit und übersteigerter Selbsteinschätzung gewesen war, so hatte Lord Vulcan den Ruf weg, ein gefühlskalter, arroganter Schnösel zu sein, der wenig Rücksicht auf seine Zeitgenossen nahm. Sir Giles Staverley hätte gewiss nicht gewusst, welcher der beiden Herren das größere Übel darstellte.

Sie hatte Staverley Court, das de facto ihrem Gatten gehörte, mit Justins Einverständnis an ihren Cousin Nicholas abgetreten,  da sie aufgrund ihres Treuhandvermögens, das ihr Vater zum Glück beim Spiel in den Clubs nie hatte antasten können, und der Eheschließung mit Lord Vulcan gut abgesichert und reich war. Weil aber Nicholas sich nun mit seiner Ehefrau Isabel auf Staverley Court niederlassen wollte, war es verständlich, dass er Serena ersuchte, sich einige der Wertgegenstände, wie Möbel, Gemälde, Teppiche oder Skulpturen, auszusuchen, damit diese dann nach Mandrake geschafft werden konnte. Isabel hatte aufgrund ihrer ersten Ehe, die sie zur Witwe gemacht hatte, selbst einiges an Hausstand und Werten, was sie in Staverley Court einbringen würde.

Außer sich vor Freude sprang sie leichtfüßig vor dem Haus aus der Kutsche und rannte ins Innere des schönen Gebäudes, das es zwar an Größe und Erhabenheit nicht mit Mandrake Castle aufnehmen konnte, das aber weniger erdrückend wirkte und eine heimeligere, leichtere Atmosphäre versprühte, als Serenas neues Zuhause. Etwas behäbiger folgte ihr ihre Dogge Warrior, der ein solch überschwängliches Betragen unter seiner Würde fand. Da Serena aber erst neunzehn Lenze zählte und noch nicht lange verheiratet war, war dies ein verzeihliches Benehmen.

Mit kindlichem Vergnügen riss sie die Leintücher von den Möbeln, die sorgsame Bedienstete darauf gelegt hatten, als Sir Giles verstorben und Miss Serena eher  unfreiwillig nach Mandrake Castle gezogen war. Sie nahm aus einer Lade ihres Sekretärs einen Bogen Papier, öffnete das Tintenfass und tauchte den Federkiel ein, um eine Liste des Inventars zu erstellen, welches von persönlichem Wert für sie war. Sicher hatten die Anwälte des Nachlassverwalters ein Komplett-Inventar aufgelistet, aber sie wollte nur die Gegenstände aufschreiben, die wirklich aus dem Haus nach Mandrake gebracht werden sollten. Seufzend ließ sie die Feder sinken. Mandrake - ein furchtbarer Ort. Wieso konnten Justin und sie nicht hier auf Staverley Court leben? Es würde längst nicht so einen schweren Schatten auf ihre noch junge Ehe werfen. Aber nein, sie wollte natürlich nicht, dass Nicholas leer ausging, also holte sie tief und energisch Luft und setzte ihre Liste fort.

Justin Lord Vulcan trieb sein Pferd zur Eile an. Unüberlegt wie er war, oftmals sprunghaft in seinen Gedanken und Entscheidungen, hatte er London mitten in der Nacht verlassen, weil er daran denken musste, wie einsam Serena wahrscheinlich war und so hatte er spontan seiner Sehnsucht nachgegeben und war losgeritten. Er wusste, es zeugte nicht von sehr großem Verantwortungsbewusstsein für seine Geschäfte, dass er sich von seinen Gefühlen für seine junge Frau leiten ließ, doch verhielt es sich nicht umgekehrt ähnlich? Zeugte es nicht vielmehr davon, dass er ein schlechter Ehemann war, wenn er Serena auf dem Land förmlich versauern ließ und ständig in London weilte? Sie hatte sich hingegen niemals darüber bei ihm beklagt. Vielleicht wollte sie ihn ja nicht immer bei sich haben? Vielleicht war es ihr ganz recht, dass er so oft abwesend von Mandrake war? Die Zweifel plagten ihn während des ganzen Ritts und trugen nur zur Verschlechterung seiner ohnehin nicht sehr guten Laune bei.  In einer Sekunde wünschte er sich, schon auf Mandrake zu  sein und Serena in seine Arme schließen zu können, in der anderen Sekunde war er versucht, das Pferd zu wenden und zurück nach London zu reiten.

Erschöpft und schlechter Dinge kam er auf Mandrake an. Er drückte die Zügel von Thunderbolt einem Stallburschen in die Hand und stapfte sowohl unwirsch als auch wortlos Richtung Eingang. Zum Teufel mit diesem Weib! Sie machte einen verzärtelten Waschlappen aus ihm! Und doch wusste er, dass ihr Anblick augenblicklich ein Wunder an ihm wirken würde, denn seine schlechte Laune würde sich sofort in Luft auflösen. So war es ihm schon oft ergangen und auch dieses Mal würde... doch plötzlich zog er seine Augenbrauen finster zusammen, als würde er ein Unheil wittern. Ein ähnlich unangenehmes Magenziehen hatte er immer dann verspürt, wenn seine Mutter hier ihr Unwesen getrieben hatte, wenn sie versucht hatte, Dinge vor ihm zu vertuschen. Doch das konnte ja schlecht sein, denn Lady Harriet war tot, also kam er zu dem Schluss, dass sein Magen ihm wohl gerade einen Streich spielte.

Er warf seine Reithandschuhe einem Lakaien zu und fragte knapp, aber beherrscht höflich: „Wo finde ich meine Gattin, Joseph?"

Dieser geriet jedoch ins Stottern: „Wir... wir haben Euer Lordschaft gar nicht erwartet."

Justin bliebt abrupt stehen, fixierte den Diener, dem sofort die Schweißperlen auf die Stirn traten, und fragte mit knurrender Stimme: „Wo ist Lady Vulcan?"

„Sie ist gestern Mittag abgereist,  Mylord."

Dass seine Lordschaft daraufhin nichts erwiderte, war wesentlich gefährlicher als ein zorniger Ausbruch, den man wenigstens hätte einordnen können. Stattdessen zuckten die Gesichtsmuskeln von Lord Vulcan extrem und seine Augen verengten sich zu Schlitzen, aus denen jeden Augenblick ein Blitz heraus geschossen kommen würde, zumindest meinte dies Joseph, der ihm direkt gegenüber stand.

Dieser befeuchtete seine Lippen, doch seine Zunge war ebenso ausgetrocknet, und der Effekt dahingehend gleich Null, bevor er schwach hinzufügte: „Sie wurde nach Staverley Court gerufen, wegen der Aufteilung des Anwesens mit Mr. Nicholas Bower-Staverley, dem Cousin Ihrer Ladyschaft."

Lord Vulcan nickte nur knapp und antwortete nichts. Als er die Treppe hinaufeilte, entrang sich der Brust von Joseph ein Seufzer der Erleichterung.

Außer sich vor Wut schenkte Justin sich einen Brandy ein und leerte das Glas in einem Zug. Wie konnte sie es wagen! Ihn einfach hier sitzenzulassen wie einen kleinen, dummen Jungen! Er goss sich ein zweites Glas ein, doch dieses Mal schwenkte er die bernsteinfarbene Flüssigkeit nachdenklich hin und her, während er ans Fenster trat und hinaussah. Gut, er war nicht da gewesen, von daher war es nicht gerecht zu behaupten, Serena hätte ihn hier auf Mandrake allein gelassen und doch... sie konnte doch nicht einfach so abreisen. Warum hatte sie nicht auf ihn gewartet, ihn zu dem Thema konsultiert, sich mit ihm abgesprochen? Derlei Eigenmächtigkeiten waren ihm zuwider, zumal seine Mutter solche immer wieder weidlich für ihre eigenen Zwecke zu nutzen gewusst hatte. Er war der Herr im Haus, er hatte die Verantwortung! Wie stand er denn nun vor den Bediensteten da? Wie ein dämlicher Idiot, der seine Frau nicht im Griff hatte. Wie ein jämmerlicher Versager, der nicht wusste, was in seinem eigenen Haus vor sich ging! Mit einer weit ausholenden Geste schleuderte er das Glas wutentbrannt in das Feuer im Kamin.

 






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