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Author's Chapter Notes:
Salome at her best








43.

Salome drehte den Pulli ratlos und gerührt zwischen den Fingern.

Es war ein schönes Geschenk, schöner als alle Geschmeide der Welt, persönlicher, wertvoller.

„Hatte keine Zeit ihn zu waschen, denke er könnte dir passen. Vermisse dich. R.“

Stand auf einem Zettel der in den Falten des Kleidungsstückes gesteckt hatte und sie seufzte leise auf.

Schnell rannte sie Treppe hoch und versteckte den Zettel in einer abgeschlossenen Kiste in der sie fast alles aufhob was mit ihm zu tun hatte und strich lächelnd über den Deckel als sie diesen sanft schloss.

Er hatte ihr einen weiteren Pulli geschenkt und ihre ganze Wut verrauchte.

Sie legte den Pulli auf ihr Bett und strich andächtig über den weichen Stoff, atmete seinen Geruch gierig ein und erinnerte sich dann daran, dass Sue immer noch auf sie wartete.

 

„Na endlich, ich bin schon ganz verschrumpelt.“ Lachte Sue als Salome sich in die Wanne plumpsen ließ.

„Sorry, ich…hatte einen Anruf.“ Murmelte Salome und glitt tiefer in das warme Wasser.
Sie hatte Sue als Kind kennengelernt, weil sie aus einer Familie von Konditoren stammte und sie in dem kleinen Laden den Sues Eltern führte ihre Aufgaben machte. Mit der Zeit hatten sie ihr Aufgaben zusammen gemacht und dann hatte Salome in dem Laden in dem Sue gearbeitet hatte ihre Zeichnungen und Artikel geschrieben.

Wie alle Menschen war auch Salome von Sues unendlicher Schönheit fasziniert, was aber noch sehr viel ungewöhnlicher war als das Engelsgesicht ihrer Freundin war ihre legendäre Schüchternheit.
Sogar Salome gegenüber war Sue oft befangen und sie war der Liebling aller Telefongesellschaften der Welt, weil sie am Telefon sie selbst war, während sie niemals den Mund wirklich aufbekam sobald jemand sie ansah.

Und Sue wurde fast immer angestarrt.

Sie war 1,78 groß, hatte unendlich lange Beine und ein Gesicht wie von einem der alten Meister gemalt mit großen blau-grünen Augen die strahlend in einem perfekten weißen Oval über einer geraden, schmalen Nase und einem vollen, sinnlichen Mund thronten.

Susan war schön in jedem Sinn, aber Susan kannte den Preis ihrer Schönheit, denn schon oft hatte man sie darauf beschränkt und so hatte sie nie gelernt mit Menschen umzugehen, weil niemand je wirklich mit ihr gesprochen hatte.

Die Menschen wollten Sue einfach nur ansehen und wenn es etwas gab was Sue nicht vertrug, dann war es angesehen zu werden.

 

Salome hatte eine barocke Figur und ihr Haar war immer etwas zu widerspenstig, ihre Lippen zu voll, ihre Augen zu groß und ihr Körper zu füllig gewesen um als wahre Schönheit zu gelten.

Früher hatte es sie gequält nicht schön genug zu sein, aber mit der Zeit hatte sie gelernt, dass sie lustig und intelligent war und dass ihre Freunde sich nicht für ihr Aussehen interessierten und Männer hatte es bekanntermaßen nie in ihrem Leben gegeben.

Sie hatte kein Problem damit nackt zu sein, sie hatte kein Problem damit ihre weichen Oberschenkel gegen Sues straffe Beine zu pressen oder ihre schweren Brüste auf dem Wasser tanzen zu lassen.

Salome war nicht stolz auf ihr Aussehen, aber sie schämte sich auch nicht dafür, im Allgemeinen machte sie sich selten Gedanken darüber und nur sehr selten verspürte sie so etwas wie Neid auf die Schönheit anderer Frauen.

„Du warst lange weg und du hast geweint.“ Sues Stimme klang ruhig.

Auch wenn sie es nicht mochte angestarrt zu werden, sah Sue die Menschen genau an und sie liebte schöne Gesichter weil diese sie vergessen ließen wie unglaublich ihr eigenes war.

„Sag es nicht Salome, sag mir nicht wie schön ich bin.“ Flehte sie als sie den eindringlichen Blick der Freundin auf ihrer zitternden Lippe bemerkte.

„Nein, ich wollte nur sagen wie froh ich bin, dass du hier bist und dass ich dich habe. Ich liebe dich Susan. Ich liebe dich wirklich und ich werde dich in nächster Zeit brauchen.“

Sue fragte nicht wieso, sie sah, dass Salome Kummer hatte aber sie wusste auch, dass ihre Freundin ihr den Grund erst nennen würde wenn sie bereit dazu war.

 

„Warum gehst du nicht mit uns essen?“ schlug Matthew vor.

Nein, an sich hatte Richard nicht die geringste Lust mit seinem liebsten Friede-Freude-Eierkuchen-Paar zu dinieren, aber er wollte auch nicht allein sein.

„Na komm schon, Keeley würde sich freuen dich wiederzusehen.“

Ah ja, Matthews wunderschöne Frau…

„Ehm…“ Nein, bitte nicht, bitte, bitte, bitte nicht, flehte er innerlich, wissend, dass er ja sagen würde weil er es nicht aushielt hier alleine darüber nachzudenken, dass Salome unweit von ihm in den Armen ihrer Freundin lag und sich Film um Film reinzog.

„Ok.“ Wisperte er also und hätte sich selbst ohrfeigen können, aber ein Abend mit dem glücklichen Paar das ihm eindrucksvoll zeigen würde was er nicht haben konnte, war immer noch besser als ein Abend allein mit einer Flasche Wein und einer schlechten Schnulze.

 

„Noch ein Film? Nein, lass uns ausgehen.“ Salome flehte, sie würde es nicht schaffen sein Gesicht jetzt zu sehen ohne in Tränen auszubrechen.

Der Hund war lange genug draußen gewesen und würde es noch ein wenig aushalten, rechnete sie und sah in ihren Schrank, hoffend, dass Sue die Kiste nicht entdecken würde.

„Wie ausgehen?“ Sue klang ängstlich, sie wollte nirgends hin wo viele Menschen waren, wo Männer sie anstarrten als sei ein Stück Fleisch im Sonderangebot.

„Na essen gehen. Ich weiß es nicht, spazieren gehen. In die Stadt.“ Auf einmal wollte Salome die Lichter sehen, wollte sich in der Flut der Menschen verlieren, wollte schön sein.

„Essen?“ Sue war immer noch nicht überzeugt, aber sie wusste, dass Salome sie überstimmen würde, sie einfach mitreißen würde und dass sie in irgendeine seltsame Situation geraten würden.

Sie freute sich darauf, sie vertraute Salome und neben dem winzigen Tattoo an ihrer Hüfte zeugten diverse winzige Narben und einige sehr exquisite Sammlerstücke in ihrem Koffer von den vielen Abenteuern die sie mit ihrer Freundin durchgemacht hatte.

Salome wühlte sich durch ihren Kleiderschrank und Sue hätte es nicht einmal gewundert, wenn sie ein Kleid in der Form eines Schwans oder so rausgezogen hätte, aber als sie Salomes Wahl sah, musste sie doch lachen.

Das Kleid war ungefähr so groß wie eine Postkarte, in der Tat war es praktisch eine Postkarte, da ein Bild des Eifelturms darauf gedruckt war und an den Ärmel war die typische Umrandung einer Briefmarke zu erkennen.

„Du bist und bleibst die verrückteste Person die ich kenne.“ Murmelte Sue und ihr Blick fiel auf einen Brief der ungeöffnet auf dem Nachttisch lag.

Sie öffnete ihn und las laut vor, dass Salome gebeten wurde ihre Comicstrips und Kolumnen in einer wöchentlichen Zeitschrift zu veröffentlichen, da ihr frecher Humor dem Herausgeber gefiel.

Salome drehte sich um, das Kleid halb über dem Kopf und schrie, schrie wie eine Wilde und tanzte blind durch das Zimmer. Sie hatte Recht gehabt hier zu bleiben, sie würde Geld verdienen, wenig zwar aber sie würde ihr eigenes Geld verdienen und Menschen zum Lachen bringen.

Ihre Welt wurde wieder ein Stück heller und sie tanzte sich ins Kleid hinein, wuschelte ihre Locken auf, packte ihre Sachen in eine Tasche welche die Form eines echten Londoner Briefkastens hatte und sah Sue unternehmungslustig an.

„Pünktlich wie die Post und mindestens genauso gut gelaunt.“ Murrte Sue, stieg in eine alte Jeans und ein grünes Oberteil und folgte Salome kopfschüttelnd.

Sie badeten in den Lichtern des Picadilly Circus, tanzten über die Straßen, entgingen nur sehr knapp einer Bikergang welche die Postlady gerne auf einen kleinen Ausflug entführt hätten und hatten sich nach etwas mehr als einer Stunde hoffnungslos und unwiderruflich verloren.

Sie hatten nicht die geringste Ahnung wo sie waren oder wo sie hinsollten.

„Da ist ein Restaurant.“ Grinste Salome und steuerte freudig darauf zu, so dass Sue nichts Anderes übrig blieb als ihr ergeben zu folgen.






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