A common murder ? -2- by Edin
Summary:

Ein Auftrag einen Agenten zu liquidieren führt John Porter nach Russland.

Was aber, wenn der Agent interessante Informationen hat?


Categories: Richard Armitage Characters: eigener m/w Charakter
Genres: Action
Warnings: Gewalt
Challenges: Keine
Series: John Porter Zyklus
Chapters: 17 Completed: Ja Word count: 14937 Read: 76240 Published: 02 Feb 2012 Updated: 22 Feb 2012
Kapitel 2 by Edin

 

Eoin


Wer hätte gedacht, dass ich mal in einem Kloster ende? Die Zellen sind eng und spartanisch.

Ich habe richtig Mühe geeignete Verstecke für meine Ausrüstung zu finden. Mit dem frühen Aufstehen und dem straff durchgeplanten Tag habe ich keine Probleme. Ich verbringe die ersten zwei Tage freiwillig damit, in Demut zu schweigen, denn besser kann ich mein Umfeld gar nicht beobachten und mich ihm anpassen. Es hilft schon, dass ich nicht zum ersten Mal Undercover tätig bin.

Aber als Mönch! Puh, diese Kerle haben keinen Sex - zumindest nicht mit Frauen!

Nach etwas mehr als zwei Wochen darf ich mit in die Haftanstalt. Wer dort eingesetzt ist, verbringt den ganzen Tag und -im Wechsel mit anderen Mönchen- auch manche Nacht, um als Seelsorger den armen fehlgeleiteten Seelen, die dort einsitzen zur Seite zu stehen.

Die Arbeit dort liegt mir mehr als Unkraut jäten und Boden wachsen im Konvent. Allerdings ist es den Mönchen ziemlich wurscht, was der Gefangene erzählt. Sie zitieren ein paar Bibelstellen, rufen zu Buße und Glauben auf und das war's. Das habe ich mir anders vorgestellt.

Ich dachte, das Essen im Konvent wäre Körperverletzung. Das Futter im Gefängnis aber …

Wir Glaubensbrüder bekommen das Gleiche wie die hiesigen Beamten. Was qualitativ um Universen besser ist als der Mampf für Gefangene. Ich sag es mal so, ich hab schon Insekten gegessen, die besser geschmeckt haben. Als ich das erste Mal auch Nachtschichten habe, fülle ich jeden freien Platz in meinem Fake-Bauch mit Äpfeln und Tomaten, frisch geklaut aus dem Klostergarten.

Schon in Nacht zwei war es mit der Ruhe vorbei. Ein Wärter weckt mich, weil eines seiner Schäfchen versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Ich eile mit ihm zur Zelle. Vor der Zelle stehen noch zwei weitere Wärter und ich traue meine Augen nicht. Bin ich nur hier, um den vierten Mann bei Bridge zu geben, oder was? Keiner kommt auf die Idee, den Gefangenen aus der Schlinge zu ziehen.

Also übernehme ich den Part, ihn runterzuheben, während die Wärter gaffen.

Erst als er auf dem Boden liegt und ich mit der Wiederbelebung beginne, merke ich, dass es meine Zielperson ist. Ich halte einen Moment inne und zögere. Wenn John ihn eh exekutieren soll, wäre es dann nicht gnädiger, ihn jetzt einfach sterben zu lassen?

Aber ich will mich auch nicht einfach umdrehen und weggehen. Die Wärter fordern mich auf, weiter zu machen. Wieso kümmert ihr Trottel euch nicht?

Langsam kommt er zu sich. Japst nach Luft. Ich ziehe ihn in eine halb sitzende Position, damit ihm das Atmen leichter fällt. Die Wärter winken ab und gehen wieder an die Arbeit. War für sie wohl nichts anderes, als mal ein bisschen Abwechslung im Alltag. Deppen.

Er zittert am ganzen Körper und ich sehe mich in der Zelle vergeblich nach einer Decke um. Deshalb nehme ich ihn erstmal in den Arm und halte ihn so warm wie möglich.

 

 

Lucas

Ich habe schon wieder versagt. Wieso gönnen sie mir nicht wenigstens die Gnade zu sterben?

Das Letzte, was ich jetzt brauche, ist jemand, der mir erzählt wie verwerflich Selbstmord ist und das ich Buße tun soll, obwohl Gott mir das ohnehin nicht verzeihen wird. Das habe ich alles schon mal vor ein paar Jahren gehört.

Ich bin überrascht, dass der Mönch, der bei mir ist, noch recht jung ist. Ich glaube, ich habe ihn hier noch nicht gesehen. Er hält mir auch keinen Vortrag, sondern versucht mich warm zu halten, während der nach den Wärtern ruft, dass sie eine Decke bringen sollen.

Schließlich schmeißt ihm ein Wärter eine uralte Wolldecke zu. Der Wärter sieht mich mit einer Mischung aus Spott und Verachtung an, bevor er meine Zelle verlässt.

Der Mönch wickelt mich in die kratzige Decke und ich frage ihn nach seinem Namen. Es wundert mich, dass er meine Frage überhaupt versteht, denn mehr als ein heiseres Flüstern bekomme ich nicht hin.

Er antwortet: "Kyrill." Er fragt mich, ob ich es mir zutraue aufzustehen. Eigentlich nicht, aber ich nicke trotzdem. Er hilft mir auf und bugsiert mich ins Bett. Ich würde gerne etwas trinken, aber wann und wie viel man hier zu essen und zu trinken bekommt, bestimmen die Wärter.

Frater Kyrill wickelt mich in die Decke, als sei er meine Mutter und verabschiedet sich mit einem: "Ich bin gleich wieder da."

Er hält sein Versprechen und bringt sogar ein Glas Wasser mit. Er hebt meinen Kopf an und flößt mir vorsichtig Schluck für Schluck ein. Und Schlucken ist schwierig, aber er scheint alle Zeit der Welt zu haben.

Als ich schließlich fertig bin, sagt er mir, ich solle versuchen zu schlafen und streicht mir einmal kurz über den Kopf.

Als er aufsteht, hätte ich ihn am liebsten gebeten, nicht zu gehen. Ich bin hier noch nie so fürsorglich behandelt worden und es ist für mich wie ein Anker, etwas, wo ich mich festklammern möchte.

Die anderen Mönche sind entweder kühl und distanziert und ihre Seelsorge besteht darin, Bibelstellen zu zitieren. Oder sie tun empathisch und versuchen einen im Auftrag des FSB auszufragen.

Er hat mir keine Frage gestellt, er war einfach nur da und ich wünschte, er würde mich nicht in der Kälte meiner Zelle allein lassen.

Oder ob alles nur ein weiterer Trick ist?


Eoin

Er tut mir wirklich leid. Er scheint so dankbar zu sein für die minimale Hilfe, die ich ihm leisten konnte.

Ich gebe John Sitrep und empfehle einen Strategiewechsel. Bei der Planung haben wir uns auf Infos aus seiner Akte und den Bericht eines Ex-Kollegen beim MI5 verlassen. Aufgrund dessen sind wir von einem kühlen Taktiker ausgegangen, an der Grenze zur dissozialen Persönlichkeit. Ich bin zwar kein Psychologe, aber ich habe von ihm den Eindruck eines sensiblen, tief verletzten Menschen bekommen. Ich weiß nicht, ob es nur an der heutigen Ausnahmesituation liegt, oder ob sein bisheriges kühles Auftreten eine Maske ist. Die Zukunft wird es zeigen. Wir einigen uns darauf, langsam und behutsam vorzugehen.


John

Mir war von Anfang an klar, dass es nicht einfach werden würde, unsere Zielperson aus dem Gefängnis zu bekommen. Aufgrund unserer Intel haben wir ein relativ robustes Vorgehen geplant. Nun scheint sich die Mission noch schwieriger zu gestalten. Eoin konnte den Selbstmord verhindern, aber es sieht so aus, als müsse er das Vertrauen unserer Zielperson gewinnen, anstatt mit Druck zu arbeiten. Ich vertraue auf seine Einschätzung. Hoffentlich lässt er sich sich nicht zu sehr auf ihn ein. Je näher man jemandem kommt, desto schwieriger ist die Exekution. Deshalb bin ich mit unserer Aufgabenteilung ganz zufrieden, schließlich bin ich am Schluß ausführendes Organ. Ich werde das Mehr an benötigter Zeit nutzen, um mich nach einem Safehouse für das Debriefing umzusehen.

Ich wünschte, ich könnte mich Layla anvertrauen. Ich bin mir zwar sicher, dass sie mich verstehen würde, aber ich will sie keinesfalls in Gefahr oder einen Konflikt bringen. Also wird Eoin weiterhin mein Geheimnis bleiben. Ich benachrichtige HQ, dass sich die Op. aufgrund des versuchten Suizids verzögern wird und man kann mir jetzt schon sagen, dass Brigadier Millhouse nicht zufrieden sein wird. Who cares, anyway?

Ich werde mich nach einem Safehouse umsehen, aber erst mach ich noch ein bisschen mehr Sightseeing und schaue nach einem kleinen Geschenk für Lexi.


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