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36.

„Wie willst du das wissen?“

Salome errötete und antwortete dann schnell: „Alle seine Filmpartnerinnen haben das ausgesagt und das sieht man doch, oder?“

Natürlich sah man das ganz und gar nicht, aber Salome klang so überzeugt, dass Sue ihr glaubte ohne Fragen zu stellen.

Gott sei Dank, so gerade noch die Kurve gekriegt, lobte sie sich selbst und sank in sich zusammen.

„Sag mal kann ich bei dir bleiben eine Zeit lang?“

Sue klang auf einmal sehr klein und sehr unsicher.

„Was ist passiert?“ Salome wurde hellhörig.

„Ehm ich habe gekündigt.“ Der Satz traf sie wie ein Donnerschlag und Salome wandte sich der Freundin schockiert zu.

„Wieso?“ – „Mein Chef verlangte Dinge von mir die ich nicht bereit war zu tun. Dinge die Zuckerguss und Ähnliches nicht im eigentlichen Sinn beinhalteten.“

Salome schlang ihre Arme um die Freundin und sprach dann: „Leg dich in mein Bett, ich mache das Gästezimmer für dich fertig. Schlaf ein wenig und ich werde bald bei dir sein.“

Sie geleitete die leidende Freundin in ihr Zimmer, postierte John als Wachmann vor dem Bett und verließ das Zimmer auf leisen Sohlen wieder.

 

Sie waren kindisch, sie wussten es, aber sie saßen zu drei mit dem Kopf gegen den Belüftungsschacht gelehnt und hörten den Frauen zu wie sie sich über Richard und Anderes ausließen.

„Sie reagiert reichlich aggressiv.“ Wisperte Robert leise und Matthew klopfte ihm lautlos und lobend auf die Schulter.

Richard verzog nur das Gesicht und hörte weiter zu.

Sue wusste mehr, sie ahnte, dass Salome mit einem Mann zusammen gewesen war und sie drängte darauf ihn, in seiner Rolle als Nachbar, kennenzulernen.

Leider ging das nicht ohne dass sie auch sah wer er wirklich war, obwohl was hieß hier wirklich? Er war beides, er war sowohl der Nachbar als auch der Schauspieler, doch im Gegensatz zu Salome würde Sue da den Unterschied machen können.

Er wollte Salome trösten, er wollte verschwinden damit sie sich keine Sorgen mehr um ihn machen musste, aber er war hier eingeschlossen, ohne Kleider und ohne Hoffnung.

Was keine der Frauen zu bemerken zu schien waren die weichen Seufzer welche Küsse immer in ihnen auslösten.


Er konnte sich Salome vorstellen wie sie in Kuschelsocken auf dem Sofa hockte, den Hund neben sich postiert und die Beine unter dem Leib unterschlagen.

Er sah das weiche Lächeln vor sich mit dem sie seiner Schönheit fast spöttisch huldigte und ihre kleinen Hände die sich hinter ihrem Rücken versteckten aus Angst sie könnten sie verraten.

Sie hielt ihn für ihren Schwarm und er war geschmeichelt, nein, er war mehr als das.

Tatsächlich freute er sich darüber, weil er wusste, dass sie in ihm nichts anderes sah als das was er wirklich war und er musste zugeben, dass er auch ein klein wenig für sie schwärmte soweit das möglich war für einen Mann in seinem Alter.

Er begehrte sie, wollte bei ihr sein, wollte sie beschützen, dachte er und als er die ersten Sonnenstrahlen sah welche den Raum in ein goldenes Licht tauchten, gab er sich selbst gegenüber zu, dass er sie öfter schlafen sehen wollte, dass er sie küssen wollte bis sie beide außer Atem waren und dass er sie nie wieder gehen lassen wollte.

Doch das Geheimnis seiner Identität stand zwischen ihnen.
Was bedeutete es für sie für ihn zu schwärmen?

Wollte sie ihn aus der Distanz betrachten und sich wünschen was alles möglich war.

Er würde ihr jeden Wunsch erfüllen, aber sie würde ihn niemals um etwas bitten was er nicht freiwillig gab aber wie sollte er das tun wenn er nicht wusste was sie wirklich verlangte?

 

Und dann gab sie zu, dass er gut küsste.

Er hielt den Atem an, aber er wusste, dass Salome sich da rausreden würde.

Und das tat sie.

Er grinste wie ein kleiner Junge, wie ein Bube der das Gespräch des süßesten Mädchens der Schule belauschte und hörte, dass sie ihn auch mochte.

Aber hatte er je daran gezweifelt?

Hatte er je in Frage gestellt, dass Salome ihn mochte wenn sie ihm doch stets die Tür öffnete, wenn sie sich von ihm küssen ließ, wenn sie sagte, dass er ihr Schwarm war?

Sie mochte ihn nicht nur, sie vertraute ihm, versteckte ihn…würde sie ihn je lieben?

Konnte ihre Geduld und ihre Konzentration sie bis dahin bringen, bis zu dem Punkt an dem sie ihm mehr als nur ihr Wohlwollen und ihre Freundschaft entgegen bringen würde?

Natürlich war es lächerlich darüber nachzudenken, denn immerhin hatte sie gerade erst den Weg in ihr eigenes Leben gefunden und sie würde es nicht aufgeben für einen alternden Schauspieler, für einen Menschen der seine eigene Familie und Heimat seltener sah als er wollte.

Würde sie? Könnte sie?

Sie könnte, ihr Herz war groß genug um überall zuhause zu sein, aber würde sie ihm folgen wollen?

 

Er hörte wie Sue beichtete, dass ihr Chef versucht hatte sie sexuell auszunutzen und seine Fäuste ballten sich automatisch.

Er sah zu Matthew und sah die gleiche Wut in den Augen des Freundes.

Sie waren keine Helden, aber sie waren auch keine Monster, sie würden sich immer für die Schwächeren einsetzen und es ekelte sie zu wissen, dass Frauen auf dieser Welt immer noch dem Willen der Männer ausgeliefert waren.

Dieses Haus war zur Zuflucht geworden, zu dem Herzen der Geheimnisse und er fühlte sich wohl hier im Bauch dieser großen Wärme mit der Salome den Staub des Alten verscheucht hatte.

Salome holte die Kleider und stieg die Treppen wieder rauf, sie zögerte, sie zweifelte.

Sue brauchte sie mehr als sie Sue brauchte, ihr Leben war zwar ein Chaos, aber sie war nicht von Schmerzen und Ängsten geplagt und das lag vor allem daran, dass ihr lieber Nachbar zu dem Inbegriff ihres Zuhauses geworden war.

Sie öffnete die Tür leise und sah sie dort auf dem Boden hocken wie Kinder die man im Schrank eingeschlossen hatte.

Ihr stockte der Atem, würde sie sich je daran gewöhnen sein Gesicht zu sehen?

Würde sie je aufhören nach ihren Worten zu suchen wenn seine Augen sie so ansahen, so tief und so fragend, so geduldig und so freundlich?

„Ihr könnt jetzt gehen.“ Wisperte sie und wünschte sie müsste das nicht sagen, aber der Tag brach an und sie sollten zurück in ihre Betten, zurück zu den Freundinnen und Ehefrauen denen sie gehörten und die auf sie warteten.

Missmutig warf sie die Kleider aufs Bett und sank erschöpft daneben nieder.

„Geht es dir gut?“ Richard strich mit dem Daumen über die tiefen, dunklen Ringe unter ihren strahlenden Augen und sie schmiegte ihr Gesicht in seine Hand wie eine Katze.

„Mir geht es ganz gut. Aber ihr müsst weg.“

Sie schluckte schwer, schluckte all die Worte und Bitten herunter die sie ihm ins Gesicht schreien wollte.

Und dann klingelte es schon wieder und sie eilte aus dem Zimmer, betend, dass es ihr Bruder sein würde oder jemand anderes, betend, dass Sue nicht aufwachte.

Sie stürzte die Treppen hinab und ihr Körper schmerzte vor Müdigkeit und unterdrückter Sehnsucht, aber sie kämpfte sich wie durch Treibsand bis zur Tür.

Die Frau war wunderschön, weich und ärgerlich.

„Ist mein Mann hier?“ fragte sie forsch und Salome schloss die Augen. Das hatte ihr gerade noch gefehlt, dass irgendjemandes Frau ihr eine Szene machte.

„Er wird in 2 Sekunden hier sein hoffe ich.“ Wisperte Salome, sich sagend, dass es sich um einen der drei Männer handeln musste die da waren, und brach zusammen.


 






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