- Schriftgröße +
Author's Chapter Notes:
Ok hier kommt Salomes Krise damit ihr morgen genug Zeit habt schon Kommentare abzugeben :)








27.

Salome riss sich zusammen, setzte neuen Tee auf, doch ihre Hände zitterten und sie biss sich auf die Lippe.

Sie war ein törichtes Weibsbild und das hatte sie nun davon, sie war eine verdammte Jungfrau und auf einmal wog dieses nutzlose Stück Haut Tonnen.

Wütend krallte sie ihre Fingernägel in ihre eigenen Handflächen und betete um Geduld und etwas Kraft, sie hatte immerhin den Tod des Vaters und die Heirat der Mutter überlebt.

3 Jahre der Einsamkeit in der sie wie Aschenputtel behandelt wurde und wie die Stiefschwestern lebte, 3 Jahre in denen sie weiterhin nur ein Kind gewesen war, Opfer einer Welt der Männer.

„Krieg dich wieder ein.“ Murmelte sie sich leise zu und maß den Tee derart exakt ab, dass sie sich selbst nicht mehr erkannte.

Sie sprang mit 2 Füßen und geschlossenen Augen in jedes Abenteuer welches das Leben ihr zu bieten hatte und wenn es ihr Schicksal war jetzt, gerade jetzt wo sie endlich frei war sich irgendwie wieder an einen Mann zu binden der nichts für sie übrig hatte, dann sollte es so sein.

Sie würde nicht daran sterben, das schwor sie sich.

Wie oft hatte sie Freundinnen weinen sehen weil ihr Schwarm sie nicht auf den Ball eingeladen hatte? Die meisten von ihnen waren heute verheiratet oder zumindest in einer festen Beziehung und dachten nicht mehr an den pickligen Jüngling der es gewagt hatte sie zu verschmähen.

Salome aber, die kindlich liebenswerte Salome, Salome die Unbeschwerte, Salome die Unnahbare, hatte das alles verpasst, weil es doch so viele Bücher zu lesen, so viele Bäume zu erklimmen und so viele Freunde zu trösten gab.

Gregori hatte vielleicht nicht Unrecht, dachte sie bitter, sie wäre gut im Kloster gewesen wenn es doch nicht so schrecklich still und ernst zugegangen wäre.

 

Und dann brach die wahre Salome durch die Verzweiflung.

Sie schmiss den Männern den Tee nahezu auf den Tisch, verschwand und kam ganze 20 Minuten lang nicht zurück.

„Irgendetwas stimmt nicht mit deiner Nachbarin.“ Murmelte Robert unsicher und sah immer wieder zur Tür durch die sie gerade gerauscht war.

„Sie ist aufgebracht und wie ich sie kenne wird sie gleich etwas unglaublich Dummes tun.“ Murmelte Richard zurück und wartete.

Wartete.

Wartete.

Und dann kam Salome zurück und sah nicht mehr wie Salome aus.

Sie trug das Streifenkleid, das ihren Körper nur dürftig verhüllte wie erwartet, 15 cm hohe Absätze und war geschminkt.

Eigentlich sollte sie aussehen wie eine lächerliche Schlampe, aber das tat sie nicht.

Nicht im Geringsten, wie Richard schluckend feststellen musste.

Ihr Haar lockte sich verführerisch um ihren weißen, nackten Hals und ihre Lippen glänzten feucht und einladend.

„Ihr hattet eure Stunde des Ruhmes. Ich gehe aus. Wenn es euch ja so schockiert, dass ich ein kleines Mädchen bin, tja, das lässt sich ganz einfach ändern.“

Sie war nicht wütend auf die Männer, sie war wütend auf sich selbst und diese dunkle, böse Ader in ihr ließ sie nur sehr selten zum Vorschein kommen.

Es war diese Fehlbildung in ihrer Natur die ihre Ausraster verursachte und ihre seltene Kampflust, aber sie war da, unter der freundlichen Geselligkeit ihres Vaters und ihrer überaus langen Kindheit schlummerten die Neigungen ihrer Mutter, die tatsächlich eine Blutsverwandte Rasputins war.

„Salome, come on, das ist doch nicht dein Ernst. Du kannst doch so nicht rausgehen.“ Versuchte Richard sie umzustimmen.

„Wieso nicht wenn ich Fragen darf? Auch wenn ihr das bisher zu übersehen scheint, aber ich bin erwachsen und ich bin eine Frau und ich habe das gleiche Recht mir zu nehmen was mir gerade in den Kram passt wie alle Andern. Gute Nacht.“

Sie küsste den Hund auf den Kopf und wandte sich hüftenschwingend der Tür zu.

 

Richard kniff der Kragen seines Hemdes als er ihr nachlief.

„Das da bist nicht du.“ Rief er und Salome, eine Hand bereits auf der Klinke, sah ihn fast mitleidig an.

„Wieso? Du siehst dir in deinen schicken Klamotten auch nicht wirklich ähnlich Kleiner.“

Sie fletschte die Zähne die strahlend weiß zwischen diesen rosaroten, feuchten Lippen aufblitzten.

„Hat sie überhaupt einen Wagen?“ Matthew tauchte hinter Richard auf und beide schnappten nach Luft als Salome sich auf ein Motorrad schwang, es anschmiss und davon rauschte.

„Sie fährt Motorrad.“ Seufzte Richard, immer wieder und immer noch von der kleinen Salome überrascht.

Obwohl sie gerade nicht die kleine Salome war, sie war in dieser Sekunde die russische Prinzessin oder die französische Zigeunerin oder irgendein anderer Vamp.

Er konnte nicht verstehen wie eine Frau sich hilfesuchend an einen Mann schmiegen konnte und keine Stunde später angezogen wie eine professionelle Tänzerin auf einem verdammten Motorrad abrauschen konnte.

Salome war ihm von vorne bis hinten ein Rätsel.

 

Salome war sich selbst im Moment ein Rätsel, sie hasste es wenn ihr Blut rauschte und sie ihre eigenen Gedanken nicht mehr hören konnte, aber sie war einfach kein Mensch der nachdachte bevor er handelte.

Ihr Instinkt trieb sie in die Nacht, sie wollte schreien vor Verzweiflung und deshalb würde sie singen, sie wollte sich gegen diese unsichtbaren Fesseln wehren und deshalb würde sie tanzen.

Sie würde zurück in ihre Jugend gehen und sich von irgendeinem Fremden auffressen lassen, sie würde ihm geben was nichts mehr wert war in dieser Zeit und endlich völlig frei sein.

Sie hatte es so satt das gute Kind zu sein, die süße Salome um die sich alle sorgten weil sie so unvorsichtig war aber die niemand mitnehmen wollte wenn es brenzlig wurde.

Die Gefahr schmeckte metallisch wie Blut und süß wie Honig auf ihrer tauben Zunge als sie ohne Helm über die dunklen Straßen Londons rauschte, frei wie ein Vogel, schnell wie ein Pfeil.

Heute Nacht würde sie die Frau sein die sie geworden wäre wenn ihre Familie sie nicht vom fliegen abgehalten hätte.

Sie stieg ab und betrat die erstbeste Spelunke und hatte das Glück, dass es eine Open-Mic Nacht war. Sie schnappte sich das Mikro und begann „Le blues du businessman“ weil es so leidenschaftlich war wie sie sich fühlte. Sie wollte keine Liebeslieder singen, sie hatte keine Liebe in sich in dieser Sekunde.

Sie dürstete nach Blut, nach Gift, nach Schweiß, wollte einen Mann in ihrem Mund schmelzen lassen, wollte ihn mit ihren Gliedern umschlingen und jedes Mal als sie das Gesicht ihres Nachbarn vor ihrem inneren Auge sah, sang sie lauter, höher davon, dass sie so gerne ein Artist, ein Sänger, ein Schauspieler gewesen wäre.

Sie wollte aus ihrer Haut und sie würde jemanden finden der diesen ganzen Schmerz von ihr abreißen würde, zusammen mit den Kleidern, zum allerersten Mal.

Die Menge tobte, sie hatte die Stimme eines Engels, sie hatte das Gesicht einer Sünderin und sie ging zu „Je suis malade“ über, ließ ihre Seele ihren Körper verlassen.

Ja es stimmte, sie war so müde so zu tun als wäre sie glücklich, sie wurde von seinem Gesicht verfolgt und so kippte sie den Whiskey den man ihr spendierte in die brennende Kehle in der die Angst der Kindheit mit der Lust der erwachenden Blüte um die Tränen kämpften die ihre Augen trübten.

Und dann sah sie ihn, einen dieser Männer die man überall sah, leicht ungepflegt, leicht traurig, zu alt für diese Welt, zu erschöpft für diese Nacht und sie wusste, wenn niemand sie aufhielt würde sie diesem Suppenkasper den Rest ihrer Kindheit opfern.

Die Noten lösten sich aus ihrem Körper und die Tränen aus ihren Augen.






Bitte gib den unten angezeigten Sicherheitscode ein: