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88.

Nach Stunden so schien es ihr kam sie endlich an und zerrte an ihm so fest sie konnte.

„Schatz?“ Salome wollte schreien, aber alles was aus ihrem Mund kam war ein trockenes Krächzen.

„Hmmm?“

Er war mehr oder weniger bei Bewusstsein, hustete und bewegte sich kaum.

Salome sah mit Schrecken die Blutspur die sich um ihn herum ausbreitete und obwohl ihr ganzer Körper zitterte, nahm sie die Position ein die Gregori ihr gezeigt hatte.

„Halt dich einfach ruhig und ich bringe dich hier raus.“ Wisperte sie und begann zu schwimmen.

Sie war so müde und die Kälte nagte auch an ihr mit winzigen, spitzen Zähnen und so verstand sie, dass nicht nur sein Leben, sondern auch das Ihre vom Erfolg dieser Aktion abhing.

Er war groß, er war schwer und er war schon wieder ohnmächtig.

Er musste solche Angst haben, dachte Salome und sie spürte wie das warme Blut an ihren Beinen vorbeisickerte, erschauerte beim Gedanken daran, dass er immer noch blutete.

Sie musste schneller sein, schneller als der Tod der sie verfolgte, der unter die schneeweiße Haut des Mannes kriechen wollte den sie so sehr liebte.

Salome wusste, dass sie ihn verlieren würde wenn sie nicht bald ankam.

Wie hatte er nur so weit hinaustreiben können?
Wahrscheinlich hatte er Panik bekommen und hatte sich gewehrt und war so immer weiter auf das Zentrum des Sees hingetrieben.

Ihre Kräfte neigten sich dem Ende zu, aber sie konnte nicht aufhören, sie hatte das hier schon mal gemacht, es öfters geübt, doch dieser See war anders als das schöne saubere Schwimmbad.

Algen strichen ihr um die Beine wie die Finger der Toten und das Wasser war eiskalt und schmutzig.

Salome keuchte, aber sie war sich sicher, dass sie nicht atmen musste, nicht wenn es um ihn ging, sie durfte jetzt nicht schlapp machen, sie musste ihn einfach retten.

 

Er spürte Arme um ihn und die lebendige Wärme eines anderen Menschen.

Halb im Delirium erinnerte er sich daran wie sie ihm einmal gesagt hatte, dass sie einen Kurs im Rettungsschwimmen belegen musste und wie sie ihn gewarnt hatte sich von tiefen Wassern fernzuhalten.

Salome hatte es gewusst, sie hatte es gespürt und er hatte ihr nicht geglaubt.

Er konnte sie riechen, wusste, dass es sie war die ihn durch das kalte Wasser zog und immer wenn wieder ein Blitz der klaren Auffassung ihn erfasste, überkam ihn das schlechte Gewissen.

Er war wirklich ein toller Held, er ließ sich von einer Frau die viel kleiner und sicher auch schwächer war als er retten, während er wie ein Baby in ihren Armen hing und sich nicht einmal bewegen konnte.

Er murmelte ihren Namen und versuchte die Beine zu bewegen, wurde jedoch sofort von einem stechenden Schmerz übermannt der ihn aufstöhnen ließ.

„Lass dich einfach treiben Baby.“

Ihre Stimme klang angespannt und er konnte nur erahnen wie anstrengend es sein musste ihn so abzuschleppen, aber er war sich nicht sicher wie er es leichter für sie machen konnte und so bewegte er sich besser nicht.

„Geht es?“ Sie keuchte, ihre Lungen brannten wie Feuer, aber ihre Beine strampelten tapfer weiter.

„Ja. Mir geht es gut. Salome…“

Er wusste nicht was er sagen sollte.
„Ich habe Angst.“ Wisperte er und spürte wie sie ihren Griff um ihn verstärkte.

„Ich weiß Liebling, ich auch.“ Sie machte eine Pause um zu atmen.

„Alles wird gut…Ich verspreche es…“

Sie war selbst am Rand des Zusammenbruchs, er spürte wie fest sie sich an das letzte Quäntchen Kraft klammerte und alles was er für sie tun konnte war bei Bewusstsein zu bleiben.

„Sprich nicht. Ich…Ich liebe dich. Ich habe dein Gesicht gesehen, ich habe dauernd an dich gedacht.“

Er suchte nach Worten, wollte ihr zumindest die Sorge nehmen, dass er einfach so sterben würde und so redete er wild drauf los:

„Er ist dein Stiefbruder nicht wahr? Das Biest das dich so lange gequält hat.

Ich hatte solche Angst um dich und…oh ich wollte dich nur noch einmal sehen und jetzt bist du hier.

Ich wünschte du müsstest das nicht tun, aber mein Bein schmerzt höllisch…
Ich…liebe dich.“
Die samtene Schwärze senkte sich wieder über seine Lider und ließ ihn verstummen.

Er hatte sein Bestes getan, aber der Schmerz und die Erschöpfung waren stärker gewesen.

 

Sue rannte, sie warf den beiden Männern Tischdecken, Servietten und Küchentücher zu.

Dann lief sie in die Küche und stellte den Ofen an.

„Was hast du vor? Willst du sie backen?“

Sie strafte Robert mit einem eiskalten Blick und zeigte auf den Ofen.

„Hitze, Wärme…Sie werden halb erfroren sein.“
Sie sah sich um.

„Robert du trägst das alles raus, Matthew stell dich bitte gleich ans Ufer um Salome zu helfen, ich schätze sie wird es nicht schaffen ihn aus dem Wasser zu heben, er ist zu groß.“

Sue war von einer Angst geschüttelt die ihre ganze Schüchternheit verblassen ließ, das hier war kein Moment für Höflichkeiten und kleine intime Ticks, hier ging es um Menschenleben und sie musste dafür sorgen, dass alles bereit war wenn Salome ankam und das würde sie.

Sue schnappte sich den Erste Hilfe Verbandskasten und eine Flasche Vieille Prune.

Das Wasser war schmutzig und sie würde den alten Trick anwenden, den ihre Großmutter für so sinnvoll hielt: Alkohol desinfizierte.

Ein Zittern erfasste ihre Glieder und sie musste sich kurz an der Arbeitsfläche abstützen.

Nein, jetzt war nicht der Moment um zusammenzubrechen, noch nicht.

Sie warf mehr Kohle in den alten Steinofen, schob zwei Sessel aus der Eingangshalle davor und sah aus dem Fenster.

Salome kam stetig näher, Matthew stand gerade und mutig im See, bis zu den Knien im Wasser und Salome ermutigende Parolen zubrüllend.

Robert breitete die Tischdecken so aus, dass er sie sofort darin einwickeln konnte wenn sie rauskamen und so ging Sue mit wackligen Schritten wieder raus und stellte sich neben Matthew.

„Bring du ihn rein, nimm Robert mit, er soll die Wunde hiermit abdrücken. Ich hole Salome.“

Sue drückte ihm eine Rolle Verbandsmull in die Hand, welche noch eingepackt war und somit keimfrei.

„Du schlägst dich wacker.“ Sprach Matthew anerkennend und Sue sah verwirrt auf.

„Sie ist meine beste Freundin, was hattest du erwartet?“

Boris sah dem regen Treiben nervös zu und am liebsten hätte er diesen Mann der unter ihm lag und blutete niedergeschossen wie einen räudigen Hund.

Gregori würde ihm niemals verzeihen wenn seiner Schwester etwas passierte.

 

Salome strampelte, ihre Beine waren taub und bleischwer, aber sie konnte Matthews Stimme hören die stetig näher kam.

„Nur noch ein kleines Stück, du hast es fast geschafft.“

Es war 19 Atemzüge her, dass Richard aufgehört hatte zu sprechen, aber sie konnte seine Atmung hören, er war nicht tot.

Er brauchte medizinische Versorgung und wahrscheinlich einen Therapeuten.

Sie musste es schaffen, dachte sie, doch die Schwäche übermannte sie und so biss sie sich fest in den Arm bis sie ihr eigenes Blut schmecken konnte und die Verletzung gab ihr den finalen Adrenalinkick.

„Ich komme.“ Hörte sie jemanden sagen und dann dämmerte sie weg.







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