Inselprinzessin by doris anglophil
Summary:

 

Zum Valentinstag 2013 eine mehrkapitelige, in Teilen romantische, Kurzgeschichte, knapp am Roman vorbeigeschrammt. 


Categories: Sonstige Schauspieler, Freie Werke, Matthew Macfadyen, Realfiction, Short Stories Characters: eigener m/w Charakter, Matthew Macfadyen
Genres: Realfiction, Romanze
Warnings: Realfiction
Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 10 Completed: Ja Word count: 14152 Read: 19562 Published: 07 Feb 2013 Updated: 09 Mar 2013
Kapitel 4 - Dunkel war's... by doris anglophil
Author's Notes:

 

Heute lernen wir etwas über typische englisch/britische Käsesorten.

Dazu habe ich, anstatt Bilder, diesmal weiterführende Links im Board unter diesem Kapitel angegeben!

 

Sie wollte gerade ein weiteres Lob auf seine Kochkunst aussprechen, als mit einem Schlag das Licht erlosch. Nur noch der Schein des Kaminfeuers und die Kerzen auf dem Tisch erleuchteten das Essen und die beiden Menschen im Haus.

Er erhob sich, sichtbar um Ruhe bemüht: „Ich schaue mal, ob nur eine Sicherung kurzfristig den Geist aufgegeben hat oder ob es ein Stromausfall wegen des Sturms ist. Iss ruhig weiter, Sybil.“

Sie nickte und beeilte sich, der Aufforderung nachzukommen, doch als sie sich bedacht das nächste Stück Rindfleisch in den Mund schob, schmeckte es plötzlich nicht einmal mehr halb so gut. Langsam schob sie den Teller von sich und stand auf. Allein am Tisch zu sitzen, den Sturm tosen zu hören und befürchten zu müssen, dass der Stromausfall daher kam und vielleicht lange dauern würde, war unangenehm. Da nutzte auch das beste Essen nichts mehr.

Sobald keine Kerzen mehr den Raum erhellten, herrschte Schwärze, denn auch von außen drang kein Licht ins Haus. Alles war stockfinster. Sybil befiel die Angst. Sie hoffte, dass es wirklich nur an einer hausinternen Sache lag und David diese in Ordnung bringen konnte. Oh, wäre sie nur am Tisch sitzen geblieben, da war es wenigstens nicht so rabenschwarz, man sah dort immerhin ein bisschen was. Doch hier… sie wusste nicht einmal, wo im Haus sie sich gerade befand. Hatte David nicht dieses kleine LED-Licht an einem Schlüsselbund gehabt? Wo steckte er nur?

Sie fuhr mit einem entsetzten Aufschrei zusammen, als sie gegen ihn prallte.

Es konnte ja nur er sein und doch war sie erleichtert, als sie außer dem festen Griff um ihre Taille auch seine markante Stimme hörte: „Was schleichst du hier herum? Los, zurück zum Essen.“

„Was… was ist?“

„Wir werden wohl ein Weilchen – um ehrlich zu sein, ich denke die ganze Nacht – ohne Strom auskommen müssen. Vermutlich hat es eine Überlandleitung erwischt und diese wird man wohl kaum bei diesem Sturm und mitten in der Nacht reparieren.“

„Kann… kann man da nicht was umklemmen?“

„Vielleicht. Da wird man wohl beim E-Werk Prioritäten setzen müssen, vor allem in Anbetracht des Unwetters.“

„Also auch kein Nachtisch?“

„Wir versuchen es. Zum Glück geht der Herd mit Gas, das könnte uns den Nachtisch retten.“

Sie kamen zurück in die anheimelnde Atmosphäre des schwachen Kerzenlichts und des Kaminfeuers, also lockerte er den Griff um ihre Taille und ließ sie schließlich ganz los. Sybil spürte wie die Wärme, die von ihm ausgegangen war, wich und sie fühlte sich erneut ängstlich und schutzlos. Doch das würde sie ihm natürlich nicht sagen und so setzte sie sich wortlos wieder an den Tisch.

Erst als er die Teller zusammenschob, wagte sie die nächste Frage zu stellen: „Hast du… haben wir noch mehr Kerzen oder nur diese?“

Sie wies auf die beiden Tafelkerzen, die mittlerweile schon mehr als halb heruntergebrannt waren.

„Im Pack waren sechs Stück drin, also haben wir noch vier.“

„Gut.“

Sie wollte sich ihre Erleichterung nicht zu deutlich anmerken lassen, doch er durchschaute sie: „Wenn wir in der Küche den Nachtisch machen wollen, dann müssen wir diese beiden Kerzen mitnehmen und mindestens noch eine dritte anzünden, sonst sehen wir nicht genug. Es stellt sich also tatsächlich die Frage: Verzichten wir auf den Nachtisch, um Kerzen zu sparen? Immerhin wissen wir nicht, wie lange wir ohne Strom ausharren müssen.“

„Sagtest du nicht, dass auch Käse da wäre? Dann essen wir den als Abschluss des Dinners, passt doch auch.“

„Keine schlechte Idee. Mit dem Kompromiss kann ich leben und den Käse hole ich mit dem kleinen Taschenlämpchen, da brauche ich die Kerzen nicht mit in die Küche zu nehmen. Und diesmal, Mademoiselle Sybil, bleibst du hier auf deinem Allerwertesten hocken, bis ich wieder da bin!“

Während er mit den leeren Tellern in die Küche zurückging, dachte Sybil zum ersten Mal übers Schlafengehen nach. Das Haus hatte hoffentlich zwei Schlafzimmer! Doch was, wenn nicht? Das Chesterfield-Sofa war zum Schlafen denkbar ungeeignet, es war mit seinen an drei Seiten sehr hohen Lehnen zu kurz, um die Beine ausstrecken zu können - sogar für sie - und die Sitzfläche zu schmal, um schlafen zu können ohne ruck-zuck von dem Ding runterzufallen. Für David würde es ganz und gar unmöglich sein, er war quasi ein Riese. Bitte, bitte, ein zweites Schlafzimmer!

„Was ist? Hast du wieder vor etwas Angst? Ich bin ja wieder da, habe mich sogar beeilt.“

Er stand vor ihr und stellte eine appetitlich anzusehende Käseplatte auf den Tisch.

Ihre Augen füllten sich wahrhaftig mit Tränen, die Ereignisse des Tages waren einfach zu viel für sie gewesen und wurden ihr mit einem Schlag wieder bewusst.

Der Streit mit Bernard, die Flucht im Auto, der schreckliche Sturm, der Baum, der die Fahrt in die Irre beendet hatte und schließlich David, der sie vor noch mehr Unbill gerettet hatte, obwohl auch er beinahe mit ihr in einen Abgrund gerast wäre.

Sie hatte gerade begonnen, sich zu entspannen, sich in Davids Gegenwart halbwegs wohl zu fühlen, obwohl er ihrer sercqischen Herkunft skeptisch gegenüberstand, und dann war der blöde Stromausfall gekommen! Mit ihrer über die letzte Stunde mühsam errungenen Ruhe war es vorbei. Alle Probleme schlugen wie eine große Woge über ihrem Kopf zusammen und ließen ihre Nerven blankliegen.

Als ihr die erste Träne über die Wange rann, bemerkte es David wegen des schummerigen Lichts zunächst nicht. Da sie aber nicht antwortete, blickte er sie  genauer an und sah plötzlich das Rinnsal glitzern.

Er nahm sofort ihre Hand und drückte diese: „Komm, keine Sorge. Wir können sogar Tee kochen, zwar nicht mit dem elektrischen Wasserkocher, aber mit dem guten alten Teekessel auf dem Gas. Mir wäre zwar ein doppelter Espresso lieber gewesen, doch auf den verzichte ich halt angesichts der widr… der ungewöhnlichen Umstände. Und du isst nun brav ein Stückchen Käse. Welches möchtest du?“

Sybil schüttelte den Kopf, doch er ließ keine Einwände gelten und schnitt mit dem Messer ein Stück eines sehr schmackhaft aussehenden Hartkäses ab.

Seine linke Augenbraue schob sich fragend in die Höhe, als er sich anschickte, den Käse mit zwei Fingern anzuheben: „Darf ich?“

Sie ahnte, was er tun wollte, nickte und hielt instinktiv den Atem an. Der Käse schwebte ihrem Mund entgegen, gehalten von seinem Daumen und Zeigefinger. Artig öffnete sie ihre Lippen und das Käsestück verschwand in ihre Mundhöhle.

Während sie langsam ihren Mund schloss und anfing zu kauen, wischte er ebenso nebensächlich wie sachte die Tränenspur auf ihren Wangen mit dem Daumen ab, der eben noch den Käse gehalten hatte.

„Und?“

„Lecker“, nuschelte sie noch während des Kauens.

„Cheshire Cheese. Typisch für diese Region. Die mit Annatto gefärbte Version wurde hier früher an Reisende verkauft, die nach Holyhead wollten, um nach Irland überzusetzen. Deswegen hielt sich vor allem auf dem Kontinent sehr lange der Irrglaube, dass sämtlicher Hartkäse auf den britischen Inseln von oranger Farbe sei, oder dass Cheddar gleich Cheshire ist, was übrigens totaler Unfug ist“

„Was du alles weißt.“

Sybils Erstaunen war aufrichtig und frei von jeglicher Ironie.

Er lächelte: „Die Familie meiner Mutter stammt aus Wales.“

„Und betrieb offensichtlich eine Molkerei.“

Sein Lächeln wuchs sich zu einem Lachen aus: „Davon weiß ich zwar nichts, ich möchte es aber nicht gänzlich ausschließen.“

Sybil deutete auf die Käseplatte: „Was schmeckt dir am besten?“

„Ich mag sie alle. Keine besondere Präferenz.“

Nun nahm sie das Messer zur Hand und schnitt eine Ecke eines Blue Stilton ab, naschte selbst ein abgefallenes Bröckchen davon, hielt dann aber das größere Stückchen ihm vor den Mund. Er zögerte für etwa eine Sekunde, als würde er abwägen, welche Konsequenzen diese Handlung haben könnte, dann ließ er sich darauf ein und öffnete seinerseits den Mund, um das Käsestück aus ihrer Hand aufzunehmen.

Er hatte noch nicht angefangen zu kauen, da beugte sich Sybil spontan vor und hauchte ihm einen Kuss auf die Lippen. Sie war selbst genauso erschrocken wie er über die kühne Tat und wich sofort von ihm zurück.

„Entschuldige. Es… es war eine spontane Eingebung. Vielleicht… vielleicht weil heute auch Valentinstag ist.“

Sie versuchte, weiter abzulenken: „Wie… wie schmeckt nun der?“

Sein trockener Humor gewann die Oberhand und er fragte nach: „Wer? Der Kuss oder der Käse?“

„Oh David! Der Käse natürlich!“

„Gut, wie immer. Ich weiß, wie Blue Stilton schmeckt, Sybil.“

„Verstehe. David… hat sich damit meine Frage nach einem zweiten Schlafzimmer erübrigt?“

Er lief puterrot an, was sie aber wegen der schlechten Beleuchtung nicht sehen konnte: „Was? Ich meine… wie… wie bitte?“

Jetzt wurde sie unsicher und stotterte herum: „Scheiße! Ich… ich dachte, du spielst auf den Kuss und den Käse an, aber ich muss dich missverstanden haben. Ich wollte natürlich nicht so direkt sein und mit der Tür ins Haus fallen. Es… es war ungehörig von mir.“

Er atmete tief durch. Zwar rechnete er bei Fans mit Ausfällen in diese Richtung, er ahnte, dass unter ihnen nur wenige waren, die ihn von der Bettkante schubsen würden, ein Wissen, das ihm stets extrem peinlich war, doch Sybil kannte ihn nicht einmal. Oder vielleicht doch? Hatte sie inzwischen kapiert, wen sie da vor sich hatte? Er bezweifelte es, dennoch war er vorsichtig.

Noch einmal zwang er sich, ruhig durchzuatmen, dann hörte er sich selbst sagen: „Es gibt nur ein Schlafzimmer hier.“

„Oh…“ Sybils einsilbige Antwort war nur ein schwaches Hauchen. 

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