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Author's Chapter Notes:
Erster Schritt zur Rehabilitierung Salomes...oder Droopys...whatever








6.

Salome kam sich nicht dümmer allein im Kino vor wie überall allein in dieser fremden Stadt.

Neben ihr saß ein junges Pärchen und  sie verzog das Gesicht in stummem Unwillen, es war ungerecht, dass sie so allein war und andere Menschen nicht.

Wenn Gregori doch nur hier sein könnte, aber Gregori lebte irgendwo in Spanien im Moment und würde sicher nicht rüber fliegen nur weil sie sich etwas einsam fühlte.

Gregori war ihr älterer Bruder, das Kind ihrer russischen Mutter und ihrem französischen Vater, er war ihr liebster Freund und der einzige Mensch der jetzt noch zu ihrer Familie gehörte, seit ihre Mutter Anya mit Gustav verheiratet war.

3 lange Jahre der Qual zusammen mit Gustav und seinen beiden Söhnen unter einem Dach und jetzt endlich war sie frei, sie war in London und Gregori war in Spanien.

Er war bisher nur zuhause geblieben um auf sie aufzupassen, das war ihr bewusst und sie fühlte sich stets halb dankbar und halb schuldig angesichts dieses Opfers.

Sie dachte ernsthaft darüber nach ihren Bruder bald anzurufen und ihm zu erzählen wie es ihr ging fernab der Familie die nicht länger die Ihre war.

 

Doch dann wurden ihre Gedankengänge von einem Mann unterbrochen der aus dem Wasser emporzusteigen schien wie ein Geist, oder wie ein Engel.

Salome hielt die Luft und wisperte dann nur ein klein wenig zu laut: „Hello Dolly, wo kommen wir denn her?“

Ihr Geist suchte fieberhaft nach Erinnerungen und fand Bilder von diesem Gesicht in verschiedenen Gemütslagen und verschiedenen Aufmachungen, aber es hatte sie noch nie als so attraktiv verblüffen können wie in diesem Moment.

Sue hatte also Recht, dachte sie, ihr Metti ist ganz schön „schneidig“.

Salome machte sich eine geistige Notiz auch über diesen Mann mehr herauszufinden, denn er schien die Mühe wert zu sein.

Summa summarum amüsierte sie sich köstlich, fand Waltz nach wie vor außergewöhnlich und Bloom immer noch sehr schön.

Die Charaktere kamen ihr interessant vor und die Geschichte war spannungsgeladen und fesselnd.

Für einige Minuten und Stunden vergaß sie, dass sie ganz allein in einem dunklen Raum saß in einer Stadt die fortan ihre Heimat sein sollte aber sie lediglich mit Wolken, Spott und Dreck begrüßt hatte.

Salome blühte auf in der Kontemplation einer Geschichte die so lebendig in ihrem Kulturgut war wie ihr eigenes Leben und sie sah mit Freude und Empathie wie Menschen ihr Leben und ihr Herz riskierten für die eine oder andere Sache.

„On a tous une cause, n’est-ce pas?“ lächelte sie still in sich hinein und fürchtete sich bereits vor dem Ende der Vorstellung und vor den grausamen Lichtern die sie zurück in die Realität holen würden.

Der beschwerliche Weg und die anfängliche Scham allein im Kino zu sein hatten sich aus ihrem Bewusstsein verflüchtigt und sie verlor sich in den Gesichtern von Menschen an die Träume gebunden waren wie Wunschkarten an Ballons.

Wie von selbst hob sich ihre linke Hand als ob sie die Figuren zurückhalten wollte.

Menschen träumten von diesen Gesichtern, Menschen schlossen diese Gesichter und ihre Besitzer in ihre Gebete ein und diese Menschen gäben sonst was darum diese Gesichter nur einmal in echt zu erleben.


Salome hatte nie zu der Art von Menschen gehört, aber auf ihrem Spaziergang zurück dachte sie darüber nach wie es sich wohl anfühlen mochte einen Menschen zu lieben den man nie getroffen hatte.

Denn für sie bestand kein Zweifel daran, dass Fans ihre Idole liebten, mit ihnen um Rollen fieberten und schlechte Kritik persönlich nahmen.

Himmel, die meisten trafen ihren Star nie persönlich und für ihn waren sie nur eine große Schattenmasse die in seinem Rücken waberte und auf die er zählen konnte, aber was machte das schon aus?

Salome war auch eifersüchtig auf diese Fans, weil sie etwas hatten an das sie glaubten, während sie ihr Leben lang nur Geschichten, nie Gesichter geliebt hatte.

Sie war nie verliebt gewesen, weil sie einfach nicht die Konzentration hatte einen Mann genauer zu betrachten und zu erkennen wer oder was er wirklich war.

Nein, sie hatte von Tag zu Tag gelebt, von häuslicher Unruhe zu trügerischem Frieden und von Jahr zu Jahr waren ihre Gedanken voller und ihr Herz leerer geworden.

Wann immer sie einen Mann schön fand, hörte ihr Interesse am Punkte dieser kalten Feststellung auf: Er war schön.

Wie alle Mädchen hatte sie sich Kinokarten bezahlen und Küsse stehlen lassen, aber für sie war das nie ein Anlass zum Kichern oder zum Munkeln gewesen, ganz im Gegenteil, sie behandelte ihren ersten Kuss wie ihr damaliges Mittagessen.

 

Auf einmal revoltierte alles in ihrem Leib und in ihrem Herzen.

Nein, sagte sie sich fest, nein, ich werde nicht zulassen, dass diese öde Monotonie mich wieder übermannt. Ich will leben und spüren, ich will, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht und wenn es auch extrem erscheinen mag, dieses Mal werde ich die Schönheit nicht Schönheit sein lassen.

Ich werde Nachforschungen anstellen und wahres Interesse beweisen.

Sie versprach sich hoch und heilig, dass sie ausgehen und tanzen würde, Menschen kennen und lieben lernen.

Abnabelung begann an dem Punkt an dem man etwas alleine schaffte und wenn es auch in Salomes Fall um eine ganze Welt und ein ganzes Leben ging, so verzagte sie nicht.

„Ich werde meinen Hund holen und dann…werden wir sehr lange spazieren gehen.“ Murmelte sie mit fester Stimme und nickte dann bekräftigend.

 

„Hey Droopy.“ Richard lachte als der Mann am andern Ende der Leitung ein gurgelndes Geräusch von sich gab.

„Ich wollte fragen ob du nicht durch Zufall irgendwo in London schwimmst.“

Der Mann klang überrascht, gab aber zu genau dort zu sein.

„Hast du schon gegessen?“ Richard sah mutlos auf den viel zu großen Topf Nudeln.

„Richard? Es ist 3 Uhr nachmittags. Ich habe ein Brötchen zu Mittag gehabt und es ist noch nicht Abend.“ Erklang es geduldig aus dem Hörer.

„Ok, hast du Hunger?“

„Du machst mir so langsam Angst, sag doch einfach ich soll vorbeikommen und dann tue ich das mit Freuden.“ Der Mann lächelte, das hörte man und eine Frau die ihren Kinderwagen vorbeischob wandte sich ihm instinktiv zu.

„Ok, komm rüber. Ich…ach ich erzähle dir das besser wenn du da bist.“

Als es keine 10 Minuten später klingelte hob Richard eine Augenbraue.

„Ich hatte das so im Gefühl und war in der Gegend.“ Der Mann strich mit der Hand durch die Haare und klopfte seinem Gastgeber dann freundlich auf die Schulter.

„Ich bin allein und wollte dich auch schon fragen ob du nicht durch Zufall Lust hast was trinken zu gehen oder so…Richard seit wann hast du einen Hund?“

Richard sah sich um und grinste: „Da fängt die Geschichte an. Das ist nicht MEIN Hund, sondern der von meiner Nachbarin. Die gleich aus dem Kino kommt. Und…die dich für Droopy hält.“

Dem Mann dämmerte langsam, dass sein Freund etwas im Schilde führte.

„Und du willst deine ältliche Nachbarin umbringen dadurch dass du einen Herzinfarkt provozierst, damit du ihren hässlichen Hund behalten kannst?“ versuchte er zu erraten um was es wirklich ging.

„Geh und deck den Tisch, den Rest wirst du noch früh genug erfahren.“ Richard grinste selbstgefällig und sein Grinsen wurde immer breiter als der Hund laut zu bellen begann und keine zwei Sekunden später die Klingel ertönte.


 






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