Hongkong und Hawaii by doris anglophil
Summary:

 

Eine Story zum Valentinstag, deren Hintergrund ganz grob gesprochen die Mini-TV-Serie "Noble House" aus dem Jahr 1988 bildet, weiter baut im Zuge dessen diese Valentins-Sache auf meiner FF-Geschichte "Dreißig Tage und mehr" auf. Die Lektüre dieser Story wäre von Vorteil, um die Handlung hier zu verstehen. Das Ganze kommt dreiteilig daher und wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen (13., 14. und 15. Februar 2012) eingestellt!


Categories: Sonstige Schauspieler, Weitere Schauspieler, Short Stories Characters: eigener m/w Charakter
Genres: Romanze
Warnings: Keine
Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 3 Completed: Ja Word count: 6098 Read: 7888 Published: 13 Feb 2012 Updated: 15 Feb 2012
Story Notes:

 

DISCLAIMER


Alle Charaktere, Handlungen, Schauplätze etc. von „Hongkong und Hawaii“, die auf dem Film „Noble House“ beruhen, sind Eigentum des rechtmäßigen Besitzers DE LAURENTIS ENTERTAINMENT GROUP und NBC, USA.

Die von der Autorin selbst erschaffenen Charaktere und die Handlung der Kurzgeschichte „Hongkong und Hawaii“ sind Eigentum der Autorin.

Die Autorin ist in keiner Weise mit den Besitzern, Erschaffern oder Produzenten irgendeiner Medienkonzession verbunden.
Vorsätzliche Verstöße gegen das Urheberrecht sind nicht beabsichtigt.

© Doris Schneider-Coutandin 2012

 

1. Kapitel 1 - Vorbereitungen by doris anglophil

2. Kapitel 2 - Über den Wolken by doris anglophil

3. Kapitel 3 - Glück im Koa Kea Resort by doris anglophil

Kapitel 1 - Vorbereitungen by doris anglophil

 

Er war gerade mal erst seit dem 9. Januar verheiratet, was nun vier Wochen her war, seine Frau und er hatten ein paar wenige Tage zum Flittern in Macao verbracht, weil die Arbeit einen längeren Urlaubsaufenthalt einfach nicht zugelassen hatte. Er hatte ihr im letzten November - am Tag ihrer Abreise in die Staaten - aber versprochen, dass es ein längerer Urlaub werden sollte, was bis jetzt leider kaum möglich gewesen war. Es war nun an ihm, sein Versprechen irgendwie einzulösen.

Die beste Gelegenheit würde sein, sich dies für den bevorstehenden Valentinstag aufzuheben. Zwar hatte er Casey vor kurzem erst einen knallroten Jaguar XJ-S Cabrio geschenkt und ein normaler Mensch sollte denken, das wäre mehr als genug und überaus großzügig. Natürlich war es das, aber Ian Dunross dachte nur selten, dass für ihn, seine Familie oder seine Firma normale Situationen anwendbar waren. Er war der Tai Pan des Noble House Hongkong und über Geld redete man nicht, man hatte es ganz einfach.

Zugegeben, er redete auch über Geld, aber wirklich nur rein geschäftlich, das war für einen Mann in seiner Position schlichtweg unvermeidbar. Privat war Geld kein vorrangiges Thema.

Die meiste Zeit seines Lebens hatte er damit verbracht, für die Firma, für das Wachstum des Geschäfts, für hohes Ansehen, eine gefestigte Position und die damit verbundene, nicht zu unterschätzende Macht zu arbeiten. Die ebenfalls damit einhergehenden finanziellen Mittel flossen sozusagen von allein, und dies sogar üppig. Was ihm bis vor wenigen Wochen fremd gewesen war, waren Liebe, Romantik, Zweisamkeit und die damit verknüpfte Verantwortung. Es hatte ihm Probleme bereitet, sich darauf einzulassen. Einem Riesenkonzern vorzustehen stellte in seinen Augen die weitaus geringere Schwierigkeit dar.

Nun war er verheiratet, schneller als er es je für möglich gehalten hätte, und würde im späten Sommer sogar Vaterfreuden entgegensehen, was er noch immer nicht recht glauben konnte. Hätte er nicht sichtbare Beweise in Form kleiner Polaroid-Fotos aus dem Ultraschall, würde er es weiterhin nicht fassen können.  Ein Betriebsunfall, ja, aber keine Katastrophe, ganz im Gegenteil. Erst nun, wo das Baby unterwegs war, gestand er sich ein, dass er sich all die Jahre zuvor bereits Nachwuchs gewünscht hatte. Klargeworden war es ihm aber erst mit dem Aufkeimen der Beziehung zu Casey.

Eingestanden hatte er sich auch, dass er kein Roboter, keine alles mechanisch und emotionslos ausführende Maschine war. Er war gemeinsam mit Casey urplötzlich in eine ganz andere Welt eingetaucht: In die Welt tiefgehender Emotionen. Dass ihm das gutgetan hatte, war nur allzu ersichtlich. Er fühlte sich beschwingter, weniger beladen, mehr Mensch als in all den Jahren zuvor.

Zwar war ihm diese Welt noch neu und wenig vertraut, doch er fand Gefallen daran und versuchte stets, seine Zeit so einzuteilen, dass er gemeinsam mit seiner schwangeren Frau etwas unternehmen konnte. Es gelang nicht immer, vor allem, da auch sie von Hongkong aus die Geschäfte von Par Con in Kalifornien zu leiten hatte und meist die geschäftlichen Termine Vorrang hatten, doch hin und wieder war es Casey und ihm möglich, dem engmaschigen Netz der Firmen-Verpflichtungen zu entkommen.

So waren beide beispielsweise bemüht, am Abend zeitgleich Feierabend zu machen und gemeinsam in das wunderschöne Anwesen am Peak zurückzukehren, was aber bedeuten konnte, dass es aufgrund des Arbeitsaufkommens oftmals spät am Abend wurde.

Zum Glück mussten sich beide so gut wie überhaupt nicht um den Haushalt, das Haus an sich und alles, was damit zusammenhing kümmern. Es gab genügend Angestellte, die das erledigten. Bei ihrer Ankunft am Peak war meist bereits das Abendessen servierfertig, sofern man nicht in die Stadt zum Dinner ging oder zu einer Party geladen war. Dahingehend lebten er und Casey mehr als komfortabel und sorgenfrei.

Casey genoss es sehr oft am Abend noch ein paar Runden zu schwimmen, während Ian sich einige Zeitungen und Magazine vornahm, um über die  Wirtschaftsnachrichten informiert zu sein. Er schwamm seine minutiös getimten Runden - im Ablauf immer gleich - meist am Sonntagvormittag, gesellte sich aber dann und wann auch abends an den Pool zu seiner Frau und es kam durchaus vor, dass er rasch noch zu ihr ins Wasser glitt, um ihr nahe zu sein. Wenn alles dunkel war und nur die Lichter der Unterwasserbeleuchtung diffus und durch das Wellenspiel gebrochen strahlten, fand er es durchaus reizvoll, mit ihr im Wasser zu liegen, sie zu betrachten, ihren – von den nun etwas üppigeren Brüsten abgesehen - noch immer sehr schlanken Körper zu spüren und sie zu liebkosen.

Sie vermieden es dann auch, über Geschäftliches zu reden, sie wollten sich nicht die schöne Stimmung verderben, also sprachen sie meist über private Dinge, über den neuesten Klatsch in der Stadt oder über Freunde und Bekannte. Ian selbst tat sich weiterhin ungeheuer schwer mit verbalen Liebesbekundungen, es war noch nie so recht sein Ding gewesen, vor allem, weil er eine desaströse erste Ehe hinter sich hatte, in der von Wärme, Geborgenheit, Zuneigung und Liebe nicht die geringste Spur geherrscht hatte.

Demensprechend groß war die Umstellung für ihn auf das, was ihn nun mit Casey verband. Er staunte selbst am meisten über die Tiefe und Aufrichtigkeit seiner Emotionen.

Seine Liebeserklärungen an Casey waren zunächst von Unsicherheit geprägt gewesen und entsprechend steif und geschäftsmäßig ausgefallen. Mittlerweile gingen ihm diese Worte leichter von den Lippen, auch wenn er wahrlich kein Meister im Komplimente machen oder im Erzeugen von romantischer Stimmung war.

Umso mehr war er bemüht, dieses kleine Manko seinerseits anderweitig auszugleichen. Es war ihm bewusst, dass man es mit materiellen Dingen nur bedingt aufwiegen konnte und das dies auch nicht der richtige Ansatz war. Derzeit war es aber beinahe die einzige Möglichkeit, Casey seine Liebe und Anerkennung zu zeigen. Doch was er sich für sich und sie als Paar zum kommenden Valentinstag ausgedacht hatte würde sich gut die Waage halten zwischen dem, was man für Geld kaufen konnte und dem, was sich auf einer völlig anderen Ebene abspielte.  Ian Dunross lächelte verhalten, als er daran dachte, was er gerade plante.

Entschlossen nahm er den Telefonhörer zur Hand und wählte eine Nummer, die er von einem Notizzettel vor sich ablas. Dann wartete er auf die Gesprächsannahme des Angerufenen.

„Hallo?“

„Hallo, hier Ian Dunross.“

„Oh, wie schön, dass Sie anrufen, Tai Pan. Wie geht es Ihnen, wie geht es Casey? Alles in Ordnung?“

„Ja, bestens, vielen Dank, Orlanda. Sie kennen mich, ich komme gern rasch auf den Punkt: Was halten Sie von einer Woche Hawaii? Sie, Debbie, Casey und ich?“

Er konnte förmlich spüren, dass Orlanda Ramos die Luft anhielt und diese fest ausstieß als sie fragte: „Wann? Wie kommt das zustande?“

Er grinste zufrieden vor sich hin: „Ich hatte Casey im November schon Urlaub versprochen und die fünf Tage Macao neulich kann man nicht wirklich so nennen. Also dachte ich, ich fliege mit ihr für zwei Wochen nach Hawaii, eine Woche nur sie und ich und eine Woche mit Ihnen und Debbie dann zur Gesellschaft.“

„Wow, Casey wird außer sich sein vor Freude. Wird sich das denn mit den Unternehmen vereinbaren lassen? Und mit der Schwangerschaft? Darf sie denn überhaupt fliegen?“

„Oh ja, ich habe bereits mit Professor Sanderson von der Frauenklinik hier gesprochen. Er hat sein Okay gegeben. Und Struans und Par Con haben überaus fähige Vize-Präsidenten, so dass höchstwahrscheinlich in diesen zwei Wochen nicht mit dem Untergang der beiden Firmen zu rechnen ist. Auch wenn ich immer gern glaube, ich wäre der Einzige, der dieses Unternehmen leiten kann, es ist ein Trugschluss.“

Ein leises Lachen aus der Leitung war zu vernehmen: „Tai Pan, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Wann genau soll es losgehen und wie möchten Sie es regeln?“

„Ich lasse den Flug für Casey und mich für den frühen Abend des 13. Februar buchen, dann würden wir Debbie und Sie, Orlanda, für den 20. auf Hawaii erwarten. Buchen Sie am besten von Kalifornien aus und schicken Sie mir die Rechnung. Sie sind beide herzlich eingeladen. Wir werden auf Kauai am Poipu Beach wohnen, im Koa Kea Resort, ein traumhafter Ort, glaubt man den Angaben des Hotelprospektes.“

„Es klingt verlockend und zu schön, um wahr zu sein. Danke, Tai Pan. Ich setze mich gleich mit Debbie Arnold in Verbindung, aber ich denke, sie wird nichts gegen diese Reise einzuwenden haben.“

„Das will ich ihr geraten haben“, lachte Ian ins Telefon.

„Warum ausgerechnet Hawaii?“

„Weil sowohl Casey als auch Debbie und Sie ja nun durch Heirat, gewissermaßen, US-Staatsbürger sind und kein Visum für diese Reise beantragen müssen und ich zum Glück über ein US-Visum für mehrfache Einreise verfüge. Alles demnach sehr unkompliziert.“

„Wie immer sehr effizient und gut durchdacht, Tai Pan.“

„Wie sonst hätte ich in den vergangenen Jahren Struans durch die Tücken der Hongkonger Wirtschaft bringen können? Nur mit vorausschauendem Denken und straff angezogenen Zügeln.“

„Ja, dafür sind Sie bekannt.“

„Sehen Sie… und nun wünsche ich angenehme Reisevorbereitungen. Sollten Sie Fragen haben, können Sie Claudia kontaktieren, sie ist in die Sache eingeweiht und nimmt sich der Details an. Wir sehen uns dann am 20. Februar, ich freue mich.“

„Ich mich auch, sehr sogar. Auf bald, Tai Pan.“

Er legte auf und lehnte sich entspannt in seinem Schreibtischsessel zurück. Zwei Wochen Hawaii, das war mehr als Luxus für ihn, der sich sonst nur selten Urlaub gönnte. Ein paar Mal war er mit Lando Mata zu Kurztrips unterwegs gewesen, unter anderem auch in Las Vegas, um sich dort bezüglich einiger Dinge das Glücksspiel betreffend umzusehen, außerdem hatte er – und das war schon länger her – seinen Onkel Alastair und seine früheren Schwiegereltern in England besucht. Mit beiden verband ihn kaum noch was, also hatte es sich auf diesen einen Goodwill-Trip beschränkt. Nach einer Woche war er aber schon wieder nach Hongkong zurückgekehrt, es hatte ihn nichts mehr weiter im Vereinigten Königreich gehalten.

Nun freute er sich auf Caseys Gesicht, wenn er ihr eröffnen würde, dass sie für die Dauer von zwei Wochen verreisen würden. Nur würde er nicht verraten, wohin es ging, das blieb seine Überraschung, bis dann am Flughafen der Flug nach Hawaii aufgerufen wurde. Da geschäftlich wegen der Reise einiges zu regeln war, musste er ihr aber bereits jetzt schon mitteilen, dass er Urlaub gebucht hatte. Er erhob sich und schaute aus den schmalen Alu-Jalousien vor den Bullaugen-Fenstern seines Büros auf den Platz vor dem Struans-Tower, wo sich der dichte Hongkonger Verkehr seinen Weg bahnte. Dann straffte er sich durch, verließ sein Büro und stieg in den Aufzug, um in die 52. Etage zu fahren, wo Casey ihre Firmenräume für Par Con hatte. Im Lift betrachtete er versonnen den goldenen Reif an seinem linken Ringfinger.

Kapitel 2 - Über den Wolken by doris anglophil

 

Das glückliche Paar vor der malerischen Kulisse des Hafens von Aberdeen (Hongkong Island)

Vier Etagen höher angekommen, trat er aus dem Aufzug und wurde von der Empfangsdame strahlend begrüßt: „Mr. Dunross, wie schön Sie zu sehen. Sie waren schon eine Weile nicht mehr hier bei uns, wenn mich nicht alles täuscht.“

Er lachte trocken: „Ja, Claire, ich glaube, es war vorgestern. Eine unglaublich lange Zeit, in der Tat. Ist meine Frau da?“
„Natürlich, Mr. Dunross. Soll ich Sie anmelden oder möchten Sie direkt durchgehen?“

„Ich kenne Sie, Sie werden, sobald ich um die Ecke hier biege, ohnehin zum Telefonhörer greifen und meine Überraschung ist dahin.“

„Dann verspreche ich hoch und heilig, dass ich nicht durchrufe.“

„Gut, Versprechen gilt.“

Dynamisch öffnete er die Bürotür ohne angeklopft zu haben und Casey zuckte am Schreibtisch zusammen, weil sie gerade in das Lesen eines Dokuments vertieft gewesen war. Leicht ungehalten blickte sie auf, doch als sie sah, wer sie da unangemeldet störte, wurden ihre Gesichtszüge deutlich weicher.

„Ian, was machst du denn hier? So eine Überraschung.“

Er warf sich auf einen Sessel in der Besucherecke und schüttelte den Kopf: „Mir gehört der Laden hier, schon vergessen? Par Con ist bei Struans nur Untermieter.“

Sie erhob sich und schritt forsch auf ihn zu: „So, so. Das gibt dem Herrn Tai Pan das Recht überall und plötzlich hereinzuplatzen?“

Diesmal nickte er aus voller Überzeugung: „So sieht es aus.“

Casey konnte sich das Grinsen kaum noch verkneifen, er war und blieb ein von sich selbst überzeugter Fatzke, der leider Gottes unverschämt gut aussah, steinreich war und sich das alles wie selbstverständlich erlauben konnte. Dagegen anzugehen war unglaublich schwer.

„Im Ernst, was verschafft mir die Ehre deines unerwarteten Besuchs?“

Er klopfte einladend auf das Polster neben sich: „Setz dich zu mir, dann erzähle ich es dir.“

Sie glitt auf den angebotenen Platz und schaute ihn herausfordernd an: „Bekomme ich keinen Kuss zur Begrüßung?“

Seine grünen Augen richteten sich verheißungsvoll auf ihre blauen: „Du bekommst mehr als das.“

Es dauerte keine Sekunde mehr, bis sie in seinen Armen lag und er ihr einen leidenschaftlichen Kuss gab.

Schwer atmend richtete sie sich ihr aufgestecktes blondes Haar und räusperte sich, bevor sie wieder in die Konversation einstieg: „Gut, das war ein Anfang, würde ich sagen. Was gibt es noch? Oder hast du mir nur aufgelauert, um mir diesen Kuss zu rauben?“

Er schnaubte: „Pah, rauben! Du hast ihn ja regelrecht verlangt. Aber ich will dich nicht länger zappeln lassen und von der Arbeit abhalten, vor allem, da auch ich dringend wieder an meinen Schreibtisch zurück muss: Wir treten eine Urlaubsreise an, stelle dich bitte auf zwei Wochen Abwesenheit ein.“

Sie war verblüfft: „Was? Ian, was wird das?“

„Das wird mein eingelöstes Versprechen von November. Urlaub.“

„A… aber wir waren doch erst in Macau. Ich kann nicht schon wieder hier weg und schon gar nicht für die Dauer von zwei Wochen.“

Sein Ton wurde hart und bestimmt, so wie man es von seinen geschäftlichen Besprechungen her nicht anders kannte: „Du kannst. Du wirst. Casey, wenn ich mich für eine solche Zeitspanne freischaufeln kann, wird es dir wohl auch gelingen. Komm schon, wir haben fähige Leute hinter uns, die das für die Dauer unserer Abwesenheit regeln werden.“

„Wohin soll es gehen, wenn ich fragen darf?“

„Darfst du nicht, das bleibt meine Überraschung. Aber du musst nicht allzu viel einpacken. Sommerliche Kleidung, Strandsachen, Freizeit-Klamotten, vielleicht etwas Schickeres für den Abend, aber alles ungezwungen. Ich veranlasse dann das Notwendige beim Personal auf dem Peak.“

„Vielen Dank, dass du mich überhaupt mit einbeziehst. Du hast also alles schon geplant, ja?“

„Natürlich.“

„Minutiös durchorganisiert, stimmt’s?“

Er nickte zustimmend.

Casey stand auf und begann, im Raum auf und ab zu gehen: „Sei mir nicht böse, ich weiß, dass es als Überraschung gedacht ist, aber… es fällt mir schwer, mich so spontan darauf einzulassen. Ich… ich bin ebenfalls gewohnt, alles durchzuplanen, für mich selbst zu denken und zu handeln. Wenn dies komplett von einem anderen übernommen wird, komme ich mir überfahren vor. Wann soll es denn losgehen mit der Reise?“

Er druckste einen Moment herum, dann rückte er raus mit der Sprache: „Am 13. Februar.“

Sie war mit einem rasiermesserscharfen Verstand gesegnet und durchschaute die Sache sofort: „Das ist in einer Woche schon, du liebe Zeit! Ich nehme an, das soll eine Sache zum Valentinstag werden, habe ich Recht?“

„Ja, das ist nur schwer zu verheimlichen, leider.“

Versöhnlicher gestimmt ließ sie sich wieder neben ihn auf dem Sessel fallen und schlang ihre Arme um seine Schultern: „Du verlangst mir vielleicht was ab. Also gut, ich sehe mal, was sich machen lässt. Da ich jedoch davon ausgehe, dass du bereits gebucht und gemacht und getan hast, vielmehr, dass Claudia das alles gemäß deiner Anweisungen erledigt hat – machen wir Urlaub.“

„Prima. Wegen des Fluges habe ich bereits mit deinem Gynäkologen gesprochen.“

Caseys Augen wurden groß: „Was hast du?“

Doch sie musste wider Willen lachen: „Du überlässt echt nichts dem Zufall. Ich stelle mir gerade vor, wie schwer es dir gefallen sein muss, Professor Sanderson oder seine Vertretung im Klinikum anzurufen. Oder hast du Claudia auch damit betraut?“

Ihr Mann wandte sich beleidigt ab: „Casey, ich bin erschüttert, wie wenig du mir zutraust. Selbstverständlich habe ich persönlich mit dem Professor gesprochen. Ich bin sehr wohl in der Lage, gewisse Dinge ohne Claudias Assistenz in Angriff zu nehmen.“

Ihre mühsam aufrecht erhaltene Ernsthaftigkeit fiel komplett von ihr ab und sie prustete los vor Lachen: „Oh, bitte, sei mir nicht böse, aber es ist gerade zu komisch. Oder hättest du es vor zwei Monaten für möglich gehalten, dass du freiwillig ein Telefongespräch mit einem Gynäkologen führen würdest?“

Ian barst ebenfalls in Lachen aus und japste nach Luft: „Nein, ich hätte jeden, der das von mir verlangt hätte, dreimal die Woche den Pool putzen lassen.“

„Sklaventreiber.“

„Was denkst du denn, weswegen sich das Noble House mehr als einhundertfünfzig Jahre lang an der Spitze der Hongkonger Wirtschaft behaupten konnte? Das war nur mit eiserner Härte möglich.“

„Gut, du Eisenhans, dann sollten wir beide uns mal wieder unserer harten Arbeit widmen. Sehen wir uns zum Lunch?“

„Ich fürchte heute nicht, ich muss zum Renn-Club, kurzfristig einberufene Sitzung. Aber du kannst ja trotzdem runterkommen, bei all der Fürsorglichkeit um dich und das Baby reißen sich ja alle hier im Haus förmlich drum, dir ein schmackhaftes Mittagsmahl zu servieren.“

„Ich weiß. Sie sind alle sehr nett.“

Ian Dunross erhob sich seufzend: „Ich muss los.“

Er küsste Casey, diesmal weniger feurig und nur kurz.

„Und du sagst mir wirklich nicht, wohin die Reise am 13. geht?“

„Erst wenn wir am Flughafen sind, denn dann lässt es sich ja nicht länger geheim halten.“

„Du bist gemein.“

Er strich ihr sanft über die blonden Haare, wandte sich dann aber ab und meinte im Gehen: „Nicht gemein, nur ungemein nett.“

Casey starrte ihm fasziniert hinterher, sogar dann noch, als die Tür sich schon längst hinter ihm geschlossen hatte.

Sie hatte eine Woche lang gebohrt und ihm Löcher in den Bauch gefragt, völlig umsonst. Er hatte natürlich nichts preisgegeben. Auch Claudia hatte sich lediglich in ein maliziöses Lächeln gehüllt und ihr gesagt, dass sie sich doch in dieser Angelegenheit am besten an ihren Mann wenden solle.

Casey Tcholok-Dunross hatte mit den Augen gerollt und sich in ihr Schicksal ergeben.

Sogar am Flughafen hatte Ian noch ein großes Geheimnis aus allem gemacht und bis zur letzten Minute vermieden, dass sie es früher als notwendig herausfinden würde. Erst als sie am Check-In-Schalter angekommen waren, ging es nicht mehr anders.

Sie staunte: „Wir fliegen nach Hawaii? Zwei Wochen lang? Ich bin mehr als beeindruckt.“

Er freute sich, dass der erste Teil der Überraschung so gut gelungen war. Wenn Casey wüsste, was sie noch alles erwarten würde… sein zufriedenes Lächeln vertiefte sich.

Beim Ankleiden für die Reise hatte sie übrigens zum ersten Mal festgestellt, dass ihr Hosenbund nicht mehr zuging. Diese Tatsache hatte sie allerdings für sich behalten und sie fragte sich, ob und wann es Ian auffallen würde. Im Urlaub konnte man das alles sicher noch gut kaschieren, da sie darauf geachtet hatte, sehr bequeme, luftige Kleidung mitzunehmen, die nirgends einengte. Von ihrer Modelfigur würde sie nun einstweilen Abschied nehmen müssen.

Es war nach wie vor faszinierend, in Hongkong vom Flughafen Kai Tak abzuheben, insbesondere am Abend. Man hatte dann das Gefühl, unmittelbar in die erleuchteten Wolkenkratzer hineinzufliegen. Wer eher ängstlicher Natur war und einen Fensterplatz hatte, schloss dann beim Start meist die Augen, bis man sich in einer gewissen Flughöhe befand.

Auch Casey hatte sich daran längst noch nicht gewöhnt, und während Ian lässig und entspannt neben ihr saß, entfuhr ihr ein kleiner Laut des Entsetzens, als man eine enge Kurve nahm und die Tragflächen dabei den Gebäuden verdächtig nahekamen.

Er nahm ihre Hand: „Es scheint nur so. In Wirklichkeit ist da noch etliches an Spielraum. Jeder Pilot, der hier startet und landet, hat eine Speziallizenz.“

„Ich weiß. Dennoch sieht es sehr waghalsig aus. Ich hebe ja erst zum zweiten Mal von hier ab, meine Erfahrungswerte sind also gleich Null.“

„Du wirst dich dran gewöhnen.“

„Vielleicht.“

„Die Landungen sind sehr viel komplizierter. Der Start hinaus aufs Meer ist da beinahe ein Kinderspiel dagegen.“

„Wie beruhigend zu wissen für unsere Rückkehr.“

„Komm, freuen wir uns auf den Urlaub und denken wir nicht an das, was in zwei Wochen sein wird.“

„Ich freue mich ja. Sehr sogar. Obwohl ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe wegen Par Con. Es wird vieles an Arbeit liegenbleiben, fürchte ich.“

„Nicht dran denken, Casey. Oder glaubst du, mir würde es mit Struans anders ergehen?“

„Natürlich nicht. Also, denken wir an Hawaii.“

„Brav. Du solltest nach der Zwischenlandung in Tokio ein bisschen schlafen, wenn es dir möglich ist. Und wir überfliegen mal wieder die Datumsgrenze, das ist wohl gleichbedeutend mit ein wenig Verwirrung.“

„Auf alle Fälle. Aber du solltest nachher auch schlafen, Ian.“

Er nickte zustimmend: „Ich nicke ganz sicher auch für ein Weilchen ein, falls ich nicht am gezeigten Film kleben bleibe.“

„Du liebe Zeit. Das ist doch meistens das beste Schlafmittel schlechthin.“

Er lachte, wobei seine makellos weißen und ebenmäßigen Zähne aufblitzten: „Stimmt auch wieder.“

Es ertönte ein Tonsignal und die optischen Anzeigen über den Passagiersitzen erloschen, was Ian dazu veranlasste, seinen Gurt zu lösen und noch ergänzend anzumerken: „Ging doch schnell jetzt mit dem Erreichen der Reiseflughöhe. Dann kann der muntere Run auf die Board-Toiletten ja losgehen.“

Dieser Satz trug ihm einen tadelnden Blick von seiner Frau ein: „Ian, bitte.“

Er ließ erneut seine einwandfreie Zahnleiste aufblitzen: „Wenn’s doch wahr ist.“

Sie lächelte milde: „Ich höre Derartiges nur höchst selten aus deinem Mund.“

„Bis heute wohl noch nie, wage ich zu behaupten. Aber ich bin im Urlaub, da lege ich den knallharten Geschäftsmann und elitären Tai Pan ab und zu mal ab.“

„Es geschehen noch Zeichen und Wunder.“

Ian drückte ihre Hand: „Diese Dinge bewirkst in erster Linie du.“

Caseys Lächeln wurde breiter: „Charmeur. So, und nun mach mir mal Platz, denn ich gedenke nun am – wie sagtest du so schön – Run auf die Board-Toiletten teilzunehmen.“

Er lachte auf ihre Bemerkung hin laut auf und zog gehorsam seine Beine zum Sitz hin, damit sie an ihm vorbeikonnte.

Nach vier Stunden Flug war Tokio erreicht, wo sie eine Stunde Aufenthalt hatten. Das tat recht gut, denn man konnte sich vor dem längeren Weiterflug nach Honolulu noch einmal die Beine ordentlich vertreten.

Gegen 23 Uhr Tokioer Zeit wurde der Weiterflug angetreten und da man ostwärts flog, verlor man an Zeit. Eine Stunde Differenz waren es schon zwischen Hongkong und Tokio gewesen, zwischen Japan und den hawaiianischen Inseln gab es nochmals einen Unterschied von fünf Stunden – und nun kam das Verwirrende – aber bei denen war es erst der 13. und nicht der 14. Februar! Alles, was man beim Flug gen Osten verloren hatte, gewann man reichlich durch das Überschreiten der Datumsgrenze in dieser Richtung wieder hinzu.

Und noch ärger gegen alle menschliche Natur und Vernunft war der Umstand, dass man zwar einen Nachtflug antrat, dieser aber sich sehr rasch in einen frühmorgendlichen Flug verwandelte. Die Nacht währte also leider nicht sehr lange und schlafen war nur mit abgedunkeltem Fenster und dem Anlegen der durch die Airline bereitgestellten Schlafmasken einigermaßen möglich.

Ian mochte diese Masken nicht und klammerte sich daher eine ganze Weile lang eisern an den Spielfilm im Board-Kino, stöpselte dann aber irgendwann auch seine Kopfhörer aus und nickte endlich ein.

Als man kurz vor Mittag des 13. Februar in Honolulu aus dem Flieger stieg, hatte man also mehr als einen ganzen Tag gewonnen, da man in Hongkong am 13. Februar gegen 18 Uhr am Abend losgeflogen war. Ian Dunross irritierte das kaum, er fand es sehr angenehm und clever, dass man diesen Tag zweimal erleben konnte. Dadurch war ihm auch erspart geblieben, dass er mit Casey unterwegs im Flieger in den Valentinstag hätte hinein feiern müssen.

Sie waren beide redlich müde und erledigt, mussten natürlich aber noch auf ihren Inlands-Anschlussflug zur Insel Kauai warten. Der würde aber zum Glück nur noch etwas mehr als eine halbe Stunde dauern und ebenso viel Zeit würde man dort für den Transfer zum Hotel brauchen.

Während Ian sich im Flughafen-Terminal von Honolulu eine Tasse Kaffee genehmigte, trank Casey einen frischgepressten Fruchtsaft-Cocktail. Die Temperaturen waren angenehm, noch einmal deutlich wärmer als in Hongkong und was das Wichtigste war: Die Sonne schien!

Palmen wiegten sich in der immer wehenden Brise des Pazifischen Ozeans und Ian zog das leichte Jackett aus und hängte es sich lässig über den Arm. Endlich wurde der Weiterflug aufgerufen und Casey und er traten den Weg zum Inselflieger an.

Kapitel 3 - Glück im Koa Kea Resort by doris anglophil

 

Als das Koa Kea Resort erreicht war, brach Casey in einen Ruf des Entzückens aus. Die im landestypischen Stil erbaute, schilfgedeckte, dreiseitige Anlage lag offen zur Poipu Bucht und verströmte mehr als einen Hauch von Luxus.

Sie drehte sich um und strahlte Ian an: „Ich hatte einiges erwartet, wirklich, weil ich mittlerweile weiß, dass der Tai Pan nur mit dem Allerbesten zufrieden ist, aber das ist einfach traumhaft schön.“

Er lächelte in seiner typischen, halb jungenhaften, halb zurückhaltenden, nicht zu durchschauenden Art zurück: „Es freut mich, dass ich deinen Geschmack getroffen habe.“

„Hast du. Aber natürlich ist das eine leichte Übung für dich, denn was Luxus ist, hat man dir ja schon mit der Muttermilch eingetrichtert.“

„Ich war ein Flaschenkind.“

Sie lachte trocken: „Immer einen Konter parat, ganz der eloquente Tai Pan.“

Er nahm sie fürsorglich am Ellbogen, und sie wusste, das bedeutete, dass er vom Thema ablenken und es am besten komplett wechseln wollte.

Genauso verhielt es sich auch, denn im Gehen meinte er betont munter: „Lassen wir uns das Zimmer zeigen und verschnaufen ein wenig von der anstrengenden Anreise, ja?“

„Ablenkungsmanöver?“

„Du kennst mich gut inzwischen. Ja. Aber ich fühle mich tatsächlich etwas zerknautscht, um ehrlich zu sein. Wie geht es dir?“

Es schwang echte Besorgnis in seiner Frage mit.

„Mehr als zerknautscht. Also schauen wir uns das Zimmer an.“

Zimmer war natürlich reichlich untertrieben, es war eine Suite direkt zum Meer hin, mit einem Ausblick, der mehr als himmlisch war.

Müde, aber glücklich sank Casey an Ians Brust: „Es ist herrlich hier. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, das Bett ruft nach mir.“

„Dann ruh‘ dich aus, Darling.“

„Und du?“

Er zuckte mit den Achseln: „Ich drehe eine Runde über das Anwesen, dann leiste ich dir Gesellschaft. Momentan bin ich noch ein wenig rastlos, obwohl ich auch rechtschaffen müde bin.“

„Bleib nicht zu lange weg.“

Er küsste sanft ihren Haaransatz an der Stirn, dann suchten seine Lippen ihren Mund.

Zwischen vielen hingehauchten und einigen intensiven Küssen murmelte er: „Wie würde ich denn… bin sehr schnell bei dir.“

Doch als Ian Struan-Dunross von seiner Runde über die Hotelanlage wiederkehrte, war Casey bereits fest eingeschlafen. Er lächelte nachsichtig, rückte sich einen Stuhl auf der Veranda zurecht, genoss das berauschende Panorama und schenkte sich einen ersten Drink ein.

Dann erst verspürte er, wie ihn die Müdigkeit überwältigte und er schlüpfte zu seiner Frau ins Bett, die leider Gottes einen extrem schönen, wenn auch ebenso extrem kitschigen Sonnenuntergang verpasst hatte.

Der Morgen des Valentinstages begann damit, dass der Room-Service ein von Ian persönlich ausgewähltes und zusammengestelltes Frühstück hereinbrachte. Casey räkelte sich schläfrig im Bett, während ihr Mann sich am Servierwagen zu schaffen machte.

„Happy Valentine’s“, hörte sie ihn sagen, was für sie das Signal war, endgültig die Augen aufzuschlagen.

„Oh“, entfuhr es ihr angesichts der exzellenten Frühstücksauswahl und des Rosenbuketts, das auf ihrer Bettdecke lag.

Dazu rauschte das Meer in einem stetigen, unaufdringlichen Brausen, denn die Verandatür war geöffnet und die salzhaltige Luft drang mit jeder Welle, die am Strand brach, in die Suite ein.

Sie betrachtete das Frühstück mit gemischten Gefühlen. Ihr war nicht immer danach, manchmal litt sie sogar jetzt noch unter Übelkeit, die jedoch nie so extrem ausgeprägt war, dass sie sich auf der Toilette erleichtern musste, die aber doch genügte, um ihr gelegentlich den Appetit zu verderben.

Ian forschte in ihrem Gesicht und ahnte es: „Keinen Hunger?“

„Hunger schon, aber ich kriege wahrscheinlich jetzt nichts runter.“

Er setzte sich zu ihr ans Bett und nahm ihre Hand auf: „Wie schade. Dir war schon lange nicht mehr schlecht, ich dachte, es hätte sich mittlerweile gelegt.“

„Das dachte ich auch. Ich führe es auf die Anstrengungen der Anreise zurück. Es bringt anscheinend einiges durcheinander.“

Sie nahm den Rosenstrauß in beide Hände und roch schnuppernd daran: „Wunderschön. Danke.“

Dann fiel ihr schlagartig etwas ein, denn sie beugte sich zu einer Tasche am Boden vor dem Bett hinunter und kramte darin.

Wieder auftauchend hielt sie Ian ein kunstvoll verpacktes Päckchen hin: „Happy Valentine’s auch für dich.“

Sein Schmunzeln verriet nur in den seltensten Fällen seine wahre Gemütslage, er hatte die meiste Zeit seines Lebens in China verbracht und war daher ein Meister der Verstellung, der Wahrung des Gesichtes, wie man es so schön ausdrückte. So war auch hier sein äußerer Ausdruck eher der einer Sphinx, obgleich er das Geschenk mit leichter Neugier beäugte.

Casey war ungeduldiger als er, was so oft der Fall war und was auch die Dinge in ihrer geschäftlichen Beziehung zueinander immer sehr spannend gemacht hatte und sicher weiterhin machte. Er, der offensichtlich unendlich geduldige, mit Ausdauer gesegnete Tai Pan; sie, die auf raschen Erfolg und schnelle Abschlüsse bedachte amerikanische Managerin.

Deswegen drängte sie ihn auch: „Was ist? Willst du es nicht öffnen?“

„Doch, aber ich wollte erst frühstücken. Das Rührei wird kalt, das Geschenk – so denke ich – wohl nicht.“

„Oh, du bist so furchtbar, Ian! Immer wieder kehrst du dieses unterschwellig Aristokratische heraus. Bist du denn kein bisschen neugierig?“

„Bin ich, aber ich habe gelernt, die Neugier zu beherrschen. Wie ich auch gelernt habe, anderen, ähnlich gearteten Schwächen nicht sofort nachzugeben.“

„Aber mir hast du sofort nachgegeben? Vor vier Monaten, im November?“
„Nicht sofort, aber ziemlich schnell. Es war fast unmöglich, sich deiner Anziehungskraft zu widersetzen. Und glaube mir, liebste Casey, so etwas passiert mir so gut wie nie. Ich habe mich immer gut im Griff.“

„Oh ja, dafür bist du nur allzu bekannt. Das Witzige aber ist, Ian Dunross: Du hattest dich eine Nacht lang wenig bis gar nicht im Griff und daraus ist prompt ein Kind entstanden.“

Er grinste vieldeutig: „Das erste Mal Macao.“

„Ja, Macao zum Ersten.“

„Ich hatte mich schon am Tag zuvor auf der Dschunke nicht sonderlich gut im Griff, da hast du aber den Kopf eingeschaltet und die Notbremse gezogen.“

Casey musste beinahe wider Willen loslachen: „Was vielleicht gut so war, sonst würden wir eventuell jetzt Zwillinge erwarten.“

Sein Lachen erfüllte nun die gesamte Hotel-Suite: „Den Göttern sei Dank, dass ich so eine vernünftige Frau habe! Wenn schon mein sonst stets funktionierender Verstand aussetzt und mir in die Hose rutscht, ist es wahrlich von Vorteil, dich an meiner Seite zu haben.“

Casey trank wenigstens eine Tasse Tee und fühlte sich danach um einiges besser. Ian frühstückte ausgiebiger und riss nach einer zweiten Tasse Kaffee endlich ein Geschenk auf. Es entpuppte sich als ein zusammengerolltes Schriftstück. Er rollte es auf und las den Inhalt mit gerunzelter Stirn:

Werkvertrag

Zwischen

Par Con Industries, Inc., mit Sitz in 620 Newport Center Drive, Newport Beach, Kalifornien, hier vertreten durch die Vorstandsvorsitzende Kamalian Ciranoush Tcholok-Dunross

und

Mr. Jerry D. Bailey

Berufsjockey, derzeit wohnhaft in 22 Serenite Lane, Muttontown, New York, hier vertreten durch sich selbst, wird folgender Vertrag geschlossen:

Das weitere Vertragswerk überflog er mit geübtem Auge, sofort erkennend, dass dieser weit über die Grenzen Amerikas hinaus bekannte Jockey für ein Jahr dem Noble House – auch wenn der Vertragspartner de fakto Par Con war - exklusiv seine Dienste anbieten würde.

„Oh mein Gott! Das hast du nicht wirklich zustande gebracht, Casey!“

„Doch, habe ich, wie du siehst.“

„Das bedeutet mir ungeheuer viel. Natürlich ist Tom Leung ein guter Ersatz für Alexei Travkin, aber das hier ist natürlich… da liegen nochmals Welten dazwischen. Noble Star wird nicht nur in Hongkong die Rennen gewinnen, wenn Bailey ihn reitet.“

„Das ist die Absicht, die dahinter steckt. Und er wird sich auch um einen guten Nachfolger für Noble Star bemühen, so ein Rennpferd kann nicht jahrelang die Nase vorn haben. Wir müssen an die Zukunft denken, auch als Rennstall.“

„Ich bin beeindruckt, Casey.“

„Bailey wird bereits als zukünftiger Präsident der US-Jockey-Vereinigung gehandelt.“

„Davon habe ich munkeln hören, ja.“

„Nun, wenn er in Hongkong fertig ist und seine Arbeit für den Rennstall des Noble House erfolgreich beendet hat, wird er das sicher auch. Ich denke, das gefällt dir, Ian Struan-Dunross: Nur das Beste ist gerade gut genug, ist das nicht deine Maxime?“

Ian fuhr sich mit der Hand durch das füllige, fast schwarze Haar, das an einigen prominenten Stellen mit wirkungsvollen grauen Strähnen durchzogen war. Zum ersten Mal hatte jemand vollständig ohne sein Zutun und ohne sein Wissen eine geschäftliche Transaktion für das Noble House getätigt. Das war ein Novum, eine Sache, an die er nicht gewöhnt war und er wusste in diesem Augenblick nicht, ob er sich jemals daran gewöhnen würde. Doch das war gerade nebensächlich, es war Valentinstag und Casey hatte ihm ein einzigartiges Geschenk gemacht, abgesehen natürlich von dem Kind, das sie unter dem Herzen trug.

„Ja, das trifft in etwa zu. Ich bin gerade ernsthaft am Überlegen, ob es dir – rein theoretisch gesprochen – möglich sein könnte, mich als Kopf von Struans abzusetzen. Ich sollte alle Verträge mit Par Con nachträglich auf diese Option überprüfen lassen.“

Casey merkte, worauf er hinauswollte, obwohl er einen durchaus humorvollen Unterton angeschlagen hatte: „Dann solltest du zuerst unseren Ehevertrag aus dem Safe holen und daraufhin durchgehen.“

Sie rückte näher zu ihm und strich ihm beruhigend über den Rücken, während sie weiterredete: „Wie? Der große Tai Pan hat Angst, seine Frau könnte ihm das Wasser abgraben?“

Bevor er antwortete, war ein kurzes Lachen seinerseits zu hören: „Nein. Wenn ich davor Angst haben müsste, würde ich als erstes sämtliche Anwälte von Struans entlassen und die von Par Con gleich mit dazu. Aber zugegeben, kam mir kurz der Gedanke, übergangen zu werden.“

„Würdest du mir das zutrauen?“

Er schaute sie forschend an und nickte dann fest: „Dir würde ich eigentlich alles zutrauen. Da ich dich aber liebe und dir auch vertraue, habe ich keine Bedenken.“

„Fällt dir das alles weiterhin schwer? Mir zu sagen, dass du mich liebst, dass du mir vertraust, zuzugeben, dass auch andere gute Manager sind und ein großes Firmen-Imperium leiten können?“

„Anfangs schon ein wenig, jetzt nicht mehr. Die Umgewöhnung ist mir nicht leichtgefallen, doch ich lerne jeden Tag dazu, was ja auch ein Vorteil ist. Aber es ist mir nie schwergefallen, dir zu sagen was ich fühle.“

Nun lachte Casey: „Doch, auch damit hast du dich schwergetan. Du hast am Telefon herum gestottert wie ein schüchterner Schuljunge.“

Ian protestierte schwach: „Nur die ersten Tage nachdem du weg warst. Ich war vom Abschiedsschmerz schier überwältigt.“

„Oh Ian, du lügst so schlecht. Geschäftlich bluffen kannst du hervorragend, aber du bist ein miserabler Lügner, was die rein privaten Dinge betrifft.“

„Wenn du das sagst… dann kann ich dir auch nicht verheimlichen, dass in einer Woche noch eine Überraschung hier auf dich wartet.“

„Ian! Was ist es? Was hast du vor? Der Aufenthalt hier ist schon mehr, als ich je erwartet habe. Und Anfang Januar habe ich ja schon den schicken Jaguar von dir bekommen.“  

„Und du hast mir einen neuen Jockey beschert.“

„Und ein Baby.“

„Ja, und ein Baby. Also, am 20. Februar kommen für die letzte Woche unseres Aufenthaltes noch Debbie und Orlanda her. Ich habe sie beide eingeladen.“

Casey war sekundenlang sprachlos, doch dann warf sie sich ihrem Mann gerührt in die Arme: „Das ist wundervoll! Damit machst du mir und sicher auch den beiden eine irre große Freude.“

Als sie sich eine ganze Weile später endgültig aus dem Bett erhoben und Casey sich etwas zum Anziehen für einen Strandspaziergang aussuchte, fiel Ian es auf. Er betrachtete ihre Silhouette im Gegenlicht vom Fenster her und unterdrückte nur mit Mühe einen für ihn mehr als unüblichen spitzen Schrei, dem einer Frau nicht unähnlich: „Casey!“

Sie blickte sofort alarmiert aus ihren Sachen auf, so ungewöhnlich war seine Aufgeregtheit: „Was ist denn? Alles in Ordnung? Du hörst dich an, als hätte dich jemand mit einer Nadel gepiekt. Gibt es hier noch so etwas wie Voodoo-Rituale? Kann es sein, dass zu Hause in Hongkong Quillan Gornt gerade mit diebischer Freude und diabolischem Grinsen im Gesicht eine Stoffpuppe von dir malträtiert?“

Er schüttelte den Kopf und quetschte dann fast heiser hervor: „Casey, dein Bauch wölbt sich nach vorne. Ich sehe es nun. Ganz deutlich.“

Sie lächelte: „Ich habe mich schon gefragt, wann man mir es wirklich ansehen würde. Und bei der Abreise in Hongkong habe ich bereits gemerkt, dass mir die Hose am Bund viel zu eng war. Gesagt hatte ich nichts, weil ich abwarten wollte, ob du es während des Urlaubs auch sehen würdest.“

„Oh ja, ich sehe es. Und ich freue mich so sehr auf das kleine Wesen, es sprengt gerade komplett mein Vorstellungsvermögen. Ich… ich habe so etwas noch nie gefühlt.“

Er kam nun auf sie zu und strich ihr sehr vorsichtig, fast ehrfurchtsvoll über die im Profil gut zu sehende kleine Wölbung.

„Kann man sich einen perfekteren Valentinstag wünschen?“

Casey schüttelte den Kopf: „Nein, kann man nicht. Es ist alles mehr als perfekt. Ich liebe dich. Sehr sogar.“

Ein weiterer, überaus leidenschaftlicher Kuss besiegelte diese ihre Worte.

End Notes:

 

Webseite des erwähnten Hotels auf der hawaiianischen Insel Kauai: http://www.koakea.com/

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