The Mysterious Neighbour by MaggyMae
Summary:

Salome verlässt ihre Heimat mit leichtem Herzen und lernt auf recht unangenehme Art und Weise einen Nachbarn kennen, mit dem sie fortan eine gespaltene Beziehung haben wird...denn einerseits entwickelt sie sich zu einem Fan seiner Arbeit und andererseits wird der Nachbar selbst zu einem Freund.

Doch wo zieht man die Grenze zwischen einem fiktiven Traummann und einem gemütlichen Nachbarn?

 

Disclaimer: Alle Charaktere, Orte, Schauplätze etc. sind Eigentum der jeweiligen rechtmäßigen Besitzer. Die Originalcharaktere und Originalhandlung sind Eigentum des Autors. Der Autor ist in keiner Weise mit den Besitzern, Erschaffern oder Produzenten irgendeiner Medienkonzession verbunden. Vorsätzliche Verstöße gegen das Urheberrecht sind nicht beabsichtigt.

Alle Personen und Geschichten die genannt werden gehören ihrem rechtlichen Besitzer und alle Andern gehören mir :)


Categories: Richard Armitage, Matthew Macfadyen, Realfiction, Weitere Schauspieler, Novel-length Characters: Richard Armitage
Genres: Romanze
Warnings: Erotik
Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 95 Completed: Ja Word count: 115346 Read: 295021 Published: 07 Nov 2011 Updated: 14 Dec 2011

1. Kapitel 1 by MaggyMae

2. Kapitel 2 by MaggyMae

3. Kapitel 3 by MaggyMae

4. Kapitel 4 by MaggyMae

5. Kapitel 5 by MaggyMae

6. Kapitel 6 by MaggyMae

7. Kapitel 7 by MaggyMae

8. Kapitel 8 by MaggyMae

9. Kapitel 9 by MaggyMae

10. Kapitel 10 by MaggyMae

11. Kapitel 11 by MaggyMae

12. Kapitel 12 by MaggyMae

13. Kapitel 13 by MaggyMae

14. Kapitel 14 by MaggyMae

15. Kapitel 15 by MaggyMae

16. Kapitel 16 by MaggyMae

17. Kapitel 17 by MaggyMae

18. Kapitel 18 by MaggyMae

19. Kapitel 19 by MaggyMae

20. Kapitel 20 by MaggyMae

21. Kapitel 21 by MaggyMae

22. Kapitel 22 by MaggyMae

23. Kapitel 23 by MaggyMae

24. Kapitel 24 by MaggyMae

25. Kapitel 25 by MaggyMae

26. Kapitel 26 by MaggyMae

27. Kapitel 27 by MaggyMae

28. Kapitel 28 by MaggyMae

29. Kapitel 29 by MaggyMae

30. Kapitel 30 by MaggyMae

31. Kapitel 31 by MaggyMae

32. Kapitel 32 by MaggyMae

33. Kapitel 33 by MaggyMae

34. Kapitel 34 by MaggyMae

35. Kapitel 35 by MaggyMae

36. Kapitel 36 by MaggyMae

37. Kapitel 37 by MaggyMae

38. Kapitel 38 by MaggyMae

39. Kapitel 39 by MaggyMae

40. Kapitel 40 by MaggyMae

41. Kapitel 41 by MaggyMae

42. Kapitel 42 by MaggyMae

43. Kapitel 43 by MaggyMae

44. Kapitel 44 by MaggyMae

45. Kapitel 45 by MaggyMae

46. Kapitel 46 by MaggyMae

47. Kapitel 47 by MaggyMae

48. Kapitel 48 by MaggyMae

49. Kapitel 49 by MaggyMae

50. Kapitel 50 by MaggyMae

51. Kapitel 51 by MaggyMae

52. Kapitel 52 by MaggyMae

53. Kapitel 53 by MaggyMae

54. Kapitel 54 by MaggyMae

55. Kapitel 55 by MaggyMae

56. Kapitel 56 by MaggyMae

57. Kapitel 57 by MaggyMae

58. Kapitel 58 by MaggyMae

59. Kapitel 59 by MaggyMae

60. Kapitel 60 by MaggyMae

61. Kapitel 61 by MaggyMae

62. Kapitel 62 by MaggyMae

63. Kapitel 63 by MaggyMae

64. Kapitel 64 by MaggyMae

65. Kapitel 65 by MaggyMae

66. Kapitel 66 by MaggyMae

67. Kapitel 67 by MaggyMae

68. Kapitel 68 by MaggyMae

69. Kapitel 69 by MaggyMae

70. Kapitel 70 by MaggyMae

71. Kapitel 71 by MaggyMae

72. Kapitel 72 by MaggyMae

73. Kapitel 73 by MaggyMae

74. Kapitel 74 by MaggyMae

75. Kapitel 75 by MaggyMae

76. Kapitel 76 by MaggyMae

77. Kapitel 77 by MaggyMae

78. Kapitel 78 by MaggyMae

79. Kapitel 79 by MaggyMae

80. Kapitel 80 by MaggyMae

81. Kapitel 81 by MaggyMae

82. Kapitel 82 by MaggyMae

83. Kapitel 83 by MaggyMae

84. Kapitel 84 by MaggyMae

85. Kapitel 85 by MaggyMae

86. Kapitel 86 by MaggyMae

87. Kapitel 87 by MaggyMae

88. Kapitel 88 by MaggyMae

89. Kapitel 89 by MaggyMae

90. Kapitel 90 by MaggyMae

91. Kapitel 91 by MaggyMae

92. Kapitel 92 by MaggyMae

93. Kapitel 93 by MaggyMae

94. Kapitel 94 by MaggyMae

95. Kapitel 95 by MaggyMae

Kapitel 1 by MaggyMae
Author's Notes:
Dies ist das im Forum gepostete Teaser-Kapitel, ich wäre ganz glücklich über weiteres Feedback außer dem von den üblichen Verdächtigen, denen ich an dieser Stelle noch mal ganz lieb danken möchte...

1.

„Endlich geschafft.“ Salome war so müde, dass sie am liebsten gleich ins Bett gegangen wäre, aber so einfach war das nicht.

Erschöpft warf sie den Rucksack auf den Boden und ging durch die leeren Räume der Londoner Wohnung die sie geerbt hatte. Es war ein kleines Haus aber gemütlich und vor allem sah es gepflegt und geliebt aus.

Nach Jahren der Entbehrungen und des unnützen Schmerzes, schien ihr das Glück endlich hold und sie wollte sich nicht beschweren.

Gerade eben hatte sie ihre letzten Sachen abgeholt und ab diesem Tag würde sie hier leben, weit weg von der verhassten Familie und ganz allein.

Der Gedanke an ihre Einsamkeit begann sie zu bestürzen und so öffnete sie missmutig den Kühlschrank.

Nichts.

Oh der alte Mann der ihr all das hinterlassen hatte war also schon länger tot wie es aussah.

Augenblicklich schämte sie sich für diesen gottlosen Gedanken, aber sie hatte ihn nicht gekannt und wünschte sich jetzt verzweifelt sie könnte um ihn trauern wie es sich gehörte.

„Essen kaufen.“ Murmelte sie leise, doch es widerte sie an noch einmal vor die Tür gehen zu müssen.

London war so verdammt grau und von hier aus war es ewig weit bis zu dem regen Treiben des Stadtkerns, der sie jetzt sowieso nicht anzog.

Mühsam rappelte sie sich hoch, riss sich zusammen und stolperte auf die Haustür zu.

Seufzend nahm sie ihre Tasche und stapfte los.

Erst an der nächsten Straßenecke fiel ihr auf, dass sie ihre Jacke vergessen hatte und selbstverständlich fielen genau im Moment ihrer Erleuchtung die ersten Regentropfen.

„VERDAMMT.“ Fluchte sie verhalten und lächelte als sie den kleinen Laden an der nächsten Ecke erblickte.

 

Sie war mittlerweile komplett durchnässt und begann schneller zu gehen.

Ihre Einkäufe machte sie schnell und konzentriert, da sie bitterlich fror und sich mittlerweile wirklich nur noch nach einer heißen Dusche und etwas Schlaf sehnte.

Auf dem Weg nach Hause schnitten ihr die Tüten schmerzhaft in die Handflächen und ihre Schuhe sogen sich voll Wasser, sie hätte doch die süßen Gummistiefel in der Galerie Printemps kaufen sollen.

Überzeugt, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte, wurde sie von dem sich schnell nähernden Mann überrascht, der sie anrempelte und dann einfach weiter ging.

„Arschloch.“ Rief sie ihm hinterher und er drehte sich verwundert um.

Mann, was für ein Gesicht, dachte sie augenblicklich, wandte sich dann aber ab und öffnete ihre Haustür.

Also ehrlich, und das dann auch noch direkt vor ihrer Haustür.

„Mir bleibt aber auch nichts erspart.“ Sprach sie in die Einsamkeit des Hauses hinein und räumte die Einkäufe diszipliniert weg bevor sie sich die ersehnte heiße Dusche gönnte.

 

Der Mann stand lange auf dem Bordsteig, der Regen rann in seinen Kragen hinein, und dachte an die kleine Frau die ihn gerade so beschimpft hatte.

Hatte er sie etwa angerempelt?

Schon möglich, er war so in Gedanken versunken gewesen und natürlich auch darauf bedacht sein Gesicht vor interessierten Blicken und dem Regen zu schützen, dass er sie wahrscheinlich gestreift hatte und so klein wie sie war, hatte der Stoß sie sicher aus dem Gleichgewicht gebracht.

Verdammt, er war wirklich ein Hornochse, dachte er wütend auf sich selbst.

„Ich sollte mich bei ihr entschuldigen.“ Begann er seinen Monolog, revidierte seine Meinung dann aber sofort:

„Zuerst sollte ich mich wohl umziehen, denn einen nassen, zotteligen Mann will niemand sehen. Vor allem würde keine intelligente Frau ihm so die Tür öffnen.

Und dass sie intelligent war, daran bestand für ihn kein Zweifel, denn die braunen Augen die ihn angefunkelt hatten waren wach und klug gewesen.

Wie ein Derwisch hatte sie sich umgedreht und war auf eine blaue Haustür zugerannt, hatte sie geöffnet und war im Inneren verschwunden.

Er hatte eine Frau, durchnässt und ohne Jacke wie ihm jetzt wieder einfiel, vor ihrer eigenen Haustür gestoßen wie der letzte Grobian.

Eindeutig, er würde sich entschuldigen kommen.

 

Der alte Mann hatte Filme gemocht, wie Salome allzu bald herausfand als sie in Kuschelsocken und einem übergroßen Pullover ins Wohnzimmer tapste.

Ein riesiges Regal verdeckte eine Wand und sie fuhr mit ihrem langen, schmalen Zeigefinger an der endlosen Reihe von Namen entlang.

Schulterzuckend schloss sie die Augen und holte einen der Filme aus dem Regal, legte ihn in die erstaunlich moderne Heimkinoanlage ein und ging in die altmodische Küche.

„Come on. Du warst Brite.“ Wisperte sie leise und öffnete nach dem Zufallsprinzip den erstbesten Schrank.

Dosen, Dosen und nochmal Dosen.

„Kochen war wohl nicht deine Leidenschaft, oder?“ Sie lachte als sie die Mikrowellengerichte sah, welche sie gekauft hatte und schob gleich eins in die Mikrowelle, die sie sicherheitshalber von Zuhause mitgebracht hatte.

„Tee…“ Erinnerte sie sich selbst und horchte auf als der Film anlief.

Die Musik klang ansprechend und sie beschloss auch jetzt den Titel noch nicht zu lesen, sondern einfach darauf zu warten, dass der Film anlief.

Nach endlosem Suchen und nachdem sie sich den Kopf an den offenen Schranktüren mehrmals gestoßen hatte, fand sie endlich Tee und starrte dann auf den Wasserkessel der auf dem Gasofen stand.

Die Schultern straffend füllte sie den Kessel mit Wasser und verbrannte sich natürlich die Finger an den Streichhölzern, doch nach einigen Minuten erbitterten Kampfes hatte sie das Wasser aufgesetzt und suchte nun nach einer passenden Kanne.

 

Als sie endlich mit einer dampfenden Tasse Tee auf der Couch saß und einer Frau dabei zusah, wie sie in einem Zug Trübsal blies, war Salome mehr als nur erleichtert.

Im Gegensatz zu der Frau war sie froh ein neues Leben zu beginnen und sie hatte mehr als ihre Region verlassen, sie war vom Festland Europas hergezogen und glücklich darüber.

Sie mochte ihre Mutter, sie mochte nur deren zweiten Ehemann nicht und auch die Söhne die dieser mit in die Ehe gebracht hatte waren ihr zuwider, also war sie erleichtert endlich von dort wegzukommen.

Das Haus hatte einem Onkel gehört, einem Onkel väterlicherseits, aber ihr Vater war schon so lange tot, dass sie sich weder an ihn noch an seine Familie erinnern konnte.

Müßig dachte sie darüber nach ob sie sich einen Hund zulegen sollte, oder eine Katze oder einen Papagei um nicht allein in diesem Haus leben zu müssen.

Sie war so unglaublich müde, dass der Film sie nicht wirklich in seinen Bann zog.

Doch auf einmal war sie hellwach.

„Na sieh mal einer an.“ Wisperte sie überrascht und drückte auf Pause.

Lange betrachtete sie das mürrische Gesicht auf dem Bildschirm, denn sie vergaß selten ein Gesicht und genau dieses hatte sie vor nicht allzu langer Zeit gesehen.

Sie atmete tief durch und vertiefte sich in die Linien bis sie vor ihren Augen verschwammen, war dieser Mann derselbe wie der Tölpel der sie vor nicht ganz einer Stunde fast zu Fall gebracht hatte?

Das konnte doch gar nicht sein, oder?

Ein Mann wie der lief doch nicht einfach in der Gegend herum und schubste Frauen.

Da niemand an ihrer Seite war den sie hätte fragen können, ließ sie den Film einfach weiterlaufen, war aber jetzt sehr viel aufmerksamer.

Seltsamer Mann, seltsames Gesicht, dachte sie immer wieder.

Und dann klingelte es auch noch an der Tür.


 

Kapitel 2 by MaggyMae
Author's Notes:
Hier ist also der zweite Teaser ;)

2.

„Hubert Balthasar.“ Las er auf dem Klingelschild und dachte bei sich, dass die kleine Frau ganz sicher nicht Hubert war.

Tatsächlich hatte er Hubert selbst einige Male gesehen, mit seinem großen Hund und seinem alten Stock.

Als die Tür aufgerissen wurde erschrak er einigermaßen und musste dann lächeln.

Die Frau trug einen Pony, wie ein kleines Mädchen, die Socken an ihren Füßen waren weich und quietschrosa und sie war weiblich-mollig.

Sie war eindeutig nicht Hubert, trotzdem zeigte er auf das Schild und sprach:

„Hubert?“

„Was wollen Sie denn hier?“ bellte Salome zurück und warf den Kopf in den Nacken um ihn besser sehen zu können.

Sie war höchstens 1,60 m groß und ärgerte sich nun wie so oft zuvor über ihren Mangel an Körpergröße weil sie sich dem Mann unterlegen fühlte.

„Wo ist der Hund?“ fragte er neugierig, gar nicht auf ihren bissigen Ton eingehend.

„Welcher Hund?“ Sie beäugte ihn misstrauisch.

„Der Vorbesitzer hatte einen Hund.“ Erwiderte er ernst und nahm an, dass sie das Haus gekauft hatte.

„Ach das wusste ich gar nicht, ich muss dann mal die Haushälterin fragen. Ich wollte schon immer einen Welpen.“
Und da ihr Gesicht nun etwas weicher wurde, brachte er es nicht übers Herz ihr zu sagen, dass besagter Hund ein wahrer Bär war.

 

Im Hintergrund dudelte immer noch der Fernseher und erinnerte sie daran, dass das Gesicht ihr bekannt vorgekommen war.

Spontan von Natur aus zerrte sie den Hünen mit sich und stellte ihn neben das Gerät.

In der Tat, das Haar war kürzer und der Bart länger jetzt, aber es war zweifellos das gleiche Gesicht.

„Interessant.“ Murmelte sie und strich sich durch die kurzen Ponyfransen, während er sie nur verwirrt anstarren konnte.

Sie sah aus wie ein Kind, winzig, weich und rosa.

Ihr Brustumfang und ihre wachen Augen bestätigten aber, dass Salome kein Kind mehr war und sich durchaus zu wehren wusste wenn es sein musste.

„Was machen Sie hier?“ fragte sie argwöhnisch und tastete nach dem Briefmesser auf dem Tisch hinter ihr.

„Ich bin gekommen um mich zu entschuldigen. Da Sie mich derart angebrüllt haben muss ich Sie wohl angerempelt haben und das tut mir sehr leid.“

Er sah das Aufblitzen von Stahl und erkannte mit Überraschung und einer gewissen Belustigung, dass sie ein Briefmesser in der Hand hielt, bereit es gegen ihn zu benutzen.

„Ich bin Richard.“ Stellte er sich also vorsichtig vor und streckte ihr mutig die Hand hin.

Salome betrachtete seine Hand eingehend und dachte fieberhaft nach, sie kannte den Namen.

„Hmmm…“ machte sie und schielte in Richtung Fernsehtisch.

Wenn sie doch nur den Nachnamen lesen könnte von hier aus.

„Armitage.“ Ergänzte er als er ihrem verzweifelten Blick folgte.

„Aha…Oh.“ Ein Licht ging ihr auf und sie legte das Messer wieder weg, was wollte sie auch gegen einen Mann seiner Statur mit einem Briefmesser machen?

„Sie sind nicht Hubert.“ Griff er seine Begrüßung wieder auf, denn er wollte seltsamerweise wissen wer sie wirklich war.

„Nein, ich bin Salome. Lola. Wie Sie wollen. Ich bin seine Nichte.“ Murmelte sie geistesabwesend während ihre Gedanken immer noch um seinen Namen kreisten.

„Ah willkommen in der Nachbarschaft.“ Er hielt ihr erneut die Hand hin und sie ergriff sie dieses Mal beherzt.

Sie konnte nicht glauben, dass dieser Grobian hier wohnte.

Aber er war gekommen um sich zu entschuldigen und das rechnete sie ihm hoch an.

 

Wo war der verdammte Hund?

Auch diese Frage würde sie klären müssen.

Salome seufzte, ihre Übersiedlung nach England war also doch nicht so leicht wie sie bisher gedacht hatte. Sie war müde und hatte berühmte Nachbarn, welche sie über den Haufen rannten, war die Halterin eines Hundes, welcher verschwunden war und die Besitzerin eines Hauses in dem sie nicht einmal eine Teekanne auf Anhieb finden konnte.

„Sind Sie schon lange hier?“

Sie sah ihn zweifelnd an und schüttelte den Kopf.

„Als Sie die Güte hatten mich ein wenig durchzuschütteln Sir, war ich gerade auf dem Weg zurück vom Einkaufen. Ich bin heute erst definitiv eingezogen.“

Tatsächlich hatte sie nicht den blassesten Schimmer wieso sie ihm das erzählte, da es ihn nicht sonderlich interessieren konnte, er hatte sicher Besseres zu tun als ihr beim Jammern zuzuhören.

„Ah…Arbeiten Sie?“

Er versuchte krampfhaft das Gespräch nicht sterben zu lassen, weil es ihm unangenehm gewesen wäre schweigend im Wohnzimmer einer fremden Frau zu stehen.

„Ja und nein. Ich habe so viele Dinge schon getan. Ich war Kellnerin, ich entwerfe Kleider für eine Freundin und schreibe eine kleine Kolumne für eine Andere. Ich…noch nicht, nein.“

Sie musste ihn hier raus schaffen, er war viel zu groß und er passte nicht in dieses neue Bild von „Zuhause“, dachte sie entnervt und wartete auf eine Gelegenheit ihm die Tür zu zeigen.

„Ach so…Und werden Sie in ihrer Kolumne auch erwähnen, dass sie von einem großen Trampel fast in eine Pfütze gestoßen wurden?“

Das klang verlockend und in ihrem Kopf formten sich schon die Worte und Sätze.

„Ich lasse Sie dann mal lieber allein. Wenn Sie etwas brauchen, ich wohne hier die Straße runter.“ Er verabschiedete sich und verbeugte sich sogar leicht.

 

Erst als er gegangen war atmete sie auf und dachte daran, dass sie ihm Tee hätte anbieten müssen oder eine Sitzgelegenheit.

„Erst der Hund.“ Murmelte sie und rief die Haushälterin an, die tatsächlich bestätigte den Hund zu sich genommen zu haben, ihn Salome aber allzu gerne überlassen würde.

Eine Stunde später saß Salome hinter ihrem Bildschirm, ein schwarzes, zotteliges Monster namens John neben sich und sah auf die Tasten unter ihren Fingern.

Sollte sie es wagen?

Liebe Leser, begann sie und stürzte sich dann in die Arbeit.

Wie ihr vielleicht wisst bin ich umgezogen und habe leider auf das herrliche Paar Gummistiefel verzichtet das ich in einem Schaufenster erspäht hatte und hier verkaufen sie nur so grüne Monster.

Nun gut, heute habe ich es geschafft mich fast von einem Hünen von einem Mann umrennen zu lassen und ich muss sagen, dass er wohl in Gedanken versunken war, was bei mir nur selten vorkommt, mangels Gedanken.

Darüber hinaus muss ich auch zugeben, dass er danach vorbeigekommen ist um sich zu entschuldigen.

Ich glaube ich bin eine wahre Abenteurerin, nur dass das Abenteuer mich sucht und nicht umgedreht.

Ach ja, ich habe jetzt auch einen Hund der aussieht als hätte Lagerfeld ihn entworfen.

Bis bald liebe Leser.

Und es dauerte keine 3 Sekunden bis jemand meinen kleinen Post im Blog einer Freundin kommentierte:

Wie sieht der Unbekannte denn aus? Ist er wenigstens ansehnlich?

Salome tippte sich mit den pinken Nägeln an die Lippe und zog die Nase kraus.

Ja, ich denke schon, dass man das sagen kann. Ich weiß es nicht so genau, sein Gesicht war so unglaublich weit weg von mir.

Wissend, dass ihre mangelnde Größe ein Running Gag war, lächelte sie zufrieden und wartete auf weiteres Feedback.


Kapitel 3 by MaggyMae
Author's Notes:
Ein weiterer Teaser als Druckmittel

3.

Er kam sich kindisch vor, aber er hatte ihren Blog gesucht, gefunden und mit Heiterkeit festgestellt, dass sie die Episode tatsächlich online gestellt hatte.

Also ließ er zu, dass diese schelmische Ader sich ihre Bahn brach und tippte die lächerliche Frage ein ob der Unbekannte denn gut ausgesehen hatte.

Sie antwortete schnell und humorvoll und er grinste unwillkürlich.

Sie hatte den Hund also zu sich genommen, dachte er und lachte leise auf beim Gedanken an diese Frau die ganz aus Zuckerguss zu bestehen schien mit dem großen, schwarzen Hund.

Er rieb sich über die Augen, auch er war müde und sie hatte Recht, er war in Gedanken versunken gewesen als er sie schändlicherweise geschubst hatte.

Seine Arbeit verlangte ihm eine ganze Menge ab und er war an diesem Tag einfach müde, er hatte den ganzen Zirkus satt und er fühlte sich wie ein Hamster in einem Laufrad.

Ein anderer User kommentierte den Post und er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Bildschirm zu.

Was für eine Art Mann war das denn? Das klingt ja so romantisch.

Er verzog den Mund und wartete darauf, dass Salome antwortete.

 

Salome kraulte mit den Zehen Johns Fell, welcher zufrieden grunzte und blies sich das Pony aus der Stirn.

Der Fremde hatte ja unglaublichen Erfolg bei ihren Lesern und weil diese Begegnung sie doch stärker beunruhigte als sie sich eingestehen wollte, ging sie nicht zu Bett sondern antwortete gleich.

Es war die Art von Mann die einen aus dem Gleichgewicht bringt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Da er euch so zu faszinieren scheint, versuche ich genauer zu werden:

Er war groß, bärtig und grob.

Vielleicht ist er ja der Räuber Hotzenplotz, wer weiß?

Nein, ich nehme euch nur auf den Arm wie er mich fast von den Füßen gehauen hätte.

Mein unbekannter Grobian ist genau das was man von einem britischen Mann erwartet: groß, manierlich und unterkühlt.

Sie lächelte und schickte die Antwort weg.

Wirst du ihn wiedersehen?

Nun, das wusste sie selbst nicht so genau und genau das beunruhigte sie.

Einerseits konnte sie ihn immer sehen, denn der alte Mann, Hubert war offensichtlich ein Fan gewesen und er hatte zahlreiche Filme von ihm in seiner Sammlung.
Andererseits war es etwas Anderes ihn so vor sich stehen zu haben.

Weißt du wer er ist?

Sie zuckte zusammen und beschloss dann, dass das nicht ihr Geheimnis war.

Er ist der erste Mann seit langer Zeit der meine Beine zum Zittern gebracht hat. J

 

Er lächelte als sie auch auf die Frage nach einem Namen humorvoll und ausweichend antwortete.

Sie würde seine Identität nicht preisgeben und er war ihr dankbar dafür, sie musste nicht für sich behalten wer er war und doch tat sie es.

Schämte sie sich? Wollte sie dem wahrscheinlich eh nur mäßigen Medientrubel aus dem Weg gehen?

Wenn er sich entschuldigt hat kann er doch gar nicht so schlimm sein, oder?

Richard wandte sich erneut dem Bildschirm zu und lächelte über sich selbst, weil er ihre Antwort mit Ungeduld erwartete.

Nein, er war nicht schlimm.

Ehrlich gesagt denke ich jetzt, dass ich wohl zuvorkommender hätte sein sollen.

Er ist ganz sicher ein netter Mann, vielleicht werde ich mich ja revanchieren und das Kriegsbeil mit ihm begraben wenn ich ihn wiederfinde.

Gute Nacht liebe Leser.

 

Salome fuhr den Computer runter und rieb sich müde über die Augen während sie in Richtung Schlafzimmer tapste.

Es handelte sich hierbei eindeutig um das Zimmer eines alten Mannes, die Wände waren blassgrün und das Bett war uralt und knarzte unter ihrem Gewicht.

Allerdings fühlte sie sich hier wohl, das Bett war breit genug um 4 Menschen ihrer Größe zu beherbergen und während an einer Seite des Bettes ein abgenutzter Nachttisch stand, war über die andere Seite des Bettes eine alte Wolldecke gebreitet, die zweifellos für den Hund gedacht war.

John war ihr in der Tat nachgetrottet und auch wenn sie John für einen selten dämlichen Namen für einen riesigen Hund hielt, war sie dem Vieh an sich sehr zugetan.

„Na komm her mein Guter.“ Sprach sie aufmunternd und der Hund legte sich brav auf die Decke von der sie schon geahnt hatte, dass sie ihm zugedacht war.

„Jetzt gibt es nur noch dich und mich.“ Murmelte sie dem großen Tier zu, welches sie aus schwarzen Knopfaugen treu und traurig ansah.

Sie hatte sich nicht geirrt, die Anwesenheit eines anderen Lebewesens tröstete sie und sie streichelte den Hund fast ohne es zu merken.

Sein Fell war sanft und erstaunlich weich unter ihren Fingern und der Hund grunzte leise.

Er vermisste seinen Herren sicher auch, aber er war einfach nur froh einen neuen Menschen zu haben den er lieben und beschützen konnte und er spürte fast instinktiv, dass das kleine Mädchen an seiner Seite einen Freund dringend nötig hatte.

Salome schlief also ein, mit dem Gesicht des seltsamen Fremden im Kopf und dem vielen großen Hund im Arm, da er sich nun an sie gekuschelt hatte.

Zwei Fremde alleine in der Nacht auf der Suche nach etwas Wärme und Geborgenheit.

 

Richard sah wie Salome sich ausloggte und beschloss auch zu Bett zu gehen.

Er hatte ganze 20 Minuten nach ihrem Blog gesucht und ihn nur anhand des Artikels einer anderen Journalistin gefunden, weil Salome ihn unter ihrem dritten Taufnamen betrieb.

Und dieser Name gab ihm zu denken: Praskovia.

Ein russischer Name, der Name der Ehefrau des berühmt-berüchtigten Rasputin.

Ihr zweiter Taufname war Anne, das ging auch aus dem Artikel hervor, Anne, Name etlicher englischer Königinnen.

Salome die Verführerin, ein biblischer Name, Salome die Tänzerin die Johannes den Täufer in den Tod geführt hatte.

Anne, die Frau grausamer Männer.

Praskovia, das Weib eines Hexers.

Wer hatte sie mit solchen Namen belegt und wieso dachte er jetzt noch darüber nach?

Sie sah mehr aus wie die verdammte Prinzessin Lillyfee oder wie Emily Erdbeere.

Er hatte sein Bestes getan, er hatte sich bei dieser komplett Verrückten entschuldigt und sie hatte versucht ihn mit einem Briefmesser zu meucheln.

Gegen seinen Willen musste er nun doch grinsen, denn noch nie hatte er jemanden gesehen der einen physisch so deutlich überlegenen Gegner mit einem solch lächerlichen Gegenstand angreifen wollte.

Mit einer gewissen Belustigung dachte er an die Entschlossenheit in ihren braunen Augen die von Schokolade und trübem Wasser erzählten.

Sie hätte ihn angegriffen, da war er sich sicher, sie hätte zumindest versucht ihm kleine Wunden zuzufügen und das gefiel ihm, wenn es ihn auch insgeheim zum Lachen brachte.

Müßig überlegte er ob sie wirklich bei ihm vorbeikommen würde um sich wiederrum bei ihm zu entschuldigen.

Eigentlich, so dachte er, würde es ihm gefallen sie wiederzusehen mit ihren pinken Nägeln und ihrem lustigen Pony der ihr dauernd in die Augen rutschte.

Sie hatte seinen Namen nicht verraten also hatten sie ein kleines gemeinsames Geheimnis.

Mit einem leichten Lächeln auf den edlen Zügen schlief er schließlich ein und träumte von seiner neuen Nachbarin in einem rosa Pailettenkleid wie sie ihn mit kleinen Cupcakes bewarf und dabei lieblich kicherte.

Kapitel 4 by MaggyMae
Author's Notes:

Erster Schritt in Richtung Freundschaft oder nur ein weiteres Fettnäpfchen?

Ach ja...Hallo Doris, alle meine Ehrerbietung ;)

4.

Und damit lag er gar nicht so falsch, denn Salome hatte beschlossen ihrem seltsamen Nachbarn Kekse zu backen, das einzige Problem dabei bestand nun darin, dass Salome keine sehr gute Bäckerin war und deshalb hatte sie ihre Freundin Sue angerufen, oder eher aus dem Bett geklingelt um ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Lola ich freue mich von dir zu hören, wirklich, aber um 6 Uhr in der Früh?“ gähnte Susan Martines in den Hörer und rollte sich zuhause in ihrem weichen Bett herum.

Sie war eine große, blonde Konditorin, die schwierige Beziehungen und traurige Männer mochte und vor allem Salome schrecklich gern hatte und ihr demnach auch um 6 Uhr am Morgen geduldig Zutaten diktierte.

„Salome das ist zu viel Mehl.“ Murmelte Sue in den Hörer und bekam prompt eine entnervte Antwort.

„Wie willst du das wissen? Du liegst in deinem Bett an der Seine und siehst nichts.“ Maulte Salome und verteilte immer mehr Mehl in ihrem dunklen Haar ohne es zu merken.

„Ich kann es hören Salome, ich kann es hören.“ Sue gab sich nicht die Mühe beleidigt zu sein, sondern beriet und dirigierte die verrückte Freundin weiterhin geduldig.


Während Salome also Teig knetete und John dem fallenden Mehl skeptisch zusah, plauderte Sue fröhlich vor sich hin.

Da das Kneten sie so absorbiert hatte, merkte Salome den Bruchteil einer Sekunde zu spät, dass sie vergessen hatte zu antworten.

„Also hast du den Film den jetzt gesehen?“ Sue klang ungeduldig und Salome klemmte den Hörer zwischen Wange und Schulter um den Backofen vorzuheizen.

„Welchen Film Sue?“ Sorgfältig stach sie die Kekse aus und vergaß erneut zuzuhören.

„Salome du gehst mir auf die Nerven.“ Sue klang jetzt richtig wütend.

„Ok ok, das hier ist Schwerstarbeit für mich, gib mir 5 Minuten und dann höre ich zu was du über Metti Mc Donalds zu sagen hast.“

Salome legte die Kekse auf ein Blech, nahm sie wieder runter, holte das Backpapier aus der Abstellkammer, legte die Kekse wieder drauf und verbrannte sich erneut die Hand als die Kekse in den Ofen schob.

„Also was ist mit Ronald Mc Donald?“ Salome lutschte an ihrer verbrannten Hand, wagte es aber nicht sie unters Wasser zu halten wegen dem Lärm.

„Oh Lola. Ich habe dich gefragt ob du den neuen Film über die Musketiere gesehen hast und ob du Matthew nicht auch schneidig findest.“

Gott sei Dank hatte sie zwischendurch den Computer angemacht, dachte Salome und tippte den Titel des Filmes blitzschnell ein.

Aha…ok…

„Salome bist du noch dran?“ dröhnte es drohend aus dem Hörer.

„Droopy?“ murmelte Salome dann fragend und klatschte sich die mehlige Hand gegen die Stirn.

„Was?“ Sue kam nicht ganz nach was Salome damit meinte und setzte sich aufrecht in ihrem Bett auf.

„Droopy, ich habe den Kerl gesehen…in anderen Filmen…Droopy halt, er sieht immer so ernst und leidend aus.“ Salome scrollte über die Seite und klickte sich in die Filmographie rein um sich ein genaueres Bild zu machen.

Genau, Stolz und Vorurteil, da hatte sie ihn gesehen, ernste Augen und eine Stimme wie schmelzendes Gold, sie erinnerte sich an sein Gesicht und daran, dass sie ihn damals nicht wirklich schneidig gefunden hatte.

Sue plapperte immer noch im Hintergrund ihrer Gedanken während Salome sich fragte ob sie den Film sehen wollte oder nicht. Die Liste der Mitwirkenden war vielversprechend und sie hatte als Kind eine frühere Version der Geschichte gesehen und sie gemocht.

Waltz, ein guter Schauspieler, Lerman den sie öfter gesehen hatte als es normal war angesichts seines Alters, Bloom einer der schönsten Männer der Welt.

Und weil sie Aramis immer ganz besonders gemocht hatte sah sie nach ob er auch gut aussah und das war in der Tat der Fall.

 

„Salome die Kekse sind fertig.“ Obwohl sie bisher ohne Punkt und Komma gesprochen hatte, verfehlte Sue nie den richtigen Moment Gebäck zu perfektionieren.

„Eine halbe Stunde abkühlen.“ Fügte sie streng hinzu und als hätte sie Salomes Gedanken gelesen sagte sie dann lachend. „Sehe dich gleich im Blog. Ich bin sicher du willst der Welt die Sache mit Droopy dem Hund erklären.“

Salome stellte das Blech umsichtig auf den Küchentisch, pfiff nach John und setzte sich an den Computer um ihre Meinung der Welt kundzutun.

Liebe Leser,

Heute werde ich mich bei meinem neuen Nachbarn dafür entschuldigen, dass ich die Entschuldigung seinerseits so undankbar empfangen habe.

Außerdem hatte ich heute Morgen ein Gespräch mit einer lieben Freundin die mich zu der Frage bringt wieso Frauen auf die weinerliche, grübelnde Art mancher Trauerklöße so positiv reagieren. Ich meine wer begehrt schon einen Mann der dauernd aussieht als hätte er eine Magenverstimmung oder eben halt wie Droopy.

Nun, ich denke das liegt daran, dass verschiedene Männer einfach ungeheuer gut aussehen wenn sie ernst sind und Chateaubriand hat schon gesagt: „Plus le visage est sérieux, plus le sourire est beau.“, also „Umso ernster das Gesicht, umso schöner das Lächeln.“

Ich denke das trifft sowohl auf den werten Herren über den gerade eben gesprochen wurde wie auch auf meinen ernsten Nachbarn zu.

Vielleicht liegt es aber auch am Klang ihrer ernsten Stimmen, „graves“ wie man in Frankreich sagen würde also schwer, tief und ernsthaft zugleich, die wie die Glocken der Heiligen in den Seelen der Sünder den Wunsch nach Höherem zu streben erweckt.

Oder ich habe einfach einen Zuckerschock und das ist eine Masche wie eine Andere.

Auf jeden Fall werde ich mich jetzt in Demut üben und meinen Nachbarn besuchen.

Droopy, ich schließe dich in meine Gebete ein.

Ach und ich denke darüber nach mir den neuen Musketierfilm anzusehen, wenn jemand ihn gesehen hat dann würde ich mich über eine anschließende Diskussion sehr freuen.

 

Entschlossen schaufelte Salome die Kekse in eine blecherne Box und zog gleich in der Küche ihre Jacke an um sie ja nicht zu vergessen.

„Na John, wie machen wir beide uns bisher?“ Der Hund wedelte fröhlich mit dem Schwanz und strebte der Tür zu.

„Gut, dann bringen wir dich raus und suchen nach dem Haus des geheimnisvollen Nachbars.“

Salome band sich ihren Schal um, holte ihre Tasche, prüfte mit einem schnellen Blick nach unten ob sie Schuhe trug und machte sich beschwingt auf den Weg.

Sue hatte sie angestachelt und da sie sich sowieso nicht hungrig fühlte, beschloss sie gleich nach dem Besuch beim Nachbarn den Hund nach Hause zu bringen und ins Kino zu gehen, vielleicht war der Film ja mehr als eine billige Hollywood-Seifenblase und vor allem wollte sie Droopy spielen sehen, jetzt da sie wusste wer er war.

Oder auch nicht dachte sie verzweifelt als sie vor der Tür stand auf der der gesuchte Name  des Nachbars abgebildet war. Winzig klein. Wenigstens den hatte sie noch in Erinnerung.

Tatsächlich vergaß sie selten ein Gesicht, aber der Name dazu entfiel ihr nur allzu leicht und sie nahm sich fest vor sich ein Programmheft mitzunehmen aus dem Kino damit sie den Namen einfach spicken konnte wenn es denn sein musste.

Salome starrte lange Zeit einfach nur die Tür an und fragte sich ob sie es wirklich wagen sollte, doch dann nahm der Hund ihr diese Entscheidung ab indem er laut zu bellen begann und die Tür sich ruckartig vor ihrer Nase öffnete.

„Oh guten Morgen Frau Balthasar.“

Salome durchrieselte ein leichter Schauer und sie dachte bei sich, dass ernste Gesichter und schöne Stimmen wirklich gut zusammenpassten und einer Frau sehr leicht das Herz brechen konnten.

Aber wieder nahm ihr John eine peinliche Erklärung als er sich auf die Hinterläufe stellte und die ganze Länge dieses so ernsten Gesichtes mit seiner nassen Zunge abwischte.


Kapitel 5 by MaggyMae

5.

„Oh John, runter.“ Rief Salome als wäre dies schon seit ewigen Zeiten ihr Hund und als ob er das auch so empfinden würde, legte Letzterer sich auf den Rücken und sah sie mitleidhaschend an.

„Guten Tag Herr Nachbar.“ Salome atmete tief durch und straffte die Schultern.
Das trug zu ihrem Selbstbewusstsein, nicht aber zu ihrer Größe bei und Richard stellte erneut fest wie unglaublich klein sie doch war.

Und sie war voll Mehl, ihre Haaren waren mit Mehl bestäubt und sie hatte eine mehlige Spur an der Wange und auf der Stirn.

„Ich habe Kekse gebacken. Um mich heute bei Ihnen zu entschuldigen.“ Salome nickte demütig und hielt ihm die Box hin als sei es eine antike Opfergabe.

Zumindest erklärte das die Unmengen an Mehl die ihren Weg auf ihren Körper gefunden hatten, dachte er innerlich lächelnd.

„Kommen Sie doch herein liebe Frau Nachbarin.“ Bat er und im Gegensatz zu ihr dachte er daran ihr Tee anzubieten, welchen sie dankbar annahm.

„Vielleicht auch einen Keks dazu? Na kommen Sie schon, sonst muss ich noch glauben sie wollten mich vergiften.“

Das Lächeln auf seinen Lippen war hauchdünn und messerscharf und so biss Salome gehorsam in einen ihrer Kekse, welche die Form von Schweinen hatten.

„Ist das eine geheime Botschaft an mich?“

Sie sah ihn aufmerksam an und erkannte an der leichten Veränderung seiner Mimik, dass er sie nur neckte und keineswegs beleidigt war.

„Nein, nicht doch. Das war nur der einzige Keksausstecher den ich gefunden habe.“ Murmelte sie, Sue und dem Himmel dankend, dass die Kekse nicht nur genießbar, sondern sogar gut waren.

 

Er hatte ihren Blogeintrag von heute Morgen gelesen, wollte es aber nicht zugeben, weil er sich damit vielleicht um die kindische Freude gebracht hätte zu lesen wie sie diese erneute Begegnung mit ihm in Worte kleiden würde.

„Und haben Sie heute noch etwas vor?“ fragte er leichthin.

Ein Blick auf die Wanduhr sagte Salome, dass sie ihren Nachbarn vom Mittagessen abhielt und den Hund schleunigst zurückbringen sollte. Sie war wohl doch länger mit ihm draußen gewesen als gedacht.

Zeit, ein weiteres Element das ihrem viel zu offenen Geist gerne und häufig entschlüpfte.

„Ja, ich wollte ins Kino. Ich sollte wohl besser mit John zurück. Ich muss ihn noch nach Hause bringen.“ Stammelte sie und warf beinahe den Stuhl um in ihrer Hast aufzustehen.

„Lassen Sie ruhig, wenn Sie sich beeilen können sie noch in die Mittagsvorstellung. Ich behalte John hier und wir beiden Junggesellen machen uns einen schönen Nachmittag.

Wäre das für Sie in Ordnung?“

Sie nickte wortlos, wandte sich zur Tür, drehte sich dann aber noch mal um.

„Sie verzeihen mir den Ausfall der guten Kinderstube, nicht wahr?“

Er nickte genauso wortlos und sprach dann gespielt neugierig:

„Was sehen Sie sich denn an?“

Sie kaute an dem Titel wie an einem alten Knochen und schien nach einem bestimmten Namen zu suchen. Ein Mann über den sie gesprochen hatte heute Morgen, Droopy, folgerte Richard und unterdrückte ein Lachen als er verstand dass es sich dabei um den viel verehrten und geehrten Matthew Macfadyen handelte.

Betont ernst ließ er sie von dannen ziehen und brach in heiteres Gelächter aus sobald sie aus der Tür war.

 

Ihr fiel nicht auf, dass er die Stundenpläne ziemlich genau kannte für einen Mann der sicher nicht allzu oft ins Kino ging.

Ihr entging ebenfalls, dass sie nun ihren seltsamen Nachbarn heute erneut sehen würde.

All das wurde ihr erst sehr viel später bewusst.

Da sie sich mit den öffentlichen Transportmitteln nicht sonderlich gut auskannte, lief sie bis zum Kino.

Längst dachte sie schon nicht mehr über das schlechte Wetter nach, da sie sich erstaunlich schnell anpasste und es für sinnlos hielt sich über etwas derart Willkürliches wie das Wetter zu ärgern.

Ihre Schritte halten schnell und rhythmisch durch die Straßen, ihre Füße tanzten nahezu auf das Kino zu und ihr Mund verzog sich zu diesem großzügigen Lächeln das normalerweise nur Kinder hatten.

 

„Also John.“ Richard sah den großen zotteligen Hund abwartend an.

Er war überrascht gewesen, dass sie doch gekommen war, vielleicht hätte er ihr nicht den Mut zugetraut was lächerlich war, da sie ihn immerhin mit einem Briefmesser ausweiden hatte wollen.

Wahrscheinlicher war also die Erklärung, dass er sie für zu stolz gehalten hatte.

Frauen wie sie klingelten nicht einfach bei einem Fremden nur weil sie dachten, dass sie vielleicht nicht so höflich gewesen waren wie sie es hätten sein sollen.

Allerdings war sie auch nicht lange geblieben, hatte die Tasse Tee kaum angerührt und schien nicht schnell genug aus seiner Nähe entfliehen zu können.

Soviel also zu seiner magischen Anziehungskraft, dachte er lächelnd und kraulte den Hund hinter den pelzigen Ohren.

„Sie wird zurück kommen.“ Sprach er dann dem Hund gut zu als dieser sich immer wieder winselnd der Tür zuwandte.

Ja, sie würde wiederkehren, zumindest hoffte er das, denn aus irgendeinem Grund mochte er die neue Nachbarin die so unglaublich kindlich-süß und doch so töricht-heldenhaft war.

Ob sie es wohl rechtzeitig zu der Vorstellung schaffte?

Er setzte sich auf die Couch und vertiefte sich in die Studie seines nächsten Charakters, fragte sich woher dieses Wesen kam, wohin es wollte und was es wohl zu dem machte was es war.

 

Nicht ein einziges Mal suchte sein Blick sein eigenes Spiegelbild in der Fensterfront als er bedächtig den Nachmittagshimmel anstarrte und überhaupt dachte er selten und nur ungern an sich selbst.

Tatsächlich hatte er keine Ahnung wie schön er war, denn er glaubte, dass alle Menschen die ihm das erzählten einen guten Grund hatten ihm freundliche Lügen zu erzählen.
Seine Mutter liebte ihn einfach und die Kollegen arbeiteten scheinbar gerne mit ihm zusammen und angesichts des Trubels um seine Person nach North & South gehörte er einfach zu der Kategorie „sexy“ und die Menschen dachten wohl, dass sie ihn verletzen würden wenn sie ihm dieses Prädikat aberkannten.

Als sein Blick auf den Hund fiel der es sich auf seinen Füßen bequem gemacht hatte, lächelte er:

„Oh John, ich war schon eine Menge Johns aber deine Rolle würde ich gerne einmal spielen. Den ganzen Tag faulenzen, von der kleinen Prinzessin des Chaos geknuddelt werden, fressen, schlafen und spielen. Oh ja, das muss ein Leben sein.“

Der Hund hob den Kopf als er verstand, dass da jemand zu ihm sprach und leckte Richard zuneigungsvoll die Hände ab.

Richard sah auf die Uhr und ihm fiel ein und auf, dass er noch nicht gegessen hatte und Salome wahrscheinlich auch nicht.

„Pasta bekommen wir hin, oder? Sie hat mir Essen gebracht, dann kann ich ihr doch auch rein zufällig etwas von meinem Mittagessen anbieten, was denkst du John?“
Selbstverständlich fand John alles gut was nur im Entferntesten mit Essen zu tun hatte und folgte Richard schwanzwedelnd in die Küche.

„Ihr habt euch also schon angefreundet? Hmmm, wäre toll wenn uns, also ihr und mir, das auch gelingen würde. Wir hatten natürlich einen denkbar schlechten Start, aber sie macht auf mich nicht den Eindruck als ob sie sehr nachtragend wäre, oder?“

John bedachte ihn mit einem spöttischen Blick als wolle er sagen: „Wieso erzählt ihr mir dauernd eure Lebensgeschichte. Ich bin nur ein verdammter Hund.“

„Du hast Recht.“ Murmelte Richard als er das Wasser aufsetzte und einen letzten prüfenden Blick auf die Wanduhr warf.

„Wieso erzähle ich dir das überhaupt?“ Er zuckte mit den Achseln und machte sich daran zu kochen, erwartend und hoffend, dass Salome bald zurück wäre.

Und heute Nacht würde er dann lesen wie sie den heutigen Tag empfunden hatte.


 

Kapitel 6 by MaggyMae
Author's Notes:
Erster Schritt zur Rehabilitierung Salomes...oder Droopys...whatever

6.

Salome kam sich nicht dümmer allein im Kino vor wie überall allein in dieser fremden Stadt.

Neben ihr saß ein junges Pärchen und  sie verzog das Gesicht in stummem Unwillen, es war ungerecht, dass sie so allein war und andere Menschen nicht.

Wenn Gregori doch nur hier sein könnte, aber Gregori lebte irgendwo in Spanien im Moment und würde sicher nicht rüber fliegen nur weil sie sich etwas einsam fühlte.

Gregori war ihr älterer Bruder, das Kind ihrer russischen Mutter und ihrem französischen Vater, er war ihr liebster Freund und der einzige Mensch der jetzt noch zu ihrer Familie gehörte, seit ihre Mutter Anya mit Gustav verheiratet war.

3 lange Jahre der Qual zusammen mit Gustav und seinen beiden Söhnen unter einem Dach und jetzt endlich war sie frei, sie war in London und Gregori war in Spanien.

Er war bisher nur zuhause geblieben um auf sie aufzupassen, das war ihr bewusst und sie fühlte sich stets halb dankbar und halb schuldig angesichts dieses Opfers.

Sie dachte ernsthaft darüber nach ihren Bruder bald anzurufen und ihm zu erzählen wie es ihr ging fernab der Familie die nicht länger die Ihre war.

 

Doch dann wurden ihre Gedankengänge von einem Mann unterbrochen der aus dem Wasser emporzusteigen schien wie ein Geist, oder wie ein Engel.

Salome hielt die Luft und wisperte dann nur ein klein wenig zu laut: „Hello Dolly, wo kommen wir denn her?“

Ihr Geist suchte fieberhaft nach Erinnerungen und fand Bilder von diesem Gesicht in verschiedenen Gemütslagen und verschiedenen Aufmachungen, aber es hatte sie noch nie als so attraktiv verblüffen können wie in diesem Moment.

Sue hatte also Recht, dachte sie, ihr Metti ist ganz schön „schneidig“.

Salome machte sich eine geistige Notiz auch über diesen Mann mehr herauszufinden, denn er schien die Mühe wert zu sein.

Summa summarum amüsierte sie sich köstlich, fand Waltz nach wie vor außergewöhnlich und Bloom immer noch sehr schön.

Die Charaktere kamen ihr interessant vor und die Geschichte war spannungsgeladen und fesselnd.

Für einige Minuten und Stunden vergaß sie, dass sie ganz allein in einem dunklen Raum saß in einer Stadt die fortan ihre Heimat sein sollte aber sie lediglich mit Wolken, Spott und Dreck begrüßt hatte.

Salome blühte auf in der Kontemplation einer Geschichte die so lebendig in ihrem Kulturgut war wie ihr eigenes Leben und sie sah mit Freude und Empathie wie Menschen ihr Leben und ihr Herz riskierten für die eine oder andere Sache.

„On a tous une cause, n’est-ce pas?“ lächelte sie still in sich hinein und fürchtete sich bereits vor dem Ende der Vorstellung und vor den grausamen Lichtern die sie zurück in die Realität holen würden.

Der beschwerliche Weg und die anfängliche Scham allein im Kino zu sein hatten sich aus ihrem Bewusstsein verflüchtigt und sie verlor sich in den Gesichtern von Menschen an die Träume gebunden waren wie Wunschkarten an Ballons.

Wie von selbst hob sich ihre linke Hand als ob sie die Figuren zurückhalten wollte.

Menschen träumten von diesen Gesichtern, Menschen schlossen diese Gesichter und ihre Besitzer in ihre Gebete ein und diese Menschen gäben sonst was darum diese Gesichter nur einmal in echt zu erleben.


Salome hatte nie zu der Art von Menschen gehört, aber auf ihrem Spaziergang zurück dachte sie darüber nach wie es sich wohl anfühlen mochte einen Menschen zu lieben den man nie getroffen hatte.

Denn für sie bestand kein Zweifel daran, dass Fans ihre Idole liebten, mit ihnen um Rollen fieberten und schlechte Kritik persönlich nahmen.

Himmel, die meisten trafen ihren Star nie persönlich und für ihn waren sie nur eine große Schattenmasse die in seinem Rücken waberte und auf die er zählen konnte, aber was machte das schon aus?

Salome war auch eifersüchtig auf diese Fans, weil sie etwas hatten an das sie glaubten, während sie ihr Leben lang nur Geschichten, nie Gesichter geliebt hatte.

Sie war nie verliebt gewesen, weil sie einfach nicht die Konzentration hatte einen Mann genauer zu betrachten und zu erkennen wer oder was er wirklich war.

Nein, sie hatte von Tag zu Tag gelebt, von häuslicher Unruhe zu trügerischem Frieden und von Jahr zu Jahr waren ihre Gedanken voller und ihr Herz leerer geworden.

Wann immer sie einen Mann schön fand, hörte ihr Interesse am Punkte dieser kalten Feststellung auf: Er war schön.

Wie alle Mädchen hatte sie sich Kinokarten bezahlen und Küsse stehlen lassen, aber für sie war das nie ein Anlass zum Kichern oder zum Munkeln gewesen, ganz im Gegenteil, sie behandelte ihren ersten Kuss wie ihr damaliges Mittagessen.

 

Auf einmal revoltierte alles in ihrem Leib und in ihrem Herzen.

Nein, sagte sie sich fest, nein, ich werde nicht zulassen, dass diese öde Monotonie mich wieder übermannt. Ich will leben und spüren, ich will, dass es mir den Boden unter den Füßen wegzieht und wenn es auch extrem erscheinen mag, dieses Mal werde ich die Schönheit nicht Schönheit sein lassen.

Ich werde Nachforschungen anstellen und wahres Interesse beweisen.

Sie versprach sich hoch und heilig, dass sie ausgehen und tanzen würde, Menschen kennen und lieben lernen.

Abnabelung begann an dem Punkt an dem man etwas alleine schaffte und wenn es auch in Salomes Fall um eine ganze Welt und ein ganzes Leben ging, so verzagte sie nicht.

„Ich werde meinen Hund holen und dann…werden wir sehr lange spazieren gehen.“ Murmelte sie mit fester Stimme und nickte dann bekräftigend.

 

„Hey Droopy.“ Richard lachte als der Mann am andern Ende der Leitung ein gurgelndes Geräusch von sich gab.

„Ich wollte fragen ob du nicht durch Zufall irgendwo in London schwimmst.“

Der Mann klang überrascht, gab aber zu genau dort zu sein.

„Hast du schon gegessen?“ Richard sah mutlos auf den viel zu großen Topf Nudeln.

„Richard? Es ist 3 Uhr nachmittags. Ich habe ein Brötchen zu Mittag gehabt und es ist noch nicht Abend.“ Erklang es geduldig aus dem Hörer.

„Ok, hast du Hunger?“

„Du machst mir so langsam Angst, sag doch einfach ich soll vorbeikommen und dann tue ich das mit Freuden.“ Der Mann lächelte, das hörte man und eine Frau die ihren Kinderwagen vorbeischob wandte sich ihm instinktiv zu.

„Ok, komm rüber. Ich…ach ich erzähle dir das besser wenn du da bist.“

Als es keine 10 Minuten später klingelte hob Richard eine Augenbraue.

„Ich hatte das so im Gefühl und war in der Gegend.“ Der Mann strich mit der Hand durch die Haare und klopfte seinem Gastgeber dann freundlich auf die Schulter.

„Ich bin allein und wollte dich auch schon fragen ob du nicht durch Zufall Lust hast was trinken zu gehen oder so…Richard seit wann hast du einen Hund?“

Richard sah sich um und grinste: „Da fängt die Geschichte an. Das ist nicht MEIN Hund, sondern der von meiner Nachbarin. Die gleich aus dem Kino kommt. Und…die dich für Droopy hält.“

Dem Mann dämmerte langsam, dass sein Freund etwas im Schilde führte.

„Und du willst deine ältliche Nachbarin umbringen dadurch dass du einen Herzinfarkt provozierst, damit du ihren hässlichen Hund behalten kannst?“ versuchte er zu erraten um was es wirklich ging.

„Geh und deck den Tisch, den Rest wirst du noch früh genug erfahren.“ Richard grinste selbstgefällig und sein Grinsen wurde immer breiter als der Hund laut zu bellen begann und keine zwei Sekunden später die Klingel ertönte.


 

Kapitel 7 by MaggyMae
Author's Notes:
Und es gibt kein Fettnäpfchen das Salome nicht volle Kanne erwischen würde

7.

Salome lächelte als Richard die Tür öffnete, ihr schulterlanges Haar ringelte sich süß um ihren Nacken und ihre Augen funkelten ihn an.

„Oha, da hatte aber jemand Spaß im Kino.“ Ihm fiel auf, dass sie ihre Jacke über dem Arm trug und demnach pitschnass war.

„Kommen Sie doch rein, Sie sind ja ganz nass.“ Sprach er dann und sah mit Entzücken wie sie verwirrt an sich herunter sah.

„Wie bitte? Oh wo ist denn meine Jacke, ah hier, ich Dummerchen.“ Sie lachte auf und strich sich die Haare zurück, so dass ihr Pony wirr zu Berge stand.

„Nein, das wäre wieder ein Grund nicht reinzukommen. Ich hole nur den Hund ab.“

Während sie sprach dachte sie darüber nach ob sie den Bart gut fand oder eher nicht.

Er stand ihm, beschloss sie nach langen Sekunden der Reflexion.

„Nein, ich bestehe darauf. Kommen Sie rein, Sie haben sicher noch nichts gegessen.“
Sie blinzelte verwirrt. „Wieso? Haben Sie gekocht?“

Diskret schnuppernd lehnte sie ihren Kopf etwas weiter zur Wohnungstür rein und lachte dann: „Hach lieber Nachbar, ich kann nur Sie riechen.“

Ihr Gesicht sah jedoch nicht so aus als würde sie das stören.

„Kommen Sie rein, ich hole Ihnen etwas Trockenes zum Anziehen.“

„Richard? Sie wissen aber, dass ich Ihnen ein Essen schuldig bin weil Sie auf John aufgepasst haben und nicht umgedreht?“ Sie grinste zu ihm auf als sie den Hund kraulte, der sich auf dem Rücken hin und her rollte um Streicheleinheiten zu bekommen.

„Ein andermal dann.“ Lächelte er und verschwand im oberen Geschoss.

 

Als er vor seinem Schrank stand fiel ihm auf, dass sie viel kleiner war als er und er nur selten Frauenkleider trug, eigentlich nie.

Also musste ein Pulli ausreichen.

Grinsend stellte er sich vor wie sie aussehen würde in diesem Pulli der ihr viel zu groß sein würde und ging wieder runter.

„Na mein Schatz? Wie war es bei unserem gruseligen Nachbarn?“ Salome sprach immer noch mit John und wagte es nicht sich zu rühren, da sie bereits den Eingangsbereich geflutet hatte und keine Wasserspur durch seine Wohnung ziehen wollte.

Als ihr Handy klingelte, stellte sie es auf Lautsprecher, weil sie es nicht durch ihre tropfenden Haare beschädigen wollte und setzte sich neben den Hund in die Pfütze die sie selbst verursacht hatte.

„UUUUUND?“ Sue lachte in den Hörer, denn sie hatte anhand von Salomes Posts auf Facebook gesehen, dass sie tatsächlich ins Kino gewesen war.

„Sue, beruhige dich. Der Film war wundervoll, du hattest wie immer Recht und was ich über Droopy gesagt habe tut mir selbstverständlich auch schrecklich leid.“

Salome sah mit wachsender Verzweiflung auf die anschwellende Pfütze.

„Salome, was ist das für ein schmatzendes Geräusch?“

„Das ist mein fetter Hintern der auf den Fliesen hin und her rutscht. Es hat geregnet. Ich habe es nicht gemerkt und mein Nachbar, ach ja ich habe den Hund bei ihm gelassen, ist jetzt irgendwie los um mir was Trockenes zum Anziehen zu holen.“

Erst jetzt holte Salome tief Luft, während Sue sich mit der Hand an die Stirn fasste.

„Wie groß ist dein Nachbar?“ fragte sie dann geduldig.

„Über 1,80 vielleicht sogar um die 1,90, oh Sue ich weiß es nicht genau…von hier unten aus sieht das alles so verzerrt aus.“ Salome kicherte leise.

„Lola, er wird dir doch nichts von ihm leihen oder so?“

„Na Sue ich denke nicht, dass er einen ganzen Kleiderladen in seinem Schlafzimmer hat.“

Salome hatte Gregoris Kleider getragen und hatte kein Problem damit in Männerkleidern herumzulaufen, auch wenn sie lächerlich darin aussah.

„Nun, erzähl schon. Ich bin neugierig und kann nicht auf deinen Post im Blog warten. Wie ist er so der Nachbar? Der große, böse Nachbar?“

John legte seinen Kopf auf Salomes Schoß und sie lehnte den Kopf an die angezogenen Knie und suchte nach Worten.

 

Er wurde mit jedem Tag kindischer, dachte Richard grinsend, als er durch die Wand verborgen in der Treppe stehen blieb und ihrem Telefongespräch lauschte.

Was er nicht wusste war, dass sein Gast ebenfalls an der Wohnzimmertür stand und lauschte.

Eigentlich hatte er beinahe schon vergessen, dass Matthew allein im Wohnzimmer saß und dass er seine süße Nachbarin eigentlich mit Droopy überraschen wollte.

Vielleicht wollte er ihr aber auch nur beweisen, dass sie keine Trauerklöße waren.

Sie schwieg eine Zeit lang und Sue hakte natürlich nach.

Eine Frau überlegte, eine Frau wartete und zwei Männer warteten ungeduldig.

„Ehm…Er ist zu allererst nicht wirklich mein Nachbar.“ Fing Salome langsam an.

„Name, Geburtsdatum und Aussehen.“ Verlangte Sue unnachgiebig.

Richard zuckte zusammen, erstens wusste sie das wahrscheinlich nicht und zweitens wusste er nicht ob er wollte, dass sie es ihrer Freundin sagte.

„Name geht dich nichts an, Geburtsdatum? Vor unserem fürchte ich. Aussehen? Außergewöhnlich.“ Salome lächelte als Sue beleidigt schnaubte.

„Was heißt außergewöhnlich?“ fragte sie dann nach, da sie wusste, dass Salome ihr niemals sagen würde was sie für sich behalten wollte.

„Nun ja wie gesagt ist er sehr groß. Sehr schmal. Gut gebaut soweit ich das erkennen kann. Schöne Gesichtsstruktur, helle Augen, dunkles Haar.“

Salome versuchte so neutral wie möglich zu klingen, da sie nicht wusste wann der mysteriöse Nachbar ein passendes Kleidungsstück finden würde.

„Oh komm schon Lola, sag mir mehr. Ist er ein Buckliger? Ein Greis? Ein Perverser?“

Sue mochte solche Geschichten und sie wäre mehr als nur aufgeregt gewesen ihre Freundin eine solche erleben zu sehen.

„Nein, nein und hoffentlich nein.“ Salome streichelte weiter den Hund und sah ihn um Hilfe bittend an.

„Details bitte.“ Sue ließ nicht locker und Salome hatte keine Ahnung, dass zwei Männer ihr zuhörten, denn ansonsten wäre sie wohl tot umgefallen vor Scham.

„Nun ehm, er hat sehr schöne Hände, sehr lange Beine, ein außergewöhnliches Lächeln, nun ja, wenn er nicht gerade aussieht wie 7 Tage Regen. Obwohl…in London ist das mit dem Regen wohl gar nicht so unlogisch. Er ist eindeutig britisch und ich schätze ihn zwischen 30 und 40.“

„Auf einer Skala von 1 bis 10?“ Sue kicherte wie ein kleines Mädchen.

„320.“ Gab Salome schnell und ehrlich zurück, was Sue eindeutig und sofort zum Verstummen brachte, weil sie wusste wie selten ein Mann die Gunst der kindlich-kühlen Salome gewann.

„So gut?“ Sue klang jetzt ehrfurchtsvoll und riet Salome dann sofort:

„Hau ab, denn wenn er dir gefällt dann ist er sicher ein Perverser oder irgendein Mann mit tiefen Identitätsproblemen.“

„Sue ich bin nicht du und er ist nicht mein Liebhaber. Er ist mein verdammter Nachbar.“

Salome wehrte sich gegen die Annahme der Freundin, dass ein Mann der ihr Gefallen errang automatisch ihr Geliebter sein musste.

„Salome? Sei vorsichtig, ich mag die Vorstellung nicht, dass du allein mit einer 320 in seiner Wohnung sein könntest.“

„Da gibt es kein könntest. Ich bin tatsächlich hier und er sieht wirklich nicht wie ein Triebtäter aus.“ Log Salome und biss sich hart auf die Lippe um sie vom Zittern abzuhalten.

Was wusste sie schon über diesen Mann?

Sie kannte nur das dunkle, grüblerische Gesicht und die tiefe, verlockende Stimme ihres Nachbarn, nicht aber seine Vergangenheit oder die Abgründe seiner Seele.

Andererseits konnte sie sich keine schöneren Hände vorstellen durch die sie hätte sterben können.

„Salome, hau ab. Ehrlich. Du kannst da nicht alleine bleiben.“ Dringlich dröhnte die Stimme der Freundin an Salomes Ohr.

„Verzeihung Miss, aber Sie sind nicht allein mit ihm.“ Erklang dann eine andere Stimme und Salome unterdrückte einen Schrei.


 

Kapitel 8 by MaggyMae
Author's Notes:
Netter Matthew

8.      

Salome blinzelte verwirrt und kniff sich dann beherzt ins Bein.

„Wer ist das?“ rief Sue alarmiert.

„Ich weiß es nicht.“ Sprach Salome mit zitternder Stimme, nicht willens ihre Freundin wissen zu lassen was sie niemals erfahren durfte.

„Oh Gott…Soll ich die Polizei rufen?“ Sue war fest entschlossen.

„Nein Susan, alles ok. Wir sind nur etwas schreckhaft im Moment, es ist nichts passiert. Ah da ist ja auch mein Nachbar. Ich werde mich jetzt umziehen Sue und wir hören uns heute Abend.“

Salome atmete kurz und abgehackt, gab aber ihr Bestes sich nichts anmerken zu lassen.
„Ich weiß, dass da etwas im Busch ist Lola. Ich weiß nicht was du mir verheimlichst, aber ich weiß, dass bei dir etwas nicht stimmt. Das hier ist kein Film, der schöne Nachbar ist nicht der Gute.“

„Ich weiß Sue, das hier ist definitiv KEIN Film, aber es ist alles ok. Ich hole jetzt meinen Hund und dann gehe ich nach Hause. Mach dir keine Sorgen, früher oder später erkläre ich dir alles, ich bin nur etwas durch den Wind wegen dem Umzug und so.“

„Ok, dann bis heute Abend und Lola? Du weißt, dass wir „Droopy“ noch mal durchdiskutieren werden?“

„Ja Sue, ich werde 3 Stunden mit dir über ihn sprechen wenn es sein muss, aber jetzt friere ich und muss dich lassen. Bye.“

Salome legte zitternd auf, barg ihr Gesicht an den Knien und atmete erneut tief durch.

 

Als sie den Kopf wieder hob standen die beiden immer noch da und sahen sie ernst an.

„Why so serious?“ ahmte sie den Joker nach und lachte nervös.

„Salome, Sie wissen, dass ich Ihnen nicht schaden will, nicht wahr?“

Richard war schockiert.

Salomes Freundin hielt ihn für einen Triebtäter, Vergewaltiger und Mörder und Salome hatte ihr geglaubt, wenn auch nur einige Sekunden lang hatte sie darüber nachgedacht was wäre wenn ihre Freundin Recht hätte.

„Ja sicher, aber wie kommt der hierher?“ Salomes Gedanken überschlugen sich.

„Oh Matthew? Er ist ein Freund. Ich stelle euch dann mal besser vor: Droopy, meine Nachbarin, Salome, Droopy.“

Salome errötete und dachte daran wie andere Frauen Geschichten über die beiden schrieben und dass sie nichts sagen konnte ohne dass sie es gleich mitbekamen.

Das Leben konnte ja so ungerecht sein.

„Oh hallo.“ Sprach sie schwach und schüttelte mutlos den Kopf.

Ihre beste Freundin dachte sie wäre einem Verrückten zum Opfer gefallen und dabei war sie die Verrückte in dieser Geschichte.

John schlief ruhig auf ihrem nassen Bein und sie merkte, dass sie immer noch jämmerlich fror.

„Oh tut mir leid.“ Richard hielt ihr einen Pullover hin und sie riss sich ihren eigenen Pulli vom Leib und schlüpfte in die Leihgabe.

Tatsächlich konnte sie danach ihre Hose ausziehen ohne sich eine allzu große Blöße zu geben, da ihr der Pullover bis zur Mitte des Oberschenkels reichte.

„Ziehen Sie sich immer vor Fremden aus?“ merkte Richard dann nervös an und sie starrte verwundert zurück.

„OH Mutter Gottes.“ Fluchte sie leise und lehnte ihren Kopf gegen die Wand.

„Richard geh und sieh zu, dass ihre Kleider irgendwie trocknen.“ Schlug Matthew lächelnd vor und geleitete die verstörte Salome, die mittlerweile barfuß war, ins Wohnzimmer.

 

„Ich bin also Matthew.“ Nahm er die formelle Vorstellung nach.

„Ich weiß, ich bin Salome.“ Wisperte sie und sah ehrfurchtsvoll zu dem Gesicht auf über das sie den ganzen Mittag über nachgedacht hatte.

„Schneidig“ traf es dann doch nicht so gut, dachte sie, er hatte ein nettes, ein anziehendes Gesicht. Intelligent, ernst und doch gütig auf die eine oder andere Art und Weise.

„Wieso sagen Sie Ihrer Freundin nicht was Sache ist?“ fragte er dann freundlich während er ihre Füße in etwas Warmes, Wolliges einwickelte, was sich als ein Schal herausstellte.

„Oh was tun Sie denn da? Der arme Schal.“ Rief sie verwundert, doch er winkte ab: „Er hat doch jetzt den Bart um sein riesiges Kinn warm zu halten.“

Salome musste schmunzeln und antwortete dann erst auf seine Frage:

„Sue ist ein Fan, sie kennt diese Filme,  alle, sie kennt diese Schauspieler, alle. Sie würde mir und Ihnen keine ruhige Sekunde mehr lassen. Ich habe immer gedacht Privatsphäre wäre das A und O in diesem Gewerbe, nein?“

Nun war es an dem Mann verwirrt zu sein und er musterte die mysteriöse Nachbarin seines Freundes neugierig.

Er hatte Recht, sie war klein und witzig. Ihr Kinn war entschlossen vorgereckt und ihre kleine Nase war gerötet von der Kälte, aber in ihren Augen tanzten schelmische Funken und eine wache Intelligenz.

„Aber wenn es doch zu Ihrem Nachteil ist?“ hakte er dann vorsichtig nach.

„Wieso zu meinem Nachteil? Ich werde Sue davon überzeugen, dass es mir gut geht und das war’s dann. Dies ist nicht mein Geheimnis und ich habe kein Recht preiszugeben was mir nicht gehört. Ich habe viele Geheimnisse und in meiner Truhe finde ich auch noch Platz für zwei derart große Männer.“
Salome grinste und bewegte ihre Zehen die bonbonrosa lackiert waren und langsam auftauten.

 

„Und war es schön im Kino?“ Matthew suchte nach einem Thema und da Richard gesagt hatte, dass sie im Kino gewesen war, fing er da an.

Sie errötete und nickte schwach.

„Was haben Sie denn gesehen?“ knüpfte er an die wahrlich schüchterne Antwort  an.

„Ehm das wollen Sie gar nicht wissen.“ Erwiderte sie mit dünner Stimme und reichte ihm die Eintrittskarte die sie in ihrem BH untergebracht hatte.

„Manchmal wenn man aufs Klo geht kontrollieren sie nach und dann ist es immer besser die Karte dabei zu haben.“ Erklärte sie leise und beschämt.

„Ah.“ Machte Matthew als er den Titel gelesen hatte und lächelte: „War es denn gut?“

Erneut nickte sie wortlos und niedergeschlagen.

Sie kam sich ertappt vor und fühlte sich im Allgemeinen unwohl angesichts der Situation.

„Waren Sie alleine hin?“ Matthew ließ nicht locker und sie sah ihn mit einer Mischung aus Befremdung und Dankbarkeit an.

„Ehm ja, die verrückte Dame am Telefon hat mir heute Morgen beim Backen geholfen über Telefon und mir vom Film erzählt, also habe ich beschlossen, spontan deshalb mein Alleingang, mir den heute reinzuziehen.“ Erklärte Salome leise.

„Komisch, ich dachte Sie seien eine ältliche Dame.“ Murmelte Matthew dann auf einmal und musterte Salome noch einmal.

Sie sah aus wie 15 oder 16 mit ihrem weichen Mund und dem lustigen Pony, ihre Hände die immer noch ihre Knie umklammerten waren winzig und sie versank nahezu in Richards Pullover.

Allerdings lebte keine Minderjährige allein mit einem Hund in einer fremden Stadt, oder?

„Ich bin 23.“ Wisperte Salome lächelnd als wolle sie seine Gedankengänge nicht stören.

„Nun…Wie kommen Sie auf Droopy?“ Er mochte sie instinktiv und wollte weiter mit ihr sprechen.

„Oh keine Ahnung, es war vor allem so, dass ich Sue foppen wollte. Sie mag traurige Männer, Männer die dauernd leidend aussehen. Sie hätte Jesus Christus verdammt attraktiv gefunden denke ich. Wie gesagt sie mag Filme und sie mag Schauspieler…Oh ich sollte ihr besser nichts von Huberts Sammlung erzählen.“

Der Gedanke traf sie wie ein Blitz.

„Ach wie meinen Sie das denn jetzt?“

Sie erklärte ihm, dass ihr Onkel Filme wohl auch gemocht hatte und dass er eine riesige Sammlung an Filmen besaß…besessen hatte.

„Und Sie haben unseren Freund Richard schon entdeckt?“

Sie sah auf und erkannte eben jenen Mann im Türrahmen. Seltsamerweise wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie hier dauernd belauscht wurde.


Kapitel 9 by MaggyMae

9.

„Nun er ist ihr Freund und mein Nachbar. Und ja ich habe per Zufallsprinzip einen Film mit ihm gesehen. Wer weiß ob ich ihn je wiedererkannt hätte wenn das nicht der Fall gewesen wäre.“ Murmelte sie und sah dabei ihren Nachbarn fragend an.

„Ehm ja…“

„Wollen Sie etwas essen Salome?“

Sie sah auf die Uhr und fragte sich wieso er ihr am Nachmittag Essen anbot.

„Ehm nein danke…obwohl doch…“ Der Hunger siegte über den Anstand und sie aß schweigend und vor allem allein während die Männer ihr zusahen.

„Soll ich den Fernseher anmachen? Das Radio?“ schlug Richard dann vor als die Stille erdrückend wurde.

„Oh nein danke, das hier ist Fernsehen und Radio genug.“ Nuschelte sie und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund als versuchte sie die gesprochenen Worte zurückzunehmen.

„Da Sie anscheinend keine typischen Fanfragen auf Lager haben, wollen Sie uns etwas über sich verraten?“ sprach Matthew dann als sie den Teller selbst in die Küche gebracht und abgewaschen hatte.

„Oh ich wünschte ich hätte Fragen, aber Sie erwischen mich vor meiner Recherche, ich bin untröstlich, aber ich muss zugeben mich noch nicht vorbereitet zu haben.“ Beichtete sie niedergeschlagen.

Aber da sie gefragt hatten und das Schweigen ihr so langsam auch an den Nerven nagte, versuchte sie ein möglichst ehrliches Bild von sich wiederzugeben.

 

„Ich heiße Salome, bin 23, das Haus in dem ich lebe gehörte meinem Onkel den ich nicht gekannt habe. Ich habe einen Bruder und zwei Stiefbrüder, da meine Mutter vor einigen Jahren wieder geheiratet hat. Ich habe eine Tendenz zur Unachtsamkeit und habe im Allgemeinen oft Pech. Und ich erlebe gerade die unwahrscheinlichste Situation die einem Menschen nur passieren kann. Ob das nun Pech oder ausgleichende Gerechtigkeit ist wird sich bald herausstellen denke ich. Ach ja, das ist mein Hund, der beste Teil meines Erbes, der auf den lächerlichen Namen John hört.“

„Sind Sie verheiratet?“ Matthew legte den Kopf zur Seite um sie zum Weiterreden zu motivieren.

„Ehm nein, so dumm das auch klingen mag, aber ich hatte bisher noch keine große Lust mich mit Männern abzugeben wenn ich den großen Fang meiner Mutter betrachte und mein mangelndes Glück in die Waagschale werfe.“ Salome lächelte leicht bedauernd.

„Sie haben nicht einmal einen Schwarm?“

Sie grinste breit: „Der da ist praktisch mein Nachbar, wieso bräuchte ich einen Schwarm?“

Ihre erfrischende Ehrlichkeit verblüffte beide Männer und sie grinste weiterhin.

„Oh Sue ist sicher ein Fan von Ihnen. Sie mag ernste Männer.“

„Und Sie nicht?“ Richard war verwirrt und leicht beleidigt.

„Ich weiß es nicht. Bisher habe ich Männer im Allgemeinen nicht allzu sehr gemocht muss ich zugeben. Männer stinken, trinken und bevormunden.“

Das klang zwar sogar in ihren Ohren klischeehaft, aber sie konnte gesprochene Worte nicht zurückfischen, das wusste sie aus Erfahrung.

 

Sie musste unbedingt bei Sue nachfragen was sie so wusste.

„Ich sollte jetzt besser gehen um mich nicht weiter zu erniedrigen.“ Sprach Salome schnell, pfiff nach dem Hund, nahm ihre Tasche und war aus der Tür bevor einer der Männer reagieren konnte.

„Deine Nachbarin ist gerade in deinem Pulli abgehauen, während ihre Kleider immer noch hier sind.“ Murmelte Matthew nach einigen Sekunden der Stille.

„Ich weiß.“ Grinste Richard süffisant zurück und fuhr seinen Computer hoch.

„Was tust du?“ Matthew folgte ihm lächelnd, da war eindeutig was im Busch.

„Sie hat einen Blog und sie wird sich sicher jetzt über uns beide auslassen, denn sie weiß nicht, dass ich ihn lese.“ Erklärte Ersterer breit grinsend und lehnte sich entspannt zurück.

 

Salome keuchte als sie zuhause angekommen war und die stechende Kälte in ihren Knien und Wangen bewies ihr wieder einmal wie dumm sie war.

Ihre Jacke, ihr Pulli, ihr Schal und ihre Jeans lagen bei Richard und sie hatte seinen Pulli gestohlen.

Sie war eine Diebin.

Kurz kam ihr der erheiternde Gedanke, dass sie für den Pulli auf Ebay bestimmt genug Geld bekommen würde um ihre ganze Garderobe zu ersetzen, aber dann ermahnte sie sich streng sich nicht solchen Hirngespinsten hinzugeben.

Mit mehr Übung als am vorherigen Tag setzte sie Tee auf und vergrub das Gesicht in der weichen Materie des einzigen Kleidungsstückes das sie trug.

Sie hatte Männer nie gemocht, das stimmte, aber zumindest das Argument des Gestanks fiel bei diesem konkreten Exemplar aus, davon konnte sie sich mit ihren eigenen Sinnen überzeugen.

Daran denkend, dass Susan auf den Blogeintrag wartete, goss sie sich eine Tasse Tee aus und machte sich daran den heutigen, turbulenten Tag zu beschreiben.

 

Liebe Leser,

Ich habe mich bei meinem Nachbarn entschuldigt und er hat mir zum Dank gleich den Hund einen Nachmittag lang versorgt während ich ins Kino war.

Gott verzeih mir, dass ich mich verächtlich über Droopy geäußert habe, denn Mr. Macfadyen ist nicht nur ein sehr überzeugender Schauspieler, sondern auch ein „schneidiger“ Kerl wie meine liebe Freundin zu sagen pflegt.

Ich sehe, einige von euch haben sich zu meinem vorherigen Post geäußert und ich gebe euch natürlich Recht, dass die Stimme und die Grundkonstitution des Gesichtes des Mannes in Frage immer eine große Rolle spielt.

Ich habe meinem Nachbarn, der nebenbei bemerkt eine göttliche Stimme hat, Kekse gebacken, in Schweineform J und er hat nicht versäumt anzumerken, dass dies gut und gerne eine versteckte Spitze sein könnte.

Kluger Nachbarsjunge, nicht wahr?

Darüber hinaus habe ich vergessen meine Jacke zu tragen, was für eine Frau in London fatal sein kann und jetzt sitze ich hier im Pullover meines Nachbarn, welcher meine Kleider als Geisel in seinem Trockner hält.

Die Eure, frierend, erschöpft, aber glücklich.

 

Salome lehnte sich zurück und schnupperte hemmungslos an dem Stoff der sie umgab wie eine Wolke der Männlichkeit.

Sein Pulli? Im Ernst, wie riecht er denn? Und ich sagte dir doch, dass ER unglaublich ist.

Göttlich. Ich komme wirklich mal bei dir vorbei und dann sehen wir uns gemeinsam Filme an.

Übrigens geht es mit LotR weiter und da haben wir dieses Mal einen richtigen Leckerbissen dabei. Du und ich Premiere? In Liebe Sue.

Richard starrte auf den Bildschirm und sah Matthew strafend an als dieser in lautes Gelächter ausbrach.

„Ihre Freundin ist auf Zack und Salome scheint wirklich zu wissen wie sie tickt.“

Richard schüttelte fassungslos den Kopf und wartete darauf, dass Salome ihrer Freundin antwortete.

Liebe Sue,

Ich werde mich nicht öffentlich über den Geruch meines Nachbarn auslassen. Der Pulli riecht nach Waschpulver…

Und ja blabla göttlich, blabla unglaublich, blabla zum Niederknien.

Dann weiter im Text…LotR? Lothringen? Was zum Henker Sue?

„Oi jetzt wird es spannend. Sag mal was für ein Waschpulver benutzt du eigentlich?“

Matthew foppte seinen Freund gnadenlos, welcher ihn nur leidend ansah und mit den langen, schmalen Fingern auf die Schreibtischplatte, ungeduldig und das Schlimmste befürchtend.

Und dann aktualisierte er die Seite, nur zwischen den fast geschlossenen Lidern hindurch linsend.


 

Kapitel 10 by MaggyMae
Author's Notes:
Kurzes Kapitelchen

10.

Die Suchmaschinen liefen heiß und Salome dankte dem Herrn auf Knien dafür dass sie, auch wenn ihr entfallen war Essen zu besorgen, daran gedachte für fließendes Wasser und eine Internetflatrate zu sorgen.

Lord of the Rings, ach ja, darauf hätte sie auch allein kommen können, dachte sie angespannt und runzelte die Stirn.

Manno Lola, sieh dir Spooks von vorne bis hinten an, dann hast du alles gesehen was du sehen musst.

Nein, jetzt mal im Ernst. Das Kerlchen heißt Armitage, Richard mit Vornamen. Google den doch mal und dann sagst du mir und dem Rest der Welt ob deine Zunge es aus geschafft hat bis außerhalb der Grenzen Londons zu rollen.

Wie wär’s mit einem hübschen Zwerg?

Alles Liebe Sue

Ps: Wie waren die Kekse?

Salome tippte wieder alle Namen ein die sie nicht kannte und nach einigen Minuten verstand sie, dass ihr werter Nachbar wirklich bekannt war, bekannter als sie gedacht hatte und einen Zwerg spielen sollte.

Sie sah John fragend an und nippte langsam an ihrem Tee.

Ihr Nachbar war riesig, warum sollte er einen Zwerg spielen?

Kopfschüttelnd legte sie die Hände wieder an die Tastatur und tippte:

 

Liebe Sue,

Bitte hör auf mit Namen um dich zu werfen die ich nicht kenne.

Was meine Zunge betrifft, sie befindet sich immer noch in meinem Mund, weil ich nicht die Art Frau bin die Männern nachsabbert und das weißt du auch.

Terrorismus ist nicht so mein Ding, aber dir zuliebe schaue ich da mal rein.

Und Zwergenfilm? Ja ok, wir beide?

Ps: Die Kekse waren sehr gut dank dir.

 

Matthew sah Richard geduldig abwartend an und lächelte dann:

„Was ist alter Mann? Macht es dich nervös zu wissen, dass sie weiß wer du bist und sich in die Wange beißen muss um nicht laut zu lachen wenn ihre Freundin dich als sexy beschreibt?“

„Wer weiß? Vielleicht findet sie mich ja auch sexy?“

Richard war etwas beleidigt über die Annahme des Freundes das dies nicht so sein sollte.

Also doch, er war verletzt wenn jemand ihn als hässlich empfand.

Und getrieben von irgendeinem Teufel, drängte Matthew Richard von seinem Platz und begann zu tippen:

Liebe Bloggerin,

Ich finde Macfadyen ja nicht so prickelnd, er hat das Gesicht eines Hundes, aber Richard finde ich eigentlich recht süß.

Wenn Sie beide kennenlernen wollen, dann schlage ich Ihnen vor an einem geheimen Gewinnspiel mitzumachen bei dem sie einen Besuch bei Richard MIT Matthew gewinnen können.

Alles Liebe.

 

„Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?“ rief Richard und fügte dann hinzu:

„Was soll das für ein Gewinnspiel sein?“

Matthew zuckte grinsend mit den Achseln und erklärte seinem Freund seelenruhig, dass er dieses Gewinnspiel gerade erfunden hatte und gedachte es beizubehalten.

„Oh du bringst uns noch in Teufels Küche.“ Murrte Richard und sah weiter gebannt auf den Bildschirm.

Oh, wo und wann und wie?

Sue

Und keine zwei Sekunden später:

Lieber Leser,

danke für die Antwort die unseren Dialog weniger lächerlich erscheinen lässt.

Was immer Sue will, melden Sie uns an auch wenn ich Ihnen kein Wort glaube.

Darüber hinaus sind die beiden besprochenen Herren über alle Zweifel erhaben, in der Tat lieber Leser habe ich seit Neustem einen Hund und ich versichere Ihnen, dass er keinerlei Ähnlichkeit mit diesen Männern hat.

Darüber hinaus ist Mister Armitage ungefähr so „süß“ wie ein Schlagring aus Granit.

Nichts für ungut, aber Harry Potter ist süß, Armitage ist es nicht.

 

Matthew schüttelte sich vor Lachen als er tippte:

Gut, ich melde Sie und ihre Freundin dann an.

Sie werden auf diesem Wege eine Bestätigung bekommen falls Sie gewinnen sollten.

Weiterhin entschuldige ich mich vielmals, Sie müssen Verständnis haben da das Einschätzen männlicher Schönheit nicht zu meinen Stärken gehört.

Liebe Grüße

 

Salome dachte bei sich, dass ihre Leser mit jedem Tag verrückter wurden und sah auf den Hund der träge auf dem Teppich lag.

Sie würde ein wenig lesen und dann noch mal mit John einen langen Spaziergang unternehmen, nahm sie sich vor, doch das Filmregal zog sie beinahe magisch an.

Sollte sie?

Etwas Unverfängliches, nahm sie sich vor und kuschelte sich mit der schönen, alten Version von Stolz und Vorurteil auf die Couch, immer noch in dem geliehenen Pullover.

Es wunderte sie nicht, dass man sie oft für ein Kind hielt, da sie wirklich klein war und immer ein klein wenig lächerlich aussah.

Ihr Pony war mittlerweile viel zu lang und ihre Locken taten nie das was man von ihnen erwartete, sie trug gerne rosa und ihr schnelles, breites Grinsen erinnerte so oft an die Unbeschwertheit der Kindheit.

Nur leider hatte sie keine unbeschwerte Kindheit gehabt. Ihre Mutter hatte Männer geliebt und gehasst, sich verliebt und sie verlassen und Salome war immer dabei gewesen.

Sie hatte ihren Bruder eingehen sehen wie eine Blume der man nicht genug Wasser gab und hatte sich in Bücher und imaginäre Welten geflüchtet um der Realität nicht ins Auge zu sehen.

Himmel, sie war noch ein halbes Kind wenn man bedachte, dass sie nie einen Mann geliebt hatte, niemals mit einem Jungen auf der Rückbank seines Wagens geschlafen hatte oder weinend neben dem Telefon gesessen hatte.

All das hatte sie verpasst, hatte nicht daran gedacht als die Zeit reif war und jetzt war es zu spät.

Seltsam fand sie nur, dass all diese Dinge ihr jetzt erst bewusst wurden.

 

Schulterzuckend schlüpfte sie in ein Paar hochhakige Stiefel und nahm sich die Leine.

„Na komm John, wir drehen noch eine Runde.“ Rief sie und ließ die Leine rhythmisch klimpern, woraufhin der große Rüde angetrottet kam.

Sie liebte ihren Hund wie sie selten ein Lebewesen geliebt hatte und freute sich über seine warme Schnauze die sich nun liebevoll an ihrem Oberschenkel rieb.

„Du und ich? Es war ein langer Tag lieber John, aber am Ende des Tages sind es doch nur du und ich.“ Murmelte sie und wappnete sich für die Kälte des Abends.

Ihre Jacke lag immer noch bei Richard und ihre Turnschuhe auch.

Als sie einige Schritte gegangen war erkannte sie zwei große Silhouetten die auf sie zukamen, schnell, mit weit ausholenden Schritten und sie hasste sich dafür, dass sie nur ihre Schlüssel mitgenommen hatte.

Also klemmte sie sich die Schlüssel wie kleine Klingen zwischen die Finger, bereit sich zu wehren wenn der Hund sie nicht verteidigte, bereit mit Zähnen und Klauen um ihr Leben zu kämpfen und den Angreifern die Augen auszukratzen.

„Wer ist da?“ rief sie dann mit zitternder Stimme.


Kapitel 11 by MaggyMae
Author's Notes:

Noch was Kleines zum Lachen vorm Doris-Day...ich plage mich jetzt mal mit Salomes Teenagerkrise herum :)

Bitte liebe Leser lasst mir doch einen Kommentar im Forum da

11.

Ihre Stimme ging in dem Heulen des Windes unter und sie spannte sich automatisch an.

Der Arm den sie mutig schwingen ließ wurde jedoch von einer eisernen Faust aufgehalten und sie sah ein, dass sie umdenken musste.

Als sie also mit dem Fuß ausholte um den Angreifer unschädlich zu machen war sie mehr als verwundert als dieser von ihr abließ und sich nach hinten rollte.

Entschlossen warf sie sich auf den Mann und knurrte: „Ich werde Ihnen die Schlagader aufbeißen wenn es muss sein.“

Ein Licht flammte auf und als Salome hoch sah, erkannte sie, dass der zweite Mann sein Handy auf die Szene gerichtet hatte und leise kicherte.

Filmte dieser Perverser ihren Todeskampf auch noch?

Der Mann der unter ihrem Körper begraben war versteifte sich und fragte dann langsam und vorsichtig:

„Salome? Sind Sie das?“

Mit einem Schlag erkannte sie die Stimme, diese Stimme eines Engels und sie sprang nahezu auf, den sich aufrappelnden Richard böse anfunkelnd.

„Salome, ehrlich, Sie sollten aufhören unschuldige Männer mit Briefmessern und Schlüsseln anzugreifen. Wo denken Sie, dass sie hier sind? Dies ist eine ruhige Nachbarschaft in der alte Männer wohnen. Hier wird doch niemand Sie überfallen.“

Er verstand instinktiv, dass sie sich nur wehren wollte, wusste aber nicht wieso und woher dieser starke Drang kam.

„Ich bin eine Frau, allein, in der Dunkelheit, wenn mir also zwei große Schatten entgegen kommen die eindeutig Männer sind, dann bin ich aufmerksam.“

Richard runzelte die Stirn und klopfte seinen Mantel ab.

„Sie waren NICHT aufmerksam oder vorsichtig, sondern lebensgefährlich aggressiv.

Hier gibt es keine gefährlichen Menschen.“

 

Sie lachte spöttisch und sprach dann deutlich:

„Vielleicht sind alle Nachbarn hier brave Bürger, aber ich weiß von mindestens Einem der mich schon einmal fast zu Fall gebracht hat und der eindeutig nicht harmlos ist und irgendwie habe ich stets das außergewöhnliche Glück oder Pech genau diesem Nachbarn über den Weg zu laufen.“

Richard hielt ihr seufzend seine Pranke hin und lächelte:

„Dann sind wir jetzt Quitt, denn Sie haben mich tatsächlich dazu gebracht mich winselnd auf dem Boden zu wälzen.“

Sie schnaubte verächtlich: „Sie haben kein bisschen gewinselt.“
Ihr Ton stellte klar, dass sie es gut gefunden hätte wenn er es getan hätte.

„Innerlich schon.“ Grinste er und sie musste gegen ihren Willen lachen.

 

„Was machen Sie eigentlich um diese Uhrzeit hier draußen?“Er klang jetzt etwas streng.

Eine Augenbraue hebend zeigte Salome auf den Fellberg der bisher leise knurrend neben ihr gesessen hatte. War es denn nicht offensichtlich, dass sie ihren Hund nur ausführen hatte wollen?

„Ah ja, ich denke ich werde Sie jetzt nach Hause geleiten. Mit ihrem Pech werden Sie sonst am Ende doch noch wirklich angegriffen.“

Salome wollte abstreiten, ablehnen, abhauen, aber sie konnte nicht, denn der Schreck saß ihr immer noch in den Gliedern und sie musste heimlich zugeben, dass sie zwei große Männer lieber an ihrer Seite hatte als gegen sich.

Also schritt sie einfach zurück, sich niemals umdrehend und die Haustür einfach hinter sich offen lassend.

Richard dachte sich, dass sie komplett von Sinnen sein musste als er ihr in die Küche folgte und das Chaos ihrer Backaktion sah.

Darüber hinaus trug sie Stiefel und seinen Pullover und sonst anscheinend nichts.

Er hatte nur einen kleinen Spaziergang mit Matthew machen wollen und war tatsächlich zufällig das Opfer der sinnlosen Angriffslust seiner Nachbarin geworden.

 

Salome dachte darüber nach wie sie ihren Lesern diese wahnwitzige Situation erklären wollte und dann kam ihr etwas in den Sinn, das sie bisher verdrängt hatte.

Sue rief an und wie so oft hatte Salome Pech, denn die Männer die sicher durch den Wolf gedreht werden sollten, standen genau vor ihr.

„Hey Sue.“ Murmelte sie leise als sie mit einer Hand den Teekessel auf den Ofen hob und mit der Anderen das Telefon abhob.

Richard legte beide Hände an den Mund um ihr zu bedeuten den Lautsprecher anzumachen, während sie mimisch um Ruhe bat.

Verdammt, dachte sie und drückte schicksalsergeben auf den Knopf.

„Hey Lola, und wie geht es dir? Alles in Ordnung?“ Sie war immer noch besorgt und hatte sich bereits nach Tickets nach London umgesehen.

„Ja, mein Nachbar hat sich nicht als der Axtmörder herausgestellt.“ Salome seufzte und kniff die Augen zusammen als Richard tat als sei er durch IHRE Hand verkrüppelt worden.

„Und was hältst du denn jetzt von Armitage?“

Salome schloss die Augen in endloser Scham, denn Sue hatte es wieder einmal geschafft die wahrscheinlich peinlichste Konversation der Welt in Gang zu setzen.

„Sincèrement, je ne saurais pas te le dire. Je suppose qu’il est en effet très attirant, mais il faut bien avouer que je ne le connais qu’à peine.“

Salome wusste, dass sie schummelte aber wie sonst hätte sie sich dieser Situation entziehen können, wie sonst hätte sie zugeben können, dass sie besagten Mann in der Tat attraktiv fand ohne dass dieser es verstand.

„T’es en danger?“ Sue klang alarmiert, denn es war so lange her, dass Salome französisch mit ihr gesprochen hatte und sie folgerte daraus, dass ihre Freundin wohl in Gefahr sein musste.

Darüber hinaus spürte Salome zwei Augenpaare die sie durchbohrten und als sie sich umdrehte sah sie zwei Köpfe die sich langsam schüttelten, also würde sie gehorsam sein.

„Nein mir geht es gut. Aber ich…Ehrlich Sue, ist es nicht egal was ich von ihm oder Droopy halte? Ich meine, wir sind erwachsen. Denen ist es egal was wir denken und wir sind etwas zu alt um uns Gedanken über Menschen zu machen die wir niemals treffen werden.“

Salome wusste, dass sie das Schicksal damit herausforderte, aber sie wollte sich selbst überzeugen von dem was sie da gerade gesagt hatte.
„Es ist möglich, dass wir sie irgendwann treffen.“ Wandte Sue ein und Richard grinste Salome spöttisch an als sie ihre Augen gequält zusammendrückte.

„Ja Sue, aber es ist unwahrscheinlich.“ Salome wollte nicht zur größten Lügnerin des Jahrhunderts werden und deshalb hielt sie sich an Tatsachen.

„Soll ich dir ein paar Links schicken damit du dich darauf einstimmen kannst?“

Sue war enthusiastisch wie immer und Salome näherte sich langsam aber sicher dem Nervenzusammenbruch.

 

„Sag mal wie geht es deinem schönen Nachbarn?“ nahm Sue die gleiche Frage von einem anderen Standpunkt in Angriff, ohne es zu wissen.

Salome hätte schreien mögen und Matthew schob ihr vorsichtig eine Tasse Tee hin.

„Was tust du?“ reagierte Sue auf das schlürfende Geräusch.

„Ich trinke Tee.“ Erwiderte Salome einfach.

„Ich habe nicht gehört, dass du Tee aufgesetzt hast.“-„Das habe ich getan bevor du angerufen hast.“ Das Lügenkonstrukt wurde immer dichter.

„Dann muss der Tee aber mittlerweile kalt sein.“ Der Tee war brühend heiß und Salome verbrannte sich die Zunge, zwang sich aber „lauwarm“ zu nuscheln um Zeit zu gewinnen.

„Also…der Nachbar…trägst du immer noch seinen Pulli?“

Sue würde nicht locker lassen und Salome fügte sich dem Unausweichlichem, gab zu immer noch den Pullover eines fremden Mannes zu tragen und gab Sue damit Stoff für wilde Spekulationen, die Salome das Blut in den Adern gefrieren ließen.

„Mach mir ein Foto und schick es mir, dann kann ich dir mehr über ihn sagen.“ Murmelte Sue und Salome ging in Richtung Computer, verfolgt von den Männern wie von ihren Henkern.


 

Kapitel 12 by MaggyMae
Author's Notes:
Erste Zweifel?

12.

Salome machte das Foto mit der Webcam, schickte es ab und ging zurück in die Küche.

Sie redete sich einfach ein, dass die beiden Andern einfach nur Geister waren.

„Oha…Also dein Nachbar ist wirklich groß, mindestens 30 und hat einen schlichten aber eleganten Geschmack.“

Es nervte Salome, dass Sue dies in einem sachlichen, überzeugten Ton gesagt hatte, also spottete sie: „Vielleicht sind alle seine andern Kleider senffarbig mit erbsengrünen Mustern?“

„Nein, sind sie nicht. Die Ärmel sind nicht übermäßig abgenutzt, was bedeutet, dass er kein T-Rex ist.“

„Kein WAS?“ Salome lehnte den Kopf an die Tischkante und wünschte sie würde einfach tot umfallen.

„Na so ein Kerl mit langen Beinen und kurzen Armen.“ Sue lachte fröhlich.

„Nein, in der Tat, seine Arme sind ganz normal.“ Salome schenkte Richard ein aufmunterndes Lächeln als sie sah, dass er nun auch etwas verstört aussah.

„Du siehst bescheuert aus in dem Pulli, ehrlich, wie ein Kind. Und was machst du jetzt noch?“

Salome bemerkte, dass sie an sich nicht die geringste Ahnung hatte was sie machen sollte.

„Salome? Ist jemand bei dir? Ich höre jemanden atmen der nicht du bist. Und ich höre das Rascheln von Kleidern.“

Sues Stimme klang jetzt schneidend und Salome strafte die Männer mit bösen Blicken.

„Vielleicht sind es die Handwerker.“ – „Um 10 Uhr in der Nacht?“

„Ich hatte einen Rohrschaden.“ Rief Salome verzweifelt.

„Aha und jetzt hast du die Handwerker da um dir ein neues Rohr zu verlegen?“

Salome erkannte sehr wohl die anzügliche Note die sich da in die Stimme der Freundin geschlichen hatte und sie konnte nicht behaupten, dass sie das in diesem Moment witzig fand.

 

Salome betete um Geduld während sie an ihrem Küchentisch saß, beobachtet von zwei Männern die gar nicht da sein sollten und die sich zwischen den Fronten verfangen hatten.

Wer waren sie? Wer waren sie für sie?

Einerseits sah sie den Nachbarn und seinen Freund, Menschen mit denen sie den Nachmittag zumindest teilweise verbracht hatte und die sie farbenfroh in ihrem Blog beschrieb.

Andererseits sah sie zwei große Filmschauspieler, von der Welt geliebt und gelobt.

„Süße, ich komm bald zu dir rüber, denn mit dir stimmt etwas nicht. Ach ja, ich lasse mich nicht abhängen. Ich habe Gregori angerufen und er ist auf dem Weg zu dir.“

Salome stockte der Atem vor Freude und Angst.

Ihr Bruder würde kommen, der Bruder der sie immer noch für eine 10-Jährige hielt und der ist niemals gutheißen würde, dass sie fremde Männer bei sich zuhause hatte.

„Oh ehm ja, das freut mich sehr.“ Murmelte sie in den Hörer und eine einzelne Träne löste sich aus ihren Wimpern.

„Wenn ich komme bringe ich dir Spooks mit und dann sehen wir mal ob das dir nicht einen winzigen Seufzer entreißen kann.“

Sue zog sie nur auf, aber Salome hatte Angst, dass genau das der Fall sein könnte, denn immerhin mochte sie ihren Nachbarn, fand ihn attraktiv und trennte ihn doch von diesem Namen der in Sues Mund wie ein Gebet klang.

Es gab für sie zwei Männer, den Nachbarn ohne Namen und den Namen ohne Gesicht.

„Sue hör zu, ich muss dich jetzt wirklich lassen. Ich…ach ich habe meinen Nachbarn vor der Tür über den Haufen gerannt und sollte nach ihm sehen.“

„Wie jetzt? Du hast ihn umgerannt? Und werdet ihr je Kontakt haben ohne dass der Eine sich bei dem Andern entschuldigen muss?“

Genau das Gleiche hatte Salome sich auch gerade gefragt.

„Mein Nachbar ist ein alter Mann er sollte sich nicht von kleinen Mädchen beleidigen lassen.“ Wisperte sie geistesabwesend und die Lüge brannte auf ihren Lippen.

„Dein Nachbar klingt nicht wie ein alter Mann, er klingt wie ein Mann im besten Alter und verdammt ja, er klingt als sei er wirklich sexy. Ist er es?“

Und weil sie keine Kraft mehr zum Lügen hatte, sah Salome Richard geradewegs in die Augen als sie antwortete: „Oh ja, das ist er in der Tat.“

Sie verabschiedete sich von der Freundin und sank dann ohnmächtig in sich zusammen.

 

„Was hat sie denn?“ Matthew hob sie sofort auf und trug sie ins Wohnzimmer wo sich männlich-herbe Akzente mit der ihr so eigenen Zuckerwattewelt vermischten.

„Ich denke das Ganze war doch ein bisschen viel für sie.“ Zumindest nahm Richard das an, denn er wusste auch nicht so genau was dem Mädchen fehlte.

Tatsächlich war sie ein Mädchen für ihn, doch als Matthew sie niederlegte, rutschte der Pulli hoch und bot ihnen einen Einblick in die Unterwäschevorliebe des vermeintlichen Kindes.

Ihr Höschen war aus Spitze, feuerrot und hauchdünn.

„Oha…“ machte Richard hilflos, denn so wollte er seine Nachbarin nicht sehen, oder doch?

Vielleicht doch, dachte er nach einigen Sekunden der stummen Kontemplation ihrer aufreizenden Wäsche.

„Miss Salome?“ Matthew klopfte ihr leicht mit der Handfläche auf die glatte Wange und sie schlug flatternd die Lider wieder auf.

„Oh wie töricht von mir.“ Seufzte sie und hob sich zitternd.

„Miss, Sie müssen jetzt wirklich etwas Vernünftiges anziehen. Richard hol ihr doch ihren Schlafanzug, bitte.“ Sprach Matthew, souverän und gebieterisch.

Er mochte das kleine Persönchen und er freute sich zu sehen, dass erstens jemand sich um den alten, grantigen Mann kümmerte der sein Freund war und zweitens dass dieser besagte Freund sich auch um sie zu sorgen schien.

Sie lehnte vertrauensvoll ihre Wange an seine Schulter als er sich neben sie setzte und er schlang freundschaftlich den Arm um ihren weichen, warmen Körper.

„Sie müssen keine Angst vor dem großen, bösen Wolf haben. Er ist an sich ein ganz netter Kerl.“
Salome nickte, denn sie mochte ihren Nachbarn, fand ihn zwar ein wenig sonderbar, doch dank ihm hatte sie jetzt einen Hund und er hatte für sie gekocht.

„Ich bin sicher er ist ein guter Mann, aber ich kann ihn einfach nicht mit diesem Kerl übereinander bringen von dem Sue mir die ganze Zeit berichtet.“

Sie beichtete ihm ihre geheime Angst und er lächelte sie warm an.

„Das hier ist nicht Hollywood meine Kleine, das hier ist nur England und ich denke er ist beides.“

Er musste es wissen, dachte Salome, doch sie war auf einmal schrecklich erschöpft.

 

Sie würde ernsthaft darüber nachdenken müssen was das alles zu bedeuten hatte und was dieser Mann in ihrer rosaroten Welt zu suchen hatte, denn eindeutig war er kein Lollipop-Prinz, er war ursprünglich, gewaltig und für sie ein eindeutig sexuell gepoltes Wesen.

In der Tat war er ein Mann, kein Junge, sondern ein Mann und der Teil ihres Wesens der mit der Zeit und mit der Entwicklung ihres Körpers gewachsen war, verlangte nach Befriedigung.

„Ich weiß einfach nicht was ich denken soll.“ Seufzte sie verzweifelt und rieb sich über die Beine.

„Salome, Sie müssen gar nicht darüber nachdenken. Er ist nur ein Mann.“

Und genau das war das Problem für sie, sie hatte sich bisher einfach nicht mit Männern abgegeben und es war nicht aus Sexismus oder aus Feminismus geschehen, sondern aus Mangel an Interesse.

Ihre keuschen Küsse waren längst in die Annalen ihres Lebens eingegangen und sie hatte ihre Zeit mit Studien gefüllt und nicht mit Männern.

Sue würde kommen und mit ihr eine Wahrheit die sie nicht länger verdrängen konnte, eine Wahrheit die für alle Beteiligten gefährlich sein würde und die sie nicht zu ändern vermochte: Es gab einen Mann in ihrem Leben, nur leider war nichts so wie sie es sich ursprünglich ausgemalt hatte, denn sie hatte niemals vorgehabt hier in London noch mehr Probleme zu finden als zuhause.

 

Richard stand währenddessen unschlüssig vor ihrer Schlafzimmertür und wusste nicht ob er es wagen konnte einzutreten.


 

Kapitel 13 by MaggyMae
Author's Notes:
Noch ein gute-Nacht-Kapitel bevor ich mich in die wirren des Partylebens stürze

13.

Neugierig und etwas unsicher betrat Richard das Zimmer von dem er geglaubt hatte, dass Salome es mittlerweile in ein Mädchenparadies verwandelt hätte.

Er hatte sich offensichtlich geirrt, denn mitten im Raum stand immer noch das durchgelegene Bett des Alten und auf der einen Seite lag immer noch die Decke des Hundes.

Eigentlich hatte Salome nur Dinge hinzugefügt, wie den Bilderrahmen auf dem zerkratzen Nachttisch oder die rosa Lesebrille die auf ihrem Kissen lag, gleich neben einem abgegriffenen Roman.

Das sagte Richard zwei Dinge: Erstens, sie ließ den Hund im Bett schlafen was auch die kurzen schwarzen Haare auf ihrem Kissen erklärte und zweitens, sie lebte sich langsam aber sicher hier ein, was ihn insgeheim sehr freute.

Seufzend nahm er den Bilderrahmen in die Hand:

Salome mit einer großen Blondine, die er sofort als Sue erkannte, weil er sie sich ungefähr so vorgestellt hatte.

Salome mit einem Mann, der ihr so ähnlich sah, dass es nur ihr Bruder sein konnte und doch so anders ausschaute, dass man sie kaum für Verwandte halten hätte können.

Mit einem schnellen Ruck schlug er ihre Bettdecke zurück und ihr süßlicher Duft schlug ihm entgegen und rauschte ihm sofort in die Lenden.

Ach du meine Güte, dachte er angewidert, es war einfach zu lange her, dass er im Schlafzimmer einer Frau gewesen war.

Das Nachthemd was er fand zeugte zugleich von einer verspielten Frivolität und einer unfassbaren Naivität, denn es war durchsichtig, kirschblütenrosa und romantisch lang.

Er beschloss, dass sie das sicher nicht tragen würde, weil er es nicht verantworten konnte seine kleine, fast kindliche Nachbarin zu begehren.

Nichts desto trotz vergrub er seine Nase in dem seidigen Stoff und seufzte leise, denn es roch wie sie nach süßen Früchten und weicher Haut.

Wissend, dass er heute Nacht daran denken würde wie sie in ihrem Nachthemd und mit ihrem Hund im Bett eines alten Mannes schlafen würde, legte er das Kleidungsstück zurück.

 

Er öffnete den Schrank und musste lachen als er die Unmengen an rosa Kleidern sah.

Und ganz unten lag ein Notizblock, den er neugierig aufschlug.

Die erste Seite zeigte einen Comicstrip der unübersehbar ihr erstes Treffen festhielt.

Ein kleines Strichmännchen mit dunklen Locken stand in einer Pfütze und wurde von einem größeren Strichmännchen mit erstaunlich dicken Blockaugenbrauen angerempelt.
Ein Schwall von Totenköpfen und Ausrufezeichen sprudelte aus dem kleinen, eindeutig weiblichen Strichmännchen heraus.

Und das letzte Bild war zweigeteilt, während der erste Teil eine relativ beängstigende Studie seines Gesichtes war, zeigte der zweite Teil nur ein Paar weit aufgerissener Augen dar.

Er hatte nicht gewusst, dass sie die Begegnung so erlebt hatte und er verstand nun auch ihre Aktion mit dem Briefmesser besser.

Sie hatte tatsächlich Angst vor seinem Gesicht gehabt und das tat ihm leid auch wenn es ihm nicht neu war.

 

Auf einmal wurde ihm bewusst, dass er schon sehr lange in ihrem Schlafzimmer war und dass sie dort unten saß und sicherlich fror, also schnappte er sich einen rosa Trainingsanzug und machte sich auf den Weg nach unten.

An der Tür blieb er stehen als er sah, dass sie sich vertrauensvoll an Matthew gelehnt hatte und angeregt mit ihm diskutierte.

„Wieso denn nicht?“ Matthew sah sie trotzig an und sie schüttelte den Kopf dass die Locken nur so um sie herum stoben.

„Richard, sag doch was. Sie will sich keinen Film mit uns ansehen. Sie sagt das wäre als mit dem Bäcker Brot zu backen oder mit dem Fischer zu fischen.“ Quengelte Matthew und Richard warf seiner Nachbarin erst einmal die Kleider hin bevor er sprach:

„Na kommen Sie schon Salome, seien Sie doch nicht so mit uns.“

Salome kaute auf ihrer Unterlippe herum und murmelte dann leise:

„Ok, aber etwas Unverfängliches.“

Damit schlüpfte sie in die Hose und zog sich den Pulli vom Kopf, ihr BH passte zu ihrem Unterhöschen und schmiegte sich an die vollen, weichen Brüste.

Richard schluckte und zeigte dann auf ihre Rippen. „Was ist das?“

„Das nennt man gemeinhin Tätowierung.“ Erwiderte sie träge.

„Ich weiß, ich meine nur das Blaue da.“ Er zeigte erneut auf ihren Oberkörper und sie sah verwundert an sich herab.

„Ach das, ich bin auf Ihren Hüften gelandet. Autsch. Knochiger Nachbar.“ Grinste sie.

„Was sind das für Tattoos?“ fragte er dann weiter und näherte sich um auf ihrer Haut zu lesen wie in einem aufgeschlagenen Buch.

„Superbia, Avaritia, Invidia, Ira, Luxuria, Gula, Acedia.” Las er auf ihrer linken Seite, ging um sie herum und las rechts:

„Caritas, Castitas, Humanitas, Humilitas, Industria, Patientia, Temperantia.”

„Die Todsünden und Kardinaltugenden?“ Er war verwirrt, denn er fand, dass das durchaus seltsame Motive waren für eine junge Frau.

 

Salome blinzelte ihn verwirrt an, was ging ihn an was sie sich tätowieren ließ?

Sie wollte sich keinen verdammten Film mit diesen Deppen ansehen, sie wollte an ihrem Blog weiterschreiben und ein wenig Recherche betreiben, was nicht ging wenn die beiden sie anstarrten als erwarteten sie, dass sie sich gleich in ein dreiköpfiges Monster verwandelte.

„Ehm…“ machte sie also unentschlossen und versuchte verzweifelt den Reißverschluss ihrer Trainingsjacke zu schließen.

„Sie erlauben? Sie machen mich nämlich nervös.“ Murrte Richard und zog sie mit einem Ruck zu.

Wundervoll, nur weil er Hände wie der Steinbeißer und Arme wie Iron Man hatte musste er doch nicht so angeben, dachte Salome und zog eine Schnute.

Wieso lief sie eigentlich die ganze Zeit halb nackt rum und die beiden Andern nicht?

Sie beschloss kurzerhand auf die beiden Herren keine Rücksicht mehr zu nehmen und so setzte sie sich an den Computer um zumindest die Recherche hinter sich zu bekommen.

Innerhalb von wenigen Minuten hatte sie sich in Fanfictions und Berichten verloren und vergaß den Rest der Welt als sie müßig durchs Internet surfte.

 

„Was genau tun Sie da?“ Richard linste über ihre Schulter und schnappte dann nach Luft.

„Also wenn Sie Fragen über meine Person haben, dann können Sie mich auch selber fragen.“ Regte er sich dann auf, weil es ihm irgendwie unangenehm war, dass diese kleine Mädchen gerade irgendwelche Geschichten las in denen er nur seinen eigenen Namen verstand.

Es war ja nicht so als hätte er noch vor wenigen Minuten an ihrem Nachthemd geschnuppert wie irgendein Perverser.

„Hmmm? Ist nicht persönlich gemeint. Sue geht mir auf den Wecker und jetzt mache ich mich schlau.“ Flüsterte Salome absorbiert von der Fantasie von Menschen die anscheinend bedeutend mehr über ihn wussten als sie.

Salome zog die Beine an und rollte sich zu einem schnurrenden Knäuel glatter Glieder zusammen, die Männer bewusst ausschließend und ab und an laut auflachend.

„Sie macht sich über uns lustig.“ Grinste Matthew Richard breit an, welcher das aber nur mäßig lustig fand.

„Sie denkt das hat nichts mit uns hier zu tun, irgendwie trennt sie die öffentliche und die private Person voneinander. Keine Ahnung wie sie das macht.“ Sprach er weiter und sah der kleinen Frau zu wie sie fleißig Kommentare tippte und lächelte als ob der Himmel sich ihr geöffnet hätte.

Und dann bellte der Hund.

Es klingelte an der Tür und Salome sah nicht einmal auf.

Richard zuckte mit den Achseln und ging Richtung Tür, öffnete sie und wurde mit einer Wucht an die Wand geschleudert die ihm den Atem abschnürte.

„Wer bist du Arschloch und was machst du hier?“ knurrte jemand im Schatten und Richard fürchtete, dass nun endgültig sein letztes Stündlein geschlagen hatte.

Kapitel 14 by MaggyMae
Author's Notes:
Wer Salome für verrückt und gefährlich hält sollte wohl besser nicht weiterlesen: Meet her brother

14.

„Gregori. Lass den Nachbarn los.“ Bellte Salome herrisch und sofort lockerte sich die eiserne Faust um Richards Kragen.

„Petite? Was macht ein Fremder in deiner Wohnung?“ Der Mann war groß, wenn auch nicht so groß wie Richard und sein hellblondes Haar fiel ihm nachlässig in die Stirn.

Dies war ein richtiger Engel wie man sie in jedem Kirchenbuch und in jedem Museum sah.

Seine Augen waren dunkelblau und seine Haut schneeweiß, er war das genaue Gegenteil von Salome und doch war er unverkennbar ihr Bruder.

Sie hatten den gleichen, weichen Mund und die gleiche Art und Weise die Zähne zu fletschen im Angesicht eines Gegners.

„Er ist mein verdammter Nachbar.“ Schrie Salome schrill und stellte sich fast beschützend vor Richard. „Lass von ihm ab um Gottes Willen, Gregori.“

Der Mann trat einen Schritt zurück und riss die kleine Frau dann stürmisch in seine Arme.

„Es tut mir leid, aber Sue klang so schrecklich beunruhigt am Telefon.“

Murmelte er in ihr dichtes Haar hinein und sie schlang die Beine um seine Hüften als wäre er ihr Geliebter und nicht ihr Bruder.

Salome immer noch tragend trat Gregori ins Wohnzimmer und erstarrte.

„Salome was für eine Orgie feierst du hier gerade?“ erkundigte er sich wie nebenbei, doch seine Augen musterten die beiden Fremden mit einer Intensität die ihnen nicht wohlgesonnen war.

„Wie bereits gesagt: das ist mein Nachbar und ein sehr lieber Freund von ihm.“ Murmelte Salome, wissend, dass ihr Bruder sie durchschauen würde.

„Dein Nachbar? Also hat er ein Haus und sollte nicht hier lungern.“ Und dann stockte er und musterte die beiden Männer erneut.

 

Er nahm jedes Haar und jede Bewegung in sich auf und kramte in seinen Erinnerungen nach einer Entsprechung.

„Salome Anne Praskovia.“ Rief er dann wütend und stellte seine Schwester dann unsanft auf den Boden.

„Ich kenne diese Gesichter, das sind die beiden von denen Sue ununterbrochen faselt, doch da sie noch nicht im Krankenhaus liegt wegen Herzversagen gehe ich davon aus, dass du deiner besten Freundin nicht gesagt hast, dass dein Nachbar dieser Arsch mit Ohren ist der dauernd mit irgendwelchen Waffen in der Hand rumrennt.“

Salome holte tief Luft und stieß sie pfeifend wieder aus, denn sie wusste nicht was sie ihrem Bruder darauf antworten sollte, immerhin hatte er Recht.

„Nun ja, ich hielt es für unklug Sue zu beunruhigen. Außerdem habe ich nicht das Recht den Aufenthaltsort eines Menschen preiszugeben, nicht wahr?“ wagte sie es dann doch.

„Lola, du hast einen schwerwiegenden Fehler begangen und ich hoffe das ist dir bewusst. Was hast du dir dabei nur gedacht? Ich meine, hey, ich wollte dich auch endlich mit einem Mann sehen aber ich habe mehr an einen guten Bürger und nicht an einen durchgedrehten Psycho gedacht.“

 

Ehrliche Verzweiflung machte sich in Salome breit.

Sie hielt ihren Nachbarn nicht für einen gefährlichen Verrückten, aber sie konnte auch nicht bestreiten, dass sie schon zweimal kurz davor gewesen war ihn tätlich anzugreifen, wobei es sich jedes Mal um ein schreckliches Missverständnis gehandelt hatte.  

„Gregori…Sprich nicht so über Menschen die du nicht kennst.“ Sprach sie dann streng, ließ dieses Ziehen, diesen Zwiespalt in sich zum Vorschein und zum Ausdruck kommen.

„Ich bin kein Kind mehr Gregori und ich weiß wem ich meine Tür öffne, du bist nicht hier um die Gäste meines Hauses zu beleidigen. Sie waren willkommen und ich werde nicht zulassen, dass du ihnen das Gefühl gibst Eindringlinge zu sein. Schweig Gregori, denn ich spreche zu dir. Höre die, welche dein Blut und deine Ahnen teilt und schweige in Demut, denn du hast dich schuldig gemacht.“

Ihre Stimme war laut und stark, sie war hier zuhause, dieses Haus gehörte ihr genau wie ihr Leib und ihr Herz und sie würde nicht zulassen, dass irgendein Mensch sie je wieder bevormunden würde.

„Ich bitte um Verzeihung liebste Schwester, ich wusste nicht, dass deine Gefühle so stark sind. Du wirst immer meine kleine, meine einzige Schwester sein, immer das Licht meiner Kindertage und ich will nicht, dass du etwas tust was dir leid tun könnte. Du hast deine beste Freundin angelogen um Menschen zu schützen die du kaum kennen kannst. Ehrlich Salome, du hast die Filme nicht einmal gesehen und ich mache mir Sorgen.“

Er neigte sein Haupt in Demut, denn er kannte die dunkle Macht seiner Schwester die stets ihren Willen durchsetzte, wenn es sein musste mit Gewalt.

„Ich habe gelogen, ja, aber Sue wird mir vergeben wenn der Tag der Wahrheit gekommen ist.

Gregori, du bist mein Bruder, du bist die Wurzel die mich an diese Welt bindet und ich glaube und vertraue dir, aber du musst auch mir dein Vertrauen schenken.

Ich habe Gäste und du benimmst dich abscheulich. Ich schäme mich für deinen Mangel an Verständnis.“
Salome war wütend und ihre ganze, winzige Person bebte vor Empörung.

 

Gregori nickte, verbeugte sich leicht und sprach dann: „Armitage, Macfadyen, wie geht es Ihnen an diesem kalten Vorwintertag?“

Richard kratzte sich am Hinterkopf, ihr Bruder wusste also wer sie waren, wusste es besser als Salome und es machte ihn nervös zu sehen, dass ihr Bruder nicht guthieß, dass sie da waren.

Er fürchtete sich vor der Rachsucht und dem Groll eines Mannes dessen Augen so kalt und beherrscht waren.

Gregori Balthasar würde über Leichen gehen um seine Schwester zu schützen und Richard wusste sofort, spürte, dass er nur allzu leicht unter der Erde landen könnte.

Salome brannte immer noch wie eine Fackel, die dunklen Augen voller Sterne und die Hände nicht flehend sondern mahnend erhoben.

In ihrem aufgewühlten Inneren spürte sie den Schlag der Befreiung und sie erkannte, dass sie nun erwachsen war weil sie eigene Entscheidungen treffen konnte und ihr eigenes Reich zu verteidigen hatte.

Ihre Augen glitten über ihren engelsgleichen Bruder, der nicht verstehen konnte, dass seine kleine Schwester nicht ewig nur ihm gehören würde und dass Salome nicht zu ihm ziehen konnte um seine Haushälterin und Ersatzmutter zu sein.

Schon als Kind hatte Gregori sie mit Holzschwertern und Eisenstangen verteidigt und vielleicht lag es auch an dem besitzergreifenden Bruder, dass niemand je gewagt hatte sie anzusprechen.

„Du siehst gut aus Lola, gesund und munter.“ Sprach Gregori nun und es schien ihr als könne er die subkutane Verletzung durch den Trainingsanzug sehen, als könne er die Berührung eines andern Mannes riechen an ihrer seidenweichen Haut.

„Du auch Gregori.“ Wisperte sie und versuchte ihren Bruder mit einem Kuss zu beruhigen, versuchte ihn daran zu erinnern, dass er nur ihr Bestes wollte, denn sie kannte den wilden Ausdruck in seinen Augen und sie wusste, dass seine Anfälle von blinder Wut meistens im Wartesaal eines Krankenhauses endeten.

Richard sah diesen Ausdruck auch und er verstand nun woher Salome diese wilde Natur hatte, sie hatte gelernt zu kämpfen weil ihr Bruder ein Kämpfer war und weil sie Angst hatte, dass er ihre Kämpfe für sie austragen würde. Sie hatte Angst vor dem Tod ihrer Gegner.

Die dunkelblauen Augen ihres Bruders waren die Augen eines Raubtieres, bereit zum Sprung, bereit keine Gefangenen zu nehmen, bereit niemanden am Leben zu lassen.

Bewundernd beobachtete Richard weiter wie Salome ihren Bruder umgarnte, ihn leicht streichelte und ihn mit Worten beruhigte, wie ihre Stimme ein unsichtbares Netz um dieses ausgebrochene Biest spannen.

Sie würde nicht zulassen, dass er jemanden angriff, sie würde ihn und Matthew beschützen und wie schon öfter in seinem Leben wunderte er sich über diese geheime Kraft der Frauen, welche sie unverwundbar und unermüdlich machte wenn es darum ging Unschuldige zu retten.

„Salome du kannst so nicht alleine bleiben.“ Sprach dann ihr Bruder und Richard sah alarmiert auf.


 

Kapitel 15 by MaggyMae

15.

Salomes Kopf schnappte hoch und dann brüllte sie tatsächlich los:

„Sag mal spinnst du jetzt komplett?“

Richard schreckte zurück, er hatte sie bisher für süß und etwas aggressiv gehalten, aber das was er hier gerade sah nicht mehr nach Kleinkind sondern nach Kriegerin aus.

„Papa hat dich geliebt, weißt du noch wie er dich stundenlang auf den Knien gewiegt hat? Erinnerst du dich an den Tag an dem er die Augen für immer geschlossen hat und mich schwören hat lassen, dass niemand dir wehtun würde und das habe ich getan, ich habe dich mein Leben lang beschützt.“

Gregori schob das Kinn vor und sah aus wie das verschobene Spiegelbild Salomes.

„Ja das hast du und ich liebe dich dafür, aber Gregori, du musst mich leben lassen.

Das hier ist meine Chance endlich ich zu sein.“

Sie spürte es tief in ihrem Herzen, sie hatte sich an das schlechte Wetter und die griesgrämigen Menschen gewöhnt, sie mochte diese Stadt in der sie allein ins Kino gehen konnte ohne dass die Freunde ihres Stiefbruders sie mit Steinen bewarfen.

Sie fühlte sich gut, sie war kreativ, sie würde endlich ihren Traum verwirklichen und tausende Menschen zum Lachen bringen und…

Und sie mochte ihren verdammten Nachbarn, mochte sein Gesicht, mochte seine Stimme und seine Art sie anzufunkeln als sei sie das lustigste Mädchen auf der Welt.

 

Und dann war seine Hand in der Ihren, warm, fest, riesig groß.

Sie sah auf und sah sein warmes, gütiges Gesicht das für sie längst nicht mehr diesen Schrecken der ersten Sekunde beinhaltete.

„Salome, denk doch ein bisschen nach. Du kannst nicht allein in einer fremden Stadt bleiben. Was soll das denn? Du musst doch einsam sein.“

John grummelte leise gegen den Neuen an, er war nicht willkommen.

„Nein, Gregori ich bin nicht einsam. Mir geht es sehr gut und ich wünschte du würdest sehen wie wichtig das hier für mich ist. Du kannst mich nicht immer in deinem Schatten wachsen lassen. Ich bin ein großes Mädchen.“

„Verlass dich nicht auf Menschen die gehen werden.“ Meinte er verächtlich.

Salome richtete sich zu ihrer vollen, wenn auch beschränkten Größe auf.

„Du kannst mir nicht immer vorschreiben was ich tun soll oder wie ich mein Leben führen soll. Greg ich liebe dich von ganzem Herzen, aber ich kann dir nicht immer folgen.“

Sie berührte die Wange des Bruders mit sanftem Mitleid als sie sich von ihm abwandte.

 

„Salome, das wird dir noch leidtun.“

Doch sie wusste, dass es ihr niemals leidtun würde ihre Heimat verlassen zu haben und sie würde auch Sue von ihrer ungewöhnlichen Begegnung mit dem Mann für den sie so schwärmte erzählen wenn die Zeit reif dafür war, aber bis dahin würde sie einfach jeden Tag ihr Bestes geben um zu überleben.

Sie war stärker als sie gedacht hatte und sie liebte dieses Haus und seinen alten Gasofen, liebte die durchgesessenen Polster und das ächzende Bett.

„Das hier ist mein Haus, mein Hund und meine Gäste, wenn dir etwas davon missfällt, dann steht es dir frei dich umzudrehen und zu gehen.

Denk nicht ich sei dir nicht dankbar, denn ich weiß was du für mich getan hast Gregori, aber ich kann nicht mit dir kommen. Ich bin nicht mehr deine kleine Schwester die du wie einen viel zu schweren Koffer mit dir herumschleppen musst. Ich bin frei Gregori, endlich frei, endlich ich, endlich angekommen.“

Richard drückte ihre Hand in stiller Bewunderung und sie lächelte so herzergreifend zu ihm auf, dass er auch lächeln musste.

„Du machst einen Fehler.“ Gregori klang nicht länger drohend, sondern traurig.

„Ich habe viele Fehler gemacht, habe einen Mann beschimpft, ihm Kekse gebacken, ihn über den Haufen gerannt und dann? Ich habe mich verbrannt und verbrüht, erkältet und bin in Ohnmacht gefallen, und dann? Gregori ich bin hier zuhause, hier bin ich endlich ich und nur ich und Menschen kennen und mögen mich.“

Sie lachte ihn an nicht aus und da war sie wieder, das kleine Stehaufmännchen, das ewige Kind mit ihrem herzlichen Lachen und ihren wachen Augen.

„Ich muss jetzt gehen, aber ich schaue morgen noch mal bei dir vorbei.“

Gregori berührte die Wange seiner Schwester sanft und griff dann in seine Jackentasche.

 

„Seltsam Sue hat geklungen als wärst du in arger Not, aber ich verstehe jetzt wieso du seltsam geklungen hast.“ Er grinste und Richard fiel auf wie attraktiv er eigentlich war.

„Ja, nein Gregori, du musst mir glauben wenn ich dir sage, dass ich noch nie glücklicher gewesen bin.“ Salome strahlte und sogar ihr Bruder konnte sich nicht gegen diese unbändige Freude auflehnen.

Er war gekommen um sie nach Hause zu holen, zu sich, und als er sah dass sie sich mit Schattengestalten umgab wurde er wütend.

Salome war ihr Leben lang eine kleine Traumtänzerin gewesen und er wollte nicht zulassen, dass sie alleine in einer Stadt verrottete, die kein Mitleid zeigen würde.

Allerdings lehnte sie sich mit der ganzen Kraft einer erwachsenen Frau auf und dieser Richard hielt ihre Hand als wolle er nicht dass sie geht.

Gut, dachte Gregori, er war zwar immer noch überzeugt, dass seine Schwester einen schwerwiegenden Fehler machte, aber sie sollte ihre Chance auf ein eigenes Leben haben, er würde ihr das nicht verwehren.

Oh wie wunderschön sie war mit ihren rosigen Wangen und ihrem verbissenen Mund, ihren dunklen Kinderlocken und ihrer schneeweißen Haut.

Sie hatte immer Recht von Unrecht unterscheiden können und er musste daran glauben, dass sie das weiterhin tun würde und könnte.

Von der allerersten Sekunde an hatte Gregori seine Schwester geliebt und sich ihrer Sicherheit verschworen.

Wer hätte sie nicht geliebt? Sie war ein Leben lang anschmiegsam und liebevoll, kriegerisch und mutig, anmutig und tollpatschig zugleich gewesen.

Salome kannte keine Angst, sie kannte keine Zweifel und was noch viel schlimmer war: Sie kannte keine Männer außer ihm.

Oh er kannte Richard Armitage, immerhin hatte eine seiner Ex-Freundinnen ihm jede einzelne Rolle vorgespielt. Er kannte diesen dunklen, anziehenden, nahezu verhexenden Mann.

Gregori kannte die Gefahr die von Männern ausging die nur allzu gut wussten wie verdammt schön sie waren und wie Frauen auf sie reagierten.

 

Gregori sah auch, dass seiner Schwester etwas an diesem Mann lag.

Er hatte miterlebt wie sie sich vor ihn gestellt hatte, bereit die ganze Breitseite seiner Wut hinzunehmen ohne mit der Wimper zu zucken nur um einen Mann der 20 Jahre älter und 30 cm größer war als sie zu schützen.

Sie wusste es nicht, dachte er verwundert und lächelte, sie wusste nicht wie deutlich er erkannte, dass ihre Züge weich waren wenn sie ihn ansah, dass sie ihm kein Misstrauen sondern Zuneigung entgegen brachte.
Himmel, sie hätte ihren eigenen Bruder rausgeworfen nur um seine Ehre unangetastet zu wissen und nach einem weiteren schnellen Blick beschloss Gregori, dass auch Armitage nicht die geringste Ahnung hatte.

 

Gregori lächelte breit als er seiner Schwester ein rosa Nilpferd überreichte, das er als Einweihungsgeschenk mitgebracht hatte.

„Pass auf dich auf, iss regelmäßig und mach keine Dummheiten!“ befahl er ihr dann eindringlich und wandte sich der Tür zu.

„Es tut mir leid kleine Schwester. Ich bereue beleidigt zu haben was du anscheinend mit Liebe und Vertrauen als Dein betrachtest und ich werde Sue natürlich versichern, dass es dir gut geht. Ach ja, sie hat mich gebeten ihr eine genauere Beschreibung von deinem Nachbarn zu machen wenn ich ihn treffe, aber zu sagen, dass er wie Richard aussieht wäre faul, oder?“

Salome nickte wortlos und küsste ihren Bruder zum Abschied.


Kapitel 16 by MaggyMae
Author's Notes:
Zu der ominösen Kussszene

16.

„Na da haben wir aber mal einen Fan.“ Matthew nahm es mit Humor, doch seine Augen verrieten, dass er sich mehr Gedanken machte als es den Anschein hatte.

„Du hättest uns bitten können zu gehen.“ Wandte er sich dann an Salome, doch sie schüttelte den Kopf.

„Nein, Sie…Ihr wart so gut mich nach Hause zu geleiten und ich werde nicht Freunden die Tür zeigen weil mein Bruder glaubt er müsse den großen Beschützer raushängen lassen.“

Sie klang ernst und etwas niedergeschlagen.

 

Spontan legte Richard seine Arme um ihre Schulter und zog sie in eine warme, freundschaftliche Umarmung.

„Das war viel Aufregung und Erniedrigung für einen Tag.“ Murmelte er in ihr Haar und war überrascht als sie ihre Arme auch um ihn schlang.

Sie atmete tief diesen Geruch ein der sie fast einen ganzen Tag lang begleitet hatte.

Vertrauensvoll lehnte sie die Wange an seine Brust und lauschte seinem regelmäßigen Herzschlag.

Fühlte es sich so an einen Mann zu halten? Sein Herz zu hören? Seine Haut zu riechen?

Ihre Hände glitten suchend über die Muskelstränge seines Rückens, liebkoste ihn ohne es zu wissen oder zu merken.

Sie konzentrierte sich ganz auf diesen anderen Körper der dem Ihren so fremd war.

Er roch nach Mann, nach Waschpulver und nach kalter Luft, dachte sie und schnupperte erneut an ihm.

Für sie war er nur der Nachbar, der Mann der am Ende der Straße wohnte, klebrige Pasta zauberte und seltsame Nachtspaziergänge machte.

„Geht es dir besser?“ Er fragte leise, mitfühlend und sie dachte darüber nach, dass sie nie gesagt hatte, dass es nicht gut ging.

Sein Atem strich warm an ihrer Wange entlang und sie merkte, dass sie es genoss.

 

Überrascht sah sie auf und berührte seine Wange mit den Fingerspitzen.

Sie fühlte sich rau an, leicht erhitzt und so bekannt als hätte sie das schon tausende Male getan.

„Hmmm.“ Löste es sich aus ihrem Mund und ihr Finger glitt an seinem Kinn entlang.

„Hmmm.“ Wiederholte sie und berührte federleicht seine Unterlippe, seine Augenbrauen und seine Stirn.

„Ehm…Ok…“ Matthew sah ihr belustigt zu, während Richard es nicht wagte mehr als nur die Augen zu bewegen.

„Er ist ein Mensch, genau wie du. 2 Augen, 2 Lippen, 2 Ohren und eine Nase.“ Spottete Matthew und erntete 2 entrüstete Blicke.

„Schon gut, macht nur weiter.“ Matthew hob lachend die Arme in einer resignierenden Geste und lehnte sich entspannt auf der Couch zurück.

Auf dem Tisch lag eine Liste mit Filmen und er legte den Kopf schief als er erkannte, dass Salome das mit der Recherche durchaus ernst gemeint hatte.

John sah ihn abwartend an und wedelte mit dem Schwanz als er den großen Kopf streichelte.

„Sie ist schon eine seltsame Nummer deine Herrin, nicht wahr?“

Matthew las sich die Liste durch und musste schmunzeln, die Frau hatte eindeutig zu viel Zeit.

 

„Ehm ihr könnt ja schon mal mit dem Film anfangen, ich muss nur noch schnell etwas arbeiten.“ Murmelte Salome gerade und scheuchte die beiden in die Fernsehecke des Wohnzimmers.

„Das werde ich lesen müssen.“ Murmelte Richard und kramte das neumodische Handy aus der Tasche.

„Du bist ein elender Stalker Armitage.“ Flüsterte Matthew und knuffte den Freund unsanft in die Rippen.

 

Liebe Leser,

Heute hat mein Bruder mich besucht und er wollte mich doch tatsächlich von hier wegbringen, was ich natürlich nicht zulassen konnte.

In der Tat liebe ich mein neues Zuhause und bevor irgendjemand von euch etwas sagen kann, nein, das hängt, wenn auch ein klein wenig, nicht nur mit meinem mysteriösen Nachbarn zusammen.

Den habe ich übrigens beim nächtlichen Gassi gehen angefallen weil ich dachte, dass er ein Räuber oder sonstiger Rüpel wäre.

Tatsächlich war es aber nur mein erstaunlich sportlicher Nachbar in einem sehr ansprechenden Mantel.

Meine Kleider hat er aber immer noch und deshalb werde ich ihm seinen Pulli auch nicht zurückgeben. Ha!

Liebe Leser, mein Nachbar wird mir mit jedem Tag sympathischer und ich denke wir hatten lediglich einen denkbar schlechten Start, denn er scheint in der Tat ein recht liebenswürdiges Kerlchen zu sein wenn man bedenkt, dass er meinen Hund versorgt hat.

Liebe Sue, bitte mach dir keine Sorgen.

Und weil ich dich heute genug geärgert habe: Ich schließe Armitage und Macfadyen in meine Gebete ein, aber mit den Gesichtern sind sie Gott wahrscheinlich eh näher als ich.

Ich werde mir alle Filme ansehen die du mir vorschlägst und seufzen wie es sich gehört.

 

Salome nickte zufrieden und wandte sich den Männern zu.

Der Fernseher war schwarz und leer und doch schienen sie sich königlich zu amüsieren.

Sie würde sich definitiv mit Sue alles ansehen was sie mitbrachte und insgeheim an den netten Nachbarn denken, der nur einige Häuser von ihr entfernt wohnte und gerade in dieser Sekunde auf ihrem Sofa saß als gehöre er nirgends anders hin.

Er war etwas unbeholfen, wahnsinnig bodenständig, ja fast schüchtern und so unterstützend, dass sie ihn kaum mit den strengen und bösartigen Rollen verbinden konnte.

Sie mochte ihn als Künstler und bewunderte ihn als Mann.

Weil es nicht ihre Art war, dachte sie nicht über das Feuer in ihren Wangen und über das Brennen in ihrem Bauch nach, sie hinterfragte auch nicht die fast religiöse Demut die sie verspürt hatte als sie sein Gesicht berührt hatte, nein, sie wusste er war schön und wahrscheinlich einfach schöner als der Rest der Männer die sie je gesehen hatte.

„Kommst du?“ Er sah auf und lächelte sie verhalten an.

„JA.“ Rief sie und warf sich zwischen die beiden, atmete tief den Duft ein der diese Räume seit jeher erfüllt hatte: den nachlässigen Duft der Männlichkeit.

„Na alles klar Kleines?“ Matthew knuffte auch sie und sie sah grinsend zu ihm auf.

„Ich denke schon.“ Sie ging in die Küche und kam mit einem Rest Keksen zurück.

 

Richard verstand nicht, dass diese Frau die seelenruhig ihre Kekse aß und bei jeder Actionszene zusammenzuckte die gleiche Frau war wie die, welche sich mit flammenden Augen als Schwert und weißer Haut als Schild schützend vor ihn gestellt hatte.

Er sah sie von der Seite her an und lächelte über die kleine Stupsnase und das breite Grinsen, sie freute sich, hatte sich an sie gewöhnt und erfreute sich an ihrer Anwesenheit.

Ihr gieriger Mund verschlang einen Keks nach dem Andern und kleine Krümel bedeckten ihren weichen Busen.

Das Kind im Frauenkörper, dachte er, die Tigerin im Leibe eines Schmusekätzchens.

Er hielt ihr die Hand hin und sie hauchte einen klebrigen Kuss auf seine Handfläche bevor sie sagte: „Du hast Kekse bekommen, die hier sind für mich.“

Damit wandte sie sich wieder dem Film zu während seine Handfläche in Flammen stand.

Sie hatte ihn berührt wie man ein Kunstwerk berührt, als wäre es verboten und doch so voller Neugierde und voller Tatendrang, dass er nicht länger an sich halten konnte.

Er beugte sich zu ihr rüber und als sie fragend aufsah, berührte er ihr Kinn nur mit dem Zeigefinger, hob es leicht an und berührte ihre Lippen mit den Seinen.

Salome schloss die Augen als die Welt im Nichts versank.


 

Kapitel 17 by MaggyMae
Author's Notes:

Salome und ihre bunte Welt

 Ich bitte, ich flehe um Feedback :)

17.

Natürlich war sie schon vorher geküsst worden, aber bei all ihren vorherigen Küssen war sie darauf vorbereitet gewesen geküsst zu werden was jetzt eindeutig nicht der Fall war.

Leider konnte sie sich auch nicht darauf konzentrieren wieso er sie küsste.

Salome hatte als junges Mädchen selbstverständlich die feuchten, um nicht zu sagen nassen, schlabbrigen, unbeholfenen Küsse der Sportler über sich ergehen lassen.

Ihre Mandeln waren dabei jedes Mal blitzblank geputzt und poliert worden und doch konnte sie sich nur noch vage daran erinnern.

Was sie jedoch mit Sicherheit wusste war, dass sie niemals einen Kuss wie diesen bekommen hatte.

Es war nicht einmal so als ob er sehr forsch gewesen wäre oder sehr fordernd.
Seine Lippen glitten über die Ihren, wieder und wieder, lockend und vorsichtig.

So hatte sie das aber gar nicht in Erinnerung, dachte Salome verwundert und öffnete ihren Mund vorsichtshalber.

Seine Zunge glitt am Rand ihrer Unterlippe entlang, machte aber keine Anstalten die etwas verstaubten Mandeln neu zu wachsen.

So langsam wurde Salome ungeduldig, das dauerte ihr zu lange, er kitzelte sie und sie wollte endlich mehr von diesem dunklen, herben Geschmack.

Bei ihrem letzten richtigen Kuss war sie 16 gewesen und sie erinnerte sich an den Geschmack nach Kaugummi und billigem Bier.

Richard war anders, fühlte sich anders an, schmeckte anders.

 

Salome war mit ihrer Geduld am Ende, sie setzte sich halb auf, verpasste Matthew einen unsanften Fußtritt dabei und stürzte sich auf Richard.

Hemmungslos und gierig plünderte sie seinen Mund, spürte wie sich Krümel aus ihren Mundwinkeln lösten und zwischen ihren Lippen zu Staub zerfielen.

Sie saugte diesen würzigen, herben Geschmack in sich auf, atmete ihn bis in ihr Innerstes ein und seufzte.

Berauscht umfasste sie seinen Kopf und zog ihn näher zu sich, zerrte ihn nahezu auf sich und erstickte fast bei dem Versuch seine Lippen niemals zu verlieren.

Auf diesen Kuss hatte sie ihr Leben lang gewartet, auf den Kuss der ihre Welt aus den Angeln heben würde und sie sprachlos und gebrochen wie eine kaputte Puppe zurücklassen würde.

 

Er war überrascht über diesen Ausbruch der Leidenschaft.

Sie war erst sehr passiv, schien abzuwarten, abzuwägen und dann schmolz sie wie Schnee in der Julisonne oder wie Wachs über der tanzenden Flamme einer Kerze.

Er wollte sie anlocken und zähmen wie ein scheues Reh, doch er musste sehr schnell erkennen, dass er besser aufpasste nicht mit Haut und Haar von ihr verschlungen zu werden.

Allzu freiwillig öffnete sie ihm ihren Mund, der süße Geschmack von Keksen und Unschuld stieg ihm zu Kopf und er leckte den Nektar ihrer Ergebenheit und die Krümel ihres Gebäcks von der vollen, zitternden Unterlippe.

Für eine Frau die Männer nicht mochte kannte sie sich mit Küssen eigentlich recht gut aus, dachte er, doch dann zerrte sie an ihm, riss ihn mit sich und er musste sich selbst ermahnen weder sich noch sie jetzt in Verlegenheit zu bringen.

Sie fegte über ihn hinweg wie ein Feuersturm, verführte ihn mit ihrer grenzenlosen Freigiebigkeit, saugte seinen Atem tief in sich hinein.

Er verlor den Kopf, er verlor den Verstand.

Ihre Hände streichelten seinen Hinterkopf fast zärtlich während ihr Mund an dem Seinen hing als wäre sie am Ertrinken, tausend winzige Berührungen, ihre Lippen die an Seinen beteten so schien es ihm.

 

Und dann war sie weg.

Er hörte sie nach Luft schnappen, sah wie ihre Augen leer wurden als sie ihre eigenen Lippen berührte als wolle sie sich davon überzeugen, dass sie das nicht alles geträumt hatte.

Er wusste nicht einmal wieso er sie geküsst hatte, er hatte es einfach in seinem Magen gespürt, dass er mehr von ihr brauchte als diese keuschen Berührungen.

Sie hatte ihn geküsst wie man einen Geliebten küsst, sie hatte ihn berührt als blieben ihnen nur noch Minuten.

Bilder von Männern die in den Krieg zogen oder auf Reisen gingen tauchten vor seinem inneren Auge auf, denn noch nie hatte eine Frau ihn mit einer solchen Dringlichkeit geküsst.

Salome war schockiert, so war sie noch nie geküsst worden, so hatte sie noch nie geküsst.

Etwas in ihr brach, ein Siegel, eine Mauer oder ihr Herz, sie wusste es nicht genau.

Seine Augen waren leicht umwölkt, dachte sie beinahe belustigt.

Ihre Hand berührte erneut seine Wange, spendete Trost und bot ihm eine wortlose Entschuldigung an.

Es war lange her, dass man sie zuletzt geküsst hatte und es war noch nie vorgekommen, dass sie sich derart in einem Kuss verlor.

Seine Lippen pressten sich klebrig auf ihre Hand und er lächelte sie warm an.

 

Warm, dachte sie träge, ja, er war warm, sogar heiß.

Unter all dem Eis versteckte er eine geheime Flamme und sie war fast stolz in den Genuss dieses Feuers gekommen zu sein.

Salome dachte an ihren Bruder und daran, dass sie allen überzeugend klar gemacht hatte, dass sie nichts Derartiges mit ihrem Nachbarn tun würde und nun war es doch passiert.

„Es tut mir leid, ich hätte das vielleicht nicht tun sollen.“ Sprach Richard leise als er den Schleier der Verwirrung sah der sich über ihre weichen Züge legte.

„Wieso?“ Salome wurde mit jeder Sekunde verwirrter.

„NA…ehm…keine Ahnung.“ Er lächelte verlegen und sie grinste zurück.

Sie hatte ihren süßen Nachbarn geküsst und es war der beste, vielleicht der erste richtige Kuss ihres Lebens gewesen.

Erinnerungen an die Konsistenz seiner Haare, an den Duft seiner Haut und den Geschmack seiner Lippen brachten sie zum Erzittern.

Diesen Kuss würde sie niemals vergessen, er würde als ihr erster richtiger Kuss in die Geschichte ihres Lebens eingehen und sie schämte sich weder ihrem fortgeschrittenen Alters noch des Faktes dass er gut 17 Jahre älter war als sie.

„Das war der perfekte Kuss.“ Murmelte sie zufrieden und wandte sich einfach wieder dem Film zu.

 

Richard konnte es nicht glauben.

Sie sah sich den Film weiter an als wäre nichts passiert, während er sich die größte Mühe gab nicht gepeinigt aufzustöhnen.

Himmel, sie war kein Kind mehr, sie küsste wie eine Frau, wie eine Wölfin.

Ausgehungert, gierig und alles verschlingend hatte sie die Welt in Stücke gerissen und er hatte Mühe die Teile wieder zusammenzusetzen.

Er würde, er müsste sie wieder küssen und selbst wenn er sich dabei umbrachte, konnte er nicht darauf verzichten sie noch einmal so in seinen Armen zu halten.

Ihre leisen, aufreizenden Seufzer hallten in seinen Ohren nach und er konnte sie immer noch schmecken.

Er wollte sie hier, jetzt, nackt, wollte auf die Todsünde der Wollust sehen und sie auslachen wenn er…

Er unterbrach seinen eigenen Gedankengang als er sah wie sie ihn mit ihren großen, unschuldigen Augen fragend ansah.

Ihr Haar stand jetzt wirr von ihrem kleinen Kopf aus und sie sah nicht länger wie eine Märchenprinzessin aus, sondern wie eine Frau der man gerade ein tiefes, uraltes Geheimnis offenbart hatte.

„Sagt mal seid ihr jetzt fertig? Ihr macht mich ganz meschugge.“ Matthew sah Richard mit gehobener Augenbraue und süffisantem Lächeln an, denn er wusste wie es sich anfühlte so stehen gelassen zu werden, brennend ohne eine Möglichkeit diesen Durst zu löschen.

Und dann sah Richard wie Salome langsam die Zunge über ihre Lippen gleiten ließ und genüsslich seufzte.

Nun stöhnte er doch gepeinigt auf, denn diese Frau könnte ihn leicht um jeden vernünftigen Gedanken bringen.


 

Kapitel 18 by MaggyMae
Author's Notes:
Und schon geht es weiter...

18.

Wenn man Salome seit ihrer Kindheit einen Vorwurf häufig gemacht hatte, dann war es der, dass sie viel zu oft vergaß sich Gedanken über ihre Aktionen zu machen.

Was der Grund war wieso sie sich so erstaunlich oft in mehr oder weniger schlimmen Schwierigkeiten wiederfand.

„Oh Himmel hast du Schmerzen?“ rief sie jetzt und legte ihre Hand tröstend an seine Wange.

„Weib, was war das…Das mit deiner Zunge?“

Ihr Lächeln war jetzt eindeutig weiblich, katzenhaft, verführerisch.

Langsam band sie ihre Locken zusammen und beugte sich über ihn, so dass er den Atem anhielt, nicht wissend was sie vorhatte und nicht sicher ob er es wirklich herausfinden wollte.

„Ich mag die Art wie du schmeckst.“ Wisperte sie leise und ließ ihre Lippen über seine Stirn, über seinen Nasenrücken und über sein Kinn gleiten.

„Ich mag die Art wie du küsst.“ Flüsterte sie weiter und saugte seine Unterlippe sanft in ihren Mund.

Schlimmer noch, als sie von ihm abließ, knabberte sie an ihrer eigenen Unterlippe während ihre Augen leuchteten vor stiller Freude.

„Ich mag auch die Art wie du riechst.“ Lächelte sie und berührte seinen Hals mit ihren geöffneten Lippen, atmete an seiner Haut ein und aus während schnurrende Laute sich aus ihrer Kehle lösten.

 

Sie hatte nicht vor in verrückt zu machen, sie meinte einfach nur was sie sagte und so wie sie sich selten einen Keks versagte wenn sie Lust darauf hatte, so nahm sie sich auch jetzt was sie begehrte.

Für sie schmeckte er gut und als Genussmensch verzichtete sie nicht auf Dinge die ihr Spaß machten wegen einer Diät oder dieser Kleinigkeit die man Anstand nannte.

Zu gering war ihre Erfahrung mit Männern und ihren Wünschen als dass sie nachvollziehen hätte können, dass ihr Handeln in ihm das Verlangen nach mehr weckte.

Auch kam ihr nicht eine Sekunde lang der Gedanke, dass sie dabei war einen Mann von 40 Jahren oder einen berühmten Schauspieler zu verführen.

Sie dachte nur daran, dass ihr Herz einen Sprung gemacht hatte und dass ihr Körper sich so lebendig wie noch nie zuvor anfühlte und das reichte ihr als Grund und Grundlage für ihr hemmungsloses Bedürfnis ihn wieder unter ihren Lippen zu spüren.

Er fühlte sich gut an, glatt und stark unter ihren Händen und sie wollte mehr davon ohne je innezuhalten und sich zu fragen wieso und wohin das führen mochte.

 

Richard sah sie fassungslos an.

Er hatte sie spontan geküsst und hatte sich eine schockierte Reaktion erwartet, er hatte mit einer saftigen Abfuhr gerechnet oder aber mit einer ihrer berühmt-berüchtigten Attacken, doch er hatte sich erneut getäuscht als er dachte er hätte sie durchschaut.

Allerdings waren in ihren Küssen nichts Erotisches, zumindest nicht für sie, das sah er jetzt in ihren Augen. Sie wollte ihn gar nicht necken, sie wollte ihn genießen.

Er hatte sich auf aufgedrängt oder er hatte geglaubt es zu tun, aber nein, ihrer Ansicht nach hatte er sich ihr wohl angeboten und sie wollte einen Nachschlag.

Es war ihm ein Bedürfnis gewesen herauszufinden ob sie so süß schmeckte wie sie aussah und er hatte sich zu einem keuschen, dankbaren Kuss gezwungen, den er im Nachhinein durch die Emotionen ausgelöst durch ihren Bruder erklären und entschuldigen hatte wollen.

Wie immer hatte Salome ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn zuerst küsste sie ihn hungrig und verzehrend und dann kam sie sogar zurück um ihn sanfter als eine Wolke und ergebener als eine Gottesanbeterin zu berühren.

Sie genoss seinen Duft, seinen Geschmack wie man ein exquisites Mahl genoss und er musste schmunzeln.

Und gerade als er sich die Frage stellte was jetzt passieren sollte, schmiegte sie ihren Kopf an seine Schulter, engelsgleich lächelnd und komplett entspannt.

Er hasste sie dafür, war so eifersüchtig auf den Ausdruck auf ihrem Gesicht.

Sie sah aus wie eine Katze die gerade einen Sahnetopf ausgeschleckt hatte: zufrieden und befriedigt, während er angespannt wie ein Drahtseil und unsicher wie ein Jüngling war.

 

Salome glitt langsam in den Schlaf über und als Richard erkannte, dass sie rutschte, schnappte er sich eins der zahlreichen rosa Plüschkissen und bettete es auf seinen Schoß.

Er war ein Masochist und er hatte das untrügliche Gefühl, dass er die Hose die er trug wegwerfen musste, weil sie eindeutig zu eng war und im Schritt spannte.

So sanft wie er konnte, denn auf einmal hatte er das Gefühl seine Hände wären viel zu groß, genau wie der Rest von ihm, ließ er seine kleine Nachbarin auf das bereitgelegte Kissen rutschen.

„Ah wir sind wirklich spannend.“ Matthew hatte bisher geschwiegen und sah Richard nun forschend an.

Kurzerhand schnappte er sich Salomes Beine und hob sie so über seine Eigenen, dass sie die Couch nur noch mit ihrem Hinterteil berührte, während ihre Beine auf Matthew und ihr Kopf auf Richard lagen.

„Das kannst du laut sagen.“ Richard sah nicht einmal auf, gefangen in dem glückseligen Lächeln des Mädchens das auf seinem Schoß schlief wie die personifizierte Unschuld.

John sah sein Frauchen unsicher an, denn er war nicht daran gewöhnt, dass sie auf der Couch schlief.

Mit einem leichten Winseln berührte er ihre Wange mit der Schnauze um zu sehen ob sie krank oder unwohl war, doch die Hand die sich sogar im Schlaf auf seinen breiten, pelzigen Kopf legte versicherte ihm, dass alles in Ordnung war und dass sie sich wohl und geborgen fühlte.

„Sag mal Armitage, dir ist aber bewusst, dass du gerade deine jugendliche Nachbarin geküsst hast?“

Matthew sah den Freund abwartend an und grinste als dieser langsam nickte.

„Deine 23-jährige Nachbarin die fast deine Tochter sein könnte?“

Erneut nickte Richard niedergeschlagen und fragte sich automatisch was Matthew mit dieser freundlichen Standpauke bezweckte?
Dachte er etwa, dass Richard sich nicht des Faktes bewusst war, dass er gerade von einem halben Kind verschlungen worden war?

Er wusste es, spürte es an seiner immer kleiner werdenden Hose und an der Wärme die durch das Kissen sickerte wie Wasser.

„Ich habe noch nie so einen Vollidioten wie dich gesehen.“ Matthew lachte leise, aber er hatte ja auch gut reden, immerhin war er verheiratet und hatte Kinder, dachte Richard innerlich  zähneknirschend.

Richard hatte es satt zu nicken wie ein Dummkopf und fragte sich ob seine eigene Blödheit eigentlich Grenzen hatte.

Die Frau die in seinen Schoß schlief war bedeutend jünger als er, sie war seine verdammte Nachbarin, sie hatte mehrmals ehrlich versucht ihn zu töten und war ihrem geplanten Mord doch nie so nahe gekommen wie in dem Moment in dem sie ihn küsste als ob ihr Leben davon abhinge.

Aber ihr kindlicher Geist dachte sich nicht mehr dabei, sie war sich der Tatsache nicht einmal bewusst, dass sie in ihm den grundlegenden Instinkt des Jägers geweckt hatte, dass er sie haben wollte und musste jetzt da er wusste wie leidenschaftlich sie wirklich war.

Er saß in einer Zwickmühle, er konnte sie nicht nehmen weil es falsch war und doch musste er sie haben weil er sonst den Verstand verlieren würde.

Salome drehte sich leicht und schmiegte sich an seinen Bauch, nach der Wärme suchend und tief schlafend, war sie sich keiner Schuld bewusst und Richard betete ein Rezept runter um sich von der Tatsache abzulenken, dass er jämmerlich versagte hatte bei dem Versuch kein Verlangen für die kleine Salome aufkommen zu lassen.

„Ich denke mal wir werden hier übernachten.“ Murmelte Matthew, selbst nicht willens die kleine Prinzessin der Fabelwesen zu wecken.

Also schloss er die Augen und ließ Richard mit seinen tausend Fragen allein.

Salome wachte auf, weil sie daran dachte, dass sie das Licht nicht gelöscht hatte und als sie die Augen aufschlug, wurde ihr langsam bewusst, dass das nicht ihr Bett war und dass das Licht Sonnenlicht war.


 

Kapitel 19 by MaggyMae
Author's Notes:
Wie lebt man mit einem Menschen zusammen mit dem man gar nicht zusammenleben wollte lol

19.

Müde und verwundert rieb sie sich die Augen und lächelte als sie die beiden Männer sah die mit offenen Mündern und steifen Nacken auf der Couch schliefen.

„Na komm John.“ Wisperte sie leise wie der Wind in den Bäumen und verschwand in die Küche.

Vorsichtig brühte sie Kaffee auf und machte sich dann auf den Weg um Brötchen zu holen.

Gott sei Dank trug sie immer noch den Trainingsanzug und so joggte sie in Sandalen zum Bäcker, führte den Hund gleichzeitig aus und war zurück bevor die Männer aufgewacht waren.

Der Kaffee stand auf dem Gasofen und köchelte vor sich hin und die Brötchen dufteten nach einem wunderschönen Wintermorgen.

Seufzend beschloss Salome, dass sie auch noch duschen konnte, doch sie fragte sich unwillkürlich ob niemand die beiden vermissen würde.

Sie biss sich in die Wange und verfluchte sich dafür, dass sie keine Zeit gehabt hatte ihre Recherchen genauer zu betreiben als sie sich unter das heiße Wasser stellte.

Ihre Rippen schmerzten an diesem Morgen etwas und grinsend machte sie ein Foto des blauen Flecks um ihn mit ihren Lesern teilen zu können, weil sie das sicher spannender fanden als der Fakt, dass sie Brötchen geholt hatte.

Summend trocknete sie ihr Haar ab und warf das Handtuch achtlos auf den Boden, schlüpfte in ihre Unterwäsche, strich ihr Bett glatt und stockte.

Sie hatte nicht in ihrem Bett geschlafen und doch war die Decke aufgeschlagen und ihr Nachthemd lag unordentlich an seinem Platz.

Richard du Schwein, dachte sie kichernd, du hast doch nicht im Ernst das Nachthemd aufgehoben auch wenn du auf den ersten Blick gesehen hast, dass es sich nicht eignete?

Immer noch grinsend holte sie ein kurzes, schwarzes Kleid aus dem Schrank und schlüpfte hinein, denn auch wenn niemand die Männer vermisste, hatte sie heute etwas vor.

Sie wollte endlich die Innenstadt sehen und etwas shoppen.

 

Gott, die beiden sahen seltsam dämlich aus, dachte Salome, als sie im Türrahmen stehen blieb und sie konnte sich nicht gegen den Impuls wehren sie mit dem Handy zu fotografieren.

Dumm und dümmer, dachte sie leise lachend und machte sich daran die Männer zu wecken.

Nur leider war dies das erste Mal in ihrem Leben, dass sie einen Mann wecken musste.

Schulter, Schulter ist gut, sprach sie sich selbst Mut zu und begann an Richards Schulter zu rütteln.

Er ist kein Apfelbaum, dachte sie auf einmal als er sich lediglich rhythmisch vor und zurück bewegte.

Vielleicht sollte sie ihn ja zwicken? Aber nein, das wäre fies gewesen.

„Aufwachen?“ sprach sie leise und wiederholte das Wort dann noch mal lauter.

Nichts, keine Reaktion.

Panik stieg in ihr auf und sie hielt ihr Ohr an seinen Mund, erleichtert, dass er zumindest noch atmete.

Wie weckte man zwei erwachsene Männer für Dummies, genau das bräuchte sie jetzt.

Auf keinen Fall wollte sie sich lächerlich machen indem sie laut herumbrüllte, aber der Hund schien nicht geneigt die beiden durch Bellen oder Kläffen zu wecken.

Mutlos holte sie sich eine Tasse Kaffee und betrachtete ihre schlafenden Gäste nachdenklich.

 

„Oh was soll’s.“ murrte sie, schrieb einen Zettel und verließ das Haus um sich dem Shopping zu widmen.

London umarmte sie mit seinem blassen Wintergesicht und sie rannte von Geschäft zu Geschäft bis ihre Hände Blasen warfen vom Tütentragen.

Salome tanzte die Straßen entlang, ihre Schritte hallten fröhlich auf den Pflastersteinen und ihr Lächeln brachte den Einen oder Andern dazu sich verwundert umzusehen.

Die Menschen liefen geschäftig auf und ab, sie rempelten sich an und entschuldigten sich schnell.

Gut gelaunt plünderte Salome eine DVD-Handlung und selbst als ihre Arme drohten den Dienst zu verweigern, lief sie nahezu weiter.

Die Kirchturmuhr schlug Mittag und sie kaufte Brötchen, nur zur Sicherheit.

Sie sollte wohl besser nach Hause gehen, John wartete wahrscheinlich auf sie und wollte sicher noch mal raus.

Was für ein herrlicher Tag, ging es ihr plötzlich durch den Kopf und sie hob die schweren Arme, beladen mit Tüten, um die Welt zu umarmen.

Sie hatte den schönsten Mann der Welt geküsst und heute hatte sie Geld ausgegeben das sie nicht einmal besaß, aber es war ihr egal.

Immer noch konnte sie ihn unter ihren Lippen, unter ihren Händen spüren und sie dachte an den winzigen, gehauchten Kuss den sie ihm gegeben hatte bevor sie das Haus heute Morgen verlassen hatte.

Ihr süßer Nachbar, der genau dort geblieben war wo er nach ihrem Kuss gewesen war, weil sie so friedlich geschlafen hatte.

Ja, wie hätte sie ihn nicht mögen können?

Kurzerhand kaufte sie ihm einen neuen Pulli, da sie den der in ihrer Wohnung lag nicht mehr hergeben würde.

Er würde für immer und ewig das Wahrzeichen dieser schicksalhaften Begegnung sein.

Einen Finger an die Lippen gelegt entschied sie sich für dunkelgrau, weil sie der Meinung war, dass die Farbe ihm gut stehen würde und freute sich anschließend über den Kauf des Geschenkes im gleichen Maß wie über den Kauf neuer Schuhe für sich selbst.

Dieser Tag konnte einfach nicht perfekter werden.

 

Sie hatte sich geirrt, denn als sie ihr Haus betrat, fand sie die beiden Männer wach und munter vor.

„Danke für den Kaffee…“ Richard verstummte als er die zahllosen Tüten sah die Salome rein schleppte.

„Als du geschrieben hast, dass du nur mal kurz in die Innenstadt bist um einige Einkäufe zu machen, dachte ich du sprichst über Lebensmittel.“ Murmelte er dann fassungslos.

„Oh ich habe auch Brötchen dabei.“ Ereilte Salome sich schnell und kramte in den Tüten auf der Suche nach den besagten Lebensmitteln.

Richard sah ihr mit großen Augen zu, sie wühlte sich schnell und systematisch durch die Tüten und förderte dann einige zerdrückte Brötchen zutage.

„Ha.“ Rief sie triumphierend und lächelte.

„Sehr schön, was hast du denn noch gekauft?“ Er rieb sich den steifen Nacken und nippte an dem herrlichen Kaffee.

In der Tat war er desorientiert aufgewacht und hatte dann den Schock des Jahrhunderts bekommen als er gemerkt hatte, dass Salome verschwunden war.

Und dann hatte er den kleinen Zettel auf dem Tisch bemerkt auf dem in einer runden Mädchenhandschrift geschrieben war, dass sie Kaffee zubereitet hatte und Brötchen gekauft und dass sie sich auf den Weg in die Innenstadt gemacht hatte um einige Einkäufe zu erledigen.

„Ihr habt geduscht?“ Salome schnupperte und kicherte dann leise.

Richard verzog das Gesicht, ja, sie hatten geduscht und waren sich enorm männlich vorgekommen in ihren weichen, pinken Badetüchern nachdem sie sich mit „Märchentraum“ gewaschen hatten.

Was an ihr süß und verführerisch roch, verwandelte die beiden Männer in rosa Pudel.

„Hmm…“ Salome kramte erneut in ihren Taschen und Tüten und hielt Richard breit grinsend ein Männerduschgel hin.

„Ich hätte nicht gedacht, dass ihr so derartig schnell sein würdet und euch ohne Erlaubnis meiner Dusche bemächtigen könntet, aber nun ja, das ist jetzt eure gerechte Strafe.“

Sie lachte als sie sein bedröppeltes Gesicht sah.

„Wie bitte? Du hast Duschgel gekauft?“ Er verstand die Welt nicht mehr.

Sie biss sich auf die Lippe und murmelte kleinlaut: „Ich wollte mich nur erkenntlich zeigen, ich denke niemals hatte eine andere Frau so charmante Babysitter.“

Er stand auf und küsste sich federleicht. „Oh womit habe ich das denn verdient?“


 

Kapitel 20 by MaggyMae
Author's Notes:
Männer und Kleider

20.

Sie sah voll Überraschung und Freude zu ihm auf, ohne Misstrauen oder Ablehnung.

„Genau deswegen.“ Er lächelte über ihren verwirrten Gesichtsausdruck und küsste sie erneut leicht auf die Nasenspitze.

Es war ihm ein Rätsel wie diese Frau es schaffte ihm ohne Weiteres einen Platz in ihrem Leben einzuräumen.

Sie hinterfragte den Kuss nicht weiter und war jetzt damit beschäftigt Matthew ihre neuen Errungenschaften zu zeigen.

„Was soll das sein?“ Matthew hielt ein Wirrwarr von Stoffstreifen hoch und blinzelte.

„Das ist ein Kleid du Dummerchen.“ Schalt sie ihn sanftmütig und fischte ganze vier Paar Schuhe aus einer pinken Tüte.

„Das ist sicher kein Kleid, das bedeckt ja kaum…Ach du meine Güte.“

Matthew hatte so lange gedreht und gefaltet bis er erkannte, dass es sich tatsächlich um ein Kleid handelte, aber er war sich nicht sicher ob er sich die kleine Salome in diesem verruchten Kleid vorstellen konnte.

Und dann erst erkannte er, dass sie ein tailliert geschnittenes Kleid trug, das darüber hinaus auch noch schwarz war.

Ihre Haare waren aufgesteckt und ihre Lippen leicht gefärbt.

Die Erkenntnis traf ihn zeitgleich mit Richard, Salome war tatsächlich eine Frau.

„Was ist los?“ Salome blinzelte sie an wie eine Eule.

„Nichts, das Kleid steht dir.“ Richard lächelte und sie lächelte zurück.

„Danke, ich wollte etwas seriöser aussehen.“ Erwiderte sie dann und strich mit beiden Händen über das Kleid, das sich nun an jede Kurve und Erhebung schmiegte.

 

„Oh ich habe dir auch etwas mitgebracht.“ Salome hielt ihm einen Pullover hin.

Er starrte fragend und ungläubig auf das Kleidungsstück, er verstand nicht was sie ihm damit sagen wollte.

„Ich werde deinen Pulli behalten, er gefällt mir und wollte ihn dir ersetzen.“ Sie sagte das leichthin und biss herzhaft in ihr Sandwich.

Richard verstand immer noch nur Bahnhof.

„Du kannst den verdammten Pullover natürlich gerne behalten, aber sag mir doch bitte warum du mir einen Anderen gekauft hast.“

Salome zuckte mit den Schultern, sie wusste es an sich nicht genau, sie hatte ihn nicht ohne Pullover gehen lassen.

Du dumme Gans, schalt sie sich selbst, er besaß sicher mehr als nur einen einzigen Pulli.

„Weil es sonst ja Diebstahl oder Ausbeutung wäre?“ versuchte sie ihre wirren Gedanken zum Ausdruck zu bringen.

Er starrte sie weiterhin nur an wie von Donner gerührt und vom Blitz erschlagen.

Sie hatte ihm einen Pullover mitgebracht und sie wollte seine Leihgabe behalten, ein Teil von ihm oder zumindest von seiner Garderobe würde bei ihr bleiben, dachte er verwirrt und fiel in diese schwarze Seen des Vertrauens und der kindlichen Leichtigkeit hinein.

Er hatte sie verunsichert, das erkannte er jetzt und er wollte es wieder gut machen.

„Es tut mir leid, ich bin einfach nur überrascht.“

Er war immerhin ein erwachsener Mann und wie jedes Mal wenn jemand ihm grundlos ein Geschenk machte fragte er sich automatisch womit er das verdient hatte.

Offensichtlich war er nicht bedürftig und er hatte auch nicht das Gefühl ein derart guter Mensch zu sein, dass Menschen ihm Gaben bringen mussten.

 

„Hör auf so stur und borniert zu sein. Sie wollte dir eine Freude machen, sag einfach „Danke“ und dann ist es gut. Ich weiß gar nicht wieso du jetzt so einen Zirkus daraus machst.“

Matthew schalt den Freund sanft und Richard nickte.

„Danke sehr. Ein sehr schöner Pullover. Hast du ihn anprobiert?“ Er küsste Salome leicht auf die Wange und wie es nun mal ihre Art war schlang sie ihre Arme um seinen Nacken und drückte ihn kurz.

„Nein wieso sollte ich etwas anprobieren was mir sicher nicht steht?“ Sie blinzelte ihn an als wäre er ein zurückgebliebenes Kleinkind.

„NA ich weiß nicht, wie wusstest du denn welche Größe du kaufen musst?“

Sie schlug sich mit der Hand an den Kopf und hob ostentativ eine Augenbraue.

„Vielleicht weil ich eine Frau bin und die Freundin einer Designerin und Frauen das im Allgemeinen mehr oder weniger einschätzen können?“

Salome grinste ihn schelmisch an und er spürte wie sich eine verräterische Röte den Weg in seine Wangen stahl.

Er hätte ihre Kleidergröße niemals erraten können, musste den Frauen aber eingestehen, dass sie tatsächlich ein besseres Gespür für solche Dinge hatten.

Frauen hatten solche Dinge wie Kleidergrößen sowieso nur erfunden um die Männer wie Dummköpfe aussehen zu lassen, beschloss er fast trotzig.

 

Matthew schien sich währenddessen nicht im Geringsten unwohl zu fühlen.

Er aß seelenruhig sein Sandwich und sah Richard dabei zu wie er sich komplett zum Affen machte.

Nach wie vor mochte er Salome, mochte ihre freundlich-aggressive Art und ihre Fähigkeit sich blitzschnell an Situationen anzupassen.

Außerdem hatte er seinen alten Freund schon lange nicht mehr so unsicher gesehen, was ihn bis zu einem gewissen Punkt belustigte.

Salome hatte sicher weitaus weniger Erfahrung als er, aber sie feierte die Feste wie sie fielen und sie hatte ihn spontan in ihr Leben und in ihr Herz eingeschlossen.

Er lächelte kauend als er sah wie Richard den Pullover ungeschickt und etwas ungelenkig vor sich hielt und mit Erstaunen feststellte, dass er tatsächlich die richtige Größe hatte.

Nachdem die beiden am vorigen Tag auf Tuchfühlung gegangen waren wunderte es Matthew nicht eine Sekunde lang, dass Salome sich an die Formen und die Ausmaße des Körpers des großen Briten erinnerte.

Frauen wussten solche Dinge einfach und er vertraute seiner Frau oft mehr als sich selbst was Kleidung und Ähnliches anging.

Matthew gestand seinem Freund aber auch ein, dass es erstens sehr schwer war einer Frau zu vertrauen und zweitens, dass Salome einen Mann wirklich überfordern konnte.

Sie war ein leuchtender Ball guter Laune, kindlicher Freude und bodenlosen Vertrauens, aber sie kannte die Schattenseiten des Lebens, dessen war er sich fast sicher.

Salome nahm sich was sie wollte, fragte nie nach dem Preis und schien mit allem was sie selbst betraf außergewöhnlich großzügig zu sein.

Ihre desinteressierte Zuneigung zu schönen Männern war auf eine fast dramatische Art und Weise witzig und ihre komplette Unwissenheit was ihre eigene Attraktivität betraf unglaublich.

Ja, Matthew mochte das Mädchen das kein Mädchen war und er freute sich darüber, dass sie ein Auge auf Richard haben würde, ohne jemals ein Auge auf ihn zu werfen.

Obwohl…

Sie hatte ihn geküsst, richtig geküsst und schien jetzt nicht von Schuldgefühlen übermannt.

Wahrscheinlich kannte sie keine Unmoral, sie wusste nicht um die dunklen Abgründe der männlichen Seelen in der Dunkelheit der Nacht und sie machte sich keine Gedanken darüber.

Matthew dachte in der Tat, dass er selten einen Menschen getroffen hatte, der so absolut unmännlich war wie Salome und zudem auch noch so wenig über das andere Geschlecht wusste.

Sie verstand weder den Beschützerinstinkt ihres Bruders noch Richards Verlangen, sie konnte nicht nachvollziehen, dass ein Geschenk den alten Junggesellen aus der Bahn warf wenn sie doch dauernd so freigiebig war und sie wusste nicht, dass ihre Berührungen brennende Wunden hinterließen die nur langsam vernarbten.

Matthew wusste, dass er seinen Freund erinnern musste, weil dieser augenscheinlich vergessen hatte, dass sie heute Abend ihr Gesicht in eine Kamera halten müssten und es tat ihm leid diese perfekte Blase der häuslichen Harmonie zerplatzen zu lassen.

„Richard? Du weißt aber dass du dich irgendwann anziehen musst? Für heute Abend?“

Starrer, ausdrucksloser Blick.

„Richard?“

„Oh mein Gott…“ Na das würde ja heiter werden, dachte Matthew als er den grimmigen Ausdruck auf dem Gesicht seines Freundes sah.

„Willst du mitkommen?“ wandte er sich dann an Salome und sah in ein anderes, ausdrucksloses Gesicht.


 

Kapitel 21 by MaggyMae
Author's Notes:
Ich-kann-einfach-nicht-schlafen-Post

21.

„Oh nein…wird das live übertragen?“ Salome hopste auf Matthew zu.

„Ehm ja, denke schon…Wieso?“ An dem Feuer in ihren Augen erkannte er, dass sie etwas plante.

„Dann habe ich ein Date mit Sue.“ Freute sie sich und tippte wie wild auf ihr Handy ein.

„Halt junges Fräulein.“ Richard hielt ihre Hand fest und sah sie eindringlich an.

„Was meinst du damit?“

Salome kicherte leise und erklärte dann, dass sie es Sue nach all der Aufregung schuldig war sich ein paar Stunden mit ihr am Telefon über Roben und Frisuren zu unterhalten.

„Du wirst hier sitzen und dich mit deiner Freundin über…uns unterhalten?“
Richard wurde übel, denn er konnte sie sich bildlich vorstellen und er wollte nicht, dass sie über ihn sprach wenn er nicht da war.

Salome nickte begeistert und öffnete die Antwort ihrer Freundin grinsend.

„Oh das wird erstklassig.“ Freute sie sich und verstaute ihre Einkäufe wieder in den Tüten.

Ihr Bruder sollte doch heute noch mal vorbei kommen, dachte Richard und ihm wurde immer übler.

Himmel, sie würde da sitzen mit ihrem strengen Bruder und sich mit ihrer Freundin über ihre Kleider und die Frauen und alles Andere unterhalten während er wie ein dressierter Affe über einen doofen Teppich stolzierte als wäre er ein Pferd in der Wintermärchenparade.

 

Salome war von einem regelrechten Hochgefühl erfasst, denn sie mochte diese Anlässe, mochte die strahlende Schönheit dieser Menschen und sie liebte es ihre verlegenen Gesichter zu sehen wenn man sie nach Partnern und zukünftigen Projekten fragte.

Ihr Blick fiel auf den Nachbarn der ihr mittlerweile zum Freund und Genossen geworden war und der in ihrem Haus so willkommen war wie alle andern Freunde die sie kannte und die an ihre Tür hätten klopfen können.

Er sah aus als hätte jemand ihm einen Kübel kaltes Wasser über dem Haupt ausgeleert und sie legte ihre hohle Handfläche an seine Wange wie sie es bereits oft getan hatte und noch oft tun würde, zumindest hoffte sie es.

Sie erkannte Nervosität und die Gereiztheit eines eingeschlossenen Raubtieres in diesen wundervollen Augen und sie erinnerte sich schlagartig an ihr erstes Zusammentreffen, an seinen ernsten Mund und an die Falte zwischen seinen Augenbrauen.

Er war zweifellos ein ernster Mann, ein Mann der keine Fehler machte und damit war er das genaue Gegenteil von Salome, die sich Hals über Kopf in irgendwelche Dummheiten stürzte und stets wusste, dass irgendetwas Gutes dabei herauskommen würde.

Tausend Worte lagen ihr auf der Zunge, Worte der Aufmunterung, Worte der Zuneigung, Wortes des Trostes, doch ihr Mund hatte verlernt zu sprechen wenn es um ihn ging.

Also zog sie seinen Kopf zu sich runter und küsste seine Stirn, gab ihm den Kuss der Königinmutter, den Kuss der Heiligen Jungfrau, den Kuss des ultimativen Trostes.

Er lächelte langsam, träge als verstünde er, dass all ihre Zuneigung und ihr Vertrauen in diesem Kuss lagen.

„Ich werde auch sicher nichts Böses sagen und ganz brav seufzen.“ Lächelte sie dann.

 

„Mach mal, ich will wissen wie du seufzt, das könnte uns trösten wenn wir wie Vieh auf dem Weg zum Schlachter den Teppich entlang paradieren.“ Bat Matthew und Salome kräuselte konzentriert die Stirn.

„Oh das geht nicht wenn ihr so doof ausseht. Macht mal diese ernste Leck-mich-am-Arsch-Gesichter die die Stars so gut draufhaben.“ Beschwerte sie sich und die beiden Männer gaben sich die größte Mühe dementsprechend auszusehen.

Salome holte tief Luft und stieß einen herzzerreißenden Seufzer aus, einen Seufzer der verlorenen Unschuld und der namenlosen Sehnsucht.

Es war ein romantischer, hingebungsvoller Seufzer und Matthew brach in grölendes Gelächter aus als er ihre verträumten Augen sah.

„Und du wirst im Ernst so seufzen?“

„Ja nein, nicht bei euch.“ Grinste sie schelmisch und sah wie ihre Gesichter einfielen.

„Wir machen uns dann mal auf den Weg. Ich komme nachher noch vorbei damit du mir sagen kannst ob ich gut aussehe, oh du Königin der Kleidung.“

Richard küsste sie zärtlich und schnell und verschwand mit Matthew.

Ihm fiel nicht auf, dass Salome sie nicht einmal zur Tür gebracht hatte und er bemerkte nicht, dass er sie mittlerweile dauernd küsste.

 

Er bereitete sich sorgfältig vor und machte sich dann auf den Weg zurück zu Salome, weil ein Teil seiner selbst wusste, dass er sie sehen musste bevor er ging.

Sie war wie der Anker der ihn an die reale Welt band und er konnte nicht ohne die Bestätigung gehen, dass sie da sein würde wenn er wiederkam.

Salome öffnete die Tür langsam und ein Lächeln erblühte auf seinem Gesicht.

Sie hatte die dichten Locken nachlässig zusammengebunden und trug wieder den Pullover für den sie ihn hatte entschädigen wollen.

Ihre Füße steckten in einem weiteren Paar Kuschelsocken, das mit Kätzchen bedruckt war und sie hatte Schokoladenreste in den Mundwinkeln.

Richard konnte sich nicht dran erinnern je eine schönere oder begehrenswertere Frau gesehen zu haben als diese Kind-Frau mit ihrem zerzausten Haar und ihren weichen Beinen die aus dem Pullover herausstachen wie winzige Pfeiler.

Als er jedoch ihr Gesicht in Anschein nahm, fand er es ernst und ängstlich.

Ihre Augen waren geweitet und ihr Mund verkniffen, zum ersten Mal seit ihrer allerersten Begegnung erkannte er Ablehnung und Furcht in diesem weichen Gesicht.

 

„Dein Schal ist krumm.“ Wisperte sie tonlos und wich einen Schritt zurück als er sich ihr näherte.

„Dann rück ihn doch zurecht.“ Er lächelte freundlich, zahm und doch wagte Salome nicht ihre Hand zu heben.

Sie erkannte den Schal als den mit dem Matthew ihre eiskalten Füße umwickelt hatte und sie erkannte sein Lächeln als das was sie bereits so oft gesehen und bewundert hatte, aber das hier war anders.

Dies war nicht länger ihr Nachbar, dies war der Filmstar und ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen, dies war der Unberührbare, der Gesichtslose.

Tief in ihr drin wusste sie auch, dass nichts sich geändert hatte, aber sie hatte sich viel Mühe damit gegeben die Person von der Sue immer sprach von ihrem Nachbarn zu trennen, dass die tatsächliche Wahrheit sie anfiel wie ein Aasgeier.

Sie fühlte sich siech, sie fühlte sich schwach und sie wurde sich ihrer eigenen Unzulänglichkeit umso heftiger bewusst je länger sie in das blendende Weiß seines Hemdes starrte wie eine Blinde in das Sonnenlicht.

Blinzelnd sah sie auf und suchte nach dem Mann den sie kennengelernt hatte, aber das weiße Hemd und der dunkle Anzug machten aus ihm einen Helden, einen strahlenden Stern, er war meilenweit von ihrem etwas unsicheren Nachbarn entfernt.

Er war jetzt der über den Sue sprechen würde und er fühlte sich falsch an in ihrem Türrahmen.

Sie wollte ihn wegstoßen, wollte ihn mit der ganzen Gewalt eines unzufriedenen Kindes weghaben und ihr Gesicht wurde immer härter, immer kälter und immer abweisender.

Er spürte ihren eisigen Blick auf seinen Zügen und erstarrte.

Mit Schrecken erkannte er die Tränen die in ihren Augen schimmerten und hob die Hand, doch instinktiv wusste er, dass er sie nicht anfassen durfte, dass er jetzt nicht willkommen war hier.

Eigentlich verstand er die Welt nicht mehr, hatten bisher nicht alle ihm versichert, dass er gut in Anzügen aussah, doch Salome sah ihn ja auch nicht an als wäre er hässlich.

Sie sah ihn an wie ein Kind ein Weihnachtspaket ansah von dem sie wusste, dass es nicht für sie war, mit dieser tiefen, grimmigen Sehnsucht die einem das Herz brach wenn man daneben stand.

„Was ist los?“ fragte er schließlich, keinen Gedanken daran verschwendend, dass er möglicherweise zu spät kommen würde wenn er jetzt nicht ging.


 

Kapitel 22 by MaggyMae
Author's Notes:
Guten-Morgen-Welt-Kapitel...und Salomes erste kleine Starkrise

22.

„Ich erkenne dich nicht wieder.“ Wisperte sie sehr leise und sah schüchtern zu ihm auf.

„Wie meinst du das? Ich bin immer noch ich, ich bin derselbe Mann wie heute Morgen, wie heute Mittag, wie vor 2 Stunden, oder etwa nicht?“

Salome schüttelte den Kopf und musterte ihn erneut.

„Der Mann der vor mir steht hat nichts mit meinem Nachbarn zu tun.“ Murmelte sie weiter und er ergriff ihre Hand beherzt und ließ nicht los, auch nicht als sie versuchte sich ihm zu entziehen.

Sanft zwang er ihre Hand an seine Wange und küsste ihr Handgelenk.

„Ich bin immer noch ich Salome, du musst mir glauben, du darfst dich nicht blenden lassen von schicken Kleidern und einem ernsten Gesicht. Ich bin immer noch der Mann der sich angerempelt hat, der dich gehalten hat, der dich…“

„Sag es! Geküsst hat.“ Sprach sie auf einmal dringlich und bewegte ihre Finger an seiner Wange.

Das hier war ein Fremder für sie, ein Mann den die Natur mit Marmor und Nerz bekleidet hatte, ein Bild das die Götter gemalt hatten und er kam ihr so fremd, so fern und so anders vor, dass es sich fast ängstigte.

Nein, es machte ihr tatsächlich Angst und sie schämte sich dafür.

Wie sollte sie ihm sagen oder klarmachen, dass sie ihn nicht erkannte in diesem Abbild der reinen männlichen Schönheit?

War er denn nicht auch an allen anderen Tagen schöner als der Rest?

Salome schnappte nach Luft während sie nach Worten suchte, aber ihr Mund blieb geschlossen, denn sie wusste nicht wie sie ihm zu verstehen geben konnte, dass sie ihn nicht so sah.

Würde er ihr glauben? Würde er glauben können, dass sie in ihm nicht den atemberaubenden Schauspieler sah? Dass sie sich nach seinem ehrlichen Lachen sehnte und dieses kühle Lächeln verabscheute?

 

„Du solltest gehen. Du kommst sonst zu spät.“ Sprach sie leise und gefasst, doch er machte keine Anstalten sich zu bewegen.

„Nein zuerst sagst du mir genau was nicht stimmt.“Sein Blick war eisern und seine Hand umfasste die Ihre fest und unnachgiebig.

Also packte sie die Scham mit zwei Händen und schleuderte sie ihm ins Gesicht:

„Ich hatte es vergessen. Ich habe dich von ihm getrennt in meinem Kopf und es erschreckt mich zu Tode zu sehen, dass ihr eins seid.

Ich mag dich, ich mag meinen Nachbarn und sein schiefes Grinsen, ich mag die Art wie er riecht und die Art wie er sich bewegt und all das was ich jetzt sehe ist irgendwie falsch.

Es ist als wäre dieser verdammte Bildschirm zwischen uns, sogar jetzt, es ist als hätte sich eine Schicht Eis über dieses Feuer an dem ich mich seit Tagen wärme gelegt und ich hasse es.

Ich hasse diesen unterkühlten Snob, ich hasse die Art wie er mich um Längen überragt und wie seine Kleider seine ganze gottverlassene Perfektion betonen und ich hasse es zu verstehen, dass ich in meinen verdammten Kuschelsocken vor dir stehe wie ein Kind vor einem Filmstar.“
Sie schnappte erneut nach Luft und blies sich das Pony aus der Stirn.

„Was grinst du so dumm? Ich finde es nicht lustig.“ Keifte sie dann als sie sein breites Grinsen erblickte.

„Es ist ja nicht so als wärest du kein Kind und ich kein Filmstar.“ Lächelte er arrogant und Salome fand die Idee ihm ihre Faust ins Gesicht zu rammen mehr als verführerisch.

 

Plötzlich drängte er sich durch die Tür und gegen sie.

„Nicht doch. Salome ich habe mir gerade eben gedacht, dass ich dich genau in diesem Moment einfach wunderschön finde und glaube mir, ich mag Armitage den Filmstar genauso wenig wie du. Ich liebe meine Arbeit, aber ich denke dass es einfach dazugehört sich so zu geben wie die Menschen das erwarten.

Aber ich bin immer noch ich, ich sage es dir zum letzten Mal.

Ich bin immer noch dein Nachbar und wenn ich erschöpft wiederkomme werde ich noch immer der Kerl von nebenan sein, der für dich kocht wenn du nichts gegessen hast und deinen Hund versorgt wenn du ins Kino willst.

Wenn ich auf diesem dummen Teppich stehe werde ich daran denken wie du mir Kekse gebracht hast und wie du mich geküsst hast.

Eigentlich…“

Er küsste sie stürmisch, leidenschaftlich, verzweifelt und sie verlor sich in dem bekannten, begehrten Geschmack, leckte wie eine Katze an seinen Lippen entlang, wohl darauf bedacht seine Kleider nicht in Unordnung zu bringen.

Er legte ihre Hand auf seine Brust und flüsterte:

„Hier, genau hier werde ich der sein den du kennst und du wirst deinen Nachbarn in dem unbehaglichen Lächeln und den viel zu schnellen Schritten erkennen.“

Salome legte ihre Hand auf die Seine und küsste seine Wange so schüchtern als küsse sie einen Fremden.

„Geh jetzt schöner Fremder und bring mir meinen süßen Nachbarn wohlbehalten zurück.“

 

„Salome? Danke.“ Er grinste schelmisch und sie blinzelte verwirrt.

„Wieso danke?“ erkundigte sie sich und raffte den Pulli enger um ihren Leib, da die immer noch offene Haustür kalte Luft einströmen ließ.

„Weil du die einzige Person zu sein scheinst, die mich hässlich lieber mag als schön.“

Sie schnaubte empört und zischte: „Ich mag dich gar nicht hässlich. Ich mag dich schön, aber ich mag dich lebendig schön nicht bildhaft schön und sogar mit einem Buckel könntest du nicht hässlich sein mein Lieber.“

„Kann ich zurück kommen? Danach? Kann ich zurück kommen und wieder zu mir finden? Wieder ich sein?“ bat er leise und sie holte ihren Hausschlüssel aus der Schale in Form eines Frosches an der Tür.

„Komm zurück und sei wieder du wann immer du willst. Und nun geh und sei wunderschön. Wenn es Mitternacht läutet werden die Schuhe wieder zu Galoschen und die Kutsche wieder zum Kürbis.“

Er lachte, küsste sie erneut und ging.

 

Salome stand noch sehr lange an der Tür und sah ihm nach.

Und dann kam er zurückgerannt und fragte: „Kann ich dir irgendetwas mitbringen?“

Das klang verdächtig so als ob er nur zur Tankstelle joggen würde, im Abendanzug, geschniegelt wie ein Pfau.

„Ein Autogramm von Robert T. Pattinson.“ Verlangte sie mit hoheitsvoller Würde und schloss die Tür.

Das Haar eines Einhorns und einen warmen, feuchten Kuss, dachte sie lächelnd bei sich, pfiff nach dem Hund und beschloss ihn kurz vor dem Anfang der Sendung noch raus zu lassen.

Leider fand sie ihren Ersatzschlüssel nicht und ließ die Tür einfach angelehnt, beeilte sich aber mit dem Gassi gehen, da sie wirklich keine Lust hatte einen Fremden bei sich in der Wohnung vorzufinden wenn sie zurückkam.

„Na John? Wir haben einen neuen Verehrer.“ Lachte sie als sie ihre Jacke aufhängte und den Hund von der Leine ließ.

Dann hielt sie inne und hob die Hand an ihre Lippen, in der Tat, sie hatte einen neuen Verehrer und was er nicht wusste und nicht wissen sollte war, dass er der erste Verehrer ihres Lebens war.

Er hatte ihren verdammten Hausschlüssel und die einzige Pflanze der er Wasser geben musste war sie selbst.

Sie kicherte fröhlich, goss sich eine Tasse Tee aus und machte es sich auf dem Sofa bequem.

Pünktlich wie die Turmuhr klingelte das Telefon und Salome schaltete den Fernseher ein, hob ab und kuschelte sich tiefer in die Kissen.

„Und wo ist dein Nachbar?“ fragte Sue und Salome musste lächeln.

„Er ist heute sehr beschäftigt.“ Sprach sie und begann mit der Analyse von Kleidern und Schuhen wie vorgesehen.

Kapitel 23 by MaggyMae
Author's Notes:
Ganz zahmes Kapitelchen

23.

„Oh da kommt aber jemand wirklich spät.“ Sprach sie Speakerin gerade in die Kamera, welche auf einen gehetzten Richard schwenkte.

„OOOOOOH.“ Dröhnte es aus dem Hörer und Salome grinste still in sich hinein.

Matthew beugte sich zu ihm und flüsterte ihm etwas ins Ohr, woraufhin Richard einen Schwall Worte seinerseits ins Ohr seines Freundes fließen ließ.

„Was die beiden sich wohl zu erzählen haben?“ Die Reporterin grinste anzüglich und Salome schluckte schwer, denn sie konnte es sich lebhaft vorstellen.

„Mister Armitage.“ Kreischte die Frau jetzt und zwang Richard nahezu mit ihr zu sprechen, erneut schluckte Salome.

„Wieso sind Sie so spät dran?“ fragte sie dann.
Immer mit der Tür ins Haus, dachte Salome, war dann doch gespannt auf seine Antwort.

„Ich habe noch bei einer sehr lieben Freundin vorbeigeschaut.“ Erklärte er der aufdringlichen Frau gerade geduldig.

Er berührte wie zufällig mit der rechten Hand seine Brust und legte das viel besprochene schiefe Lächeln an den Tag.

Salome seufzte.

„Ha das Lächeln hat dich also doch rumgekriegt.“ Rief Sue triumphierend am andern Ende der Leitung und Salome gestand ihrer Freundin eine halbe Wahrheit ein:

„Zweifellos. Das schiefe Lächeln ist eindeutig zum Niederknien…“ genau wie der intensive, leicht gepeinigte Blick.

Er sah ehrlicher aus als auf den meisten Videos die Salome von ihm gesehen hatte, doch sie wagte nicht zu glauben, dass er ihr zuliebe auf die Maskerade des abgebrühten Stars verzichtete.

„Wir wünschen Ihnen einen schönen Abend.“ Verabschiedete sich die Sprecherin nun und kommentierte die Ankunft weiterer Nachzügler.

 

„Also komm schon, die beiden sehen doch fantastisch aus.“ Sprach Sue und Salome dachte an das Foto das sie am Morgen von ihnen geschossen hatte und auf dem sie alles Andere als fantastisch aussahen.

„Was willst du von mir hören? Glaubst du mir ist nicht aufgefallen wie perfekt sein Erscheinungsbild ist?

Wenn du es unbedingt willst, hier kommt meine Beichte:

Erstens, ja, du hattest Recht, ich hatte Unrecht, Macfadyen ist ein begnadeter Künstler, ein schöner Mann und…zweifellos ein sehr netter Kerl.“

Gerade noch so die Kurve gekriegt, dachte Salome erleichtert.

„Und ja, du hattest erneut Recht: Armitage ist so etwas von genau mein Typ und ja, er sieht aus wie ein Gott. Ich habe sehr wohl die marmorne Klarheit der Linienführung seines Gesichtes und das Meer der Verdammnis seiner Augen zur Kenntnis genommen. Er ist zweifellos anbetungswürdig mit seinem ausdrucksvoll männlichen Mund und den filigranen Händen.

Ich bin auch ganz sicher, dass der Himmel jeden Tag um ihn weint, sie müssen ihn dort oben sehr vermissen.“

Sue schwieg einige Sekunden und fragte dann:

„Machst du dich gerade über mich lustig?“

Eigentlich hatte Salome das vorgehabt, doch jetzt erkannte sie, dass sie es nicht tat, dass sie wirklich so empfand und dass sie damit leben könnte, dass ihr Nachbar ein dunkles Geheimnis hatte das da war, dass er ein berühmter Schauspieler war und so beschrieb sie den, welchen sie kannte und nicht den sie gerade auf dem Bildschirm sah als sie leise sprach:

„Nein, ich wünschte dem wäre so, aber nein.

Er ist ein schöner Mann, sein Lachen reicht bis zum Himmel und seine Hände versprechen grenzenlose Freude und die Vorsicht eines großen Mannes.

Ich meine es tatsächlich ernst wenn ich dir sage, dass ich wie jede andere Frau dem steten, ehrlichen Blick seiner Augen nicht wiederstehen kann wenn ich einen Teil des Firmaments darin leuchten sehe. Ich habe noch nie einen Mann gesehen der den Raum und die Zeit so vollkommen füllt mit seiner freundlichen, etwas schüchternen Präsenz und ich habe mich noch nie so sehr nach der Berührung eines Mannes gesehnt als nach der Seinen.

Er ist eins dieser Kunstwerke der Natur die den Menschen fassungslos und etwas verstört stehen lassen und ich wünschte ich hätte die Augen einer Eule um ihn besser zu sehen, die Ohren eines Luchses um ihn besser zu hören.

Alle meine Sinne fliegen ihm zu und ich wünsche mir mehr davon.

Ja Sue, ich könnte ihn ansehen bis ich erblinde, bis sein Bild alle Andern dieser Welt auslöscht und doch würde es mir nicht eine Sekunde an Inspiration mangeln.“

Salome seufzte erneut, sie hatte zu viel gesagt, das wusste sie aber sie konnte nicht zurücknehmen was die Wahrheit war.

„Seltsam ich werde das Gefühl nicht los du hast ihn dir heimlich doch angesehen.“

Sue dachte, dass Salome sich sicher die Clips angeschaut hatte, denn wie sonst könnte eine solche Leidenschaft in ihr entbrennen.

Sie kannte Salome schon ihr halbes Leben lang, hatte beobachtet wie deren Augen alles aufnahmen und sich nie wirklich auf etwas fokussierten.

Sie hatte Männer gekannt die unbemerkt um ihre Gunst geworben hatten und die bitter enttäuscht worden waren, weil Salome sie nicht einmal wahrgenommen hatte.

Sue hatte ihre Freundin ein wenig foppen wollen, hatte jedoch niemals mit einer solch intensiven Reaktion gerechnet.

Ihrer Meinung nach war Salome wie die Sonne, jeder konnte sich an ihr wärmen und sie war allen wohlgesonnen, aber niemand hatte das Recht ihr zu nahe zu kommen ohne von dem Ausmaß ihrer Hitze versengt zu werden.

Ihre kleine Salome hatte also einen Mann gefunden der ihr gefiel und ihr zuliebe wünschte sie sich jetzt fast schon wieder, dass dieser Mann ein klein wenig zugänglicher gewesen wäre als der verdammte Schauspieler der sich gerade mit Macfadyen in eine Ecke verkroch.

 

Salome saß still und regungslos auf ihrer Couch und starrte blind auf den Fernseher.

Hatte sie diese Worte wirklich ausgesprochen?

Natürlich fand sie ihn attraktiv, sie hätte sich nicht von ihm küssen lassen wenn es nicht so gewesen wäre, aber da war mehr, mehr als sie Sue im Moment sagen konnte.

Er sah so schön aus wenn er schlief, wie ein ruhender Engel, wie ein dösender Panther.

Sie liebte es wenn er lachte und wenn er sie fragend ansah weil er ihr wieder einmal nicht folgen konnte.

Sie vermisste ihn jetzt schon, vermisste es seine Hände auf ihrer Haut zu haben und seine Worte in ihrem Gehör.

Er war das was einem besten Freund am nächsten kam in diesem neuen Leben und sie war eifersüchtig weil er der Welt gehörte und nicht nur ihr.

Sie wollte sich wieder an seine Schulter schmiegen beim Fernsehen und sie sehnte sich nach diesen fast zufälligen, willkürlichen Berührungen die ihr sagten, dass sie Freunde waren, dass sie sich kannten.

Sue würde niemals verstehen wie es sich anfühlte wenn er sie so ansah, als sei sie die einzige Person die zählt, als würde dieser Heiligenschein seines Blickes, seiner Augen, sie zu einem Sinnbild der Weiblichkeit machen.

Und vor allem hatte Sue keine Ahnung wie wundervoll er schmeckte oder wie straff seine Oberschenkel waren.

Mit einem Mal saß Salome aufrecht auf der Couch als ihr bewusst wurde, dass sie ein klitzekleines bisschen in ihren Nachbarn verknallt war.

 

Richard hatte es jetzt schon satt und nur Matthews gutes Zureden hielt ihn davon ab sich wieder aus dem Staub zu machen.

„Sie möchte ein Autogramm von Pattinson.“ Spie er missmutig.

„Dann werden wir ihr das besorgen, nicht wahr Richard?“ Matthew sprach in dem geduldigen Ton einer ergebenen Kindergärtnerin und schob seinen grantigen Freund forsch vor sich her.

Wie lächerlich ist das?

Richard schüttelte sich innerlich bei der Vorstellung diesen Knirps um ein Autogramm zu bitten, aber er wollte Salomes Augen leuchten sehen und so tippte er dem Mann freundlich auf die Schulter.

„Sorry, aber könnte ich ein Autogramm haben? Es ist für meine…Nachbarin?“

Kapitel 24 by MaggyMae
Author's Notes:
Kleines Kapitel :)

24.

Robert T. Pattinson drehte sich um und versenkte sofort die Hand in den Haaren als er erkannte wer da vor ihm stand.

„Für die Nachbarin?“ wiederholte er fast ungläubig als er das gequälte Gesicht seines Gegenübers betrachtete, welcher lediglich nickte.

„Und soll ich es Ihnen in den Bart schreiben?“ erkundigte er sich nach einigen Sekunden in denen sich besagter Gegenüber nicht bewegt hatte.

„Nein…ehm…natürlich nicht. Hier.“ Und weil er nichts Anderes fand, hielt Richard ihm sein Programmheft hin.

„Für die Nachbarin?“ wiederholte Robert nun zum zweiten Mal und erntete wieder nur ein kurzes Nicken, also schrieb er:

Für die Nachbarin des großen Richards.

Liebe Grüße aus dem Irrenhaus.

Robert

 

„Oh toll, du sammelst Autogramme.“ Matthew ließ es sich nicht nehmen das Blatt in Augenschein zu nehmen, nahm Robert den Stift ab und schrieb darunter:

Alles Liebe von Droopy dem Hund

Matthew

Richard bedachte ihn mit einem bitterbösen Blick als immer mehr Menschen sich um ihn versammelten um sich auf dem improvisierten Autogrammblatt Salomes zu verewigen.

Dear Lass, take care.

Gerard

 

Warm greetings to wherever Richard lives.

Colin

 

Und so weiter und so fort.

Ein letzter weißer Fleck blieb übrig und Richard zuckte mit den Achseln und füllte auch diesen:

Dear neighbor,

thank you for being you and wanting me to be…well…me.

Richard

 

Sorgsam faltete er das Blatt zusammen und ließ es in seiner Anzugtasche verschwinden.

Sicher würde sie sich darüber freuen, dachte er und stellte sie sich vor, wie sie mit einer dampfenden Tasse Tee an der sie sich natürlich wieder die Zunge verbrennen würde vor dem Fernseher saß und möglichst authentisch seufzte für Sue.

Seine Finger umfassten den glatten Schlüssel in seiner Hosentasche und er musste lächeln.

„Gehst du nachher noch was mit mir trinken?“ Matthew sah ihn fragend, wenn auch nicht sehr überzeugt an.

Richard zeigte ihm wortlos den Schlüssel mit dem er seit Minuten herumspielte und Matthew seufzte.

„Dann solltest du dich so schnell wie möglich aus dem Staub machen.“

„Das hier dauert aber noch ein paar Stunden.“ Murrte Richard, doch  Matthew zeigte wortlos auf einen Notausgang.

„Niemand wird dich vermissen und wenn doch dann sage ich du hast deine Tage und musstest nach Hause.“

„Danke, du bist ein echter Freund.“ Richard klopfte ihm lakonisch auf die Schulter und sprach dann über seine eigene hinweg: „Melde dich bevor du gehst. Salome würde dich sicher noch mal sehen wollen.“

Und damit rannte er die Feuertreppe hinab und stürzte auf das erstbeste Taxi zu.

 

Als die SMS Salome erreichte, die ihr verkündete, dass Gregori es nicht schaffen würde, war sie teils erleichtert und teils traurig.

Einerseits wusste sie nämlich, dass ihr Bruder sehen würde, dass etwas nicht mit ihr stimmte und andererseits wollte sie auf keinen Fall alleine sein.

John sah sie mitfühlend an, aber er war nur ein Hund und er konnte nicht verstehen was es für sie bedeutete sich zum ersten Mal verknallt zu haben wenn auch nur ein wenig.

Sie hatte Richard nicht aus dem Weg gehen können oder wollen, dachte sie entschuldigend, fand es dann aber zu mies sich selbst zu belügen.

Eigentlich wünschte sie sich er wäre schon wieder bei ihr, sie vermisste ihn und sie unter dem Anblick all der schönen und perfekten Frauen die durch das Bild huschten wie Schatten ihrer selbst.

Salome mochte nun mal Kekse und Schokolade und auch wenn sie nicht wirklich richtig fett war, so war sie doch beleibter als es Mode war und sie wusste ganz genau, dass sie niemals einen Mann wie Richard haben konnte.

Verzweifelt umarmte sie das Nilpferd das sie von ihrem Bruder bekommen hatte und sah in dessen dümmlich grinsendes Gesicht.

Was machte sie sich vor? Hatte Sue sie nicht gewarnt?

Sue wusste nicht, dass ihr Nachbar und der Schauspieler für den sie jetzt offensichtlich schwärmte ein und dieselbe Person waren und um der Scham und der Erniedrigung zu entgehen, würde Salome es ihr auch in nächster Zeit nicht sagen.

Ungeduldig und genervt wie es nun mal ihre Natur war, fragte Salome sich was es ihr jetzt ganz konkret bringen sollte einen Schwarm zu haben.

 

„Das nennt man Pech. Ehrlich John, nach 23 Jahren habe ich endlich einen Schwarm und dreimal darfst du raten, er ist ungefähr so alt wie Methusalem, naja, vielleicht nicht ganz, aber schon ziemlich alt, ein berühmter Filmschauspieler und mein verdammter Nachbar.“

Salome schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn und musste über ihre eigene Dummheit lachen.

Sie würde das abbinden, unterbinden, was auch immer, sie würde sich nicht zum Affen machen hier.

Das wäre doch gelacht wenn sie diesen verdammten Mann nicht aus ihrem Kopf bekommen würde.

Sie zog die Knie an und beschloss sich auf andere Dinge zu konzentrieren…und kam bei dem gleichen Thema von der anderen Seite aus gesehen wieder an.

Seufzend setzte sie sich während einer Werbepause an den Computer und ließ Sue in Seelenruhe weiter faseln während sie ihre treuen Leser an ihrem Leben teilhaben ließ.

Liebe Leser,

niemand kann mir vorwerfen mir keine Mühe zu geben…Ich verbringe den Abend damit in Kuschelsocken vor der Glotze zu hocken und mir alte Männer in Anzügen anzusehen.

Himmel, da müsste man ehrlich einmal im Leben sein um sich in der Schönheit dieser Menschen sonnen zu können,

Ich war heute übrigens shoppen und habe einen neuen Pullover für meinen Nachbarn gekauft, weil ich den Seinen gerne behalten will, an sich habe ich ihn ehrlich gesagt gerade an.

Ach, angefügt werdet ihr ein Bild von meiner Rippe finden welche die Kollision mit der Hüfte meines Nachbarn bei meinem Kamikazeauftritt nicht unbeschadet überstanden hat.

Außerdem besitze ich eine ganze Reihe neuer Schuhe und ein hübsches, wundervoll frivoles Kleid.

Oh die Reportage geht weiter…Hmm, ich geh jetzt und seufze für Susan noch ein wenig hinter Droopy dem Hund und seinem Freund Armitage her.

(Nicht als ob das sonderlich schwer wäre.)

Alles Liebe und eine gute Nacht meine Besten.

 

Salome wusste, dass sie nicht ganz ehrlich gewesen war, aber sie wollte auf keinen Fall der Welt mitteilen, dass sie in ihren verdammten Nachbarn verknallt war.

In den Nachbarn der auf einmal nirgends mehr aufzufinden war.

Himmel, war er krank? War ihm etwas passiert?

Salome machte sich Sorgen und dann hörte sie wie die Haustür aufging und bewaffnete sich mit der Fernbedienung um den Eindringling zur Not auszuschalten.


 

Kapitel 25 by MaggyMae
Author's Notes:
Salome losing her friggin' head

25.

Als Salome ihren Nachbarn erkannte, rutschte ihr Kopf seitwärts und sie blinzelte ihn wieder einmal mit dem köstlich-verwirrten Ausdruck einer Eule an.

„Ehm.“ Sie zeigte hilflos auf den Bildschirm.

„Ich bin abgehauen, ich hatte keine Lust mehr.“ Richard zuckte mit den Achseln und erblickte die Fernbedienung mit Überraschung und Belustigung.

„Wolltest du mich schon wieder niederschlagen? Ich glaube ich komme nie wieder wenn du jedes Mal hartnäckig versuchst mich umzubringen.“
Salome war überrascht ihn zu sehen und vor allem war sie sehr glücklich.

Von ihren eigenen Gefühlen übermannt warf sie die Fernbedienung über die Schulter und umarmte ihn stürmisch.

„Nein, nein, du musst wiederkommen.“ Seufzte sie an seiner Brust und nun war es an ihm verwirrt zu blinzeln.

Er war fast erleichtert zu wissen, dass sie ihre Augen so fest zusammenkniff dass ihre Lider brechen mussten, denn er brauchte diese Sekunden um sich bewusst zu werden, dass er sich genau diese Reaktion von ihr erwartet und erhofft hatte.

Deshalb war er nach Hause gekommen, weil er sich gewünscht hatte, dass jemand sich einfach nur freute, dass er da war.

„Kann ich mir deinen Pulli borgen? Meinen Pulli?“ fragte er leise und wie nicht anders zu erwarten war, verneinte sie vehement.

„Nein, das ist jetzt mein Pulli.“ Murmelte sie widerspenstig und so zog er erst einmal die Anzugweste aus, welche er nachlässig über die Sofalehne warf.

„Oh pscht, es geht weiter.“ Rief sie dann und warf sich auf die Couch zurück.

„Darf ich?“ Er öffnete die oberen Knöpfe seines Hemdes und setzte sich neben sie.

„Oh ist die schön.“ Seufzte Salome ohne Eifersucht, voll kindlicher Bewunderung als eine der großen Hollywooddiven in einem traumhaften Kleid durch das Bild zu schweben schien.

„Von nahem hat die ganz viele Falten.“ Richard stupste ihre Nase an als sie ihn skandalisiert anstarrte.

„Sag das nicht. Du bist so böse.“ Regte sie sich auf, ihm leicht auf den Arm hauend.

„Was? Das stimmt aber.“ Er musste lachen als sie ihn strafend ansah.

Er erkannte mit Schrecken, dass sie den gleichen Illusionen wie die meisten Menschen erlegen war was die Filmindustrie anging.

Sah sie denn nicht dass all diese Menschen ein Leben hatten? Freunde und Verwandte?

Verstopfung? Hunger und Ängste?

„Das sind Menschen wie du und ich.“ Sprach er leise und sie lachte laut auf.

„Wie du, nicht wie ich.“ Lächelte sie und schmiegte sich in seine Umarmung die er fast automatisch anbot.

„Ach und ich bin anders als du?“ Er neckte sie gerne.

 

„JA, du bist erstens schon mal gewachsen als es Zeit dafür war.“ Lachte sie.

„Stimmt, du bist echt eine halbe Portion.“

Sie biss ihm scherzhaft in den Arm und lächelte dann weiter:

„Sicher doch bist du anders, du bist ein Mann, ein strahlender Stern der imaginären Welt, du bist ein verdammter Bösewicht und mein sehr geehrter Nachbar. Natürlich bist du anders als ich, ich falle in jedes Loch, stolpere über jeden Stein und führe alles in allem ein sehr lächerliches kleines Leben.“

Es machte sich manchmal etwas traurig zu wissen, dass er so berühmt und beliebt war und sie nur eine kleine rosarote Kugel Pech.

„Ach so…Ich denke du irrst dich. Ich gebe zu, dass deine Freundin Sue etwas verrückter ist als meine Freunde und dass dein Talent dich selbst zu verletzen legendär ist, aber ansonsten sind wir beide Menschen. Wir leben in der gleichen Straße, begegnen uns beim Spazierengehen und sorgen gegenseitig dafür, dass keiner von uns beiden verhungert. Und ganz ehrlich, ich bin hier, oder etwa nicht? Ich bin lieber nur der etwas verschrobene Nachbar einer schillernden Persönlichkeit als ein Stern an einem aufgemalten Himmel.“

Sie kicherte und das Geräusch ging ihm durch Mark und Bein.

Und dann hörten sie etwas murmeln.

 

„OH !@#...“ Salome sprang auf und holte ihr Handy.

„Sag mal was ist denn jetzt passiert und mit wem sprichst du da?“

Sue war außer sich und Salome biss sich verlegen auf die Lippe als Richard von der Couch rollte vor Lachen.

„Ich habe das Handy auf dem Tisch vergessen, sorry.“ Gab sie leise zu und erntete eine Schimpftirade von Seiten der Freundin.

„Und wer ist jetzt bei dir?“ – „Mein Nachbar ist wieder da.“

„Und wo war er bisher?“ – „Er hatte zu tun?“

Sue grummelte vor sich hin und Salome ließ einen Schwall liebevoller Worte über sie ergehen um sie zu besänftigen.

„Ist schon gut du taube Nuss. Ehrlich…Und was macht dein Nachbar bei dir? Er ist doch nicht dein Mitbewohner.“

Salome runzelte die Stirn, Sue hatte Recht, aber irgendwie kam ihr das ganze wie eine Jugendherberge oder wie ein Studentenwohnheim vor, wo man immer genauso viel Zeit bei seinen Nachbarn wie bei sich selbst verbrachte.

„Nein jetzt mal im Ernst, was für eine Beziehung hast du mit deinem Nachbarn?

Du bist in der Tat die einzige Person die ich kenne die sich mit einem Mann anfreunden will der sie in der Straße umwirft wie eine Mülltonne.“
„Er hat mich nicht umgeworfen und er ist in der Tat sehr nett. Und keine Ahnung, der Hund mag ihn.“

Das war wohl das dümmste Argument der Welt, dachte Salome und wünschte sich wie so oft nicht gesagt zu haben was sie doch gesagt hatte.

„Der HUND?“ Sue war ihrer feigen Ausflucht natürlich auf der Spur.

„Ach lass mich doch in Ruhe Sue. Kann dir ja egal sein was ich mit meinem Nachbarn anstelle oder nicht.“ Salome wurde muffig und sie wusste, dass es ungerecht war, aber sie hatte nicht genug Zeit gehabt sich selbst mit dieser Frage auseinander zu setzen und es ging ihr gehörig gegen den Strich, dass Sue ihr so schnell auf die Schliche gekommen war.

 

Richard schob ihr sein eigenes Handy unter die Nase und sie las nach Luft schnappend:

„Hey seid ihr nackt oder kann ich kurz vorbeikommen?“

Salome schüttelte stirnrunzelnd den Kopf und drückte damit mehr schlecht als recht aus, dass sie nicht wusste wer derart dumme Fragen stellte.

Richard ließ seine Zunge seitlich aus dem Mund hängen und formte mit den Händen Schlappohren, woraufhin Salome laut kicherte.

„Was macht ihr denn da?“ Sue wurde langsam nervös.

„Oh mein Nachbar ist ein Volltrottel.“ Seufzte Salome und schubste besagten Nachbar, welche sie zurückschubste.

„Ich habe das untrügliche Gefühl, dass er damit nicht alleine ist.“ Kommentierte Sue Salomes Quieken trocken.

Wieder schob Richard Salome sein Handy hin und sie las immer noch kichernd:

„Gut, denn ich stehe vor der Tür und es ist schweinekalt. Ich habe aber auch eine Überraschung für euch.“

Zeitgleich sprangen Salome und Richard auf, doch da seine Beine länger waren kam er als Erster schlitternd vor der Haustür an und riss sie mit Schwung auf.

„Das gibt es doch gar nicht, erst verschwindet Armitage und dann ist Macfadyen auch weg. Was läuft denn da? Terrorattacke? Aliens? Frauen?“ meckerte Sue in den Hörer.

Salome schnappte nach Luft, oh, sie wusste wo die alle hin waren.

Sie standen vor ihrer verdammten Tür, naja, Richard stand dahinter.

Gut, dass Sue nur Augen für die beiden hatte, denn ansonsten hätte sie vielleicht auch bemerkt, dass Hollywoods neuer Liebling Robert T. Pattinson ebenfalls verschwunden war.

„Ehm Sue, ich glaube ich muss dich jetzt lassen. Ich habe unverhofft Besuch bekommen.“ Krächzte Salome in den Hörer.

„Sag mal betreibst du ein Bordell bei dir zuhause?“

„Nein ein Kino.“ Wisperte Salome tonlos und legte einfach auf.


Kapitel 26 by MaggyMae
Author's Notes:
Warum Männer nie den Mund halten können

26.

Dann fauchte sie Matthew an bevor dieser überhaupt durch die Tür war:

„Wieso zum Henker sollten wir nackt sein?“

Der Mann kratzte sich ratlos am Kopf, Richard der Schurke hat ihr die SMS gezeigt, elender Verräter der er war.

„Ehm…Das war natürlich nur ein Scherz.“ Murmelte er kleinlaut.

„Ein Scherz? Sehr lustig, das könnte euch so gefallen. Dass der Kerl un soir de gala einfach mal seine Nachbarin entjungfert.“

Salome sah Matthew schmollend an, während drei starre Augenpaare sich durchbohrten.

Richard war nahezu ungehalten darüber, dass er wieder einmal ein Puzzlestück unterwegs verloren hatte.

Sie hatte klar und deutlich gesagt, dass sie bisher nicht allzu viel mit Männern am Hut gehabt hatte und jetzt war er doch überrascht, dass sie noch unberührt war.

„Was starrt ihr mich denn jetzt so seltsam an? Ich kann ja nichts dafür, dass Männer ihr Ding so gerne überall und immer zum Einsatz bringen. Männer und ihre Spielzeuge.“

Salome hob die Achseln ungerührt und ging einfach zurück ins Wohnzimmer.

Immer noch waren die Männer sprachlos, denn was sagte man zu einer Frau die über ihre Jungfräulichkeit sprach wie über ihre Schuhe?

„Ehm…“

Salome drehte sich um und lachte. „Oh Richard, lieber Richard, das ist kein Grund zu erröten, weder für dich noch für mich. Es ist nichts Religiöses und kein mittelalterliches Klischee der Reinheit. Es hat sich bisher nur noch nie jemand die Mühe gemacht mich zu entjungfern.“

„Na dann hätte es doch sein können, dass ihr nackt gewesen wärt, oder? So rein theoretisch?“ ereilte Matthew sich, der eine Chance hatte seine Glaubwürdigkeit zu rehabilitieren.

„Klar Klugscheißer.“ Salome knuffte ihn leicht in die Schulter und er hob sie kurzerhand hoch.

„Pass auf mit wem du dich anlegst kleine Frau.“ Knurrte er bedrohlich und löste damit einen Lachkrampf bei Salome aus.

„Oh ja, komm wir packen die Schwerter aus. Wenn wir schon beim Dirty Talk sind.“ Kicherte sie und Matthew ließ sie wieder runter.

„Du solltest bibbern vor Angst.“ Schmollte er gespielt.

„Oh, oh Himmel, oh nein, so rette doch jemand mich. Hach…“ Salome ließ sich theatralisch zu Boden sinken und krabbelte rückwärts bis sie gegen die Wand stieß.

„À l’aide! Au secours!“ seufzte sie und schlug sich den Handrücken gegen die Stirn.

„Zwei Greise und ein Halbwüchsiger trachten mir nach dem Leben. Gelobte Mutter Gottes steh mir bei in dieser schwarzen Stunde.“

Ihre riesigen Augen wurden immer größer und dunkler, ihre Lippen bebten eindrucksvoll und eine einzelne Träne rann an ihrer bleichen Wange herab.

„Mann, du wärst eine gute Schauspielerin geworden.“ Matthew lachte, doch es dauerte einige Sekunden bis Salome wieder sie selbst war.

„Nein, ich kann mich nur sehr gut selbst belügen. Also andere Menschen nicht, nur mich selbst. Und ich finde Schwerter, Kurzschwerter, Säbel, Gladii halt sehr gruselig.“

Salome wischte sich schnell über die Wange und schüttelte sich kurz.

 

„Eine Frau sollte nie einen Mann in ihr Bett lassen vor dem sie keine Angst hätte wenn sie ihn nicht wollen würde und ein Mann sollte niemals eine Frau wählen vor der er tatsächlich Angst hat wenn sie unter ihm liegt. So bleibt das Leben spannend.“ Lächelte Salome.

Oh ein Teil ihrer selbst war tatsächlich Russin, die Russen vor der Sowjetunion und vor dem kalten Krieg. Die Russen der Märchenwelt der Zaren, einer Welt voll Intrigen, Lust und Angst.

Die Männer sahen sie verwirrt an.

„Hattest du denn nie einen Freund?“

Salome sah Richard unsicher an: „Warum fragst du mich das? Ich bin keine 40 Jahre alt, denk daran, es ist nicht schlimm in meinem Alter noch nie mit einem Mann geschlafen zu haben, oder? ODER?“

Unsicherheit machte sich in ihr breit, denn vor ihr standen drei Männer die verdächtig wie das jüngste Gericht aussahen.

Salome war in einem Haus aufgewachsen in dem Männer ein und ausgingen, sie fürchtete sich nicht vor Männern, aber sie…war ein Kind.

Ihre Mutter hatte sie absichtlich ein Leben lang wie ein Kind behandelt aus Angst vor der jüngeren Nebenbuhlerin und ihr Bruder hätte sie am liebsten in einem Kloster gesehen, nur Sue hatte sie öfters animiert sich einen „jeune homme“ zu suchen, liebte sie aber zu sehr um ihr zu sagen, dass etwas nicht mit ihr stimmte.

„Nein, nein, es ist nicht schlimm, aber ungewöhnlich.“ Richard sah die Aufruhr auf ihren weichen Zügen, sah die Erkenntnis und die Angst vor dem Anderssein.

Wieso hatte er seinen dummen Mund denn nicht halten können.

 

„Ich hatte mal einen Freund.“ Rief Salome fast verzweifelt.

„Aber es war nicht…nun ja…so. Er sah mich gerne an und das war’s. Wir haben oft lange geredet über Philosophie und die Welt, über Politik und Biologie…Oh mein Gott, das klingt bescheuert nicht wahr? Das ist das Letzte was ein junges Mädchen mit seinen Nächten anfangen sollte. Oh verdammt.“

Salome schlug sich die Hände vors Gesicht in schluchzender Scham.

„Oh Salome, Lola, es tut mir leid.“ Richard schlang seine Arme um sie, stützte sie, las in ihren Augen die ganze Geschichte eines Mädchens dem niemand erlaubt hatte erwachsen zu werden.

Sie zitterte wie eine Blüte im Herbstwind, zu spät aufgegangen und fröstelnd vor dem nahenden Winter.

Er betrachtete sie mit gläubiger Andacht, dachte an die Vampire die niemals alterten und an die heilige Jungfrau die durch die Jahrhunderte ihr jugendliches Aussehen erhalten hatte.

Sie war so weich und anschmiegsam, so gehorsam und doch so willensstark, sie war wie ein prasselndes Kaminfeuer ein Heimchen im Herzen und eine Flamme im Innern,

„Halt mich und vertreib die Nacht.“ Wisperte sie an seiner Brust, an seinem Herzen und er verstand, dass in ihr all die Kinderängste noch lebendig waren, die Angst vor der Dunkelheit, die Angst vorm Alleinsein und er fragte sich wann er zu einem alten Mann geworden war der vergessen hatte wie es war seine Augen erst dem Leben gegenüber zu öffnen.

Sie sah auf und in seinen Augen fand sie den Tag der niemals verdunkelte und den Sommer der niemals endete, sie sah die Jahre die nicht spurlos an ihm vorbeigegangen waren sondern ihn poliert und geprägt hatten wie die vielen Hände die einen Gebetstein hoffnungsvoll berührten.

All ihre Kindererinnerungen verblassten und fanden sich in seinem Blick wieder, die Tage der lustigen Spaziergänge unter einem Sommerhimmel und die Nächte unter einer wärmenden Decke wenn der Wind Geschichten erzählte.

Er war der Meilenstein auf dem Weg ins Leben einer Erwachsenen und er war das Ziel ihrer langen Pilgerfahrt.

Ihre Hände glitten an seinen Armen entlang, Arme die stark genug waren den Ballast ihres noch nicht ganz abgeworfenen Kokons zu tragen, Arme die schützten wenn die Nacht mit tausend Krallen um sich griff, Arme denen sie vertraute.

Er war nichts von all dem was sie sich ausgemalt hatte und doch war er alles was sie sich insgeheim gewünscht hatte, sie hatte es nur nicht gewusst.

Bilder von ihm tapezierten ihren Geist wie alte Fotos einer Zukunft die schon Vergangenheit war und sie wusste, dass wenn sie ihn nicht halten konnte, sie ihn nicht wiederfinden würde, dass ihre Zeit als Erwachsene, als gestandene Frau die Zeit seines Alters, seiner Ruhe sein könnte.

Und sie würde ihn nicht halten können, denn sie hatte kein Recht auf ihn.

Der Schmerz zerriss sie von innen nach außen, grub ein tiefes Loch in ihr unberührtes Herz und ohne es zu wissen war Richard der Erste der dieses hauchfeine Netz der Kindheit um sie herum beschädigte als ihr Herz mit einem lauten Klatschen zu seinen Füßen landete.


 

Kapitel 27 by MaggyMae
Author's Notes:
Ok hier kommt Salomes Krise damit ihr morgen genug Zeit habt schon Kommentare abzugeben :)

27.

Salome riss sich zusammen, setzte neuen Tee auf, doch ihre Hände zitterten und sie biss sich auf die Lippe.

Sie war ein törichtes Weibsbild und das hatte sie nun davon, sie war eine verdammte Jungfrau und auf einmal wog dieses nutzlose Stück Haut Tonnen.

Wütend krallte sie ihre Fingernägel in ihre eigenen Handflächen und betete um Geduld und etwas Kraft, sie hatte immerhin den Tod des Vaters und die Heirat der Mutter überlebt.

3 Jahre der Einsamkeit in der sie wie Aschenputtel behandelt wurde und wie die Stiefschwestern lebte, 3 Jahre in denen sie weiterhin nur ein Kind gewesen war, Opfer einer Welt der Männer.

„Krieg dich wieder ein.“ Murmelte sie sich leise zu und maß den Tee derart exakt ab, dass sie sich selbst nicht mehr erkannte.

Sie sprang mit 2 Füßen und geschlossenen Augen in jedes Abenteuer welches das Leben ihr zu bieten hatte und wenn es ihr Schicksal war jetzt, gerade jetzt wo sie endlich frei war sich irgendwie wieder an einen Mann zu binden der nichts für sie übrig hatte, dann sollte es so sein.

Sie würde nicht daran sterben, das schwor sie sich.

Wie oft hatte sie Freundinnen weinen sehen weil ihr Schwarm sie nicht auf den Ball eingeladen hatte? Die meisten von ihnen waren heute verheiratet oder zumindest in einer festen Beziehung und dachten nicht mehr an den pickligen Jüngling der es gewagt hatte sie zu verschmähen.

Salome aber, die kindlich liebenswerte Salome, Salome die Unbeschwerte, Salome die Unnahbare, hatte das alles verpasst, weil es doch so viele Bücher zu lesen, so viele Bäume zu erklimmen und so viele Freunde zu trösten gab.

Gregori hatte vielleicht nicht Unrecht, dachte sie bitter, sie wäre gut im Kloster gewesen wenn es doch nicht so schrecklich still und ernst zugegangen wäre.

 

Und dann brach die wahre Salome durch die Verzweiflung.

Sie schmiss den Männern den Tee nahezu auf den Tisch, verschwand und kam ganze 20 Minuten lang nicht zurück.

„Irgendetwas stimmt nicht mit deiner Nachbarin.“ Murmelte Robert unsicher und sah immer wieder zur Tür durch die sie gerade gerauscht war.

„Sie ist aufgebracht und wie ich sie kenne wird sie gleich etwas unglaublich Dummes tun.“ Murmelte Richard zurück und wartete.

Wartete.

Wartete.

Und dann kam Salome zurück und sah nicht mehr wie Salome aus.

Sie trug das Streifenkleid, das ihren Körper nur dürftig verhüllte wie erwartet, 15 cm hohe Absätze und war geschminkt.

Eigentlich sollte sie aussehen wie eine lächerliche Schlampe, aber das tat sie nicht.

Nicht im Geringsten, wie Richard schluckend feststellen musste.

Ihr Haar lockte sich verführerisch um ihren weißen, nackten Hals und ihre Lippen glänzten feucht und einladend.

„Ihr hattet eure Stunde des Ruhmes. Ich gehe aus. Wenn es euch ja so schockiert, dass ich ein kleines Mädchen bin, tja, das lässt sich ganz einfach ändern.“

Sie war nicht wütend auf die Männer, sie war wütend auf sich selbst und diese dunkle, böse Ader in ihr ließ sie nur sehr selten zum Vorschein kommen.

Es war diese Fehlbildung in ihrer Natur die ihre Ausraster verursachte und ihre seltene Kampflust, aber sie war da, unter der freundlichen Geselligkeit ihres Vaters und ihrer überaus langen Kindheit schlummerten die Neigungen ihrer Mutter, die tatsächlich eine Blutsverwandte Rasputins war.

„Salome, come on, das ist doch nicht dein Ernst. Du kannst doch so nicht rausgehen.“ Versuchte Richard sie umzustimmen.

„Wieso nicht wenn ich Fragen darf? Auch wenn ihr das bisher zu übersehen scheint, aber ich bin erwachsen und ich bin eine Frau und ich habe das gleiche Recht mir zu nehmen was mir gerade in den Kram passt wie alle Andern. Gute Nacht.“

Sie küsste den Hund auf den Kopf und wandte sich hüftenschwingend der Tür zu.

 

Richard kniff der Kragen seines Hemdes als er ihr nachlief.

„Das da bist nicht du.“ Rief er und Salome, eine Hand bereits auf der Klinke, sah ihn fast mitleidig an.

„Wieso? Du siehst dir in deinen schicken Klamotten auch nicht wirklich ähnlich Kleiner.“

Sie fletschte die Zähne die strahlend weiß zwischen diesen rosaroten, feuchten Lippen aufblitzten.

„Hat sie überhaupt einen Wagen?“ Matthew tauchte hinter Richard auf und beide schnappten nach Luft als Salome sich auf ein Motorrad schwang, es anschmiss und davon rauschte.

„Sie fährt Motorrad.“ Seufzte Richard, immer wieder und immer noch von der kleinen Salome überrascht.

Obwohl sie gerade nicht die kleine Salome war, sie war in dieser Sekunde die russische Prinzessin oder die französische Zigeunerin oder irgendein anderer Vamp.

Er konnte nicht verstehen wie eine Frau sich hilfesuchend an einen Mann schmiegen konnte und keine Stunde später angezogen wie eine professionelle Tänzerin auf einem verdammten Motorrad abrauschen konnte.

Salome war ihm von vorne bis hinten ein Rätsel.

 

Salome war sich selbst im Moment ein Rätsel, sie hasste es wenn ihr Blut rauschte und sie ihre eigenen Gedanken nicht mehr hören konnte, aber sie war einfach kein Mensch der nachdachte bevor er handelte.

Ihr Instinkt trieb sie in die Nacht, sie wollte schreien vor Verzweiflung und deshalb würde sie singen, sie wollte sich gegen diese unsichtbaren Fesseln wehren und deshalb würde sie tanzen.

Sie würde zurück in ihre Jugend gehen und sich von irgendeinem Fremden auffressen lassen, sie würde ihm geben was nichts mehr wert war in dieser Zeit und endlich völlig frei sein.

Sie hatte es so satt das gute Kind zu sein, die süße Salome um die sich alle sorgten weil sie so unvorsichtig war aber die niemand mitnehmen wollte wenn es brenzlig wurde.

Die Gefahr schmeckte metallisch wie Blut und süß wie Honig auf ihrer tauben Zunge als sie ohne Helm über die dunklen Straßen Londons rauschte, frei wie ein Vogel, schnell wie ein Pfeil.

Heute Nacht würde sie die Frau sein die sie geworden wäre wenn ihre Familie sie nicht vom fliegen abgehalten hätte.

Sie stieg ab und betrat die erstbeste Spelunke und hatte das Glück, dass es eine Open-Mic Nacht war. Sie schnappte sich das Mikro und begann „Le blues du businessman“ weil es so leidenschaftlich war wie sie sich fühlte. Sie wollte keine Liebeslieder singen, sie hatte keine Liebe in sich in dieser Sekunde.

Sie dürstete nach Blut, nach Gift, nach Schweiß, wollte einen Mann in ihrem Mund schmelzen lassen, wollte ihn mit ihren Gliedern umschlingen und jedes Mal als sie das Gesicht ihres Nachbarn vor ihrem inneren Auge sah, sang sie lauter, höher davon, dass sie so gerne ein Artist, ein Sänger, ein Schauspieler gewesen wäre.

Sie wollte aus ihrer Haut und sie würde jemanden finden der diesen ganzen Schmerz von ihr abreißen würde, zusammen mit den Kleidern, zum allerersten Mal.

Die Menge tobte, sie hatte die Stimme eines Engels, sie hatte das Gesicht einer Sünderin und sie ging zu „Je suis malade“ über, ließ ihre Seele ihren Körper verlassen.

Ja es stimmte, sie war so müde so zu tun als wäre sie glücklich, sie wurde von seinem Gesicht verfolgt und so kippte sie den Whiskey den man ihr spendierte in die brennende Kehle in der die Angst der Kindheit mit der Lust der erwachenden Blüte um die Tränen kämpften die ihre Augen trübten.

Und dann sah sie ihn, einen dieser Männer die man überall sah, leicht ungepflegt, leicht traurig, zu alt für diese Welt, zu erschöpft für diese Nacht und sie wusste, wenn niemand sie aufhielt würde sie diesem Suppenkasper den Rest ihrer Kindheit opfern.

Die Noten lösten sich aus ihrem Körper und die Tränen aus ihren Augen.

Kapitel 28 by MaggyMae
Author's Notes:
Rettung oder Verrat?

28.

Raphael sah der Frau lange zu, kein Zweifel, sie konnte singen, richtig singen, sie sollte auf einer Opernbühne stehen und nicht in einem kleinen schäbigen Pub.

Ihm entging aber auch nicht, dass heiße Tränen ihr Gesicht mit tausend Lichtern überzogen.

Was brachte so eine klasse Frau hierher? Und was suchte sie in dieser gottverlassenen Nacht?

Ihr Busen hob und senkte sich, gebar die Noten mit Leichtigkeit und er spürte, dass er sie begehrte, spürte ihre dunklen Augen auf seinem Gesicht und lächelte.

Das war also der Grund wieso sie hier war, sie suchte nach einem Mann, nach einem Fremden ohne Namen und ohne Zukunft.

Aber Raphael war vorsichtig, das Armband das sie trug war aus purem Gold, da war er sich fast sicher und das Kleid hatte sie nicht in irgendeinem Discounter gekauft.

Augenscheinlich war sie schnell und unbesonnen aus dem Haus gegangen, also hatte sie sich nicht die Mühe gemacht reicher auszusehen als sie war und er erkannte, dass dies kein leichtes Mädchen war.

Wahrscheinlich war es sogar das erste Mal, dass sie so ausbrach.

Sein Blick glitt über die weichen, gerundeten Wangen und die dunklen, traurigen Augen.

Sie war jung, dachte er, vielleicht sogar unter 20, vielleicht sogar noch minderjährig, was ihre offensichtliche Aufregung erklärte.

Ein Teenager der von zuhause ausgebüchst war unter Umständen?

Sie sang Song um Song, ohne müde zu werden und auch wenn sie jetzt tatsächlich weinte, verlor ihre Stimme nie den Ton.

Raphael zog an seiner Zigarette und schüttelte den Kopf.

Er würde sie nach Hause bringen müssen, er konnte sie nicht nehmen auch wenn es anscheinend das war was sie wollte, denn sie kam geradewegs auf ihn zu.

 

Als sie vor ihm stand erkannte Raphael, dass sie keine Minderjährige war.

Ihre Augen waren müde, gepeinigt und ernst und ihr Mund war weich und viel zu voll um einem Kind zu gehören.

„Wie alt bist du Kleines?“ fragte er vorsichtshalber doch nach.

„23, wieso?“ Sie wusste, dass er ihr nicht glauben würde und schob ihm ihren Ausweis recht unsanft ins Gesicht.

Die Lady war nicht nur etwas aufgebracht, sie war komplett durch den Wind und sie würde sich oder Andern wehtun wenn er sie nicht davon abhielt.

„Kleines, ehrlich. Was machst du hier? Du gehörst hier nicht hin.“

Salome hatte es satt Kleines genannt zu werden, sie hatte es satt sich behandeln zu lassen als wäre sie nicht viel mehr als ein verwirrtes Kind also fragte sie provozierend:

„Na Großer, liegt bei dir. Willst du oder willst du nicht?“

Innerlich zuckte sie zusammen, gleich würde er ihr sagen, dass er ein Cop war und sie wusste nicht wie sie ihm beweisen sollte, dass sie keine Hure war, weil genau so hatte sie gerade geklungen.

„Missy, du weißt gar nicht was du da tust.“ Raphael fuhr sich nervös durch die Haare, denn sie war schon ein heißer Feger.

Ihre Haare ringelten sich feucht um ihren Nacken und ihr Mund war leicht geöffnet, er konnte sie riechen, Whiskey und Frau, sie war bereit, er konnte es spüren.

Und doch wurde er das Gefühl nicht los, dass sie etwas verdrängen wollte, dass sie etwas entkommen wollte und dass er sich an ihr schuldig machen würde.

Auch wenn es für einen Mann der seine ganze Zeit in schäbigen Hinterhöfen und Pubs verbrachte nicht ganz typisch war, war Raphael ein gottesfürchtiger Mann und er spürte die Versuchung des Teufels, seinen Bann an dieser Frau die anbot was sie nicht zu geben hatte.

Etwas an ihren Zügen war seltsam, sie war nicht von hier, ihre Augen waren zu exotisch, ihre Haut zu golden.

Salome Anne Praskovia, das hatte auf dem Ausweis gestanden, sie war eine Ausländerin, möglicherweise war sie ja auch eine Zigeunerin und eine heilige Angst überkam ihn.

Er würde diese Taube die ihr Nest zu früh verlassen hatte retten, er würde seine Seele von all den Sünden reinigen indem er Gott eins seiner reinsten Kinder zurückbrachte.

Raphael kannte Prostituierte, war der Sohn einer solchen und hatte so viele gesehen und bestiegen in seinem Leben, dass er eindeutig erkannte, dass diese Frau keine war.

 

Ihre Augen waren geweitet, ängstlich und doch gierig und die Hand die sie auf seinen Schenkel legte war zögerlich und kalt.

Salome hatte Angst, sie hatte Angst vor dem Moment in dem sie aufhören würde die zu sein die sie kannte und anfangen würde die zu werden die sie schon begraben hatte.

Aber dieser Sturm in ihren Adern wollte sich nicht beruhigen, das Meer tobte in ihrem Kopf, wild und unbezähmbar und sie vergaß ihren Namen als ihre Hände zu zittern begannen.

Sie drängte diesen unberührten Leib gegen seine Handflächen und er seufzte, seufzte vor Sehnsucht und Angst, denn er hatte noch nie diese wilde Leidenschaft in den Augen einer Frau gesehen die ihm seine Identität raubte.

Er war nicht länger Raphael, er war nicht länger der Sohn einer Hündin, er war ein Mann, ein Körper in der Nacht und vielleicht war sie ja auch ein Geschenk des Himmels.

Er umarmte sie und genau in dem Moment in dem er seine Lippen auf diesen verheißungsvollen Mund senken wollte, als er alles annehmen wollte was sie so freigiebig anbot, traf ihn eine Faust mitten ins Gesicht.

 

„Wir müssen ihr nach.“ Richard verstand nicht wie die beiden Andern so ruhig bleiben konnten.

„Sie ist nicht deine Freundin.“ Matthew sagte das vorsichtig und wurde doch mit einem so bitterbösen Blick bedacht, dass er nur mit Mühe standhalten konnte.

„Das ist egal, sie ist meine Freundin, eine Freundin, egal und sie wird sich zu Grunde richten wenn wir sie nicht aufhalten.“

Matthew fragte sich ob er nicht sah, dass er das gleiche tat wie ihre Familie zuvor, dass er sie vor Fehlern beschützen wollte die sie machen musste.

„Du verstehst nicht. Sie findet den bösartigsten Menschen auf der Welt, sie könnte verletzt werden. Ihr erstes Mal sollte schön sein, sie sollte nicht in einer schmutzigen Absteige liegen und weinen, nicht wissend wo sie ist und wie sie nach Hause kommt.“ Richard war außer sich und er spürte, dass er bald vor Verzweiflung heulen würde wenn die beiden Andern sich nicht bewegten.

„Das würde sie nicht tun.“ Robert glaubte an den gesunden Menschenverstand.

„Du hast sie gesehen, hast du je etwas Derartiges gesehen?“ Richard schrie und merkte es nicht einmal, weil die Andern nicht mit der Wimper zuckten.

„Nein…“ Robert sah ihn dumm an, fragend, nicht verstehend was der Mann vor ihm meinte.

„Richard, ich bin mit dem Auto hier…Komm.“ Matthew stand auf, ließ die Jacke Jacke sein und die Schuhe Schuhe.

Er zerrte den Freund einfach aus der Wohnung und Robert folgte ihnen notgedrungen.

Während der Fahrt schwieg Richard eisern und Robert wagte es nicht einmal zu sprechen bis er das Motorrad sah, schief eingeparkt und verlassen.

Matthew hatte den Motor noch nicht einmal aus als die beiden Andern schon das Auto verließen wie Ratten das sinkende Schiff.

Und sie fanden Salome, sie schmiegte sich auf eine recht offensichtliche Art und Weise an einen Mann den sie nicht kannte und der eindeutig die Angst des Jahrhunderts hatte vor so viel Hunger und so viel Verlangen nach mehr als seinem Körper.

Sie sprach, schnurrte auf den Mann ein und seine Abwehr ließ nach, er verfiel der lockenden Weichheit ihrer Lippen und dem einladenden Busen der sich an seine abwehrend ausgestreckten Hände schmiegte.

Als er sich zu ihr beugte um diesen Mund in Besitz zu nehmen den er noch vor Stunden selbst geküsst hatte, gingen bei Richard einfach die Lichter aus, er hechtete durch die Menge die auseinander stob, respektvoll vor seinem großen Leib und schlug den Mann mit einem wohlgezielten Schlag einfach nieder.

„Richard?“ Salome blinzelte verwirrt.

„Richard wieso bist du in Socken hier?“ wisperte sie dann und am liebsten hätte er sie auch niedergeschlagen, aber er warf sie einfach nur schnell und schmerzlos über die Schulter und schleppte sie im wahrsten Sinne des Wortes ab.

Kapitel 29 by MaggyMae
Author's Notes:
Kleines Schmunzel-Kapitel

29.

 Salome hätte vor Wut und Scham heulen mögen, doch stattdessen trommelte sie unnachgiebig auf den Rücken ihres Nachbarn und Peinigers ein.

Der gerechte Zorn und die Erniedrigung löschten ihre Kenntnis der englischen Sprache aus und als sie seinen Namen brüllte klang er wie die Beschwörungsformel einer wahren Hexe mit scharfen Konsonanten und langen, flüssigen Vokalen.

„Du Schuft, du Bösewicht, du verachtenswerte Kreatur.“ Skandierte sie rhythmisch und brachte ihn damit zum Lachen. Er hatte in seinem Leben viele böse Männer verkörpert, war schon oft beschimpft und geschlagen worden vor der Kamera und so machte ihr kleiner Wutausbruch ihm nicht allzu viel aus.

„Also gerade jetzt machst du Guy alle Ehre.“ Matthew grinste und Salome blickte ihn finster an während sie immer noch auf Richard einschlug.

Allerdings war ihre Neugier so mächtig, dass sie aufsah.

„Du gemeiner barfüßiger Hund wirst es doch nicht wagen ihn in der Entführung eines jungen Mädchens zu unterstützen, oder? Oh warte wenn ich dich in die Finger bekomme. Und welchem Kerl soll er EHRE machen?“
Matthew grinste immer noch als er antwortete:

„Nicht doch Miss, ich würde mir niemals anmaßen einem derart verkommenen Menschen meine Unterstützung zuzusprechen. Seien Sie versichert, dass Guy ein ganz abscheuliches Individuum ist.“

Er hob zum Beweis seines guten Willens friedlich die Handflächen und zuckte zurück als Salome ihre Kiefer zuschnappen ließ als wolle sie ihn auf der Stelle verschlingen.

 

„Ich will doch nur dein Bestes.“ Richard wagte es nicht sie abzusetzen, fühlte aber auch die kalte Feuchtigkeit die ihm durch die Socken sickerte und seine Beine hinaufkroch.

„Ihr Bastarde.“ Schrie Salome und knurrte wie ein mittelgroßer Chihuahua.

„Komm schon Salome.“ Matthew wagte es nicht sich näher an die Furie heran zu wagen, versuchte jedoch sie zu besänftigen.

„Nein, nein, keine netten Worte. Für wen haltet ihr euch eigentlich?“ Salome keifte immer noch und spottete dann:

„Ihr tragt nicht einmal Schuhe, denkt ihr wirklich ihr müsstet hier den Helden raushängen lassen?“

Matthew zuckte mit den Achseln und strich ihr sanft über den Kopf.

„Oh Salome…“

„Sie haben sich nur Sorgen gemacht.“

Salomes Blick durchbohrte Robert wie eine Stecknadel einen Schmetterling.

„Was hast du damit zu tun Blutsauger?“ fauchte sie und er wich erschrocken zurück.

 

Eigentlich verstand er die Welt nicht mehr.

Richard war auf ihn zugekommen und sagte ihm er will ein Autogramm für seine Nachbarin und genau wie Matthew hatte er an eine ältliche Dame gedacht.

Der Abend war langweilig gewesen und als Matthew abhauen wollte hatte er sich einfach drangehängt, aber als dieser Meilenstein des nationalen Fernsehen verkündete er wolle diese Nachbarin noch besuchen hatte sich der junge Mann doch Fragen gestellt.

Vielleicht war Nachbarin ja nur ein Code für Puffmutter oder so?

Vor der Tür war er nervös gewesen, immerhin tauchte man nicht jeden Tag vor der Tür einer fremden Frau auf, aber da Matthew entspannt war, schien es sich dabei nicht um eine Terroristin oder zu handeln.

Ganz und gar nicht.

Die Tür hatte sich geöffnet und eine schnaubende Schönheit tauchte im Rahmen auf.

Ah da war ja auch schon Armitage, der hinter der Tür gestanden hatte.

Roberts Gedanken hatte einen Satz gemacht und er fühlte sich als wäre sein Gehirn in einer Waschmaschine gelandet.

Tatsächlich war die vermeintliche Nachbarin nicht im Geringsten ältlich, sie war jung, jünger als die beiden Andern, vermutlich sogar jünger als er selbst.

Ihre Haare waren etwas zerzaust und sie sprach mit militärischer Schnelligkeit in ihr Handy, bellte einer Freundin etwas zu, zögerte nur eine Sekunde als sie ihn sah und verabschiedete sich dann schnell.

Irgendwelche Gedanken waren hinter der hohen, weißen Stirn vorgegangen, doch wie so oft hatte er Frauen nicht verstehen können.

Sie war in der Küche verschwunden und als sie wiederkam loderte der Vorbote ihrer momentanen Wut in ihren dunklen Augen.

 

Robert verstand nicht wie dieser vermeintlich ruhige Abend so aus dem Ruder hatte laufen können, aber er hatte mit eigenen Augen gesehen wie die weiche Nachbarin sich in eine femme fatale verwandelt hatte und dann abgerauscht war auf dem verdammten Motorrad das jetzt neben ihm stand.

Er hatte bereits wütende Frauen gesehen, aber die hier war mehr als nur verstimmt und doch suchten ihre Hände nur Richard aufzuhalten, ihn zu strafen, nicht aber ihn ernsthaft zu verletzen.

Sie fühlte sich erniedrigt, aber nicht bedroht, sie schien das Gefühl seines Körpers zu kennen und sie schlug niemals in die Richtung seines Kopfes oder seines Nackens, sondern trommelte lediglich auf die Stellen ein die durch seine Muskeln gut geschützt waren.

Ihm fielen die wortwörtlichen Schuppen von den Augen, sie mochte ihn, kannte ihn und das war der Grund wieso er den Kopf verloren hatte.

Robert hatte nicht den kleinsten Schimmer was diese Frau mit diesen Männern verband, aber anscheinend waren sie zumindest Freunde, denn er hatte die ehrliche Sorge und die Panik in den so ruhigen Augen des großen Richards gesehen und allein der Fakt, dass zwei der wirklich Großen ohne Schuhe aus dem Haus gestürmt waren um diese Jungfrau in Nöten zu erretten sagte ihm, dass sie ihnen nicht gleichgültig war.

Nein, dachte Robert bestimmt, diese Frau hatte keine Angst vor ihm, sie beschimpfte ihn mit einer Leidenschaft die ihm das Gefühl vermittelte, dass sie nichts von dem was sie sagte wirklich so meinte und da Richard stoisch schwieg und das hysterische Frauenzimmer nicht wie einen hohlen Baumstamm von sich schleuderte, war dies eigentlich eine eher komische als gefährliche Szene.

„Es tut mir leid, ich wollte mich nicht einmischen, aber die beiden haben sich wirklich Sorgen gemacht. Ich bin übrigens Robert.“

Er streckte ihr vorsichtig und misstrauisch die große, feingliedrige Hand hin und war sprachlos als sich ein zuckersüßes Lächeln auf ihren Zügen ausbreitete.

„Salome.“ Sprach sie mit einer warmen, wohlmodulierten Stimme und schüttelte seine Hand als säße sie auf einem bequemen Ottomanen.

Sie hatte mittlerweile aufgehört zu trommeln und zu strampeln und auch wenn ihr Busen durch die etwas gewöhnungsbedürftige Position aus dem Kleid herausgepresst wurde und ihre Stimme etwas atemlos klang, war sie die perfekte Lady, freundlich, höflich und ruhig.

„Ah sie ändert ihre Stimmungen wie der Wind seine Richtung.“ Matthew klopfte Robert leicht und aufmunternd auf die Schulter und lächelte die kleine Frau dann freundlich an.

„Lass uns nach Hause gehen, ein Brettspiel spielen…“ schlug er vor.
„Strippoker?“ Sie lächelte süß…und rasiermesserscharf.
„KEIN Poker für dich junges Fräulein.“ Knirschte Richard unter ihr.

„Stripmonopoly? Strip-Trivial Pursuit?“ fragte sie fröhlich weiter und Robert wurde das Gefühl nicht los, dass sie verlieren würden und diese kleine Königin um den Besitz ihrer Unterwäsche und die Erhaltung ihrer Ehre anflehen müssten.

„Meinetwegen.“ Richard klang immer noch schlecht gelaunt und als Salome sich so verdrehte, dass sie ihm einen feuchten Schmatzer in den Hals drücken konnte, sah er aus als würde er sich die Haare am liebsten Einzeln mit einer Nudelzange ausreißen.

Bevor sie sich allerdings auf den Weg nach Hause machen konnten, fuhr ein Polizeiauto vor und ein junger Mann stieg aus.

„Freeze.“ Rief er laut und hob seine Dienstwaffe.

„War ja klar.“ Murrte Richard, während Salome leise kicherte.

Kapitel 30 by MaggyMae
Author's Notes:
Salome vs. die Polizei

30.

„Geht es Ihnen gut Miss? Der Besitzer dieser Bar hat gerade angerufen und berichtet, dass eine junge Frau von einem gefährlich aussehenden, bärtigen Mann gewaltsam entführt worden sei und dass besagter Mann von 2 anderen Männern begleitet sei. Handelt es sich dabei um Sie?“

Salome rollte mit den Augen und sprach:
„Sehe ich für Sie aus wie ein Wildschwein? Oder wie ein Hafersack? Oder wie ein Neandertalerweib? Nein? Dementsprechend geht es mir dann auch.

Und ist der hier unter mir bärtig? Und sind diese beiden Männer?

Und vor allem sehen sie hier noch andere Frauen die eindeutig gegen ihren Willen verschleppt worden sind?“
Der Polizist schwitzte unter seiner Uniform, er hasste Ironie weil er sie nur selten verstand und doch wusste er, dass diese Frau gerade Ironie angewandt hatte, oder zumindest glaubte er das.

„Ehm, ich muss Sie bitten die Frau freizulassen Sir, weil ansonsten muss ich auf sie schießen. Miss würden Sie mir bitte aufs Revier folgen. Außer Sie sind zu erschöpft.

Ich muss die drei Herren auch in Gewahrsam nehmen. Kann jemand Sie abholen Miss?“
Er leierte die Prozedur wirr und nervös runter.

Richard machte keine Anstalten Salome runter zu lassen, denn mit ihrem Glück wäre sie noch gefallen und hätte sich das Genick gebrochen.

„Sir, ich bitte Sie erneut Ihre Geisel loszulassen, ansonsten muss ich Sie erschießen.“
Er entsicherte den Revolver und Salome riss sich los, ging furchtlos auf ihn zu, sicherte die Waffe wieder und steckte sie in das dafür vorgesehene Halfter.

„Machen Sie sich doch nicht lächerlich. Sie werden Richard doch jetzt nicht erschießen.“ Lächelte sie grimmig.

„Miss? Kennen Sie den Mann?“

„Why, yes. He’s my neighbor.“ Sprach sie etwas verwundert und dem Polizisten rutschte der Kiefer automatisch runter.

 

Kevin Riley hatte die Polizeischule besucht, weil sein Vater und sein Großvater schon Polizisten gewesen waren und das einfach Tradition war.

Aber dass sein erster Einsatz so ein Chaos sein würde, hätte er niemals erwartet.

Das Opfer schien weder verwirrt noch verängstigt, ganz im Gegenteil, sie war scharfzüngig und geistesgegenwärtig und allein diese Tatsache machte ihn unsicher.

Der Angreifer war erstaunlich groß, genau wie die beiden Männer die bewegungslos neben ihm standen.

Würde er es mit allen dreien aufnehmen können?

Er bat den Mann die junge Frau freizugeben, doch als er die Waffe mangels einer positiven Reaktion entsicherte kam ihm das Opfer entgegen und schalt ihn.

Im Ernst, sie schalt ihn dafür, dass er sie retten wollte.

Und sie kannte ihren Angreifer, der ihr Nachbar war.

Was ging denn hier vor?

Er hob die Taschenlampe und wäre fast in Ohnmacht gefallen. Kreuzdonnerwetter.


Richard blinzelte gegen das grelle Licht an das aus einem schwarzen Zylinder kam, ah ja, es war eine Taschenlampe und nicht der Mond der gerade explodiert war, dachte er verwirrt.

Musste das denn wirklich jetzt sein?

Wie hatte er es nur wieder geschafft sich in eine solche Situation zu bringen?
Salome stand etwas seitlich und sah das fassungslose Gesicht des jungen Beamten.

Erst jetzt wurde ihr bewusst wie schrecklich gefährlich das hier für die Karrieren der Männer sein könnte, allein das Gerücht, dass sie einer Frau Gewalt angetan hatten könnte sich als fatal erweisen.

Sie hatte doch nie um Polizei gebeten, es war doch alles wieder gut oder?

Salome war alles außer einem Feigling und sie würde die Suppe die sie sich und den Andern eingebrockt hatte auch wieder auslöffeln, schwor sie sich und ging entschlossen auf den Polizisten zu bis ihre Brust die Seine berührte.
„Mir geht es gut, ich muss aber mit Ihnen sprechen.“ Wisperte sie sinnlich und legte ihre Hand auf seine Schulter.

 

„Ich besorge Ihnen ein Autogramm wenn Sie es einrichten könnten niemandem gegenüber verlauten zu lassen wen sie genau hier vorgefunden haben.“

Kevin schwitzte, die kühle Feuchtigkeit rann ihm die Wirbelsäule entlang.

Diese Sirene hatte es geschafft sich von 3 Stars entführen zu lassen und vielleicht war das ihr Plan oder sie hatte einen Komplizen, aber das konnte doch nicht sein, da sie ihn offensichtlich darum bat ihr Geheimnis für sich zu behalten.

Oder war das nur ein Trick damit er es besonders laut und oft ausplauderte?

„Miss, ich kann Ihnen nicht ganz folgen.“ Stammelte er also verzweifelt.

„Hören Sie Mister, ich bin sicher Sie machen das noch nicht so lange und ich gebe zu, dass dies nicht das erste Mal ist, dass ich mit der Polizei zu tun habe.

Also ich bitte Sie darum einfach nur im Revier zu sagen, dass die Sache sich erledigt hat und dass eine Betrunkene von einem guten Bekannten nach Hause geholt wurde.“

Kevin rann der Schweiß nun auch in die Augen und er blinzelte tapfer dagegen an während seine modische Frisur in sich zusammenfiel und ihm im Nacken klebte.

„Aber…das wäre gelogen, Sie sind nicht betrunken und…“

„Ich habe einen Whiskey getrunken, Sie sollten mir jetzt sagen, dass ich nicht in diesem Zustand fahren soll und mein guter, netter Bekannter wird anbieten mich nach Hause zu bringen.“
Salome sprach beruhigend auf den Mann ein und er dachte, dass diese Frau wirklich schnell auf unerwartete Situationen reagieren konnte.

Alle anwesenden Männer sahen sie an als wäre sie ein Auto aus Transformers das sich gerade in eine Roboter-Frau verwandelt hatte.

 

„Was geht denn hier vor?“ rief Kevin verzweifelt und wütend über seinen Kontrollverlust.

„Ich bin Salome, das können Sie aber meinetwegen sofort wieder vergessen. Ich war heute Abend, nun ja, ein wenig wild drauf und diese Männer haben mich sozusagen vor mir selbst beschützt. Sie trifft keine Schuld, genauso wenig wie Sie Mister. Sie wissen doch sicher wie oft und wie sehr Männer unter den Stimmungsschwankungen von Frauen leiden müssen.“
Salome lächelte sanft und erblickte einen Ring an seinem Finger.

„Wie gesagt, ich kann Ihnen Autogramme besorgen für ihre Freundin und dann gehen Sie nach Hause und sagen sich, dass Sie mich nie wieder sehen wollen.“

Ihre Stimme war hypnotisierend und er nickte dümmlich.

„Geben Sie mir diesen Block bitte.“ Schnurrte sie, griff ihn sich, riss die Seite raus auf der geschrieben stand, dass eine junge Frau von 3 Männern entführt worden war und reichte den Block den Männern.

„Unterschreiben und Mund halten.“ Sagte sie schneidend und gab den Block dann zurück.

„Wenn Sie jemals jemand fragt, dann sagen Sie, dass sie die 3 zufällig getroffen haben als sie sich einen Kaffee holen wollten nach dem Einsatz. Sie wissen schon Gala, Glück und geschmeidige Stille?“

Er nickte erneut und steckte den Block ein.

„Hier, kaufen Sie sich einen Kaffee. Ich denke es wäre für jeden Einzelnen von uns sehr peinlich wenn jemand erfahren würde wie Ihr erster Einsatz gelaufen ist, nicht wahr?“

Sie legte ihm erneut die Hand auf die Schulter und er sah in ihre dunklen, sternengleichen Augen als sie ihm Kleingeld zusteckte.

„Miss Sie sind eine Hexe und ich glaube Ihnen wenn Sie mir sagen, dass ihr…Bekannter Sie nur schützen wollte. Danke für das Autogramm und auch wenn Sie eine wahre Schönheit sind, hoffe ich Ihr Gesicht nie wieder sehen zu müssen.“

„Grüßen Sie George von mir.“ Fügte sie bedeutungsschwer hinzu.

Gott, sie kannte seinen Vorgesetzten, und er glaubte, dass sie ihn wirklich kannte und deshalb würde er niemals ein Wort über diesen Einsatz verlieren.

„Lieber nicht Miss.“ Wisperte er also, tippte sich an die Mütze und verschwand in seinem Wagen.

„Lasst uns nach Hause gehen, ich will heute nacktes Fleisch sehen.“ Grinste Salome und schob Richard, welcher sie paralysiert anstarrte, grinsend weiter.


 

Kapitel 31 by MaggyMae
Author's Notes:
Noch mehr Kitsch :)

31.

Sie kamen in Salomes Haus an und sahen immer noch etwas mitgenommen aus.

„Sag mal was hast du dir denn dabei gedacht?“ rief Richard auf einmal und schüttelte Salome fest.

„Wie bitte?“ Ihre Zähne schlugen aufeinander und Matthew riss abrupt an Richards Arm.

„Lass sie doch in Ruhe.“ Murmelte er leise und Richard ließ sie los als hätte er sich an ihrer nackten Haut verbrannt.

Sein Blick wurde weich, wurde leidend, entschuldigend.

Salome sah ihn starr an, sie ließ ihren Blick langsam über seine hagere Figur wandern:

Seine Augen waren müde, angestrengt, seine Züge angespannt und seine Füße nass.

Niemals wäre sie auf den Gedanken gekommen, dass er und Matthew ihr nachlaufen würden, dass sie auf ihre Schuhe und ihre Ehre verzichten würden um sie zu vor ihrer eigenen Dummheit zu retten.

Toller Schritt, dachte Salome genervt, sie wollte sich als Erwachsene beweisen und verhielt sich wie ein dummes, verwöhntes Kind das von richtigen Erwachsenen wieder auf den rechten Weg gebracht werden musste.

Oh sie hatte keinen Zweifel, dass sie jetzt schon bereut hätte diesem Fremden erlaubt zu haben ihre Haut zu berühren oder ihre Unschuld zu nehmen.

Sie hatte einen Fehler gemacht, aber sie hatte nicht dafür gerade stehen müssen.

Richard war gekommen und hatte sie mit sanfter Gewalt wieder zur Vernunft gebracht und es tat ihr unendlich leid, dass er fror und erschöpft war wegen ihr.

Vor allem aber schämte sie sich dafür, dass sie ihn und die Andern in eine solche Situation gebracht hatte.


„Es tut mir leid, ich hätte dich nicht schütteln dürfen und ich hätte dich nicht derart respektlos behandeln dürfen. Ehrlich, ich habe nicht nachgedacht.“

Richard klang ehrlich und ernsthaft beschämt.

„Ich habe es einfach nicht ausgehalten mir vorzustellen, dass irgendein Fremder dir wehtun könnte, dass er dir dieses Geschenk das du nur einmal zu vergeben hast gewaltvoll entreißen könnte oder dass er dir Narben fürs Leben verpassen würde.

Bitte versuch zu verstehen, dass ich dir nur helfen wollte, dass ich dich nur schützen wollte und ja, ich weiß, du bist erwachsen und du kannst über dich und deinen Körper alleine entscheiden. Du warst nur so aufgebracht und ich hatte Angst du könntest unter dem Einfluss einer spontanen Laune heraus handeln, nicht dass ich denke, dass eine Frau eine so schwerwiegende Entscheidung leichtsinnig nehmen würde.

Bitte sag, dass du mir verzeihst ein alter, dummer, bevormundender Esel zu sein und dass wir wieder Freunde sind.“

Er atmete tief ein und sah sie abwartend an, sah die Tränen der Ablehnung und beschloss, dass dies der Moment war zu gehen.

Es schmerzte ihn, weil er sie mochte und weil er wunderbare Stunden des Friedens mit ihr verbracht hatte, Stunden der Freundschaft und der Wahrheit.

Außerdem würde er sie wahnsinnig vermissen, sie und ihr offenes Lachen, ihren fast schon absurden Mut und ihre Bereitschaft alles einzustecken was das Leben ihr in den Weg schmiss.

 

Er wollte sprechen, wollte ihr alles sagen, aber er wusste nicht einmal was „alles“ bedeutete.

Er hatte sie verletzt, er hatte sie erniedrigt, aber er hatte auch erwartet, dass sie ihm verzeihen könnte, dass ihr Herz groß genug sein würde zu erkennen, dass sie ihm wichtig war und dass er vielleicht auch ein klein wenig eifersüchtig gewesen war.

Niemals hatte er bestritten leicht altmodisch zu sein und auch jetzt war er der Überzeugung, dass eine Frau einen Mann nicht einfach küssen konnte um dann loszuziehen um ihre Unschuld einem Andern zu opfern.

Natürlich erwartete oder hoffte oder verlangte er nicht, dass sie mit ihm schlief, aber er hätte sich doch gewünscht, dass wenn je der Gedanke oder der Wunsch nach Sex in ihr aufstieg er derjenige sein würde an den sie sich wenden würde.

Zweifel ohne Namen und ohne Zahl stiegen in ihm auf.

Was er da dachte war genau der Grund dafür, dass sie ihm jetzt zürnte und vielleicht niemals vergeben würde.

Wie konnte er nur von ihr erwarten das zu tun was er sich wünschte?

Aber er hatte sie doch nicht gewähren lassen können, nicht wenn sie doch so offensichtlich einen Fehler beging.

Oder?

Sie gehörte ihm nicht und wie Matthew so feinfühlig angedeutet hatte, war sie nicht seine Freundin und somit hatte er nicht das geringste Recht über sie.

 

Er hatte ihr helfen wollen, aber er musste auch zugeben, dass es ihm die Kehle zuschnürte sich vorzustellen wie sie ihre weichen Hände auf die Haut eines anderen Mannes legte, wie ihr süßer Mund sich an die Lippen eines Mannes schmiegten die nur Lügen murmelten oder wie ihr nackter Körper unter all den Fetzen und der sündigen Unterwäsche unter dem Leib eines Fremden vibrierte.

Tatsächlich konnte er sich bildlich vorstellen wie sie aussehen würde, wie ihre Augen glänzen würde und wie ihr Mund sowohl den Schmerz als auch die Wonne ohne Hemmungen mit kleinen Geräuschen ausdrücken würde.

Sie war keine Frau die sich etwas versagte und er hatte ihr versagt was sie sich gewünscht hatte und damit war er eindeutig schuldig.

Verschmäht wandte er sich ab, ertrug ihren stillen, tränenfeuchten Blick nicht mehr der ihn niederrang wie eine unsichtbare Kraft.

Richard wollte sich ihr zu Füßen werfen und um Verzeihung betteln, wollte ihr selbstlos, oder eher weniger selbstlos, seinen eigenen Leib anbieten, doch er wagte es nicht.

Seine Lippen klebten staubtrocken zusammen als wüsste sein Körper wie sehr seine Seele sich in Qual und Demut geißelte.

 

Salome sah ihn immer noch schweigend an während Silber und Gold an ihren Wangen herabrannen, sie blickte bewegungslos auf sein abgewandtes Gesicht und er spürte ihre Augen wie Feuerpfeile auf seiner Haut.

Die Worte waren ihm entschwunden um ihr zu sagen wie sehr es ihn beschämte sie unglücklich gemacht zu haben und wie sehr er sich seines Fehlers bewusst war.

„Ich sollte gehen.“ Sprach er, doch er erkannte seine eigene Stimme in diesem gepeinigten Stöhnen nicht wieder.

Fast wünschte er sie würde wieder auf ihn einschlagen, er zog ihre Wut dieser stillen Verachtung vor und er wusste, dass wenn er diesen Raum nicht bald verließ er doch auf dem Boden kriechen würde wie ein gemeiner Wurm.

Sie sprach immer noch nicht, doch die Tränen rannen schneller und ihre Lippen bebten, als wären die Worte mit denen sie ihn aus ihrem Leben verstoßen würde zu groß für ihr kleines Wesen.

Er würde niemals vergessen wie strahlend sie in ihrem Zorn gewesen war, wie wunderschön in ihrem Mut und wie weich sie auf seiner Schulter gelegen hatte wie ein Umhang aus Seide und Pelz.

Aber es mochte gut sein, dass er nie wieder ihre Stimme vernehmen würde, dass sie ab heute nur noch die goldene Erinnerung an einen weiteren Mensch sein würde den er enttäuscht hatte, den er verletzt hatte, den er verloren hatte.

Sie war gut gewesen, gut, gerecht und liebevoll, aber sein sturer Egoismus hatte ihn um ihre Gunst gebracht und niemand konnte sich die Schmerzen vorstellen die hinter der blassen Haut seines angespannten Gesichtes wüteten.

Schande über mich, dachte er bitter, Schande etwas so Reines verloren zu haben weil ich falsch gehandelt hatte und wenn ich falsch handele dann so richtig falsch.

Er ging auf die Tür zu und dachte daran, dass man so oft diese Zeile zitierte, diese eine Zeile die den Anderen bat sich noch ein einziges Mal umzudrehen.

Er wollte sie noch einmal sehen, noch ein letztes Mal bevor er ging.

Und als er sich umdrehte, sah er wie sie auf die Knie sank, weinend und doch lächelnd.

Er wagte nicht auf sie zuzugehen, doch sie schob ihn Richtung Sofa bis er mit den Knien gegen die Kante stieß und automatisch in eine sitzende Position fiel.

31.

Sie kamen in Salomes Haus an und sahen immer noch etwas mitgenommen aus.

„Sag mal was hast du dir denn dabei gedacht?“ rief Richard auf einmal und schüttelte Salome fest.

„Wie bitte?“ Ihre Zähne schlugen aufeinander und Matthew riss abrupt an Richards Arm.

„Lass sie doch in Ruhe.“ Murmelte er leise und Richard ließ sie los als hätte er sich an ihrer nackten Haut verbrannt.

Sein Blick wurde weich, wurde leidend, entschuldigend.

Salome sah ihn starr an, sie ließ ihren Blick langsam über seine hagere Figur wandern:

Seine Augen waren müde, angestrengt, seine Züge angespannt und seine Füße nass.

Niemals wäre sie auf den Gedanken gekommen, dass er und Matthew ihr nachlaufen würden, dass sie auf ihre Schuhe und ihre Ehre verzichten würden um sie zu vor ihrer eigenen Dummheit zu retten.

Toller Schritt, dachte Salome genervt, sie wollte sich als Erwachsene beweisen und verhielt sich wie ein dummes, verwöhntes Kind das von richtigen Erwachsenen wieder auf den rechten Weg gebracht werden musste.

Oh sie hatte keinen Zweifel, dass sie jetzt schon bereut hätte diesem Fremden erlaubt zu haben ihre Haut zu berühren oder ihre Unschuld zu nehmen.

Sie hatte einen Fehler gemacht, aber sie hatte nicht dafür gerade stehen müssen.

Richard war gekommen und hatte sie mit sanfter Gewalt wieder zur Vernunft gebracht und es tat ihr unendlich leid, dass er fror und erschöpft war wegen ihr.

Vor allem aber schämte sie sich dafür, dass sie ihn und die Andern in eine solche Situation gebracht hatte.


„Es tut mir leid, ich hätte dich nicht schütteln dürfen und ich hätte dich nicht derart respektlos behandeln dürfen. Ehrlich, ich habe nicht nachgedacht.“

Richard klang ehrlich und ernsthaft beschämt.

„Ich habe es einfach nicht ausgehalten mir vorzustellen, dass irgendein Fremder dir wehtun könnte, dass er dir dieses Geschenk das du nur einmal zu vergeben hast gewaltvoll entreißen könnte oder dass er dir Narben fürs Leben verpassen würde.

Bitte versuch zu verstehen, dass ich dir nur helfen wollte, dass ich dich nur schützen wollte und ja, ich weiß, du bist erwachsen und du kannst über dich und deinen Körper alleine entscheiden. Du warst nur so aufgebracht und ich hatte Angst du könntest unter dem Einfluss einer spontanen Laune heraus handeln, nicht dass ich denke, dass eine Frau eine so schwerwiegende Entscheidung leichtsinnig nehmen würde.

Bitte sag, dass du mir verzeihst ein alter, dummer, bevormundender Esel zu sein und dass wir wieder Freunde sind.“

Er atmete tief ein und sah sie abwartend an, sah die Tränen der Ablehnung und beschloss, dass dies der Moment war zu gehen.

Es schmerzte ihn, weil er sie mochte und weil er wunderbare Stunden des Friedens mit ihr verbracht hatte, Stunden der Freundschaft und der Wahrheit.

Außerdem würde er sie wahnsinnig vermissen, sie und ihr offenes Lachen, ihren fast schon absurden Mut und ihre Bereitschaft alles einzustecken was das Leben ihr in den Weg schmiss.

 

Er wollte sprechen, wollte ihr alles sagen, aber er wusste nicht einmal was „alles“ bedeutete.

Er hatte sie verletzt, er hatte sie erniedrigt, aber er hatte auch erwartet, dass sie ihm verzeihen könnte, dass ihr Herz groß genug sein würde zu erkennen, dass sie ihm wichtig war und dass er vielleicht auch ein klein wenig eifersüchtig gewesen war.

Niemals hatte er bestritten leicht altmodisch zu sein und auch jetzt war er der Überzeugung, dass eine Frau einen Mann nicht einfach küssen konnte um dann loszuziehen um ihre Unschuld einem Andern zu opfern.

Natürlich erwartete oder hoffte oder verlangte er nicht, dass sie mit ihm schlief, aber er hätte sich doch gewünscht, dass wenn je der Gedanke oder der Wunsch nach Sex in ihr aufstieg er derjenige sein würde an den sie sich wenden würde.

Zweifel ohne Namen und ohne Zahl stiegen in ihm auf.

Was er da dachte war genau der Grund dafür, dass sie ihm jetzt zürnte und vielleicht niemals vergeben würde.

Wie konnte er nur von ihr erwarten das zu tun was er sich wünschte?

Aber er hatte sie doch nicht gewähren lassen können, nicht wenn sie doch so offensichtlich einen Fehler beging.

Oder?

Sie gehörte ihm nicht und wie Matthew so feinfühlig angedeutet hatte, war sie nicht seine Freundin und somit hatte er nicht das geringste Recht über sie.

 

Er hatte ihr helfen wollen, aber er musste auch zugeben, dass es ihm die Kehle zuschnürte sich vorzustellen wie sie ihre weichen Hände auf die Haut eines anderen Mannes legte, wie ihr süßer Mund sich an die Lippen eines Mannes schmiegten die nur Lügen murmelten oder wie ihr nackter Körper unter all den Fetzen und der sündigen Unterwäsche unter dem Leib eines Fremden vibrierte.

Tatsächlich konnte er sich bildlich vorstellen wie sie aussehen würde, wie ihre Augen glänzen würde und wie ihr Mund sowohl den Schmerz als auch die Wonne ohne Hemmungen mit kleinen Geräuschen ausdrücken würde.

Sie war keine Frau die sich etwas versagte und er hatte ihr versagt was sie sich gewünscht hatte und damit war er eindeutig schuldig.

Verschmäht wandte er sich ab, ertrug ihren stillen, tränenfeuchten Blick nicht mehr der ihn niederrang wie eine unsichtbare Kraft.

Richard wollte sich ihr zu Füßen werfen und um Verzeihung betteln, wollte ihr selbstlos, oder eher weniger selbstlos, seinen eigenen Leib anbieten, doch er wagte es nicht.

Seine Lippen klebten staubtrocken zusammen als wüsste sein Körper wie sehr seine Seele sich in Qual und Demut geißelte.

 

Salome sah ihn immer noch schweigend an während Silber und Gold an ihren Wangen herabrannen, sie blickte bewegungslos auf sein abgewandtes Gesicht und er spürte ihre Augen wie Feuerpfeile auf seiner Haut.

Die Worte waren ihm entschwunden um ihr zu sagen wie sehr es ihn beschämte sie unglücklich gemacht zu haben und wie sehr er sich seines Fehlers bewusst war.

„Ich sollte gehen.“ Sprach er, doch er erkannte seine eigene Stimme in diesem gepeinigten Stöhnen nicht wieder.

Fast wünschte er sie würde wieder auf ihn einschlagen, er zog ihre Wut dieser stillen Verachtung vor und er wusste, dass wenn er diesen Raum nicht bald verließ er doch auf dem Boden kriechen würde wie ein gemeiner Wurm.

Sie sprach immer noch nicht, doch die Tränen rannen schneller und ihre Lippen bebten, als wären die Worte mit denen sie ihn aus ihrem Leben verstoßen würde zu groß für ihr kleines Wesen.

Er würde niemals vergessen wie strahlend sie in ihrem Zorn gewesen war, wie wunderschön in ihrem Mut und wie weich sie auf seiner Schulter gelegen hatte wie ein Umhang aus Seide und Pelz.

Aber es mochte gut sein, dass er nie wieder ihre Stimme vernehmen würde, dass sie ab heute nur noch die goldene Erinnerung an einen weiteren Mensch sein würde den er enttäuscht hatte, den er verletzt hatte, den er verloren hatte.

Sie war gut gewesen, gut, gerecht und liebevoll, aber sein sturer Egoismus hatte ihn um ihre Gunst gebracht und niemand konnte sich die Schmerzen vorstellen die hinter der blassen Haut seines angespannten Gesichtes wüteten.

Schande über mich, dachte er bitter, Schande etwas so Reines verloren zu haben weil ich falsch gehandelt hatte und wenn ich falsch handele dann so richtig falsch.

Er ging auf die Tür zu und dachte daran, dass man so oft diese Zeile zitierte, diese eine Zeile die den Anderen bat sich noch ein einziges Mal umzudrehen.

Er wollte sie noch einmal sehen, noch ein letztes Mal bevor er ging.

Und als er sich umdrehte, sah er wie sie auf die Knie sank, weinend und doch lächelnd.

Er wagte nicht auf sie zuzugehen, doch sie schob ihn Richtung Sofa bis er mit den Knien gegen die Kante stieß und automatisch in eine sitzende Position fiel.


Kapitel 32 by MaggyMae
Author's Notes:
Die andere Seite der Münze

32.

Salome hatte nie eine solche Demut gekannt, eine solche Demut empfunden.

Sie war sprachlos vor seiner ehrlichen Reue und so zog sie ihm schweigend die Socken aus und rieb seine Füße mit ihren eigenen Händen wieder warm.

Am liebsten hätte sie seine Füße geküsst, auf Knien vor dem Herrn und Retter, doch sie wagte es nicht.

Er sah schweigend auf sie hinab, fassungslos und ein wenig erschrocken.

Immer noch unfähig zu sprechen senkte sie ihre Stirn auf seine Füße, sprach ohne Worte ihre tiefsten Gedanken aus: „Ich bin deiner nicht würdig.“

Er erschrak jetzt wirklich, zog sie hoch und nahm ihre nun warmen Hände in die Seinen.

Seine Augen suchten nach einer Erklärung und sie schluchzte leise, wollte ihm die unwürdigen Hände entziehen, doch er war stärker als sie und so ließ sie davon ab sich sinnlos zu wehren.

„Sag mir ich soll gehen.“ Bat er leise, doch sie schüttelte nur den Kopf.

„Ich habe nicht das Recht dich von hier zu vertreiben. Aber wenn du gehen willst, wenn du den Anblick meiner unwürdigen Person nicht mehr erträgst, werde ich dich nicht aufhalten.“

 

Salome wusste wie falsch sie gelegen hatte.
Und wenn sie mit tausend Männern schlafen würde, niemand würde die unendliche Güte und Gerechtigkeit ihres lieben Nachbarn aus ihren Gedanken tilgen können.

Da war er also, der große Held, ohne die Rüstung und ohne das weiße Pferd aber mit einem Herzen wie ein Löwe und einem Blick so sanft wie ein Gebirgsbach.

Und sie kniete erneut nieder, nicht fähig Auge in Auge mit dem Mann zu stehen der sie vor dieser Entehrung bewahrt hatte, der sich um sie kümmerte wie ein Vater, wie ein Bruder, wie ein Freund und über den sie Schmach und Kummer gebracht hatte.

„Ich kann deine Entschuldigung nicht annehmen.“ Schluchzte sie und er zuckte zurück.

„Es gibt nichts wofür du dich entschuldigen müsstest. Du trägst deinen Namen zurecht und ich danke dir für deine königliche Güte und Kraft mit der du die Last der Schande und der Erniedrigung trägst die ich über uns gebracht habe.

Ich war dumm und habe mich lächerlich benommen und ich hatte es nicht verdient, dass jemand kommt um mich aus einer Situation zu retten in die ich blindlings und bewusst hineingerannt bin.

Niemand hat dich gezwungen deinen Namen und deine Ehre aufs Spiel zu setzen weil ich gedacht habe ich müsste in einer Nacht mein Leben verändern und ich schäme mich zutiefst dir deine Freundschaft so schlecht gedankt zu haben.“
Sie weinte nicht mehr, ihre Tränen wurden zu Worten die nun ungehindert flossen.

„Ich bin ein törichtes Weibsbild und ich ertrage es nicht deinen anklagenden, kalten Blick auf meinem Gesicht zu spüren. Du hast nichts Unrechtes getan und seit ich dich kenne hast du dich immer richtig verhalten, auch wenn ich das oft nicht einsehen konnte oder wollte.

Es tut mir leid und ich werde dir ewig dankbar dafür sein, dass du da warst in meiner dunkelsten Stunde, aber ich verstehe auch, dass du den Verlust meiner Ehre und meines Stolzes nicht vergessen kannst.

Wenn du also jetzt gehen willst, dann geh.

Geh in Frieden und sei dir meiner ewigen Dankbarkeit und tiefen Verehrung sicher.

Und versuch nicht allzu viele Rollen anzunehmen in denen du stirbst.“


Nun war Richard komplett verwirrt.

Von was mochte sie nur sprechen?

„Wieso?“ fragte er dümmlich und sie lächelte eine traurige Version dieses Lächelns das er so sehr liebte als sie erwiderte:
„Weil es mir das Herz bricht.“

Sie sprach von Ablehnung und von seiner Verachtung für ihren Sündenfall, aber daran dachte er keine Sekunde, er dachte nur daran wie er sie bevormundet und erniedrigt hatte.

„Ich denke ihr redet aneinander vorbei.“ Meldete sich Matthew zu Wort, leise, kontrolliert und sanft wie ein Lamm.

„Wie bitte?“ Salome sah voll Vertrauen und auf der Suche nach Hilfe zu ihm auf.

 

„Steh auf Salome, es gibt keinen Grund vor ihm zu knien.“ Sprach Matthew dann weiter und zog die Kleine auf das Sofa, legte ihr eine Decke um die bebenden Schultern.

„Also wenn ich das jetzt alles verstanden habe, dann denkt Richard du grollst ihm weil er sich eingemischt hat wo er sich nicht hätte einmischen dürfen, dazu sei gesagt es geschah aus einem übertriebenen Beschützerkomplex und einer gewissen Eifersucht heraus.

Salome währenddessen denkt sie hätte sich versündigt und ist überzeugt, dass ihr dann doch gar nicht so ehrbarer Nachbar sie jetzt in ganz mittelalterlichen Termina für eine Sünderin und für eine Gefallene hält.

Dazu möchte ich wie gesagt anmerken, ihr redet aneinander vorbei, denn wenn jeder von euch beiden sein Haupt in Scham und Demut senkt und denkt dass der jeweils Andere sich wütend oder angewidert abwendet, dann riskiert ihr eine Freundschaft die mir stark und tief vorkommt.“

Sein Ton klang wie „Na kommt Kinder, versöhnt euch.“, aber er hatte Recht mit dem was er sagte und nun sprachen beide zugleich.

„Aber wieso sollte ich dir grollen? Du hast mich immerhin gerettet.“

„Himmel ich bin doch nicht angewidert, ich verurteile dich nicht, ich wollte nur nicht, dass du etwas tust was dich verletzen könnte.“

Und dann verstummten beide gleichzeitig wieder.

 

Salomes Augen suchten ihren Gegenüber und Richard zog sie einfach auf seinen Schoß, nicht einen Gedanken an die beiden andern Männer im Raum verschwendend.

„Es tut mir leid Kleines, aber ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist. Ich könnte nicht damit leben wenn dir etwas zustoßen würde und ich hätte es verhindern können.“ Murmelte er in ihr dichtes Haar und seufzte erleichtert, als sie ihren Kopf in die Mulde zwischen seinem Hals und seiner Schulter sinken ließ.

„Dank dir geht es mir gut. Ich war ja so dumm. Danke, danke, danke, dass du mein Freund bist und dass du mich schützt vor mir und der Welt.“

Und sie dachte, dass es egal war und dass ihr Herz Recht hatte wenn es ihn zu ihrem ersten Schwarm auserkoren hatte, denn er war ein guter Mann und verdiente all ihre Zuneigung und ihre stille Bewunderung.

Im Gegensatz zu den Freundinnen von damals hatte sie sich nicht von einem Mann blenden lassen der seine Kraft dafür einsetzte sich selbst in ein möglichst gutes Licht zu rücken, sondern sie war von jemandem gefangen genommen worden der sich für sie und die Welt einsetzte.

Zum ersten Mal seit langem, vielleicht sogar zum ersten Mal in ihrem Leben war sie sich sicher die richtige Entscheidung getroffen zu haben, konnte sie ihrem Instinkt glauben.

In diesen Armen war kein Schmerz, da war Wärme und Trost.

Ein Hafen des Friedens, eine Wiese zum Ausspannen, ein Wald zum Träumen, eine Schulter um sich anzulehnen.

Diese Arme würden sie tragen wenn sie keine Kraft mehr hatte und halten wenn sie fiel.

Sie sah auf und sah die Welt in seinen Augen, sanft wie der Flügelschlag eines Schmetterlings und beständig wie die Gezeiten ruhten diese sanften Meere auf ihr und sie war sich so sicher, dass sie darauf beruhigt bis nach Hause segeln würde.

„Danke, dass du die Nacht vertrieben hast.“ Wisperte sie und hauchte einen winzigen Kuss auf sein Kinn.

„Danke, dass du einem alten Esel verzeihen kannst.“
„Es gibt nichts zu verzeihen.“ – „Doch, dass dein Wohlergehen mir zu wichtig ist als dass ich zulassen könnte, dass du es leichtsinnig in Gefahr bringst.“

Sie lächelte über so viel Besonnenheit und schmiegte sich enger an diese Brust die mehr war als England, mehr als London, mehr als die gemeinsame Straße, diese Brust war zuhause.

„Lasst uns jetzt spielen. Ich will diesen Teil meiner Jugend nachholen.“ Lächelte Salome dann.

„Welchen?“ Richard sah sie fragend an.
„Den in dem man hofft so viel wie möglich über seinen Schwarm in Erfahrung zu bringen.“ Grinste sie.


 

Kapitel 33 by MaggyMae
Author's Notes:
Spiel, Satz und Sieg

33.

Er sagte sich, dass er sie gar nicht verstehen musste, als sie wieder einmal komplett unlogisches Zeug daher faselte.

„Deinen Schwarm?“ zwang Richard sich dann doch zu fragen, weil sein Kopf nicht ganz klar war nach allem was passiert war an diesem Abend.

„Jap, du, Richard C. Armitage, bist jetzt mein offiziell erster Schwarm.“ Lächelte sie und biss sich in die Wange.

„Bin ich das?“ fragte er ungläubig nach.

„Ja.“ Sie nickte heftig und grinste ihn immer noch so freudig an als wäre ihr das nicht peinlich, doch er konnte sich vage daran erinnern dass der Sinn eines Schwarms tatsächlich oft der war, dass man der besagten Person nicht offenbarte, dass sie das Objekt der Begierde war oder hatte er sich etwa seine ganze Jugend über falsch verhalten?

Ein schneller Seitenblick auf die verstörten Gesichter der beiden andern Männer versicherte Richard jedoch, dass nicht er sondern Salome das Pferd schon wieder von hinten sattelte.

„Und darf ich auch fragen wieso? Also nicht dass ich nicht wahnsinnig geschmeichelt bin, aber ich kann mir nicht vorstellen wie ein junges Mädchen wie du sich einen alten Gaga zum Schwarm erwählen kann.“

Sie blinzelte, wie sie stets blinzelte, wie ein Kind das gerade aufwachte oder wie eine verwirrte Eule.

„Na weil du voll hübsch bist und der netteste Mann den ich kenne und weil du…gut küsst.“

Eigentlich hatte Salome keine Ahnung wieso, sie wusste nur dass es so war und dass sie damit leben konnte.

Tatsächlich hatte sie, wie stets in ihrem Leben, nicht hinterfragt woher ihre Entscheidungen und Emotionen kamen und so zuckte sie ahnungslos mit den Achseln.

 

„Halt. Halt.“ Robert meldete sich vehement zu Wort.

„Ich schaue mir dieses Spektakel jetzt schon einen ganzen Abend lang mit Faszination und einer gewissen Ungläubigkeit an, aber jetzt muss ich doch nachfragen. Ihr knutscht?“

Richard hatte von einer Nachbarin gesprochen, doch anscheinend wohnte er fast so sehr bei ihr wie bei sich selbst, er hatte sich wahnwitzig und barfuß in eine Rettungsaktion gestürzt und jetzt merkte Salome wie nebenbei an, dass er gut küsste.

Also wenn man ihn fragte, was natürlich niemand machte, dann waren die beiden ein Liebespaar das nur zu doof war um das zu bemerken.

„Gelegentlich.“ Salome zuckte erneut mit den Achseln als wäre es für sie alltäglich mit irgendwelchen Männern zu knutschen.

„Im Ernst? Aber schlafen wolltest du mit einem Andern?“ Robert wusste, dass er vielleicht zu forsch war, aber er musste einfach verstehen was sich hier abspielte.
„Ja ich kann mich doch nicht meinem Nachbarn an den Hals werfen.“

„Aber wenn er doch dein Schwarm ist…Also wenn ich wählen könnte würde ich mich schon für einen Mann entscheiden von dem ich weiß, dass er gut küsst.“
Seine Gedanken fuhren Karussell und er erwischte sich dabei wie er sich nebensächlich vorstellte wie es wohl wäre mit Richard zu knutschen.

„Hmm also der Bart ist definitiv ein Abtörner.“ Murmelte er dann und errötete als er merkte, dass er das laut gesagt hatte.

„Oh nee, das stört mich nicht.“ Winkte Salome ab und Richard sah verwirrt und verstört zwischen den beiden hin und her.

„Ja, also ich wusste ja aber nicht, dass er mein Schwarm ist. Ist mir jetzt erst aufgefallen.“ Erklärte sie dann sachlich weiter und Rob ereilte sich zu fragen:

„Also würdest du jetzt mit ihm schlafen wollen?“

Betretenes Schweigen.

„Ich denke nicht, dass es angemessen ist für eine Frau eine derartige Auskunft zu geben, doch angesichts deiner sehr rationalen und logischen Erläuterung kann es wohl nur eine vernünftige Antwort geben.“

„Ah und du bist genau die Person die sich immer für die vernünftigste Antwort entscheidet.“ Mischte sich nun auch Matthew ein.

„Nun ich gebe mir Mühe möglichst kohärent zu sein.“ Salome lächelte entschuldigend bei diesen Worten, wusste sie doch selbst, dass sie nicht immer in den vorgetretenen Pfaden blieb.

 

Matthew fuhr ihr voller Zuneigung mit der Hand durch die Haare und sie grinste ihn schelmisch an.

„Na dass ich das noch erleben darf. Nun dann lass uns spielen. Strip-Trivial Pursuit? OK!“

Salome flitzte davon und kam mit einer uralten Schachtel zurück.

„Ich kann dir ein Paar Socken von mir leihen mein Lieber falls du das zusätzliche Kleidungsstück benötigen solltest.“ Bot sie Richard freundlich an, doch er lehnte unvorsichtigerweise genauso freundlich ab.

Was die Männer nicht realisierten war der Fakt, dass das Spiel auf Englisch war und Salome bis vor einigen Tagen nicht hier gelebt hatte.

Außerdem war das Spiel so abgegriffen, dass es außer Frage stand, dass die junge Frau schon sehr langem in seinem Besitz war.

In der Tat hatte sie von diesem ausgewanderten Onkel nur zwei Geschenke erhalten in ihrem ganzen Leben: Das Spiel und das Haus.

Schön, dachte sie, dass beide Geschenke vereint waren und dann kicherte sie innerlich darüber, dass sie die drei Männer ungespitzt in den Boden rammen würde, weil sie mithilfe dieses Spiels sehr früh Englisch gelernt hatte und die Antwort auf jede einzelne Frage auswendig kannte.

„Um das Ganze etwas spannender zu machen: Ich trage das Kleid und nur das Kleid.“
Salome grinste und Richard ging schon wieder die Hutschnur hoch als er das hörte.

„Wie bitte? Du hast dir noch nicht mal die Mühe gemacht Unterwäsche zu tragen?“

Salome schüttelte den Kopf und legte den Kopf schief, so dass eine ganze Kaskade wilder Locken über ihre Schulter floss.

Gott, sie hatte ausgesagt, dass sie mit ihm schlafen würde, dachte Richard verwirrt und konnte nicht leugnen, dass dies nicht unbedingt die unangenehmste Vorstellung war.

Sie war schön, war schön wenn sie schlief, wenn sie in Kuschelsocken und Herrenpullover herumtanzte und war schön wenn sie wie jetzt dieses unglaubliche Kleid trug.

Vielleicht war sie etwas zu schön als dass er sich gegen die entscheiden könnte, er würde sie nicht wegschicken wenn sie an seine Tür klopfen würde um sich seine Erfahrung und seinen Körper zugute zu führen.

 

Salome lächelte, sie drängte auf das Spiel und wusste sehr wohl, dass sie ein Kleidungsstück zu verlieren hatte, während die Herren Hemden, Hosen, Unterwäsche und außer Richard sogar Socken trugen.

Sie verließ sich auf ihre Kenntnis der Antworten und auf den Vorteil, dass ihr Geist glasklar war und der der Männer benebelt durch Angst, Verlangen oder Unsicherheit.

Kleidungsstück um Kleidungsstück landete auf dem Teppich und der Hund befand den Haufen für ein annehmbares Bett, also legte er sich darauf und verstreute schwarze Haare wie Puderzucker auf der sündhaft teuren Garderobe.

Und dann erblickte Richard, mittlerweile seines Hemdes entledigt und fröstelnd in der Anzughose, die krakelige Schrift eines Kindes auf einer der Karten die er hielt.

„Du Hexe, du hast die Antwort übersetzt. Wie alt warst du da? 10? Du kennst die Antworten auswendig.“ Keuchte er beleidigt und erntete ein wissendes, weibliches Lächeln.

„Stell deine Frage Armitage und mecker nicht.“ Erwiderte sie kurz angebunden und gab ihm die Antwort bevor er die Frage ganz vorgelesen hatte.

Als sie ihm eine Frage stellte, freute sie sich darüber, dass es eine schwere Frage war und kicherte dementsprechend als sie seine Hose einfordern konnte.

„Oh come on.“ Schamesröte stieg ihm ins Gesicht als er die Knöpfe öffnete.

„Was denn lieber Nachbar? Bist du ein schlechter Verlierer?“

Salome spielte so lange weiter, fröhlich, lächelnd, flötend, bis sie drei Männer in Unterwäsche vor sich hatte.

„Hmmm…kleine Kekspause. Ihr bewegt euch nicht von der Stelle.“ Sie verschwand grinsend in der Küche und als sie wiederkam lächelte sie diabolisch.

„Und wer ist dabei für eine finale Runde die wirklich fair sein wird?“


 

Kapitel 34 by MaggyMae
Author's Notes:
surprise comme disent les français

34.

Salome kannte keine Scham, sie war einfach nur neugierig und sie machte sich nicht die Mühe verstohlene Blicke um sich zu werfen sondern ehrte die Schönheit der Männer die mit ihr in diesem Raum waren durch ihre offenen, bewundernden Blicke.

Sie schloss die Augen in stillem Genuss und öffnete sie dann so langsam als wäre sie in einer anderen Welt gelandet.

Niemals wäre sie auf die Idee gekommen ihre Augen zu senken oder so zu tun als ob das was sie sah sie nicht tief bewegen würde.

Immerhin hatten diese Männer gesehen wie sie losgerannt war auf der Suche nach einem Körper der den Ihren zum Leben erwecken könnte, sie konnte also nicht leugnen genau wie jeder andere Mensch auf der Welt fleischliche Gelüste zu haben.

Die Männer sahen sie britisch-kühl an, abwartend, die Unsicherheit anlässlich ihrer schockierenden Nacktheit unter einer dicken Schicht Gleichgültigkeit vergrabend.

Salome musste lachen, denn in ihrer Welt hatten Männer stets unbehaglich oder im Gegenteil stolz und angeberisch ausgesehen wenn sie ihre Hüllen fallen ließen, aber diese kalte Königlichkeit war ihr ganz neu und kam ihr etwas sinnlos vor.

„Fühlt ihr euch eigentlich wohl?“ fragte sie also und erntete dreifaches Kopfschütteln.

Sehr ernstes Kopfschütteln, Meeting-Kopfschütteln.

Sie lächelte, lächelte freundlich und aufmunternd und sprach dann:

„Ich sage das jetzt ungern, aber ich sage es trotzdem. Das ist das Schönste was ich je gesehen habe.“

Sie wandte sich um und setzte sich an den Computer, den Männern ein bisschen Zeit zum Erholen lassend.

 

Liebe Leser,

bei mir geht gerade alles drunter und drüber, was wahrscheinlich auch der Grund ist wieso ich nicht in meinem Bett liege und schlafe.

Ich wollte euch nur an meiner Überlegung über englische Männer teilhaben lassen, liebe Leser, ich verstehe komplett wieso die Prinzen dieses Landes so beliebt sind.

Wieso Briten im Allgemeinen Frauen auf der ganzen Welt den Kopf verdrehen.

Sind sie nicht köstlich mit ihrem sparsamen Lächeln, ihren perfekten Manieren, ihren großen Augen wenn jemand seine Gefühle offen ausdrückt?

Ich glaube ich schockiere pro Tag mindestens 3 Briten zu Tode und ich finde es herrlich.

Himmel, sie sind fast so weiß wie meine russischen Vorfahren und fast so kühl wie die Steinskulpturen an den Palästen dieser Welt.

Haut wie Schnee, rein und kalt, Augen wie Stein unbeweglich und stark und eine Sprache die so steif wie frische Schlagsahne und mindestens so süß ist.

Liebe Leser, kommt ruhig mal her, aber hofft nicht auf viel offene Wärme, denn irgendwie fürchte ich, dass der Durchschnittsbrite geiziger mit Zuneigungsbekundungen als mit Geld ist und im Allgemeinen fällt es ihnen schwer zu sagen was sich nicht anschickt auszusprechen.

Briten in delikaten Situationen, kann man dem Himmel näher kommen?

Nun liebe Leser, ich versuche das Chaos in meinem Leben zu ordnen und entlasse euch wieder aus meiner kleinen Wunderwelt.

PS: Ich komme mit meiner Recherche gut voran, Gott segne euch und alle Briten, sogar die Fernsehstars. Die vielleicht ganz besonders. Und vor allem…meinen sehr britischen Nachbarn.

 

Salome grinste als sie bemerkte, dass die Männer sich nicht einen Zentimeter bewegt hatten in der Zeit die sie an der Tastatur verbracht hatte.

„Also ihr seht in der Tat wie Trauerklöße aus.“ Lachte sie und Richard bedachte sie mit einem dunklen Blick.

„Mir ist durchaus bewusst, dass Frauen dazu neigen mit ihrer eigenen Nacktheit besser klarzukommen als Männer.“

„Ah willst du damit andeuten, dass wir alle liederhafte Flittchen sind?“ Salome lächelte immer noch nachsichtig.

„Nein beileibe nicht, aber Frauen tendieren dazu ihre eigene Schönheit besser in Szene setzen zu können.“ Richard stolperte über seine Worte, konnte sich kaum konzentrieren wenn sie ihn so ansah.

„Aber du bist wunderschön und ich halte deine Reaktion für äußerst seltsam da du dein Geld damit verdienst schön zu sein.“

3 Köpfe schüttelten sich empört.

„Oh ihr arroganten Briten, die Filmindustrie ist viel zu nett zu euch. Unter anderen Umständen hättet ihr schon viel öfter die Hüllen fallen lassen müssen.“

Insgeheim machte sie sich eine Notiz in Gedanken, dass sie sich endlich durch den Berg Filme kämpfen musste die auf sie warteten.

„Wenn ihr schwimmen geht…Obwohl es ist wohl einigermaßen hirnlos sich euch in einem öffentlichen Schwimmbad vorzustellen.“

Salome wiegte ihren Kopf hin und her und kicherte bei der Vorstellung, dass die drei einfach in Badehosen im Wasser planschen würden.

„Erde an Salome, ich kann dir wieder mal nicht wirklich folgen.“ Richard sah sie fast verzweifelt an und sie setzte sich auf seinen Schoß während sie langsam erklärte:

„Also…Wenn man ins Schwimmbad geht trägt man auch nicht viel mehr, außer du gehst mit einem Neopren-Anzug ins Wasser…ach nee, du schwimmst ja gar nicht. Na egal wie, da ist man genauso nackt. Aber ihr habt sicher Hausverbot in Schwimmbädern, weil es im Wasser ja so unendlich gefährlicher ist zu vergessen zu atmen.“

„Normale Menschen vergessen nicht zu atmen, das bin nur ich.“ Gab Richard zu Bedenken.

„Aber ihr doch nicht, aber der Anblick könnte andern Menschen, vor allen Frauen, den Atem verschlagen und dann wärt ihr Totschläger. Gott, das war jetzt ein Satz mit viel körperlicher  Gewalt.“

Sie kicherte als sie sein fassungsloses  Gesicht sah.

„Also die verschlägt nichts den Atem oder zumindest nicht die Sprache meine Liebe.“ Lächelte Richard und senkte seine Lippen auf ihren Haarschopf als sie ihn belustigt anfunkelte.

 

Er verstand beim besten Willen nicht wieso sie so schockiert auf den Anzug reagiert hatte, jetzt aber auf seinem Schoß saß als wäre er nicht bis auf die leider sehr fadenscheinige Unterwäsche nackt. Ob ihr das überhaupt auffiel?

Natürlich fiel Salome auf, dass sie in einem Raum mit fast nackten Männern saß, aber es machte ihr nichts aus, denn im Museum errötete sie ja auch nicht wenn sie die komplett nackten Statuen sah, oder?

Tatsächlich dachte sie sich dann doch, dass wohl keiner der drei damit gerechnet hatte heute Nacht abgeschleppt zu werden wenn sie sich ihre Unterwäsche so ansah.

Seltsam sie hatte immer an Seidenshorts gedacht im Zusammenhang mit Stars und Sternchen.

Männer hatte einfach keinen Sinn für Unterwäsche, lächelte sie innerlich und lachte dann tatsächlich auf als sie bedachte, dass sie gar keine trug.

Auch war sie sich der Situation sehr wohl bewusst, sie wusste, dass ihr lieber Nachbar fast nichts trug und sie musste zugeben, dass seine Haut warm und glatt an ihren nackten Armen war und dass der Duft der sie verfolgte wie eine warme Wolke zu ihr aufstieg.

Das männliche Begehren war ihr komplett fremd und so dachte sie nicht eine Sekunde an die tatsächlich sexuelle Konnotation ihrer Position nach, sondern befriedigte lediglich ihre Neugier nach dem männlichen Fleisch, seiner Konsistenz und seines Geruches.

Himmel war er schön und fast bereute sie, dass er nicht schwamm.

„Ich denke ich werde einen Kurs im Rettungsschwimmen belegen.“ Murmelte sie zusammenhangslos und drückte ihre Lippen auf seine Halsmulde.

Gierig sog sie seinen Duft ein, bewegte ihren Mund auf der warmen, glatten Fläche und gab sich komplett der Empfindung hin ihn unter sich zu spüren.

Er seufzte ihr leise ins Ohr und sie spürte wie er sich fast unbehaglich unter ihr bewegte.

War sie zu schwer oder warum rutschte er hin und her als müsse er aufs Klo?

Und dann kam die fatale SMS: „Rate wer vor deiner Tür steht?“

Es klingelte und Salome sprang auf.


 

Kapitel 35 by MaggyMae
Author's Notes:
Salome in Schwierigkeiten, wie immer

35.

„Oh mein Gott…was mache ich denn jetzt? Ehm…links…Richard, links von meinem Zimmer ist das Gästezimmer. Lauft.“

Niemand bewegte sich.

„RUN!“ keuchte Salome und schob die Männer praktisch die Treppe hoch.

„Richard? Ihr müsst so was von still sein, sie kann euch über den Belüftungsschacht hören.“ Wisperte Salome, ohne dass ihr auch nur eine Sekunde lang die Idee gekommen wäre, dass wenn sie die Männer hören konnte, die Männer sie auch hören würden.

Erneut verlor sie sich im Anblick seines langen, glatten Rückens und seufzte fast sehnsüchtig auf.

Mist, dachte sie, denn dass sie seinen Rücken sehen konnte verdankte sie der Tatsache, dass sie einen Haufen Kleider im Wohnzimmer liegen hatte.

„Nimm das mit.“ Wisperte sie weiter, zog sich das Kleid vom Leib und warf es ihm zu während sie schon auf dem Weg ins Wohnzimmer war um besagte verräterische Kleider verschwinden zu lassen.

Richard konnte sich nicht von der Stelle bewegen.

Sie hatte da gestanden wie ein Traumbild, nackt, weich, leuchtend und so anziehend, dass sein Magen sich verkrampft hatte.

Er dankte sich selbst dafür, dass sie diesen Leib nicht irgendeinem Schuft geschenkt hatte, denn es hätte ihm in der Tat das Herz gebrochen zu wissen, dass dieser Schatz nicht gewürdigt wurde.

Ihr Kleid in den Händen sah er wie sie zurück geflitzt kam und hörte wie sie die Tür aufriss, nicht fragend wer es war.

Sie war splitterfasernackt und machte einfach die Tür auf, am liebsten hätte er sie schon wieder geschüttelt, doch er konnte sie schütteln bis ihr Blut schaumig wurde, es würde nichts an ihrer Natur oder an ihren Instinkten ändern, da war er sich fast sicher.

 

Ein schneller Blick auf die Wanduhr an der Wand der Eingangshalle sagte Salome, dass es halb 6 in der Früh war.

Schnell atmete sie tief durch und zuckte zusammen als die eiskalte Luft sie traf.

„Salome mein Gott, wieso bist du nackt?“

Ok, das war vielleicht nicht ihre beste Idee gewesen, aber Salome beschloss das Beste daraus zu machen und sprach: „Ich wollte gerade in die Dusche.“

Sie betete zu Gott dem Allmächtigen, dass die Herren im Obergeschoss sich ruhig verhalten würden, denn sie wollte Sue nicht erklären müssen wieso sie 3 Männer in Unterwäsche in ihrem Haus hatte und vor allem nicht wieso es sich dabei um gerade diese 3 Männer handelte.

„Wie kommst du eigentlich her?“ fragte sie verwirrt und sah dabei so verschlafen aus als wäre sie in der Tat gerade aus dem Bett gefallen.

„Oh es tut mir leid, dass ich dich geweckt habe, aber ich habe mir solche Sorgen um dich gemacht, weil du doch Besuch hattest und so beunruhigt geklungen hast. Ich gehe davon aus, dass der Besuch sich mittlerweile verkrümelt hat. Kann ich deinen Nachbarn jetzt sehen?“

Sue redete wie ein Wasserfall, das lange blonde Haar nachlässig hochgesteckt und die Augen müde und doch glänzend vor Neugier.

Geschlafen, der Besuch weg, dass ich nicht lache, dachte Salome und musste innerlich kichern beim Gedanken daran, dass Sue ihrem Nachbarn sehr viel näher war als sie dachte.

„Nein Sue es ist noch sehr früh und der Mann tut mir schon leid weil er mit einer Verrückten leben muss, dich muss ich ihm nicht auch noch antun.“ Murmelte Salome und bugsierte die Freundin ins Wohnzimmer.

„Hmmm…Ich habe ein Paar Überraschungen für dich.“ Grinste Sue, die nicht im Geringsten müde aussah und wedelte mit einigen DVDs vor Salomes Nase.

„Toll, mach schon mal ein, ich zieh mir nur etwas über.“ Gähnte diese und hetzte hoch.

 

In ihrem Zimmer schlüpfte sie schnell in Unterwäsche, in den Pulli der immer noch auf ihrem Bett lag und in ein neues Paar Kuschelsocken.

Schlitternd kam sie an der Treppe an, drehte sich jedoch noch einmal um und öffnete die Tür des Gästezimmers.

„Ihr seid still, ja?“ flehte sie nahezu und lächelte dann gerührt als sie 3 Männer in Unterwäsche auf dem alten Bett sitzen sah.

„Ja schon gut…Komm her.“ Richard stand leise auf und riss sie in seine Arme.

Er küsste sie kurz und leidenschaftlich. „Komm schnell zurück.“

„Haltet euch die Ohren zu. Es kann gut sein, dass das was jetzt kommt nicht wirklich angenehm wird.“ Grinste Salome, küsste sein Kinn und schloss die Tür hinter sich.

Seltsam, dass er sie küsste als wäre er in Gefangenschaft, aber ihr sollte es recht sein.

 

„Was ist denn mit dir los?“ Sue sah sie verwundert an.

„Wieso?“ Salome strich ihr Haar glatt und betete um Geduld und Kraft.

„Du siehst ganz aufgeregt aus. Und du bist ganz rot. Was versteckst du vor mir?“

Die große Blondine lehnte sich an Salome und schnupperte an ihrem Hals.

„Parfüm und Mann. Salome was hast du heute Nacht gemacht? Und warst du überhaupt schon im Bett? Ich sehe keine Abdrücke eines Kissens und du siehst verdammt müde aus.“
Sue kannte sie einfach zu gut, sah einfach zu viel und vor allem hatte sie eine Art Radar für attraktive Männer.

„Ach ich habe nicht schlafen können. Mein Nachbar macht mich nervös.“

Salome brachte es nicht übers Herz weiter zu lügen, also fand sie sich mit Halbwahrheiten ab.

„Der Nachbar den ich nicht sehen darf, ja?“

Salome nickte, das wäre das Letzte was sie Sue in ihrem übermüdeten Zustand beichten würde, denn sie wusste noch nicht wie sie dem Sturm von Anschuldigungen und gerechter Enttäuschung standhalten wollte.

 

Sue drückte auf Play und eine dicke Frau erschien.

Salome konnte sich nicht wirklich konzentrieren und schloss lediglich in stiller Scham die Augen als sie Richard erkannte, es hätte ihr klar sein müssen, dass Sue sie zwingen würde etwas zu sehen was sie nicht verstand nur um ihr diesen Kerl endlos unter die Nase zu reiben.

„Also? Ist hier was los?“ Sue sah sie von der Seite her fragend an.

Salome ermahnte sich nicht zu vergessen, dass ihre Freundin sich lediglich Sorgen um sie machte und sie keineswegs freiwillig in den Wahnsinn trieb.

„So mehr oder weniger.“ Gähnte Salome also freundlich und streichelte ihren Hund.

„Das ist John, mein Hund.“ Stellte sie ihn vor und er leckte Sue freudig die Hände.

„Du weißt dass Armitage eine ganze Menge Johns gespielt hat?“

Sue würde nicht locker lassen wurde Salome bewusst und sie ließ müde den Kopf gegen die Lehne des Sofas gleiten.

„Nein, das weiß ich nicht. Das muss ich auch gar nicht wissen.“

Ihre Worte klangen abwehrend und Sue sah verwundert auf.

„Es ist nichts Schlimmes daran ihn attraktiv zu finden, auch wenn er ein wenig alt ist.“
„Himmel Sue, Macfadyen ist auch ein wenig alt und darum geht es hier doch gar nicht.“

Salome war sich ihres dunklen Geheimnisses allzu sehr bewusst und wandte sich lieber wieder dem Film zu von dem sie kein Wort verstand.

„Ist ja schon gut, ich verstehe gar nicht wieso du so empfindlich bist. Du musst dich doch nicht schämen zuzugeben, dass du ihn attraktiv findest.“ Sue war beleidigt.

„Oh Sue bitte hör jetzt auf damit, ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich ihn sehr schön finde und damit hat es sich aber auch jetzt. Ich bete jede Nacht für deine Lieblinge, habe mir die verdammte Gala angesehen und jetzt sehe ich einem Mann in Streifen dabei zu wie er einer dicken Frau den Hof macht. Was willst du denn noch? Soll ich Kekse in der Form seines Kopfes backen? Oder mir ein Poster übers Bett hängen?“

Salome log, sie regte sich künstlich auf und sie fühlte sich sehr schlecht deswegen.

Die Minuten tickten an ihr vorbei, die Männer würden vermisst werden und sie mussten zurück, aber wie sollte sie sie hier rausbekommen ohne dass Sue sie sah?

„Oh sieh nur ein Kuss.“ Seufzte Sue und fragte sich laut wie es wohl wäre Richard Armitage zu küssen.

„Er küsst eigentlich sehr gut.“ Murmelte Salome, mit den Gedanken ganz woanders.


Kapitel 36 by MaggyMae

36.

„Wie willst du das wissen?“

Salome errötete und antwortete dann schnell: „Alle seine Filmpartnerinnen haben das ausgesagt und das sieht man doch, oder?“

Natürlich sah man das ganz und gar nicht, aber Salome klang so überzeugt, dass Sue ihr glaubte ohne Fragen zu stellen.

Gott sei Dank, so gerade noch die Kurve gekriegt, lobte sie sich selbst und sank in sich zusammen.

„Sag mal kann ich bei dir bleiben eine Zeit lang?“

Sue klang auf einmal sehr klein und sehr unsicher.

„Was ist passiert?“ Salome wurde hellhörig.

„Ehm ich habe gekündigt.“ Der Satz traf sie wie ein Donnerschlag und Salome wandte sich der Freundin schockiert zu.

„Wieso?“ – „Mein Chef verlangte Dinge von mir die ich nicht bereit war zu tun. Dinge die Zuckerguss und Ähnliches nicht im eigentlichen Sinn beinhalteten.“

Salome schlang ihre Arme um die Freundin und sprach dann: „Leg dich in mein Bett, ich mache das Gästezimmer für dich fertig. Schlaf ein wenig und ich werde bald bei dir sein.“

Sie geleitete die leidende Freundin in ihr Zimmer, postierte John als Wachmann vor dem Bett und verließ das Zimmer auf leisen Sohlen wieder.

 

Sie waren kindisch, sie wussten es, aber sie saßen zu drei mit dem Kopf gegen den Belüftungsschacht gelehnt und hörten den Frauen zu wie sie sich über Richard und Anderes ausließen.

„Sie reagiert reichlich aggressiv.“ Wisperte Robert leise und Matthew klopfte ihm lautlos und lobend auf die Schulter.

Richard verzog nur das Gesicht und hörte weiter zu.

Sue wusste mehr, sie ahnte, dass Salome mit einem Mann zusammen gewesen war und sie drängte darauf ihn, in seiner Rolle als Nachbar, kennenzulernen.

Leider ging das nicht ohne dass sie auch sah wer er wirklich war, obwohl was hieß hier wirklich? Er war beides, er war sowohl der Nachbar als auch der Schauspieler, doch im Gegensatz zu Salome würde Sue da den Unterschied machen können.

Er wollte Salome trösten, er wollte verschwinden damit sie sich keine Sorgen mehr um ihn machen musste, aber er war hier eingeschlossen, ohne Kleider und ohne Hoffnung.

Was keine der Frauen zu bemerken zu schien waren die weichen Seufzer welche Küsse immer in ihnen auslösten.


Er konnte sich Salome vorstellen wie sie in Kuschelsocken auf dem Sofa hockte, den Hund neben sich postiert und die Beine unter dem Leib unterschlagen.

Er sah das weiche Lächeln vor sich mit dem sie seiner Schönheit fast spöttisch huldigte und ihre kleinen Hände die sich hinter ihrem Rücken versteckten aus Angst sie könnten sie verraten.

Sie hielt ihn für ihren Schwarm und er war geschmeichelt, nein, er war mehr als das.

Tatsächlich freute er sich darüber, weil er wusste, dass sie in ihm nichts anderes sah als das was er wirklich war und er musste zugeben, dass er auch ein klein wenig für sie schwärmte soweit das möglich war für einen Mann in seinem Alter.

Er begehrte sie, wollte bei ihr sein, wollte sie beschützen, dachte er und als er die ersten Sonnenstrahlen sah welche den Raum in ein goldenes Licht tauchten, gab er sich selbst gegenüber zu, dass er sie öfter schlafen sehen wollte, dass er sie küssen wollte bis sie beide außer Atem waren und dass er sie nie wieder gehen lassen wollte.

Doch das Geheimnis seiner Identität stand zwischen ihnen.
Was bedeutete es für sie für ihn zu schwärmen?

Wollte sie ihn aus der Distanz betrachten und sich wünschen was alles möglich war.

Er würde ihr jeden Wunsch erfüllen, aber sie würde ihn niemals um etwas bitten was er nicht freiwillig gab aber wie sollte er das tun wenn er nicht wusste was sie wirklich verlangte?

 

Und dann gab sie zu, dass er gut küsste.

Er hielt den Atem an, aber er wusste, dass Salome sich da rausreden würde.

Und das tat sie.

Er grinste wie ein kleiner Junge, wie ein Bube der das Gespräch des süßesten Mädchens der Schule belauschte und hörte, dass sie ihn auch mochte.

Aber hatte er je daran gezweifelt?

Hatte er je in Frage gestellt, dass Salome ihn mochte wenn sie ihm doch stets die Tür öffnete, wenn sie sich von ihm küssen ließ, wenn sie sagte, dass er ihr Schwarm war?

Sie mochte ihn nicht nur, sie vertraute ihm, versteckte ihn…würde sie ihn je lieben?

Konnte ihre Geduld und ihre Konzentration sie bis dahin bringen, bis zu dem Punkt an dem sie ihm mehr als nur ihr Wohlwollen und ihre Freundschaft entgegen bringen würde?

Natürlich war es lächerlich darüber nachzudenken, denn immerhin hatte sie gerade erst den Weg in ihr eigenes Leben gefunden und sie würde es nicht aufgeben für einen alternden Schauspieler, für einen Menschen der seine eigene Familie und Heimat seltener sah als er wollte.

Würde sie? Könnte sie?

Sie könnte, ihr Herz war groß genug um überall zuhause zu sein, aber würde sie ihm folgen wollen?

 

Er hörte wie Sue beichtete, dass ihr Chef versucht hatte sie sexuell auszunutzen und seine Fäuste ballten sich automatisch.

Er sah zu Matthew und sah die gleiche Wut in den Augen des Freundes.

Sie waren keine Helden, aber sie waren auch keine Monster, sie würden sich immer für die Schwächeren einsetzen und es ekelte sie zu wissen, dass Frauen auf dieser Welt immer noch dem Willen der Männer ausgeliefert waren.

Dieses Haus war zur Zuflucht geworden, zu dem Herzen der Geheimnisse und er fühlte sich wohl hier im Bauch dieser großen Wärme mit der Salome den Staub des Alten verscheucht hatte.

Salome holte die Kleider und stieg die Treppen wieder rauf, sie zögerte, sie zweifelte.

Sue brauchte sie mehr als sie Sue brauchte, ihr Leben war zwar ein Chaos, aber sie war nicht von Schmerzen und Ängsten geplagt und das lag vor allem daran, dass ihr lieber Nachbar zu dem Inbegriff ihres Zuhauses geworden war.

Sie öffnete die Tür leise und sah sie dort auf dem Boden hocken wie Kinder die man im Schrank eingeschlossen hatte.

Ihr stockte der Atem, würde sie sich je daran gewöhnen sein Gesicht zu sehen?

Würde sie je aufhören nach ihren Worten zu suchen wenn seine Augen sie so ansahen, so tief und so fragend, so geduldig und so freundlich?

„Ihr könnt jetzt gehen.“ Wisperte sie und wünschte sie müsste das nicht sagen, aber der Tag brach an und sie sollten zurück in ihre Betten, zurück zu den Freundinnen und Ehefrauen denen sie gehörten und die auf sie warteten.

Missmutig warf sie die Kleider aufs Bett und sank erschöpft daneben nieder.

„Geht es dir gut?“ Richard strich mit dem Daumen über die tiefen, dunklen Ringe unter ihren strahlenden Augen und sie schmiegte ihr Gesicht in seine Hand wie eine Katze.

„Mir geht es ganz gut. Aber ihr müsst weg.“

Sie schluckte schwer, schluckte all die Worte und Bitten herunter die sie ihm ins Gesicht schreien wollte.

Und dann klingelte es schon wieder und sie eilte aus dem Zimmer, betend, dass es ihr Bruder sein würde oder jemand anderes, betend, dass Sue nicht aufwachte.

Sie stürzte die Treppen hinab und ihr Körper schmerzte vor Müdigkeit und unterdrückter Sehnsucht, aber sie kämpfte sich wie durch Treibsand bis zur Tür.

Die Frau war wunderschön, weich und ärgerlich.

„Ist mein Mann hier?“ fragte sie forsch und Salome schloss die Augen. Das hatte ihr gerade noch gefehlt, dass irgendjemandes Frau ihr eine Szene machte.

„Er wird in 2 Sekunden hier sein hoffe ich.“ Wisperte Salome, sich sagend, dass es sich um einen der drei Männer handeln musste die da waren, und brach zusammen.


 

Kapitel 37 by MaggyMae
Author's Notes:

Und da ist die nicht sonderlich begeisterte Ehefrau auch schon

37.

Die Frau sah auf das leblose Wesen hinab das auf dem Boden lag.

„Oh hallo.“ Matthew küsste sie leicht auf den Mund als wäre nichts passiert und hob Salome dann vorsichtig hoch.

„Richard? Trag sie ins Gästezimmer. Ich melde mich bei dir.“ Er strich Salome ein letztes Mal über den Kopf und verschwand mit Robert durch die Tür.

„Kannst du mir erklären was du hier machst? Ich habe bei Richard nach gesehen nachdem ich dich im Hotel nicht antraf und eine ältere, vor allem blinde Dame, sagte mir, dass er öfters bei der jungen Dame ist die hier lebt. Also ich mische mich ja nur ungern ein, aber was hattet ihr da zu suchen? Nein, vor allem was hattest du da zu suchen?“

Matthew sah seine Ehefrau unschlüssig an und hob dann die Arme in stiller Demut.

„Ich kann es dir nicht genau erklären, aber es ist nicht so wie du denkst. Sie ist eine Freundin von Richard und ich wollte ihn besuchen und habe sie kennengelernt und sie ist verdammt nett. Sie ist ein wenig chaotisch, aber so abgrundtief lieb, dass es entspannend war Zeit mir ihr zu verbringen.“

Er musste ihr ja nicht auf die Nase binden, dass er sich für diese Fremde bis auf die Unterwäsche ausgezogen hatte oder?

Seine Frau war nun mal eine Frau und von Natur aus eifersüchtig und wenn er ganz ehrlich war konnte er es ihr nicht verdenken, immerhin hatte sie ihn im Haus einer anderen Frau erwischt.

„Sie ist ziemlich dick.“ Murrte seine Frau gerade nachdenklich und Matthew fasste sich an die Stirn, denn Salome war nicht ziemlich dick, sondern lediglich etwas mollig und er sah nicht ein was das damit zu tun hatte.

„Ehm nein, ich finde nicht.“ Sprach er also als er merkte, dass seine Frau tatsächlich eine Antwort auf diese absurde Aussage verlangte.

„Hör zu Liebes, Salome ist eine Freundin, eine gute, liebe Freundin. Zumindest für mich, was sie da mit Richard am Laufen hat weiß ich nicht genau, aber ich weiß auch nicht ob ich es wirklich wissen will. Mach dir einfach keine Gedanken. Überhaupt was machst du hier? Ich dachte du wärst mit den Kindern in einem Kurort?“

Seine Frau sah ihn bitterböse an. „Ich wollte dich überraschen, hatte aber nicht damit gerechnet dich in einem Haus einer anderen Frau zu finden, zusammen mit Richard und diesem Hampelmann.“

Matthew hatte genauso wenig geschlafen wie alle Andern und ließ jetzt seinen Kopf gegen die Fensterscheibe des Wagens seiner Frau sinken, wohl wissend, dass sie nicht fahren würde, weil sein Wagen, für alle gut sichtbar, in der Einfahrt Salomes stand.

„Bitte Liebling hör auf so wütend und bösartig zu sein. Salome war uns allen eine große Hilfe und ein großer Trost und ich denke nicht, dass du so über eine Frau reden solltest die du nicht kennst.“ Bat er seine Angetraute dann freundlich.

„Wie alt ist sie eigentlich?“

Er spürte hinter ihren Worten die Anspannung und die Angst für eine jüngere Frau verlassen zu werden, aber das kam ihm lächerlich vor.

Er war da gewesen, er hatte gesehen wie Salome Richard fast mit Haut und Haar verschlungen hätte.

„Ich werde sie wiedersehen aber nicht mir zuliebe, sondern um Richard als Freund und Bruder zur Seite zu stehen. Sie ist etwas stürmisch und schwer auszumachen, aber wenn du schon so fragst: Salome ist 23 und ja sie ist außergewöhnlich hübsch, das leugne ich nicht, aber sie ist nicht mein Objekt der Begierde.“

Er war wirklich müde und er hatte keine Lust sich mit seiner Frau zu streiten, also stieg er aus und machte aus sie unweit von hier wiederzutreffen damit sie frühstücken konnten.

 

Robert fragte sich ob er diese Menschen je wieder sehen würde und vor allem was da wirklich passiert war.
Er hatte seine Nacht mit praktisch Fremden verbracht und Kristen würde ihm den Hals umdrehen, denn er hatte nicht wie versprochen angerufen um ihr von der Party zu erzählen auf der er nie aufgetaucht war.

Voller Verständnis für Richard dachte er an die kleine Salome, die so anders war als alle Frauen die er jetzt kennenlernte.

Sie lebte in ihrem kleinen Haus und zugleich in einer gänzlich anderen Fantasiewelt.

Nur aus Freude und naivem Glauben bestehend, nahm sie die Menschen wie sie waren und stellte sich anscheinend selten Fragen wen sie da in ihr Leben ließ, oder aber sie wusste es genau.

Es war nicht so als ob sie ihnen gegenüber gleichgültig gewesen wäre, aber sie nahm die Bewunderung die einem Stars und Sternchen automatisch einflößten mit Humor und blieb nicht wie versteinert stehen.

Bewegung, so dachte Robert, ja Bewegung war das was diese Frau am besten beschrieb, sie war wie ein Wirbelwind, immer auf Achse, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer ohne das wirklich mitzubekommen.

Männern wie Armitage oder Macfadyen begegnete sogar er mit Ehrfurcht, aber sie schien sie spontan in ihr Herz zu schließen und behandelte sie mit der gleichen ehrlichen Zuneigung die man alten Freunden entgegen brachte.

Sie nahm den Star zur Kenntnis, aber sah den Menschen und Robert bewunderte sie für diesen herzlichen Mut sich nicht blenden zu lassen.

Und weil er nichts zu tun hatte heute, ging er die Straße auf und ab, unbewusst auf etwas wartend.

 

Richard legte sie vorsichtig auf das Gästebett und betrachtete sie lange schweigsam.

Dies war bereits das zweite Mal, dass sie in Ohnmacht fiel und er machte sich Sorgen um ihre Gesundheit.

Zärtlich berührte er die tiefen Ringe unter ihren Augen und küsste ihre kalte Stirn, konnte aber nicht gehen bevor er nicht sicher war, dass es ihr gut ging auch wenn er wusste, dass jede Sekunde die er verharrte fatal sein könnte.

Flatternd schlug sie die Augen auf und sah sich verwirrt um.

„Was? Nein, ich will weiter gucken.“ Quengelte sie wie ein Kind und er legte seinen langen Finger auf ihre Lippen.

„Nein du wirst jetzt erst mal schlafen.“ Befahl er und schlug die Decke über ihren Körper.

„Siehst du? Deshalb bist du mein Schwarm.“ Lächelte sie als er die Decke um sie herum feststeckte und sie erneut auf die Wange küsste.

„Ich bin nur müde, nicht krank. Gib mir einen richtigen Kuss. So als ob du mich richtig mögen würdest.“

Er hielt inne, was meinte sie damit?

„Aber ich mag dich doch du kleines Dummerchen.“ Lächelte er und senkte seine Lippen auf die Ihren, küsste sie sanft und zärtlich, beruhigend und tröstend.

„Na, so wie die Helden die Heldinnen küssen.“ Quengelte sie weiter und er lachte sehr leise auf.

„Nicht heute meine Süße.“ Seine Hand glitt über ihr seidiges Haar und ihre weiche Wange.

„Ich werde dich vermissen.“ Murmelte sie schläfrig und er merkte, dass tief in seinem Herzen ein Echo ihrer Worte erklang, denn auch er würde sie vermissen während Sue da war und schon bald müsste er wieder arbeiten und dann würde er sie gar nicht mehr sehen.

„Ich dich auch du kleines Monster.“ Wisperte er, aber sie schlief schon, also kramte er einen Zettel aus der Tasche, fand das Autogrammblatt und schrieb auf die Rückseite:

Hier ist meine Nummer, schreib mir doch mal.

Und Salome? Ich mag dich wirklich, also willst du mit mir auf den Schulball gehen?

Er lächelte, küsste sie erneut, legte den Zettel unter ihr Kissen und schlich sich aus dem Haus wie ein Dieb.

Auf der Straße fand er Robert, der gedankenverloren in die Wolken starrte.

„Hey Kleiner, hast du kein zuhause?“ fragte er gut gelaunt und erntete einen konsternierten Blick dafür.

„Sag mal, weißt du eigentlich, dass du Hals über Kopf in sie verliebt bist?“ fragte der Junge ihn dann als er ihm seine eigene Haustür öffnete.

Richard blieb wie angewurzelt stehen.


 

Kapitel 38 by MaggyMae
Author's Notes:
Salome meets GoG

38.

„Ehm wie bitte?“

Richard musterte den frechen Jüngling kalt und eisern.

„Ach komm schon, du kennst ihr Schlafzimmer, du küsst sie, du kümmerst dich um sie und du bist vor Eifersucht fast durchgedreht als sie sich einem Andern hingeben wollte.“

Rob grinste ihn breit an und er fuhr sich mit der Hand über die Stirn als könnte er damit den lästigen Nebel in seinem Kopf lichten.

Robert hatte Recht, er war tatsächlich mehr als nur freundschaftlich besorgt, er mochte Salome wie er ihr beteuert hatte wirklich und vielleicht fühlte er ein klein wenig stärker zu ihr hingezogen als er es sein sollte, aber verliebt?

Er war erwachsen, er verliebte sich nicht einfach wie ein grüner Junge in irgendwelche Mädchen nur weil sie sich ein paar Küsse stehlen ließ.

Ach was dachte er da denn nur? Salome konnte nichts dafür, dass er mit sich selbst und mit seinen Gefühlen nicht klarkam und er sollte auf keinen Fall abschätzig über sie reden oder denken, nur weil sie die Kraft und den Mut hatte sich der Wahrheit zu stellen.

Sie fand ihn nett, sie fand ihn schön und sie hatte daraus nie einen Hehl gemacht, sie sah nicht einmal einen Grund dafür zu verstecken, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte.

Für Salome war es keine Sünde und kein Fehler einen schönen Mann als solchen wahrzunehmen.

Andererseits war es komplett widersinnig sich in eine Frau zu verlieben die sehr viel jünger war als er und sie würde ihn doch niemals wirklich haben wollen, oder?

„Das ist Unsinn.“ Sprach er also vehement, doch Robert sah ihn nur abwartend an.

„Wir sind Freunde.“ Versuchte Richard es erneut und erntete nur Spott.

„Ja, das sagen sie alle. Wir sind nur gute Freunde. Aber ich habe euch knutschen sehen, ich habe gesehen wie sie dich ansieht, ich habe gesehen wie du errötest und vor allem habe ich gesehen wie du einerseits einen Mann niedergeschlagen hast und andererseits diese Frau umarmst als sei sie aus Glas und Eis.“

Robert war jung, aber er war nicht dumm und als romantischer Filmheld wusste er genau, dass sein Beruf darin bestand solche Situationen und Blicke nachzuahmen.

Für ihn stand außer Frage, dass der Alte sich mehr als nur ein wenig zu Salome hingezogen fühlte, er wollte sie anscheinend für sich, hatte aber nicht den Mut sie zu beanspruchen.

Natürlich musste er ihm auch eingestehen, dass Salome so eindeutig zweideutig war, dass er sich seiner Sache nicht sicher sein konnte.

Richard könnte mit Blumen vor ihrer Tür stehen und es war gleich wahrscheinlich, dass sie ihm entweder lachend erklärte, dass sie ihre Beziehung nie als amourös verstanden hatte, wie dass sie ihm um den Hals fallen würde, ebenfalls lachend, ihn scheltend weil er so lange gebraucht hatte.

Eigentlich mochte Salome Richard sicher, aber wie sehr wusste allein Gott, während wenn Richard je zugeben würde sie auch richtig zu mögen allen klar sein würde, dass er sie liebte.

Aber die Liebe eines Mannes von 40 Jahren bedeutete Ehe und Kinder, doch Salome hatte bisher nicht einmal einen richtigen Freund gehabt und Robert war sich nicht sicher ob sie einer kurzen Brunftzeit zustimmen würde.

„Na du hast ja jetzt etwas Zeit dir darüber klar zu werden was du für die Kleine empfindest.“ Robert zuckte mit den Achseln und machte es sich auf dem Sofa bequem.

Erst nach einigen Sekunden sah er den gepeinigten Ausdruck auf Richards Gesicht.

„Ha du vermisst sie, vermisst sie jetzt schon und dann willst du mir erzählen du würdest nichts für sie empfinden!“ rief er triumphierend und die Miene seines Gegenübers wurde wenn möglich noch ein wenig säuerlicher.

„Ich habe nie gesagt, dass ich NICHTS für sie empfinde, aber ich habe auch nicht behauptet in sie nun ja verliebt zu sein.“ Grummelte Richard.

„Aha…Ja dann…“ Robert konnte nicht glauben, dass ein erwachsener Mann derart kindisch mit seinen eigenen Emotionen umgehen konnte.

Und dann fiel ihm wieder ein, dass Armitage nicht verheiratet war und es wahrscheinlich auch nie sein würde, wenn er sich seinen eigenen Gefühlen gegenüber so verschloss.

 

Salome wachte verwundert und desorientiert auf und wollte schon zu Sue eilen als sie den Zettel fand.

„Himmel.“ Entfuhr es ihr und sie setzte sich wieder hin.

Warme Tränen der Rührung rollten ihr über die Wangen und sie verspürte dringlich und schmerzhaft den Verlust der Anwesenheit ihres Nachbarn.

Fast grollte sie Sue dafür, dass diese sie um den Trost und die Freude brachte ihre Version des Richard Armitage jeden Tag zu sehen und sich an seiner warmen Freundlichkeit zu laben.

Seufzend schob sie sich das Stück Papier unter den Bund ihres Höschens und betrat ihr eigenes Zimmer.

Sue war wunderschön, ihr Körper perfekt proportioniert und ihre langen, blonden Haare flossen wie ein Regen aus Gold über ihr Kissen.

Sie murmelte im Schlaf und Salome versteckte ihren Zettel im Schrank bevor sie zu der Freundin ins Bett krabbelte.

„Sue?“ wisperte sie und lehnte sich an die lebendige Wärme des fremden Körpers, ließ ihre Hand über die schneeweiße Wange der Freundin gleiten und wartete auf ein Lebenszeichen.

„Hmm?“ Susan schlug die blau-grünen Augen auf und sah Salome fragend an.

„Oh Lola, wie geht es dir? Wie spät haben wir’s?“

Salome sah auf die kleine Uhr die auf ihrem Nachttisch stand und ihr als Wecker diente und sprach: „Fast 4 Uhr nachmittags.“

Sie gähnte, sie hatte gut geschlafen, aber als sie aufwachte hatte sie den Mann vermisst von dem sie nichts verlangen konnte außer seiner Freundschaft.

„Werde ich heute deinen Nachbarn kennenlernen?“ Sue sah sie aufmerksam an und erkannte das Zögern.

„Nein Sue, ich…nicht jetzt. Ich will dich erst mal für mich allein.“

Sue stand auf und als sie unter der Dusche stand, spürte sie nahezu, dass Salome nicht die Einzige war die in letzter Zeit in diesem Haus gewesen war.

Ein Männerduschgel stand auf der Anrichte und der herbe Geruch nach Mann schwebte im Flur.

Jedoch kannte Sue Salome schon zu lange um sie zu drängen und wenn die Freundin ihr nicht sagen wollte was es mit dem seltsamen Nachbarn auf sich hatte, dann würde sie Salome nicht dazu zwingen, denn sie hatte etwas in ihren Augen gesehen was ihr neu war.

Salome mochte diesen Mann, kannte ihn wirklich und mochte ihn trotzdem.

Sue betrachtete sich in dem hohen Spiegel und dachte teilnahmslos, dass sie in der Tat eine schöne Frau sein musste, aber das interessierte sie nicht, denn ihre Schönheit hatte ihr immer nur Scherereien eingebracht.

Sie war etwas schüchtern, verbrachte ihre Zeit mit fiktiven Charakteren und konnte nur Salome gegenüber wirklich ehrlich sein.

Man hatte sie ausgenutzt, verspottet und mehrmals versucht sich an ihr zu vergehen nur weil sie schön war und sie fand das keineswegs erstrebenswert.

Als sie aus der Dusche kam, saß Salome am Küchentisch und trank eine Tasse Kaffee, träumerisch aus dem Fenster blickend und erschreckte damit Sue, welche sie nur selten zuvor so ruhig und friedlich gesehen hatte.

Ihre Neugier nach dem Nachbarn stieg ins Unermessliche, aber sie wusste, dass sie sich nur blamieren konnte, denn auch wenn sie eine große Klappe bei Salome hatte, so hatte sie doch panische Angst vor Männern.

„Lola? Willst du einen Film sehen?“ fragte sie also die Freundin um zurück in ihre Welt der Träume zu kommen in der sie Männer traf die es wirklich wert waren und die mehr in ihr sahen als die bloße Schönheit ihres Leibes.

Salome nickte, sie fühlte sich dumm, sie fühlte sich einsam und alles an ihr drängte sie dazu dem Nachbarn eine Nachricht zu senden, nur wusste sie nicht genau was sie sagen sollte, wenn doch so viele Gedanken und Gefühle in ihr wüteten.

Sue legte eine weitere DVD ein und als ihr schon wieder Richard entgegensah hätte Salome am liebsten laut schreiend um sich getreten.

Sie erstarrte stattdessen als sie zum ersten Mal in ihrem Leben Guy of Gisborne gewahr wurde.

„Du dreckiger, elender Schuft.“ Zischte sie und zog damit Sues ganze atemlose Aufmerksamkeit auf sich.


 

Kapitel 39 by MaggyMae

39.

Salome wunderte sich selbst über ihre Wut, aber jetzt da sie diesen Guy sah, erkannte sie auch was damit gemeint war, dass Richard ihm alle Ehre gemacht hatte als er sie wie einen Getreidesack geschultert hatte.

„Also er ist sicher nicht der netteste Mann auf der Welt, aber deinen Hass hat er doch nicht verdient.“

Sue war verwundert, sie kannte Salome schon ewig und wusste, dass sie kein böser Mensch war und selten schlecht über Andere dachte, vor allem nicht wenn sie diese nicht kannte.

Und doch brannten Salomes Augen als würde sie ihrem Erzfeind gegenüber stehen.

„Salome, ich verstehe dich nicht. Ehrlich, er ist komplett fiktiv und ich verstehe nicht wie du jemanden den du sicherlich nie getroffen hast so verabscheuen kannst.“
Salome wusste nicht wie sie Sue erklären sollte, dass sie dem Geist dieses Mannes begegnet war und dass es ihr wehtat zu wissen, dass sie ihn bis zu einem gewissen Punkt gemocht hatte.

Sie konnte nicht leugnen, dass sie wie viele andere Frauen auf der Welt eine Schwäche für die Bösen hatte, gerade weil sie diesen seltsamen Helferkomplex hatte und sich nicht vorstellen konnte, dass ein Mensch schlecht geboren wurde.

Ernsthaft dachte sie darüber nach wie sie einem Mann der, wie Sue richtig angemerkt hatte, gar nicht existierte helfen konnte.

„Ich bin müde und durcheinander.“ Wisperte Salome und spielte mit dem Saum ihres Pullis.

Sue beugte sich zu ihr und schnupperte.

„Himmel, ist das der Pulli den du entwendet hast? Gott, riecht der Mann gut.“

Salome zuckte zusammen, denn sie dachte darüber nach was Sue wohl dazu sagen würde, wenn sie wüsste, dass sie pausenlos über ein und denselben Mann sprachen.

„Ich weiß.“ Kleinlaut, ja, Salome klang kleinlaut.

Sie schämte sich ihrer besten Freundin nicht sagen zu können, dass sie ein klein wenig in ihren Nachbarn verknallt war, aber sie wusste, dass es ihr zum Verhängnis werden könnte, sollte Sue je herausfinden wer ihr Nachbar wirklich war.

 

„Salome, hast du Gefühle für ihn?“

Soviel zum Thema Sue im Unklaren zu lassen, dachte Salome verzweifelt.

„JA, aber ich weiß nicht welche. Er ist ein verdammt netter Kerl, so anständig dass er eine Nonne sein könnte und so gütig dass Mutter Theresa sich vor Demut auf dem Boden wälzen müsste. Ach Susan ich kann dir nicht einmal erklären wie es ist.

Seit ich hier bin laufe ich ihm dauernd über den Weg und er ist da wenn ich ihn brauche, was mittlerweile fast immer ist.

Er ist so ernst und vernünftig, dass ich mir weniger dumm und ungeschützt vorkomme und er ist so lustig, dass ich frei mit ihm sprechen kann.

Das Problem ist nur dieses: Er ist viel älter als ich und ich denke, dass da andere Dinge sind die zwischen uns stehen.“

Sue sah sie lange forschend an während sie eine ihrer Haarsträhnen zwischen den Fingern zwirbelte und an ihrer Lippe kaute.

„Wie beispielsweise der Fakt, dass niemand den Mann sehen darf? Er ist doch nicht entstellt oder?“

Salome musste lachen, denn wenn er etwas nicht war, dann war es entstellt.

„Nein, aber sein Gesicht…gehört zu den Problemen über die ich lieber nicht sprechen möchte.“

Sue sah sie immer noch fragend, suchend und neugierig an.

„Nun, du musst ihn nicht mit mir teilen.“ Sagte sie dann schulterzuckend.

Salome sah müde aus und Sue erkannte, dass ihr Geheimnis schwer an ihr nagte.

„Hast du ihm gesagt, dass du etwas für ihn empfindest?“

„Ich denke das ist sehr klar.“ Salome sah ihre Freundin überrascht an.

„Nein.“

 

Sue wusste nicht wie sie Salome erklären sollte, dass Männer das Offensichtliche am wenigsten erkannten und dass Salome so offen mit ihrer Zuneigung umging, dass es nie klar war wie tief sie reichte.

Salome grüßte einen Fremden mit der gleichen Freundlichkeit wie einen alten Freund und so wusste man nie ob man nur in den Genuss der inneren Sonne der kleinen Frau kam oder ob sie sich wirklich über eine bestimmte Person freute.

Nicht eine Sekunde lang zweifelte Sue daran, dass Salome ihrem Nachbarn klargemacht hatte, dass sie ihn mochte und sich freute wenn er da war, aber wer konnte schon durch ihren Panzer aus guter Laune und kindlichem Vergnügen sehen?

Sie selbst wusste nicht einmal ob Salome sie wirklich liebte oder ob sie nur einer der Menschen war an die sie gewöhnt war und mit denen sie sich gerne aufhielt.

„Wie nein?“ Salome sah verwirrt aus und legte ihren winzigen Kopf schief.

Natürlich verstand sie nicht was Sue meinte, denn sie dachte ebenfalls, dass sie doch eine sehr liebevolle Natur hatte.

„Salome liebst du mich?“ Sue sah sie fragend an und schreckte nicht zurück als sie den verletzten Ausdruck in den Augen der Freundin sah.

„Natürlich.“ Salome war entsetzt.

„Siehst du, Salome, es ist schwer dir das zu erklären, aber du magst Menschen im Allgemeinen, du bist immer fröhlich, du kannst dich über alles freuen und somit ist es sehr schwierig zu sehen ob dir etwas wirklich nahe geht oder ob deine Freude über einen Menschen oder eine Handlung nur deiner natürlichen Freude entspringt.“

Salome dachte lange nach bevor sie sprach und nickte dann schließlich.

„Ja, ich sehe was du meinst. Ich bin ein Mensch der versucht sich so gut wie möglich mit allem abzufinden, aber ich bin nicht immer fröhlich.

Es gibt Tage der Nacht, Tage der Trauer und Tage der Verzweiflung und die Menschen bei denen ich an diesen Tagen Schutz und Halt suche sind diejenigen die ich wirklich mag und brauche.

Ich liebe dich Sue, liebe dich wie die Schwester die ich nie hatte und wie die Mutter die ich verlor und ja es schmerzt mich zu wissen, dass du an dieser tiefen Liebe zweifeln musstest.

Ihr nehmt nicht ernst was ich sage, wenn ich euch sage dass ich euch sehr lieb habe, dann denkt ihr ich bin nur wieder sehr gut gelaunt, aber es ist nicht die Welt die ich umarme, das seid ihr, wirklich ihr.

Ich versuche mit allen und allem klarzukommen, aber ich will nur wenige Menschen, erlaube nur wenige Menschen meine Tränen und mein Leid zu sehen und du gehörst dazu.“

Salome schlang die Arme um Sue und wiegte sich leicht hin und her.

„Ich liebe dich Susan.“ Sprach sie dann mit einer Stimme die so tief und so ehrlich war wie der Brunnen der Weisheit und Sue glaubte ihr, sah die Traurigkeit der Jahre ohne Freude und ohne Hoffnung und verstand, dass Salome mehr als nur ein wenig in ihren Nachbarn verknallt war.

Und weil sie verstand, fiel ihr plötzlich etwas ein.

„Sag mal, musst du nicht den Hund ausführen? Ich nehme so lange ein heißes Bad.“ Sprach sie gekonnt leichthin, denn Sue war die Meisterin darin ihre Gefühle zu verstecken.

„Ja, in der Tat.“ Seufzte Salome und dann erst ging ihr auf, dass sie Richard vielleicht sehen konnte.

Auswendig tippte sie seine Nummer ein und schrieb ihm, dass sie den Hund ausführen würde und dass sie ihn gerne sehen würde.

Wie lächerlich ihn schon nach einigen Stunden so zu vermissen, dachte sie lächelnd, aber es fraß an ihr zu wissen, dass niemand sich ihrer Zuneigung so sicher war wie sie diese in ihrem Herzen empfand.

Susan sah ihr nach wie sie in ihrem Pulli und Gummistiefeln aus dem Haus rannte und dabei glatt den Hund vergaß.

Als sie atemlos zurückgeeilt kam, reichte Sue ihr die Leine und schmunzelte.

Sie ließ sich ein Bad ein und lehnte die Tür nur an.

Sie kannte Salome einfach schon zu lange.

Salome saß auf einer Bank und ließ John über eine Wiese toben als sich plötzlich eine schwere Hand auf ihre Schulter legte und ihr Herz sich automatisch hob.


Kapitel 40 by MaggyMae
Author's Notes:
>Böser Richard

40.

Salome fuhr herum und lächelte.

„Was wird das? Geheimes Treffen?“ Richard foppte sie und sie grinste.

Als er sich neben sie setzte, gab sie ihm nicht einmal die Gelegenheit sie ordentlich zu grüßen, sondern küsste ihn leidenschaftlich.

„Oha, hast du mich schon vermisst?“ Er hielt sich an den Humor aus Angst sein Gefühlschaos zu verraten.

Aber wie immer überraschte Salome ihn indem sie einfach nur sehr ernsthaft nickte.

„Ich mag diesen Guy nicht.“ Murmelte sie dann an seinem Mund und brachte ihn damit zum Lachen.

„Den soll man ja auch nicht mögen du Dummerchen.“ Schalt er sie und schlang seinen Arm wie selbstverständlich um ihre Hüfte.

Sie lehnte sich an ihn und dachte darüber nach, dass sie hier am helllichten Tag mit einem Mann saß und dass es ihr gar nichts ausmachte.

„Ja…“ machte sie leise und schmiegte ihren Kopf an seinen Hals wie es zu einer geliebten Gewohnheit geworden war.

„Und wie geht es Sue? Schändlich, dass ihr Chef so ein Arsch ist.“

Salome zuckte zusammen, sie hatte vergessen oder verdrängt, dass die Männer jedes einzelne Wort ihres Gespräches mit Susan mit angehört hatten.

„Ihr geht es mehr oder weniger gut. Im Moment quält sie mich mit Guy diesem Fiesling.“

Salome kicherte leise und drückte einen Kuss auf Richards Kinn als er sie zweifelnd ansah.

„Sag mal wessen Frau war das eigentlich? Die die heute Morgen geklingelt hat?“

„Ah das ist Matthews Frau.“

Salome erinnerte sich daran, dass sie diese Frau bereits gesehen hatte, aber sie erinnerte sich nicht mehr wo und wie und wann.

Und dann ging ihr ein Licht auf. „Oh sie spielt deine Schwester, nicht wahr?“

Richard schloss die Augen in Demut als ihm bewusst wurde, dass Sue Salome dazu zwang alles zu sehen was er gemacht hatte bisher.

„Ja…Sie macht dem armen Teufel bestimmt die Hölle heiß.“

Eigentlich tat es ihm leid um Matthew und er beschloss bei ihnen anzurufen um seiner Frau zu erklären, dass Salome allein sein Problem und seine Nemesis war.

„Pass gut auf, wenn das so weiter geht werde ich noch dein Groupie.“ Lächelte Salome dann zu ihm auf und er stupste ihr leicht gegen die Nase.

„Ich dachte das wärst du bereits.“

Sie runzelte die Stirn und sah ihn finster an.

„Nein, aber es könnte dazu werden wenn ich nicht gut aufpasse.“ Lächelte sie dann wieder fröhlich und spielte mit seinen Fingern.

 

Richard fragte sich automatisch ob er wieder ein Teenager geworden war, immerhin hatte er sich aus dem Haus geschlichen um Salome zu sehen, während Robert den Schlaf der Gerechten schlief und dabei seine Couch voll sabberte.

Die Art wie sie ihn berührte erinnerte ihn an die allerersten Versuche mit Mädchen, an die erste Aufregung, an den ersten Sex und während das alles sehr lange her war für ihn, stand Salome dies alles noch bevor.

Sie hatte keine Partner gehabt, weil es sich nicht ergeben hatte, aber sie schien keine Angst im Umgang mit Männern zu haben, dachte er als er ihre ineinander verschlungenen Hände sah: Ihre klein und golden, Seine groß und weiß.

Ihr Lächeln strahlte mit der fahlen Wintersonne um die Wette und er sah mit der Besorgnis eines Erwachsenen auf ihre nackten Beine unter dem Pullover den sie anscheinend jetzt dauernd trug.

Also beschloss er ihr einen weiteren Pulli zu geben, damit sie abwechseln konnte.

Die Idee brachte ihn zum Schmunzeln und sie sah verwundert und erfreut zu ihm auf, berührte die Lachfältchen mit stummer Bewunderung und lächelte dann selbst.

„Himmel bist du schön wenn du lächelst.“ Wisperte sie und er sprach:

„Wollte ich auch gerade sagen.“

Sie lachte und das Geräusch ging ihm durch Mark und Bein.

Sie saß in der eiskalten Sonne und lachte, die Welt schien aufzuhören sich zu drehen für einen Moment als er sie so ansah.

Seine Finger glitten unter ihr Kinn, ertasteten die straffe, weiche Haut an dieser empfindlichen Stelle und er hob ihr Gesicht dem Seinen entgegen.

„Ich mag es wenn du mich küsst.“ Lächelte sie an seinen Lippen und er verspürte den Wunsch, sie solche Dinge öfter sagen zu hören, sehnte sich nach stärkeren Worten.

Seine Lippen glitten sanft über die Ihren, ein Streicheln mehr als Druck, lockend und abwartend und wie erhofft explodierte sie in seinen Armen.

Ihr war es egal ob vielleicht Menschen vorbeikamen, sie setzte sich rittlings auf ihn und verschlang seinen Mund, fuhr besitzergreifend durch die nun kürzeren Haare und knurrte tief in ihrer Kehle als er sich ihr entziehen wollte.

„Wenn jemand uns sieht?“ fragte er atemlos.

„Dann werden sie sich denken, dass die Kleine, die Neue ein schamloses Biest ist.“ Lächelte sie und legte ihre Hände an seine Wangen.

„Gott, ich habe dich wirklich vermisst. Wann musst du wieder arbeiten?“

Sein Blick wurde ernst, ausweichend, entschuldigend und sie verstand, dass er bald, allzu bald wieder weg müsste und dass sie alleine in dieser Straße bleiben würde.

Seine Stimme ging unter, das Rauschen in ihren Ohren schwoll zu einem Orkan an und sie spürte wie ihr Magen sich umdrehte.

„Du könntest mich besuchen.“ Schlug er vor, doch sie schüttelte den Kopf langsam.

„Das geht nicht, das hier ist nicht echt. Das hier ist mein kleiner Traum in der Sesamstraße, aber das ist nicht echt. Ich kann dich nur berühren wenn du hier bist, wenn du der Nachbar bist und nicht der Star…“

Ihre Stimme war zusammen mit der Sonne verschwunden und auf einmal war ihr bitterkalt.

Sie würde lernen müssen ohne ihn zu leben, aber was er nicht wusste und was sie Sue nicht sagte war, dass er dieses neue Leben war und dass sie keine Ahnung hatte wie sie die Stunden der Stille und der Einsamkeit ohne ihn füllen sollte.

Aber Salome wäre nicht Salome gewesen, wenn sie nicht auch diese Ängste verdrängt hätte.

„Du siehst traurig aus.“

Oh gut gemerkt, dachte Salome bitter und sah ihn nur mit hochgezogener Augenbraue an.

„Oh jetzt siehst du wütend aus, habe ich etwas Falsches gesagt?“

Nein Hollywood, antwortete sie innerlich, es ist nur, dass das Ganze mir etwas näher geht als dir, weil ich ehrlich und rückhaltlos in dich verknallt bin und dich ganz schrecklich vermissen werde, aber das kannst du ja nicht verstehen du gefühlloser Klotz.

„Ich habe etwas Falsches gesagt. Nicht schlagen, bitte nicht schlagen.“ Er hob abwehrend die Hände und ließ diese dann auf ihren Rücken sinken.

„Nein, ist schon gut.“ Murmelte sie und stand mühsam auf.

„Ich sollte zurück zu Sue, ich werde mich einfach zu ihr ins Bad werfen und über dich lästern.“ Giftete sie und Richard stellte sich automatisch vor wie 2 schöne Frauen zusammen in der Badewanne saßen und war froh darüber, dass sie nicht mehr auf ihm saß.

Eindeutig war sein Arsch fetter geworden, weil mittlerweile alle seine Hosen spannten, seltsamerweise nur wenn sie da war.

„Salome?“ Er vergaß was er sagen wollte denn sie sah ihn so eindringlich an als erwarte sie etwas ganz Spezielles von ihm.

„Ja?“ fragte sie dann nach als er nach einigen Sekunden immer noch nichts gesagt hatte.

„Wir bleiben in Kontakt, ja?“ Das klang schwach im Vergleich zu dem was er in sich fühlte.

Salome drängte den Schmerz zurück, zwang sich zu lächeln, zu nicken und lehnte sich gegen den immer noch sitzenden Richard um ihm einen sanften, tiefen Kuss zu geben.

Er würde immer der Erste sein, der sie richtig geküsst hatte und da auch das zur Gewohnheit geworden war, brach ihr Herz beim Gedanken daran, dass dies der letzte Kuss für sehr lange, vielleicht sogar für immer sein würde.

„Richard? Ich werde dich vermissen, richtig vermissen.“ Wisperte sie dann und rannte ohne sich nach dem Hund umzudrehen.

Erst als sie vor der offenen Badezimmertür stand merkte sie, dass ihr die Tränen über die Wangen rannen.


Kapitel 41 by MaggyMae
Author's Notes:
St. Matthew

41.

Entschlossen wischte Salome sich über das tränennasse Gesicht.

Sie konnte Sue so nicht unter die Augen treten und betete um Hilfe, um Beistand, um Rettung.

Ihr Handy klingelte, aber sie kannte die Nummer nicht.

„Bin in einer Sekunde bei dir Sue.“ Rief sie durch die halbgeschlossene Tür und ging in ihr Schlafzimmer um ungestört zu sein.

„Hallo?“ schluchzte sie leise in den Hörer und vernahm eine freundliche Stimme.

„Hey hier ist Matthew. Sorry, Richard hat mir deine Nummer gegeben, er denkt du willst vielleicht nicht mit ihm sprechen. Er sagt er hätte etwas Dummes gesagt.“

Sprudelte es aus dem Hörer und Salome ließ ihren verzweifelten Tränen freien Lauf.

„Kleines? Was ist los? Soll ich…Kann ich dir irgendwie helfen?“

Salome dachte nicht an die Filme oder an den Ruhm, sie dachte daran, dass am andern Ende der Leitung jemand war der ihr helfen wollte und sie war dankbar.

„Nein, nein, mir geht es gut.“ Log sie unbeholfen und erstickte fast an den Tränen die sie verstecken wollte.

„Nein es geht dir nicht gut. Was ist denn nur passiert?“ Matthew klang geduldig wie immer, freundlich wie ein Sommermorgen und lindernd wie ein Wundverband.

Er hatte Richard bereits getröstet, ihn jedoch auch auf später VERtröstet, weil er dachte, dass Salome wohl im Moment wichtiger war und er Richard sowieso nicht helfen konnte solange er nicht wusste was vorgefallen war und da sein Freund ungefähr so gut erklären konnte wie eine Kuh ohne Zunge, wandte er sich an die Quelle selbst.
„Ach nichts, er hat mich nur gefragt ob ich traurig bin nachdem er mir gesagt hat, dass er allzu bald wieder abreist.“ Wimmerte Salome und erkannte sich selbst nicht wieder.

„Hat er nicht.“ Matthew schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn und war erleichtert, dass seine Frau gerade nicht da war, weil sie sicher nicht verstanden hätte wieso er Salome jetzt auch noch anrufen musste.

Aber er empfand sie als Freundin und er hatte so viel von ihr gesehen und erfahren, dass er sie nicht einfach  hängen lassen konnte wenn sie einen Freund so dringend brauchte, vor allem einen Freund der wusste woher ihr Leid kam.

„Doch.“ Schluchzte Salome.

Sie war dort angekommen wo sie schon vor Jahren hätte sein müssen, sie war verletzt und gekränkt, verzweifelt, ratlos und unruhig, genau wie eine Frau die sich verknallte halt sein sollte oder musste.

„Der Hornochse. Ach mein Gottchen, wie dumm ist er denn? Oh es tut mir so leid für dich Salome…“ Matthew schüttelte den Kopf über so viel Mangel an Verstand seitens seines Freundes.

„Du wirst ihn vermissen nicht wahr? Trotzdem?“ Matthew klang verständnisvoll und Salome fühlte wie seine Empörung und sein Mitgefühl den brennenden Schmerz löschten und nur ein leichtes Ziehen in der Magengrube blieb.

„Oh ja werde ich.“ Wisperte sie leise, die Last der Tränen immer noch auf ihrer Stimme und ihrem Gemüt.

„Na weine dich erst mal aus und dann beruhige dich. So ist es gut, wisch dir das unnütze Wasser aus dem Gesicht und sage dir, dass er wahrscheinlich der dümmste, verbohrteste, blindeste Esel auf der Welt ist in diesem Moment.“

Salome lachte traurig und sprach:

„Wäre es doch nur gut so…Himmel Matthew hast du dir ihn schon mal angesehen? Sein Gesicht ist ein Palast der Schönheit, er hat Haare wie ein erlesener handgenähter Pelz, eine Haut wie Marmor und Elfenbein und Augen wie die Juwelen die an den Hals der Königinnen der alten Welt gehören.“

„Ja Salome, Richard ist ein schöner Mann, aber er ist auch töricht und er ist unbedacht mit deiner Zuneigung umgegangen und das ist unverzeihlich.“

„Ihm sei verziehen.“ Wiedersprach Salome fest und nun war es an Matthew leise aufzulachen.

„Du bist zu gütig. Aber ich muss zu seiner Verteidigung sagen, dass er tatsächlich keine Ahnung hat. Er macht sich große Sorgen weil er dich offensichtlich verletzt hat.“

„Dann sag ihm nicht, dass ich geweint habe.“

 

Matthew konnte nicht von sich behaupten Salome zu verstehen, aber er mochte sie wirklich.

Vor einigen Minuten noch hatte sie bitterlich geweint und doch wollte sie nicht, dass er damit gerechten Druck auf Richard ausübte, sie wollte ihn schonen nachdem er sie wie ein Insekt unter seiner Schuhsohle zerdrückt hatte.

War sein Freund denn wirklich so blind nicht zu erkennen, dass der jungen Frau wirklich etwas an ihm lag?

Ihm erschien es so klar wie das sonnig-kalte Wetter Londons, dass Salome ihn vermissen würde, denn nachdem sie ihm so bereitwillig einen Platz in ihrem Leben eingeräumt hatte, konnte sie ihn nicht gehen sehen ohne zu bereuen ihn nicht an ihrer Seite gehalten zu haben.

„Danke Matthew. Du bist ein echter Freund. Wenn es Gott gibt dann soll er eine Hand über dich halten. Du warst mir eine große Hilfe und ich vermisse dich schon jetzt.“

Ja das war Salome, dachte Matthew lächelnd, so ehrlich in ihren Gefühlen und so bedürftig da sie nie versteckte was sie sich wünschte.

„Wir werden uns wiedersehen und ich werde mich darauf freuen Kleines. Und danke, dass du mich als Freund siehst.“

Es überraschte ihn ein wenig und das sollte es nicht, so wie er Salome kannte hatte sie einfach seine an sich freundliche Natur angesprochen und angenommen und ein unsichtbares Band der Freundschaft würde sie von jetzt an verbinden wo immer sie auch sein würden.

„Aber wieso denn nicht? Ich habe auf dir geschlafen, ich habe dich angeschrien, du hast mich gescholten, getröstet und gehalten. Von der ersten Sekunde an warst du mir Hilfe und Beistand, Trost und Rat und ich werde niemals vergessen wie gut du zu mir warst obwohl dich niemand dazu zwang.“

So einfach war das für Salome und sie bereute, dass Sue nicht wusste wie gut diese Männer waren und wie sehr sie all ihre Verehrung verdient hatten und das nicht nur weil sie gut aussahen, sondern weil sie gut waren.

 

„Er wird dich sicher auch vermissen.“ Murmelte Matthew dann und grinste über das erschrockene Schweigen am andern Ende der Leitung.

„Wie bitte?“

„Oh ich bin mir sicher, dass er dich auch vermissen wird. Er hat eine kleine Schwäche für dich.“ Es machte ihm fast perverse Freude den Affront des Freundes doch rächen zu können indem er dessen Gefühle der Angebeteten preisgab.

„Hat er nicht.“ Kicherte Salome und Matthew war erleichtert, dass sie wieder sie selbst war.

„Oh doch hat er.“ Insistierte er lachend und horchte auf als es am andern Ende an der Tür klingelte.
„Ich schwöre bei Gott, ich werde diese verdammte Klingel aus der Wand reißen.“ Fluchte Salome und stieg die Treppen hinab.

„Wer ist es?“ rief Sue aus dem Badezimmer. „Ich weiß nicht, ich kann nicht um die Ecke und durch massives Holz sehen.“ Rief Salome zurück und näherte sich der Tür.

„Wie geht es Sue?“ Salome wurde warm ums Herz, wie hätte sie diese Männer nicht in ihr Herz schließen sollen wenn sie sich doch um eine Frau sorgten die sie nicht kannten und von der sie nur wussten, dass sie eine arme Fanatikerin war?

„Ihr geht es gut. Ich werde mich gleich zu ihr in die Wanne schmeißen.“ Lachte Salome und berührte den Türknopf zögerlich.

„Wirst du Richard anrufen und ihm sagen, dass alles ok ist? Ich grolle ihm nicht und wünsche ihm nur das Beste. Sag er soll sich warm anziehen und auf sich Acht geben.“

Salome drückte die Klinke langsam runter.

„Sicher doch. Er ist bestimmt schon krank vor Sorge. Er ist aber auch ein Dummkopf.“ Erwiderte Matthew lächelnd und beschloss Salome wirklich wieder zu sehen, bald wiederzusehen weil er ihre strahlende, naive Art jetzt schon vermisste.

„Oh…Es ist ein Geschenk.“ Wisperte Salome als sie die Tür geöffnet hatte und sah ratlos auf dieses hinunter.

„Gut, ich rufe dann mal unseren Helden an und dann sehen wir uns sehr bald, ja?

Mach’s gut.“

„Ich habe dich sehr lieb, pass auf dich auf.“ Erwiderte Salome leise und hob das Geschenk mit zitternden Händen hoch.


Kapitel 42 by MaggyMae
Author's Notes:
Matthew im Rache-Modus

42.

„Hallo Nasenbär.“ Matthew war bester Laune und grinste als Richard lediglich grummelte.

„Was ist denn jetzt mit ihr?“

Matthew konnte sich das ungeduldige Gesicht seines Freundes vorstellen und dachte darüber nach was Salome gesagt hatte, seltsam, er war sich der Schönheit Richards immer bewusst gewesen, zumindest am Rande, aber er hatte ihn nie als außergewöhnlich wahrgenommen.

So wie Salome ihn beschrieb war er ein Kunstwerk aus Stahl und Metall und er musste ihr darin Recht geben, dass Richard seiner Meinung nach irgendwie kantig aussah, so als hätte sein Schöpfer keine Zeit gehabt die Ecken abzurunden und diesem harten Gesicht etwas mehr Menschlichkeit zu verleihen.

Matthew erinnerte sich auch vage an Diskussionen über seine Oberschenkel, Hände oder Arme, aber er hatte das für Schwärmerei gehalten. Jetzt fiel ihm auf, dass Richard in der Tat erstaunlich gut aussah, auch wenn er für Matthews Geschmack viel zu herb und männlich und bei Weitem nicht weiblich und anschmiegsam genug war.

Matthew schmunzelte, Richard war ein schöner Mann, aber er war viel zu alt um der Schwarm von irgendjemandem zu sein, er war nur ein Kerl den man ansehnlich fand, nach dem aber im Endeffekt kein Hahn krähte. Außer Salome. Salome betete ihn nahezu an.

„Droopy du gehst mir auch den Zeiger. Was ist mit ihr los?“

Richards vibrierende Stimme riss ihn zurück in die Realität.

„Ihr geht es gut.“ Gab er lakonisch zurück, denn er wollte sehen wie sehr er den alten Freund auf die Palme treiben konnte, da er nicht fand dass dieser ohne Bestrafung davon kommen sollte.

„Wie gut? Kannst du mal bitte etwas genauer werden?“ Richard war am Punkt sich die Nägel abzubeißen und die Haare auszureißen und das freute Matthew ungemein.

„Du bist ein Dummkopf und ihr geht es gut. Mehr muss ich doch gar nicht sagen oder?“

„WIE BITTE? Wieso bin ich denn jetzt ein Dummkopf?“

„Du hast sie gefragt ob sie traurig wäre.“

„Nein, ich habe festgestellt, dass sie traurig aussah. Ich habe nie behauptet, dass sie wirklich traurig war.“

„Na das wird ja immer dümmer.“ Grummelte Matthew und schielte zur Tür, immer noch keine Spur von seiner Frau, die nur kurz ein paar Sachen „erledigen“ wollte.

„Wie jetzt?“ Richard verstand die Welt nicht mehr, wann war das alles so schwierig geworden und womit genau hatte er Salome verletzt denn verletzt hatte sie ausgesehen.

„Sie wird dich vermissen.“ Artikulierte Matthew als spreche er zu einem behinderten Kind.

„Ich weiß, das hat sie mir gesagt bevor sie abgehauen ist als hätte ich sie geschlagen.“

„Nein Richard, sie hat traurig ausgesehen weil sie traurig war, weil sie dich vermissen wird.“

„Aber das ist doch gut wenn sie mich vermisst, ich vermisse sie ja auch.“

Matthew betete um Geduld und sprach erneut sehr langsam und behutsam:

„Nein Richard, das ist nicht gut, weil du ans verdammte andere Ende der Welt gehen wirst und das macht sie traurig, weil sie dich gern hat (weiß der Himmel wieso) und dich vermissen wird. Weißt du, auch wenn es für dich toll ist wenn sie dich vermisst, heißt das für sie Schmerz  und Sehnsucht.“

„Schmerz?“ Wiederholte Richard atemlos und ungläubig.

Wie konnte jemand nur so auf der Leitung stehen?

„JAAAA, Schmerz, Traurigkeit, Tränen, aus dem Fenster starren, lange Nächte, einsame Tage…“ Matthew blies die Backen auf und ließ die Luft langsam wieder entweichen.

„So habe ich das nicht verstanden.“ Wandte Richard ein und Matthew wäre am liebsten durch den Hörer gesprungen um seinen Freund zu würgen oder ihn mit dem Kopf gegen die Wand zu schmettern.

„Das ist mir sehr wohl bewusst, da du dir nur weitläufig deines Fehlverhaltens bewusst bist.“ Sprach er ausgesprochen geduldig und kämpfte den Impuls Richard anzuschreien erfolgreich nieder.

„Nein, ich bin mir sicher, dass ich etwas Falsches gesagt habe, aber Salome ist nicht die Art von Frau die sich nach irgendwelchen Männern verzehrt.“

„Ja, aber du bist nicht irgendein Mann, du bist der dümmste Kerl auf dem Planet Erde du großer, unbehaarter Affe und deshalb wird sie dich vermissen und traurig sein, dass du nicht da bist. Ich kann es nicht verstehen, vor allem jetzt in diesem Moment nicht, aber es scheint wirklich so zu sein.“

„Danke Matthew, ich liebe dich auch ganz doll.“ Knurrte Richard.

„Hey Mann, ich kann dich gut leiden, aber Salome hat es nicht verdient, dass jemand so auf ihren Gefühlen rumtrampelt weil er nichts Besseres zu tun hat oder einfach nur zu dumm ist um zu verstehen, dass ihr einfach etwas an dir liegt. Im Ernst, sie hat traurig ausgesehen? Das ist ganz normal…

Sie wünscht dir übrigens eine gute Reise und sagt du sollst auf dich aufpassen.

Sie mag dich wirklich Richard, mach ihr das nicht kaputt.“

Das war nie seine Absicht gewesen, dachte Richard, er hatte sie nie verletzen wollen, aber er hatte sich auch nicht vorstellen können, dass sie ihn SO vermissen würde.

Eigentlich wusste er nicht einmal was sie von ihm hielt, oder was sie von ihm wollte, denn er hatte bisher nicht das Gefühl gehabt als hätte sie vor eine richtige Beziehung mit ihm einzugehen.

 

Vielleicht wurde es Zeit sich einige Gedanken darüber zu machen, dachte er und rieb sich über den Bart.

Sie waren Freunde, daran bestand kein Zweifel.

Sie küssten sich, was sie beide genossen auch das stand außer Frage.
Und weiter?

Sie dachte er sei ihr Schwarm, was wahrscheinlich aus einer Mischung aus den beiden ersten Faktoren entstand, aber bisher hatte er das Gefühl gehabt, dass sie einem Irrglauben unterlegen war.

Was wäre wenn sie das ernst meinte und sie ihn wirklich mochte, wie Matthew es eindeutig gesagt hatte und wenn er sich richtig erinnerte Salome auch.

Könnte eine Frau ihres Alters und ihres Naturells sich wirklich in einen Mann wie ihn verlieben? Konnte er sich in sie verlieben?

Oder eher könnte er sich dagegen wehren genau das zu tun?

Er würde sie vermissen, würde leiden, würde sich nach ihr sehnen, aber er hatte nicht angenommen, dass die fröhliche Salome sich je zu solch dunklen Leidenschaften und Gefühlen hinreißen lassen würde.

Sie war einfach nicht die Art Frau die wegen irgendeinem Mann Trübsal blies.

Und wenn doch?

Matthew sagte, dass genau das der Fall sein würde und auf einmal hätte Richard alles darum gegeben Salome noch einmal sehen zu können, ihr sagen zu können, dass es ihm schrecklich leid tat, dass er ihre Gefühle nicht als solche wahrgenommen und respektiert hatte.

Natürlich wäre sie traurig, er spürte diese Traurigkeit selbst in seinen Eingeweiden und in seinem Herzen wenn er daran dachte, dass er lange Monate ohne ihr herzliches Lachen und ihren süßen Mund verbringen würde.

Er schöpfte Kraft aus der Vorstellung, dass sie seine Pullover tragen würde und dass sie ab und zu an ihn denken würde, aber er wollte nicht, dass sie litt weil er nicht da war.

Als ob er sie davon abhalten könnte.

Er wollte, dass sie glücklich war und ihr Leben weiterlebte und dass sie vielleicht ein wenig darauf warten würde, dass er nach Hause kam  und sie wieder küsste.

Gott, er würde ihre Küsse und ihre Berührungen vermissen.

Wenn sie ihn nur halb so viel vermissen würde wie er sie, dann würden 2 sehr unglückliche Menschen auf dieser Erde wandeln während der Periode in der er arbeiten musste, dachte er und es wiederstrebte ihm der Grund für das Verschwinden ihres strahlenden Lächelns zu sein.

Aber was konnte er tun? Er konnte sie nicht verlassen denn sie waren nicht zusammen und er konnte sie nicht an sich binden weil er weggehen würde.

Vor allem aber musste er sich entschuldigen und ihr zu verstehen geben, dass er erstens sehr froh darüber war, dass sie ihn mochte und zweitens, dass er sie genau so mochte und sie vermissen würde.

Aber wie sollte er sie erreichen ohne sie an Sue zu verraten?


Kapitel 43 by MaggyMae
Author's Notes:
Salome at her best

43.

Salome drehte den Pulli ratlos und gerührt zwischen den Fingern.

Es war ein schönes Geschenk, schöner als alle Geschmeide der Welt, persönlicher, wertvoller.

„Hatte keine Zeit ihn zu waschen, denke er könnte dir passen. Vermisse dich. R.“

Stand auf einem Zettel der in den Falten des Kleidungsstückes gesteckt hatte und sie seufzte leise auf.

Schnell rannte sie Treppe hoch und versteckte den Zettel in einer abgeschlossenen Kiste in der sie fast alles aufhob was mit ihm zu tun hatte und strich lächelnd über den Deckel als sie diesen sanft schloss.

Er hatte ihr einen weiteren Pulli geschenkt und ihre ganze Wut verrauchte.

Sie legte den Pulli auf ihr Bett und strich andächtig über den weichen Stoff, atmete seinen Geruch gierig ein und erinnerte sich dann daran, dass Sue immer noch auf sie wartete.

 

„Na endlich, ich bin schon ganz verschrumpelt.“ Lachte Sue als Salome sich in die Wanne plumpsen ließ.

„Sorry, ich…hatte einen Anruf.“ Murmelte Salome und glitt tiefer in das warme Wasser.
Sie hatte Sue als Kind kennengelernt, weil sie aus einer Familie von Konditoren stammte und sie in dem kleinen Laden den Sues Eltern führte ihre Aufgaben machte. Mit der Zeit hatten sie ihr Aufgaben zusammen gemacht und dann hatte Salome in dem Laden in dem Sue gearbeitet hatte ihre Zeichnungen und Artikel geschrieben.

Wie alle Menschen war auch Salome von Sues unendlicher Schönheit fasziniert, was aber noch sehr viel ungewöhnlicher war als das Engelsgesicht ihrer Freundin war ihre legendäre Schüchternheit.
Sogar Salome gegenüber war Sue oft befangen und sie war der Liebling aller Telefongesellschaften der Welt, weil sie am Telefon sie selbst war, während sie niemals den Mund wirklich aufbekam sobald jemand sie ansah.

Und Sue wurde fast immer angestarrt.

Sie war 1,78 groß, hatte unendlich lange Beine und ein Gesicht wie von einem der alten Meister gemalt mit großen blau-grünen Augen die strahlend in einem perfekten weißen Oval über einer geraden, schmalen Nase und einem vollen, sinnlichen Mund thronten.

Susan war schön in jedem Sinn, aber Susan kannte den Preis ihrer Schönheit, denn schon oft hatte man sie darauf beschränkt und so hatte sie nie gelernt mit Menschen umzugehen, weil niemand je wirklich mit ihr gesprochen hatte.

Die Menschen wollten Sue einfach nur ansehen und wenn es etwas gab was Sue nicht vertrug, dann war es angesehen zu werden.

 

Salome hatte eine barocke Figur und ihr Haar war immer etwas zu widerspenstig, ihre Lippen zu voll, ihre Augen zu groß und ihr Körper zu füllig gewesen um als wahre Schönheit zu gelten.

Früher hatte es sie gequält nicht schön genug zu sein, aber mit der Zeit hatte sie gelernt, dass sie lustig und intelligent war und dass ihre Freunde sich nicht für ihr Aussehen interessierten und Männer hatte es bekanntermaßen nie in ihrem Leben gegeben.

Sie hatte kein Problem damit nackt zu sein, sie hatte kein Problem damit ihre weichen Oberschenkel gegen Sues straffe Beine zu pressen oder ihre schweren Brüste auf dem Wasser tanzen zu lassen.

Salome war nicht stolz auf ihr Aussehen, aber sie schämte sich auch nicht dafür, im Allgemeinen machte sie sich selten Gedanken darüber und nur sehr selten verspürte sie so etwas wie Neid auf die Schönheit anderer Frauen.

„Du warst lange weg und du hast geweint.“ Sues Stimme klang ruhig.

Auch wenn sie es nicht mochte angestarrt zu werden, sah Sue die Menschen genau an und sie liebte schöne Gesichter weil diese sie vergessen ließen wie unglaublich ihr eigenes war.

„Sag es nicht Salome, sag mir nicht wie schön ich bin.“ Flehte sie als sie den eindringlichen Blick der Freundin auf ihrer zitternden Lippe bemerkte.

„Nein, ich wollte nur sagen wie froh ich bin, dass du hier bist und dass ich dich habe. Ich liebe dich Susan. Ich liebe dich wirklich und ich werde dich in nächster Zeit brauchen.“

Sue fragte nicht wieso, sie sah, dass Salome Kummer hatte aber sie wusste auch, dass ihre Freundin ihr den Grund erst nennen würde wenn sie bereit dazu war.

 

„Warum gehst du nicht mit uns essen?“ schlug Matthew vor.

Nein, an sich hatte Richard nicht die geringste Lust mit seinem liebsten Friede-Freude-Eierkuchen-Paar zu dinieren, aber er wollte auch nicht allein sein.

„Na komm schon, Keeley würde sich freuen dich wiederzusehen.“

Ah ja, Matthews wunderschöne Frau…

„Ehm…“ Nein, bitte nicht, bitte, bitte, bitte nicht, flehte er innerlich, wissend, dass er ja sagen würde weil er es nicht aushielt hier alleine darüber nachzudenken, dass Salome unweit von ihm in den Armen ihrer Freundin lag und sich Film um Film reinzog.

„Ok.“ Wisperte er also und hätte sich selbst ohrfeigen können, aber ein Abend mit dem glücklichen Paar das ihm eindrucksvoll zeigen würde was er nicht haben konnte, war immer noch besser als ein Abend allein mit einer Flasche Wein und einer schlechten Schnulze.

 

„Noch ein Film? Nein, lass uns ausgehen.“ Salome flehte, sie würde es nicht schaffen sein Gesicht jetzt zu sehen ohne in Tränen auszubrechen.

Der Hund war lange genug draußen gewesen und würde es noch ein wenig aushalten, rechnete sie und sah in ihren Schrank, hoffend, dass Sue die Kiste nicht entdecken würde.

„Wie ausgehen?“ Sue klang ängstlich, sie wollte nirgends hin wo viele Menschen waren, wo Männer sie anstarrten als sei ein Stück Fleisch im Sonderangebot.

„Na essen gehen. Ich weiß es nicht, spazieren gehen. In die Stadt.“ Auf einmal wollte Salome die Lichter sehen, wollte sich in der Flut der Menschen verlieren, wollte schön sein.

„Essen?“ Sue war immer noch nicht überzeugt, aber sie wusste, dass Salome sie überstimmen würde, sie einfach mitreißen würde und dass sie in irgendeine seltsame Situation geraten würden.

Sie freute sich darauf, sie vertraute Salome und neben dem winzigen Tattoo an ihrer Hüfte zeugten diverse winzige Narben und einige sehr exquisite Sammlerstücke in ihrem Koffer von den vielen Abenteuern die sie mit ihrer Freundin durchgemacht hatte.

Salome wühlte sich durch ihren Kleiderschrank und Sue hätte es nicht einmal gewundert, wenn sie ein Kleid in der Form eines Schwans oder so rausgezogen hätte, aber als sie Salomes Wahl sah, musste sie doch lachen.

Das Kleid war ungefähr so groß wie eine Postkarte, in der Tat war es praktisch eine Postkarte, da ein Bild des Eifelturms darauf gedruckt war und an den Ärmel war die typische Umrandung einer Briefmarke zu erkennen.

„Du bist und bleibst die verrückteste Person die ich kenne.“ Murmelte Sue und ihr Blick fiel auf einen Brief der ungeöffnet auf dem Nachttisch lag.

Sie öffnete ihn und las laut vor, dass Salome gebeten wurde ihre Comicstrips und Kolumnen in einer wöchentlichen Zeitschrift zu veröffentlichen, da ihr frecher Humor dem Herausgeber gefiel.

Salome drehte sich um, das Kleid halb über dem Kopf und schrie, schrie wie eine Wilde und tanzte blind durch das Zimmer. Sie hatte Recht gehabt hier zu bleiben, sie würde Geld verdienen, wenig zwar aber sie würde ihr eigenes Geld verdienen und Menschen zum Lachen bringen.

Ihre Welt wurde wieder ein Stück heller und sie tanzte sich ins Kleid hinein, wuschelte ihre Locken auf, packte ihre Sachen in eine Tasche welche die Form eines echten Londoner Briefkastens hatte und sah Sue unternehmungslustig an.

„Pünktlich wie die Post und mindestens genauso gut gelaunt.“ Murrte Sue, stieg in eine alte Jeans und ein grünes Oberteil und folgte Salome kopfschüttelnd.

Sie badeten in den Lichtern des Picadilly Circus, tanzten über die Straßen, entgingen nur sehr knapp einer Bikergang welche die Postlady gerne auf einen kleinen Ausflug entführt hätten und hatten sich nach etwas mehr als einer Stunde hoffnungslos und unwiderruflich verloren.

Sie hatten nicht die geringste Ahnung wo sie waren oder wo sie hinsollten.

„Da ist ein Restaurant.“ Grinste Salome und steuerte freudig darauf zu, so dass Sue nichts Anderes übrig blieb als ihr ergeben zu folgen.

Kapitel 44 by MaggyMae
Author's Notes:
Verneigung colinfever gegenüber und Salomes Unfall

44.

„Oh mein Gott, da ist deine kleine Freundin Richard und ich wollte schon gerade sagen wie herrlich ungestört es hier ist. Was trägt sie da?“ Matthews Frau durchbohrte Salome mit giftigen Blicken.

„Eine Postkarte.“ Wisperte er tonlos und musste dann lachen, Salome trug eine verdammte Postkarte und an ihrem Arm schaukelte ein Briefkasten.

Das Geräusch ließ Salome aufsehen und sie schob Sue wieder aus dem Restaurant raus, oder zumindest versuchte sie es.

„Nein lass uns da rein, da ist es ruhig, da können uns keine Menschen überfallen. Salome im Ernst, ich weiß gar nicht was heute in dich gefahren ist…OH.“

Sue verstummte und drängte dann ebenfalls raus, rannte jedoch gegen Salome und brachte diese damit zu Fall.

„Verflixt.“ Fluchte Salome und erhob sich langsam, ein stechender Schmerz fuhr ihr durch das Bein, welchen sie königlich ignorierte.

„Miss? Haben Sie sich wehgetan? Setzen Sie sich doch erst mal.“ Der Kellner rannte auf sie zu und hob sie nahezu in seine Arme.

„Salome.“ Jammerte Sue leise und besagte Salome kämpfte darum nicht in Ohnmacht zu fallen.

Verdammt, dachte sie, das war ja mal wieder so typisch, erst ging sie verloren und dann musste sie gerade ihn hier treffen.

Wie wahrscheinlich war es einen Menschen in einer großen Stadt, in einer vermaledeiten Hauptstadt zu finden, vor allem wenn dieser Mensch nicht gefunden werden wollte?

„Ich hätte ganz gern einen Whiskey, einen doppelten.“ Bestellte Salome grimmig und würdigte die 3 Stars an ihrem Tisch keines Blickes.

„Salome.“ Keuchte Sue erneut.

„Ja Susan?“ erkundigte sich Salome so ruhig wie möglich.

„Salome weißt du wer das ist?“

Salome spürte seine Blicke in ihrem Nacken und sprach: „Der Osterhase, der Weihnachtsmann und Frau Holle…“

Sue strafte sie mit einem sehr ernsten, sehr betroffenen Blick.

„Geh hin und frag dir ein Autogramm.“ Schnauzte Salome und kippte den Inhalt des Glases das man ihr vorsetzte in einem Zug runter.

„Nein, das kann ich doch nicht machen.“ Sue hatte hektische Flecken im Hals und klang als sitze ein Elefant auf ihrer Brust.

„Wenn das so ist lass uns essen und diese Menschen, sofern es sich um Menschen handelt, in Ruhe.“ Salome spürte wie die Wärme des Alkohols ihren Magen beruhigte und las die Karte aufmerksam, happige Preise, aber exquisite Auswahl.

Sie blendete den Schmerz in ihrem Knöchel aus der sich heiß ihr Bein hochstahl.

„Miss, ich denke Sie bluten.“ Der Kellner sah sie verwundert und ein wenig bleich an.

„Ich blute nicht im Geringsten.“ Erwiderte Salome stur ohne auch nur auf ihren Fuß zu sehen.

„Himmel Lola, du blutest tatsächlich.“ Rief Sue und kniete sich neben Salomes Fuß.

„Bewegen Sie sich Mann, bringen Sie Verbandszeug.“ Murrte sie dann ohne aufzusehen.

„Miss soll ich einen Krankenwagen rufen?“ fragte der Kellner dann als er mit einem Verbandskasten wiederkam.

„Nein, ich will keinen Krankenwagen, ich nehme die Ravioli mit Gambas und ein Glas Rotwein bitte.“

Salome konnte sich weder auf das Blut das unaufhörlich an ihrem Fuß runter lief noch auf Sue und ihre Tränen konzentrieren.

Er war hier und sie war auch hier und dabei war sie nur aus dem verdammten Haus gegangen um ihn nicht zu sehen.

Was für ein Pech, was für ein gottloses Pech, dachte sie immer wieder, während Susan schluchzend ihr Bein versorgte.

„Sue? Es ist gut, alles ist gut.“ Wisperte Salome und drückte ihre Lippen auf das goldene Haupt ihrer Freundin.

„Salome, du blutest sehr stark. Wir sollten ins Krankenhaus.“ Flüsterte Susan, doch Salome wollte davon nichts hören.

 

Richard sah wie Salome sich gegen die große Blondine stemmte, die eindeutig Susan war.

Gott, Sue war eine schöne Frau, aber ihre gebeugte Haltung und ihr unsteter Blick erinnerten ihn an ein sehr junges Mädchen, das mit seiner eigenen Schönheit mehr geschlagen als gesegnet war.

Matthews Frau grummelte leise vor sich hin, ihr hatte Salomes Auftauchen den Abend anscheinend verdorben und Matthew sah dabei so jämmerlich hilflos aus, dass Richard richtiggehend Mitleid mit ihm hatte.

Und dann wollte Sue Salome rausschieben, warf sie um und als der Kellner Salome aufhob sah Richard die klaffende Wunde an ihrem Bein, über dem Knöchel, aus der das Blut stetig sickerte wie ein kranker Fluss.

Salome kippte ihren Whiskey runter ohne auch eine Sekunde zu ihnen rüber zu sehen, obwohl sie sie gesehen und erkannt hatte.

Er war ihr schmutziges Geheimnis und er fühlte sich traurig und verletzt darüber, dass sie nicht in der Öffentlichkeit zu ihm stehen wollte auch wenn er es an sich verstehen konnte, aber hier war niemand außer…Susan, die niemals wissen durfte wer der Nachbar war.

Der Kellner machte Salome auf die Wunde aufmerksam und sie schien diese einfach königlich ignorieren zu wollen wie es aussah.

Susan begann sie zu verbinden und es juckte ihm in den Händen ihr zu helfen.

„Ruhig Blut.“ Flüsterte Matthew ihm zu und legte seine große Hand auf Richards.

„Sie ist verletzt, sie hat sicher Schmerzen.“ Wimmerte Richard hilflos und war froh über den Trost den Matthew ihm seiner Frau zum Trotz spendete als er leise sprach:

„Ja, aber Sue ist bei ihr und du weißt sie ist stärker als sie aussieht.“

Seine Frau hatte sich umgedreht und sah Richard nun blass an.

„Es sieht so aus als wolle deine verrückte Freundin in Ruhe essen. Ich finde nicht, dass sie das tun sollte. Das sieht ernst aus.“

Sie mochte Salome nicht, aber sie wollte auf keinen Fall zusehen wie ein Mensch sich bewusst schadete aus Trotz oder Dickköpfigkeit.

„Und was schlägst du vor meine Liebe? Denn Tatsache ist, dass die Frau die bei ihr ist ein Fan ist und nicht wissen darf, dass Salome uns kennt.“

Matthews Frau nickte langsam. „Das ist also der Grund wieso Richard noch nicht knietief im Blut watet.“

Sie hatte seine Augen gesehen, hatte den spontanen Schmerz gesehen und die ernüchternde Erkenntnis, dass er ihr nicht helfen konnte.

In der Tat mochte sie Richard und es betrübte sie ihn so angespannt und verzweifelt zu sehen, angesichts der offensichtlichen Verletzung der Frau für die er, das war ihr jetzt ganz klar, wirklich starke Gefühle hegte.

Seine Augen wanderten immer wieder zu dem kleinen Tisch an dem die Fremde mit dem Rücken zu ihnen und gebeugten Kopf saß, während Salome zwar in ihre Richtung aber komplett an ihnen vorbei schaute.

„Ich…“ seufzte Richard und wollte sich erheben.

„Du bist im Moment der schlechteste Schauspieler der Welt, wenn Madame erlaubt, werde ich mich der Sache jetzt annehmen, weil das nicht geht, dass Salome da sitzen bleibt.“

Matthew legte seine Serviette neben den Teller und während seine Frau ihn nickend ansah, strich er dem leidenden Freund über die Schulter.

„Ich werde nach ihr sehen und es wird alles gut. Sie kommt schon klar.“

Er wusste, dass er log, denn er sah die Müdigkeit und die stille Pein in Salomes Augen, aber er konnte dem Freund auch nicht sagen, dass es Salome egal sein würde ob sie verblutet nachdem was er sich mit ihr geleistet hatte.

Er wusste selbst nicht wie wütend Salome jetzt noch war, aber er konnte es sich eigentlich gut vorstellen.

Susan starrte auf ihren Teller und anstatt zu essen, wurde sie von ihren Schuldgefühlen aufgefressen, sie war schuld an Salomes Verletzung.

„Verzeihung Miss, geht es Ihnen wirklich gut?“ erklang dann eine samtene Stimme und sie wäre fast mit dem Kopf in den Teller gefallen.

Kapitel 45 by MaggyMae

45.

Salome wäre Matthew am liebsten an die Gurgel gegangen, zügelte sich jedoch und sprach leise:

„Danke Sir, mir geht es gut, wagen Sie es ja nicht mir zu sagen, dass ich blute, weil ja, das ist mir sehr wohl bewusst.“

Eigentlich war ihm ganz übel und mulmig zumute, aber das konnte sie ja nicht zugeben.

„Miss  Sie sind weiß wie ein Laken und Sie haben ganz sicher Schmerzen, lassen Sie sich doch bitte helfen.“

„Holen Sie Armitage, den mag sie gern sehen und vielleicht kann der sie überreden.“ Schluchzte Sue und Matthew hob eine Augenbraue.

„Ist das so?“ murmelte er leise und bekam einen düsteren Blick von Salome dafür.

„Richard komm doch bitte mal her. Die junge Dame denkt du könntest von Nutzen sein.“

 

Das ist ja die Höhe, dachte Salome aufgebracht und musste sich an der Tischkante festhalten um nicht umzufallen. Jetzt kamen die auch noch alle her.

„Miss? Sie bluten stark und müssen ins Krankenhaus.“ Richard hatte sich neben den Tisch gekniet und Salome sah wie Matthews Frau hinter Sues Rücken eine Augenbraue hob.

Das wurde ja immer besser.

„Lassen Sie sofort mein Bein los Sie Verrückter.“ Schimpfte sie, doch als sie ihm das Bein entziehen wollte spürte sie einen Schwall Feuchtigkeit an ihrem Knöchel.

„Miss, das ist jetzt nicht die Zeit um zu scherzen.“ Richard klang drängend und als sie zu ihm hinunter sah, erkannte sie, dass seine Hände voller Blut waren.

Sie mochte Blut nicht besonders und schloss die Augen, gleich würde es besser gehen, gleich würde alles aufhören sich zu drehen.

Sue sah mit stummer Demut zu Matthew hoch, er war immer noch der strahlende Held in ihren Augen, denn er hatte Armitage wirklich geholt und anscheinend ließ sich Salome dann doch langsam aber sicher erweichen.

„Jetzt reicht es. Rufen Sie einen Krankenwagen.“ Befahl Richard dem Kellner und klopfte Salome leicht auf die Wange.

Sie war schon wieder der Ohnmacht nahe, dachte er, doch die Augen mit denen sie ihn anfunkelte waren wach und voller Wut.

Sie wollte ihn nicht sehen, nicht jetzt und nicht hier.

„Es tut mir so leid, ich wollte nur das Beste aber ich habe mich falsch angelegt.“ Wisperte er, wohl wissend, dass man seine Worte auch auf die Bestellung des Krankenwagens beziehen konnte.

„Ist schon gut. Danke.“ Nuschelte Salome und legte unter dem Tisch ihre Hand auf die Seine.

Er war ehrlich besorgt um sie und fragte sich wie er sie verlassen konnte wenn sie sich schon in London verirrte, denn er glaubte kaum, dass sie sich freiwillig so weit von zuhause entfernt hätte?

Und wenn sie sich dauernd wehtat?

 

Die Sanitäter kamen an und sahen nach Salomes Bein.

„Haben Sie denn nicht schreckliche Schmerzen?“ fragte er sie fassungslos.

Sie verneinte eisern und er sah sich den blutgetränkten Verband genauer an.

„Miss Sie haben sich den ganzen Fuß aufgeschnitten, wie haben Sie das gemacht?“

Sie zeigte wortlos auf einen Kübel aus Bronze der dazu gedacht war die Regenschirme reinzustellen und über den sie gefallen war.

„Sie scheinen ein echter Pechvogel zu sein.“ Scherzte der Mann während er sich fragte ob Salome genäht werden musste.

„Das sagen Sie richtig, aber nein, ich gehe jetzt nichts ins Krankenhaus. Fahren Sie mich nach Hause?“

Sie war geistesgegenwärtig genug nicht ihren Nachbarn danach zu fragen, weil es sie dann doch irgendwie verraten hätte.

„Sicher doch, aber dann müssen Sie es fest binden und einige Tage ruhen.“

Machte sie je etwas Anderes als ruhen?

„Oh machen Sie sich keine Sorgen, ich habe noch hunderte Stunden Filmmaterial anzusehen.“ Murrte Salome grimmig und sah aus den Augenwinkeln wie alle Anwesenden außer ihr und dem Sanitäter zusammenzuckten.

„Oh sind Sie in der Branche tätig?“

„Nein, aber meine Freundin ist eine Fanatikerin.“ Murrte Salome und begann mit dem Stift den sie dem Sanitäter stibitzt hatte einen Strip auf die Mappe die unter den Tellern lag zu zeichnen.

Wie bringt man seinen Haushalt dazu sich selbst zu reinigen? Sie malte John wie er eine Menge Krümel mit der Zunge vom Boden aufleckte, einen imaginären Kanarienvogel wie er auf der Flucht vor einer imaginären Katze die Schränke abstaubte und Sue wie sie den Fernseher sauber leckte.

Oh sie war fies, dachte Salome.

Aber da sie nicht reden wollte, malte sie einfach weiter.

Sie malte sich nach dem Sturz, ihr Comic-Ich natürlich und drei Männchen die erstaunlich den Schauspielern die vor ihr standen ähnelten mit einem Halo aus gleißendem Licht.

Das letzte Bild deckte dann auf, dass sie in einer Blutlache lag und das Licht lediglich von der Lampe hinter ihnen kam.

Sie wurde immer fieser, schalt sie sich.

„Hey das ist gut, das könntest du der Zeitung schicken.“ Schlug Sue vor um sie abzulenken.

„Oh Sie sind also Journalistin?“ Der Sanitäter schien die gleichen perversen Neigungen zu haben wie Sue.

„Nein ich bin spontane Blutspenderin und der Teppich kam mir ein wenig anämisch vor.“

Salome war in Höchstform.

„Sind Sie Satirikerin?“ „So was in der Art.“ Erwiderte Salome leise und blinzelte verwirrt.

„Mal mal voran  Meister…“ grummelte Richard und Sue sah verwundert zu ihm auf.

„Ich hätte nie gedacht, dass die so nett sind.“ Flüsterte sie ziemlich laut.

„Why? Nur weil die `nen Stock im Arsch haben können sie doch nett sein.“ Salome öffnete die Augen nicht mal, sie konnte sich die schockierten Gesichter vorstellen.

„Also zuhause hast du noch nicht so abwertend geklungen.“ Schalt Sue leise und Salome errötete.

„Hey kann mal jemand Sue ein Autogramm geben bitte? Dann hält sie vielleicht die Klappe?“ giftete Salome und spürte wie warme Hände sich des Stiftes ermächtigten den sie immer noch zwischen den Fingern hielt und kurz danach hörte sie die Mine über das Papier kratzen.

„Oh danke, das wäre doch nicht nötig gewesen. Ich…es tut mir leid, Salome kann manchmal etwas kratzbürstig sein.“

„Ich mag diesen Guy nicht.“ Wisperte Salome unbewusst wiederholend was sie Richard schon vorher gesagt hatte.

„Salome? Ich glaube du bist in einem Delirium. Wir gehen jetzt nach Hause, dann kannst du mit Nachbars Pulli kuscheln und ich erzähle dir eine Geschichte.“ Stammelte Sue nervös.

„Ja klar, so lange von denen da keiner drin vorkommt soll es mir recht sein.“

Salome schämte sich für ihr Verhalten, aber sie hatte gelogen, sie hatte Schmerzen und sie wünschte…

„Gute Nacht Miss. Ich hoffe es geht Ihnen bald besser.“ Richard gab ihr die Hand und strich unbemerkt mit seinem Daumen über ihren Handrücken.

„Pass auf dich auf. Ich…habe dich sehr lieb.“ Flüsterte er leise als er sich hinunter beugte um ihr einen scheinbar freundschaftlichen Kuss auf die Wange zu geben, der Sue aufseufzen ließ.

„Danke Mister A., wissen Sie was? Ich mag Ihre Arbeit wirklich und Sie haben ein atemberaubendes Gesicht.“

Salome kicherte als sie sein Lächeln sah und sonnte sich in seiner Schönheit, nein, eindeutig hätte sie nichts dagegen gehabt mit diesem Anblick vor Augen zu sterben.

Richard sah ihr nach wie sie auf einer Trage in den Krankenwagen gehievt wurde.

„Ich denke sie ist ganz in Ordnung.“ Sagte Matthews Frau.

„Ich denke wir sollten einen Geschenkkorb schicken.“ Fügte sie dann hinzu und strich Richard leicht über den Rücken als er dem Wagen nachsah wie ein Hund den man am Straßenrand ausgesetzt hatte.


Kapitel 46 by MaggyMae
Author's Notes:
Entschädigungskapitel weil mein Internet mich jämmerlich im Stich gelassen hat

46.

Da Salome nicht aufhörte zu bluten, musste sie doch ins Krankenhaus und erreichte erst mehrere Stunden später ihr gemütliches Häuschen.

John roch das Blut und weigerte sich aus dem Haus zu gehen und so endete Salome mit 2 Plastiktüten und 5 Handtüchern um ihr Bein gewickelt zusammen mit ihrem Hund und ihrer Freundin in ihrem riesigen Bett und schlief einfach nicht ein.

Das konnte sie nicht zur Gewohnheit werden lassen immer erst am frühen Morgen ins Bett zu kommen und dann auch noch nicht schlafen zu können.

Müde schaltete sie ihr Handy wieder ein, welches sie im Krankenhaus ausmachen hatte müssen.

Es piepste 1 ganze Minute lang als SMS um SMS ankam.

Hey geht es dir gut?

Geht es dir gut?

Warum antwortest du nicht?

Salome?

SALOME?

Bitte, Salome melde dich sobald dein Handy wieder an ist. Matthew

Salome verdrehte die Augen, sah auf die Uhr im rechten oberen Winkel des Bildschirms und beschloss den beiden auch um 4 Uhr nachts noch eine SMS zu schreiben, denn irgendwie kam es ihr grausam vor sie bis am folgenden Tag im Ungewissen zu lassen.

Wurde doch genäht. Sorry hatte vergessen das Handy wieder anzuschalten nach dem Krankenhaus. Mir geht es gut.

Kurz zögerte sie, war die Nachricht zu unpersönlich, doch dann übermannte sie der Schlaf.

 

Sue hatte schlecht und unruhig geschlafen, aber etwas das Salome am Vortag gesagt hatte ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.

Sie stand auf und holte in dem nächstbesten Laden alles was sie zur Umsetzung ihrer wahnsinnigen Idee brauchte und musste über sich selbst lachen.

„Soll ich Kekse in der Form seines Kopfes backen?“ hatte Salome gefragt, aber Salome war eine schreckliche Bäckerin, während Sue immer backte wenn es ihr nicht gut ging und im Moment fühlte sie sich wie ein riesiger, dampfender Haufen …Pudding.

Also formte und knetete sie, wärmte Schokolade auf und steckte kleine Zuckerperlen in den Teig wo die Augen hingehörten.

Mann Sue, dachte sie sich bei sich, du denkst doch nicht im Ernst, dass Salome sich über Armitage-Kekse freuen wird? Obwohl, vielleicht mag sie die Idee ihm das Gesicht in Teile zu reißen mit ihren kleinen, scharfen Zähnen.

Erst als sie die 5. Ladung aus dem Ofen nahm und Salome immer noch schlief, hörte sie wie der Hund leise wimmerte.

Stimmt ja, sagte sie leise, ich muss den Hund vor die Tür bringen.

Sie schnappte sich die Leine, einen Keks und ging kauend auf eine Wiese zu von der sie innig hoffte, dass sie kein Privatgrundstück war.

 

Robert wollte nur mal kurz bei Richard vorbeischauen, doch als er um die Ecke bog sah er eine junge Frau am Rand einer Wiese stehen und weil er ein Mann war fiel ihm sofort auf, dass sie äußerst attraktiv war.

Ihr Gesicht war dem schneidend kalten Wind zugewandt und ihr Blick wanderte in die Ferne, aber die Hose auf der Mehl und Schokolade klebten schmiegte sich eng an lange, schlanke Beine und ihr goldenes Haar flatterte im Wind.

Er musste sie einfach ansprechen.

„Hallo.“ Sprach er also leise und als sie sich ihm zuwandte dachte er, dass wohl ein Lastwagen ihn endgültig erwischt hatte, denn sie hatte das Gesicht eines Engels.

Lediglich der Friede war aus ihrer Miene verschwunden und sie sah ihn mit vor Schrecken geweiteten Augen an.

„Ich bin Robert, was machen Sie so früh schon hier?“ redete er weiter da sie nicht antwortete.

Sue kannte sein Gesicht, natürlich kannte sie sein Gesicht und sie wollte fliehen.

Liefen denn hier die Stars in Scharen herum?

Sie mochte die Art nicht wie er sie ansah, mochte den Gedanken nicht, dass er wohl auch nur dachte, dass sie eine schöne Frau war.

Es machte ihr Angst so angesehen zu werden, denn sie kannte die Gier der Männer nach Schönheit, welche ihre Seele vernarbt hatte.

„Sie wollen eindeutig nicht mit mir sprechen. Guten Tag noch.“

Robert war enttäuscht, doch er hielt sie nicht für arrogant oder eingebildet, er hatte Furcht in ihren Augen gesehen und er musste zugeben, dass eine Frau mit ihrem Gesicht sich unwohl fühlen musste wenn irgendein Schlaumeier sie frühmorgens von der Seite her anquatschte.

„Mein Name ist Susan. Es tut mir leid, Sie haben mich erschreckt.“ Wisperte Sue und senkte den Blick.

„Ich weiß, es war keine Absicht…Ich bin etwas…ungeschickt was solche Dinge angeht.“

Was du nicht sagst, dachte Susan, soweit ich weiß stehst du nicht hier als hättest du deine Zunge verschluckt, oder?

„Wohnen Sie hier?“ Oh klasse, lobte Robert, genau diese Frage hätte ein jeder perverse Triebtäter wahrscheinlich auch gestellt.

„Ehm nein…Ich besuche eine Freundin. Sie hatte gestern einen Unfall.“ Sue wusste nicht wohin mit ihren Augen und rieb nervös an einem Fleck auf ihrer Hose.

„Ist das Schokolade?“ Wundervoll, Robert wunderte sich immer mehr über die Intelligenz seiner Konversation. Was sollte es sonst sein?

„Ehm ja. Ich habe…Kekse gebacken, die Schokolade war für den Bart.“

„Ihre Kekse haben einen Bart?“ Robert kratzte sich verwirrt am Kopf.

„Nein, ja, nein…Ach vergessen Sie es.“ Susan hätte schreien mögen, wie sollte sie ihm denn erklären, dass sie Kekse in der Form eines Kopfes gebacken hatte?

 

Die Frau hatte Angst, dachte Robert neugierig und unsicher.

Er sah die verblassenden Male an ihren Handgelenken, jemand hatte ihr Gewalt angetan und eine zornige Röte überzog sein sonst so blasses Gesicht.

Wie konnte jemand etwas so Schönes nur verletzen, dachte er aufgebracht als er in die traurigen Lagunen ihrer Augen blickte, welche nur nach einem Fluchtweg suchten.

„Werde ich Sie wiedersehen? Es ist ganz allein Ihre Entscheidung Miss. Ich würde sie nur sehr gerne wiedersehen.“

Er sprach bevor er dachte, aber irgendetwas in ihm zog ihn an dieser verletzten Taube an und er war nicht nur der Fakt, dass ihre Haut blütenweiß und ihre Haare wie gesponnenes Gold waren, es war auch nicht das perfekte Gleichgewicht ihrer wunderschönen Züge, sondern die Traurigkeit in ihren runden Augen und die verkrampfte Haltung die nach einem Beschützer rief.

Er war ein Mann von Ehre, wenn auch nicht von Stand und so wollte er dieser Königin, diesem Engel helfen Krone und Flügel wiederzuerlangen und dorthin zurückzukehren wo sie hingehörte, was sicher nicht die kalten Straßen Londons am frühen Morgen waren.

Er wollte sie berühren, sie trösten und den Schmerz den sie schlecht verbarg lindern.

„Ja, ich denke schon. Ich werde heute Mittag sehen ob ich eine Arbeit als Konditorin oder Bäckerin hier in der Gegend finde, wenn Sie wollen, können wir uns gegen 4 Uhr…irgendwo treffen.“ Wisperte sie, von sich selbst überrascht, doch seine Augen waren so sanft, dass sie ihm automatisch vertraute.

Er war nicht näher gekommen und ließ seinen Blick nicht forschend über sie wandern, was ihr ein gewisses Maß an Selbstachtung ließ und dafür war sie ihm dankbar.

Sie würde sich hier wohlfühlen, hier wo alle Menschen so verschlossen wie sie selbst zu sein schienen und sie vergaß, dass er ein berühmter Schauspieler war, hoffend, dass er ihr erster Freund in dieser fremden Stadt werden könnte.

„Die kleine Bäckerei 3 Straßen runter sucht nach einer neuen Geschäftsleiterin. Da könnten Sie versuchen. Ich hole sie dann um 4 dort ab.“ Schlug er vor und als sie nach dem Hund pfiff, erkannte er das Höllenbiest.

Die Frau die vor ihm stand war die Frau vor der er geflüchtet war, Salomes Gast…

„Ich muss dringend mit einem Freund sprechen.“ Rief er atemlos und verschwand.


Kapitel 47 by MaggyMae
Author's Notes:
Guten Morgen Kapitel

47.

Sue hetzte auf die Haustür zu und hielt überrascht inne als sie sah, dass ein Korb auf der Schwelle lag.

Schulterzuckend trat sie ein und fragte sich ob sie Salome sagen sollte was vorgefallen war.

Eher nicht, sagte sie sich müde, sie wusste wie sehr Salome den ganzen Starrummel hasste und dass sie Sue dafür verachten und verspotten würde, dass sie sich von einem Paar schöner Augen dazu überreden hatte lassen ihn wiederzusehen.

Nein, Salome würde sicher kein Verständnis für eine Schwärmerei, so harmlos sie auch sein mochte und deshalb würde sie erst einmal schweigen bis sie wusste was der große Robert eigentlich von ihr wollte.

Gott, sie hatte Angst, hatte Angst vor seinen großen Augen die zu viel sahen und vor dem weichen Mund von dem die ganze Welt träumte.

Niemals hätte sie sich so was erträumen können und nun stand sie hier, einen lächerlichen Korb im Arm und suchte nach Worten.

Sie war sicher eine schöne Frau, aber was würde er sagen wenn er erkannte, dass sie nicht mit einem Mann sprechen konnte ohne vor Angst zu sterben oder dass sie in sich viele Narben trug welche weder die Zeit noch ihre Freunde hatten heilen können?

Ja, Susan hatte Angst, aber sie wollte es Salome gleichtun und in einer fremden Stadt fern der Heimat ein neues Leben beginnen in dem sie wirklich sie selbst sein konnte.

„Sue? Bist du das?“ kam es jämmerlich aus dem ersten Stock und Sue hastete die Treppe hoch.
Salome saß in der Wanne, das verletzte Bein auf einem Brett und Sue misstrauisch ansehend.

„Was ist los Sue? Du warst lange weg.“ Sprach sie anklagend und Sue zuckte nahezu sofort zusammen.

Es überraschte sie immer wieder wie jemand der so verwirrt wie Salome war so ein Gespür für ihre geheimen Ängste haben konnte.

„Ich will nicht darüber sprechen.“ Murrte Sue während sie die hilflose Salome aus der Wanne hob. Diese war wohl ins Wasser reingekommen, konnte aber allein nicht mehr raus ohne die Wunde zu überschwemmen und sich selbst zu schaden.

Salome zögerte, niemals hatte Sue sich ihr entzogen und vor allem verschwieg sie selten was sie wirklich bewegte.

 

„Was ist das?“ fragte sie Sue dann als sie den Korb auf dem Boden erblickte.

„Oh das hat jemand auf der Türschwelle stehen gelassen. Zieh dich an, dann gucken wir zusammen nach.“ Sue wäre eine gute Mutter dachte Salome auf einmal.

Sue war nett und gutmütig, geduldig, schüchtern und fleißig und sie hatte ein Geheimnis vor ihr, was ihr gar nicht behagte.

Salome schlüpfte in himmelblaue Seidenunterwäsche und zog sich dann ihren neuen, weichen und ungewaschenen Pulli über.

Das Gehen bereitete ihr Schmerzen, aber sie wollte verdammt sein wenn sie Sue darum bat sie wie ein kleines Kind herumzutragen.

Wie ein schweres Kind dachte Salome als sie ihren weichen, runden Körper im Spiegel erblickte.

Im Gegensatz zu Sue, die auf sehr schmerzhafte Art und Weise lernen hatte müssen, dass sie begehrenswert war, hatte Salome sich nie viele Gedanken über diese Frage gemacht.

Sie war nicht die Art von Frau der man den Hof machte und deshalb fragte sie sich auch nicht wieso man das tat, oder halt eben nicht.

Den Mund verziehend fragte sie sich nun wieso nicht, war es weil sie zu dick war? Zu klein?

Oder gefiel sie Männern einfach nicht?

Das laute „OH“ von Susan im Untergeschoss ließ sie schneller humpeln und um ein Haar wäre sie hingefallen, fing sich aber im letzten Moment noch auf.

Sie zwang sich so normal wie möglich zu gehen als sie das Wohnzimmer betrat und atmete tief durch um sich die Schmerzen nicht anmerken zu lassen.

 

„Es ist von Mister Macfadyen und seiner Frau…und von Armitage.“ Keuchte Sue dann atemlos.

Matthew dachte Salome automatisch, ihr lieber Matthew.

„Ein Geschenkkorb? Mann die haben eindeutig zu viele Kostümfilme gedreht, heute schickt man doch keine Geschenkkörbe mehr mit Früchten und Kuchen.“

Sue hob Früchte und Kuchen hoch und fand, dass das als Antwort genügen sollte.

„Denken Sie ich könnte mich nicht allein ernähren?“ fragte Salome halb belustigt und halb beleidigt.

„Ehm da sind ja noch andere Dinge.“ Sue zuckte mit den Achseln und grub weiter in dem Korb herum.

„Wie zum Beispiel?“ Salome setzte sich auf die Couch und sah Sue fasziniert zu.

„Ehm Marmelade, Lachs…eine Banane, Pudding…Ok so unterernährt siehst du doch nicht aus.“ Sue kicherte und hob dann sehr langsam etwas Großes heraus.

„Was ist das? Sieht aus wie ein Kissen.“ Kommentierte Salome ungeduldig.

„Es ist ein Kissen, halt dich fest.“ Sue biss sich auf die Lippe und drehte das Kissen langsam um.

Richard Armitage grinste ihr entgegen.

Sie würde Matthew mit ihren eigenen Kinderhänden erwürgen wenn sie ihn in die Finger bekommen sollte und das würde sie, auch wenn sie bis zu seiner Haustür humpeln müsste, dachte Salome als sie nach Luft schnappte.

„Sie haben einen Sinn für Humor.“ Murmelte Sue kleinlaut und konnte dann keine Sekunde mehr länger an sich halten, sie lachte Tränen und zeigte immer wieder auf Salomes Gesicht.

„Hör auf mir deinen dummen Finger ins Gesicht zu halten. Ehrlich…Ich bin nicht auf einem gottverdammten Kissen abgebildet.“ Keifte Salome, bemächtigte sich des anstößigen Objekts und setzte sich mit ihrem ausladenden Hinterteil darauf.

Nach einigen Sekunden brach ihr Willen und sie zog das Kissen wieder unter sich hervor und legte es demonstrativ neben sich.

„Oh du hättest dein Gesicht sehen müssen, das war so köstlich. Ungläubig, fassungslos, empört, wütend.“ Kicherte Sue und Salome antwortete ihr mit einer gehobenen Augenbraue und einem grimmigen Lächeln.

„Oh da ist noch mehr.“ Sue reichte ihr einen flauschigen Bademantel mit Kätzchen drauf und ein Paar Kuschelsocken die ihr bis über die Knie reichten.

Salome sah wortlos an ihren schon wieder nackten Beinen hinunter und musste lächeln, sie hatte keine Ahnung wo oder wie Richard Overknee-Kuschelsocken her hatte, aber sie war sich sicher, dass sie von ihm stammten.

„Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie habe ich das Gefühl als ob die dich kennen.“ Sprach Sue dann und brachte Salomes Atem zum Stocken.

„Nun ist ja auch egal, ich wollte dir nur sagen…Ich habe heute Mittag ein Vorstellungsgespräch.“

Salome blinzelte, Sue hatte wirklich nichts anbrennen lassen und mit ihren Qualifikationen sollte sie keine Probleme haben eine Arbeit zu finden.

Sue schnappte sich ihr Handy und tippte darauf ein.

„Ich schicke dir jetzt eine SMS die du an deinen Nachbarn weiterleiten wirst ohne sie zu lesen, geht das?“

Salome mochte die Idee nicht, aber wenn Sue schon mal etwas verlangte nachdem sie ihr so eine große Hilfe gewesen war, wollte sie nicht kleinlich sein.

Sie konnte sich denken worum es ging, Sue wollte nicht, dass sie alleine hier bleiben sollte.

Also tat Salome wie ihr geheißen wurde, aß die Banane und kuschelte sich unter dem Bademantel den Sue wie eine Decke über ihr ausgebreitet hatte ein.

Bald darauf war sie auch schon eingeschlafen.

 

„Richard. Na los öffne.“ Robert trommelte gegen die Tür.

Als die Tür aber endlich geöffnet wurde, schrak er automatisch zurück, denn ihm bot sich ein grausiger Anblick dar.

„Ehm…“ machte er leise und folgte dem Hausherrn mit langsamen, vorsichtigen Schritten als dieser sich einfach umdrehte und aus dem Türrahmen verschwand.


Kapitel 48 by MaggyMae
Author's Notes:
Übergangskapitelchen

48.

Richard sah tatsächlich unbeschreiblich schlecht aus, mit seinem zerknitterten Hemd und seiner grimmigen Miene.

„Hey guten Morgen, ich bin gekommen um dir zu sagen, dass Salome einen Unfall hatte, aber wie es aussieht weißt du das bereits.“

„Ich war da.“ Knurrte er und Robert wurde weiß wie die Wand hinter ihm.

„Wie da?“ Das verstand der Junge nun doch nicht so ganz.

„Sie ist über einen verdammten Kübel gefallen und hätte sich fast den Fuß abgesäbelt.“ Murrte Richard und rieb sich über die müden Augen.

„Warst du im Bett?“ fragte Robert unsicher und erntete einen ungläubigen Blick.

„Du warst also nicht im Bett, gut…Dann geh jetzt.“

Nein, er fühlte sich nicht wohl dabei einem Mann der ein gutes Stück älter war als er Vorschriften zu machen, aber Richard sah aus wie eine Leiche.

„Ich bin nur kurz vorbeigekommen…“ setzte er an als er den tödlichen Blick seines Gegenübers sah.

„Wie weißt du das eigentlich?“

„Na das wollte ich dir gerade erzählen du grantiger alter Mann. Ich war auf dem Weg zu dir, ich denke ich kann mich deiner Magie auch nicht entziehen. Ich war einsam, unruhig was auch immer…Und dann begegne ich diesem Engel, der furchtsam zu mir aufsieht und mir sagt, dass sie eine Freundin pflegt die einen Unfall hatte. Ich sehe mich um, erkenne den Hund und laufe weg. Aber ich habe ein Date mit ihr heute Mittag.“

Richard blinzelte langsam, er konnte diese jungen Menschen einfach nicht verstehen, wieso mussten sie alle schnell sprechen, dass er kein Wort verstand?

„Du hast Sue kennengelernt, aber sie weiß nicht, dass du Salome kennst? Und jetzt wirst du Sue wiedersehen und ihr nicht sagen, dass du Salome kennst, oder mich, weil Sue dann wüsste, dass Salome mich kennt. Ach wie kompliziert.“

Ihm waren das eindeutig zu viele Lügen und zu viele Geheimnisse, aber es war nicht seine Wahl und so fügte er sich in sein Schicksal.

„Ehm ja irgendwie schon.“ Robert kratzte sich erneut am Kopf und sah Richard ratlos an.

„Hast du Sue schon gesehen?“

Richard rieb sich erneut übers Gesicht, er erinnerte sich nur ungern an den vorigen Tag.

„Ja gestern, wie gesagt ich war da. Ein ruhiges Abendessen mit Freunden. Salome schneit rein, schubst Sue, die schubst zurück, erkennt uns, will raus und wirft Salome über den Haufen. Salome blutet, isst in Ruhe und erst als Matthew und ich eingegriffen hatten ging sie mit dem Sanitäter weg. Sie hat mir um 4 Uhr geschrieben, dass sie genäht werden musste.

Nein, ich war nicht im Bett.“

 

Robert wagte es nicht auszusprechen, aber ihm kam ein einziger Gedanke „Hoffnungslos verliebt“.

„Aha, ja…“ murmelte er stattdessen und sah Richard grinsend an.

Richard hatte seine Nacht damit verbracht Geschenke auszusuchen, mit Matthew und seiner Frau zu sprechen, die jetzt wieder bei den Kindern waren und rastlos hin und her zu tigern.

Er machte sich Sorgen um Salome und es machte ihn nervös sie nicht erreichen zu können.

Von Wut zu Verzweiflung, von Müdigkeit zu nervenaufreibender Angst, hatte er alle Stadien in diesen langen, dunklen Stunden durchgemacht.

Er hatte gewartet, er hatte sein Handy ausgemacht, angemacht, das Netz neu gesucht, er hatte sich tausend Fragen gestellt und tausend Sorgen gemacht.

Wo war sie und ging es ihr gut?

An seinen Händen hatte ihr Blut geklebt und Matthew hatte ihn sanft aber bestimmt ins Badezimmer führen müssen, er hatte ihm die Hände gewaschen wie einem seiner Kinder, vorsichtig und freundlich.

Natürlich war Richard Matthew dankbar, aber er wusste, dass dieser das wusste, dass er keine Erklärung brauchte.

Ihm kam dann erst die Idee.

„Wenn du Sue triffst, dann ist Salome doch allein.“ Rief er panisch und Rob wollte ihm sagen, dass es unwahrscheinlich war, dass Salome vom Sofa stürzte und sich das Genick brach, allerdings war er sich nach genauerem Betrachten des Falles auch dieses Faktes nicht mehr so sicher.

„Ja.“ meinte er also lahm, ehrlich gesagt, hatte er so weit noch gar nicht gedacht, alle seine Gedanken hatten sich um die engelsgleiche Sue und ihre verblassenden Wunden gedreht.

Und dann klingelte Richards Handy.

Robert fand, dass er wie danach griff wie ein Ertrinkender nach einer rettenden Hand, hielt aber vorsichtshalber wieder den Mund, weil er den Mann für unberechenbar hielt.

Hey Nachbar, ich bin’s Sue. Da du Salome ein wenig kennst muss ich dir nicht erklären, dass sie gerne in Schwierigkeiten gerät und weil sie mir gesagt hat, dass du schon öfters auf sie aufgepasst hast, bitte ich dich freundlichst gegen 2 vorbei zu kommen. Sie wird alleine sein weil ich weg muss und das will ich nicht. Ich kenne dich nicht, aber Salome mag dich und sie vertraut dir und ich denke, dass sie sich freuen würde dich zu sehen. Sie hatte schreckliche Schmerzen, aber sie will es nicht zugeben.

Bis vielleicht irgendwann lieber Nachbar, wenn sie schlafen sollte, die Gute-Nacht-DVDs liegen auf dem Tisch, halt Armitage am Reden, dann schläft sie gut.

In kompletter Verehrung und Demut, Sue

 

„Die Frau hat keinen blassen Schimmer.“ Grinste Robert als er halb auf Richard gestützt über dessen Schulter hinweg las.

Richard sah auf die Uhr, es war viertel vor 2.

„Ich mache mich mal auf den Weg, ich…will nicht, dass Sue etwas passiert.“

Richard hob die Augenbraue als wäre das ein unsinniger Gedanke, was Robert belustigte angesichts der Tatsache, dass er selbst aufbrechen würde um eine Frau daran zu hindern in ihrer eigenen Sabberlache zu ertrinken oder sich vom Sofa in den Tod zu stürzen.

„Sie hat blaue Flecken an den Handgelenken und Wunden am Hals. Ihr wurde Gewalt angetan und ich verstehe, dass Männer sich mit Gewalt nehmen was sie nicht von ihr aus haben können. Sie ist ein wenig zu schön um sicher zu sein.“ Erklärte Robert.

„Lauf Kleiner, ich verstehe was du meinst, ich habe sie gestern gesehen. Ich…lauf.“

Das hier kam einem Actionfilm so viel näher als alles was er bisher gesehen oder gemacht hatte, aber Richard wusste, dass sie beide mit der Rolle als Held komplett überfordert waren.

 

Sue strich Salome leicht über den Kopf.

Sie hoffte nicht darauf den Nachbarn zu erwischen und sie wusste von Salome, dass genau dieser den Zweitschlüssel hatte.

Sie würde den Schlüssel nicht mitnehmen auch wenn Salome sicher das Haus nicht verlassen würde, sie würde klingeln, damit Salome Zeit hatte den Nachbarn zu verstecken wenn nötig.

Nicht ganz sicher ob sie richtig gehandelt hatte, streichelte Sue ihre schlafende Freundin etwas länger und sah auf ihre weichen Züge hinab.

„Oh Salome, bitte verzeih mir, dass ich etwas derart Dummes tue.“

Sie trug eine Jeans und ein Shirt mit langen Ärmeln, hatte das Haar hochgesteckt und ihr weicher Mund war ungeschminkt als sie sich in der Tür noch einmal umdrehte.

Salome lag lächelnd auf ihrem Armitagekissen und träumte sicher von etwas Schönem.

Ihre weichen Locken fielen ihr über die Schulter und ihr krankes Bein war liebevoll verarztet worden, ihr ging es gut und doch hätte Sue am liebsten gewartet bis der Nachbar, der Babysitter da war.

Sie wollte Kinder haben, wollte kleine Menschen so schlafen sehen und wissen, dass diese sie immer lieben würden wenn sie alles richtig machte und dass sie diesen Menschen all ihre Liebe geben würde, aber wie kriegt man Kinder ohne Mann?

Seufzend schlüpfte sie in ihre Schuhe und überließ Salome ihren süßen Träumen.

 

Kurz nachdem Sue gegangen war, öffnete sich die Tür erneut.

Sie lag auf dem geschenkten Kissen, unter dem geschenkten Bademantel und Sparkhouse lief im Hintergrund.

Er küsste sie leicht auf die Wange und sofort schlug Salome die Augen auf.


 

Kapitel 49 by MaggyMae
Author's Notes:
Für Edin <3

49.

„Sorry, ich wollte dich nicht wecken.“ Wisperte er leise und Salome musste lächeln.

Gott, er sah so müde aus und sie krabbelte automatisch näher auf ihn hin, bat ihn sich zu setzen und starrte in seine Augen.

„Es…nein, es war dein Geruch.“ Murmelte sie und legte ihm das Kissen in den Schoß um es sich auf ihm bequem zu machen.

Er konnte sich vorstellen wie er roch und schnupperte angewidert an dem Hemd das er nicht einmal ausgezogen hatte und an dem ein kleiner Fleck in Brusthöhe ihn an die klaffende Wunde an ihrem Bein erinnerte.

„Das tut mir dann auch leid.“ Sprach er reuig und sah wie sie sich nachdenklich auf die Lippe biss.

Salome hätte nicht gewusst wie sie seinen Duft beschreiben sollte, sie roch Angst und Sorgen, den moschusartigen Geruch der Männer und die leichte Note seines Parfüms oder Deos oder was auch immer.

„Es erinnert mich an den Zoo.“ Sprach sie mehr zu sich selbst als zu ihm.

Er dachte automatisch an den Gestank der Pinguine, der Yaks oder der Ziegen und war beleidigt.

„Ich rieche also wie ein Tier, na vielen Dank.“

Sie dachte an die Raubtiere und ihren ganz eigenen Geruch nach geschmeidiger Haut und nach Gefahr, diesen Geruch den Frauen anders wahrnahmen, der sie hypnotisierte und festnagelte, die Augen in denen des Biestes und jede Nervenzelle zitternd, zögernd zwischen Fluchtreflex und Faszination.

 

„Danke für die Socken.“ Wechselte sie dann das Thema als ihr klarwurde, dass sie ihm niemals zu verstehen geben könnte was sie wirklich roch wenn er bei ihr war.

„Ich sehe das Kissen ist auch schon im Gebrauch.“ Foppte er sie und sie schmiegte sich enger an besagtes Kissen als fürchte sie er könnte dessen Gefühle verletzen.

Er spürte lediglich den Druck auf seinen Lenden und atmete tief durch, sich daran erinnernd, dass sie keine Ahnung hatte was sie tat.

„Zuerst wollte ich Matthew umbringen, aber letztendlich ist es wirklich ein gutes Kissen.“ Sie sah ihn fröhlich grinsend an und er grinste automatisch zurück.

„Ah ja…“ machte er belustigt und schaute nachsichtig zu ihr herunter.

Schlafen, dachte er abfällig, schlafen war etwas für Weicheier.

Sie sah so süß aus mit ihrem Bademantel und dem unordentlichen Haar und sich schmiegte sich aufreizend an seinen Körper, während sie zu ihm hochstarrte.

„Du siehst müde aus Liebling.“ Wisperte sie und berührte sein Gesicht so vorsichtig wie sie ein Neugeborenes berühren würde.

Liebling?

Ihm schossen tausend Fragen durch den Kopf, aber ihre Finger auf seinem Gesicht vertrieben die Müdigkeit und alles was blieb war eine angenehme, bleierne Schwere.

„Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.“ Gab er sehr leise zu und sie machte ihm mit dem Zeigefinger ein Zeichen näher zu kommen.

Als er sich leicht vorbeugte hob sie sich genauso leicht an und drückte ihre Lippen auf die Seinen, sanft, tröstend und…liebevoll.

„Du hättest nicht müssen. Nur eine Fleischwunde, lass mich hier zurück Soldat.“

Sie kicherte und er legte seinen Arm unter ihren Rücken um sie in der halbsitzenden Position zu halten.

Von heute an würde er nur noch Röcke tragen, schwor er sich als die nächste Hose ihn zwickte.

„Das könnte ich nicht.“ Erwiderte er auf einem bemüht leichten Ton.

„Ah du bist ja auch der Held der Geschichte.“ Sie fuhr ihm geistesabwesend mit den Fingern durch den Bart.

„Was suchst du? Läuse? Ich bin etwas besser gepflegt als die meisten Zootiere auch wenn ich genauso abstoßend rieche.“
Ha da wären wir wieder beim Thema, dachte Salome und sprach:

„Ich mag wie du riechst und ich wollte schon immer ein richtiges Raubtier anfassen.“
Raubtier? Er betrachtete seine Nägel, die waren ok und keineswegs Krallen ähnlich und auch seine Zähne waren weder sehr spitz noch außergewöhnlich groß.

„Also was wolltest du sagen?“ fragte sie dann und er wunderte sich wie so oft auf wie viele Dinge sie sich nacheinander oder zeitgleich konzentrieren konnte, ohne auszusehen als wäre sie besonders aufmerksam.

 

„Ich denke das gestern, das war das Schlimmste überhaupt.“

„Dein Satz macht leider keinen Sinn.“ Schalt sie ihn sanft.

„You talk…“ er unterbrach sich, es hatte keinen Sinn sie auf ihre eigenen verworrenen Aussagen hinzuweisen, da diese für sie selbst wahrscheinlich Sinn machten.

„Ehm…Also ich hätte dir so gern geholfen und da zu sitzen und zu wissen, dass ich dich nicht einmal ansprechen durfte…“

Sie sah von der Bartpflege auf und blinzelte wie so oft herrlich verwirrt.

„Aber…Es war wirklich nicht so schlimm.“ – „Du wurdest genäht.“

Sie zuckte mit den Achseln und nickte dann.

„Es tut mir leid, dass ich garstig zu dir war.“ Wisperte sie anschließend sehr leise und er musste lachen.

„Ich denke gestern war für uns alle ein sehr aufregender Tag und es tut mir auch leid was ich draußen zu dir gesagt habe. Ich hätte nur nicht gedacht, dass die Vorstellung ohne mich zu sein dich traurig machen könnte. Dass irgendetwas dich traurig machen könnte.“

Sie zögerte und sprach dann mit der ihr so eigenen Fröhlichkeit:

„Vergeben und vergessen, aber wenn es dich interessiert, es macht mich sehr traurig zu wissen, dass du weggehst, weil ich dich vermissen werde.

Ich habe dich sehr lieb und…du bist immer da wenn ich dich brauche, bei meinem Einzug, in dieser dunklen Nacht der Sünde, bei meinem Sturz, jetzt…“

Richard blieb das Herz stehen, sie war in der Tat sehr ehrlich und sie schien keine vornehme Zurückhaltung zu kennen, sie würde niemals „hard to get“ spielen und er dankte ihr dafür.

„Wirst du mir versprechen auf dich aufzupassen? Nicht in Schwierigkeiten zu geraten?“

Sie verzog das Gesicht und gab leise zu: „Ich kann dafür nicht garantieren, ich habe da so ein Talent und ich mache es ja nicht mit Absicht.“

Und dann fiel ihr Blick auf die Schüssel die Sue ihr hingestellt hatte.

„Willst du einen Keks? Die haben die Form deines Kopfes, ich habe mich noch nicht getraut einen zu essen. Ich habe Angst vor Voodoo.“

Er sah sich den Keks genauer an und erstarrte, Sue hatte tatsächlich sein Profil in Teig verewigt und er dachte bei sich, dass es gut war, dass seine Nase die Ausmaße einer Insel hatte da sonst nicht viel zu knabbern da gewesen wäre.

Er drehte den Keks so lange bis der Schokobart geschmolzen war.

Salome nahm ihm den Keks ab, stopfte ihn sich in den Mund, ihn immer im Auge behaltend und schnappte sich dann seine schokoladenverschmierte Hand und führte jeden einzelnen Finger langsam und genüsslich in ihren Mund ein.

„Warum hast du…oh…Kekse, die…“ Er konnte sich nicht konzentrieren wenn sie so an seinen Fingern saugte.
„Weil die Menschen mir dein Gesicht schenken um mich zu trösten. Und es klappt tatsächlich, außerdem kann ich dich so wortwörtlich vernaschen.“
Sie sprach dies leichthin zwischen seinem Ringfinger und dem kleinen Finger.

Sein ganzer Leib prickelte.

Salome sah ihn mit blitzenden Augen an und er befürchtete das Schlimmste, denn sie hatte offensichtlich eine Idee.

„Du könntest ja hier duschen.“ Duschen? Was?

„Wieso?“ Er kam sich reichlich dumm vor.

„Nimm mich mit…Wieso? Weil ich dich nackt sehen will.“

Sie grinste ihn schelmisch an und streckte die Arme verlangend nach ihm aus und weil er ihr eh keinen Wunsch abschlagen konnte, hob er sie langsam hoch und ließ sich von ihr ins Bad dirigieren.


Kapitel 50 by MaggyMae
Author's Notes:
Den Rest des Kapitels gibt es per PN...

50.

Sie fühlte sich angenehm schwer in seinen Armen an und als hätte sie das gleiche gedacht, kicherte sie leise:

„Komm schon, ich bin ein wenig zu fett um so getragen zu werden, lass mich runter, ich kann laufen.“

Aber er mochte es, sie war keineswegs zu fett, sie fühlte sich weich und kompakt an, anwesend, sie war wirklich da und er hatte nicht das Gefühl ein nasses Kleid durch die Gegend zu schleppen.

Ihr Duft nach Keksen und Desinfektionsmittel stieg ihm in die Nase und das gepaart mit der Tatsache, dass er jede einzelne ihrer Rundungen an seinem Körper spüren ließen die Chancen, dass sie bald das Badezimmer in fassungslosem Entsetzen verlassen würde erheblich und vor allem rapide steigen.

„Hast du denn schon einen Mann nackt gesehen?“ fragte er so nebensächlich wie möglich.

„Nein, wie viele Männer findet man die doof genug sind sich einfach auszuziehen? Außer dir natürlich.“ Sie lachte ihn an, strahlend und spöttisch.

Selbstverständlich, dachte er und stieß die Tür mit seinem rechten Fuß auf.

„Setz mich einfach auf den geschlossenen Klodeckel.“ Bat sie königlich und er ließ sie wie gewünscht dort nieder, wo sie ab diesem Moment an thronte wie eine Prinzessin der Absurdität.

„Na los, oder willst du mit deinen Kleidern rein?“ sprach sie als er sich nach einigen Sekunden noch nicht vom Fleck bewegt hatte.

„Aber…ich kann…ich kann mich doch nicht…“

„ACTION!“ brüllte sie ihm entgegen. „Nun mach schon du lausiger Feigling. Immerhin hast du mich auch schon nackt gesehen.“
Er dankte ihr im Stillen für diese Erinnerung, da er jetzt sicher nicht blank ziehen konnte ohne sich endlos zu blamieren.

Sie tippte wartend auf den Wannenrand der gleich neben ihr war und krallte ihre Finger in den Duschvorhang.

„Richard, bitte.“ Sie sah ihn nun mit Kuhaugen an, groß, weich, flehend und er begann an seinen Knöpfen zu nesteln.

„Oh komm her.“ Fauchte sie dann und begann selbst mit flinken Fingern Knopf um Knopf zu lösen, das Hemd auseinander ziehend und ihre Hände auf seine Brust legend.

„Schön, weiter jetzt.“ Befahl sie dann und er hatte immer mehr das Gefühl, dass Madame dabei war ein Geschenk auszupacken.

Seufzend öffnete er den Hosenknopf und ließ die Zauberhose, die sich so überraschend verkleinerte, zu Boden fallen wo sie wie ein großes Fragezeichen liegen blieb.

Mit akrobatischer Geschicklichkeit lehnte sich Salome über die Badewanne und ließ das Wasser schon mal heiß laufen.

„Soweit waren wir schon mal…runter damit.“ Lächelte sie schmeichelnd und biss sich auf die Zunge als er tatsächlich auch die Unterhose der Anzughose folgen ließ.

 

Mit einem einzigen Satz war er in der Badewanne und prüfte die Temperatur mit dem Handrücken.

Deshalb hielt diese Hexe also den Duschvorhang fest, dachte er als er sich ihrer Augen auf seinem Körper bewusst wurde.

Salome starrte ihn an, ungläubig, verwundert, verhext.

Er war das schönste Wesen das sie je gesehen hatte, glatt, weiß und so groß dass sie sich vor einem Berg aus weißem Stein wähnte und doch konnte sie ihn riechen, konnte die kleinen Dampfschwaden auf ihrer Haut spüren die vom Boden der Wanne emporstiegen.

Scham stieg in ihr auf als sie verstand was sie von ihm verlangt hatte, doch sie konnte nicht aufhören ihn anzusehen und vor tiefer Angst und Respekt zu zittern.

Dies gehörte nicht mehr ihrer Kindheit und sie dachte an ein Musical das eine Geschichte erzählte die ihr am Herzen lag in dem eine Frau von ihren Träumen erzählte und dann erklärte, dass nachts die Tiger kamen mit Stimmen so sanft wie der Donnerschlag wenn sie deine Träume zerreißen und deine Träume zur Schande machen.

Salome wusste, dass sie falsch war, dass dies unmoralisch war, aber sie konnte sich immer noch nicht wehren.

Er hörte ihr gequältes Atmen, ihre leisen Seufzer und wünschte er könnte diesen Moment erleichtern, doch was sollte er machen?

„Es tut mir so leid.“ Wisperte er, doch dann spürte er ihre Hand auf seinem Rücken.

„Was denn? Ich wollte es so und Gott, ich hätte mir niemals ausmalen können, dass es so sein würde.“

 

Der Rest des Kapitels wird per PN auf Anfrage geschickt

Kapitel 51 by MaggyMae
Author's Notes:
Die Ernüchterung

51.

Er hätte sterben mögen vor Scham, doch als er auf sie nieder sah, mit rotem Kopf und tausend Entschuldigungen auf der Zunge, erkannte er, dass sie lächelte.

Wie zum Henker konnte sie lächeln nachdem was er ihr gerade angetan hatte?

„Also wieder zur Cellulitis…wieso?“ fragte sie dann ernsthaft und sah ihn neugierig an.

„Was? Wie bitte? Ich bin ein Mann…ich mache Sport, ich habe keine Ahnung…“ stammelte er und sie zuckte mit den Achseln, bereit das als Erklärung gelten zu lassen.

„Hmm…Ich kann dir leider keine Kleider leihen.“ Murmelte sie reuig und sah auf den gefluteten Boden auf dem seine Kleider schon eingeweicht lagen.

„Was Kleider? Ach so…Ja kein Problem.“

Konzentrier dich, schrie er sich selbst innerlich an, doch er war nicht Salome, die scheinbar mühelos von dieser kleinen Eskapade ins richtige Leben zurückgefunden hatte und ihn nun fast mitleidig ansah.

„Geht es dir gut? Du siehst ein wenig krank aus.“

Er wandte sich der tatsächlichen Körperpflege zu und als er ratlos, sauber aber doch ratlos, in der Wanne stand, begegnete er schon wieder ihrem fast unpersönlichen Blick mit dem sie ihn musterte.

„Du bist in der Tat sehr schön.“ Murmelte sie.
„Wie willst du das wissen, wenn ich doch der Erste bin, den du nackt siehst?“

Er wollte nicht gemein zu ihr sein, aber hatte sie denn keine Ahnung was sie da gemacht hatte?

„Instinkt.“ Lächelte sie und reichte ihm ein Handtuch.

Er stieg aus der Wanne und sah sie ernst an.

 

„Salome…du bist dir aber bewusst, dass…“ Was sollte er sagen?

„Sieh mich nicht an als hätte ich in die Kirche gepinkelt. Ich weiß sehr wohl, dass das sehr geläufig ist und dass ich nichts Unrechtes getan habe.“ Verteidigte sie sich.

Er schlug die Hände über dem Kopf zusammen, wortwörtlich.

Jetzt hatte er ihr also das Gefühl vermittelt sie hätte etwas Schlechtes getan, na herrlich.

„Nein, nein, ich will nur sicher gehen, dass du weißt was du genau getan hast.“

„Ich bin kein Kind mehr Richard. Ich weiß sehr wohl was ich getan habe, auch wenn es nicht wirklich meine Absicht gewesen war und es tut mir sehr leid wenn ich dich in irgendeiner Weise gekränkt habe, aber du hättest zu jedem Zeitpunkt etwas sagen können.

Du hättest mich aufhalten können und hast es nicht getan, was mir sagt, dass wenn ich jetzt deswegen in die Hölle komme, du mein Nachbar sein wirst und auch dort werde ich nicht bereuen meine Neugierde befriedigt zu haben.“

„Nicht nur deine Neugierde so scheint es mir.“ Rutschte es ihm heraus.

„Ich weiß nicht worauf du wirklich hinauswillst, aber gut, danke Richard. Es war sehr lehrreich für mich.“

Lehrreich? Ihm war als hätte man ihm einen Kübel kalten Wassers über den Kopf geschüttet.

„Und ich liebe es zu lernen.“ Schnurrte sie, stand auf und humpelte weg.

 

Als sie endlich auf der Couch angekommen war ließ sie sich schwer darauf sinken.

Er hatte Recht, sie hätte nicht tun dürfen was sie getan hatte aber mit 23 noch unberührt zu sein hatte Spuren hinterlassen, sie war neugierig gewesen und sie hatte sich nach einem ersten Kontakt mit der wahren Essenz der Männlichkeit gesehnt.

Sie vertraute ihm, mehr als allen andern Männern außer ihrem Bruder und damit war er der perfekte Kandidat gewesen, sogar wenn man seine Schönheit komplett außer Acht ließ.

Hatte sie ihn gekränkt? Ausgenutzt?

War das was passiert war ihm etwa peinlich?

Salome riss erschrocken die Augen auf, hatte sie seine Ehre und seinen Stolz verletzt indem sie sich einfach genommen hatte wonach es sie verlangte und ihn nicht um seine Zustimmung gebeten hatte?

Sie war eine schmutzige Diebin, sie wusste doch, dass man sich schöne Dinge nicht einfach nehmen durfte nur weil sie einem gefielen.

Die Scham schlug in heißen Wellen über ihr zusammen, Scham darüber ihm Kummer bereitet zu haben wenn er doch wie immer ein Quell reiner Freude für sie gewesen war.

Sie wusste jetzt, dass sie Männer doch ein wenig mochte und dass sie eine gewisse Zuneigung zu diesem fremden Organ hatte, dass es sich gut in unter ihren tauben Fingerkuppen anfühlte und sich warm und schwer auf ihrer Zunge ausbreitete.

Salome hatte wahre Schönheit gesehen, sie befühlt, gerochen und geschmeckt und sie dankte unter Tränen dem Allmächtigen und Richard für diese Erfahrung, aber sie war wie immer gierig und unbedacht gewesen und sie hatte nicht darauf aufgepasst wie es ihm dabei ging.

Natürlich wusste sie nicht wie es sich anfühlte für einen Mann und sie würde es auch niemals erfahren, aber sie hätte ihre Unwissenheit nicht als Entschuldigung nehmen dürfen.

Sie würde ihn auf Knien um Vergebung bitten und er würde ihr verzeihen, weil er stets verzieh was unverzeihlich war.

 

Richard wrang die tropfenden Kleider aus und sah sich mutlos im Badezimmer um.

Was war nur in sie gefahren?

Gar nichts, sagte er sich, sie war einfach so.

Sie wollte wissen, wollte alles erkunden bis in die kleinsten Winkel und sie hatte nicht Unrecht wenn sie sagte, dass er sie aufhalten hätte können, aber sie wusste nicht wie es sich anfühlt wenn man keine Kontrolle mehr über sich selbst hat.

Er begehrte sie, wusste schon sehr lange, dass sein Verlangen nach ihr unermesslich war, aber das wusste sie nicht und sogar wenn würde sie nicht verstehen was das bedeutete.

Sie hatte nicht die geringste Ahnung was sie mit ihm angestellt hatte.

Sie wusste nichts von dem Feuer in dem er fast den Verstand verloren hatte als es unter ihren Fingern begann und in ihrem Mund endete.

Keuchend erinnerte er sich daran wie warm und weich sie gewesen war, wie mutig und wie bereitwillig sie getan hatte was die meisten Frauen nur widerwillig und nach viel Schmeichelei zuließen.

Seine kleine Salome, so furchtlos und neugierig, hatte ihn voller Tatendrang erkundet und gelernt, aber sie konnte nicht ahnen wie er sich dabei gefühlt hatte.

Welch Wonne sie in seinem Leib ausgelöst hatte und wie es zudem gekommen war was sie wortwörtlich demütig geschluckt hatte ohne Fragen zu stellen.

Er wusste es war Sünde sie so zu begehren und es war Schwäche sich derart in ihr zu verströmen.

Leider konnte er nicht einmal behaupten es nicht wieder passieren zu lassen wenn sie es so wollte, weil er ihr erstens jeden Wunsch erfüllen würde und sie zweitens wirklich gut war in dem was sie da tat.

Gott, dachte er schockiert, er hatte sich von einer Jungfrau oral befriedigen lassen und er bereute es nicht einmal so wie es angemessen gewesen wäre es zu bereuen.

 

Wie sollte er ihr jetzt unter die Augen treten?

Wusste sie nicht genau um seine Schande sich derart an ihr vergangen zu haben, ihr erlaubt zu haben etwas zu tun von dem sie dachte sie wüsste um was es geht aber an sich keine Ahnung hatte was es mit ihm angestellt hatte?

Er hatte sich verhalten wie ein Jüngling, hatte sie und ihre naive Neugierde benutzt um sich selbst Abhilfe zu schaffen bei Sorgen die er nicht einmal in seinen Gedanken näher erläutern wollte.

Und ja, sie hatte ihn oft erregt, aber nie hatte sie ihn mit der Absicht ihn aufzudrehen wie eine alte Uhr angefasst, sondern aus Neugierde, Zuneigung oder Bewunderung.

Die ganze sexuelle Note war von ihm ausgegangen und er schämte sich für seinen Ausbruch, weil er aus einer Erkundung eine Sünde gemacht hatte.

Er hatte ihre Unschuld beschmutzt und das Schlimmste daran war, dass er mehr davon wollte, dass er alles wollte und dass sie keine Ahnung hatte wie es um ihn stand.

Beschämt und gezwungenerweise nackt ging er zurück ins Wohnzimmer, das Tuch fest um seine Hüften schlingend und seiner großen Beichte mit brennenden Wangen entgegenblickend.


Kapitel 52 by MaggyMae

52.

Sue sah den alten Mann mit der Bäckerschürze fassungslos an.

„Ich muss hier raus und Sie scheinen eine Ahnung von dem zu haben was Sie hier machen werden, also herzlich willkommen und ein schönes Leben wünsche ich Ihnen.“

Damit nahm er die Schürze ab und wandte sich zum Gehen.

Sue hatte nicht gedacht, dass es so einfach werden würde einen Job zu finden, aber wie Robert ganz richtig angedeutet hatte, war hier ein Bäckersladen der so ziemlich alles anbot was man anbieten sollte und dessen Besitzer in Rente gehen wollte.

Zudem hatte er sowohl treue Mitarbeiter wie einen festen Kundenstamm, aber niemand wollte das Zepter an sich reißen und deshalb blieb dem Alten keine andere Wahl als jemanden von außerhalb zu suchen der gewillt war einen Backwarenladen zu führen.

Sue kam ihm da gerade gelegen, auch weil sie aus Frankreich kam, Frankreich, das Land das für seine delikaten Genüsse bekannt war im Gegensatz zu England.

 

„Aber…Soll ich denn nichts für Sie backen?“ stammelte Sue und der Mann zeigte auf die aufgeräumte Backstube.

„Toben Sie sich aus, Miss.“ Er lehnte sich an die Anrichte und sah zu wie Sue Zutaten abmaß.

Er mochte die Kleine, dachte er väterlich, sie war schüchtern, aber sie arbeitete schnell und präzise und sie schien vor allem ihre Arbeit wirklich zu lieben, was ein enormer Vorteil war.

Vor Jahren hatte er seine Arbeit auch geliebt, aber er war alt und das Mehl war in seine Haare übergegangen und knirschte in seinen Gelenken.

Es wurde Zeit einer anderen Person sein Reich der köstlichen Träume zu überlassen und er hatte es im Gefühl, dass dieser Engel die Richtige dafür sein könnte.

Sue hatte das Backen zusammen mit der Sprache erlernt, sie konnte ein Pfund blind schätzen und sie arbeitete sparsam und schnell.

Ihre langen Finger kneteten fest und rhythmisch und als sie die Gewürze bestimmt aus dem Regal nahm um einen Früchtekuchen nach Hausrezept auswendig zuzubereiten, zitterten ihre Hände nicht.

Sie war allein mit einem Mann, aber der Mann war alt genug um ihr Großvater zu sein und vor allem hatte er bisher keinerlei sexuelles Interesse signalisiert.

Albert Hemming fragte sich warum die Frau keine Form benutzte, aber als er später eine Scheibe des Kuchens probierte, war er wieder einmal sehr zufrieden mit seinem ersten Eindruck.

Er irrte sich nie in Menschen, die Frau hatte Talent, ihr Kuchen war herrlich und vor allem war die Küche jetzt wieder blitzblank.

„Sie sind genau das was ich gesucht habe. Nehmen Sie ihren Kuchen und kommen Sie sobald Sie eingerichtet sind her um ihre Stelle als Leiterin meiner Bäckerei zu übernehmen“

Albert nahm seinen Hut, reichte ihr die Schlüssel und verschwand.

 

Sue atmete erst einmal ganz tief durch und sah sich dann um.

Ja, hier würde sie sich wohlfühlen, hier war alles was sie brauchte und liebte und sie fühlte sich schon zuhause in dieser Backstube die nicht ultramodern sondern heimelig war.

Plötzlich schwitzten ihre Hände als sie den Kuchen in Papier einschlug und dieses schnell und effektiv um die Ecken umschlug.

Bald würde sie aus dieser Tür treten und er wäre da.

Sie hatten nicht einmal festgelegt was sie machen wollten oder wohin sie gehen wollten.

Wo ging man auch mit einem Hollywoodstar hin?

Die Menschen würden ihn erkennen und sie wollte nicht in diese Sache hineingezogen werden.

Also würden sie sich wahrscheinlich auf den Weg nach Hause machen, aber Salome brauchte doch ihre Zeit allein, oder?

Sie schrieb ihr vorsichtshalber und erfuhr, dass der mysteriöse Nachbar in der Tat gekommen war und so konnte Sue nicht nach Hause.

Sie klemmte sich den Kuchen unter den Arm und schritt langsam zur Tür.

 

Robert fror sich den Arsch ab, er sah wie ein alter Mann aus dem Laden kam und ihn verwirrt ansah und dann kam auch Sue.

Sie hielt etwas unter ihrem Arm und sah ihn furchtsam wie eh und je an.

„Was ist das?“ fragte er sie sofort und sie sah ihn unsicher an.

„Ein Kuchen…Ich habe meinem Chef einen Kuchen gebacken.“

Sue sah unsicher auf das Schild unter dem sie nun stand und auf dem sehr klar vermerkt war, dass es sich bei dem Laden um eine Bäckerei handelte.

„Wie dumm von mir, ja.“ Robert kam sich immer dümmer vor.

Es schien so als würde er niemals einen halbwegs intelligenten Satz an sie richten und er schämte sich für den Quatsch den er verzapfte.

„Nein…Ehm…“ Sue suchte nach Worten aber seine Augen sahen sie so fragend und geduldig an, dass sie vergessen hatte was sie eigentlich sagen wollte.

„Was willst du jetzt machen?“ fragte Robert sie und die ihre alte Unsicherheit brandete in ihr auf, denn sie hatte nicht die geringste Ahnung.

„Ich weiß nicht so genau.“ Sprach sie dann ihre Gedanken leise aus.

„Dann lass uns einfach mal losgehen und…“ Ok, mehr fiel ihm jetzt auch nicht ein.

 

Er holte unerkannt zwei Becher Kaffee und sie setzten sich auf die Bank auf der auch schon Salome und Richard gesessen hatten, aber ihnen fehlte die Ausrede des Hundes der Auslauf brauchte.

„Also, hast du den Job bekommen?“ Robert hätte sich in den Arsch beißen können, dass ihm diese Frage nicht schon früher eingefallen war.

„Ja.“ Wisperte sie und verfluchte ihre Schüchternheit und ihre Angst.

Robert fragte sich währenddessen wie es kam, dass diese Frau so anders klang wie die am Telefon und wieso sie ihren Kopf immer gesenkt hielt.

Einer der Gründe wieso sie jetzt auf dieser gottverlassenen Bank saßen war unter Anderem, dass er es nicht mehr mit ansehen hatte können wie sie unter jedem Blick zusammenzuckte.

Er kannte das Gefühl und fühlte sich fast erleichtert damit nicht allein zu sein.

„Wieso hasst du es so sehr?“ fragte er Sue leise und als sie ihm in die Augen sah, erkannte sie, dass er es wirklich verstand.

„Ich wurde schön geboren, war ein bezauberndes Kind und ich sage das nicht weil ich eingebildet bin, sondern weil jeder mir das gesagt hat und ich es anhand der heutigen Kriterien auch erkennen kann. Aber ich war nie klug, ich war nie mutig und von meinem 10. Lebensjahr an wurde ich von Jungs und Männern zu Dingen gezwungen die ich nicht einmal verstand und von allen weiblichen Wesen der Welt gehasst. Außer Salome…“

Salome, dachte Robert, Salome die alle so sehr liebten.

„Was ist mit ihr?“

Sue sah in die Ferne und ihr Gesicht wurde weicher, zugänglicher.

„Wir sind zusammen aufgewachsen, sie die kleine Streberin, Künstlerin, sie singt wie ein Vogel und malt lustige Comics und…Sie hat die Welt zu ihren Füßen und tritt doch niemand platt. Salome hat mich immer gemocht und nicht weil ich schön war, sondern weil sie sich die Mühe gemacht hat mit mir zu lachen und zu weinen und sie hat so manchen aufdringlichen Verehrer in die Flucht geschlagen. Ich wünschte ich wüsste wer dieser Nachbar ist den sie so verehrt.“

Nein, das tust du nicht, dachte Robert und sah sie lange an.

Es stimmte, sie war eine unglaublich schöne Frau, aber sie war auch einsam und sehr traurig und das tat ihm leid, denn das müsste sie nicht sein.

„Ich muss leider zugeben, dass du in der Tat sehr schön bist, aber ich denke du solltest dich der Welt mehr öffnen und ihr zeigen was du noch zu bieten hast.“

Sie sah überrascht auf und lächelte dann das Lächeln einer Rosenblüte die sich dem ersten Sommer gegenüber öffnete, er war geblendet von ihrer reinen Schönheit und der ungetrübten Freude in ihren Augen.

„Ihren Nachbarn würdest du übrigens mögen, er ist ein sehr netter Kerl.“ Fuhr er dann fort und da genau dieser Nachbar gerade vorbeilief, küsste er Sue spontan.


Kapitel 53 by MaggyMae
Author's Notes:
Salome zieht Konsequenzen und Richard zieht den Schwanz ein

53.

Salome biss sich auf die Lippe, wie sollte sie ihm das nun sagen?

„Es tut mir so leid dich ausgenutzt zu haben. Ich wollte nicht, dass du dich unwohl fühlst.“ Brach es aus ihr heraus und er hastete auf sie zu, nahm sie in die Arme und wisperte:

„Es muss dir nicht leid tun, es tut mir leid. Ich hätte…“
„Es nicht genießen dürfen?“ Salome sah ihn schelmisch von der Seite an.

„Ja so ungefähr.“ Er senkte den Blick beschämt und sie küsste ihn leicht auf die Wange.

„Dann lass uns einfach überein kommen, dass es für uns beide schön und peinlich war.“

Sie biss in einen weiteren Keks, denn seinen Kopf im Mund zu haben war jetzt wirklich kein Problem mehr nach diesem Sündenfall.

„Ehm wenn du meinst…“ Er konnte sich kaum vorstellen, dass seine überaus unpassende Reaktion für sie schön gewesen war.

„Richard?“ Sie wartete bis er aufsah und hielt dann sein Kinn fest damit er ihr nicht ausweichen konnte.

„Hör auf dir darüber Gedanken zu machen, auch wenn du es nicht glaubst, diesen Unfall habe ich gesucht und gewollt. Ich habe mir nur vorzuwerfen, dass ich dich nicht um Erlaubnis gefragt habe aber ansonsten war alles genau so wie ich es mir erträumt hatte.

Hör mir gut zu, wenn ich sage, dass ich dich mag und dir vertraue dann meine ich das auch so wie ich es dir sage.

Das heute war für mich sehr wichtig, sehr wertvoll und ich freue mich darüber, dass du es warst, weil ich dich eben mag und weil du der absolut schönste Mann auf der Welt bist.“

Dann fügte sie leise hinzu: „Wirst du es Matthew sagen?“

Richard zuckte zurück.

„Nein natürlich nicht, was ginge das ihn denn an. Wirst du es denn Sue sagen?“

„Selbstverständlich.“ Sprach Salome als wäre das das natürlichste auf der Welt.

„Oder eher doch nicht weil sie dich dann sehen will und dann hält sie mich für eine geldgeile Schlampe.“ Salome lachte herzhaft und biss erneut in den Keks.

 

Richard erkannte mit endlosem Erstaunen, dass Salome sich tatsächlich freute und dass sie nicht bereute etwas derart Verderbtes getan zu haben.

„Wenn wir schon bei den überraschenden Geständnissen sind…Es war wirklich, wirklich schön, aber nächstes Mal warnst du mich vor, weil ich mir jede Sekunde gedacht habe, dass du nicht weiter gehen kannst als das was du gerade tatest und dann hast du mich wie immer doch noch überrascht.“

Salome sah ihn neugierig an, sie hätte ihn gern gefragt wie es sich für ihn angefühlt hatte, fürchtete aber, dass das zu weit gehen würde.

„Sieh mich nicht so an, jedes Mal wenn du dich an mich schmiegst, auf meinem Schoß sitzt, oder liegst, oder dich ausziehst, oder das tust was du im Bad getan hast, reagiert der Teil von mir den ich nicht kontrollieren kann darauf.“

„Dein Penis?“ fragte sie verständnislos.

„Nein, doch auch, aber eigentlich hatte ich meine Libido im Allgemeinen gemeint.“

Er lachte leise und melodisch über ihren Wissensdrang und ihre offene Bereitschaft mit ihm über Dinge zu sprechen über die Briten und Männer am liebsten schwiegen.

„Hmm, das wusste ich nicht. Doch ich wusste es, aber ich habe nicht daran gedacht. Es tut mir leid.“

Sie aß den Rest des Kekses, sah ihn sehr lange an und sprach dann:

„Werden wir miteinander schlafen?“

Er hatte das Gefühl jemand hätte ihm einen Magenschwinger verpasst.

„Wie soll ich das denn wissen, das hängt davon ab, ich meine…wann? Wo? Wie?“

Salome lachte erneut und beruhigte ihn dann:

„Ich sagte nicht „Lass uns Sex haben“, ich habe dich nur gefragt an sich ob du der Idee sehr abgeneigt wärst.“

Die Frau war unglaublich, dachte er, wie konnte sie über ihre Entjungferung sprechen wie über ein Verabredung zum Tee.

„Nein, offensichtlich nicht, aber ich denke du solltest dir ganz genau überlegen mit wem du schlafen willst.“

„Wieso? Hast du AIDS?“

Er keuchte vor Überraschung und Sprachlosigkeit.

„Nein, aber Frauen sollten nicht mit dem erstbesten Mann schlafen.“

„Wenn ich mit dem Erstbesten schlafen würde, dann wäre ich ja wohl keine Jungfrau mehr, was meinst du?“ erwiderte Salome spöttisch und begann an dem Tuch um seine Hüften zu nesteln.

„Ja das stimmt auch wieder. Aber ich muss zugeben, dass mir noch nie eine Frau so offen angeboten hat mit ihr zu schlafen.“

„Das ist nicht wahr, du bist ein Star, Frauen halten Schilder hoch auf denen steht „Ich will ein Kind von dir“ und solche Sachen.“

Er schüttelte langsam und lachend den Kopf.

„Ja ok, aber du hast keinen Grund mit mir schlafen zu wollen.“

Salome hob eine Augenbraue.

„Doch. Ich mag dich, du siehst gut aus, ich mag dich wirklich, ich mag die Art wie du nackt aussiehst, du weißt ziemlich sicher wie so was funktioniert, ehm, ich könnte ja auch ein Fan sein so insgeheim, ehm, ich mag dich.“

Sie wusste, dass sie sich wiederholte, aber es machte ihr nichts aus, denn allein sein Gesicht war Millionen wert.

Seine Augen waren kugelrund und seine Haut wenn überhaupt möglich noch weißer als sonst.

 

„Du bittest mich also mit dir zu schlafen?“ resümierte er mit zitternder Stimme.

„Nee, so nötig habe ich es dann doch nicht. Ich wollte nur klarmachen, dass wenn dir je der Gedanke kommt ich gerne dazu bereit bin.“

„Aber Salome, Sex ist doch kein verdammter Freundschaftsdienst.“

Er verlor allmählich entweder den Verstand oder die Geduld.

„Das ist mir schon klar, aber ich denke ich möchte Sex haben und da du die erste Person bist die in mir den Wunsch Sex zu haben weckt, erscheint es mir nicht unlogisch mit dir Sex zu haben.“ Meinte sie leichthin und lächelte ihn enthusiastisch an.

Richard war beim verwirrten Blinzeln angekommen und fand auch nicht mehr aus dieser Phase heraus.

Und da sie nun erkannte, dass sie das Ganze falsch angegangen war, setzte sich Salome rittlings auf den immer noch feuchten Richard und verteilte sanfte Küsse auf seinem Gesicht.

„Du musst keine Angst haben, es ist nicht für jetzt, denn jetzt werfe ich dich raus weil Sue gleich nach Hause kommt.

Aber zur gegebenen Zeit will ich wirklich…gerne…mit…dir…schlafen.“

Während sie sprach küsste sie sich auf seinen Mund zu und verschlang ihn dann mit all dem Hunger einer alten Jungfer.

„Also…willst du oder nicht?“ schnurrte sie und bewegte sich aufreizend auf seinem nackten Leib, das Handtuch lag auf dem Boden und der weiche Stoff ihres Bademantels strich an seinen Oberschenkeln entlang.

„Wehe du änderst deine Meinung Missy, weil dann muss ich dir leider Gewalt antun.“ Knurrte er als er spürte wie das Blut durch seinen Körper rauschte.

„Das werde ich nicht. So und jetzt auf Wiedersehen mein Liebling. Bis sehr, sehr bald.“ Schnurrte sie ihm weiter in die gerötete Ohrmuschel und küsste ihn leidenschaftlich.

„Du wirst mich noch einmal umbringen Salome.“ Stöhnte er leise und sie sah ihn unschuldig an.

„Hey, ich bin nicht bewaffnet mein Guter.“ Rief sie neckisch und stand abrupt auf.

Er holte seine nassen Kleider und seufzte fast erleichtert als der kalte Stoff gegen seine erhitzte Haut klatschte.

Ein warmes Bad, er würde ein Bad nehmen und keinen Gedanken mehr an Salome verschwenden weil er sonst zurück gerannt käme um sie auf Knien anzuflehen ihn zu erlösen.

„Auf Wiedersehen.“ Rief sie aus dem Wohnzimmer.

Ach scheiß drauf, dachte er als er an Rob vorbeilief, er würde es Matthew doch erzählen, damit dieser ihn verspotten konnte und vielleicht würde er dann wieder etwas klarer sehen.


 

Kapitel 54 by MaggyMae
Author's Notes:

Überraschungen, Beichten und ein potentielles Wiedersehen...

Thionville ist übrigens eine Stadt unweit von Luxemburg und an sich sehr hübsch...

54.

Sue war schon oft gegen ihren Willen geküsst worden aber noch nie so.

Er plünderte nicht, er lockte.

„Oh es tut mir leid.“ Er sah sie mit geröteten Wangen an.

„Nein, hör nicht auf.“ Keuchte sie fast gegen ihren Willen.

Tatsächlich war dies das erste Mal, dass jemand sie richtig küsste, schüchtern und fragend.

Sie war daran gewöhnt hart und unnachgiebig geküsst zu werden, sie wusste wie es war wenn Männer sich nur das nahmen was sie wollten und wenn sie mit Tränen in den Augen und Enttäuschung im Herzen alleine blieb.

Robert jedoch hatte sie geküsst als wolle er sie küssen und als wolle er geküsst werden, er hatte sie sanft und zärtlich geküsst, seine Hände hatten nicht an ihren Haaren gezerrt, sondern ihren Nacken gestreichelt und deshalb wollte sie nicht, dass er aufhörte.

Zum ersten Mal in ihrem Leben genoss sie es geküsst zu werden und zu küssen und sie wollte nicht, dass es schon vorbei war.

Die Art wie er ihren Nacken streichelte war betörend und ihre Hände glitten zu seinen Schultern, tasteten ihre knochige Struktur ab und sie lächelte an seinem Gesicht.

Oh er war so schön, aber sie war so damit beschäftigt gewesen andere Männer anzuhimmeln, dass sie das gar nicht richtig wahrgenommen hatte, aber jetzt da sie ihm in die Augen sah, erkannte sie, dass er fast die gleiche Augenfarbe wie sie selbst hatte und dass diese Augen sie zurückhaltend und um Verzeihung bittend anblitzten.

Auch er hatte sich genommen was er gewollt hatte, aber sie hatte es mindestens genauso gewollt, hatte sich in diesen Kuss fallen lassen wie in eine Wolke und schwebte nun 10 cm über der Bank.

Sein Mund war weich und köstlich, er schmeckte nach Tabak und nach Mann, er schmeckte nach Unschuld die tief unter dem Filmstarlächeln schlummerte und nach Gelüsten die sie bisher nicht gekannt hatte.

Als sie sich jedoch ihrer Gedanken bewusst wurde, sprang sie auf und wandte sich zum Gehen.

 

Liebe Leser,

Ich bin allein was im Moment wirklich Seltenheitswert hat.

Da ich schon wieder einen sehr bedauerlichen Unfall hatte, kümmert sich meine Freundin aufopfernd um mich, was bedeutet, dass ich mir von morgens bis abends Armitage reinziehen darf und zu allem Überfluss hat meine Freundin beschlossen, dass ich auch zum Einschlafen Geschichten, von ihm gelesen und für Kinder gedacht, brauche.

Und ich schlafe dauernd, ich schlafe so viel, dass ich Dornröschen sein könnte.

À propos Dornröschen, ich sehe mir gerade Beauty and the Beast an und möchte eine Zeile vorweg zitieren: He’s such a tall, dark, strong and handsome brute.

Ich wollte das nur einmal gesagt haben, vielleicht im Zusammenhang mit dem was ich vorher angeführt habe, aber das weiß ich im Moment nicht so genau, da mein Hirn immer noch im Schlafmodus ist.

Weiterhin geht es meinem unglaublichen Nachbarn gut und ich habe endlich einen mehr oder weniger seriösen Job.

Seit ihr hier bin hat sich so vieles bewegt und doch fühle ich mich besser als je zuvor, so seltsam es auch klingen mag, ich fühle mich als wäre ich endlich angekommen.

So ich wende mich wieder den Märchen zu bevor meine Armitage-verrückte Freundin wiederkommt und mich zwingt Spooks anzusehen.

Ich halte euch weiter auf dem Laufenden.

Liebe Grüße aus meinem improvisierten Krankenbett

 

Salome legte das Laptop weg und starrte die DVD an, die vor ihr auf dem Tischchen lag.

Sue hatte an alles gedacht, an Gute-Nacht-Geschichten und an Kekse, sie hatte eine Playlist zusammengestellt und hatte einen Stuhl in den Gang vor die Tür des Badezimmers gestellt, damit Salome sich bei Bedarf auf diesen setzen konnte um sich zu waschen.

Nach dem Unfug den sie heute angestellt hatte, bezweifelte Salome zwar ehrlich, dass sie je Nachtruhe finden würde wenn seine Stimme ihr ins Ohr dudelte, aber sie war neugierig und so legte sie nach dem Ende des Märchens die von Sue mit „Gute-Nacht-Geschichten mit Richard“ beschriebene DVD ein.

Himmel, er sah jung aus, so verdammt jung.

Was hast du denn gedacht?, schalt sie sich leise, dass er mit 40 geboren wurde?

Natürlich war er mal jünger gewesen und sie fand, dass seine Aussprache anders klang, nördlicher, englischer, weniger „refined“.

Sie lächelte über sich selbst und schaltete den Fernseher schuldbewusst aus als sie hörte wie jemand klingelte.

Es würde sicher Sue sein, oder?

 

Anya lief nervös hin und her.

„Gustav. Wir sollten das Kind einladen, sie sollte herkommen.“

Sie sah sich in ihrer neuen Wohnung um und fand es gar nicht so schrecklich jetzt hier zu leben und nicht mehr in Paris.

Sie und ihr Mann hatten sich auf Thionville geeinigt, da es immer noch Frankreich war, aber unweit von Deutschland und er so seiner Heimat näher war als zuvor.

Seit die Kinder, ihre Kinder, aus dem Haus waren, fühlte sich Anya oft einsam und das war auch ein Grund gewesen wieso sie das Land ihres verstorbenen ersten Mannes nicht verlassen wollte.

Wenn sie ehrlich war vermisste sie ihre Kinder, auch wenn ihr neuer Mann froh war die beiden aus dem Haus zu haben.

Gregori würde nicht wiederkommen, da war sie sich sicher, aber Salome konnte sie vielleicht überzeugen.

Nicht für die Feiertage, nein, aber vielleicht ein Wochenende.

Bald, sehr bald, denn sie vermisste ihre kleine Tochter wirklich und ihr behagte die Vorstellung nicht, dass sie alleine in diesem kalten Land war.

Automatisch zog Anya den Kaschmirumhang enger um ihre schmalen Schultern als sie an England dachte, ein Land das sie nie gesehen hatte und vor dem es ihr graute.

Sie dachte an große, untersetzte Männer mit ernsten Mienen und wunderte sich wieso Salome noch nicht zurückgekommen war.

Salome, ihre Kleine, war doch ein geballter Sonnenstrahl und sie konnte sich einfach nicht wohlfühlen in einem Land in dem Gefühle als eine seltene Krankheit angesehen wurden die es galt auszumerzen.

„Wenn du meinst.“ Gustav strich sich über den Schnurrbart und sah seine Frau geduldig an.

Genau wie sie hatte er zwei Kinder mit in ihre Ehe gebracht, doch während seine Jungen aufrichtige Kerle waren, etwas dümmlich, etwas wild aber an sich ganz anständige Jungs, waren Anyas Kinder beängstigend.

Gregori ähnelte seiner wundervollen Mutter so sehr, aber sein Herz war voll wilder Entschlossenheit und einer spürbaren Gefahr, während Salome so fröhlich war, dass es sie ihm stets suspekt vorgekommen war.

Sie waren seltsame Kinder, Salome so offen wie Gregori verschlossen war und doch so spontan und leidenschaftlich wie er kühl und nachdenklich war.

Verdammt, Gustav mochte die Idee nicht diese kleine Hexe auch in diesem Haus zu haben, doch wenn es etwas auf der Welt gab wobei Anya sich ihm niemals fügen würde, dann war es alles was ihre geliebten Kinder betraf.

Also nickte er als sie ihn starr ansah und sprach: „Lade deine Tochter ein, mir soll es recht sein.“
Was sollte er auch sonst sagen?

Es gab keinen Grund der lieben Salome zu misstrauen und doch hatte er das untrügliche Gefühl, dass wenn er je mit einem Dolch in der Brust aufgefunden wurde, es Salomes Werk eher als das ihres Bruders sein würde.

Salome war eine gefährliche Frau und er hatte sie seit er sie kannte unterdrückt und drangsaliert um sie unter Kontrolle zu halten, doch jetzt lebte sie allein und sie schien klarzukommen, denn sie hatte nie um Hilfe gebeten.

Er sah wie Anya den Hörer zur Hand nahm und schloss in stiller Annahme seines Schicksals die Augen.


 

Kapitel 55 by MaggyMae
Author's Notes:
Was zum Lesen während ich in den Kurs gehe und dann nach Hause fahre

55.

Salome öffnete und fand sich tatsächlich Nase an Nase mit Sue wieder.

Sue die gerötete Wangen und glasige Augen hatte.

„Oh da hatte aber jemand ein gutes Date.“ Lächelte sie und errötete dann beim Gedanken an ihr eigenes Zusammentreffen mit ihrem Nachbarn.

Robert war Sue nachgelaufen und sie hatte ihm stur versichert, dass sie Salome nicht alleine lassen konnte.

Scham und die unüberwindbare Furcht hatten sie dazu gezwungen sich von ihm abzuwenden, denn sie war unvorsichtig geworden und sie konnte sich nicht sicher sein, dass er nicht doch war wie alle Andern.

Er wollte sie wiedersehen und sie hatte mit den Achseln gezuckt, er wusste nun also nur wo sie wohnte, was er an sich schon vorher gewusst hatte, aber darüber war sie nicht informiert und wenn sie es Salome sagen würde, dann würde er es erfahren.

Er hoffte so sehr, dass sie es Salome erzählen würde, denn dann würde er an ihre Tür klopfen können wie diese verdammten, alten Perversen es anscheinend andauernd taten.

Würde sie es wagen?

Würde er sich dann trauen hinzugehen?

 

Er wandte sich um und beschloss bei Richard auf eine Reaktion zu warten.

Dieser öffnete die Tür nass und verstimmt.

„Was ist? Ich wollte gerade in die Wanne.“

„Ich komme mit.“

Richard wagte nicht darüber nachzudenken wieso auf einmal alle ihm ins Bad folgen wollten also ging er mit eiserner Miene einfach vor und beschloss sich keine Fragen zu stellen.

Also hatte er heute den zweiten jungen Menschen neben sich sitzen während er sich wusch, nur hoffte er, dass Robert nicht die gleichen Ideen und Neigungen wie Salome hatte.

 

„Erzähl.“ Salome kuschelte sich in ihr Kissen und sah Sue ungeduldig an.

„Ich habe beim Spazierengehen halt diesen Mann getroffen und…wir haben uns geküsst. Draußen auf der Bank.“

Sue wurde bis in die Ohrspitzen feuerrot und Salome sah sie überrascht an.

„Langsam Meister, also du hast einen Mann geküsst und jetzt liegst du nicht hier und heulst, was bedeutet, dass es gar nicht so schlimm gewesen war.“ und das konnte sie sich bei Sue beim besten Willen nicht vorstellen.

„Ich kann das selbst nicht glauben, das ist so ziemlich das Unwahrscheinlichste was mir geschehen kann.“ Sue war atemlos.

„Du wirst es nicht glauben, aber ich kann das toppen, ich habe meinen Nachbarn nackt gesehen.“
Sue schnappte nun endgültig nach Atem und starrte Salome lange wortlos an.

„Scheiße…Und?“ Auch sie machte sich Sorgen, dass das Zusammentreffen nicht freudig gewesen war, doch sie irrte sich.

„Ich habe ihn gebeten sich auszuziehen und es war genauso, er war genauso wie ich es mir ausgemalt habe.“

Sue leckte sich über die Lippen und fragte dann schüchtern:

„Und…naja…du weißt schon…es…“

„Ich denke ich werde vielleicht mit ihm schlafen um mehr über ES rauszufinden.“
Salome sagte das Sue gegenüber genauso leichthin wie dem Gegenstand ihrer momentanen Diskussion gegenüber.

„WAS?“ Sue schluckte und meinte dann: „Doch klingt logisch, du bist in ihn verknallt, er sieht gut aus wenn er nackt ist und es wird doch so langsam Zeit.“

Salome wünschte sich nun fast Sue hätte einfach ihre Geschichte angeschmissen und sie in Ruhe gelassen.

Aber die DVD lag ja eh schon ein.

Kacke, wie bekam sie die jetzt raus ohne dass Sue es mitbekam?

 

„Hmm…hast du dein Handy?“ Robert hielt dem eiskalten Blick stand und lächelte sogar.

„Wieso brauche ich ein Handy wenn ich in der Badewanne liege? Du bist ja hier um mich vorm Ertrinken zu retten.“ Murrte Richard leise.

„Falls Salome sich melden würde?“

„Es liegt irgendwo hinter deinem knochigen Hintern.“ Knurrte Richard weiter und schloss die Augen.

„Ich habe Sue geküsst damit sie dich nicht vorbeirennen sieht.“

Würde der Junge denn nie den Mund halten?

„Hmm weil sie mich nicht sehen sollte, hmmm, das habe ich gesehen. Ich bin zwar älter als du aber ich fahre noch nicht im Rollstuhl im Schneckentempo an dir vorbei…“

Robert kicherte verlegen und begann auf seinem eigenen Handy rumzuspielen.

Aus Neugier googelte er Salome und fand gleich etwas was ihn überraschte.

„Salome arbeitet für eine lokale Zeitung.“

Hmmm, Richard dachte nach, hmmm, hatte sie nicht so etwas im Restaurant gesagt?

„Wusstest du, dass sie in Musicals singen sollte?“

Jetzt wurde er auf einmal hellhörig, sie konnte singen?

Er angelte sich sein Handy unter Robs Hintern hervor und schickte Salome eine SMS.

Scheiße, wer hat dir das denn erzählt? Ja, stimmt schon, aber ich bin nicht gemacht für Bühnen, zu hoch um runterzufallen. Außerdem finde ich, wenn man nicht richtig schmutzigen Rock singen kann, und das geht mit einer Sopranstimme schwer, dann sollte man es gleich bleiben lassen.

Die Frau konnte ihn im Ernst immer noch überraschen, auch wenn sie von Attentaten bis Oralsex so ziemlich alle Extreme durchhatte.

Robert, tippte er langsam.

Was macht der denn bei dir?

Sollte er ihr sagen, dass Robert der Grund war wieso ihre beste Freundin wahrscheinlich ganz schön durch den Wind war?

Doch bevor er entschlossen hatte wie er reagieren konnte, kam schon ihre Antwort auf sein Schweigen.

OMG, he’s the one, isn’t he?

Sollte er sich jetzt dumm stellen oder einfach zugeben was offensichtlich war?

She didn’t tell you?

Das kam ihm diplomatisch vor.

NOOOOOOOOOOOOOOOOOOO!!!

 

Salome starrte Susan über den Rand des Handys an.

„Sue, hast du mir etwas zu sagen über den Mann den du geküsst hast?“

Sie konnte es unmöglich wissen, dachte Sue, wie sollte sie es auch wissen?

„Er ist wahnsinnig schön und ich werde genauso wenig über ihn sprechen wie du über diesen Schattennachbarn der dir so am Herzen liegt.“

Schachmatt, dachte Salome bitter und fühlte sich schäbig, weil sie Sues Geheimnis kannte und Sue keine Ahnung hatte wer ihr Nachbar war.

Und wie sollte sie Sue jetzt die Möglichkeit geben ihren neuen Verehrer zu sehen, wenn sie doch von zuhause aus arbeitete?

Salome war verzweifelt und starrte auf ihr Handy als würde auf einmal die Wunderlösung auf dem Display stehen.

Sue sah Salome zu wie sie brütete, wie sollte Salome wissen, dass Sue einen unverzeihlichen Fehler begangen hatte?

Aber sie wusste es, Sue konnte es in ihren misstrauischen Augen sehen und das machte sie fast wütend, denn immerhin fragte sie auch nie nach Salomes Geheimnissen.

Und dann wurde das Wunder wahr, das Handy bimmelte und Salome brauchte einige Sekunden bevor sie verstand, dass dies kein Wunschdenken, sondern die harte Realität war und hob dann erst auf.

„Ja?“

„Salome ich will, dass du uns so schnell wie möglich besuchst.“

Kapitel 56 by MaggyMae
Author's Notes:
Changes

56.

Salome warf Kleider und Ähnliches in einen Koffer und sprang nervös hin und her.

„Wieso gerade jetzt? Wieso bist du so gehorsam?“

Sue war Salomes Tatendrang nicht ganz geheuer.

Sie wusste, dass deren Beziehung mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater mehr als angespannt war und verstand nicht wieso Salome gleich abhauen wollte.

Salome währenddessen hörte der Freundin kaum zu, sie würde gleich gehen und dann so schnell wie möglich wiederkommen, zurück zu Sue und vielleicht zurück zu dem Nachbarn den sie so verzweifelt mochte.

Oh, fiel es ihr auf einmal ein, oh, ich sollte ihm vielleicht Bescheid sagen, oder?

Meide mein Haus die nächsten Tage, fahre zu meiner Mutter.

Bin bald zurück

Hab dich lieb.

 

Richard starrte fassungslos auf sein Handy, er sprang auf und rutschte prompt in der Dusche aus, so dass er auf Robert landete, welcher mit dem Hinterkopf gegen die Wand knallte.

„AU  Richard du Voll…“ weiter kam Robert nicht, denn er hatte Richards Brust am Mund kleben.

„Tut mir leid.“ Murmelte dieser und stützte sich an den Schultern des Jungen ab um wieder in eine stehende Position zu gelangen.

„Kein Wunder, dass Salome dauernd verletzt ist. Du bist ja lebensgefährlich.“ Knurrte Robert und rieb sich die Beule am Hinterkopf.

„Was ist denn los? Hat das Unterwassermonster dich gebissen oder was?“

Richard schüttelte den Kopf als wäre er selbst gegen die Wand geprallt, er würde Salome den Hals umdrehen.

Nach dem was sie heute getan hatte konnte sie doch nicht einfach zurück zu ihren Eltern fahren und ihn hier lassen mit einem nörgelnden Filmstar und nach Erlösung flehenden Lenden.

Ha, dieses gemeine Biest hatte ihm Sex in Aussicht gestellt und verpisste sich dann einfach.

„Altes Haus, ich glaube du verlierst den Verstand und…kannst du dir bitte etwas überziehen? Das ist kein sehr schöner Anblick.“

Richard wurde auf einmal bewusst, dass er nackt vor einem anderen Mann stand und tatsächlich fehlte nur der Sabber der ihm aus dem Mund troff um ihn als komplett Schwachsinnigen zu brandmarken.

„Es tut mir leid…ich…“ Aber er wusste nicht was er sagen sollte.

„Was ist denn?“ Robert sah ihn nun besorgt an und legte ihm die Hand auf die Hüfte, da er an kein anderes Körperteil, wie beispielsweise die angemessenere Schulter, rankam.

 

„Ich will es einfach so schnell wie möglich hinter mich bringen.“ Murmelte Salome während sie den Koffer schloss.

Er hatte nicht geantwortet, wahrscheinlich hatte er die SMS gar nicht gesehen und würde später antworten, dachte sie ein wenig enttäuscht.

„Aber fliegst du heute noch hin?“

Sue fröstelte es auf einmal, sie hatte keine Lust hier alleine zu bleiben, sie wollte nicht, dass Salome sie einfach verließ.

„Ja. Bitte kümmer dich gut um John, außerdem kannst du deinen anonymen Liebling wiedersehen ohne ihn an mich zu verraten.“ Salome sprach schnell, schneller als sonst.

„Salome, wieso habe ich das Gefühl, dass du vor irgendetwas fliehst?“

Salome drehte sich um und sah Sue ernst an.

„Es gibt eine Menge Dinge über die ich nachdenken muss und es wird mir guttun ein wenig alleine zu sein und dir auch. Mach deinen Job, vergiss den Hund nicht, finde den Mann wieder mit dem du deinen ersten guten Kuss gehabt hast und sei glücklich.

Ich werde nicht allzu lange weg sein.“

Sue schloss die Arme um die Freundin und spürte wie deren Tränen auf ihre Schulter tropften.

„Also gehst du heute noch nach Hause?“

Salome schüttelte den Kopf.

„Hier ist zuhause und ich werde dich und dieses Haus jeden Tag vermissen.“
Zumindest hoffte sie das.

Sie musste gehen um bewusster wiederzukommen, sie musste weg um zu spüren, dass hier zuhause war und dass sie sich unwohl fühlte wenn sie nicht hier war.

Sie würde John vermissen und sie sprach leise auf das Tier ein:

„Hör zu Kleiner, ich gehe nicht weg, nicht wirklich. Ich komme wieder und du musst nicht einsam oder traurig sein. Ich bin nicht tot und ich habe dich nicht vergessen.

Ich komme wieder, bleib hier und warte auf mich.“

Warte auf mich, das war es was sie wollte, was sie begehrte.

Wenn sie heute dieses Haus verließ würde sie an einen Ort gehen wo niemand wirklich auf sie wartete, wo niemand sich wünschte dass sie kam.

Sie wollte endlich richtig nach Hause kommen und das ging nur wenn sie London verließ.

London, Sue, John und ihren Nachbarn.

 

Während Salome am Flughafen stand und Sue dazu bewegen wollte nach Hause zu gehen, saß Richard auf seiner Couch und schwieg.

„Salome fährt nach Hause.“ Murmelte er dann auf einmal, so dass Robert erschrak.

Er sah nervös auf die Uhr, er hatte Matthew angerufen während Richard sich angezogen hatte, denn er fühlte sich überfordert mit der Situation.

Als es endlich klingelte stürmte er nahezu auf die Tür zu und wäre dem großen Mann um ein Haar dankbar um den Hals gefallen, seine Kollision mit der Wand musste doch heftiger als gedacht gewesen sein.

„Also Armitage, was ist los? Du hast den Jungen niedergemäht?“

Richard sah verwundert auf und durchbohrte Robert dann mit fassungslosen Blicken.

„Ja…Salome fährt nach Hause.“

Robert sah ungläubig und bewundernd zu wie Matthew wissend und mitfühlend nickte.

Verstand er etwa was hier vor sich ging?

„Wie lange?“ Matthew setzte sich einfach neben Richard und sah ihn von der Seite her geduldig an.

„Ich weiß es eben nicht. Sie hat mir heute beim Duschen zugesehen und…ach egal.

Ich will nicht, dass sie geht.“

Das klang so jämmerlich, dass Robert sich zusammenrollen und sich abwenden wollte, denn vor lauter Fremdschämen war ihm fast schlecht.

„Deine Beziehung mit Salome ist so unglaublich, unbeschreiblich krank.“ Murrte er dann und fing sich einen strafenden Blick von Matthew ein.

„Was findest du das nicht ein wenig bescheuert? Ich will nur betonen, er hat ihr nicht geantwortet.

Er sitzt hier und schweigt mich an, nachdem er mich mit seinem Luxuskörper niedergestreckt hat, er bläst Trübsal während sie sich aus dem Staub macht und rate mal was das Beste daran ist?

Sie hat gar keine Ahnung, dass er nicht möchte, dass sie geht weil er sie vermisst.

Weil er den Mund ja nicht aufkriegt.“

Rob war entnervt, es kam ihm vor als hätte jemand seine Haut abgeschabt, denn es fühlte sich an als würden die langen Sekunden des Schweigens an seinem rohen Fleisch nagen.

„Du hast nichts gesagt?“ Matthew klang ungläubig und geduldig zugleich.

„Was soll ich deiner Meinung nach sagen? Nein, geh nicht zu deinen VERDAMMTEN Eltern, weil ich dich hier brauche, weil ich dich begehre, weil ich ein 40-jähriges Kleinkind bin? Sicher nicht. Es ist ihr gutes Recht ihre Mutter zu besuchen, ich wünschte nur, sie hätte…sich persönlich verabschiedet oder dass sie gar nicht gegangen wäre oder irgendwas.“
Matthew erkannte schnell, dass er seinem Freund kaum bei dieser Sache helfen konnte, er konnte nur da sein und ihn durch seine Anwesenheit trösten.

Während die Männer also eine Pyjama-Party veranstalteten, saß Sue unweit von ihnen auf der Couch und weinte leise vor sich hin.

Sie vermisste Salome schon jetzt und fühlte sich verlassen und einsam.

Salome trat aus dem Flughafen und atmete tief durch.


 

Kapitel 57 by MaggyMae
Author's Notes:
Hom(m)e sweet Hom(m)e

57.

Müde setzte sich Salome in ein Taxi und begab sich zu der neuen Adresse ihrer Mutter.

Wieso musste die Frau jetzt so weit von einem verdammten Flughafen wegwohnen?

Salome schüttelte den Kopf als sie den horrend hohen Preis bezahlte und ging auf die kleine Tür zu.

Sie konnte nicht von sich behaupten sich enorm darauf zu freuen ihren Stiefvater und seine beiden Söhne wiederzusehen, aber ihre Mutter hatte sie gebeten zu kommen und sie wusste tief in sich drin, dass sie es ihr schuldig war sich zu zeigen.

Die Tür schwang auf und da stand sie.

Anya, hoch gewachsen, blond und schön trotz der Spuren der Zeit auf ihrer Haut sah ihre Tochter strahlend lächelnd an.

Sie bereute es ihre eigene Tochter verloren und vertrieben zu haben, aber sie liebte ihren Mann und irgendwie hatte sie immer gewusst, dass sie Salome nicht an ihrer Seite halten können würde.

Das Kind war zu wild, dachte sie als sie die sturen Locken erblickte die von dem kleinen Kopf abstanden und den weiten Pullover den ihre Tochter trug.

„Komm rein Baby.“ Murmelte Anya, welche den eindeutig russischen Akzent nie verloren hatte und dermaßen exotisch klang, dass Salome lächelte.

Nein, sie erkannte sich nicht in ihrer Mutter, sie war ihr so wenig ähnlich, dass sie sich manchmal fragte wie sie von dieser Frau abstammen konnte.

Anya geleitete ihre Tochter ins Wohnzimmer, in welchem ihr Mann Gustav auf der Couch saß und mürrisch aufsah als er die Stieftochter, das Stiefkind, die Ungeliebte erkannte.

„Guten Abend Gustav.“ Grüßte Salome ihn so kühl, dass der Mann die Augenbrauen hob.

 

Gustav wusste, dass er eine gefährliche Frau geheiratet hatte, eine Frau deren Blut Geschichte geschrieben hatte, eine Frau die unter ihrer eiskalten Miene einen lodernden Hass und eine Wut ohne Grenzen verstecken konnte, aber er liebte Anya dafür.

Salome war da schon eine andere Geschichte.

Er fand seine Stieftochter nicht hässlich, aber er konnte ihr auch keine Schönheit zusprechen.

Salome war für seinen Geschmack zu klein, zu rundlich und zu dunkel um hübsch zu sein.

Er fürchtete sich vor ihrer Ehrlichkeit so gut wie vor ihrem eisernen Schweigen und er wünschte sie wäre nicht sofort gekommen.

Wie lächerlich als erwachsener Mann Angst vor einem Kind zu haben, aber Salome war kaum menschlich in seinen Augen, sie war eine Fee, ein Kobold, eine jungfräuliche Priesterin einer geheimen Sekte.
Natürlich war sie betörend mit ihren dunklen Locken und dem großzügigen Lächeln und seine Söhne hatten es schwer gehabt ihre Freunde davon zu überzeugen, dass ihre Stiefschwester böse und gemein war wenn Salome doch so fröhlich und berückend war.

Matthias, sein Ältester kam gerade herein und sah Salome verwundert an.

„Ah du bist wieder da…Schwester.“ Knurrte er und automatisch hob Salome die Hand, aber nicht um ihn zu schlagen, sondern um ihn zu verfluchen wie sie es schon tausendmal getan hatte.

„Ich bin nicht deine Schwester und ich bin nicht hier um zu bleiben.“ Sprach Salome kalt.

Anya zuckte zusammen, sie kannte die Ablehnung ihrer Tochter für ihre Stiefbrüder und sie wusste nicht wie sie ihrer Tochter die schrecklich schöne Neuigkeit beichten sollte.

Auch wusste sie nicht wie lange Salome vorhatte zu bleiben und so verließ sie sich auf das morgige Mittagessen um ihrer Tochter zu sagen was diese nicht hören wollte.

„Ich bin so froh, dass du wieder da bist Schatz.“ Murmelte sie ernsthaft und es verletzte sie als sie Salomes ablehnenden Blick sah.

Nein, ihre Tochter würde nicht bleiben, diese Familie war nicht die Ihre und das Haus in dem sie lebten war nicht ihr zuhause.

„Soll ich dir was zu essen machen?“ schlug Anya friedfertig vor, doch Salome winkte ab:

„Nein danke, ich habe am Flughafen etwas gegessen. Ich werde gleich hoch gehen, ich muss noch ein wenig arbeiten.“

„Gute Nacht.“ Sprach Salome und folgte ihrer Mutter, welche ihr schweren Herzens den Weg zum Gästezimmer wies.

Als wäre sie nie weggewesen, dachte Gustav missmutig und er nahm es der Stieftochter übel,  dass sie ausgezogen war um ihr Leben zu machen während Matthias und Patrick immer noch bei ihm und seiner Frau lebten und nicht einmal nach einer Arbeit suchten.

So hatte er sich das nicht vorgestellt und mit der erschreckenden Neuigkeit…

 

Salome packte ihr Laptop aus und setzte sich auf das Bett das man ihr zugeteilt hatte.

Wie erwartet fühlte sie sich unwohl, sie hatte sich nie an das zweite Leben ihrer Mutter gewöhnt und würde es wahrscheinlich auch nicht.

Alte Erinnerungen von Hass und Ungerechtigkeit stiegen in ihr auf und sie schluckte die Tränen herunter als sie die traurigen Augen ihrer Mutter sah, welche immer noch im Türrahmen stand.

„Ich habe dich sehr lieb Salome, ich wünschte du könntest dich ein wenig besser an das…du könntest dich mit Gustav anfreunden.“
Salome sah spöttisch auf: „Mutter, du hast ihn nicht geheiratet, damit er mir ein Freund ist, sondern damit er dein Ehemann ist. Und das ist er und wenn du glücklich bist, dann bin ich es auch, aber ich habe mit diesem Menschen nichts gemein und ich will nicht mit ihm zusammenleben.“

Anya wollte so viel sagen, wollte ihre Tochter bitten zurück zu kommen, wollte ihr sagen, dass sie sie trotzallem liebte, wollte ihr beichten was sie in ihrem Leib und in ihrem Herzen als Geheimnis verbarg.

Salome wandte sich von dieser Frau die einst ihre Freundin und Mutter gewesen war ab, denn heute war diese Frau fast eine Fremde für sie, eine Hausfrau und Kindergärtnerin für 2 unreife Idioten und die Sklavin eines Mannes ohne Herz oder Hirn.

 

Richard stand am nächsten Morgen früh auf und schaute nach der Zeitung die er sofort abonniert hatte, weil er hoffte Salomes Artikel darin zu finden.

Und tatsächlich, da war er, was bedeutete, dass sie zuhause gearbeitet hatte und den Artikel vor dem Einsatz der Druckerpressen eingereicht hatte.

Es ging um das Thema: „Wie groß sollte ein Mann sein?“ in der Kolumne „Ein Alien über England.“

Er holte sich eine Tasse Kaffee, dachte darüber nach sich eine Lesebrille anzuschaffen und begann zu lesen:

Wie groß sollte ein Mann sein? Ich muss vorab zugeben, dass ich selbst sehr klein bin und falls ich einen Mann in meiner Größenordnung suchte, würde ich wohl nur im Zirkus fündig werden, also ist meine Sichtweise vielleicht nicht ganz so unvoreingenommen wie sie sein sollte.

Frauen mögen im Allgemeinen große Männer und alle Briten die ich bisher kennengelernt habe waren in der Tat sehr groß, aber das kann auch nur ein Glücksgriff gewesen sein.

Im Allgemeinen kommt es aber nicht wirklich auf die Größe an, sondern auf die Präsenz, auf die Art wie ein Mann den Raum füllt mit seinem Leib sowohl wie mit seiner Stimme.

Natürlich ist es leichter imposant zu wirken wenn man 1,90 groß ist, aber ich kenne viele große Männer die eher wie Holzklötze aussehen…hohle Holzklötze versteht sich.

Also, zum Thema Holz, ein Mann sollte beständig und stark wie eine Eiche aussehen, sich jedoch flexibel und sanft wie eine Weide bewegen und sowohl Schutz als auch Schönheit wie Mahagoni vermitteln.

Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass alle Männer die bisher mein Herz berührt haben sehr groß waren, was auch daran liegt, dass eine Frau einen Mann sucht bei dem sie Schutz und Halt findet, ihn aber auch ein wenig schubsen kann ohne dass er in die Knie geht.

Ich persönlich mag Männer an denen ich sowohl hochsehen wie auch zu ihnen aufsehen kann, in allen Belangen des Lebens und das hat an sich nichts mit Körpergröße zu tun.

Vielleicht liebt das Kind in mir es einfach das winzige, zuckende Herz in diesem großen Leib zu suchen und zu finden oder ich die Katze in mir sucht nach Gelegenheiten zum Klettern und Kratzen.

Männer sollten also genauso groß sein wie der Platz im Herzen einer Frau den es zu füllen gibt und ich persönlich habe wohl einfach ein sehr großes Herz.

Richard schmunzelte und lachte dann laut auf.

Sie war köstlich und er vermisste sie schrecklich.


 

Kapitel 58 by MaggyMae
Author's Notes:
Mini-Cliffhanger

58.

Sue riss sich die Mütze vom Kopf und ihr langes Haar fiel in weichen Strähnen auf ihren Rücken.

Sie hatte gut gearbeitet und die Mitarbeiter hatten ihr gesagt, dass sie nicht dableiben musste um dem Verkauf zuzusehen also war sie eine Runde mit John gegangen, der ziemlich deprimiert war seit Salome weg war.

Als es klingelte öffnete sie die Tür durch die sie gerade gekommen war und fand sich Nase an Nase mit Robert wieder.

„Hey ich habe dich gesehen, konnte dich aber nicht mehr einholen.“

Er schnaubte ein wenig und sie bat ihn mit einer knappen Handbewegung hinein.

„Meine Freundin Salome ist kurz weg.“ Murmelte sie ohne sich dem Gast zuzuwenden und Robert konnte in letzter Sekunde ein „ich weiß“ unterdrücken, immerhin kam er direkt von Richard und hatte Sue eigentlich regelrecht aufgelauert.

„Ah wo ist sie denn hin?“ fragte er also schnell als er erkannte, dass sie sein Luftholen gehört hatte und nun darauf wartete, dass er etwas sagte.

„Zu ihrer Mutter. Sie wird bald zurück sein, das ist anscheinend wieder einmal Mord und Totschlag.“

Sue zuckte mit den Achseln, sie wollte einem Fremden nicht erklären wie es bei Salome zuhause aussah.

„Warum bist du hier?“ fragte sie.

Er nahm ihre Hand und küsste sie galant.
„Ich wollte dich sehen.“ Erwiderte er schlicht und brachte sie damit aus dem Konzept als sie verstand, dass er das „sehen“ nicht wörtlich meinte.

„Ah.“ Ihr Blick glitt über seine jugendlich glatte Haut und über die große, schmale Figur der so viele Mädchen nachhechelten.

„Was sagt denn deine Freundin dazu?“

Er verzog das Gesicht, er hatte noch nicht an Kristen gedacht, aber auch das war ein Problem über das er sich irgendwann Gedanken machen müsste.

Er würde sie viel weniger sehen, jetzt da diese Filmserie die zu Stars und zu einem vermeintlichen Paar gemacht hatte, beendet war.

Waren sie eigentlich ein Paar? Er wusste es nicht so genau, sie hatten sich zu so vielen Dingen hinreißen lassen, er war ein aufsteigender Schauspieler gewesen und hatte sich in ihrer Gegenwart sicher gefühlt, da sie viel mehr Erfahrung hatte wie er.

Außerdem hatte er so lange einen Mann gespielt der ihr verfallen war, dass er irgendwann aufgehört hatte die Charaktere die ihnen dann doch in einigen Dingen ähnlich waren vom realen Leben zu trennen.

Gab es für ihn noch eine reale Welt? In der er nicht der wunderschöne Edward Cullen war, sondern der etwas ungeschickte, etwas unsichere Robert?

Er sah Sue an und merkte, dass er diese Welt vermisste in der er nur er sein konnte und in der er nicht mit einem Mann verwechselt wurde der so perfekt war, dass jeder andere Mann eine Schande im Vergleich zu ihm war.

„Sie ist nicht…Wir sind Freunde.“ Das klang lahm und er wusste es, aber er konnte nicht beschreiben wie es gewesen war als sie zusammen in diesen unrealen Strudel geraten waren und nur aneinander Halt fanden.

Es war ein Durchbruch, ein Ausbruch, ein Zusammenbruch, ein Bruch mit allem zuvor Bekannten gewesen und sie hatten das gemeinsam durchgemacht.

„Ah.“ Wiederholte Sue und wünschte Salome wäre hier, wünschte sie hätte es Salome gesagt, weil sie sich nicht mehr zu helfen wusste ohne den spontanen Rat der Freundin die nur sehr selten zögerte.

„Ich…Ich wollte dich sehen. Kann ich dich wiedersehen?“ Robert hob die Hand und ließ sie wieder sinken, ein schüchternes Lächeln auf den Lippen und die Augen fest auf ihren Mund gerichtet.

„Du kannst bleiben.“ Wisperte Sue und ging in die Küche um Tee aufzusetzen und den Rest ihres Kuchens zu servieren.

 

Salome blätterte in einer Zeitung und fragte sich ob jemand ihre lächerliche Kolumne lesen würde, ob Menschen lächeln würden, ob sie den Kopf schütteln würden oder zustimmend nicken.

Das alles würde sie erfahren wenn sie zuhause war, endlich wieder zuhause.

Die Stille des Hauses in dem sie nicht willkommen war drückte auf ihre Ohren und sie wollte schreien um all diese Geister zu vertreiben, doch sie würden nicht gehen, denn sie lebten in ihrem Herzen und nicht zwischen diesen Wänden.

Ihre Mutter machte eine große Geschichte aus diesem Mittagessen, wahrscheinlich weil sie wusste, dass sie Salome nicht mehr lange hierhaben würde, dass Salome gehen musste weil sie hier nichts mehr verloren hatte, weil sie hier nichts finden würde.

Sie strich das schlichte graue Kleid glatt und sah sich im Spiegel an.

Lächerlich, klein und unbedeutend kam sie sich vor, wie eine Blume die nicht richtig gewachsen war und nun den Schatten und die Anwesenheit der großen Bäume suchte an dessen Wurzeln gelehnt sie sich geöffnet hatte.

Resolut wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel, sie würde nicht weinen weil sie ein paar Stars vermisste, sie war doch kein Teenager mehr, rief sie sich streng zur Ordnung.

Dass sie seit den frühen Morgenstunden auf IMDB hing musste ja keiner wissen.

Sie lächelte als sie einen Werbebanner auf einer der Seiten erblickte, ja sie würde mit Sue ins Kino gehen.
Den ersten Teil des letzten Filmes über diese Vampire vielleicht, immerhin hatte Sue mit dem Hauptdarsteller geknutscht.

Sie freute sich auf das leise Knacken des Popcorns und auf die gedämpfte Dunkelheit in der man seine Träume so klar und stark spürt, dass man dankbar für die dämmrige Belichtung war, weil man sich sonst wohlmöglich blamieren würde.

Salome freute sich über ihren neuen Job und sie zeichnete Strip um Strip, welche von ihrem Alltag und ihrer neu entdeckten Liebe zu Filmen handelten, von ihren Unfällen und den überraschenden Wendungen in ihrem Leben.

 

Richard hatte ein Meeting, aber er war nicht sonderlich aufmerksam.

Er vermisste Salome, er würde sie schick ausführen, er würde ihr all die Zuneigung bekunden die er bisher versteckt hatte.

Die Jungs hatten Recht, sie hatte es verdient zu wissen wie sehr er sich nach ihr verzehrte und das nicht nur körperlich.

Er wollte sie an seiner Seite haben, wollte sie zum Lachen bringen und sehen wie ihre Augen funkelten.

Und dann fiel das Urteil wie ein Donnerschlag, er musste sehr bald weg und war nicht einmal sicher ob er Salome noch erwischen würde.

Die Vorstellung schon weg zu sein wenn sie wiederkam schnürte ihm die Kehle zu, denn er musste sie sehen, hatte nicht den Mut sein Land zu verlassen wenn er nicht wusste, dass sie warten würde, dass er sie wiedersehen würde.

Er starrte blind auf den Mann der gerade mit ihm sprach, er sah wie seine Lippen sich bewegten, aber er hörte ihn wie durch eine dicke Wand hindurch.

„Mister Armitage?“ Der Mann erkannte, dass er so hier nicht weiter kommen würde und überließ es seinem Manager ihn über alles aufzuklären. Er hatte diese Schauspieler satt.

 

Salome stieg langsam die Treppen hinab, den Sog eines fernen Landes spürend und ihren Fluchtreflex tapfer niederkämpfend.

Bald würde sie wieder in London sein, machte sie sich klar, aber alles an ihr wollte jetzt gehen und ihre Koffer lagen gepackt auf ihrem Bett.

Sie würde nicht bleiben können, sie bekam hier einfach keine Luft mehr, sie brauchte die Andern wie die Luft zum Atmen.

Wissend, dass sie noch an diesem Tag zurückfliegen würde nach weniger als 24 Stunden zuhause, öffnete sie die Wohnzimmertür.

Und schreckte zurück, stieß eine Vase um und trat mit den nackten Füßen in die Scherben ohne es zu merken.

Vor ihr stand ein Mensch von dem sie niemals erwartet hätte ihn noch einmal in ihrem Leben zu sehen.


 

Kapitel 59 by MaggyMae
Author's Notes:

Gute Nacht Kapitel...

Und Auflösung des Cliffhangers...

Oha, ich sehe gerade, da kommt vielleicht noch einer...

59.

„Salome.“

Salome starrte blind in die Augen ihres Ex-Freundes, Diego, dem Mann den sie wahrscheinlich verletzt hatte aus Mangel an Verständnis und Zuneigung.

„Hallo.“

Eine Woge heißer Scham rollte über sie hinweg und sie wünschte es wäre ihr nicht so peinlich Diego zu sehen, aber da sie jetzt wusste wie es sein konnte wenn man einen Mann wirklich begehrte und wirklich mochte…

Oh mein Gott, dachte Salome entsetzt, sie hatte Diego nie geliebt.

Sie hatte es gedacht, es geglaubt, es sich eingeredet, aber sie hatte ihn nie auch nur annähernd so…gern gehabt wie Richard.

Salome zensierte ihre eigenen Gedanken und schüttelte innerlich über sich den Kopf.

„Nun setz dich doch an Kind. Es ist aufgetragen.“ Anya sah hoffnungsvoll zu ihrer Tochter.

Sie hatte gehofft, Salome damit zum Bleiben zu überreden, sie damit überzeugen zu können.

Salome und Diego hatten ihrer Meinung nach eine wundervolle Beziehung voll Verständnis und interessanter Kommunikation gehabt, welche nur an Salomes Unwillen sich weiterzuentwickeln gescheitert war, die aber eine zweite Chance verdient hatte.

Oh Diego war ein schöner Mann, groß, schlank, dunkelhaarig mit einem glutvollen Blick.

Anya wusste es war feige und falsch, aber sie wollte Salome dazu bewegen es sich anders zu überlegen und hier zu bleiben.

Und vielleicht, vielleicht wenn sie Diego sah, der extra wegen ihr den weiten Weg gemacht hatte, würde sie sich der alten Zeiten erinnern und sich dazu bewegen lassen doch hier zu bleiben und diesem Leben eine zweite Chance zu geben.

 

Diego sah Salome ruhig an.

Wie schön sie war, geworden war, immer noch war, egal wie, sie strahlte vor Gesundheit und er hätte sie gerne geküsst, aber er wusste wie sehr sie diese Dinge früher gehasst hatte.

Salome hatte die Stimme eines Engels und einen Verstand um den so mancher Mann sie beneiden würde, aber vor allem war sie warmherzig wenn auch recht wenig an Erfahrungen mit Männern interessiert.

Er hatte sie schrecklich vermisst als sie fortgezogen war ohne sich nach ihm umzudrehen.

Selten in seinem Leben hatte er Menschen getroffen mit denen er so gut und so offen wie mit ihr sprechen konnte, Menschen die zuhörten und verstanden.

Nächtelang hatte er an ihrer Seite Pläne geschmiedet um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, aber ohne sie fehlte ihm der Ansporn und der Glaube.

Er und sie, sie und er, sie waren eins, sie waren dieselbe Art von Menschen, Akademiker, Intellektuelle, Visionäre und Pioniere.

Diego wollte sie für sich zurückgewinnen und er wusste, dass sie vor gar nicht allzu langer Zeit sein leicht vergeistigtes Aussehen und seine leidenschaftliche Dunkelheit als anziehend empfunden hatte und er wollte sie daran erinnern.

Waren es nicht gute Zeiten gewesen als sie Seite an Seite für das Richtige kämpfen hatten wollen und…

Sie sah anders aus und heiße Eifersucht kochte in ihm hoch, sie sah sinnlicher aus und er ahnte, dass sie das was sie ihm immer verwehrt hatte einem Anderen geschenkt hatte.

Salome war immer eine sinnliche aber nie eine sexuelle Frau gewesen und er hatte respektiert, dass sie ihre Beziehung noch nicht auf diesem Level in Betracht zog, er hatte Geduld gehabt, aber hatte sie ihn wirklich so schnell ersetzt?

Ihre Augen schweiften ab, suchten in der Ferne einen Punkt dem sie zärtlich zulächelte.

Sie dachte an einen anderen Mann, tief in dem Blut seiner spanischen Vorfahren konnte er die Sehnsucht nach einem Anderen förmlich spüren, riechen und schmecken.

Sein weiches, warmes Gesicht verzog sich zu einer starren Maske.

„Und wie ergeht es dir in London Salome? Nette Leute getroffen?“ knurrte er also und ließ sie dabei nicht eine Sekunde aus den Augen.

Er musste sehen wenn der Verrat ihren Blick niederzwang, doch sie sah ihn offen und mit einem Feuer an, das er noch nie gesehen hatte.

 

Salome war unsicher, sie hatte nicht mit Diego gerechnet, freute sich aber dann doch ihn zu sehen.

Sie kannte sein Gesicht, kannte jede Linie dieses Gesichtes das sie gemocht hatte wenn es sich unter dem Feuersturm seiner Leidenschaft verkrampfte und dem sie stundenlang zugehört hatte.

Diego war so wahnsinnig klug und er wusste zu allem und jedem etwas zu sagen, er hatte alles gelesen, er hatte alles gesehen, er hatte alles verstanden.

Er war ihr Mentor gewesen und sie seine Anhängerin, seine Schülerin und seine Geliebte.

Bis auf diesen körperlichen Teil der ihr nie ganz geheuer gewesen war, seine Macht und seine Leidenschaft waren zu groß und zu erdrückend gewesen als dass sie sich ihm hätte hingeben können.

Sie war seine Muse gewesen, inspirierte ihn durch ihre ungewollte Enthaltsamkeit und jetzt, da sie wusste wie die Lust eines Mannes sich anfühlte und schmeckte, erkannte sie, dass sie und Diego nie wirklich ein Paar gewesen waren.

Himmel, sie waren die gleiche Art von Person, etwas weltvergessen und verträumt, und doch war dieser Star in London ihr näher als ihr Gleichgestellter.

Sicher war die Diskrepanz zwischen Richard und ihr erheblich größer und doch hatte ER ihr im Gegensatz zu Diego nie das Gefühl gegeben, sie wäre nur eine kleine Flamme die sich der Sache des lodernden Feuers verschreiben sollte.

Salome hatte Diego gemocht, mochte ihn auch heute noch und sie bereute, dass ihre Freundschaft ein jähes Ende gefunden hatte, aber sie konnte sich nicht vorstellen je wieder mit ihm die Illusion eines Paares heraufzubeschwören, denn wenn sie sich auch irren konnte, so würde sie nicht lügen.

In diesem Gesicht eines liebenswerten Träumers erschien ein anderer Ausdruck.

Hass und Wut, Ablehnung, Enttäuschung und Trauer.

Er fragte ob sie nette Menschen getroffen hatte und sie dachte an jene die kein Sterblicher je zu sehen bekam und die sie berührt hatte und die sie berührt hatten.

Sie lächelte automatisch und ihr Blick wurde weicher, ihr Lächeln wärmer und ihre ganze Haltung entspannte sich.

„Oh ja, die Menschen sind wunderbar.“

Diego zuckte zurück als hätte sie ihn geschlagen und sie versuchte seine Miene genauer zu ergründen, woher kam dieser Schmerz?

Salome kannte keine Eifersucht und daher verstand sie nicht, auch weil sie ihre Affäre mit Diego für beendet hielt, dass er hier war um sie für sich einzufordern.

„Ach so...Männer?“

Die Frage kam ihr suspekt vor, also nickte Salome fast schüchtern, die Augenbrauen schützend und zweifelnd zusammengezogen und die Gabel fester umklammernd während ihre Stiefbrüder blutrünstig grinsten.

Sie hofften auf Blut und Tränen, auf den Kampf und die Niederlage dieser überheblichen Schnepfe die zufälligerweise die Tochter ihrer Stiefmutter war.

Diego sprach aus was er wirklich dachte: „So schnell hast du mich also ersetzt.“
Salome brach es das Herz antworten zu müssen, aber auch zur Feigheit war sie jetzt nicht fähig, sie würde ihre Sachen klarstellen und dann nie wieder hierher zurückkehren.

„Ich habe dich gemocht Diego, ich habe dich bewundert, ich habe dir geglaubt, aber ich habe dich nicht geliebt, ich habe dich nie wirklich begehrt und du bist eine abgeschlossene Sache für mich. Es tut mir leid, geh in Frieden und werde glücklich, aber zähle nicht auf mich dafür.“
Diego stand auf und rauschte aus dem Zimmer und dem Haus ohne seinen Teller angerührt zu haben oder Salome die Verzeihung anzubieten die sie so nötig gehabt hätte um ihren Frieden zu finden.

Anya verstand, dass dies ihr letzter Moment war ihrer Tochter zu beichten was sie ihr zu sagen hatte.

„Ich bin schwanger.“ Wisperte sie und die Stille senkte sich auf die Gesellschaft wie ein Leichentuch über einen Toten.

Kapitel 60 by MaggyMae
Author's Notes:

So, kleiner Guten-Morgen-Cliffhanger

Drama total oder nur eine Nervenkrise?

60.

„Ah Glückwunsch.“ Murmelte Salome fast mechanisch.

In ihrem Kopf drehte sich alles und sie verspürte den dringenden Wunsch Richard anzurufen, oder Sue oder Matthew.

„Ich muss kurz mal raus.“ Keuchte sie und rannte zurück in ihr Zimmer wo sie in heiße Tränen der Verzweiflung ausbrach.

Ihre Mutter war wieder schwanger und damit war sie endgültig aus dieser Nummer raus, aber anscheinend wollte ihre Mutter sie hier behalten, wahrscheinlich wollte sie sogar, dass Salome sich wieder mit Diego versöhnte.

Die Erkenntnis traf sie wie ein Blitz, ihre Mutter wollte hier auf heile Welt machen.

Mit zitternden Fingern wählte sie Sues Nummer und unterdrückte die hysterischen Schluchzer die in ihrer zu engen Kehle vibrierten.

 

„Hallo?“ Sue spürte, dass etwas nicht in Ordnung war und hielt den Finger an die Lippen.

Robert verstand auch so, dass es Salome war und ohne dass Sue das ahnen konnte, wurde er zum Spitzel für Armitage, der sicher wissen wollte wie es Salome ging.

„Hallo Sue.“ Drang es aus dem Hörer, in der Totenstille konnte Robert Salome genau hören, er konnte die Tränen hören und die Verzweiflung und ihm lief es kalt den Rücken runter.

„Oh Gott Maus, was ist los?“

Sue war nicht länger die schüchterne Frau die er vor einigen Sekunden gesehen hatte, ihre Augen strahlten hell und aufgeregt.

„Sue, ich muss nach Hause kommen. Sue, meine Mutter ist schwanger und sie hat Diego hergebracht und ich glaube er ist eifersüchtig.“

Salome weinte hemmungslos und Sue griff sich in die Haare, biss an ihrem Daumennagel herum und drängte ihre eigenen Tränen zurück.

Anya hatte also ein neues Leben begonnen, sie war in einem bedenklichen Alter schwanger und sie wollte Salome sicher da behalten.

„Süße, sag mir wann du fliegst und ich erwarte dich am Flughafen. Ich…Oh Lola es tut mir so leid.“

Salome würde nicht bleiben, Sue wusste das.

Anya wollte sie sicher dabehalten um sie als Kindermädchen und Haushaltshilfe einzuspannen, aber Salome hatte ihre Zeit als braves Mädchen hinter sich, sie war lange genug die Zofe ihrer Mutter gewesen und sie hatte ein Recht auf ein eigenes Leben.

„Sue, was soll ich jetzt nur machen? Wenn ich gehe hinterlasse ich nur verbrannte Erde, eine enttäuschte Mutter und ein gebrochenes Herz.“

Sue dachte automatisch, dass Salome Zeit ihres Lebens zu sehr auf Gefühle geachtet hatte die ihr egal sein sollten, weil sie ihr nichts Gutes tun würden.

„Du bist zu gut zu ihnen Salome. Soweit ich mich erinnere hat deine Mutter einen Mann und zwei Stiefsöhne die ihr helfen werden weil sie da wohnen. Und Diego? Ehrlich mal, wann hast du zuletzt an ihn gedacht?“

„Gar nicht mehr seit ich hier bin, ich komme mir so egoistisch vor.“

Das schlechte Gewissen zerriss Salome, denn auch wenn sie früher das Gefühl gehabt hatte, dass ihre Mutter sie durch ihre zweite Heirat verraten hatte, so wusste sie doch, dass ihre Mutter sie nie im Stich gelassen hatte.

Wenn sie jetzt ging wäre sie eine Vollwaise, dann würde sie ihre Familie und ihre Vergangenheit verlieren, dann wäre sie auf sich allein gestellt und hätte den letzten Ausweg verloren falls das Leben in London eine unangenehme Wendung nehmen würde.

„Süße, du musst nach Hause kommen, du darfst da nicht bleiben damit sie dich aussaugen können. Du bist deiner Mutter nichts mehr schuldig als Dankbarkeit, aber du musst ihr nicht beistehen bei einer Sache die dich nichts mehr angeht.

Ihr habt beide ein neues Leben. Einen neuen Mann.“

Sue sagte das so leise, dass Robert sich leicht vorlehnen musste um es zu verstehen.

„Ich habe keinen Mann.“ Auch das nagte an Salome.

Verschenkte sie hier eine Chance aufs große Glück?

„Doch, du hast diesen Nachbarn den du so verehrst. Salome, sag mir ehrlich…War er nicht die erste Person an die du gedacht hast?“

 

Salome biss sich auf die Lippe und schluchzte dann doch auf.

Natürlich hatte sie an Richard gedacht und sie vermisste ihn und seinen Schutz so sehr, dass sie sich nackt und hilflos wie ein Neugeborenes vorkam.

Sie wollte, sie musste seine Arme um sich spüren, seinen Atem in ihrem Haar und seine Versprechen, dass alles gut würde in ihrem Gehör.

Sie sehnte sich auch danach Matthews ruhige Augen zu sehen, sein leichtes Lächeln das ihr versprach, dass er da sein würde wenn ihre Welt in Flammen aufging.

Auf einmal wurde ihr bewusst, dass sie Richard nicht anrufen könnte, weil sie ihm dann wahrscheinlich sagen würde, wie sehr sie ihn brauchte und wie schlecht es ihr ohne ihn ging.

Sie würde ihn auch würdelos und auf Knien anflehen nicht zu gehen, weil sie es nicht aushielt der Welt ohne ihn in die Augen zu sehen und zu wissen, dass sie allein war.

Also würde sie Matthew anrufen, sie musste seine tiefe Stimme hören, die ihr mehr als Trost spenden könnte, er würde ihr einen Ausweg aufzeigen.

„Doch Sue.“ Wisperte Salome also leise und schämte sich für ihre Schwäche.

„Na siehst du? Du bist nicht länger dort zuhause, dort warten nur Menschen die Dinge von dir verlangen die dir das Herz brechen, aber hier, hier warten Menschen die dich einfach nur bei sich haben wollen. Ich brauche dich hier Salome.

Erinner dich an all unsere Träume von einer Welt in der wir sind was wir sind ohne unsere Flüche und ohne unsere alten Ängste.

Salome, unser Traum ist zum Greifen nah. Also komm zurück zu mir, komm zurück zu uns.“

Salome wusste, dass Sue Recht hatte und vor allem verstand sie, dass das hier die Wahrheit war nach der sie gesucht hatte.

Ja, sie liebte ihre Mutter wie man seine Mutter nun mal liebte, aber es wurde Zeit wirklich erwachsen zu werden und ein Nest für das man längst zu schwer war zu verlassen.

All ihre Gedanken flogen nach London, suchten nach Sue und nach ihrer unendlichen Wärme, nach ihrem viel zu schönen Nachbarn, nach der Straße in der sie lebte und nach dem Zuhause das sie mit Mühe aufgebaut hatte.

Endlich war sie frei, sie brauchte keinen zweiten Ausweg, sie wollte sich nicht länger verstecken oder verzagen, sie würde gehen und nicht wiederkommen, sie war fortan nur noch ein Gast in dem Haus ihrer Mutter und sie würde sich nie wieder durch diese unsichtbaren Fäden die sie und ihre Mutter aneinander banden festzurren lassen.

Sie hatte sich von Gregori losgesagt und sie würde auch ihre Mutter wissen lassen, dass sie ihr nicht länger gehörte.

 

Salome verabschiedete sich von Sue und rief Matthew an.

„Ok, pack deine Koffer, ruf am Flughafen an, buch ein Ticket, Sue wird dich abholen und auch wenn wir uns nicht sehen, wir werden in der Nähe sein, Richard und ich.“

Salome seufzte leise auf, sie hatte sich nicht geirrt, sie hatte sich nicht getäuscht, Matthew wusste was zu tun ist.

„Wünsch deiner Mutter alles Gute. Ich bin sicher sie braucht dich mehr als du sie und du musst ihr klar machen, dass du nicht gehst weil du sie nicht länger liebst, sondern weil andere Menschen dich brauchen. Weil wir dich brauchen und weil du verdient hast dich um Menschen zu kümmern für die du nicht an letzter Stelle kommst.“

„Wie wer? Sue hat einen Verehrer.“ Kicherte Salome traurig.

„Für ihn bist du wichtig. Er vermisst dich und du weißt es… Du hast dich nicht richtig verabschiedet und er…leidet.“

Salome schnappte nach Luft und erhob sich schnell, sie wusste wen er mit „er“ meinte.

„Heute Abend bin ich wieder zuhause.“ Murmelte sie während das Blut durch ihre Adern rauschte.

Dann ging sie runter und trat vor die versammelte Familie, das Kinn trotzig vorgereckt und den Mund fest verkniffen.

„Ich wünsche dir alles Gute Mutter, aber ich…werde jetzt nach Hause gehen.“

„Aber dein Zuhause ist bei mir.“ Rief Anya aufgebracht.

„Nein das ist es nicht länger…Mein Zuhause ist…bei…ihm.“ Wisperte Salome verwundert über sich selbst als sie verstand, dass sie gar nicht in ihren Nachbarn verknallt war…


Kapitel 61 by MaggyMae
Author's Notes:
So ein seufz und schmacht Kapitel?

61.

Salome schlug sich die Hand vor den Mund.

„Was ist los?“ fragte ihr Stiefbruder Matthias lauernd.

„Ich habe mich…verliebt. Himmel, ich muss weg.“ Salome küsste ihre Mutter schnell auf die Wange, drückte sie und sprach dann:

„Wie gesagt, Glückwunsch, wenn du was brauchst, ich bin immer für dich da und das weißt du, aber ich kann nicht in diesem Haus leben mit Männern die ich verabscheue wenn ich auch bei mir zuhause sein kann mit Menschen die ich wirklich…liebe.

Bitte versuch zu verstehen, dass ich dir deine Wahl nicht verüble, aber dass ich sie auch beim besten Willen nicht teilen kann.

Wir sind beide in einem neuen Leben angekommen und ich wünsche uns glücklich zu werden.“
Anya erkannte, dass Salome sich von der Angst vom Regen in die Traufe zu stolpern gelöst hatte und dass sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Ort richtig hingezogen fühlte, dass sie verbunden war mit Menschen, Straßen und Orten in London.

Es brach ihr das Herz zu wissen, dass sie ihr kleines Mädchen jetzt endgültig verloren hatte, aber sie konnte Salome nicht aufhalten, dazu liebte sie die Kleine zu sehr.

Anya wusste auch, dass sie diesen Moment so lange aufgeschoben hatte, dass sie eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatte, dass er je eintreffen würde: Der Moment in dem eine Mutter ihr Kind freigeben musste und in dem sie ihr eigenes Glück hintenanstellen musste um das ihres Kindes möglich zu machen.

Vielleicht war sie egoistisch gewesen, vielleicht hatte sie Salome als zu selbstverständlich angesehen und deshalb schmerzte und schockierte es sie nun so zu erkennen, dass ihre Tochter lebte, liebte und litt ohne ihr Zutun, ohne dass sie ihr helfen könnte.

Der Trost nach dem sich Salome heute sehnte schöpfte sich nicht mehr aus dem Brunnen der unendlichen Mutterliebe, sondern aus dem See der Empfindungen für einen Mann.

 

Und dann stellte sich eine gewisse Rührung ein.

Salome strahlte, sowie sie nie einen Hehl aus ihrer Abneigung Gustav gegenüber gemacht hatte, so brannte sie jetzt wie eine Fackel in der Nacht für einen anderen Mann.

Anya erkannte jetzt wie falsch ihre Einladung Diegos gewesen war, er war Vergangenheit und dies war der Moment indem ihre Tochter, ihr Fleisch und Blut, zu neuen Gefilden aufbrach.

„Salome? Hast du einen Namen für das Kind? Es wird ein Junge.“
Anya kam die Idee spontan, denn sie und Gustav wurden sich einfach nicht einig.

Salome stockte der Atem, ihre Mutter wollte dieses Kind doch an sie binden und sie würde es annehmen, dieses Kind würde ihr Blut in sich tragen und plötzlich freute sie sich darauf.

„David Crispin Thomas.“ Wisperte Salome sehr leise.

„Wieso?“ Anya war neugierig.

„Ein biblischer Name und die Namen von Menschen die mein Leben verändert haben.“ Erwiderte Salome grinsend und legte die Hand auf den Bauch ihrer Mutter.

„Ich wünsche dir die Stärke, den Mut, die Güte und die unendliche Kraft der Liebe und der Inspiration der Menschen deren Namen du tragen wirst.

Ich wünsche dir die Schönheit und die Reinheit ihres Herzen und ich wünsche dir, dass dir die gleiche Liebe entgegen gebracht wird die diese Menschen jeden Tag wärmt.

Du bist mein Bruder und egal wo das Leben dich hinbringt, du wirst immer ein Teil von mir sein.

Nimm all meine guten Wünsche und meinen ganzen Segen, ich liebe dich, werde dich von deinem ersten Atemzug bis zu deinem letzten lieben, weil Blut dicker als Wasser ist.“

Salome öffnete sich das Herz und die Augen.

„Mutter, ich habe Fehler gemacht. Ich war hart und ungerecht, aber ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben und Gustav immer respektieren.

Wir haben heute und hier die Chance die Welt, unsere Welt zu ändern.

Halt mich auf dem Laufenden wie es meinem kleinen Bruder geht.

Und finde Frieden, Glück und Freude in all deinen Tagen, oh liebste Mutter, ich wünsche dir, dass dieses Kind so besonnen wie sein Vater und doch so leidenschaftlich wie seine Mutter wird.“
Sie wandte sich wieder an den Bauch ihrer Mutter.

„Kleiner, du wirst in eine seltsame Welt hineingeboren, aber auch wenn wir nicht alle immer an dem gleichen Strang gezogen haben, wirst du eine Familie haben die dich liebt. Drei Brüder und eine Schwester deren Blut und Treue du in deinem Rücken wissen wirst.“

 

Anya wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel als ihre Tochter das Haus verließ.

„Was hältst du von ihrem Vorschlag?“ fragte sie ihren Mann, der sie zärtlich ansah.

„Ich finde den Namen perfekt. Ungewöhnlich, traditionell und schön. Ja, er ist wie sie, wie du und wie das Blut das der Kleine in sich trägt. Der Name ist gut und so soll es sein.“

Gustav wandte sich ab und dachte, dass Salome eine richtige Hexe war, und doch war er froh darüber, dass DCT eine Schwester haben würde die an seiner Seite sein würde wenn er und Anya das Zeitliche segneten.

Salome brach ihre Versprechen nicht, das wusste er mit Sicherheit und da er ein großer Filmfan war und heimlich Salomes Kolumnen las, wusste er nach wem sein ungeborenes Kind benannt werden sollte.

Ihm sollte es recht sein, denn immerhin hatte Anya ihre Kinder nach Rasputin und seiner Frau benannt.

Lächelnd sah Gustav auf seine Söhne und hoffte, dass diese letzte Frucht seines Leibes all das Gute, Starke und Wilde seiner Frau mit seiner Disziplin und mit seiner Gemütlichkeit verbinden könnte.

 

„Wie bitte?“ Richard starrte an die Wand.

„Sie wird sicher so schnell wie möglich nach Hause kommen.“ Matthew klang geduldig und beruhigend.

„Ja…Geht es ihr gut?“

Matthew verdrehte die Augen während seine Frau mit den Koffern herumhantierte.

„Nein, aber es wird ihr wieder besser gehen wenn sie wieder zuhause ist.“

Richard lief mittlerweile nervös hin und her.

Wieso war der Junge noch nicht zurück?

„Ich komme kurz bei dir vorbei.“ Sprach Matthew in den Hörer und sah wie seine Frau ihn entnervt ansah. Er machte ihr ein Zeichen, dass er später nachkommen würde.

„Hmm…ok….“ Richard hörte schon nicht mehr zu, er war krank vor Sorge um seine kleine Nachbarin, die sich doch so schnell und so heftig aufregte, dass jemand da sein musste um sie zu beruhigen.

Er wollte sie sehen, aber wusste nicht wie er das machen sollte, wenn sie doch Sue immer noch bei sich zuhause hatte und dann müsste er ihr sagen, dass er in ein paar Tagen, genau gesagt am folgenden Abend abreisen musste.

Er wusste nicht mehr was er tun sollte, er wollte die Zeit vorspulen damit sie schneller wieder da war und dann anhalten um sie länger zu sehen, aber die Zeit war nicht der Freund der Menschen und während die Stunden sich an diesem Tag hinzogen wie Gummi auf dem heißen Asphalt, würde morgen sicher wie im Flug vergehen.

 

Salome hatte niemandem Bescheid gesagt, sie war 5 Minuten vor dem Abflug angekommen und hatte sich gleich in den Flieger gesetzt.

Sie hetzte mit ihrem kleinen Koffer die Straße entlang und atmete erst vor ihrer eigenen Haustür tief durch.

Das war es, dieses tiefe Gefühl der Freude und des Friedens das einen überkommt wenn man nach einer langen, schwierigen Reise wieder vor der eigenen Haustür stand.

Hier war sie zuhause, hier gehörte sie hin, dachte Salome fröhlich und steckte den Schlüssel ins Schloss.

Sie ließ den Koffer im Flur stehen und öffnete die Wohnzimmertür.

Und schon wieder wurde sie überrascht als sie durch die Tür trat, denn erneut war sie en présence eines Mannes mit dem sie zumindest an diesem turbulenten Tag nicht mehr gerechnet hatte.

Kapitel 62 by MaggyMae

62.

„Mister Pattinson.“ Grüßte Salome verwundert aber beherrscht und flog auf Sue zu.

„Süße…“ Sue umarmte Salome verblüfft und vergrub dann ihr Gesicht in deren dichten Locken.

Robert sah ebenso verdutzt zu wie die beiden sich umarmten als würde die Welt bald untergehen, doch das gab ihm wenigstens Zeit sich zu sammeln.

Es machte sich bezahlt Schauspieler zu sein, dachte er, denn so konnte er geschickt verstecken, dass beide Frauen schon vorher gesehen oder zumindest gehört hatte.

Sue liebte Salome wirklich, erkannte er staunend, als er die Tränen des Mitgefühls und des Trostes auf ihrem Engelsgesicht sah.

Es rührte ihn auf ein tiefe Art und Weise diese ehrlichen Zuneigungsbekundungen mitzuerleben und er lächelte automatisch als er sah wie Salome sich an den großen, schlanken Leib der Freundin klammerte und dort die Ruhe und die Kraft fand die sie gebraucht hatte.

„Es ist so gut wieder zuhause zu sein.“ Seufzte Salome und ließ Sue los.

„Hier ist nämlich zuhause, hier gehöre ich wirklich hin und Mutter akzeptiert das.“

Sue nickte streng, es war klar, dass es für sie keinen Unterschied gemacht hätte wenn Anya es nicht hingenommen hätte wie eine gute Mutter.

Robert blickte zwischen den beiden Frauen hin und her und erkannte mit Schrecken, dass Frauen tatsächlich nicht nur pausenlos verbal miteinander sprechen mussten, nein sie kommunizierten auch noch nonverbal, wahrscheinlich in ihren seltenen Atempausen.

Salome trug ein graues Kleid in dem sie aussah wie eine Klosterschülerin und das sicher nicht billig gewesen war, doch als John um die Ecke geflitzt kam weil er die Stimme seines Frauchens gehört hatte, warf sie sich auf den Boden und umarmte den Hund wie einen alten Freund.

„Na mein Guter? Hast du mich vermisst?“

John schleckte Salome so gut es ging ab und bellte leise vor Freude.

„Oh ich habe dich auch vermisst mein Süßer, mein Schatz.“

Salome vergrub beide Hände in dem dichten Pelz des Tieres und drückte ihre Stirn an seinen Hals.

Robert nickte innerlich, ja, hier war sie zuhause.

Sie hatte sich schnell und gut eingelebt und sie hatte ihre so neuen Wurzeln in der Tat bitterlich vermisst, was ihn ein wenig wunderte, ihn aber auch an sein eigenes Heimweh erinnerte wann immer er fern war.

 

Dann erst sah Salome auf und blickte Robert lange und abwartend an.

„Salome, das ist Robert.“
„Ich weiß, ich habe heute noch gedacht, dass wir zusammen ins Kino gehen sollten. Also nicht Young Master Pattinson und ich, sondern du und ich.

Den neuen Teil dieses Vampirepos sehen. Nein?“

Salome war komplett ruhig, auch wenn die Situation sie ein wenig überraschte und sie sich vorwarf nicht so vorsichtig und umsichtig und vor allem rücksichtsvoll wie Sue gewesen zu sein.

„Ehm…“ Sue war überfordert.

Sie zitterte vor der gerechten Ablehnung Salomes, vor ihrem Hohn, vor ihrem Spott, vor ihrem Mitleid.

„Ich bin Salome, die Hausherrin.“ Lächelte sie, kam wieder auf die Beine und unterdrückte einen schmerzerfüllten Seufzer als ihr Bein sich bemerkbar machte.

„Oh.“ Robert hielt ihr den Arm hin und sie stützte sich dankbar ab.

„Robert.“ Lächelte er, darüber nachdenkend, dass er Salome immer nur in eigentlich sehr peinlichen Situationen traf.

„Hallo Robert. Wie geht es dir heute?“ Wie geht es ihm?

Robert verstand was sie meinte und sein Lächeln wurde breiter, nahm sein ganzes blasses Gesicht ein als er sprach:

„Gut, ein wenig müde, ein wenig nervös aber gut.“

Zumindest dachte er, dass es Richard gut ging.

„Er ist…“ Sue wollte nun alles beichten und Salome nickte verständnisvoll.

„Das hatte ich schon verstanden und es tut mir sehr leid, dass ich mich nicht angekündigt habe.

Nett Sie kennenzulernen Mister Pattinson, ich mag Ihre Arbeit.“

Salome war in der Tat eine gute Schauspielerin, dachte Robert, aber wahrscheinlich glaubte sie was sie sagte, denn lügen konnte sie nach eigener Aussage nicht.

„Salome? Hast du denn gar nichts dazu zu sagen?“

Sue wurde mit jeder Sekunde nervöser und sah Salome abwartend, flehend an.

„Nein an sich nicht.

Ich bin einfach nur froh wieder hier zu sein und den Schmerz abschütteln zu können und nein, es macht mir nichts aus hier herein zu kommen und zu sehen, dass du Herrenbesuch hast.

Er scheint nett zu sein, du trägst noch all deine Kleider, also nein, nichts was mich aus der Ruhe bringen könnte.“
Salome sah ihre Freundin aufmunternd an und sah in den Flur.

„Ich sollte den Koffer auspacken.“ Sprach sie erschauernd, denn er erinnerte sie an die Stunden in der Hölle ihrer kalten Vergangenheit.

„Ich bringe ihn hoch, dann können Sie beide…sich unterhalten.“ Bot Robert an und dachte dann im letzten Moment daran zu fragen wo das Zimmer Salomes sich befand.

Sie erklärte ihm unnötigerweise den Weg und wandte sich Sue um.

 

„Sag mir wie lächerlich du das findest.“ Flehte Sue beinahe.

„Nein wieso denn Sue? Denkst du diese Menschen haben kein Recht auf ein wenig Freundschaft, ein bisschen Liebe und ein Stück Himmel?“

Salome sprach für sich mehr als für Robert, aber das konnte Sue nicht wissen.

„Doch aber…du hast meine Schwärmereien doch immer für so kindisch gehalten.“

„Ich habe mich geirrt Sue.“ Salome war ernst.

„Wirklich?“ Sue konnte das fast nicht glauben.

„Ja, ich war im Fehler und ich habe nichts zu Pattinson zu sagen, er ist jung, er ist schön und anscheinend ist er ein wirklich lieber Kerl der dich nicht wie eine Prostituierte behandelt, also wieso sollte ich dir oder ihm die Chance auf Glück verbauen aufgrund einer kindischen, naiven und grausamen Einschätzung die ich selbst als solche erkannt habe und demnach geändert habe?

Wenn du ihn sehen willst, küssen willst oder in unserem Haus haben willst, dann sollst du das tun.“

Sue war sprachlos, sie hatte vergessen wie sehr Salome sie liebte und vor allem wie großzügig Salome sein konnte wenn es um das Glück anderer Menschen ging.

„Danke Lola. Ich hatte gedacht…“

„Du denkst echt zu viel nach.“ Salome küsste Sue sanft auf den Mund und streichelte ihr Haar zärtlich.

„Ja wahrscheinlich, aber er ist wirklich gut zu mir. Er redet mindestens genauso viel Unsinn wie ich und ich fühle mich nicht unwohl wenn er da ist. Es ist lustig, er hört mir zu und ich denke, ich denke wirklich, dass ich ihn mögen könnte.“

„Denk auch darüber nicht zu viel nach. Ehrlich, lass es einfach geschehen und dann siehst du weiter.“

Salome lächelte Sue warm an und als Robert wieder runter kam, schloss sie auch ihn in ihr warmes Lächeln mit ein.

„Ich bin wahnsinnig froh euch zu sehen, aber ich muss noch mal kurz weg. Ich muss…meinen Nachbarn besuchen. Ich muss ihn sehen, jetzt.“

Salome winkte beiden zu und hörte wie Sue leise sprach: „Willst du zusammen mit mir, und mit Salome wenn sie dann zurück ist, zu Abend essen?“

Aber Salome verpasste schon die Antwort, weil es auf einmal wirklich dringend war und so nahm sie sich nicht einmal die Zeit ihre Tür zu schließen, sondern rannte einfach los.

Atemlos und blutend kam sie vor Richards Tür an und hämmerte dagegen.

Es fehlte nur noch, dass sie „Asyl“ rief, doch sie keuchte nur leise und wartete.

Und dann schwang die Tür langsam auf.

Kapitel 63 by MaggyMae
Author's Notes:
Schmalz hoch 3

63.

„Matthew.“ Kreischte Salome und sprang an dem großen Mann hoch, ihre Arme wie Drahtseile um seinen Hals spannend und laut lachend.
„Hallo Kleines.“ Matthew schob seine Hände unter ihren Hintern und trug sie so ins Wohnzimmer.

„Sieh mal was der Postbote uns gerade gebracht hat Richard.“ Lachte er und sofort war Salome weg.

Sie setzte sich dem verblüfften Richard auf den Schoß und bedeckte sein Gesicht mit Küssen und Tränen.

„Na na.“ Machte er leise und sah in ihre dunklen, glänzenden Augen.

Sie war gekommen, sie war hierhergekommen, sie hatte ihn aufgesucht, dachte er verwundert und gerührt als sie sich an seine Brust schmiegte und leise das Wort „zuhause“ formte.

„Ja, du bist wieder da. Wann bist du wiedergekommen?“

Salome sah ihn verlegen an als sie zugab: „Vor ungefähr 10 Minuten, ich habe kurz bei Sue und Rob reingeschaut, ah ja er ist da, und dann bin ich gleich hierher.“

Richard wusste nicht was er sagen sollte, sie war gleich gekommen, sie hatte…

„Ich habe dich so schrecklich vermisst.“ Seufzte sie an seinem Mund und er lachte:

„OH hast du geweint?“
 Sie sah ihn sehr ernst an.

„Ja das habe ich. Sag mir, dass es dir gefällt dass ich um dich weine und ich rufe Robin Hood damit er dir den Arsch versohlt.“
Sie hatte beschlossen, dass der böse, gemeine, brutale Teil von ihm Guy war und so verlor sie sich in Referenzen zu Traumwelten.

„Oh nein…wirklich? Oh nicht doch.“

Er schloss seine Arme um sie und atmete tief ihren süßen Duft ein, wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht und merkte, dass etwas Warmes, Feuchtes gegen sein Bein drückte.

„Salome du blutest. Matthew hol den Verbandskasten.“

Matthew verschwand schnell und war sofort wieder da, eine rote Kiste in der Hand.

„Was hast du gemacht. Du bist doch nicht gelaufen, oder?“

Richard wurde ihrer roten Wangen gewahr und verstand, dass sie hierher gerannt war wie eine Verrückte.

„Ich…OH Salome.“ Seufzte er leise und küsste ihre Hand während er einen neuen Verband um ihre Wunde schlang.

„Es wird ein Junge.“ Murmelte Salome während sie ihm zusah.
„Ein kleiner Bruder?“ Richard sah lächelnd auf und Salome dachte begeistert, dass er wirklich verstand, dass er ihre Stimmung erfasste.

„Ja…Ich durfte den Namen aussuchen.“ Salome strahlte und Richard lächelte etwas breiter als er das Licht der Liebe in ihren Augen sah.

„Und? Wie wird der Junge denn jetzt heißen?“

Salome biss sich auf die Lippe.

„Geht euch gar nichts an. Ich habe Namen ausgewählt die mir persönlich viel bedeuten.“

Aber sie würde sich nicht der Schande preisgeben es sie wissen zu lassen, oder?

 

Matthew sah Salome lange abwartend an und dann ging ihm ein Licht auf.

„Du hast das Kind nach uns benannt.“ Sprach er atemlos.

„So ungefähr.“ Salome nickte freundlich, freudig, leuchtend.

„Wieso?“ Richard steckte die Ecke des Verbandes fest und nahm Salome automatisch wieder in den Arm, wollte sie halten um sie davon abzuhalten ihn noch einmal so schändlich zu verlassen.

„Weil ich die Namen gut finde? Nein, ehrlich gesagt habe ich die inoffiziellen Namen gewählt.“

„OH nein, du willst doch nicht noch ein Kind mit „Crispin“ strafen?“

„Ich mag Kekse.“ Salome lachte leise als Richard die Augen verdrehte.

„Ich habe Namen gewählt die bis an mein Lebensende viel bedeuten werden, viel Trost, Kraft und Liebe und ich möchte, dass das Kind aufwächst und sagen kann, dass es die Namen von großen Männern der alten und der neuen Geschichte trägt. Die Namen von biblischen Helden, von Erfindern und Heiligen. Die Namen von Menschen die mein Leben verändert haben und die in meinen dunkelsten Stunden Sterne und in meinem hellsten Sonnenschein Schatten waren.“

Salome sah aus wie eine dunkle Kerze, all ihre Liebe strahlte aus ihren schwarzen Augen als sie aufsah.

„Das ist eine große Ehre, die wir wahrscheinlich gar nicht verdient haben. Ich danke dir trotzdem.

Ich habe übrigens deine Kolumne gelesen. Du stehst also auf große Männer…

Wenn man dich so liest hat man fast das Gefühl, dass du uns wirklich, richtig liebst.“

Salome sah ihn verwirrt an.

„Wenn ihr wüsstet wie sehr ich euch liebe, dann hättet ihr sicher Angst vor mir.“

Sie zuckte mit den Achseln als der Griff um ihre Hüfte fester wurde.

„Ich denke nicht.“ Lächelte Matthew und streckte die Hand nach ihr aus.


Salome ergriff seine Hand vertrauensvoll und drückte sie sanft.

„Ich habe euch so sehr vermisst und als ich da stand und meine Welt zusammenbrach, merkte ich, dass die Eierschale abgefallen war.

Ich wollte zurück, ich wollte nach Hause und ich war mir so sicher, dass ich hier Trost und Schutz und Verständnis finden würde und das habe ich auch.

All meine Gedanken flogen zu euch, zu Sue und ihren neuen Verehrer, zu meinem Hund und ich wusste, dass ich nicht länger die kleine Tochter meiner Mutter war.

Ich habe dank euch ein Zuhause und Freunde, Menschen denen ich vertraue und denen ich mich anvertrauen möchte.

Meine Mutter hat mich über so viele Wunden hinweggetröstet, aber heute Mittag habe ich gespürt, dass ich endlich Menschen kenne die mir über die Schmerzen die sie mir verursacht hinweghelfen können.

Und hier bin ich und ihr seid genauso wie ich es mir ausgemalt hatte.“

Salome ließ ihren Kopf in Richards Halsmulde sinken und atmete seinen Duft gierig ein.

„War es denn so schlimm zuhause zu sein?“ fragte Richard sanft.

„Nein, es war schlimm NICHT zuhause zu sein. Meine Mutter ist nicht länger mein Zuhause Richard, sie ist jetzt nur meine Mutter, meine Wurzel, das Herz aus dem ich stamme, aber sie hat ihr Leben und ich habe meins. Wir teilen ein Blut, aber nicht eine Bestimmung.

Ich hätte es keine weitere Nacht mehr ausgehalten.“

Richard konnte fast nicht glauben was er da hörte, sie war zurückgekommen und sie war bewusst zu ihm zurückgekehrt, sie sah mehr in ihm als er war und das ängstigte ihn ein wenig, aber es machte ihm auch Mut für die langen Monate die jetzt auf ihn zukamen.

Was sie nicht wusste, weil er es nicht schaffte es ihr zu sagen, war, dass sie auch sein Zuhause geworden war und dass die Stille ohne ihr fröhliches Geplapper ihn fast umbrachte.

Er hatte sich danach gesehnt sie wieder zu halten wie er sie nun hielt, sie zu riechen, zu fühlen, ihre Hände in Seinen und ihr lächelndes Gesicht wie der Anhaltspunkt auf den alle seine Gefühle hinstrebten.

Robert hatte Unrecht gehabt, Richard war nicht in sie verliebt wie ein Jüngling, er liebte sie wie ein Mann eine Frau liebte. Er liebte sie wie die Sonne den Mond und wie die Blumen den Sommer, sie war der Mittelpunkt seiner kleinen Welt geworden und er wollte sie in seinen Koffer werfen, damit er nie wieder ohne ihr Lachen aufwachte und nie wieder ohne ihre Wärme einschlief.

Matthew sah die Veränderung in den Augen des Freundes, erblickte die Erkenntnis und den Schmerz.

Er wusste also jetzt, dass er ohne sie nicht mehr leben konnte und es doch musste, dachte Matthew mitleidig und lächelte dem Freund traurig zu.

„Was ist los?“ Salome spürte auch, dass etwas sich geändert hatte und sah misstrauisch auf.

„Ich muss morgen Abend schon weg.“ Sprach Richard aus was er nicht dachte, aus Angst ihrer beider Herz zu brechen, wenn er ihr sagte was ihn gerade zerriss.

Und dann spürte er das warme Wasser was seine Hände segnete.

Kapitel 64 by MaggyMae

64.

„Es tut mir leid, wie dumm von mir.“ Murmelte Salome bevor Richard etwas zu ihren Tränen sagen konnte.

„Ich wünsche dir eine gute Reise, sieh zu, dass du genug isst und dich nicht erkältest.“

Salome kämpfte um ihre Selbstbeherrschung und scheiterte jämmerlich, denn immer noch tränten ihre Augen wie ein Wasserhahn der ein Leck hatte.

„Salome…“ Richard wusste nicht genau was er sagen sollte, ihre Tränen paralysierten ihn wie jeden Mann auf der Welt, weil er wusste, dass sie seinetwegen weinte.

„Nein, ich bin nur töricht. Mir geht es gut, mach dir keine Sorgen.“

Salome zwang sich zu lächeln, aber wieder scheiterte sie und alles was sie zu Stande brachte war eine sehr armselige Grimasse.

„Salome…Es tut mir sehr leid und ich bin froh, dass du gleich gekommen bist. Du hast mir sehr gefehlt.“

Sie lächelte Richard warm an und küsste ihn auf die Wange.

„Ich hoffe es doch. Weißt du was? Ich werde mich mit Guy anfreunden. Ich werde mir so verdammt viele Filme reinziehen, dass ich Quadrataugen bekomme und dann werde ich meine Sehnsucht dazu bringen mich in den Schlaf zu wiegen.“

Richard verzog den Mund.

„Und ich? Was bleibt mir von dir? Ich habe diese wertvollen Erinnerungen und die Sehnsucht nach dir im Herzen, aber…“

„Du darfst ein Foto von mir machen wenn du willst, auch wenn ich im Moment gerade schrecklich aussehen muss.“ Schlug Salome ihm spontan vor und er kam dieser Einladung mit Freuden nach.

„Danke.“ Wisperte er und küsste sie zärtlich.

 

„Ich werde Sue haben und du deine Arbeit. Wir werden es überleben, aber denk daran, dass hier jemand ist, der auf dich wartet und dich schrecklich vermisst.“

Richard zog sie auf seinen Schoß und murmelte fassungslos:

„Wie kannst du das nur tun? Woher hast du den Mut auszusprechen was in deinem Herzen keimt?“

Um diesen Mut beneidete er sie und es schmerzte ihn zu wissen, dass er niemals so einfach aussprechen konnte was er in sich drin empfand.

„Ich wurde so geboren Richard. Ich kann nicht lügen.
Du bedeutest mir sehr viel, du bist das Gesicht meiner neuen Heimat und die Stimme nach der ich mich in der Dunkelheit richte.

Ich weiß nicht ob du das wirklich hören willst, aber du bist der erste Mann der mir wirklich wichtig ist und dessen Verlust mir Schmerzen bereitet.“
Ihm klappte die Kinnlade runter im Angesicht einer solchen schonungslosen Ehrlichkeit.

„Wirklich? Oh ich wünschte ich fände die Worte dir zu sagen was du mir bist.

Wie sehr ich mich um dich sorge und wie viel es mir bedeutet, dass du jetzt hier bist, bei mir.“

Sie schmiegte sich noch enger an ihn und sog erneut seinen Duft in sich ein.

„Du bist eigentlich nicht die Art romantische Heldin wenn ich das so sagen darf.“

Salome kicherte und sah die Männer eingehend und intensiv an.

„Ich weiß, ich bin die kleine Chaotin, der Wirbelwind und doch werde ich an meinem Fenster stehen und schweigen, ich werde tausend verrückte Dinge tun und dabei daran denken wie gerne ich sie mit euch geteilt hätte.

Ich bin nicht die Art von Frau in die man sich Hals über Kopf verliebt, ich bin die Art von Frau die man liebgewinnt und die Andere Menschen liebgewinnt.

Und ich habe euch liebgewonnen, ich werde euch jede Sekunde vermissen und ich werde euch mit großen, anhimmelnden Augen betrachten wann immer der Fernseher zu meinem Fenster wird.

Oh ihr habt keine Ahnung wie neu das für mich ist und wie ihr mich kennt habe ich mich schnell damit abgefunden.

Ich weiß nämlich, dass dieses bisher so unnütze Stück Fleisch das mein Herz ist, sich nicht nach wertlosen Bastarden verzehren wird, sondern nach Menschen die so gut sind, dass sie jede einzelne Träne und jedes einzelne Gebet verdienen.“

 

„Du überschätzt uns maßlos.“ Meinte Matthew bescheiden und setzte sich neben die beiden.

„Als meine Welt erschüttert wurde, dachte ich, dass ich dich anrufen würde und dass du mir sagen würdest was zu tun ist. Habe ich mich geirrt?

Seltsam, ich denke ihr seht es wirklich nicht oder?“

„Was denn?“ schmunzelte Matthew und zupfte nebenbei das Kleid Salomes zurecht.

„Wie gut ihr zu mir wart.

Vorsicht sollte euer erstes Gebot sein und ich weiß sehr wohl, dass ich eine Gefahr für mich und mein Umfeld bin, dass ich euch der Schande preisgegeben habe an dem Abend an dem ich dachte ich müsste mich entjungfern lassen, dass ich euch kostbare Zeit gestohlen habe durch meine tausend dummen Ideen.

Ihr habt nie gerichtet, ihr habt nie verurteilt.

An jedem Tag wart ihr da, verdammt, ich bin wie ein Dummkopf über einen Kübel gestolpert und ihr habt mich gerettet, ihr habt mir einen Geschenkkorb geschickt.

Nichts davon wurde von euch verlangt und wenn ich diese Reportagen sehe und höre wie Sue leise seufzt, dann denke ich mir, dass ihr so viel gütiger seid als je eine Kamera es einfangen könnte.

Würde Dankbarkeit dick machen sähe Jabba the Hut neben mir wie eines von Lagerfelds Modeln aus.“

Salome lächelte immer noch und ihre Ehrlichkeit war kaum zu übersehen.

„Du machst es uns aber auch leicht.

Niemals hast du uns behandelt wie irgendwelche verschrobenen Stars, sonder wie Menschen und du bist so liebevoll, so freundlich, so sonnig, dass wir natürlich ein Stück davon abhaben wollten.

Salome, ehrlich, du siehst Menschen mit diesen funkelnden Knopfaugen an und diese Menschen wollen dir helfen, dich schützen und dich versorgen, weil du so wertvoll bist.

Du gibst den Menschen ein gutes Gefühl, das Gefühl schön und liebenswert zu sein und das merkst du nicht.“

Salome lachte laut auf: „Matthew, hast du schon mal in den Spiegel gesehen? Hast du deine eigene Stimme je gehört?“

„Ja…Wir sind beide nur Männer, getragen, geboren und aufgezogen.“

„Nein, das ist nicht wahr. Ihr seid himmlisch. Ihr seid das was man an barocken Wänden sieht, gleich neben der Jungfrau und auf einer goldenen Wolke stehend, eingehüllt in die Rüstung der Gerechten und das Licht der Liebe in der Hand.“

„Wir sind keine Engel Salome.“ Matthew musste lachen über diese Vorstellung.

„Für mich schon, für mich seid ihr genau das.“ Salome zögerte nicht ihre kindische, idealistische Vision preiszugeben.

„Oh Kleines, ich werde dich auch vermissen. Gott, was hatten wir Spaß, aber die Welt dreht sich weiter und es würde mich traurig stimmen zu wissen, dass dies nur ein Intermezzo gewesen sein soll. Wir werden dich wiedersehen, oder?“

Salome nickte langsam.

„Ich werde hier sein, wann immer ihr nach mir sucht werde ich genau hier sein und euren Schrein mit Weihrauch und Tränen bedecken.“

Angesichts der dummen Gesichter prustete Salome laut los.

Sie lachte und der Klang ihrer Stimme füllte den Raum mit schönen Erinnerungen und ihr kindlichen Freude die weder Grenzen noch Tabus kannte.

Diese drei Worte brannten auf Richards Zunge, aber sie wollten einfach nicht raus.

Er wollte ihr ja sagen wie sehr er an ihr hing, doch er konnte es einfach nicht, seine Angst vor ihrer Ablehnung oder ihrem Unverständnis saß zu tief.

Ihre Augen waren so aufgeweckt, ihr Lächeln so warm, aber er war sich nicht sicher, ob sie das was sie sagte auch so meinte und wie tief ihre Gefühle für ihn waren.

„Sag mal, Richard, bist du eigentlich mein „petit ami“, sind wir eigentlich so was wie ein Paar?“ fragte sie dann auf einmal und er war in der Tat um eine Antwort verlegen.

Kapitel 65 by MaggyMae
Author's Notes:
:)

65.

Robert war sie Stille auf einmal unangenehm und er suchte verzweifelt nach einem Gesprächsthema.

Da es Sue offensichtlich leichter fiel zu reden wenn er sie erstens nicht ansah und sie zweitens nicht über sich sprechen musste, ließ er sie mit ihrem Soufflé allein und redete mit ihrem Rücken, während er am Küchentisch saß.

„Wer ist eigentlich dieser Diego?“

Sue rührte Käse ein und dachte kurz nach wie sie Diego einem Fremden begreiflich machen sollte.

„Er ist Salomes Ex-Freund, oder zumindest so was in der Art. Er…ja, ich denke man könnte sagen, dass er ihr Ex-Freund ist.“

In Sues Augen hatten Salome und Diego nie wirklich eine echte Beziehung geführt, aber das tat nichts zur Sache, außerdem hatte Salome diese Zeit als Beziehung verstanden und empfunden und Sue ließ ihr die Illusion nur zu gerne.

„Wie ist er denn so? Ist er schön?“

Sue verteilte die angerührte Masse in einer Form und seufzte:

„Schön? Dieses Wort hat für Menschen wie euch eine andere Bedeutung wie für uns.
Diego ist sehr groß, sehr dünn, dunkelhaarig, hat dunkle Augen und er ist wohl eher intelligent als schön, auch wenn er kein hässlicher Mann ist.

Er hat einen Doktortitel und während ich nie wirklich verstand was er mit all seine Theorien wirklich sagen wollte, so liebte er es doch Salome Dinge zu zeigen und zu erklären und sie liebte es ihm zuzuhören.

Gespräche, lange, philosophische Gespräche waren die Basis und die Essenz ihrer Beziehung.

Ich dachte und denke heute noch, dass Salome auf irgendeine Weise seine Muse war und natürlich ist sie eine bezaubernde Frau für solche Männer, da sie so klug und kreativ ist und ihm stundenlang zuhören konnte, verstand und mitdiskutierte.

Er respektierte ihre Meinung und begehrte ihren Körper aber Salome war nicht bereit, sie wollte das nicht, sie sah ihn nicht so und auch wenn sie vielleicht dachte, dass sie ihn liebt, so hat sie ihm doch immer nur ihren Geist und nie ihr Herz geöffnet.“

Schmunzelnd klopfte Robert sich innerlich auf die Schulter, denn er hatte Sue noch nie so viel sprechen hören.

Er hatte also richtig gelegen in der Annahme, dass sie lieber über Andere sprach als über sich.

Sue sah besorgt auf die Uhr.

„Sie wird vielleicht nicht wiederkommen bis morgen.“ Gab Robert leise zu bedenken.

„Ja, das mag sein, aber die Idee missfällt mir.“ Sue zog eine Grimasse und sah nachdenklich aus dem Fenster.

Nein, sie mochte die Idee nicht, dass Salome alleine mit einem Mann sein würde, den sie nicht höchstpersönlich geprüft hatte.

„Du hast einmal gesagt, dass ich ihren Nachbarn mögen würde, dass er ein netter Kerl ist…bevor du mich geküsst hast. Kennst du ihn denn?“
Robert hatte damals nicht nachgedacht und jetzt schoss ihm das Blut ins Gesicht vor Scham.

„Ja, er ist so was wie ein alter Freund von mir.“
„Wie ist er so?“  Sue spürte instinktiv, dass sie nicht nach Namen fragen durfte, weil Robert ihr genauso wenig sagen würde wer der Mann war wie Salome.

„Oh er ist ein netter Mann, etwas älter als wir mit einem festen Einkommen, zumindest im Moment, er muss wegen der Arbeit öfters verreisen und ich denke er muss auch jetzt bald weg.“

Gott, das klingt ja als sei er Versicherungsvertreter oder Banker, dachte Robert angewidert.

„Sieht er gut aus?“ Sues Augen blitzten schelmisch.

„Oh ja, wirklich gut. Er hat schöne Augen und er ist gut in Form und er mag Salome.“

Sue fragte sich wie ein Mensch wie Robert einen Mann kennen konnte, der so außergewöhnlich langweilig klang.

„Nun, wir sollten wohl einfach ohne sie anfangen.“ Murmelte Sue dann und holte das Käse-Soufflé zum perfekten Moment heraus und servierte ihr Dinner mit spielender Leichtigkeit.

 

„Ehm…was meinst du denn?“ Richard wusste nicht was sie hören wollte und wollte sich auf keinen Fall die Blöße geben etwas zu sagen was sie nicht auch dachte.

„Nein, ich will wissen wie du das siehst.“ Blieb sie hart und ihre Augen waren dieses Mal ganz auf ihn konzentriert, ihr Blick bewegte sich keinen Millimeter mehr.

Armer Richard, dachte Matthew und grinste als er das verzweifelte Ringen nach einer plausiblen Antwort auf der Miene des Freundes erkannte.

„Ich denke schon, doch. Ich will dich auf keinen Fall mit einem anderen Mann teilen.“

Das war eine derart männliche Antwort, dass Salome grinsen musste.

„Erstens musst, nein darfst, du durch deinen Beruf dauernd andere Frauen küssen also…und zweitens gilt das als Argument gar nicht.“

Richard schwitzte Blut und Wasser, sie war wirklich knallhart.

„Salome meine Süße, ich weiß es nicht also frage ich dich jetzt einfach: Willst du mit mir gehen?“

Seine Stimm klang spöttisch, aber unter dem offensichtlichen Hohn verbarg sich eine zitternde Ehrlichkeit.

„Also wirklich Armitage, ich küsse dich, renne zu dir bis die Schwarte kracht und das Bein blutet, vermisse dich und sage dir fast ins Gesicht, dass ich komplett verrückt nach dir bin, ich weine um dich und dann musst du im Ernst noch fragen?“

Ok, jetzt kam er sich dumm vor.

„Ehm ich wollte nur sicher gehen, dass du dasselbe willst wie ich. Bei euch jungen Leuten ist man sich ja nie so ganz sicher.“

„Ach du armer, alter Mann, verwirre ich dich?“

Salome küsste ihn kichernd.

„Ja das tust du. Aber egal. Das heißt…Wir sind jetzt ein Paar?“

War ihm das nicht schon längst klar? Aber ausgesprochen hatten sie es so noch nicht und er war er erleichtert…seinen Anspruch auf sie festgelegt zu haben.

Wie dumm das klang, schalt er sich selbst, aber er war wirklich froh, dass jetzt klar war, dass sie ihm gehörte und sonst niemandem und dass sie auf ihn warten würde, dass sie die Seine war wie er der Ihre und dass er sich ihrer ein klein wenig sicherer sein konnte.

„Gratulation, du hast eine Freundin und sie ist hübscher, klüger und netter als du also halt sie dir gut warm, weil ich ehrlich gesagt immer noch nicht weiß was sie an dir findet.

Ich mache mich jetzt mal auf den Weg, denn meine FRAU wartet auf mich und sie wird wirklich nicht begeistert von mir sein.

Gute Reise Richard und wir sehen uns bald wieder.

Ciao Kleines, und ja denk dran, jetzt wo er dich fast angepinkelt hat wie einen Baum um sein Revier zu markieren gehört er ganz dir, nutz das aus.“

Matthew wusste, dass er jetzt überflüssig war und dass die beiden sich eine Menge zu sagen hatten was sie nicht sagen würden, aber versuchen konnten und mussten sie es und so würde er sich diskret zurückziehen.

Junge Liebe, dachte er lächelnd als er in der Straße an Salomes Küchenfenster vorbeilief und Robert am Tisch sitzen sah, während er errötend mit Sue sprach.

Ja, Salome dachte, dass er und Richard ihr Leben verändert hatten, aber sie sah nicht wie viel Liebe und Licht sie in das Ihre gebracht hatte.

Salome sah den Mann den sie nun als den Ihren bezeichnen konnte lange an bevor sie sprach.

„Ich habe eine Leihgabe und ein Geschenk für dich bevor du gehst.“

Salome sprach langsam und bedächtig.

„Ich gehöre der römisch-katholischen Kirche an. Dies ist die Kette die ich anlässlich meiner Taufe erhalten habe. Ich will sie wiedersehen.“

Richard nahm die filigrane Kette in die Hand, Salome Anne Praskovia, 01/12/1988.

Sie schenkte ihm also ihre ganze Geschichte und er war sprachlos angesichts dieses Vertrauens.

„Das ist also die Leihgabe. Was ist das Geschenk?“

Er fand selbst, dass er unglaublich gierig klang, aber die Neugier hatte ihn nun komplett übermannt.

„Meine Unschuld.“ Wisperte sie und riss sich das Kleid vom Körper.

Kapitel 66 by MaggyMae
Author's Notes:
Per Pn wenn erwünscht

Für das weitere Verständnis der Geschichte:
Salome gibt ihm wie versprochen ihre Jungfräulichkeit als Opfergabe und Abschiedsgeschenk.

Wie gesagt wenn ihr den Käse lesen wollt, per PN gerne, anonsten ist das Detail wirklich nicht allzu wichtig, versprochen.

Kapitel 67 by MaggyMae
Author's Notes:
Ah der Moment auf den alle gewartet haben...

67.                                                            

Richard sah verwundert und voll des schlechten Gewissens auf die kleine Blutspur auf dem Laken hinab.

„Es war das Bein.“ Erklärte Salome lächelnd und zeigte auf den blutgetränkten Verband.

Sie sah die Sorge in seinem Blick und streichelte seine Wange beruhigend.

„Es ist nichts. Mach dir darum keine Sorgen. Du hast jetzt was am wertvollsten an mir ist oder war.“

„Nein, das wertvollste an dir ist dein großes Herz.“ Lächelte er und sie nahm seine Hand und legte es zwischen ihre Brüste.

„Auch das soll deins sein wenn du es haben willst.“

Sie meinte es ernst, das sah er auf den ersten Blick, sie meinte es tatsächlich ernst, sie wollte ihm ihr Herz schenken.

„Ich will.“ Nickte er und küsste sie lange und zärtlich, strich ihr die zerzausten Haare aus dem Gesicht und zog sie halb auf sich damit sie ihre Arme um seinen Nacken schlingen konnte.

„Also hast du wirklich etwas für den alten Mann übrig?“ fragte er grinsend.

„Ja, wirklich. Ich…Ich denke wenn ich je einen Mann geliebt habe, liebe oder lieben werde, dann bist das unweigerlich du.“

Er blinzelte.

„Du…“

„Oh natürlich liebe ich dich. War das dir denn nicht klar?“

Salome lachte über seine verblüffte Miene.

„Nein, ich dachte du magst mich ein bisschen, aber…“
„Oh hör auf zu stottern, ich setze dich nicht unter Druck, aber da wir ja jetzt anscheinend ein Paar sind, darf ich dir doch wohl sagen, dass ich dich liebe, oder?“

Er nickte dümmlich.

„Wie? Also wieso? Also wie weißt du das?“

Salome zuckte mit den Achseln.

„Ich habe mit dir geschlafen weil ich es wollte, dein Gesicht ist das Erste woran ich denke wenn ich aufwache und das Letzte bevor ich einschlafe. Ich vermisse dich wann immer du nicht bei mir bist und wann immer ich traurig oder einsam oder unsicher bin, denke ich an dich und es geht mir besser.

Ich bin nicht nur zurück nach Hause geeilt, ich bin zurück zu dir gekommen.

Ich habe es erkannt als ich die Augen meiner Mutter sah und meinen Ex-Freund, als ich diese Menschen sah, wurde mir bewusst, dass ich noch für keinen Mann so empfunden habe wie für dich und dass alles was ich für Liebe gehalten habe nur ein blasser Abklatsch im Vergleich mit meinen Gefühlen für dich war.

Du bist mein Recht und meine Religion, du bist die Waage der Gerechtigkeit und das Wort nach dem ich mich richte, du bist die Sonne die mich wärmt und der Mond der über mich wacht.

Ich lebe in deinen Augen, wachse unter dem Licht deines Blickes und atme durch die Berührung deines Mundes.

Ich weiß es einfach Richard, ich spüre es in mir drin, wie es sich bewegt, diese kleine Kugel die mein Gleichgewicht verändert hat und mich immer auf dich zutreiben wird, immer und überall.

Du bist woran ich glaube, woran ich mich festhalte und auf was ich zustrebe.

Du bist der Erste.“

 

Richard konnte seinen Ohren nicht trauen.

Für sie war es offensichtlich einfach ihm das zu sagen, nicht nur dass sie ihn liebte, sondern auch wie sehr sie ihn liebte und sein Herz krampfte sich schmerzhaft zusammen.

„Ich…“

„Ich weiß Richard, ich weiß, ich sehe es an der Art wie du mich hältst, wie du mich küsst, wie du mich ansiehst, wie du mich fragst ob ich sicher bin wenn dein Blut rauscht und wie du das Blut mit Schrecken und schlechtem Gewissen erblickt hast.“

Ihre Großzügigkeit kannte anscheinend wirklich keine Grenzen, dachte er, doch er wusste, dass er sagen musste was er nicht sagen konnte.

„Ich…Ich liebe dich sehr Salome.“

Er schnappte nach Luft, der Knoten in seinem Hals hatte sich endlich gelöst.

„Ich liebe dich mit all der Angst und der Unsicherheit eines Mannes der zulange alleine war, mit all der Furcht dich zu verlieren eines Mannes der weiß, dass er deiner nicht würdig ist.

Oh wie sehr ich dich doch liebe, wie sehr ich mich nach dir sehne wenn du weg bist und wie schwer diese Tage für mich gewesen sind.

Du bist so schön, so ehrlich, unverfälscht schön und so gutmütig, so tapfer und so frei, dass ich Angst habe dich um etwas Wichtiges zu bringen durch meine Liebe.

Ich bin ein alter Mann und ich werde deine Jugend vergiften durch die Vorsicht der Jahre die du noch nicht durchlebt hast und durch die Wunden die du noch nicht kennst.

Ich wünschte du würdest mich nicht lieben, denn dann könnte ich gehen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, wissend, dass ich deiner Unschuld keinen Schaden zugefügt habe, sicher dir keinen Kummer zu bereiten.“

Salome unterbrach ihn mit einem schnellen, harten Kuss.

„Ich nehme den Schmerz an, weil er mir sagt, dass ich mit dir verbunden bin und dass mein Leben einen Sinn und eine Richtung hat.

Mach dir keine Sorgen Richard, ich werde jung und unbedacht genug für uns beide sein und du wirst die Stimme der Vernunft für mich sein.

Sei du mein Kompass und mein Kapitän und ich werde dein Motor sein, die See die dich trägt und der Weg den du beschreitest.

Du und ich wir leben zwei verschiedene Leben, wir sind in zwei verschiedenen Abschnitten unseres Lebens und doch war ich noch nie einem Mann so verbunden.

Mach dir keine Sorgen, mir wird es gut gehen und ich werde hier sein wenn du wiederkommst, ich werde hier sein und mit offenen Armen auf dich warten.“

War das denn möglich?

Konnten Jahre des Zweifels und der Unsicherheit sich einfach so in Luft auflösen?

Er hatte sich so oft gewünscht eine Frau zu finden die geduldig genug war ihn zu lieben und selbstlos genug um auf ihn zu warten ohne ihr Leben dabei zu vergeuden und hier saß diese Göttin, nackt und entehrt und lächelte als trüge sie eine Krone.

„Du bist zu gut.“ Rief er demütig und senkte sein Haupt in ihre Hände.

Salome senkte ihren Mund auf seinen Hinterkopf und streichelte seine Wangen liebevoll.

„Sei unverzagt mein Geliebter. Alles wird gut werden, jetzt, da ich dir alles gegeben habe was eine Frau geben kann und alles erlangt habe was eine Frau sich nur wünscht, kann ich getrost leben und mich auf den Tag freuen an dem du wieder an meiner Seite bist.“

Er konnte sein Glück nicht fassen, sie liebte ihn und würde warten.

„Ich kann nicht glauben, dass ich auf einmal nicht mehr allein sein soll.“ Wisperte er leise und erntete ein leises Lachen.

„Du warst nie allein, du hattest immer Matthew und so viele andere Freunde, aber hast du denn wirklich je an meiner ehrlichen Liebe zu dir gezweifelt?“

Er schämte sich jetzt seiner Zweifel, konnte sie aber auch nicht leugnen.

„Aber du Dummkopf. Ich hätte dich nie in mein Leben gelassen, in mein Bad, in meinen Körper, wenn ich dich nicht so sehr lieben würde, dass es mir das Herz zerreißt.“

Jetzt wurde ihm so vieles klar und er drängte die Tränen der Freude und der Dankbarkeit mit aller Macht zurück, denn sie würde ihn nur traurig wähnen und das wollte er nicht.

„Ich kann dir nicht viel anbieten als ein wenig Geld und einen alternden Körper, aber fühl dich frei hierher zu kommen wann immer du Lust hast, dich an meiner Garderobe zu vergehen wenn es dir beliebt und meine Pflanzen zu gießen wenn du daran denkst.

Ich liebe dich mit jeder Faser meines Herzens und meines Seins und ich werde dich so oft anrufen wie es nur geht.“
Salome stand langsam auf und schlüpfte wieder in ihr Kleid.

„Sue wird mich so ausschimpfen.“ Lächelte sie, küsste Richard und wandte sich der Tür zu.

„Salome?“

Sie drehte sich in der Tür um und sah ihn dann fragend an.

„Ehm das kommt jetzt etwas dumm rüber, aber…war „es“ eigentlich ok für dich?“


Kapitel 68 by MaggyMae
Author's Notes:
Doubts and questions

68.

Sie hatten diniert, Sue hatte gebacken während er ihren kompetenten Bewegung sprachlos zusah und sahen sich jetzt einen Film an, doch Sue konnte sich nicht davon abhalten dauernd auf die Uhr zu sehen.

Salome sollte längst zurück sein, was tat sie nur so lange da drüben?

„Susan? Ihr geht es sicher gut, er wird dafür sorgen, dass es ihr gut geht, mach dir keine Gedanken.“

Das tat sie aber, sie machte sich Sorgen, weil sie nicht wusste wie der Mann zu Salome stand und weil sie befürchtete, dass Salome etwas Dummes tun würde.

„Sie ist in ihn verliebt.“ Murmelte sie geistesabwesend und Robert fragte sich wieso alle so ängstlich waren wenn es um Gefühle ging.

„Und? Ich denke er ist auch in sie verliebt.“
Robert kam das Ganze so offensichtlich vor, dass er kein Verständnis für diesen Eiertanz hatte.

„Wirklich?“ Sue sah ihn hoffnungsvoll an.

„Ich verstehe nicht wo das Problem liegt Sue, was ist denn damit? Ich meine, sie ist ja nicht in Lebensgefahr wenn sie sich verliebt.“

Sue seufzte leise und erklärte ihm dann geduldig:

„Salome ist immer und dauernd in Lebensgefahr, aber du hast Recht, ich sollte mich weniger aufregen, es ist nur so, dass sie noch nie verliebt gewesen ist und ich habe Angst, dass sie etwas Drastisches tun wird.“
„Wie was? Mit ihm zu schlafen?“

„Nein, das wird sie so oder so tun…“Sue zuckte erneut mit den Achseln und wedelte mit der Hand als wenn das gar nichts wäre.

„Wenn das nicht das Problem, was ist es dann?“

Bevor Sue antworten konnte, hörte sie die Tür und so lächelte sie:

„Überzeug dich selbst.“

 

Salome lehnte sich gegen den Türrahmen und sah Richard spöttisch an.

Da war sie also, diese „war ich gut?“-Frage, die sie für eine Erfindung der Filmindustrie gehalten hatte.

Er sah so verletzlich aus, so jung und so unsicher, dass sie lachen musste, denn so sah ihrer Meinung nach kein Held nach seiner Glanztat aus.

„Ja, für mich war es ok.“ Sprach sie dann gedehnt und sah wie sein Gesicht einfiel.

Lachend warf sie sich ihm in die Arme und bedeckte seine Haut mit warmen Küssen.

„Du bist und bleibst ein Idiot Armitage, wirklich. Hast du denn nicht gemerkt wie unglaublich, endlos und unbeschreiblich glücklich ich war? Das hier war alles was ich mir erträumt hatte und noch ein bisschen mehr.“

Er zweifelte, sie konnte es an seinem Blick auf seine großen Hände sehen und so hob sie seinen gesenkten Kopf mit einer Hand zart an.

„Du bist alles was ich mir gewünscht habe und du warst so perfekt wie man nur perfekt sein kann und ich danke dir.“
„Ich will deinen Dank nicht. Ich habe es nicht nur für dich getan.“

Sie legte den Kopf schief und fragte provokant: „Wirklich nicht?“

„Nein…“

„Doch…Als du dachtest, dass ich nicht bereit war, hast du dich zusammengerissen. Du hast dich mir nie unmoralisch genähert, und nun, da ich dich anflehe zu nehmen was ich zu bieten habe hast du mich erhört. Du hättest warten können.“

Er schüttelte den Kopf.

„Ich bin nur ein Mann Salome und ich hätte es nicht mehr lange ausgehalten dich zu sehen und nicht zu…nun ja…“
„Besitzen?“ Sie sprach das Wort mit all der dunklen Macht die sich darin verbarg.

„Ich will nicht so über dich denken, ich liebe dich, ich verehre dich und ich denke nicht an dich in Begriffen wie „Besitz“.“ Wehrte er schnell ab.

„Aber du hast mich besessen, du hast mich gebrandmarkt, du hast für immer Spuren in meiner Seele und meinem Herzen hinterlassen.“

Er hatte ein schlechtes Gewissen, wusste aber nicht wie er wieder gut machen konnte was er ihr genommen hatte.

„Ich habe dir alles freiwillig gegeben und ich erwarte keine Gegenleistungen.“ Murmelte sie an seiner Wange als sie die quälenden Zweifel und die Gewissensbisse erkannte.

„Ich werde trotzdem das Gefühl nicht los, dass mein Verhalten dir gegenüber falsch und verachtenswert war.

Es ist so schwer Salome, du bist so großzügig, du überrollst mich wie ein Güterzug und ich weiß einfach nicht mehr was ich tun oder sagen kann damit du auch nur den Schatten einer Ahnung bekommst wie tief ich für dich empfinde und wie gerne ich dir die Welt zu Füßen legen würde wenn ich könnte.“

Salome machte eine wahrlich königliche Handbewegung und ich lächelte:

„Ich will die Welt nicht. Ich will dich. Küss mich wie du es immer getan hast, halt mich wie du es stets tust und ich brauche nicht mehr als das.

Ich brauche keine schönen Worte, ich brauche nur deine Stimme.

Ich liebe dich, was bedeutet, dass ich dich liebe wie du bist:

Ein klein wenig schwer von Begriff, stocksteif, unterkühlt und doch leidenschaftlich, freundlich, geduldig, diskret, demütig und gut.

Ich werde nicht von dir verlangen anders zu sein, anders zu sprechen oder zu handeln wie bisher, denn ich habe mich in das verliebt was du bist und es stört mich nicht.

Dein Schweigen wiegt meine unnützen Worte auf.

Lass mich sprechen und halt mich einfach nur.“

Er nahm sie in die Arme und sie legte den Kopf in seine Halsbeuge, küsste diese Stelle, diese Ruhestätte zärtlich, denn sie gehörte ihr allein und Salome würde sie schrecklich vermissen.

„Du wirst immer mein kleines Wunder sein Richard. Wenn du etwas für mich tun willst, dann denk an mich. Denk an mich mit deiner liebevollen Belustigung und mit deiner ehrlichen Angst um mich. Denk daran wie sehr ich dich liebe und wie schmerzlich ich dich vermisse und schöpfe Kraft aus dem Wissen, dass sogar wenn du müde und grantig bist mindestens ein Mensch außer deiner Familie in Liebe und Ergebenheit an dich denkt.“

Richard wusste so sicher, dass er das nicht verdient hatte, dass er seltsam war und dass er ihr kindliches Vertrauen und ihre hemmungslose Liebe nicht verdient hatte und doch wärmte er sich seit geraumer Zeit schon an dieser winzigen Sonne.

„Sehen wir uns morgen?“ Richard sah sie flehend an und sie nickte.

„Natürlich. Jetzt muss ich gehen, sonst bekomme ich noch Hausarrest.“ Grinste sie, küsste ihn zum zweiten Mal zum Abschied und verschwand in einem Wirbel aus Licht und Liebe.

Er saß lange nackt auf dem Bett und drehte ihre Kette zwischen den Fingern bevor er sie sich umhängte und lachend den Kopf schüttelte.

 

Sue sah es sofort, sah, dass Salome sich verändert hatte, dass ihre Haut glühte und dass ihr Mund geschwollen war.

Salome fuhr sich durch das zerzauste Haar und ließ die Untersuchung über sich ergehen, während Sue tief einatmete, sie roch es, spürte es in der Luft und merkte wie ihr eigener Magen sich zusammenzog.

Salomes Augen huschten durch die Küche und blieben auf Robert ruhen, den sie nachdenklich ansah.

Salome liebte ihr neues Leben, aber ihre beste Freundin ging mit einem Mann aus den zu viele wollten und zu wenige bekamen und sie selbst hatte mit einem Mann geschlafen der stets in Gefahr war.

Es wurde Zeit Verantwortung zu übernehmen, dachte Salome stark und spürte wie das Blut ihrer Vorfahren mächtig durch ihren Körper pumpte.

Sie war jetzt eine Frau und sie würde tun was eine Frau tun musste, to have and to hold, dachte sie grimmig lächelnd.

Sue sah die Veränderung und den Stimmungswechsel und wich zurück.

„Salome du hast mit ihm geschlafen.“ Keuchte sie.

„Ich brauche eine Waffe.“ Erwiderte Salome zusammenhangslos und kramte nach ihrem Handy.


Kapitel 69 by MaggyMae
Author's Notes:
Mädchenkram halt?

69.

„Eine Waffe? War es denn so schlimm?“ Sue war entsetzt.

„Was schlimm? Nein, nein, es war genauso wie es hätte sein sollen, aber ich muss…“
Salome tippte auf ihr Handy ein und drehte sich von Sue weg.

„Nein Missy, sag mir jetzt was los ist.“ Befahl Sue, doch Salome schüttelte nur den Kopf und bedeutete der Freundin zu warten.

„Gregori? Ich brauche deine Hilfe.“ Salome sprach schnell und atmete flach.

„Ok, wieso brauchst du meine Hilfe? Hat dein neuer Freund dir wehgetan?“

„Nein natürlich nicht, aber einerseits will ich nicht, dass jemand ihm wehtut und andererseits muss ich mich und Sue beschützen können. Gregori, ich brauche eine Waffe.“

Gregori lachte leise, denn er hatte geahnt, dass Salome dies früher oder später sagen würde.

„Also jetzt mal ganz langsam. Boris kümmert sich schon um deinen Liebling, ich schwöre auf meinen Kopf, dass niemand anrühren wird was du liebst…Hast du mit ihm geschlafen? Du warst ziemlich lange da und Boris sagt du hättest verändert ausgesehen als du rausgekommen bist.“

„Ja, das habe ich aber das tut jetzt nichts zur Sache, kannst du mir helfen oder nicht?“

Gregori sah sich in seinem Hotelzimmer um und sprach:

„Ich kann übermorgen bei dir sein. Was brauchst du?“

Salome hatte gewusst, dass sie sich auf ihren Bruder verlassen konnte, auch wenn sie jetzt verstand, dass er und Boris, Igor und Vlad wahrscheinlich mehr als nur ein paar Freunde waren die fröhlich um die Häuser zogen, denn sie hatte die Jungs immer und überall gesehen und sie konnte sich gut vorstellen, dass sie alle zu einer Art Untergrundorganisation gehörten, wenn nicht sogar zur Mafia.

„Nahkampf, Rettungsschwimmen und eine richtige Waffe.“

„Keine Maschinengewehre, keine Schwerter, keine Flammenwerfer.“ Fuhr ihr Gregori ins Wort und dachte schnell nach.

Seine Schwester war klein, aber sie kannte die grundlegenden Griffe um sich zu verteidigen.

„Ich denke eine Automatic und ein Dolch wären angemessen. Rettungsschwimmen? Ach ja, der Liebling ist ein schlechter Schwimmer. Hmm…ok, ich komme übermorgen vorbei.

Willst du mir sagen wen du genau beschützen möchtest?

Dich? Sue? Deinen Freund? Ihren Freund?

Pattinson muss doch bestimmt bald nach Hause, seine Mutter wird ihn sicher vermissen.“

Salome seufzte, wie hatte sie auch nur eine Sekunde glauben können, dass Gregori sie aus den Augen lassen würde weil sie erwachsen war.

„Gregori, ich will sicher sein, dass wir nicht zum Gefahrenfaktor werden. Und ich will Verantwortung über mein eigenes Leben übernehmen.“

„Bis bald kleine Schwester, arbeite in der Zwischenzeit an der Selbstverteidigung und an deiner Schlagkraft.“

Gregori legte auf, packte seine Koffer und beschloss, dass Moskau genau der richtige Ort war um zu shoppen.

Er wurde allzu bald fündig, der Dolch war ungefähr so lang wie Salomes Unterarm, gut verarbeitet und kunstvoll verziert.

Er kaufte auch eine hauchdünne, winzige Klinge, die Salome sicher an ihrem Oberschenkel oder in ihrer Unterwäsche tragen würde wie die Frauen in Filmen es immer taten.

Nein, es wunderte ihn nicht, dass seine eigentlich so friedfertige Schwester nach Waffen verlangte, denn sie beide teilten heißes Blut, das sich nur zu gerne für Menschen die sie liebten vergoss.

Tatsächlich hatte er sich bereits Sorgen gemacht, denn während Salome Unglück anzog, hatte Sue eine unglaubliche Anziehungskraft auf Männer die nicht gut für sie waren und Gregori gab Salome Recht in der Annahme, dass sie zum Gefahrenfaktor werden könnten.

Männer wie die, für welche die beiden Frauen sich entschieden hatten, konnten es sich nicht erlauben ihre Frauen ungeschützt zu lassen, waren aber selbst kaum fähig sich zu verteidigen.

Salome würde, da war er sich sicher, jeden der es wagte sie oder Sue als Druckmittel auszunutzen oder einen der Männer zu bedrohen, kaltblütig ermorden wenn es sein musste.

Denn das was man allgemein für Weichheit hielt war ein starker Sinn für Gerechtigkeit und Salomes Unfähigkeit natürliche Angst zu verspüren, würde sie an den Rand der Welt treiben wenn es sein musste.

Gregori hatte versprochen Armitage zu schützen und er hatte vor das einzuhalten was er versprach, keiner würde es wagen ihm auch nur ein Barthaar zu krümmen.

Er lächelte grimmig als er an die rosarote Salome dachte, an diesen Racheengel, an diese Schwester die er so verzweifelt liebte und deren törichter Mut sie schon als Kind in Gefahr gebracht hatte.

Salome verspürte Schmerz nur am Rande, das war ihm früh aufgefallen und sie hatte sich kleine Tricks der Kampftechnik schnell angeeignet.

Oh sie war zweifellos angriffslustig und was die meisten nicht wussten war, dass sie auch mit einem Suppentopf einen Menschen zu Brei schlagen konnte, weil sie mit ihrem ganzen Sein in alle Dinge hineinging ohne sich umzusehen.

Gregori würde sie nicht enttäuschen, er würde ihr beibringen wie man einen Mann erstach, wie man einen Mann kastrierte, wie man jemandem alle wichtigen Sehnen schnell und präzise durchtrennte und vor allem würde er sie lehren gut und schnell zu schießen.

Blitzschnell ließ er die Waffen unter seinem Mantel verschwinden und machte sich auf den Weg nach London.

 

„Sag mal hast du den Verstand verloren? Wie soll er die Waffen denn hierher bekommen? Und wir sind hier nicht in den Staaten Salome. Mensch, du kannst doch nicht mit einer Pistole herumlaufen.“

Sue fasste sich an den Kopf und warf Robert einen bedeutungsschwangeren Blick zu.

„Das wird er schon hinkriegen, glaub mir Sue.

Und dann…doch, das kann und werde ich.

Hast du je nachgedacht Sue? Hast du dich je gefragt wie du dich gegen kreischende, eifersüchtige Fans und geldgierige Entführer wehren möchtest?

Du und ich wir sind auf uns allein gestellt, wir sind nicht mehr in Frankreich, hier kennt keiner uns wenn wir spurlos verschwinden bekommt niemand das mit.

Ich werde nicht zulassen, dass jemand dir, mir oder ihnen schadet.“

Salome konnte Sue nicht alles sagen, zum Beispiel konnte sie ihr nicht erklären, dass das hier sehr viel tiefer für sie ging als ihre Freundin ahnen konnte, dass Salome ihren eigenen Mann beschützen müsste wenn es zum Äußersten kam.

„Salome es ist unwahrscheinlich, dass jemand versucht uns zu erpressen.“

„Sue es ist unwahrscheinlich, dass wir in ein Restaurant hineinstolpern und ich mich dabei ernsthaft verletze und von deinen Idolen gerettet werde und doch ist es passiert, also um Gottes Willen…“

Sue nickte langsam, sie wusste wie schnell und wie verbissen Salome sein konnte, hatte gesehen wie sie aufdringliche Verehrer mit ein paar wohlgezielten Schlägen vertrieben und somit Sues Ehre gerettet hatte.

Salome war keine gute Sportlerin, sie war eine schlechte Läuferin und sie konnte einen Ball nur krumm von sich schleudern, aber sie war eine ausdauernde Schwimmerin und außergewöhnlich stark für eine Frau ihrer Größe.

Salome die Schlange, dachte Sue, weil ihre Freundin wenn man ihr zu nahe kam sehr gefährlich werden könnte.

Sue konnte sich in der Tat nichts Gefährlicheres als Salome mit einem Dolch vorstellen und ihr lief es kalt den Rücken runter als sie verstand, dass Salome bereit war jemanden zu töten um Menschen zu retten die sie teilweise kaum kannte, wie Robert.

„Gute Nacht Robert, ich gehe jetzt zu Bett, ich muss morgen früh raus.“ Seufzte die Bäckerin, duldete, dass er ihr einen Kuss auf die Wange hauchte und geleitete ihn zur Tür.

Dann sah sie Salome lange abwartend an und als diese keine Anstalten machte etwas zu sagen, hakte sie unverfroren nach.

„Und? Sag schon, wie war’s?“ grinste Sue errötend über so viel Schamlosigkeit und zerrte Salome in ihr Zimmer, damit sie sie ausquetschen konnte.


Kapitel 70 by MaggyMae

70.

„Nun ja, es war Sex.“ Salome hob die Schultern abwehrend.

„Und? Hat es wehgetan? War es schön?“ Sue glühte vor Aufregung, immerhin hatte sie mit Salome ihre eigene Entjungferung auch stundenlang durchgekaut.

„Ja.“ Sagte Salome genüsslich und leckte sich über die Lippen.

„Du liebst ihn so richtig, nicht wahr?“ Sue war seltsam gerührt diese Liebe in den Augen der so unbedarften Salome zu sehen, die längst nicht mehr so naiv war wie man annehmen konnte.

„Oh ja, sicher doch. Er ist der perfekte Mann und ich werde ihn dir vorstellen.“

Salome beschloss dies wie sie alles beschloss: aus dem Bauch heraus.

„Irgendwann, er muss bald weg und wenn er wiederkommt werde ich ihn dir vorstellen. Oh du wirst ihn lieben, er ist so nett und so schüchtern an sich.“

„Er ist alt, oder?“ Sue kaute an ihrer Unterlippe.

„Oh ja, er ist ziemlich alt denke ich.“ Salome kicherte und warf sich auf den Rücken.

„Natürlich werde ich ihn lieben wenn er dich so glücklich macht.“ Murmelte Sue und küsste Salome auf die Stirn.

„Salome?“- „Hmm?“

„Salome, ich denke wir…es ist alles so anders geworden, oder?“

„Nein Sue, wir sind endlich angekommen und es ist nicht anders, es ist richtig.“

Sue beneidete Salome um ihr Vertrauen und ihren Glauben an die gerechte Sache, denn sie selbst wurde immer noch von Zweifeln aufgefressen.

Was hatte sie sich dabei gedacht?

Sie hatte nicht einmal Robert ihre Nummer gegeben und wie sollte er sie jetzt erreichen?

Würde er sie überhaupt erreichen wollen?

Waren sie nur Freunde oder war da mehr?

Sue war unendlich müde, aber sie wusste, dass sie nicht schlafen könnte, selbst wenn sie sich dazu zwingen würde.

„Mach dir keine Gedanken, er ist ein netter Kerl denke ich und das ist doch nicht so schlimm oder?“

Salome log, spürte sie denn nicht in ihrem eigenen Herzen wie schrecklich schlimm es war einen Mann zu wollen der die ganze Welt bereiste und nie nur ihr allein gehören würde?

Sie vermisste ihn schrecklich, jetzt schon, aber sie wusste auch, dass er wahrscheinlich im Allgemeinen mehr weg war als hier und es brachte sie um zu wissen, dass er ungeschützt irgendwo in der Weltgeschichte gondelte, wenn sie ihn doch so sehr brauchte.

Sie wollte ihn halten, trösten, zum Lachen bringen, sie wollte an seiner Seite sein wenn es einem von ihnen nicht gut ging und sie wollte ihn niemals einsam wissen.

Sie wollte selbst nicht einsam sein, aber niemand konnte das Loch in ihrem Herzen füllen das entstand wenn er nicht da war.

„Doch Salome, weil…er ein verdammter Star ist und ich nur eine Bäckerin. Wie soll das deiner Meinung nach funktionieren? Also es ist ja nicht so als wären wir ein Paar oder als hätte jemand vor diesen Zustand zu ändern, aber…

Es hat keinen Sinn sein Leben an das von anderen Menschen zu hängen, wenn diese Menschen auf einem Bildschirm leben und niemals Zeit für ein normales Leben haben.“
Genau diese Fragen hatte Salome sich nie wirklich gestellt, hatte einfach blauäugig angenommen, dass alles gut werden würde wenn sie es nur genug wollte, aber sie musste zugeben, dass Sues Argumente gut waren.

Salomes Handy klingelte und sie lächelte als sie die Nachricht von dem Kontakt, der im Ernst als „Nachbar“ eingespeichert war, öffnete:

Miss you already.

3 Worte die ihr Herz zum Schlagen brachten.

Nein, Sue irrte sich, man konnte alles schaffen wenn man es nur genug wollte und Salome würde genau das beweisen.

„Sue, kann man das wirklich wählen? Das Herz folgt anderen Kriterien als der Geist und wenn schon, ich denke nicht, dass sein Beruf wirklich eine Rolle spielt.

Ich meine, mich würde das auch nicht glücklich machen, aber wenn er doch der Mann ist den du wirklich willst?“

„Das habe ich nicht gesagt.“ Rief Sue panisch und sprach dann vorwurfsvoll:

„Und wenn dein Nachbar jetzt ein berühmter Schauspieler oder Sänger wäre, was würdest du dann tun? Würdest du ihn mit allen Frauen dieser Welt teilen wollen?“

Salome lächelte nachsichtig als sie erwiderte:
„Mein Nachbar ist mein Freund, mein Liebhaber und der Mann den ich liebe und ja, ich würde ihn seinem Beruf nachgehen lassen und ihn jeden Tag vermissen, aber er kann in dem Fall nichts dafür, dass er gut ist indem was er macht und dass er Menschen glücklich machen kann auch wenn es dich in dem Moment unglücklich macht.“

„Ich hatte fast vergessen, dass du ja zu gut für diese Welt bist.“ Sprach Sue fast verächtlich und entschuldigte sich nahezu sofort dafür.

Salome konnte ja nichts dafür, dass sie sich den Kopf über Dinge zerbrach die zwischenzeitlich nicht einmal von Belang waren, es war ja nicht so als wären Rob und sie wirklich ein Paar.

Salome lächelte wehmütig und dachte bei sich, dass es vielleicht egoistisch von ihr war ihr Geheimnis für sich zu behalten.

„Gute Nacht mein Schatz.“ Wisperte sie, küsste Sue und verdrückte sich in ihr Zimmer wo ihr Schmerz sich seine Bahn brach und sich in heißen Tränen des Unmuts Ausdruck verschaffte.

Kein bisschen müde entschied Salome sich dafür noch einen Eintrag im Blog zu verfassen um ihre Gefühle mit der namenlosen, gesichtslosen, gefühllosen Welt zu teilen.

 

Liebe Leser,

Ich frage mich gerade ob wohl auch Männer unter euch sind, wenn ja, dann erinnert ihr euch sicher an den Moment in dem eure Mutter euch gesagt hat, dass Frauen nur Unglück bringen.

Und ihr habt Mutter geglaubt, weil sie erstens eure Mutter war und zweitens weil sie natürlich selbst eine Frau ist und es wissen sollte.

Nun lasst mich euch sagen, dass ihr auch nicht an jedem Tag das Salz der Erde für uns seid, auch nicht für eure Mutter, glaubt mir das einfach.

Während ihr euer Leben lebt liebe Leser, verändert sich das Meine dauernd, seit ich in London angekommen bin habe ich keine ruhige Minute mehr und gerade jetzt sollte ich mich sehr ruhig verhalten, weil meine Mitbewohnerin schlafen will und muss.

Es hat bei uns angefangen wie bei allen Frauen, mit einem Mann den man für so anders und besonders hält und in der Tat diese Männer sind anders und besonders und auf einmal teilt man die Sorgen aller Frauen dieser Welt.

Ist er sicher? Geht es ihm gut? Denkt er an mich?

Ich bin nicht die Art von Frau die sich Gedanken macht, aber in diesem Moment schlägt mein Herz fast ängstlich in meiner Brust und ich kann euch nicht sagen wie sehr es mich quält zu wissen, dass ich dieser Seuche die man Liebe nennt schlussendlich doch verfallen bin.

PS: Ich werde wieder Schwester. Ich will nur sagen, dass ich einen älteren Bruder und zwei Stiefbrüder habe. Dreimal dürft ihr raten was es wird? Ein Junge.

Damit verabschiede ich mich auch wieder schweren Herzens, mein heutiges Gebet gilt DCT meinem zukünftigen Bruder, einem sehr guten Freund, einem sehr überraschenden Gast und dem Mann den ich wider besseren Wissens mehr liebe als ich es je für möglich gehalten hätte, möge der Herr uns allen gnädig sein und einen Weg finden wie wir glücklich werden können.

 

Salome klappte das Laptop leise zu und starrte an die Decke.

Sie würde ihn morgen sehen und dann für eine sehr lange Zeit nicht mehr und sie musste bis morgen eine Art finden wie sie ihren Schmerz verbergen konnte, weil er nicht wissen sollte, dass es ihr das Herz brach, dass er ging.

Keine Schmerzen verursachen, das hatte sie sich vorgenommen und sie würde nicht zulassen, dass ihre Schwäche ihn von seiner Bestimmung abhielt.

Sie würde es schaffen, sie würde schlafen und morgen eine Maske der Ruhe und der Gleichgültigkeit aufsetzen, nahm sie sich fest vor.

Und dann hörte sie wie etwas gegen ihr Fenster prallte.

Als sie aufstand zerschellte die Scheibe und ein dicker Stein traf sie an der Schulter.


 

Kapitel 71 by MaggyMae

71.

Salome wimmerte leise und sah aus dem Fenster.

„Sag mal spinnst du?“ zischte sie und sah auf das zerknirschte Gesicht ihres strahlenden Helden herab.

„Es tut mir leid.“ Wisperte er und der Nachtwind trug seine Worte zu ihr herauf.

„Komm rauf.“ Murmelte sie und hoffte er würde sich dabei ruhiger anstellen.

Sue stand neben ihrem Fenster und linste heraus, alles was sie sehen konnte war der Schatten eines großen Mannes neben der kleinen Hecke und sie lächelte sanft.

Das war also der Nachbar, der sie irgendwie entfernt an jemanden erinnerte den sie gekannt hatte oder gesehen, aber sie war zu erschöpft um sich erinnern zu können.

Müde und erschlagen kehrte Sue in ihr Bett zurück und kuschelte sich in die Decke, das hier war jetzt ihr Zimmer, ihre Fotos standen auf dem Nachttisch und ihr kleines Kuscheltier lag neben ihr auf dem blütenweißen Kissen.

Seltsam, das Zimmer war voll Staub und abgestandener Luft gewesen als sie hier eingezogen war und doch hatte sie einen funkelnden Knopf auf dem Bett gefunden.

Auch im Wohnzimmer hatte sie beim Putzen eine Socke gefunden die definitiv nicht Salome gehörte und ein Gesellschaftsspiel lag unter dem Sofa.

Sie wusste durch ihre Telefonate mit Salome, dass diese öfters Besuch gehabt hatte, aber sie verstand nicht wieso der Besuch offensichtlich nicht aufräumen konnte.

Sue kannte die Spuren die Männer hinterließen und sie fragte sich automatisch wer diese Männer waren die hier ein und aus gegangen waren und sich nach ihrer Ankunft nie wieder hatten blicken lassen.

Natürlich konnte Sue nicht wissen, dass der Knopf dem Mann gehörte mit dem sie den Abend verbracht hatte und die Socke einem der andern beiden, die sie jeden Tag auf der Mattscheibe bewunderte.

 

Richard hätte sich ohrfeigen können, er hatte ihr Fenster zerstört.

Wieso klappten solche Dinge offensichtlich wirklich nur in Filmen und nie im realen Leben?

Schockiert von seiner eigenen Dummheit, schlich er die Treppe hoch und sah sich Salome gegenüber, welche blass und wunderschön im Flur stand.

Blut tröpfelte an ihrem Arm herab, doch als er die Hand hob um sie zu verarzten, schüttelte sie den Kopf und zeigte auf ihre Schlafzimmertür.

„Sue ist wach, ich werde nach ihr sehen.“ Wisperte sie halblaut und legte den Finger an die Lippen.

„Sie würde deine Stimme erkennen.“ Formte sie mit den Lippen und er glitt in ihr Schlafzimmer, wo John auf ihrem Bett thronte wie ein König und lediglich den Schwanz einige Mal auf die Decke niedersausen ließ um ihn zu begrüßen.

Also legte sich Richard auf den freien Platz und streichelte den Hund.

Er hatte sie noch einmal sehen wollen, er hatte keine Ruhe bei sich gefunden ohne sie und er so war er hergekommen, während Robert es sich auf seiner Couch bequem gemacht hatte.

Der Junge war zweifellos ein Obdachloser, oder aber eine einsame Seele wie er auch.

Jetzt da er Salome ein wenig besser kannte, fand er sie überraschend und faszinierend.

Das brachte eine andere Idee in den Vordergrund seiner Gedanken, Richard konnte sich nicht vorstellen was Salome mit einer Waffe wollte.

Außerdem fühlte er sich in letzter Zeit dauernd beobachtet, aber wenn es die Presse wäre, dann hätten sie doch schon lange von seiner Affäre mit Salome berichtet, oder war er ihnen nicht wichtig genug?

Vielleicht brauchte Salome ja doch eine Waffe.

Die Frau würde ihn noch um den Verstand bringen, dachte er und schmiegte sich in ihren warmen Duft hinein.

Gott, wie sehr er sie liebte und wie traurig es ihn stimmte zu wissen, dass nun da er sie endlich für sich erobert hatte er sie alleine lassen müsste um einen Zwerg, nota bene, einen Zwerg zu spielen.

Er breitete die Arme aus und döste leicht ein.

 

„Dein Nachbar ist da und du blutest schon wieder.“
Sue saß aufrecht im Bett als die Tür sich öffnete.

„Ich weiß.“ Salome wischte sich mit der flachen Hand über den blutenden Arm und schüttelte den Kopf als wäre die Verletzung nur eine lästige Fliege.

„Was machst du dann hier wenn der Mann den du liebst im Nebenzimmer ist?“

Sue sah ihre Freundin nachsichtig an als deren Blick zur Tür huschte.

„Ich wollte nach dir sehen und dir versichern, dass es mir gut geht. Willst du ein Wiegenlied?“

Sues Augen begannen zu glänzen.

„Ja, sing mir das Tigerlied.“

Salome dachte lächelnd daran, wie dieses Lied ihr vor Kurzem noch eingefallen war.

Nicht das beste Lied für junge Liebe, dachte sie weiter, immerhin erzählte es die Geschichte von Fantine die schwanger und mittellos von ihrem Liebhaber zurückgelassen wurde und davon wie all ihre Träume sich in Luft aufgelöst hatten, aber Sue mochte das Lied und so setzte sich Salome auf die Bettkante und strich ihrer Freundin zärtlich übers Haar.

Leise begann sie zu singen, dass sie einst Träume gehabt hatte, aber das war gelogen, denn alle ihre Träume hatten mit dem Mann im angrenzenden Raum angefangen.

Aber Salome sang, sang darüber wie all ihre Illusionen zerschlagen worden waren.

Und Sue trieb in das Land der Träume über, gewiegt von der goldenen Stimme die Salome versteckte als wäre sie eine Schande.

Sue hatte Salomes Stimme immer geliebt und sie hätte ihr eine Karriere auf den größten Bühnen der Welt gegönnt, aber Salome hatte es vorgezogen ein normales Leben zu führen mit ihren Zeichnungen und ihrer scharfen Zunge.

Und da Sue lächelte, sang Salome ihr auch noch Fantine’s Death, darüber wie Fantine ihrem weit entfernten Kind ein Wiegenlied sang.

„Gute Nacht mein Engel.“ Wisperte Salome und küsste Sues goldenes Haar.

 

Richard riss die Augen auf.

Gott, sie hatte eine wunderbare Stimme, die Stimme eines Engels, eine Stimme die so tief in seinen Leib eindrang, dass etwas sich in ihm rührte, eine Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten und er musste lächeln.

Salome hatte sich gegen ihre Stimme entschieden, aber er ihm war bewusst, dass er ein enormes Privileg hier genoss.

Sie sang um eine Freundin zu beruhigen und sie sang so fantastisch, dass sie ihn damit vom Schlafen abhielt.

Wie viele verborgene Talente konnte eine Frau denn haben?

Vielleicht war sein Urteilsvermögen aber auch nur durch seine neu entdeckte Liebe zu ihr getrübt, eigentlich hatte er sie immer geliebt aber er hatte es nicht…bemerkt.

Salome war so offen, sie verlangte so wenig, dass er von Schuldbewusstsein zu Belustigung und von Belustigung zu Zuneigung geglitten war ohne es zu merken.

Sie hatte ihn einfach nach und nach gezähmt, die Hand stets offen und niemals drohend oder ungeduldig, sie hätte ewig so weiter gemacht, ihre Liebe wie ein Geschenk, wie ein Bett auf dem er sich ausruhen und wie ein Fluss an dem er seinen Durst stillen konnte.

Er fühlte sich gleichzeitig wie ein Schuft und wie ein Glückspilz, denn er hatte nicht verdient, dass eine Frau ihre Wünsche hintenan stellte weil er ein feiges Huhn war und doch hatte sie ihm stets angeboten was er wollte und brauchte ohne je auch nur die geringste Gegenleistung zu erwarten.

Die Tür öffnete sich und da stand sie, in Mondlicht getaucht und wie aus Elfenbein geschnitzt, lächelnd und fröhlich wie immer.

„Ich habe drei Dinge zu sagen.“ Begann er bevor er sich in ihren Augen verlor.

„Ja mein Süßer?“

„Erstens: Oh mein Gott, ich liebe dich bis zur Besinnungslosigkeit.

Zweitens: Du singst wie ein Engel.

Drittens: Was zum Henker willst du mit einer Waffe?“

„Rob du elende Petze.“ Fluchte sie und warf sich zwischen ihn und den Hund.


 

Kapitel 72 by MaggyMae
Author's Notes:
Die Wahrheit über Salomes Vergangenheit

72.

Salome sah ihn sehr ernst an und stellte dann komplett belanglos fest:

„Du hast so einen dummen Namen an sich. Ich habe vor Kurzem einen Post über dich im Internet gelesen der sich mit eventuellen Spitznamen beschäftigt, aber weder Richie, das erinnert mich an einen Pseudo-Superhelden mit Sprachstörungen, noch Dick, du weißt an was das mich erinnert, gefallen mir sonderlich.“

Er blinzelte, was hatte sein Name mit Waffen zu tun.

„Donc, tu disais Richard?“ Sie sprach seinen Namen mit einem harten Zischlaut und einem schmelzenden A aus.

„Ah ja die Waffe. Nun, ich liebe dich und ich liebe Sue und Sue liebt Robert, aber das weiß sie noch nicht. Auf mich kann ich aufpassen, aber ich kann euch nicht alle beschützen ohne die angemessene Ausrüstung.“
Richard wusste nicht ob er lachen oder weinen sollte, hatte Salome sich je genauer betrachtet?

Sie war winzig, weich und…nein, harmlos war sie nicht, sie hatte mehrmals versucht ihn anzugreifen und er erinnerte sich lebhaft an das Feuer in ihren Augen.

Aber wieso sollte sie ihn beschützen? War das nicht seine Rolle? War er denn nicht der Mann hier in dieser Beziehung?

„Deine Überlegung ist falsch, du bist sehr groß, du bist imposanter als ich und du siehst nicht aus wie die Person mit der man sich prügeln möchte…ABER, das bedeutet einen Mangel an Erfahrung.“

Er wollte ihr nicht so recht glauben.

„Ok zeig mir wie du dich gegen einen Mann meiner Statur wehren willst.“ Rief er leise und stand auf.

 

Als er nach ihr greifen wollte ließ sie sich lautlos zu Boden sinken und täuschte einen festen Tritt in sein Knie an.

„Du fällst.“ Wies sie an, er ging langsam in die Knie.

Sie täuschte einen Kick in den Kehlkopf an, sprang behände auf, drückte ihn auf den Boden und wisperte.

„Das kommt wahnsinnig gut auf einer Wiese, wo der Schlamm einem in den Mund sprudelt. Aber auf Asphalt ist auch schön. Dann kann ich den Parmesantrick machen.“

Er gab ein fragendes Grunzen von sich während sie sein Gesicht nur einen Haarspalt breit über dem Parkett schweben ließ.

Kichernd bewegte sie sein Gesicht in hobelnden Bewegungen über den Boden, ohne dass es je zu tatsächlichem Kontakt kam.

„Wenn ich jetzt aufspringe, kann ich dir die Arme, das Rückgrat oder das Genick brechen.“ Knurrte sie an seinem Ohr und er wimmerte leise um ihr zu verstehen zu geben, dass er ihr glaubte.

„Wo hast du das gelernt und wie oft hast du das getan?“ fragte er als er sich auf der Bettkante niederließ und tief durchatmete.

„Ich habe 2 Stiefbrüder die mich hassen.“ Sie lächelte.

„Ich habe meistens auf ihre Schienbeine gezielt und in den Magen getreten um sie dann mit dem Gesicht durch ihr eigenes Erbrochenes zu ziehen.“

Sie sprach so sachlich, dass man fast vergessen konnte, dass sie über rohe Gewalt sprach.

„Du bist echt gefährlich, ich bin froh, dass du mich nie wirklich angefallen hast.“

„Ich auch, denn dann wärst du vielleicht schon tot.“ Da war kein Humor in ihrer Stimme, sondern nur eine ernste Verkündung einer Tatsache.

„Ich habe Matthias, meinem ältesten Stiefbruder mal die Hand gebrochen.“

Gab sie dann leise zu.

„Wie das denn?“ Er war sich nicht sicher ob er das wirklich hören wollte, aber er definitiv wollte er mehr über sie erfahren.

„Er wollte mir eine reinhauen, also bin ich seiner Faust mit Meiner begegnet…NUR…ich hatte ein Bügeleisen in der Hand.“

„Aber…“

„Du hast einen Bruder? Er mag dich sicher, wer würde dich schon nicht mögen, aber hey, ich bin klein, ich war das einzige Mädchen und mein Bruder hat mich ein wenig zu sehr geliebt, was bedeutet, dass ich den ganzen Hass meiner Stiefbrüder abbekam.

Es hat mich früh gelehrt wie man sich wehrt.

Matthias hat mir einmal eine tote Maus ins Bett gelegt, ich habe den Kaktus meiner Mutter 20 Minuten lang in seinem Bett hin und her gerollt.

Er hat mich an den Haaren gezogen, ich habe ihm rosa Einhorntapete auf den Kopf geklebt.

Er trug damals einen feschen Bürstenschnitt, danach trug er eine fesche Glatze, weil Sekundenkleber und Rache hartnäckig sind.“

 

Richard betrachtete sie mit ganz neuen Augen.

Man hatte sie also geschlagen und unterdrückt und deshalb konnte sie sich heute so gut auf Situationen einstellen und war bereit jeden Schatten anzugreifen.

„Ich wünschte ich könnte dir die Angst nehmen.“ Wisperte er zärtlich.

„Ich habe keine Angst um mich, ich habe Angst um dich. Zu viel ist gewusst, zu viele Menschen verlieren heute den Verstand und wollen sich aneignen was ihnen nicht zusteht. Sues Schönheit, dein Geld, Roberts Ruhm.

In meinem Herzen lauert die Angst, dass jemand verletzen könnte was ich liebe und ich habe zu lange mit Gregori gelebt als dass ich nicht wüsste was meine Pflicht ist.

Er hat ein Leben lang seine Hand über mich gehalten und ich werde dasselbe für euch tun.“
Sie sah ihn sehr ernst an, denn sie spürte die Gefahr in ihrem Nacken, spürte, dass ihre Angst nicht unbegründet war.

„Halte dich vom Wasser fern.“ Murmelte sie.

„Sowieso.“ Er lachte nervös.

„Nein, tu es wirklich…Die Angst ist unser Käfig und Menschen spielen mit dieser Angst weil sie die einzige Art ist uns zu brechen.“

Salome sprach ihre tiefsten Gefühle aus, sie klammerte sich an seinen Hals als wolle sie ihn jetzt schon retten vor einer Gefahr die erst geboren werden musste.

„Salome, du machst mir Angst, was ist los?“

Richard wurde nervös, er hatte sie noch nie so angespannt gesehen, so furchtsam.

„Du bedeutest mir viel, du bedeutest mir alles und ich fürchte, nein, ich weiß, dass jemand dir schaden möchte.

Pass auf dich auf, wo immer du auch hingehst.

Halte dich von tiefen Wassern fern.

Beobachte die Schatten, denn…

Wenn du nicht wiederkommst, dann werde ich dich holen, wenn es sein muss auch aus dem Paradies oder der Unterwelt.“

Er konnte nicht glauben, dass jemand ihm etwas Böses wollte, aber er glaubte ihr und er sah die ehrliche Angst in ihren Augen.

Was sah sie was er nicht sah?

„Aber könntest du einen Menschen töten?“ Die Frage lastete ihm schwer auf der Seele.

„Ich bin Russin, ich bin Französin, also ja, um dich oder einen der Meinen zu schützen, würde ich einen Menschen erschießen, erstechen oder vergiften.“

„Aber du musst mich…also…ich kann auf mich selbst aufpassen. Du bist doch dauernd verletzt.“

Ihre Worte kamen ihm unlogisch vor, doch sie sah ihn lächelnd an.

„Mut wird mit Blut bezahlt mein Schatz. Nun schlaf und mach dir keine Gedanken.“
Sie sang auch ihn in den Schlaf, während ihre Augen brannten unter der Last der Tränen die sie nicht weinen wollte.

Er würde gehen und einer unbekannten Gefahr ins Auge sehen und sie konnte nur hoffen, dass sie da sein würde wenn der Moment gekommen war in dem sie für alles Wahre und Gute einstehen müsste.

Sie flehte alle Götter der Weltreligionen an ihre wohlwollende Hand über jene zu halten die sie liebte, aber die Stille der Nacht verhöhnte sie.

Am nächsten Morgen wachte sie erschlagen und unglücklich auf, erhob sich mühsam und setzte Kaffee auf.

Als sie seine große Gestalt in der Tür sah, blieb ihr Herz stehen.

Kapitel 73 by MaggyMae
Author's Notes:
Abschiede tun weh

73.

Richard wachte auf und merkte, dass sie weg war.
Er stolperte die Treppen hinab und fand sie in der Küche.

Ein Stich in der Herzgegend sagte ihm, dass er sie immer so sehen wollte, die Haare zerzaust an der Anrichte gelehnt, leise summend, während das Morgenlicht sie vergoldete.

Er wollte sie an seiner Seite wissen und es ihm graute vor den langen Nächten in einem fremden Land wo sie sich nicht um ihn kümmern würde.

Natürlich war es fast schon frauenfeindlich es so zu genießen, dass sie morgens aufstand um ihm Kaffee zu machen, um ihn zu verwöhnen, aber er würde es ihr tausendfach vergelten.

In diesem Moment wollte er sie mit Gold, Silber und Geschmeiden überschütten, er wollte Frieden zu ihren Füßen finden und sein Herz auf dem Altar ihrer Güte opfern.

Sie drehte sich um und lächelte ihn mit einer solchen ergebenen Wärme an, dass er automatisch auch lächelte.

„Willst du Kaffee? Sue hat Brötchen und Gebäck von gestern dagelassen.“

Sie goss ihm Kaffee aus und strich mit der Hand fast mütterlich über seinen Kopf.

„Oh ich wünschte du würdest das nicht tun.“
„Was denn?“ Sie sah überrascht auf als sie die Brötchen aus dem Ofen holte die sie aufgebacken hatte, natürlich streng den Notizen folgend die Sue hinterlassen hatte.

„So unglaublich süß und liebevoll sein. Ich sehe schon kommen, dass meine Arbeitskollegen dich anrufen müssen, weil ich vor Heimweh heulend in meinem Zimmer hocke.“

Er lächelte spöttisch, aber ein Teil von ihm wusste, dass er der Wahrheit gar nicht so fern war.

„Nicht doch Schatz. Du bist mein Freund, erinnere dich daran, und ich habe jedes Recht dich zu verwöhnen. Ich liebe dich und will, dass es dir gut geht.“

Er lächelte wehmütig und stand auf um sie zu küssen.

Oh hier war eine Frau die keinen Gedanken daran verschwendete ob sie in ihrem Trainingsanzug sexy aussah oder ob ihr Haar gut saß, sondern die einfach nur in seinen Armen schmolz und ihn mit ihrer Liebe überhäufte.

 

Sie ging mit ihm rüber, half ihm seine Koffer zu packen und ließ sich soweit es ging nichts von all diesem Schmerz anmerken, den sie tief in sich vergrub.

Als der Moment des Abschieds nahte, riss sie sich zum tausendsten Mal an diesem Nachmittag zusammen.

„Ich mach mich jetzt auf den Weg. Ich melde mich.“

Er ließ den Koffer fallen, drückte ihr seinen Hausschlüssel in die Hand und lächelte sie traurig an.

„Ich…komme bald zurück.“ Versprach er und sah all die Tränen die sie zurückdrängte in ihren Augen leuchten wie ein Mitternachstsee.

„Ja.“ Sprach sie mit erstickter Stimme, begleitete ihn bis vor die Tür.

„Ich liebe dich. Vergiss das nicht Liebste.“

Wie könnte sie das vergessen?

„Hast du alles?“ fragte sie scheinbar distanziert.

„Ich denke schon, außer dem Wichtigsten habe ich alles eingepackt.“

„Hast du deinen Ausweis? Pass? Papiere? Medikamente? Socken? Unterwäsche? Verhütung?“

„Ja, und Verhütung brauche ich keine, da du hier bleibst.“

„Man weiß ja nie.“

Sie schämte sich ihrer niederen, dreckigen Eifersucht, aber er war zu schön um allein zu bleiben in den langen Stunden der Nacht.

„Nein, das weiß ich ganz sicher. Wenn du kommen solltest, was ich nicht annehme, dann bringst du einfach was mit, ja?“
Er nahm sie in die Arme und küsste sie lange, aufreibend, aufreizend und verzweifelt.

„Du bist die Einzige die jetzt noch von Bedeutung ist und ich vermisse dich jetzt schon so sehr, dass es mir den Atem verschlägt.

Versprich mir nicht eine Sekunde lang an meiner Liebe zu dir zu zweifeln.

Oder hast du vor mir untreu zu werden?“

Salome lachte humorlos auf.

„Mit wem wenn ich fragen darf? Es ist nicht so als würden mir die Männer jetzt auf einmal die Bude einrennen Liebling.“

„Man weiß ja nie.“ Er lächelte, doch insgeheim machten ihre Worte ihm Sorgen.

Er wollte sie nicht verlieren und auch ihn machte es nervös sie hier zu lassen.

Einen abwesenden Freund vergisst man leicht, das wusste er aus Erfahrung.

 

„Aber Richard, wenn du jetzt in den Wagen steigst, dann nimmst du die Hälfte meines Herzens und die meine ganze Liebe mit dir.

Es gibt niemanden der mich das vergessen lassen könnte und ich werde mich jede Sekunde nach dir sehnen.
Sei dir meiner Treue sicher.“

Erleichtert küsste er sie erneut, wollte sie gar nicht mehr loslassen, wollte sie nicht gehen lassen.

Es gab so viel was er ihr sagen wollte, aber er wusste nicht wie.

„Sei ein guter Zwerg.“ Spottete sie leise und er sah sie grimmig an.

„Du findest das wohl sehr lustig.“

„Ja, ich als geborene Zwergin, finde das sehr lustig.“ Stimmte sie ihm zu und kicherte.

„Pass auf dich auf.“ Sprachen sie dann wie aus einem Mund und lachten.

Salome hielt sich an ihrer inneren Stärke fest, spürte aber wie die Wand die sie um dieses Meer der Verzweiflung gebaut hatte bröckelte, bald würden alle Dämme brechen und er würde das ganze Ausmaß ihrer weiblichen Angst und Schwäche erkennen.

Sie hielt die Luft an, weil sie befürchtete sonst laut schreien zu müssen.

Das Taxi kam an, ein letzter Kuss, ein paar gemurmelte Worte.

„Nein.“ Wollte sie weinen, sie wollte mehr, sie wollte dass das hier weiterging und sie hasste seine Arbeit in diesem Moment.

Alles was sie Sue gesagt hatte entpuppte sich als Illusion, denn ja, es zerriss sie ihn gehen zu sehen und sie wäre fast zusammengebrochen.

Aber sie wollte nicht, dass er sie erneut so sah, wollte ihm nicht als Bild des Abschieds eine gebrochene Frau zeigen, die nicht fähig war ohne ihn zu leben und so riss sie sich ein letztes Mal zusammen.

Das verzweifelte Aufbäumen ihres Willens streckte ihre Wirbelsäule und sie sah ihm stolz und wehmütig nach als das Taxi davonfuhr.

Sofort spürte Richard wie die Kälte Londons mit eisigen Fingern nach ihm griff, wie die Nebelschwaden durch jede Ritze drangen und sein Herz wie einen nassen Lumpenhaufen erzittern ließen.

Das war also die Welt ohne sie: nass, grau und kalt.

Er hatte sich nie für außergewöhnlich mutig gehalten, aber er hätte jeden Moment der Angst noch einmal durchleben wollen wenn er nur zurück zu ihr könnte, jetzt.

Er fühlte sich tatsächlich wie ein Kind das man gegen seinen eigenen Willen ins Ferienlager gesteckt hatte und das jetzt vor Heimweh und Sehnsucht weinen mochte.

Gebrochen schleppte er sich in den Flughafen hinein und fragte sich was sie wohl tun mochte oder an was sie dachte.

 

Salome zerrte ihre schweren Füße über den Bürgersteig.

Ihre Kraft war aufgebraucht und sie fühlte sich hohl und wund.

Jeder Schritt löste ein Erdbeben in ihrem Herzen aus und es war ihr als müsste sie zerbrechen wie eine Skulptur aus Glas und Eis wenn sie nicht bald ankam.

Vor der Tür kauerte Sue, die Augen weit aufgerissen und frierend.

„Was machst du hier?“ murmelte Salome mit brüchiger Stimme.

„Ich…keine Ahnung, mein Schlüssel liegt drinnen.“ Wisperte Sue und sah Salome aufmerksam an.

Und dann brach etwas in Salome als sie das Mitleid in den Augen der Freundin erkannte.

Kraftlos ließ sie sich auf den Boden fallen, rollte sich zusammen und begann laut und schluchzend zu weinen.

Kapitel 74 by MaggyMae

74.

Sue war komplett schockiert, aber sie erwachte aus ihren eigenen Tagträumen und schleppte die heulende Salome mehr schlecht als recht ins Haus, denn ihr Schlüssel war wo er hingehörte.

Ok, das war also der Moment der Würdelosigkeit, der Moment in dem sie nur Frauen waren die um zerbrochene Träume weinten und so sank sie neben Salome auf die Couch und brach ebenfalls in Tränen aus.

Wieso musste das alles nur so schrecklich kompliziert sein?

Warum konnte er nicht Metzger sein, denn dann hätten sie das Abendessen schon zusammen?

Wieso musste der geheimnisvolle Übernachtungsgast gehen?

Sue stellte sich so viele Fragen, fand aber beim besten Willen keine Antworten darauf.

Männer brachten eigentlich immer nur Unglück dachte sie bitter und biss sich fest auf die Lippe, aber waren Salome und sie wirklich die Art Frauen die sich davon unterkriegen ließen?

Wie alle Menschen hatten sie das Recht unglücklich zu sein und zu weinen wenn ihnen das Herz brach, aber Sue wusste, dass sie sich eigentlich nur reinigten.

Sie brachte Salome in ihr Bett und schob sich neben sie, die Wangen tränennass, aber der Mund entschlossen.

„Wie lange wird er weg sein?“

„Viele Monate.“ Schluchzte Salome, ohne wirklich zu wissen ob das stimmte.

„Weit weg?“

Salome nickte niedergeschlagen.

„Dann denk an die großen Vögel aus Stahl, die dich dorthin bringen wo deine Träume beginnen.“

 

Am nächsten Tag kam Gregori an und sah Salomes verweinte Augen mit grimmiger Miene.

„Bist du ein Baby oder bist du meine Schwester?“ fragte er hart und sie schob das Kinn vor wie sie es immer getan hatte.

„Ich bin ein Kämpfer. Bilde mich aus.“ Knurrte sie und so schob er sie in seinen Wagen.

In einem Schwimmbad wartete Vlad schon auf sie, riesengroß und so breit wie ein Schrank.

„NA dann los. Wehr dich.“ Rief Gregori und schubste Salome mit ihren ganzen Kleidern ins Wasser.

Salome kämpfte sich an die Oberfläche und schnappte nach Luft, doch da stürzte Vlad sich schon auf sie und rang sie wieder nieder.

Zufrieden grinsend sah Gregori zu wie seine Schwester um Vlad herumschwamm und ihn fest an den Hosenbeinen zog, wie sie seinen Kopf zwischen ihre Beine klemmte und so an die Oberfläche konnte ohne die Kontrolle zu verlieren und wie sie ihn kniff und an seinen Ohren zog anstatt gegen den Wasserwiederstand zu kämpfen.

Salome war immer eine gute Schwimmerin gewesen und ihre Ausbildung als Sängerin gab ihr das Vermögen mit ihrem Atem trotz Anstrengung sparsam umzugehen.

Aber Vlad war auch nicht dumm und so hörte er auf zu strampeln und ließ sich langsam sinken, Salome mit sich reißend.

Jeder der Gregori und Salome nicht kannte hätte denken mögen, dass es grausam war seine eigene kleine Schwester solchen Gefahren auszusetzen, aber Gregori wusste, dass Salome es versuchen wollte, dass sie die Anstrengung in ihren Armen und den Sauerstoffmangel in ihren Lungen wirklich spüren wollte.

Grinsend merkte Gregori wie Salome den Druck ihrer Schenkel auf Vlads Schläfen erhöhte, mit den Fingern Druck auf seine Augen andeutete und als er sie Hände hob um an ihren Beinen zu zerren, deutete sie an seine Finger zu brechen.

Gregori steckte die Hand ins Wasser und wedelte leicht.

Sofort ließ Salome los und kam hoch.

„Verdammt Greg. Das ist die kleine Salome? Wo hat sie diese schmutzigen Tricks nur her?“

Vlad fuhr sich erschüttert über die kurzen, farblosen Haare und sah Salome bewundernd an.

„Sie gehört der Blutlinie an, die im Ruf steht die Zarenfamilie um den Thron gebracht zu haben.“

Gregori klopfte seiner Schwester lobend auf die Schulter und sagte dann zu seinem Freund:

„Salome war ihr Leben lang klein und unterlegen, sie hat früh gelernt klüger und gemeiner als die Andern zu sein und wie du siehst hat sie nichts von dem was ich beigebracht habe vergessen.“
Stolz schwellte seine Brust und er musste über Vlad lachen, denn sein alter Freund dachte wie viele starke Männer, dass einer Frau, einer Mutter, einer Schwester nicht erlaubt sein dürfte sich in Gefahr zu bringen oder die Kampfkunst zu erlernen oder gar auszuüben.

Vladimir kannte Salome schon ihr ganzes Leben lang, sie war der Kronjuwel seines Freundes und Gebieters Gregori und Vlad hatte von Anfang an gewusst, dass Salome wertvoll war und dass es galt sie zu beschützen.

Als er jetzt aber die wachen, funkelnden Augen sah und die nassen Locken die sich um ihr wundervolles Gesicht mit den vollen Lippen und den süßen Wangen ringelten, musste er nicht ohne Unmut erkennen, dass Salome keine Männer brauchte um sich zu wehren.

Sie war wirklich durch und durch die Schwester Gregoris, sie hatte den gleichen Mut und die gleiche Durchsetzungskraft und wer sie nicht kannte seit sie ein Kind war, wusste nicht wie weit sie gehen konnte.

Salome benahm sich einfach nicht wie die Prinzessin die sie war.

Ehrt eure Mutter, eure Schwestern und eure Ehefrau, so lautete eine der Regeln des Kodex dem er sich verschrieben hatte, aber schon als kleines Mädchen war Salome wagemutig und listig gewesen, wo sie mit Muskelkraft nur mühsam angelangten, da wartete sie schon mit ihrem spöttischen Lächeln und fast hätte Vlad das vergessen.

Salome war eine Frau geworden und was für eine Frau, dachte er lächelnd und nickte Gregori zu als dieser ihn fragend ansah.

 

„So…Rettungsschwimmen meine Liebe?“

Salome nickte verbissen, auch wenn ihre Arme brannten und ihre Beine zitterten.

„Vlad wiegt ungefähr 100 bis 120 kg, er ist gute 20 cm größer als du und viel breiter.

Sagen wir jetzt mal er hat Angst vor dem Wasser und wie alle Menschen die kurz vorm Ertrinken stehen wird er sich wehren und dich daran hindern ihn zu retten.

Schaffst du es ihn eine Länge lang zu schleppen ohne ihn zu töten?“

Gregori benutzte absichtlich den herausfordernden Ton seiner Kindheit und sah wie Salome stur nickte.

Er erklärte ihr kurz wo ihre Arme hingehörten und schon ging es los.

Vlad strampelte was das Zeug hielt, schrie und wehrte sich wie angekündigt.

Salome glitt mit ihrem Unterkörper tiefer, versuchte sich und den Mann über Wasser zu halten, doch die Teile die nicht aus dem Wasser ragten waren unglaublich schwer.

Sie umklammerte die Arme und die Brust des Opfers fester, zog ihn näher an sich heran und beruhigte ihn mit sanften Worten, die leider nur keuchend aus ihrem Mund kamen.

Und dann war sie mitten drin, sie vergaß, dass das hier nur eine Übung war.

Er hatte Angst und er hatte Wasser geschluckt, nur das Adrenalin hielt ihn bei Bewusstsein und sie musste schneller sein als die Furcht.

Ihre Beine paddelten schnell und rhythmisch, denn allein der richtige Augenblick bestimmte die perfekte Balance von Kraft und Physik.

Salome atmete laut, bat Vlad ihren Rhythmus nachzuahmen und hob ihn etwas höher, damit keine etwaigen Wellen seine Angst schüren könnten.

Das Wasser schlug ihr ins Gesicht, sie kam an der Wand an, drehte sich um und strampelte zurück.

Sie musste es schaffen, das Wasser war zu kalt und sie spürte den Lockruf der Tiefe, sie musste ihn sicher an Land bringen.

Vlad beruhigte sich etwas, arbeitete spärlich mit und sie lehnte sich weiter zurück, glitt nun schnell und glatt durch das Wasser.

„Salome. SALOME!“

Jemand riss sie aus dem Wasser und legte sich auf den Rücken.

Dunkelblaue Augen schwebten über ihr wie Sterne als sie ihr jämmerliches Keuchen hörte.

Vlad kniete neben ihr.

„Was ist los?“ fragte er dümmlich.

„Salome? Salome?“ Gregori klang beunruhigt und dann zu Vlad: „Er kann kaum schwimmen.“


 

Kapitel 75 by MaggyMae

75.

„Was? Wer?“ Vlad sah wie Salome sich aufrichtete und Gregori heftig schubste.

Gregori murmelte etwas das wie „Muusch“ klang.

„Er ist nicht mein Mann. N’ose même pas.“ Giftete Salome und Vlad wich zurück.

Da war also ein Mann im Spiel, das erklärte alles, er hatte gespürt wie Salome in diese Trance gefallen war die sie schon die höchsten Bäume hinauf und die tiefsten Täler hinuntergetrieben hatte.

Er fürchtete sich ein wenig vor der Konzentration die Gregori zum Leader ausgewählt hatte und seine Schwester zu einer gefährlichen Frau machte.

Ihre Bewegungen waren koordiniert gewesen und er hatte ihr gehorcht, weil ihre Stimme so beruhigend gewesen war und ihr Handeln so sicher und zielstrebig, dass er sich tatsächlich wie ein Paket durchs Wasser hatte schleppen lassen.

Vlad war ein ergebener Diener, war als ein solcher geboren worden und er kannte seinen Platz in der Welt und er hatte auch in diesen Minuten gespürt, dass der Mensch der bei ihm war von einer Macht Gebrauch machte die er nicht kannte und niemals beherrschen würde.

Er hatte kaum mitbekommen, dass Salome ihn auch noch zurückschleppte, so mühelos hatten ihre Bewegungen sich angefühlt.

Doch jetzt, wo er sie so sah, pitschnass auf dem Boden ausgestreckt, fiel ihm plötzlich auf, dass er auf einer winzigen Frau geruht hatte wie auf einer Yacht.

Gott, sie war kaum größer als ein Kind und so jämmerlich schmal im Vergleich zu ihm, dass er fast ein schlechtes Gewissen hatte.

„Es tut mir leid Salome.“ Murmelte er, aber sie sah ihn streng an.

„Mir geht es gut.“ Meinte sie brummig und erhob sich tropfend.

Sie wandte sich zum Gehen, doch etwas das wie „Sistra“ klang, hielt sie zurück.

Sie kannte die Laute, so hatte Gregori sie früher genannt.

Sie erinnerte sich auch an Kotik und Kisska, Bezeichnungen für Kätzchen, mit denen ihr Bruder sie liebevoll angesprochen hatte.

„Süße? Du wirst es schaffen, sollte der Kerl je am Ertrinken sein, du wirst ihn retten.“
Gregori legte Salome ein Handtuch um die Schultern und reichte ihr einen Stapel Kleider.

 

Als Salome wieder angezogen war und ihre nassen Kleider in einer Tüte verstaut hatte, fand sie ihren Bruder und Vlad vor dem Schwimmbad.

„Ein Mann also?“ Vlad grinste sie breit an.

Schmerzlich erinnerte er sich daran, dass er auch einmal in Salome verliebt gewesen war in seiner Jugend, aber Salome die Heilige war zu gut für Männer wie ihn und er hatte sie schnell wieder vergessen.

Trotzdem wunderte er sich darüber, dass sie solche Dinge für einen Mann tun wollte und schon wieder gab er sich leicht machohaften Gedanken hin, denn seiner Meinung nach sollte eine Frau sich nicht um einen Mann sorgen, sondern umgekehrt.

„Ich habe etwas für dich meine Liebe.“

Gregori drückte seine Zigarette aus und sah sich auf dem leeren Parkplatz um, erst jetzt verstand Salome, dass das Schwimmbad eigentlich geschlossen war und dass Gregori entweder die Tür geknackt oder aber jemanden geschmiert hatte um hier reinzukommen.

Er lächelte und reichte ihr ein weiteres Handtuch, in dessen Mitte sie etwas Hartes spürte.

„Ich habe ihn gesehen und ich wusste, dass er dir gehören muss.“ Lächelte Gregori sanft.

Salome schlug den weichen Stoff auseinander und erblickte einen wunderschönen Dolch.

Sie wog ihn in der Hand und lobte ihren Bruder für die sehr weise Wahl, denn der Dolch war nicht so schwer als dass er sie hindern könnte, aber messerscharf und spitz genug um jemandem ernsthafte Verletzungen zuzufügen.

Aus dem Kofferraum seines Wagens holte Gregori eine Vogelscheuche die so mit Vogelexkrementen bedeckt war, dass er sie einfach gestohlen haben musste.

Ungerührt rammte er der Figur einen Pfahl in den Hintern und steckte das andere Ende des Pfahles dann in die weiche Erde der Wiese neben dem Eingang.

 

„So…Wo würdest zu hinzielen?“ Gregori sah Salome abwartend an.

Wieder eine Garnitur Kleider die draufging, dachte Salome bedauernd und rollte sich dann über den Boden.

„Ich nehme an er ist größer, stärker und bewaffnet.“ Murmelte sie konzentriert und griff wie immer zuerst die Stellen an die ein großer Mann selten überwachte und an die er nie dachte.

Mit einem glatten Schnitt durchtrennte sie die Achillessehnen der Puppe, sprang auf und hielt ihr den Dolch an die Schlagader.

„Das war zu leicht.“ Gregori zog eine dicke Jacke an und nahm ein Klappmesser zur Hand.

Dann ging er langsam auf seine Schwester zu, bis diese mit dem Rücken gegen den Seitenflügel des Gebäudes gelehnt nicht weiter zurückweichen konnte.

Nie auf die offensichtliche Art angreifen, sagte Salome sich, Gregori war zu groß, alle Angriffe auf seinen Kopf oder Rumpf würde er abwehren.

Wie jeder Angreifer versuchte Gregori zuerst den flachen Stich auf Bauchhöhe, Salome wich einen Schritt zurück und ließ den Dolch senkrecht auf Gregoris Unterarm niedersausen, bremste aber bevor sie den Stoff berührte.

„Anfängerfehler.“ Höhnte sie.

„Anfängerglück.“ Höhnte er zurück.

Gregori war daran gewöhnt aus seiner Größe einen Vorteil zu machen und so klemmte er Salome zwischen sich und der Wand ein und wollte von oben auf sie herab stechen.

Was er nicht erwartet hatte war, dass Salome sich mit ihrem ganzen Körpergewicht gegen ihn schleudern würde und ihm den Dolch in die Achselhöhle hielt.

„Netter Schachzug.“ Gregori ließ den Dolch sinken.

Und dann ließ er ihn wieder vorschnellen, doch der Wahnsinn seiner Schwester kannte keine Grenzen, denn sie umschloss die Klinge mit der Hand, hinten, damit sie nicht daran entlang rutschen konnte und sich schwerer verletzte als nötig und drängte sie zur Seite, während sie ihren Dolch Gregori unters Kinn hielt.

„Eine wahre Kämpferin.“ Vlad klatschte Beifall und sah zu wie Gregori fluchend die Hand seiner Schwester verband.
„Bist du von Sinnen? Ich hätte dir doch nichts getan.“ Schimpfte er leise.

„Keine Angst vor der Klinge, erste Regel. Und ja, du hättest mir nichts getan, aber das nächste Mal wird mein Angreifer mich oder die Meinen vielleicht wirklich verletzen wollen und dann muss ich bereit sein.

Was ist eine Hand im Vergleich zu einem Leben?“

Gregori nickte langsam, seltsam, so verschieden er und Salome auch sein mochten, sie kämpften auf ähnliche Weise.

Ihr Instinkt war stark und sie brauchte vor allem die Waffen und da er einsah, dass er nicht mehr gegen sie kämpfen konnte, weil das alles für sie bitterer Ernst war und die Gefahr von ihr tödlich verwundet zu werden zu groß, beschloss er ab dem folgenden Tag mit den Schießübungen zu beginnen.

Einen Moment lang fragte er sich, ob es falsch war seine kleine Schwester, dieses Kätzchen mit tödlichen Waffen auszustatten, aber auch spürte die Gefahr in der Luft und er wusste, wusste einfach mit Sicherheit, dass seine kleine Salome ihr Blut vergießen würde um diesen Mann zu schützen.

Und er sorgte nur dafür, dass ihr Gegner mehr Blut verlor als sie.

„Morgen gehen wir schießen Lola.“ Verkündete er und trotz der offensichtlichen Erschöpfung, dem Matsch und dem Blut, nickte Salome entschlossen.

Wäre sie ein Mann, würde sie die Welt in Angst und Schrecken versetzen, dachte Vlad ehrfürchtig und stieg in den Wagen, wo Salome wieder ganz sie selbst fröhlich plapperte.

 

Sue sah das klingelnde Handy misstrauisch an.

Salome war mit diesem Ding fast verwachsen und doch hatte sie es hier vergessen.

Ein Blick auf den Bildschirm bestätigte ihre größten Ängste.

Es war der Nachbar.

Sollte sie aufheben? Machte er sich Sorgen wenn nicht?

Schulterzuckend drückte sie auf das grüne Bildchen unten links und sprach so schnell sie konnte.

Kapitel 76 by MaggyMae
Author's Notes:
I just called to say...

76.

„Hallo Nachbar, ich bin’s, Sue, Lola ist nicht da, Sie können jetzt noch auflegen wenn Sie wollen, ich bin auch nicht böse.“

Richard starrte die Wand an als wäre gerade ein Monster daraus entstiegen.

„Hallo Sue, hier ist…der mysteriöse Nachbar. Wie geht es?“

Sue war überrascht, erstens hatte der Mann eine wundervolle Stimme die ihr immer noch seltsam bekannt vorkam und zweitens sprach er zu ihr.

„Ehm ja und Ihnen?“ stammelte sie verwirrt.

„Oh müde, lange Reise. Wo ist Salome denn?“

Richard freute sich mit dieser Frau zu sprechen, die in Lolas Haus lebte und ihre beste Freundin und engste Vertraute war.

„Sie ist mit ihrem Bruder weg. Irgendwelche Übungen. Man glaubt fast sie wolle der Bodyguard vom Papst werden. Nun ja, und Sie sind also der ominöse Nachbar/Freund/Liebhaber meiner guten Salome?“

Richard schluckte und brachte ein fast lautloses „Ja“ heraus.

„Lieben Sie sie?“

„Findest du nicht, dass du mich duzen könntest da ich mir dann einerseits nicht so dumm vorkomme weil ich dich duze und andererseits stellst du mir Fragen die man nur einem Menschen stellt den man auch duzt.“ Grinste er.

„Ok, liebst du sie?“

„Ja, ja, das tue ich.“ Er fühlte sich leichter, jetzt da er sie eingeweiht hatte.

„Gut, denn sie hat gestern schrecklich geweint.“

Ein Stich machte sich in seinem Herzen bemerkbar.

„Ihr geht es besser. Sie reißt sich zusammen, trainiert hart.“

Sue wollte den Mann nicht beunruhigen, denn seine Atmung wurde schwerer, ganz als ob er eine schwere Last tragen würde.

„Ich liebe sie sehr. Und dir? Wie geht es? Wie geht es deinem kleinen Freund?“

„Mein kleiner Freund schlägt keine Fenster ein.“ Meinte sie spitz.

„Es tut mir sehr leid.“ Sprach Richard niedergeschlagen und kleinlaut und glitt etwas tiefer in die Polster des Sofas auf dem er saß.

„Ja, ich weiß.“ Sue lachte und sah dann auf.

„Oh da kommt Salome. Ach schon wieder ein neuer Verband. Himmel Schatz, wie siehst du denn aus?“

 

Rascheln in der Leitung, Richard brach der kalte Schweiß auf der Stirn aus.

Was hatte sie jetzt schon wieder angestellt?

„Ich habe hier deinen Liebling in der Leitung.“ Hörte er Sue sagen und lächelte als er das Gerangel um das Telefon mit verfolgte.

„Oh komm schon, wir haben uns gerade so schön unterhalten. Er sagt er liebt dich. Oh.“

Als nun eine andere Stimme erklang war es nicht Salome, sondern ihr Bruder.

„Hallo Unbekannter.“ Sprach er mit ruhiger Stimme.

„Oh ehm hallo, ja.“ Stammelte Richard, überrascht und nervös.

„Du hast dir also erlaubt meine Schwester zu entehren?“

Salome verdrehte die Augen und kniff ihren Bruder ins Knie.

„Au…Na antworte schon du Stockfisch.“

Richard schwitzte Blut und Wasser, denn Salomes Bruder wusste wer er war und er wusste sicher auch wie er ihn finden konnte wenn er das wollte.

„Ich liebe sie.“ Sagte er dann kleinlaut und hörte ein spöttisches Lachen.

„Das macht natürlich einen großen Unterschied.“ Gregori polierte seine Nägel an seinem Pulli und sah Salome streng an, welche sich trotzig auf den Boden fallen ließ und die Beine unter ihren Körper zog.

„Was willst du hören? Ja, das habe ich und ich kann nicht sagen, dass es mir wirklich leid tut, immerhin, auch wenn du das nicht glaubst, wollte sie es so.“

Gregori lachte erneut, wenn auch weniger spöttisch.

„Oh natürlich glaube ich dir. Sie liebt dich nämlich.“

Richard blinzelte, hatte ihr Bruder das gerade wirklich gesagt?

„Wie bitte?“ fragte er also britisch-höflich nach.

„Meine Schwester hat sich heute fast selbst ertränkt wie ein unwillkommenes Katzenbaby, sie hat mit ihrer Hand in die Klinge eines Messers gegriffen und sich auf dem Boden gerollt wie ein räudiger Köter und all das nur um sicher zu gehen, dass sie ihr Leben effektiv für deins opfern kann wenn es je nötig sein wird.“

„Das ist ja absurd. Halt sie bitte davon ab Dummheiten zu machen.“ Schrie Richard und achtete nicht auf die Menschen die verwundert an seinem Fenster vorbeihuschten.

„Ah du liebst sie, aber du kennst sie nicht.“ Sagte Gregori philosophisch und bedachte seine schmutzige, blutende Schwester mit einem stolzen Blick.

„Du bist ihr Bruder, bitte sorge dafür, dass es ihr gut geht.“ Flehte Richard beinahe.

„Junge? Ehrlich, ich bin ihr Bruder, der erste Mann in ihrem Leben, aber nicht der nach dem ihr Herz jetzt verlangt.

Ich bitte dich um meiner Schwester Willen, dass du auf dich aufpasst.“
„Wieso? Wenn ich mich recht erinnere würdest du mich doch bedeutend lieber tot sehen, oder?“

Gregori zögerte und seufzte dann sehr leise:

„Nein, denn wenn sie dich verliert, verliere ich sie. Ihr ganzes Leben hängt jetzt mit deinem zusammen und weil sie dich liebt will ich, dass du lebst.

Meinst du es wirklich ernst?“
Was verstand er unter ernst?

Richard lächelte wehmütig und sah an die Decke als er erwiderte:
„Ich bin 40, natürlich meine ich es ernst. Aber denkst du nicht, dass Salome ein wenig jung für Heirat und Kinder ist?“

„Nein, ich denke kaum, dass eine Frau die dem Tod so unverfroren ins Gesicht lacht für irgendetwas zu jung ist.“

Der Mann war von Sinnen, anders konnte sich Richard sein Verhalten nicht erklären.

Das letzte Mal als er Salomes Bruder gesehen hatte, war dieser mehr als nur verstimmt über ihre Verbindung mit ihm gewesen und jetzt wollte er, dass er Salome heiratete.

„Du kennst sie nicht.“ Wiederholte Gregori langsam und Richard wollte protestieren, aber ihr Bruder hatte vielleicht Recht, denn immerhin hatte er nur wenige Tage an Salomes Seite verbracht während Gregori sie ein Leben lang kannte.

„Wenn ich das Gefühl habe, dass sie bereit dafür ist, dann werde ich sie schon fragen.“

Er klang aufmüpfig wie ein Kleinkind und schämte sich ein wenig als er Gregori lachen hörte.

„Nein, wenn du bereit bist ihr dein Leben zu verschreiben, dann wirst du ihre Antwort einfordern.“ Widersprach Gregori ihm dann lachend.

„Ist sie verletzt? Geht es ihr gut?“ brach es dann heftig aus Richard heraus.

„Ihr geht es gut. Sie ist stark und mutig, mehr als ich erwartet hätte und im Gegensatz zu so vielen andern Menschen auf dieser Welt hat sie einen guten Grund die Waffen zu tragen die man ihr anvertraut hat.“

„Und der wäre?“

Richard konnte sich immer noch nicht mit der Idee einer bewaffneten Salome anfreunden.

„Dich und deinen Freund da, Sue und ihren Freund da, euch alle zu schützen, wenn es sein muss mit ihrem Leben.“

„Hör sofort auf solche Dinge zu sagen. Sie wird nicht sterben und vor allem wird sie nicht für mich sterben.“ Schrie Richard ihn an, er konnte das alles nicht mehr hören.

„Sie ist eine junge Frau, sie hat ihre Liebe einem halben Greis geschenkt, sie hat ihre Jugend verkauft und ihr Geschenk verwirkt in dem Moment in dem sie dich gewählt hat.

Sie hat den Tod umarmt und strebt ihm unausweichlich entgegen.

Mach dir keine Gedanken, wir glauben an das Schicksal und solltest du ihres sein, dann kann ich dir versprechen, dass sie den Weg der ihr vorgezeichnet ist ohne Furcht beschreiten wird.“

Richard wurde übel, was redete der Kerl nur?

Salome sollte es gut gehen, sie sollte gar nichts verwirken, sie sollte glücklich sein.

Ein lauter Knall ertönte und jemand jaulte laut auf.

Richard gefror das Blut in den Adern.

Kapitel 77 by MaggyMae
Author's Notes:
Despair is worst when it falls upon an innocent heart

77.

„Hey Liebling.“ Salome meldete sich endlich, fröhlich wie ein Sonnenstrahl.

„Was war das?“ fragte Richard erschrocken.

„Ehm ich habe Gregori die Beine unter dem Körper weggekickt bevor er dir noch Angst macht.“

„Du hast deinen Bruder geschlagen?“ Ok, Gregori hatte Recht, er kannte Salome wirklich kaum.

„Nein, nur ein wenig geschubst.“ Sie kicherte.

„Du hast mich umgenietet du Biest.“ Hörte er Gregori im Hintergrund keuchen und grinste.

„Wie geht es dir mein Süßer?“

Salomes Stimme war süß wie die schweren Früchte des Sommers und ruhig wie eine Brise.

„Gut, ich bin etwas müde und ich vermisse dich. Wie war dein Tag?“

„Super. Ich war schwimmen und dann haben wir ein wenig rumgetobt.“

Richard dachte an das was Gregori gesagt hatte und stufte Salomes Aussage als maßlose Untertreibung ein, aber das war er von ihr schon fast gewohnt.

Für sie war das alles selbstverständlich und da ihr Bruder sie in diesem Wahnsinn zu unterstützen schien, wunderte ihn dieser Fakt nun kaum mehr.

„Und was hast du denn sonst noch so vor?“

Salome lachte: „Morgen fange ich mit den Schießübungen, Gregori denkt das wäre weniger gefährlich.“

Ah ja, eine Pistole war weitaus weniger gefährlich als ein paar Faustschläge, Richard schüttelte den Kopf, er würde diese Frau niemals verstehen können.

„Und du?“ fragte sie gut gelaunt weiter.

„Ich werde mich mit weniger echten und weniger tödlichen Waffen beschäftigen.“
„Aber du wirst dabei weitaus grimmiger aussehen.“ Zog sie ihn auf.

„Ja Salome, weil du die einzige bewaffnete Person sein wirst die aussieht als wäre sie ein Glücksbärchi.“

„Der Joker sieht immer gut gelaunt aus.“ Wandte sie ein.

„Ja, der Joker ist ja auch ein geistesgestörter Massenmörder.“

Salome biss sich auf die Lippe, denn sie konnte nicht behaupten, dass er damit falsch lag.

„Salome ich mag die Idee nicht, dass du dich wissentlich der Gefahr aussetzt.“
Er wusste genau, dass es komplett sinnlos war sie umstimmen zu wollen, aber den Versuch war es wert.

Überraschenderweise sprach sie nun sehr sanft und einfühlsam:
„Ich weiß Liebling und auch wenn es nicht danach aussieht, ich bin sehr vorsichtig.

Aber ich bin woanders aufgewachsen als du, also bitte ich dich mich tun zu lassen was ich tun muss um mich sicher zu fühlen.“

Dagegen konnte er nichts sagen und als er sah wie der Regisseur ihn abwartend und ungeduldig durch das Fenster beobachtete, verabschiedete er sich schweren Herzens.

„Bis bald meine Süße. Ich liebe dich.“

„Ich dich auch.“

 

Gregori ging kurz darauf um die Waffen für den folgenden Tag vorzubereiten und Sue bekam Besuch von ihrem neuen Liebling.

„Hey Robert.“ Salome lehnte an der Küchentheke und sah Sue beim Kochen zu.

„Hallo Salome.“ Grüßte er und küsste sie auf die Wange und Sue auf den Mund, beides leicht und ein klein wenig schüchtern.

„Und wie war euer Tag?“

„Lang. Einsam.“ Murmelte Sue und zusammen erklärten sie ihm was Salome so gemacht hatte, was Robert dazu brachte einen Schritt zurückzuweichen.

Richards Freundin hatte in seinen Augen einen ganz eindeutigen Knall.

„Mach dir keine Sorgen.“ Salome wischte seine Bedenken mit einer kleinen, tödlichen Hand beiseite und deckte den Tisch als wäre sie nicht auf dem besten Weg eine berühmte Auftragskillerin zu werden.

Während dem Essen sprachen sie über Filme und Bücher und Robert merkte wie er sich nach und nach entspannte.

Natürlich war Salome gefährlich unvorsichtig, reckless wie er dachte, und Sue litt eindeutig an einem erheblichen Mangel an sozialen Kompetenzen, aber beide waren so herrlich bodenständig, dass er wieder ganz er selbst sein konnte.

Von Salome wusste er, dass sie sich mit der Idee angefreundet hatte, dass Stars auch nur Menschen waren und Sue hatte sich wahrscheinlich noch nicht einmal die Vorstellung gewöhnt, dass ein Mann, egal welcher Mann, kein Monster sein musste.

Rob lachte über einen Scherz den Salome gemacht hatte und sie sah ihn breit lächelnd an.

„Du bist wirklich sehr hübsch.“ Sagte sie komplett neutral und er errötete prompt.

„Ich mag schöne Menschen.“ Fügte sie hinzu und stand langsam auf.

„Ich lasse euch Turteltauben dann mal allein. Ich muss noch ein wenig arbeiten.“

Eigentlich musste sie das nicht, aber sie hatte einfach das Gefühl, dass Sue niemals richtig auftauen würde wenn man sie nicht zu ihrem Glück zwang.

 

In ihrem Zimmer schaltete sie das Laptop an und begann zu schreiben.

Thema heute sind Augen.

Ich wurde an den Ufern eines schmutzigen Flusses geboren, meine Wurzeln liegen in tiefem Schnee und der ewigen Sonne des Südens und ich wohne jetzt auf einer Insel.

Mein Leben lang dachte ich, dass ich mit meinen dunklen Augen sehr gewöhnlich sei, aber Himmel, seit ich in London wohne komme ich mir wie ein Unikum, oder wie ein Unicorn, vor. Tatsächlich sind die ersten drei Bilder die mir zu England einfallen die See, der graue Himmel und die juwelenbehängte Königin. Dazu sollte ich sagen, dass meine Wurzeln in der Zeit der Zaren sowie der Regentschaft des Sonnenkönigs gründen, also kann ich mich zumindest mit dieser Vorstellung anfreunden.

Also, was mir heute erst aufgefallen ist, ist der Fakt, dass alle Menschen mit denen ich bisher engen Kontakt hatte hier auf dieser riesigen Insel helle Augen haben. Ich spreche nicht von haselnussfarbigen Augen, ich spreche von der wilden Kühle der Nordsee und dem wolkenverhangenen Firmament welche sich in den distanzierten, freundlich-höflichen Blicken meiner Mitmenschen spiegeln.

Kann gut sein, dass ich ins Britenwunderland hineingefallen bin, aber die die ich kennenlernen durfte tragen die ganze Geschichte, all den Stolz einer vergangenen Weltmacht auf den Meeren oder einer Königin die sich allem Spott zum Trotz tapfer hält, ihrer Heimat in ihren tiefen, seelenvollen Augen.

Es gibt Männer die Frauen mit Juwelen überschütten und es gibt andere Männer, die allein mit ihrem Blick eine sternenklare Nacht heraufbeschwören und einer Frau ein Diadem aus Saphiren spinnen.

Ich, deren Augen der Schatten in der endlosen Sonne des Südens und der Unterschlupf in der Schneewüste sind, ich, welche die Nacht und das Grab in meinen Augen trage, zolle meinen so schmerzlich geliebten Sternenaugen den größten Respekt für das Wunder sehen zu dürfen wie Geschichte zur Erinnerung und die Erinnerung zum Geschmeide wird.

Die sonnenlose Nacht drückt auf meine Sinne und ich wünsche mir diesen einen, einzigen Sommerblick, diesen Sturmhimmel unter dem ich wachsen und gedeihen kann.

Ich dürste nach deinem Seeblick wie die Wüste nach dem Regen, mein Boot ist auf Grund gelaufen, meine Haut brennt.

Kühle meine Wunden, bring mich zurück nach Hause.

 

Salome schickte es ab, nicht wissend ob es zu persönlich war und mitten in der Nacht bekam sie noch eine Antwort des Redaktionschefs.

„Wer immer angesprochen ist, er hätte besser das zu lesen.“

Salome sank in die Kissen, müde, voller Wunden und Prellungen und vor allem so einsam, dass sie schreien hätte mögen.

Unten wurde die Tür auf und zugeschlagen und kurz darauf hörte sie Sue raufkommen.

Oh es würden verdammt lange Nächte werden dachte Salome und schloss die Augen fast brutal.

Also würde sie jede Sekunde mit sinnloser Aktivität füllen, das nahm sie sich fest vor.


Kapitel 78 by MaggyMae

78.

Und das tat sie.

Sie schnitt bei ihrem ersten Schießtraining katastrophal ab, da Greg sie vor dem Rückschlag der Waffe überhaupt nicht gewarnt hatte, was dazu führte, dass sie ihm eine blutige Nase schlug mit ihrem Ellbogen.

„Salome, du weißt, dass du die Augen nicht beide zukneifen darfst, oder?“

Gregori wischte sich über die Nase und sah seine Schwester fassungslos an.

Salome hasste diese Waffe, sie hasste den Tod verführerisch kalt und glatt in ihrer Handfläche zu spüren, hasste den lauten Knall und den Stoß der ihren Arm vibrieren ließ.

Ihr Bruder jedoch trieb sie gnadenlos an und so schoss sie immer und immer wieder und als sie zumindest das Blatt das er aufgehängt hatte und das ungefähr so groß wie ein Zirkuszelt war endlich am Rand traf, hätte sie vor Erleichterung weinen können.

Gregori machte keine halben Sachen und Geld spielte für ihn keine Rolle während Zeit Geld war und so sah Salome auf ihre Waffe, auf eine echte Waffe mit scharfer Munition, voll Unbehagen hinab.

„Entsichern.“ Bellte Gregori und sie tat was er ihr tausendmal gezeigt hatte.

„So Kleines, das war gar nicht mal so schlecht.“

Salome verzog das Gesicht, sie hatte den verdammten Pappmenschen nicht einmal getroffen, dachte sie angewidert.

„Honey, du wolltest das hier machen und ich sehe ein wieso.“ Erinnerte er sie leise und sie umklammerte die Waffe fester, denn das Erste nach dem Entsichern was Gregori ihr beigebracht hatte, war ihre Waffe nie irgendwo hinzulegen.

„Ich weiß, ich habe nur nicht gedacht, dass das alles so schwer sein würde.“ Seufzte Salome frustriert und biss sich hart auf die Lippe um nicht zu weinen.

„Oh Salome, du hast als Kind schon mit kleinen Waffen wie Messern gekämpft. Eine Pistole ist keine Frauenwaffe, keine Mädchenwaffe und ich habe Schusswaffen immer von dir ferngehalten, aber du wolltest lernen und ich weiß, glaub mir ich weiß, dass das hier ganz was Anderes ist.“

Was hatte sie gedacht? Sie hatte bisher nur Tricks die sie bereits kannte aufgefrischt, aber das hier war komplettes Neuland für sie.

„Ok, hören wir auf mit dem Schießen.“ Gregori nahm ihr die Waffe ab und entfernte die Munition.

„Reflextraining.“ Lächelte er dann.

 

Jeden Tag wiederholten sie alle Übungen, das Reinigen, das Sichern und Entsichern, das Schießen selbst und der allgemeine Umgang mit einer Waffe.

Gregori schärfte ihre Sinne, trieb sie dazu an immer schneller die Waffe zu ziehen und schnell exakt zu schießen.

Als Salome endlich das Männchen auf dem Blatt konsequent traf, begann Gregori das Blatt zu bewegen, sie musste auf Tontauben schießen und vor allem quälte er sie durch einen Parcours auf dem sie immer wenn etwas auf sie zukam die Waffe, die sie Annabelle getauft hatte um die Bindung zu ihr zu stärken, ziehen, entsichern und benutzen musste.

Nach zwei Wochen schmerzte Salomes Arm höllisch, aber ihre eiserne Disziplin und das Lob ihres Bruders motivierten sie dazu weiterzumachen, besser, schneller und präziser zu werden.

Die Angst vor der Waffe ließ nach und sie begann über Dinge die sie erst vor Kurzem mühsam erlernt hatte gar nicht mehr nachzudenken.

Ihr Fokus schwenkte vom Ziehen und Entsichern auf den Schuss selbst um und als sie den Parcours meisterhaft und ohne Fehler durchlief, sah Gregori sie ernst aber stolz an.

„Verdammt Kleines, du könntest das echt beruflich machen.“
Er wollte ihr auf die Schulter klopfen und als er den Bruchteil einer Sekunde später auf dem Boden lag, wusste er, dass seine Schwester bereit war.

„Ich habe ein Monster erschaffen.“ Sagte er nur halb im Scherz, denn er wusste, dass wenn Salome je auf die „dunkle Seite“ wechseln würde, die Welt der Ordnung in ihr eine gefährliche Gegnerin haben würde.

Klug, mutig und bewaffnet, Salome war zu dem Albtraum aller schwachen Männer geworden und zu einer anderen Zeit hätten sich die Weltmächte die nun wie fette Hauskatzen schlummerten um sie gerissen, das war klar.

Salome wäre schlecht im Militär gewesen, daran bestand kein Zweifel, denn dazu hatte sie nicht genügend Respekt vor Autoritätspersonen und vor allem hatte sie keine festen politischen Meinungen.

Allerdings wäre sie eine gute Spionin gewesen, eine verdeckte Agentin oder aber ein Auftragskiller.

Die Wut dazu hatte sie und ihre Erfahrung mit grundloser Gewalt gaben ihr eine Aufmerksamkeit die fast unheimlich war.

Ein Leben lang hatte er sein Bestes getan um seine kleine Schwester vor solchen Dingen fernzuhalten, aber er konnte verstehen, dass sie sich und ihre Freunde schützen müsste.

„Gut…Ich kann dir nicht mehr helfen, ich kann dir nur noch Glück wünschen.“ Murmelte er und schob seine Schwester in den Wagen, immer noch nicht überzeugt nicht den größten Fehler seines Lebens zu begehen.

Er reichte ihr schweigend die winzige Klinge, die sein persönliches Geschenk an sie war, und wie nicht anders erwartet, ließ sie diese innerhalb von Sekunden in ihrer Kleidung verschwinden.

 

Salome und Sue richteten das Gästezimmer ein, verkauften den Wagen den sie gefunden hatten und entrümpelten den Dachboden.

Der Wagen musste dem toten Onkel gehört haben, anders konnte Salome sich seine Existenz nicht erklären, aber da sie mit der Speditionsfirma hergezogen war und nur das Motorrad benutzte wenn sie selbst fuhr, war sie einfach noch nicht auf die Idee gekommen sich nach einem Wagen umzusehen.

Sie beschloss zusammen mit Sue das Motorrad und den alten Wagen zu verkaufen und sich was Neueres zu kaufen, nur leider wussten sie nicht genau wie sie das anstellen sollten, da Sue ein Einzelkind und eine Frau war und sich demnach ganz dem Klischee entsprechend nie für Wagen interessiert hatte und Salome eh nur anhand der Form und eindeutiger Indizien wie beispielsweise den breiten Fenstern, den Reifen und der Spiegel erkannte, dass es sich überhaupt um ein Auto handelte.

Gott sei Dank überhörte ein Kunde ein Gespräch das Sue mit Siobhan, ihrer Verkaufsleiterin führte und bot an ihr beides zu einem vernünftigen Preis abzukaufen.

Gregori überwachte den Verkauf und fand, dass der Mann den Mädchen mehr Geld bot als die alte Klapperkiste und das arg abgenutzte Motorrad überhaupt wert waren, verkniff es sich aber etwas zu sagen.

Derek, der Kunde und Käufer, fand jedoch ein gutes Geschäft gemacht zu haben und zog erfreut ab.

Frauen waren einfach für nichts zu gebrauchen, dachte er schadenfroh und besah sich seine armseligen Errungenschaften mit dem Stolz eines Königs.

Als sie den Dachboden aufräumten fanden Salome und Sue ein Familienfoto das längst vergangene Zeiten aufzeigte.
„Gott, ist das Anya?“ keuchte Sue auf einmal und Salome sah sich das Foto genauer an.

„Ja das sind meine Eltern vor meiner Geburt.“ Wisperte Salome und zeigte auf den kleinen Jungen der sich eng an das Kleid seiner Mutter presste, welche die Hand auf ihren großen Bauch gelegt hatte.

„Gregori.“ Murmelte sie, doch Sue sah den Mann an, den sie nie kennengelernt hatte, weil er so früh gestorben war.

Er war groß und sah Salome so ähnlich, dass Sue ganz warm ums Herz wurde.

„Das ist mein Vater.“ Wisperte Salome sehr leise und fuhr mit dem Finger über das Gesicht des Mannes der sie verlassen hatte und auf einmal vermisste sie Richard schmerzlicher als sonst.

Wieso bewahrte ihr Onkel ein Foto eines Toten und seiner neuverheirateten Witwe auf?

Sie fühlte sich innerlich zerrissen und vor allem sehr einsam und so stürzte sie sich in wilde Geschäftigkeit, räumte auf, entstaubte und machte aus dem alten Dachboden eine gemütliche Sitzecke, ein Versteck, ein Zuhause.

 

Sehr weit entfernt saß ein Mann auf seinem Bett und hob sein Telefon überrascht auf.

Weniger weit von ihr entfernt saß ein anderer Mann auf dem Fußboden und plante seine Rache, die nach Blut und Tod verlangte.


 

Kapitel 79 by MaggyMae

79.

Matthew sah seine Frau lange schweigend an bevor er vorsichtig sprach:

„Ich soll was genau tun?“

Seine Frau verdrehte die Augen und klopfte ihm mit der Handfläche gegen die Stirn.

„Du. Sollst. Richard. Anrufen.“ Sprach sie langsam.

Versteh einer die Frauen, dachte Matthew innerlich seufzend als er das Telefon entgegen nahm, das sie ihm so eindringlich hinhielt.

„Und was soll ich ihm deiner Meinung nach jetzt sagen Chef?“ erkundigte er sich wie nebenbei.

„Sag ihm, dass du ihn besuchen wirst und seine kleine Freundin da mitbringst.“

„WAS?“ Er verstand die Welt nicht mehr.

„Ich arbeite im Moment nicht, die Kinder und ich fahren zur Familie, damit die nicht vergisst wer ich bin und du wirst Prinzessin Chaos ans Ende der Welt bringen.“
„WAS?“ wiederholte er erneut fassungslos.

„Matthew, stell dich nicht dumm. Er vermisst sie und sie ihn sicher auch. Ich denke sie sollten sich wiedersehen.“

Er fragte nicht wieso und woher seine Frau solche Dinge mit Sicherheit sagen konnte, denn er war daran gewöhnt sich auf ihre Intuition zu verlassen.

Hatte er sich nicht selbst in letzter Zeit mit solchen Gedanken herumgeschlagen?
„Und wie soll ich das machen?“ fragte er dann leise.

„Lass dir was einfallen Schatz, du bist doch sonst ein kluger Kerl.“

Sie zuckte mit den Achseln und verließ den Raum.

 

„Hallo?“ Richard rieb sich die Augen, es war so früh morgens, wieso rief jemand ihm fast mitten in der Nacht an?

„Hallo Meister Petz.“ Matthew rechnete schnell nach, es war Nachmittag in London, so falsch konnte er doch gar nicht liegen oder?

„Hallo. Und wie geht’s?“

Richard freute sich eine freundliche Stimme zu hören, denn er war müde und er konnte sich längst nicht so gut auf seine Arbeit konzentrieren wie er es sich vielleicht gewünscht hätte.

„Oh ich freue mich dich zu hören. Gott, du hast wirklich eine schöne Stimme.“

Matthew schluckte und erwiderte dann:

„Ehm ja, danke. Mir geht es gut und ich finde deine Stimme auch ganz gänsehautartig, was auch immer, also…verdammt Richard, jetzt habe ich den Faden verloren.“

„Willkommen in meiner Welt.“

Matthew seufzte und konzentrierte sich:

„Also wie geht es dir?“

„Nicht so wunderprächtig, aber alles im grünen Bereich.“
Klang aber nicht so, klang nach feuerrot, dachte Matthew und verbeugte sich in Gedanken vor seiner Frau, die wie immer alles besser wusste.

„Du klingst einsam.“ Rutschte es ihm heraus.

„Matthew ich sitze am Arsch der Welt, ich bin gerade frierend aufgewacht und ich habe einen langen Drehtag vor mir. Außerdem lebt die Frau die ich liebe auf der Überholspur und niemand hält sie auf. Also klinge ich nicht nur einsam, ich BIN verdammt einsam.“

„Es tut mir leid. Also…nicht als ob es meine Schuld wäre, aber egal. Ich werde vorbeikommen.“

„Wie bitte?“

„Meine geliebte Gattin hat beschlossen, dass ich dich besuchen komme.“

Richard gab ein sehr seltsames Geräusch von sich, das komplett wiederspiegelte was Matthew tief in sich auch fühlte.

„Aha…Und du fliegst einfach mal um die Welt, weil deine Frau denkt, dass ich einsam bin?“

„Ja, ich bin ein guter Ehemann und ein guter Freund. Außerdem bringe ich Salome mit.“

Richard schluckte hart und fragte dann tonlos:

„Und wie willst du das anstellen?“

„Das weiß ich noch nicht.“
Tatsächlich zermarterte er sich schon seit Minuten das Hirn darüber und dann fiel es ihm wieder ein.

Es war lächerlich und es würde sie verraten, aber er hatte ihr doch mal anonym versprochen sie bei einem erfundenen Gewinnspiel anzumelden, oder?

Er würde sie kontaktieren und wissen lassen, dass sie gewonnen hatte.

Kein Kunstwerk wenn man bedachte, dass niemand sonst mitgemacht hatte weil es besagtes Gewinnspiel gar nicht gab.

„Ich weiß es jetzt.“ Rief er.

„Heureka.“ Erwiderte Richard trocken und wartete vergebens auf eine Erklärung.

„Geh und schau grimmig aus der Wäsche, ich bereite dann deine Freundin darauf vor, dass sie sich bald rund um die Welt bewegen muss um deinen knochigen Arsch zu sehen. Bye.“

„Bye?“ Richard stellte sich vor wie rote Fragezeichen um seinen Kopf herumtanzten.

„Auf Wiedersehen.“ Sprach Matthew schmelzend in den Hörer.

„Hör zu, ich will keinen Telefonsex mit dir haben, ich will wissen was du vorhast du komplett verrückter Hund.“ Keifte Richard und sah verzweifelt zur Decke auf.

Doch Matthew hatte schon aufgelegt und er blieb allein mit seinen Fragen.

 

Der Mann zog ruckartig den Reißverschluss seiner schwarzen Reisetasche zu.

Was würde seine Mutter, seine gute, leicht hausbackene Mutter wohl sagen wenn sie wüsste, dass er sich mental darauf vorbereitete einen Mann zu töten? Seine Mutter war tot, was für einen Unterschied machte ihr sicheres Verdammen seiner Handlungen?

Aber er wollte ihn, wollte sein Blut an seinen Händen und der Geschmack seines Todes auf seiner Zunge und er würde alles dafür tun.

Leider war das auserkorene Opfer verdammt weit weg und so musste er sich erst einmal bedeckt halten bis er vor ihm stand, bis er die Angst sehen und riechen konnte.

Ein kleines, grausames Lachen entrang sich seinen schmalen Lippen als er den fast altmodischen Revolver wie eine Geliebte streichelte, mit dieser Waffe würde er ihn niederstrecken wenn es sein musste, aber am liebsten hätte er ihn erwürgt.

Der Mann wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, denn er sabberte vor lauter Gier nach Tod und Rache.

Bald, so bald würde er sehen wie das Leben in den Augen dieses Engels erlosch und dann würde er so lange lachen und sabbern wie er wollte, er würde die Ewigkeit hinter kalten Mauern haben um sich an diesem Moment der Freude, des Triumphes zu laben, denn niemals erwartete er damit davon zu kommen.

Nein, dazu war der Bastard zu bekannt, aber das war egal, er würde ihn töten und nichts würde ihn wieder zurück bringen, nicht einmal sein eigener Tod würde ihn wiederbeleben und das würde ihm reichen um die langen Jahre hinter schwedischen Gardinen zu überleben.

Seine Haft würde seine Krone sein, würde ihn jeden Tag an seinen Sieg erinnern und er würde es genießen dort zu sitzen, wo jeder wusste, dass er einen Engel getötet hatte.

Fromm küsste er das Kruzifix das neben seinem Bett stand und drängte hysterisches Gelächter zurück als er das sanfte Gesicht des Herrn sah.

„Du sollst nicht töten.“ Grinste er, aber er würde Luzifer dahin zurückbringen wo er hingehörte.

In den Himmel. Unter das Joch des Herrn. Luzifer, der gefallene Engel.

 

Salome sah wie das Symbol aufleuchtete, das ihr sagte, dass sie eine Benachrichtigung bekommen hatte und dass also jemand ihr auf einen ihrer Posts geantwortet hatte.

Sue trug gerade das Mittagessen herein, denn sie hatte es anscheinend satt in der Küche zu essen und sah grimmig auf als sie Salome leise seufzen hörte.

Ihnen beiden kam die Zeit unendlich lang und sehr quälend vor in letzter Zeit und sie waren gereizt wie zwei Bären die zu früh aus dem Winterschlaf erwacht waren.

„Was ist los?“

Salome war blass geworden und nun machte sich Sue doch Sorgen um die Freundin.

„Das ist ja wohl die Höhe.“ Stöhnte Salome entsetzt und beleidigt und drehte das Laptop so schwungvoll um, dass es fast in den Teller gefallen wäre.

Sue las den Satz fragend und keuchte dann.

Sie haben gewonnen. Morgen sind die Tickets in ihrem Briefkasten.

Abflug am Montag.

Viele lieben Grüße.

Kapitel 80 by MaggyMae
Author's Notes:
Fragen und Antworten

80.

„Das ist bestimmt ein Reinfall.“ Murmelte Salome, aber sie sah die Hoffnung in Sues Augen.

Die Tür schwang auf und Sue rief: „Hol dir einen Teller.“

Robert kam mit seinem Teller, setzte ihn ab, küsste Sue und winkte Salome kurz zu.

Wann war er zu einem festen Bestandteil ihres Lebens geworden?

Wann hatte es aufgehört seltsam zu sein, dass dieser Mann in diesem Haus ein und ausging wie Salome und Sue selbst?

Salome wusste es nicht zu sagen, das Leben flog sowieso stets an ihr vorbei und sie hatte sich abgewöhnt sich Gedanken über Dinge zu machen die man eh nicht ändern konnte, außerdem mochte sie Robert und sein hübsches Gesicht, seine errötenden Wangen und vor allem mochte sie es zu sehen wie sehr Sue sich freute wenn er da war.

„Hey Rob.“ Salome zeigte ihm auch die Antwort und sah ihn abwartend an.

„Wartet erst mal ab ob die Tickets wirklich kommen und dann…Ich komme mit euch.“
„Oh das wird das Ganze nicht sicherer machen. Ich denke, dass die meisten Triebtäter nur allzu froh wären dich mit zu fangen.“

Er zuckte zusammen, er würde sich niemals an die schonungslose Ehrlichkeit Salomes gewöhnen so schien es ihm und er fing belustigt den nachsichtigen Blick aus Sues Augen auf.

„Ich werde trotzdem mitkommen. Das da stinkt.“

Salome kicherte über seine naive Art eine eindeutige Falle zu beschreiben und atmete tief durch.
Natürlich war das Ganze zu schön um wahr zu sein, aber sie würde tun wie ihr von ihrem temporären Mitbewohner geheißen wurde und abwarten ob man ihr wirklich Tickets schicken würde.

 

Robert fühlte ein Prickeln im Nacken beim Gedanken daran, dass die beiden Mädchen alleine hingehen würden, dass sie einem perversen Mafiaring oder Ähnlichem in die Arme laufen würden…

Er selbst konnte auch nicht sagen wann er begonnen hatte immer und immer wieder zu kommen, aber Sue war eine bezaubernde Frau und während Salome ihr Training absolvierte, von dem sie übrigens immer schändlich schmutzig und zerbeult zurückkam, hatte er der ruhigen, begabten Sue Gesellschaft geleistet.

Sie war einfach ein Engel, so geduldig und so rein, dass er sich nicht von ihr fernhalten konnte und er musste zugeben, dass diese beiden Frauen einen ganz besonderen Charme hatten.

Salome hatte nie nachgefragt was er da machte oder wieso er schon wieder da war, nein, sie hatte ihn immer freundlich gegrüßt und wie er schon bei ihrem ersten Zusammentreffen geahnt hatte, war sie einfach eine tolle Freundin, überraschend, lustig und unbeschwert.

Zumindest so unbeschwert wie eine Frau mit einer scharfen Waffe sein konnte.

Er wusste darüber hinaus, wessen Freundin sie war und er sah mit Rührung und Konsternation wie sehr sie ihn vermisste.

Es war nicht ihre Art lange am Fenster zu stehen und doch ertappte er sie manchmal dabei wie sie ins Leere sah und er erriet, dass sie Richards Gesicht in Gedanken malte.

Beider Frauen Karrieren florierte und Robert freute sich, dass ihre harte Arbeit belohnt wurde, denn allzu oft war das heutzutage nicht mehr selbstverständlich.

Natürlich übernachtete er nicht hier, aber er kam zu den angemessenen Stunden her um mit ihnen zu essen, spazieren zu gehen, Filme zu sehen oder Karten zu spielen.

Wenn man die Tatsache, dass sie alleine wohnten und arbeiteten außer Acht ließ, lebten die beiden wie zwei unverheiratete Frauen im viktorianischen Zeitalter, dachte er belustigt.

Außer der Waffe, der Affäre mit einem alten Mann und außer dem Fakt, dass sie komplett verrückt waren.

Man empfing ihn immer freundlich und zuvorkommend und heute wollte er doch wissen was die beiden Frauen wirklich darüber dachten, dass er immer wieder kam, vor allem jetzt, da er beschlossen hatte ihnen bis nach Neuseeland zu folgen wenn es sein musste.

„Also…macht es euch eigentlich was aus, dass ich hier bin?“

 

„Nein, wir wollten heute das neue Sofa auf den Dachboden bringen und da kommst du uns gerade recht.“ Lächelte Salome und schaufelte sich einen Berg Nudeln auf den Teller, bevor sie großzügig Soße darüber goss.

„Ehm nein, ich meine ja nicht heute. Ich meine im Allgemeinen?“

Salome sah verwundert auf und musterte sein Gesicht schweigend.

„Robert, du, du vor allem du solltest wissen, dass meine Tür, unsere Tür immer offen ist für Freunde.“ Sprach sie dann ernsthaft.

Nicht nur für Freunde, dachte er, der letzte Landstreicher könnte hier klingeln und er würde eine warme Mahlzeit und ein Bett angeboten bekommen.

Salome sah ihn immer noch forschend an und wandte sich dann an Sue:

„Er ist dein Verehrer, nervt es dich, dass er vorbeikommt um dich zu sehen?“

Sue schüttelte den hochroten Kopf und wisperte dann:

„Nicht im Geringsten, es ist mir immer eine Freude.“

„Ich habe einen verdammten Hausschlüssel. Seid ihr denn gar nicht misstrauisch?“

Robert konnte sich einfach keine naiveren Frauen vorstellen.

„Doch, aber was du scheinbar nicht verstehst ist, dass du hier sehr willkommen bist.

Ich freue mich wenn du kommst, denn Sue kann meine langen Phasen der Stille mittlerweile nicht mehr ertragen und ich verstehe sie, aber ich merke es nicht immer.

Du bist hier und wenn du hier bist, dann gibt es Gespräch und Spiele und das freut mich natürlich.

Ich mag dich Robert, du bist ein echt netter Kerl und…

Ich verstehe, dass es dir seltsam vorkommt, aber tatsächlich bist du für uns nur ein Freund, naja für Sue vielleicht etwas mehr als nur ein Freund, der bei uns nach dem Rechten sieht und daran ist nichts Verwerfliches.

Es macht mir nichts aus, dass du ein Star bist, es macht mir nichts aus und das weißt du.

DU weißt es und deshalb bitte ich dich ehrlich uns nie wieder solche dummen Fragen zu stellen.“

Salome sah verwirrt und verletzt aus, aber Robert konnte einfach nicht glauben, dass sie ihn ihm nur den Freund sahen, wenn er doch selbst unter der Last seines Namens und seines Gesichts fast zusammenbrach.

„Willst du denn nicht mehr kommen?“Sue sah ihn fast ängstlich an.

„Doch, doch, ich habe mir nur gerade gedacht, dass ich so gerne hierher komme und dass es mich umbringen würde, wenn ihr jetzt einfach geht.

Lasst mich mit euch kommen.“

Salome nickte königlich, doch in ihrem Herzen brodelte es wild, denn niemals hätte sie auch nur gewagt daran zu denken Richard wiederzusehen bevor er wiederkam.

Sie hatte versprochen zu warten und auch wenn es sie zerriss, sie wollte kein Klotz an seinem Bein sein und nun hoffte sie so sehr auf ein Versprechen an dem alles nach Lüge aussah und roch.

Sie wollte, dass das was in dieser Antwort stand wahr war, sie wollte ihn wiedersehen und sie würde vielleicht, mit ganz viel Glück und einer Riesenportion Mut, Sue sogar sagen wer ihr Nachbar und Geliebter war.

Ihr ganzes Herz floss über vor törichter Hoffnung und innerlich bereitete sie sich schon auf die bittere Enttäuschung vor, aber es gab immer noch die Chance, dass jemand ihr Tickets schicken würde, dass sie ihn sehen konnte, auch wenn sie so tun müsste, als kenne sie ihn nicht.

Und sie wollte, dass Robert mitkam, sie wollte endlich wieder ganz sein, sie wollte ihre Familie, ihre wahre Familie vereint sehen und glücklich sein, dafür würde sie jeden Preis bezahlen.

 

Nach einer fast schlaflosen Nacht sprang Salome dem Postboten in Unterwäsche entgegen.

Er reichte ihr die Briefe misstrauisch und sie blätterte sie so schnell durch, dass sie wie übergroße Schneeflocken zu Boden rieselten.

Nichts.

Hoffnungsvoll öffnete sie den Briefkasten, es konnte ja sein, dass jemand ihn einfach eingeworfen hatte, ihn, diesen Umschlag den sie mithilfe ihrer verzweifelten Sehnsucht dazu zwingen wollte zu existieren.

Kapitel 81 by MaggyMae

81.

Und da war er, ein einfacher weißer Umschlag, den Salome hektisch aufriss.

Drin war ein Blatt Papier das sagte, dass sie und Sue mit einem Privatjet nach Neuseeland geflogen werden würden.

In einem Privatjet…

Salome hatte noch nie einen so plumpen Entführungsversuch in ihrem ganzen Leben gesehen und ein bodenloser Schmerz übermannte sie.

Also doch alles nur Charade, dachte Salome enttäuscht, hob ihre Briefe auf und trottete niedergeschlagen Richtung Haus.

 

Währenddessen ließ Robert die Telefondrähte heiß laufen.

Sue hatte ihm gestern noch erklärt, dass sie und Salome die Chance hatten mit Macfadyen Armitage besuchen zu gehen, was an sich schon komplett unwahrscheinlich klang.

Außer, dachte Robert, außer einer der beiden besagten Männer hatte da seine Finger im Spiel hatte und genau das versuchte er jetzt herauszufinden, aber wie gelangte man an die Handynummer eines Mannes von Matthews Kaliber?

Er hatte seine Armee von Managern und Helfershelfern angerufen, welche sich nicht einmal die Mühe gemacht hatten sich oder ihn zu fragen was ihn um 8 Uhr in der Früh dazu trieb einen bestimmten Mann anrufen zu wollen und so hatten die bei andern Bürohengsten angerufen, welche natürlich protestiert hatten und nach 2 Stunden zäher Verhandlungen und Anrufen rund um die Welt, weil man ja immerhin jeden um Hilfe gebeten hatte den man nur bitten konnte, hielt Robert die Nummer in der Hand.

„Hallo?“ meldete sich Matthew verschlafen.

„Sag mir. Hast du etwas mit diesem Gewinnspiel zu tun?“

Matthew schüttelte den Kopf und tapste in die Küche um Kaffee aufzubrühen, denn er hatte keine Ahnung von was der Mann am andern Ende sprach.

„Wer sind Sie?“ murmelte er verschlafen und rieb sich die Augen.

„Ich bin’s Rob. Ich war gestern bei den Mädchen. Weißt du etwas über diese ominöse Reise?“

Ein Lichtchen blinkte auf und es war nicht das von der Kaffeemaschine.

„Ehm…ja.“

„Sag mal spinnst du? Das Ganze klingt als wolle jemand sie in irgendein Mafialager schleppen um sie als Prostituierte zu verkaufen.“

„Ja ich weiß. Aber mir ist echt nichts Besseres auf die Schnelle eingefallen.“

„Wie wär es damit gewesen: einfach fragen ob sie Richard besuchen wollen?“

„Aber…dann…Sue.“

Kaffee, dachte Matthew verzweifelt als er seinem eigenen Gestammel zuhörte.

„Sie muss es eh irgendwann erfahren. Jetzt fehlt nur noch, dass du einen Privatjet angeheuert hast.“

Matthew trank gierig den ersten Schluck und verbrannte sich prompt.

„AU…Kacke, ja das habe ich wieso?“
Robert rieb sich die Stirn, wie konnte ein so intelligenter Mann so was Dummes tun?

„Weil das noch mehr nach legitimer Entführung aussieht.“

„Dann komm du doch mit.“ Motzte Matthew.

„Das werde ich.“ Motzte Robert zurück, verabschiedete sich und machte sich auf den Weg zu den Damen, in der Hoffnung, dass diese noch nicht die Polizei verständigt hatten.

 

Als er eintrat schlug ihm eine Stimmung wie bei einer Beerdigung entgegen.

„Hallo.“ Sprach er fast zaghaft und erschrak als er Salomes verweinte Augen sah.

Sie liebte Richard und er liebte sie und es gab einen Grund wieso Matthew das Ganze so übers Knie gebrochen hatte, fiel es Robert auf einmal ein und sein Blick wurde weich.

„Was ist denn passiert?“ fragte er leise und legte Salome die Hand auf die Schulter.

Schluchzend warf sie sich ihm in die Arme und er hielt dieses Bündel Gefühle fassungslos und doch berührt von so viel ehrlicher Verzweiflung.

„Es…war…alles…eine...Lüge.“ weinte sie und er strich ihr beruhigend über den Rücken.

Oh ja, das hatten die beiden Alten sehr gut ausgeheckt, dachte er angewidert während Salome das Tote Meer über ihn regnen ließ.

„Pscht, alles wird gut Süße.“

„Nein.“ Heulte sie und er legte seine Wange sanft auf ihren bebenden Kopf.

Sue sah ihn fragend und in stummer Verzweiflung an, Salome weinte also schon länger und Sue hatte keine Ahnung wieso, sie verstand nicht wie eine Frau von der sie gedacht hatte, dass sie für Stars und Sternchen nichts übrig hatte sich so aufregen konnte.

Außerdem erinnerte sich Susan sehr genau an Salomes schlechte Laune als sie Armitage damals im Restaurant getroffen hatten.

Natürlich war sie damals verletzt gewesen, aber sie hatte wirklich nicht so ausgesehen als hätte sie wirklich Lust den Mann zu sehen und jetzt weinte sie sich die Augen wund, weil sie ihn nicht treffen konnte.

Sue hinterfragte Salomes Handeln nicht, nie, aber sie wunderte sich doch und vor allem war sie beunruhigt ihre auf einmal so stille Freundin so verzweifelt zu sehen.

Diese Frau war nicht mehr die Salome die sie einst gekannt hatte, was nicht bedeutete, dass Sue diese neue Salome weniger mochte, aber sie erstaunte Sue, weil sie so ernst und so erwachsen war und ein Verhalten an den Tag legte das Sue niemals von Salome erwartet hätte.

 

Robert sah wie ein Herz vor Kummer brach und beschloss, dass er keine Rücksicht auf die andern beiden nehmen konnte.

„Ich habe heute mit Macfadyen telefoniert und ja an seine Nummer zu kommen war ungefähr so schwer wie ihr euch das jetzt gerade vorstellt.

Also er sagt er erwartet uns am Montagmorgen am Flughafen.

Es ist nicht alles eine Lüge, es ist nur sehr schlecht geplant.“

Die Worte purzelten aus seinem Mund und auf einmal versteifte sich Salome in seinen Armen.

„Geplant?“ flüsterte sie mit gefährlicher Ruhe und dann wurde ihre Stimme noch leiser, so leise, dass nur Rob sie hören konnte.

„Dieses Aas, er hat das geplant nicht wahr? Ich bringe ihn um.“

Robert erkannte, dass er Matthew wirklich keinen Gefallen getan hatte, aber er nickte unauffällig und grinste entschuldigend.

Es war Samstagnachmittag und es gab noch eine Menge zu tun, also löste sich Salome von ihm und sah Sue stattdessen abwartend an.

„Nein, nein, nein.“ Sprach diese paralysiert.

„Du und Rambo hier, du und Salome ihr habt da eine Geheimsprache die ich einfach nicht verstehe. Was soll das? Fliegen wir jetzt doch oder wie?“
„Sieht wohl so aus.“ Rob hob die Schultern und wartete ab wie die Frauen reagieren würden.

Sues Gedanken rasten, konnte sie im Ernst so früh nach ihrer Einstellung schon eine Pause anfragen?

Sie war die verdammte Geschäftsführerin und außer ab und zu neue Brotkreationen auszuprobieren hatte sie gar nichts zu tun, aber sollte sie es wirklich wagen?

Und wieso sah Salome jetzt auf einmal wieder so wütend aus?

Sue beschloss sich wie so oft einfach keine Fragen zu stellen und hob die Schultern in einer unbewussten Spiegelung von Robs Gestik.

Sie würde halt Siobhan anrufen und ihr Bescheid geben.

„Dann lasst uns packen.“ Sprach sie schwach.

„Du kannst deinem Freund Macfadyen etwas ausrichten.“ Keifte Salome leise und drohend.

Er ist auch dein Freund, sagte Roberts Blick wortlos, doch ihr Ausdruck wurde wenn möglich noch ein klein wenig schärfer.

„Und das wäre?“ fragte Rob, auf das Schlimmste gefasst.
„Dass ich ganz genau zwei Dinge sicher mitbringe: Meinen Hund und ein ganzes Waffenarsenal.“

 

Der Mann lächelte als er die Tickets buchte und begann zeitgleich mit Salome, die weit weg von ihm war, seine Waffen zu zersetzen und zu verstecken, bereit für die Abreise und bereit für den Tod eines Engels.


Kapitel 82 by MaggyMae

82.

„Ein Taxi?“ Salome war nicht ganz konzentriert als sie am Montagmorgen in der Dunkelheit stand.

Ihr Koffer zerrte an ihren Armen, aber sie spürte den Schmerz kaum.

„Ehm ja, hattest du etwa vor bis zum Flughafen zu laufen?“

Robert reichte dem Fahrer seine Tasche und hob dann auch die Koffer der beiden Frauen in den Wagen.

Soweit er das verstanden hatte war Sue ein unschuldiger Fan während Salome ein versteckter Insider war und er war der Vollidiot bei der Geschichte, weil er beide Seiten kannte und Salome auf keinen Fall verraten durfte.

Am Flughafen wurden sie mit schnellen Handbewegungen dazu aufgefordert gleich durchzugehen und Sue machte große Augen.

„Oh.“ Wiederholte sie immer wieder, das Gesicht dem Boden zugewandt und die Augen sittsam gesenkt, während Salome wie eine Schlafwandlerin Roberts Schritten folgte.

Wäre es nicht wegen Sue und Robert gewesen, sie wäre schon tausendmal umgedreht, sie hatte dann doch nicht den Mut diese Scharade durchzuziehen.

Sie gelangten in eine kleine Halle in der ein einzelnes Flugzeug stand und davor befand sich Matthew Macfadyen höchstpersönlich.

Sue wäre fast in einen tiefen Knicks gesunken, während Salome heiß und schnell errötete.

Oh wie sehr sie sich freute ihn jetzt zu sehen und wie gerne sie ihm um den Hals gefallen wäre.

„Miss Salome, so sieht man sich wieder. Wie geht es Ihrem Bein?“ erkundigte er sich mit kühler Freundlichkeit und Salomes Augen tränten so sehr wollte sie sein Gesicht in sich aufnehmen.

„Gut. Meinem Bein geht es gut. Wie geht es…Ihnen?“ erwiderte sie atemlos und ein atemberaubend nettes Lächeln breitete sich auf den kühlen Zügen des Mannes aus.

„Gut. Miss Susan, Robert.“ Grüßte er weiter und Robert verneigte sich in der Tat.

Er stand in großer Bewunderung vor diesem Mann, der die kleine Salome zu Richard zurückbringen würde und der weder Kosten noch Mühen scheute um dies wahr werden zu lassen.

Robert hatte in den letzten Wochen Zeit gehabt Salome kennenzulernen und sie war in der Tat ein sehr herzlicher Mensch und auch wenn sie Richards Namen nie nannte, sprach sie doch stets mit Liebe und Wärme von ihm und sie schämte sich nicht zuzugeben wie sehr er ihr fehlte.

Automatisch schlang er den Arm um ihre Hüfte, denn er spürte ihre Kraft sie verlassen angesichts der Last ihrer Geheimnisse und sie drückte seine Hand dankbar.

Sue sah ihn aufmerksam an, sie suchte nach seinem Schutz in dieser ungewohnten Situation und er verstand endlich wie die beiden Andern sich gefühlt haben mussten, denn er fühlte sich verantwortlich für diese beiden Frauen.

„Guten Tag.“ Wisperte Sue nachdem Robert ihr aufmunternd zugenickt hatte und bestieg das Flugzeug schweigend.

Die Mädchen hatten beide Angst, sie waren hier nicht in ihrem Element und sie flogen auf eine ungewisse Zukunft hin und doch setzten beide sich ohne zu zögern, während die beiden Herren ihnen gegenüber Platz nahmen und sie abwartend ansahen.


Matthew freute sich sie zu sehen, das energisch vorgereckte Kinn in einem blassen Gesicht, die Tränenspuren einer langen Nacht und die Augen dunkel vor Sehnsucht, war sie das Sinnbild einer romantischen Heldin.

Salome sah ihn mit brennender, leuchtender Freude an und sein Herz wurde wärmer.

Oh er hatte sie vermisst, sie und ihre ehrliche Liebe und auch wenn er wusste, dass sie ihm sein Schattenspiel sicher übel nahm, war sie doch nicht die Art von Frau die ihn mit Ablehnung strafte wenn sie sich insgeheim freute sein Gesicht zu sehen.

Diese beide Frauen die ihm jetzt schweigsam gegenüber saßen gaben ihm ein Gefühl von dem was die Menschen da draußen empfanden und er war dankbar für jedes Lächeln, das ihm sagte, dass allein sein Gesicht reichte um Menschen Freude zu bereiten.

Salome schien so verloren in ihrer Welt und ihren Gedanken, dass er Richards Gesicht in ihren Augen sehen konnte, er konnte erkennen mit welcher Intensität sie an ihn dachte.

„Oh ist es schon wieder so weit?“ Sue sah Salome etwas belustigt an.

„Was? Es tut mir leid, ich war in Gedanken versunken.“ Entschuldigte sich Salome schnell.

Sie würde ihn wiedersehen und sie würde sein Gesicht sehen, dachte sie immer und immer wieder.

John schnüffelte an Matthews Bein und er kraulte den Hund automatisch.

John würde nicht sprechen, er war nur ein Hund, aber seine dunklen Knopfaugen leuchteten fast golden vor Freude einen alten Freund wiederzusehen und sein Schwanz klopfte aufgeregt auf den Boden des Flugzeuges als er die vertraute Hand auf seinem Leib spürte.

Salome hatte ihren Hund dabei, Salome reiste mit allem was sie hatte, dachte Matthew und warf einen kurzen Seitenblick auf Robert, der die Frauen mit Argusaugen überwachte.

Sie haben dich also doch gekriegt Kleiner.

 

Die Stunden verflogen, man machte einen Zwischenstopp, man führte den Hund aus.

Alle mussten Salome fast zwingen etwas zu essen.

Sue fand es lustig, dass Salome wirklich so nervös zu sein schien, immerhin waren dies ihre Idole, aber das Ganze war relativ geworden, jetzt da sie Robert kannte.

Er hatte sie überrascht und seine Anwesenheit war langsam zur Gewohnheit geworden und als er gefragt hatte ob sie seine Besuche als störend empfand, war ihr erst aufgefallen, dass sie es zum ersten Mal genoss einen Mann um sich zu haben.

Er machte zwar nervös, aber auf eine angenehme, prickelnde Art und Weise die nichts mit Angst zu tun hatte und das war komplett neu für sie.

Seine sanften Augen und die sparsamen Gesten, die kaum verhohlene Schüchternheit und sein Tick sich dauernd durch die Haare zu streichen wenn er sprach, seine blasse Haut die Leinwand für so viele Gefühle war und der weiche, großzügige Mund der ihr so viele schöne, unnütze Worte gesagt hatte, waren zu ihren stetigen Begleitern geworden und sie würde sie nicht missen wollen.

Für alles in der Welt nicht.

Sie sah in Matthews ruhige Augen, in Augen die mehr als nur sahen, in Augen die verstanden und dachte insgeheim wie seltsam es doch war, dass Menschen die einen umso nervöser machen sollten auf einmal Ruhe ins Leben brachten.

Dieses Mal war es Salome die Sue eingehend betrachtete, denn das Flugzeug würde bald landen und sie war nicht mehr im Geringsten müde, sie war so wach wie noch nie zuvor.

„Ja, niemand schweigt so schön wie die Briten.“ Lachte sie und brachte damit Sue zum Erröten, da sie sich unbeobachtet gewähnt hatte.

Sue saß Menschen gegenüber die selbst so schön waren, dass sie sich nicht mehr seltsam fühlte, sie fühlte sich geborgen und normal und sie lächelte warm.

„Ich bin komplett glücklich Salome, kannst du dir das vorstellen?“

Salome konnte es, sie konnte die Haut ihres Geliebten fast schon riechen, seine Lippen fast schon schmecken und die Sehnsucht nach ihm zerriss sie fast, jetzt da sie nur noch Minuten von ihm trennten.

Eine Unruhe, eine Ungeduld die jeder Beschreibung trotzten machte sich in ihr breit und am liebsten wäre sie gleich aus dem Flugzeug gesprungen.

Sue spürte die Veränderung und sah die Freundin forschend an, nicht verstehend wieso Salome sich auf einmal wand als trüge sie Schlangen unter ihrem Kleid.

Das Flugzeug setzte zum Landeanflug an und Salome überraschte alle mit einem tiefen Seufzer.

„Wir sind bald da. Machen Sie sich bitte bereit.“ Sprach Matthew und freute sich insgeheim auch auf den Freund, den er fast ein bisschen vermisste.

Richard fror sich den Hintern ab als er auf der einsamen Landpiste darauf wartete, dass Matthew endlich sein Wort halten und die große Überraschung auftauchen würde.

Und dann…

Kapitel 83 by MaggyMae
Author's Notes:
Susan sees the light

83.

…sprang ein großer Fellberg auf ihn zu.

„John.“ Seufzte er und vergrub das Gesicht im Fell dieses Hundes, den er an sich drückte als wäre er der verlorene Sohn.

Sue sah verwirrt auf den Hund. Was lief denn hier ab?

Einer plötzlichen Eingebung folgend hob sie den Blick und sah die Tränen auf Salomes Wangen und auf einmal war ihr alles klar, plötzlich verstand sie was passiert war und was man ihr verschwiegen hatte.

Alle Puzzleteile fielen an ihren Platz und das ganze Bild offenbarte sich ihr in einer solchen Klarheit, dass sie nicht mehr verstehen konnte wieso das ihr nicht früher aufgefallen war.

Wie hatte sie das nicht sehen, nicht verstehen können?

„Geh schon.“ Seufzte Matthew als er in Sues Augen das Verständnis las das Salome befreite und sofort rannte diese los.

Sie flog ihm nahezu in die Arme, vergrub ihr Gesicht an seinem Hals und weinte warme Tränen der namenlosen Freude darüber, dass sie ihn endlich wiederhatte.

Es war ihr jetzt in dieser Sekunde egal was die Andern denken würde, oder was die Beamten sich vorstellten, es war ihr egal, weil er alles war was zählte in dieser Sekunde.

Er schlang die Arme um ihren Körper und atmete das wilde Leben ihres schlagenden Herzens gierig ein, er wollte sie fressen, wollte sie nie wieder loslassen und doch wusste er, dass sie beide ersticken würden wenn er sich nicht von ihr löste.
„Oh ich habe dich vermisst.“ Murmelte sie.

Er spürte, dass sie sich verändert hatte, ihre Arme waren fester, härter und er sah mit Unbehagen auf ihren Koffer den Matthew schweigend hielt.

„Ich dich auch. Oh ich liebe dich.“ Murmelte Richard und küsste ihren lockigen Haarschopf ergeben, die Hände in den Ihren und die Augen auf ihr Gesicht geheftet.

„Ich liebe dich auch. Wie waren die Tage doch so lang ohne dich.“

Aber er wusste, dass sie die Tage genutzt hatte um sich zu einer richtigen Kriegerin zu entwickeln und wieder machte sich eine Welle des Unbehagens in ihm breit.

Etwas kam auf sie zu. Und er wusste, dass es nicht schön sein würde.

 

„Matthew. Robert. Miss Sue.“ Grüßte er dann die Andern und Sue sah ihn lange an.

„Salome, sag es mir. Sag es mir ins Gesicht.“ Verlangte sie dann, sich von Richard abwendend.

„Sue, ich habe dir verschwiegen was ich dir nicht sagen KONNTE und es tut mir so schrecklich leid. Verzeih mir.“
Sue dachte an alle ihre Telefongespräche und an Salomes Tränen wenn diese dachte, dass Sue sie nicht sah, sie überlegte wie lange Salome schon mit diesem Geheimnis lebte.

„Tief in mir drin habe ich es geahnt. Du hast das mit Rob einfach zu leicht weggesteckt.“

Sue war es als wäre sie bisher kurzsichtig gewesen und als hätte man ihr endlich eine Brille aufgesetzt, alles kam ihr auf einmal so einfach und klar vor.

„Ich verzeihe dir, dass du schützen wolltest, was dir nicht gehörte. Aber Salome, musstest du diesen Schmerz alleine tragen? Ich hätte für dich mitstemmen können, in diesen langen Wochen seit er weg ist, in diesen Stunden der Einsamkeit und der heimlichen Tränen hättest du mir sagen können was dich so quält.“

Sue konnte nicht verstehen wie jemand sich bewusst und absichtlich mit seiner Pein einschließen konnte.

„Ich wollte…“

„Mich nicht belasten? Jetzt hör mir mal gut zu Salome!

Ich liebe dich und ich würde alles für dich tun, alles anhören und alles akzeptieren auch wenn ich es nicht verstehe.

Du hast eine verdammte Waffe und ich habe nichts gesagt nachdem du es mir erklärt hast.

Ich hätte versucht zu verstehen, aber du wolltest nicht teilen.“

„Das ist meine Last.“

„Nein, es ist nicht deine Last. Ich werde nicht zulassen, dass du mir hilfst und mein Herz pflegst und aufpäppelst jeden Tag wenn ich nicht das Gleiche für dich tun kann.“
Aber Salome ging es gut, es ging ihr fantastisch.

Sie waren alle hier. Salome war wieder ganz und als sie diese große Hand in der Ihren fühlte hätte sie weinen können vor Erleichterung.

„Es tut mir leid Miss Sue.“ Sprach Richard leise und sah verwundert in die weichen, freundlichen und geduldigen Augen Sues.

„Ihnen muss das nicht leid tun. Ich habe jedes Wort was ich je gedacht oder gesprochen habe ernst gemeint was Sie angeht.

Sie waren ihr ein guter Freund und sie liebt Sie…dich, sie liebt dich mit allem was sie hat und ist und ganz ehrlich gesagt, verdirbt das hier mir gerade den Rausch.“

Sie zog eine Schnute.

„Wie bitte?“ Richard blinzelte verwundert.

„Na…Eigentlich müsste es schrecklich aufregend sein seine Lieblingsschauspieler zu treffen, aber das Gefühl von gläubiger Ehrerbietung geht gerade in einer riesigen Überraschung und Erleichterung unter.

Irgendwie freue ich mich jetzt mehr die Freunde meiner Salome kennenzulernen als die Stars sie ich so bewundere kennenzulernen.

Das klingt doof, weil es doch dieselben Menschen sind, aber es ist so.“

Sue warf verzweifelt die Hände in die Luft.

„Wenn es dich tröstet, es macht mich auch viel nervöser die beste Freundin der Frau die ich liebe zu treffen als einen Fan. Und glaub mir, Fans jagen mir manchmal einen Heidenschrecken ein.

Ehrlich Sue, Fans erwarten eine Menge von dir und du musst allen Erwartungen gerecht werden, aber das hier ist viel schlimmer. Das hier ist fast so arg wie die Schwiegermutter zu treffen.“

Sue grinste ob dieser Worte und feixte:

„Ihre Mutter ist nicht viel älter als du, du müsstest dich gut mit ihr verstehen.

Ihr könnt ja über die Französische Revolution oder über die Schlacht gegen Karthago sprechen.“
Sue schlug die Hand vor den Mund, sie war doch sonst nicht so frech.

„Ja ja, die bringen das Gemeinste in dir zum Vorschein, ich kenne das schon.“

Salome lachte befreit und führte die Hand des Mannes den sie so verzweifelt liebte an ihren Mund.

„Ihr seid alle ein klein wenig creepy.“ Murmelte Sue verwundert und streichelte den Hund der immer noch wie von Sinnen um sie herum tanzte.

 

„Wie wär’s wenn wir einen Happen essen gehen?“ schlug Robert vor, der wie immer in die Ecke gedrängt worden war und überrascht aufsah als Sue seine Hand ergriff.

„Essen wäre gut.“ Schmunzelte Salome und strahlte ihn an.

Robert schüttelte benommen den Kopf, denn für ihn war das genau so seltsam wie für alle Andern, vor ein paar Wochen war er nur der aufsteigende Filmstar gewesen und jetzt stand er hier, am Ende der Welt mit 2 Frauen die eindeutig seine Freundinnen waren und mit 2 Männern die von Idolen zu Kumpels geworden waren.

Sie gingen los, kichernd und die ganze Geschichte noch einmal von vorne durchgehend.

Die Männer beichteten, dass sie Salomes Blog lasen, dass sie sie beim telefonieren bespitzelt hatten und Robert gab nur ungern zu, dass er ein doppelter Agent wider Willen gewesen war.

Salome und Sue erröteten nacheinander und kicherten leise über ihre törichten Versuche Menschen in zwei zu spalten.

Niemand von ihnen sah den Mann der hinter einer Ecke stand, tiefe Augenringe im Gesicht und ein grausames Lächeln auf den Lippen.

„Oh ein Sonderangebot.“ Murmelte er leise und umschloss den Revolver fester.

Seine Finger juckten, aber er wusste, dass er Geduld haben musste.

Er war so weit gekommen, er konnte das jetzt nicht versauen dadurch, dass er voreilig handelte.

Unauffällig folgte er der lustigen Gruppe, während das Adrenalin und der Blutrausch durch seinen Körper tobten wie ein Sturm der alles zu verschlingen drohte.

Kapitel 84 by MaggyMae
Author's Notes:
Tut mir jetzt schon leid :)

84.

Salome drehte sich auf einmal unsicher um.

Da war irgendetwas, irgendjemand der sie verfolgte so hatte sie das Gefühl.

Die Andern gingen weiter ohne ihr Zögern zu bemerken und so schloss sie sich ihnen wieder schnell an und tat ihre Bedenken als Hirngespinste ab.

Sie erreichten ein kleines Restaurant am Rande eines Sees von dem Salome nicht wusste ob er nur aus Dekorationszwecken angelegt worden war oder ob er sich natürlich so gebildet hatte, aber sie fühlte sich unwohl, es war als würde das Wasser leise zu ihr murmeln.

„Was ist denn los meine Süße?“ Richard sah sie fragend an.

Sie beschloss ihm nichts von ihrer Angst zu sagen, was vielleicht unvorsichtig war, aber sie wollte diese friedliche Atmosphäre nicht trüben dadurch, dass sie sich dermaßen unwohl fühlte und deshalb schwieg sie lieber.

Auch nachdem die Vorspeise gebracht wurde fühlte sich Salome nicht besser und so kramte sie in ihrem Koffer, so unauffällig wie es ging, und steckte sich die Pistole in die große Tasche ihres Kleides und schob den Dolch in ihren Strumpfhalter.

Wie gut, dass sie wirklich eine Schwäche für ausgefallene Unterwäsche hatte, sagte sie sich innerlich kopfschüttelnd und tat so als esse sie.

 

Etwas war nicht in Ordnung, Sue kannte den Geruch der Gefahr und ihr Blick huschte in alle Ecken.

Außer ihnen saß nur ein älteres Ehepaar im Restaurant und doch spürte Sue die gierigen Blicke eines Fremden auf sich, oder eher eines ihr bekannten Individuums, aber wie schon so oft in letzter Zeit fiel es ihr schwer das Bekannte zu identifizieren.

Stets hatte sie die Gewissheit im Nacken die Stimme oder die Augen eines Menschen zu kennen, aber sie konnte sie keiner bestimmten Person zuordnen.

Die Männer schwatzten über Sport und Politik und sie merkten wahrscheinlich nicht einmal wie still die beiden Frauen geworden waren.

„Hey, seid ihr eigentlich ein Paar?“ erkundigte sich Matthew plötzlich.

Robert lief rot an bis in die Ohrspitzen, wagte es aber nicht ihm zu antworten, weil er möglicherweise etwas gesagt hätte was Sue missfallen könnte.

„Ich weiß es nicht genau.“ Erwiderte diese dann, das Gefühl beobachtet zu werden nicht abschütteln könnend.

„Ich denke wir arbeiten langsam aber sicher darauf hin.“ Sprach Rob nun vorsichtig und schelmisch zugleich und erntete einen entgeisterten Blick von Sue.

„Ach ist das so?“ fragte sie provokativ und er grinste verlegen.

„Ok, ich arbeite darauf hin sie zu überzeugen.“

Sue kicherte nervös, denn diese Situation überforderte sie und sie hatte nicht genügend Konzentration um alles Aspekte in sich aufzunehmen.

 

Wie schön sie doch ist, dachte Richard im Sekundentakt.

Salome schabte ihr Essen hin und her, aber als sie seine Augen auf sich wahrnahm, lächelte sie ihn an.

Ermutigend, beruhigend, wie man ein verängstigtes Kind anlächelt, dachte er alarmiert und die vage Einschätzung, dass sie besorgt war wurde zur Gewissheit.

„Ist etwas los?“ fragte er eindringlich, doch sie schüttelte nur den Kopf.

Sie hatte Recht gehabt, Salome war in der Tat eine schlechte Lügnerin, denn er kannte den Ausdruck auf ihrem Gesicht, es war derselbe Ausdruck den sie an den Tag gelegt hatte als sie ihn mit dem Briefmesser oder der Fernbedienung niederschlagen hatte wollen, derselbe Ausdruck wie damals spät nachts in der dunklen Straße.

Sie sah nicht gehetzt aus, sondern konzentriert und er verneigte sich innerlich vor diesem sechsten Sinn der anscheinend nur Frauen zuteilwurde.

Sein Blick fiel auf Sue und er sah Angst, er konnte ihre Angst förmlich riechen.

Sie sah aus wie ein Reh das den Jäger witterte, jedoch nicht wusste von wo er kommen würde, während Salome viel mehr wie eine Katze aussah, die jeden Moment auf den Angriff des Terriers gefasst war.

 

„Sagt mal, ihr seid erstaunlich ruhig.“ Matthew blickte alle Andern der Reihe nach an, er, der König der Stille, vernahm die leise Vibration der Worte die nicht gesprochen wurden.

„Es war dann doch ein wenig viel und ich bin erschöpft von der Freude.“

Er glaubte Salome kein Wort, sie war ein so lebensfroher Mensch, dass die Freude sie niemals ermüden würde, da war etwas Anderes was er nicht sah.

Hatte sie sich mit Richard gestritten?

Nein, denn ihre Hand ruhte auf der Seinen, schützend, haltend, liebevoll.

Die Zeit tickte an ihnen vorbei, die Kellnerin nahm ihre Schürze ab und verschwand, das alte Paar erhob sich und ging und sie saßen immer noch schweigend an ihrem Tisch.

„Ihr habt mir gefehlt.“ Murmelte Rob und wurde erneut rot, seine strahlenden Augen hefteten sich auf die Männer die ihn unbehaglich ansahen.

„Ehm danke.“ Richard erinnerte sich lebhaft an ihr kleines Abenteuer im Bad und konnte nicht behaupten, dass das ein Moment gewesen war den er gerne noch mal erleben würde.

„Und ich bin froh, dass das ganze Versteckspiel jetzt ein Ende hat.“
Sue warf ihm einen tödlichen Blick zu, denn sie war ein wenig eingeschnappt, dass sie wirklich die Einzige gewesen war die man nicht eingeweiht hatte.

Allerdings hatte sie so Robert kennengelernt und als das Sonnenlicht auf sein Haar fiel, sah sie die herbstliche Herrlichkeit des Farbenspiels das wie ein Regenbogen der Freude nur für sie zu leuchten schien.

Seine Schönheit war für sie jeden Tag eine Überraschung und sie begann zu verstehen wie die Menschen sich ihr gegenüber fühlen mussten dadurch, dass sie sprachlos auf die klaren Linien seines Gesichts und auf das jungenhaft sanfte Lächeln sah.

Er hatte sie immer respektiert und seine kleinen Aufmerksamkeiten, all die Worte der Zuneigung und die winzigen Berührungen waren die Schätze ihre Seele geworden die sie für nichts auf der Welt wieder hergeben würde.

Schamhaft dachte sie daran was sie alles gesagt hatte und wie sehr sie Salome gequält haben musste mit ihrer Manie für zwei Männer die ihr mehr bedeuteten als Sue damals hatte verstehen können und jetzt, da sie Robert in ihrem Leben hatte, konnte sie nachvollziehen wie der Mensch den man ehrt und mag die Rollen färbt die man zuvor komplett neutral beurteilen konnte.

Salome hatte gesagt sie würde ihren Nachbarn lieben und Gott, Salome hatte Recht.
Die Art wie er ihre Hand hielt, wie er sie voll der Anbetung und des wortlosen Erstaunens ansah, sagte Sue, dass er alle diese Tränen verdient hatte die Salome um ihn geweint hatte.

Es musste schwer sein ein Mann zu sein, dachte sie weiter, denn Männern war es nicht erlaubt sich ihren Gefühlen einfach hinzugeben und ihrer Sehnsucht freien Lauf zu lassen, denn immerhin galt es als unmännlich sich einer Frau zu Füßen zu werfen um ihre Haut mit Tränen und Gebeten zu bedecken.

Sue war beruhigt durch die offensichtliche Liebe die sich auf den Zügen dieses Mannes abzeichnete, dessen Gesicht sie so oft gesehen hatte und von dem sie doch niemals gedacht hätte, dass er einer Frau derart verfallen könnte.

Aber immerhin war es Salome, Salome die die Welt im Sturm eroberte und die niemals nach dem „Warum“ fragte sondern furchtlos in den Kampf ritt.

Alles war perfekt, das Leben eine vollkommende Kugel des Glücks, die schimmernd und ohne Lücken oder Fragen mit der Welt im Einklang rotierte.

Und dann huschte ein Schatten am Fenster vorbei und Salome sprang genervt auf.

„So jetzt reicht es.“ Rief sie wütend, zog die Waffe aus ihrer Tasche und stürzte aus dem Restaurant, Sue an ihren Fersen und 3 verwunderte Männer hinter sich lassend.

Salome riss die Tür auf und begab sich auf die Suche nach diesem ominösen Schatten.

Währenddessen wusste ER, dass seine Zeit gekommen war, den Revolver im Anschlag, bedeutete er den 3 Herren im verwaisten Restaurant ihm doch bitte durch die Hintertür zu folgen.

Kapitel 85 by MaggyMae
Author's Notes:
Ok...spannend?

85.

Er war in irgendeinem billigen Hotel abgestiegen und hatte erst mal ausgiebig geschlafen.

Das Glück war ihm hold, man hatte ihn nicht gefilzt und er hatte bei einem unschuldigen Spaziergang eine Goldmine entdeckt.

Eigentlich hatte er ja noch nachdenken wollen wie er es anstellen sollte einen so wichtigen Mann zu entführen, aber alles war leichter gewesen als gedacht.

Da saß er, einfach so und er war nicht allein.

Er rieb sich die Hände, das würde ein Fest werden, drei Leichen statt einer, wie wundervoll konnte dieser Tag denn noch werden?

Er scheuchte die 3 Männer an dem Koch vorbei, den er bedauerlicherweise erwürgen hatte müssen.

Das hatte er wirklich nicht vorgehabt, aber nichts war gelaufen wie er es geplant hatte und wenn das Glück einen so ansprang, dann musste man halt flexibel sein, sagte er sich leise und lächelte über seinen eigenen Mut.

Er betete leise für den Koch, der eigentlich nur am falschen Ort zur falschen Zeit gewesen war, aber manchmal musste ein Mann eben tun was ein Mann tun musste.

Er lachte leise, er war so stolz auf seine eigene Intelligenz und der starke Geruch der Furcht der von den Männern vor ihm ausging, machte ihn ganz high.

„Na los bewegt euch.“ Sprach er in einer Sprache die sie kaum verstanden und doch wussten sie was er meinte.

Ich muss ihn hier weg bekommen, ich muss ihn von Salome weglocken, dachte Richard und ging schneller auch wenn seine Knie langsam aber sicher weicher wurden.

Auch Robert dachte an die Mädchen und lief beinahe, obwohl er keine Hoffnung hatte zu fliehen, er wollte diesen Verrückten nur so schnell wie möglich aus dem Restaurant kriegen bevor die Frauen zurückkamen.

Matthew fragte sich ob der Mann alleine war oder ob er einen Komplizen hatte, er dachte an die Frau die er liebte und an die Kinder die er aufziehen wollte, er fürchtete sich vor dem Tod, denn da war noch so viel was er hatte tun wollen. Seine Kinder zum Abschlussball fahren, Verehrer vertreiben, irgendwann weniger arbeiten, mehr Zeit für seine Familie haben.

Jeder Einzelne von ihnen dachte darüber nach, dass sie wie alle Menschen so viele Dinge verschoben hatten, Rob Sue zu sagen wie viel sie ihm bedeutete, Richard Salome zu fragen wie sie sich die Zukunft vorstellte, eine Zukunft die sie vielleicht niemals haben würden.

Wenn sie aber dachten, dass ihr Entführer nicht genau wusste was sie dachten, dann hatten sie sich geirrt, denn er erahnte es und berauschte sich an ihrem schlechten Gewissen.

Sein Blick glitt über die Männer die vor ihm standen, mit dem Rücken zum See und mit Gesichtern die ihm immer wieder seine eigene Unzulänglichkeit klar machten.

Oh wie schön sie waren, sogar er konnte das erkennen und sein Hass steigerte sich ins Unermessliche.

Wie drei Lilien, so weiß, so rein, wie eine Leinwand die er mit Blut und Tränen zu bemalen plante.

Er seufzte, er hatte das so nicht geplant, aber er war kreativ und er würde schon eine Art finden wie er allen Schaden und Schmerz zufügen konnte.

Er wollte es, alles in ihm verlangte nach ihren Tränen, aber Briten waren so verdammt zäh und er hatte eigentlich nur Armitage gewollt, aber die Andern waren ein schöner Bonus.

Es waren Männer wie sie die Schuld daran waren, dass keine Frau ihn ansehen wollte, dass Frauen sich von ihm abwandten wenn sie doch in Wirklichkeit niemals etwas Besseres haben konnten.

Niemals solche Männer wie die da.

Er hasste sie, hasste sie für ihre Schönheit die den Frauen den Kopf verdrehte und dafür, dass sie ihn jetzt so geduldig ansahen, verdammt, er konnte ihre Angst riechen, aber sie bewegten sich nicht. Sie flehten nicht. Sie weinten nicht.

Sie dachten an die verdammten Frauen die bei ihnen gewesen waren und die als nächstes an der Reihe waren.

Lächelnd fragte er: „Wem wäre es nach einer Runde schwimmen?“

Sie wurden blass, das Wasser war sicher eiskalt und er vertraute darauf.

„Ach ja Armitage? Viel Spaß.“ Mit dem grausamsten aller Lächeln zielte er auf Richards Bein.

Und schoss.

 

„Boris.“ Keuchte Salome als ein großer Mann um die Ecke kam.

„Oh Salome, du bist groß geworden.“

Der Mann sah sie von oben bis unten an, aber da er Salome zum letzten Mal wirklich getroffen hatte als sie 15 oder so gewesen war, konnte er ruhig sagen sie sei „groß“ geworden auch wenn sie scheinbar seitdem nicht mehr viel gewachsen war.

„Bitte nimm die Waffe runter Schatz.“

Salome senkte die Pistole und holte tief Luft.

Nur Boris, sagte sie sich, doch das seltsame Gefühl in ihrer Bauchgegend wollte einfach nicht verschwinden.

„Ich habe bisher ganz gut auf deinen Schatz aufgepasst, aber dass du 2 weitere von der Sorte hier anschleppst macht es für mich nicht unbedingt leichter.“
Boris rieb sich über die kurzen Haare und seufzte wie ein alter Mann.
Er war Gregoris Befehlen gefolgt ohne zu fragen und er musste zugeben Schatten und Babysitter für einen Mann zu spielen, der fast sein Vater hätte sein können, machte ihm nicht wirklich Spaß.

Aber Salome liebte ihn und Greg liebte Salome und so war es an ihm hängengeblieben.

Salome sah hübsch aus und Sue war bei ihr, die wie erwartet zu einer richtigen Schönheit herangewachsen war.

„Was machst du eigentlich hier? Bewaffnet?“

Salome hob die Schultern als sie sprach:

„Ich hatte das ungute Gefühl, dass da was im Busch ist. Irgendwie fühlte ich mich beobachtet.“

Boris wollte schon abwinken, aber war es nicht das gleiche ungute Gefühl gewesen das ihn dazu gebracht hatte Stunden in der feuchten Kälte hier draußen zu verbringen?

Er konnte es spüren, das Böse, wie es sich seinen Weg durch die karge Landschaft bahnte und um ein Haar hätten Salome und er sich gegenseitig erschossen.

Sicherlich bildete er sich das nur ein, Wochen der Langweile hatten seine Sinne so überdreht, dass er sich jetzt schon Abenteuer ausmalen musste und Salome war eh für ihre blühende Fantasie bekannt.

„Es kann gut sein, dass ich mich irre, aber es war gerade alles so perfekt und…“

Ein Gedanke drängte sich ihr auf.

Es war perfekt gewesen, weil alle da gewesen waren, weil sie sich keine Sorgen mehr machen musste, dass Einer ihrer Liebsten in Gefahr sein könnte während sie weit weg war, aber dann ging ihr auf, dass sie gerade jetzt alle in höchster Gefahr waren.

Weil sie alle zusammen waren.

Salome wusste nicht auf wen dieser Schatten der ihre Träume vergiftete es abgesehen hatte, aber hier hatte er die freie Wahl und sie waren Meilen von dem nächsten Haus entfernt.

Alle roten Lämpchen des Nordpols fingen an in ihrem Kopf zu blinken, sie hatte sich und ihre Freunde geradewegs in eine Falle manövriert und dieses ungute Gefühl war keine Illusion.

Wieso trug sie gerade heute so ein lächerliches Kleid?

„Boris? Du passt auf Sue auf. Wir sind hier nicht allein, hier ist noch jemand.“

Salome klang gefährlich ruhig, sie griff nach dem Dolch in ihrem Strumpfhalter und kontrollierte die Pistole sorgfältig.

Das Kleid nervte sie über die Maßen, also riss sie es sich vom Leib und schlich in einem Korsagebody und Strumpfhaltern zu ihrem Fenster.

„Mein Gott, die Jungs sind weg. Alle.“ Keuchte sie und fing Sues panischen Blick auf.

Und dann hörte sie den Schuss.

Ihre Schuhe im Laufen verlierend rannte Salome los, betend, dass sie nicht zu spät kommen würde.

Als sie jedoch den Schatten erkannte, blieb sie wie angewurzelt stehen.

Es roch nach Blut und ihr wurde übel.


Kapitel 86 by MaggyMae
Author's Notes:
Der Mörder ist immer der Gärtner?

86.

„Matthias nein.“

Salome rang die Übelkeit nieder und kämpfte gegen ihre schweren Beine an.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie da sein würde, aber ja, er hatte Armitage wegen ihr ausgewählt.

Salome, die erste und einzige Frau die er je geliebt hatte, seine süße Stiefschwester die ihm nie mehr als Verachtung entgegengebracht hatte.

Nicht einmal wie einen Bruder hatte sie ihn lieben können und als er sie nicht dazu bringen konnte ihn so zu verehren wie er sie verehrte, da hatte er irgendwann beschlossen sie so zu quälen wie sie ihn immer gequält hatte.

Natürlich wusste Matthias tief in seinem Herzen, dass Salome keine Schuld traf, aber er würde sich immer an das erste Mal dass er sie gesehen hatte erinnern.

Sie war damals ungefähr 19 oder 20 gewesen, eine erwachsene Frau und doch nur ein halbes Kind und wie Kinder hatten sie sich gestritten und sich Streiche gespielt, aber sie hatte ihn nie wirklich gesehen und das nahm er ihr übel.

Sie, die perfekte Tochter die ihn und seinen Bruder in Scham und Schande erröten ließ angesichts ihrer guten schulischen Leistungen, ihrer Intelligenz, ihrer Gutmütigkeit und während sie stets wie ein Schatten an diesem Mafioso hing, sah ihre Mutter sie immerzu mit einer solchen Liebe an.

Anya, die Mutter die ihn nie richtig geliebt hatte und wie sollte sie auch wenn sie zwei so wundervolle Kinder hatte?

Matthias war sich immer plump und dumm vorgekommen neben dem hoch gewachsenen Gregori und seinen harten Freunden.
Außerdem hatte er sich so oft von Salome erniedrigen, schlagen und überlisten lassen, dass es Zeit war für seine gerechte Rache.

Er wollte sie weinen sehen und da er diesen Mann nicht fand von dem sie behauptete in ihn verliebt zu sein, beschloss er ihr Idol zu töten, den Mann den sie so bewunderte und jetzt erkannte er, dass es sich um denselben Mann handelte.

Ihre Augen flogen zu dem Körper der am Rande des Wassers stand, blutend, zitternd.

Mit einem Fußtritt beförderte er Armitage ins Wasser, mit einem Fußtritt in dem all seine Wut lag und der sein Opfer in die Magengegend traf.

„Von euch rührt sich niemand.“ Bellte er den beiden Andern zu, welche er nun zwang sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen.

 

Die Macht floss berauschend durch seine Adern.

Seine Stiefschwester sah ihn mit tränenfeuchten Augen an, sie bemitleidete ihn.

„Sieh mich nicht so an du Hexe.“ Schrie er und Speichelfäden klebten an seinen Mundwinkeln, er sah aus wie ein tollwütiger Köter und er wusste es.

Aber er wollte sie erzittern sehen, wenn schon nicht vor Lust, dann wenigstens vor Angst.

Er sah ihr an wie sehr sie diesen Sterbenden liebte, der im Wasser trieb und sich nicht einmal gegen den eisigen Sog der Tiefe wehren konnte, weil das Blut unaufhörlich aus seinem Leib strömte.

Ja, Matthias lag nichts an Armitage, aber er wollte Salome wehtun und als er wirklich verstand wie tief dieser Tod sie treffen würde, wusste er mit Sicherheit, dass er sein Ziel erreichen würde.

Er würde ihr alles nehmen, ihre ganze Zukunft, ihre ganze Hoffnung.

„Und wie fühlt es sich an? Verloren zu haben?“ keuchte er, erschöpft und nervös, aber glücklich seine geliebte und gehasste Stiefschwester endlich besiegt zu haben.

 

Boris hielt Sue zurück, sie sollte sich besser nicht in Gefahr begeben und irgendwie fühlte er, dass das hier ganz allein Salomes Kampf war und er wartete auf ihre Anweisungen.

Matthias könnte zu leicht einen der Andern erschießen wenn er die Waffe hob, außerdem konnte er Sue nicht loslassen, denn wenn er etwas mit Sicherheit wusste, dann war es, dass Frauen unberechenbar waren im Angesicht der Gefahr.

Matthew keuchte leise ins Gras, der volle Duft stieg ihm in die Nase und er rang die Angst nieder, kämpfte darum einen klaren Kopf zu behalten.

Salome trug nur ihre Unterwäsche, aber das war ziemlich typisch für sie, was ihn mehr beunruhigte war der Fakt, dass sie diesen Wahnsinnigen zu kennen schien.

Er hatte Richard eiskalt ins Bein geschossen und ihn dann gezwungen ins Wasser zu gehen, Himmel, er hatte ihn ins Wasser hineingetreten.

Matthew hatte Angst um seinen Freund und er hatte Angst um Salome, die jetzt nichts mehr zu verlieren hatte als ihr eigenes Leben und er kannte Frauen gut genug um zu wissen, dass sie mit Zähnen und Klauen kämpfen konnten und wenn es eine Frau gab die das sicher tun würde, dann war es nun mal Salome.

„Ich habe dich geliebt. Immer. Und du ziehst mir so einen jämmerlichen alten Mann vor?“

„Du bist mein Bruder.“ Erwiderte Salome gerade leise.

Matthew schloss sich eine eiskalte Hand ums Herz, das war also der Stiefbruder über den sie nur ungern sprach und er verstand so langsam wieso.

„Was ist er dir schon? Er wird tot sein wenn du deine besten Jahre erlebst.“

Matthias wollte sie verletzen, er suchte nach ihrem Schmerz, doch alles was er in ihren Augen sah war kühle Ablehnung.

„Sieh mich nicht so an. Ich schieße deinem Liebling in den Kopf, wenn es sein muss.“

Salome warf einen schnellen Blick auf Richard, er trieb verdammt weit draußen, Matthias würde ihn nicht treffen, zumindest hoffte sie das.

„Er ist mein Jean Valjean und mein Marius Pontmercy, er ist mein Phantom und mein Raoul, er ist mein Romeo, er ist alles was man sich wünschen kann und du kannst ihn nicht haben.“

Sie sprach mit einer ruhigen, beherrschten Stimme und Matthias wurde immer wütender.

„Ich habe ihn niedergeschossen wie einen Hund, jetzt da mir alles klar wird freue ich mich sogar darüber, dass du hier sein wirst. Dass du sehen wirst wie dein strahlender Held, dein Ritter, dein Prinz ertrinkt wie ein räudiges Junges eines Straßenköters den niemand mehr will.

Oh ja, sieh es dir an Salome.“

Er kam langsam aber sicher näher.

 

Salome schaltete alle ihre Gefühle aus, sie durfte nicht daran denken, dass dies der Sohn ihres Stiefvaters war und der Bruder ihres zukünftigen Bruders.

„Leg doch bitte die Pistole auf den Boden Schatz und diesen lächerlichen Dolch.“

Salome tat wie ihr geheißen, sie legte die Waffen zu Boden, denn dies war ein Gegner, den sie mit ihren eigenen Händen umbringen würde wenn es sein musste.

Sie kannte sein Gesicht, es war ein Gesicht ihrer Kindheit und sie würde ihre weichen Hände in seinem Blut baden.

Matthias Blick glitt über die vollen Brüste die er immer nur gesehen hatte wenn er durchs Schlüsselloch gelinst hatte und die weichen, vollschlanken Beine die in hauchdünnen, zerrissenen Strümpfen steckten.

Sie war bewaffnet gekommen, sie hatte es geahnt, hatte ihn geahnt und doch hatte sie nicht erraten können, dass er es war, der ihr alles nehmen würde.

Das Wasser war eiskalt und Richard zwang sich bei Bewusstsein zu bleiben, aber sein Bein war eindeutig zerschmettert und er konnte sich kaum über Wasser halten.

Zu der Angst zu ertrinken kam die Angst zusehen zu müssen wie dieser Irre Salome erschoss und er hatte mit jeder Sekunde mehr Mühe sich bei Bewusstsein und vor allem über Wasser zu halten.

Der Schmerz, die Erschöpfung, die Kälte und die lähmende Angst griffen mit Eisenkrallen nach ihm und zerrten ihn immer wieder unter Wasser.

Er würde sterben und sie würde niemals wissen wie sehr er sie wirklich liebte, aber er hoffte nur, dass dieser Kriminelle der ihr Bruder war ihr nichts antat, dass sie leben würde.

Salome sah dem Kampf des Mannes den sie liebte aus den Augenwinkeln zu, ihnen lief die Zeit davon, dachte sie panisch und strich sich aufreizend über den Busen.

Die Augen ihres Stiefbruders folgten ihren Bewegungen und als er noch näher kam um es ihr gleichzutun, rollte eine Woge des Ekels über sie hinweg.

Aber sie hatte keine Zeit nachzudenken und so handelte sie wie so oft ohne nachzudenken.


 

Kapitel 87 by MaggyMae

87.

Mit einer schnellen, fließenden Bewegung riss sie die winzige Klinge die ihr Gregori geschenkt hatte aus einem Fach in ihrem Body und rammte sie ihrem Stiefbruder in den Hals.

Als er nach vorne fiel bückte sie sich und schnitt ihm noch bevor er auf dem Boden aufschlug beide Achillessehnen durch und schlug ihn mit einem schnellen Schlag auf den Hinterkopf bewusstlos.

„Boris? Sieh zu, dass er sich keinen Zentimeter bewegt. Sue, kümmer dich um die beiden Andern.“

Schrie sie, warf das Messer auf den Boden und hechtete in den eiskalten See hinein.

 

Richard sah mit Entsetzen wie dieses Schwein sie anfasste und verlor dann endgültig das Bewusstsein, er dämmerte in eine Vorhalle des Todes.

Dort war es warm und Salome war da, weich lächelnd, die Hand in der Seinen und sprach davon wie sehr sie ihn liebte und dass alles gut werden würde und er wollte ihr so sehr glauben, dass ihm fast schwindelig wurde vor Glück.

Wenn das hier eine Illusion war und er war sich ziemlich sicher, dass es so sein müsste, dann war es auf jeden Fall die schönste Illusion die er je gehabt hatte.

Das Wasser schluckte ihn als wäre er nicht mehr als eine winzige Pille und er gab sich der tödlichen Umarmung hin, sein Wille unterlag seinem Mangel an Kraft und der Blutverlust schwächte ihn zunehmend.

Er würde sie töten und Richard würde sie nicht retten können, hatte er nicht immer geahnt, dass er ihrer nicht würdig war? Dass er sie enttäuschen würde?

Er war nun mal keine 20 mehr und das Alter machte sich in jedem seiner schmerzenden Glieder bemerkbar als er sich wieder an die Oberfläche kämpfte.

Er wollte sie nur noch einmal sehen, sie noch einmal halten, nur noch einmal ihr Gesicht sehen wenn er ihr sagte wie sehr er sie liebte.

Wie sehr er sie brauchte.

Er ging langsam unter, seine größte Angst hatte ihn gefangen und doch waren alle seine Gedanken bei ihr, ging es ihr gut?

Das musste wohl Liebe sein.

So musste es sich anfühlen wenn man einen Zipfel des Himmels in den Händen hielt und ihn dann aus den Augen verlor.

 

Matthew kam keuchend hoch und sah auf den Mann der blutend am Boden lag.

„Diese Hexe.“ Stöhnte dieser nun immer und immer wieder wie ein Tantra das ihn bei Bewusstsein hielt.

„Matthias.“ Sue sah voll Verachtung auf den Mann hinab, von dem sie so wenig gesehen und so viel gehört hatte.

Er war ein schöner Mann an sich, nichts Außergewöhnliches, aber kein hässlicher Mensch.

„Was hat dich so weit gebracht?“ fragte sie mit Tränen in den Augen, nicht fähig nach den beiden Männern zu sehen aus Angst zusammenzubrechen.

„Ich habe sie geliebt. Vom ersten Moment an habe ich sie geliebt, aber sie hat mir keine Beachtung geschenkt. Ich habe sie hofiert, ich habe sie geschlagen und doch hat sie mir nie etwas Anderes als ihre kalte Abscheu entgegengebracht und ich habe sie dafür gehasst.

Ich habe seit Wochen daran geplant und gefeilt, habe ihre Blogs gelesen und da Armitage der einzige Mann ist für den sie etwas übrig hatte, habe ich ihn auserkoren.

Ich wollte sein Blut auf meiner Zunge und ich hoffe er stirbt.

Ich hoffe sie lernt was es bedeuten jemanden zu verlieren den man liebt.“

Sue spuckte ihm ins Gesicht und warme Tränen vergoldeten ihre weiße Haut.

„Du hast sie nicht geliebt. Du bist nicht einmal zur Liebe fähig du Monster.“

Sie wandte sich ab, doch sie hatte diesem Mann noch mehr zu sagen und drehte sich wutentbrannt wieder zu ihm um.

„Liebe heißt Vergebung, Liebe heißt warten.

Liebe heißt mit den Behinderungen, den Wunden und den versteckten Wünschen des Andern klarzukommen auch wenn es dich zerreißt.

Sie war noch ein halbes Kind, die Schuhe voller Sand und den Kopf voller Träume, du hättest sein können was sie damals brauchte: Ein Bruder, ein Freund, aber du wolltest von ihr was sie dir nicht geben konnte.

Das hätte sie damals niemandem geben können.“

Der Mann sah verwundert zu Sue auf.

„Sie brauchte Zeit und jemand der einfach nur da war.

Du hast sie nie verstanden. Du hättest sie niemals haben können.“
„Nur weil er schöner ist.“

Sue schüttelte den Kopf über so viel naive Blindheit.

„Nein, weil er das Herz hatte zu warten, sie Schritt für Schritt auf sich zukommen zu lassen, weil er sich nicht einschüchtern hat lassen von ihrer wilden Leidenschaft oder ihren törichten Ideen.

Er war da, einfach nur da, ein Nachbar als sie allein war in einer fremden Stadt.

Ein Freund als sie einsam war und ein Liebhaber als sie brannte.“

Sue verstand, sie verstand wieso Salome ihn so sehr liebte und wieso sie jetzt in diesem eiskalten Wasser herumschwamm als hinge ihr Leben davon ab.

Ihr Leben hing tatsächlich davon ab, dass es ihm gut gehen würde.

„Sue.“ Robert rief sie leise und sie warf sich ihm an den Hals, alle Scham vergessend.

„Oh ich hatte solche Angst um dich.“ Murmelte er und umarmte sie stürmisch.

„Du? Ich war zu jedem Zeitpunkt in Sicherheit. Wieso habt ihr euch nicht gewehrt?“

Robert sah sie lange an, sie war so schön, ihre Wangen glühten und ihr Haar fiel ihr ins Gesicht, aber sie war nie schöner gewesen als in diesem Moment.

Sie küsste ihn, sanft, tröstend und doch voll der Gefühle die so neu für sie waren, dass es sie überrumpelte so für jemanden zu empfinden.

„Wir wollten so viel Distanz zwischen euch und den Mann da bringen wie nur möglich.“

Sprach er während sie sein Haar streichelte und ihr Gesicht an seine Schulter schmiegte.

„Ihr habt wirklich keine Ahnung, oder? Wir waren hier, wir waren die ganze Zeit hier, weil wir euch nicht gehen lassen werden. Nicht so.“

Sue schmiegte sich enger an ihn und er schlang die Arme nur fester um ihren schmalen Leib, wiegte und hielt sie wie ein Kind und sie fühlte sich komplett geborgen in seinen Armen.

Matthew sah auf die junge Liebe und lächelte, ja, die Liebe und die Hoffnung waren oft stärker als der Tod, aber er wusste in welcher Gefahr sie geschwebt hatten und welcher Gefahr sich Salome jetzt aussetzte.

Er rief einen Krankenwagen und die Polizei und setzte sich dann wieder ins feuchte Gras, denn er traute seinen eigenen Beinen nicht mehr so richtig.

Es wunderte ihn immer noch ein wenig, dass Salome diese ominösen Waffen wirklich gebraucht hatte und er war voll der Anerkennung für ihr schnelles, furchtloses Handeln.

Sie hatte nicht eine Sekunde gezögert als es darauf ankam und sie hatte einen Menschen mutwillig verletzt um sie zu retten, was er ihr hoch anrechnete.

Nun flogen dieser tapferen kleinen Frau all seine Gedanken zu, hoffentlich schafften sie es rechtzeitig.

„Jungs? Kommt mit mir. Wir müssen alle Tischdecken und Ähnliches raus schaffen. Sie werden frieren.“

Sue wagte es nicht daran zu zweifeln, dass Salome es schaffen würde, sie musste es einfach schaffen, denn eins war klar, entweder beide kamen da raus oder keiner, denn Salome würde nicht loslassen, nein, sie würde niemals loslassen.

Salome sah wie er unterging und wusste, dass sie schneller sein müsste, sie verfiel in ein fast mechanisches Bewegungsmuster, ihr Rhythmus war schnell und präzise.

Sie musste es schaffen, das Wasser war kalt genug um einem Schock entgegen zu wirken, aber er würde Wasser schlucken, er würde wie angekündigt jämmerlich ertrinken wenn sie ihn nicht bald erreichte.

Die Kraft der Liebe und der Jugend ließen sie wie eine Kugel durch das Wasser pflügen, aber die Zeit und der unaufhörliche Sog der Tiefe arbeiteten konstant gegen sie.


 

Kapitel 88 by MaggyMae

88.

Nach Stunden so schien es ihr kam sie endlich an und zerrte an ihm so fest sie konnte.

„Schatz?“ Salome wollte schreien, aber alles was aus ihrem Mund kam war ein trockenes Krächzen.

„Hmmm?“

Er war mehr oder weniger bei Bewusstsein, hustete und bewegte sich kaum.

Salome sah mit Schrecken die Blutspur die sich um ihn herum ausbreitete und obwohl ihr ganzer Körper zitterte, nahm sie die Position ein die Gregori ihr gezeigt hatte.

„Halt dich einfach ruhig und ich bringe dich hier raus.“ Wisperte sie und begann zu schwimmen.

Sie war so müde und die Kälte nagte auch an ihr mit winzigen, spitzen Zähnen und so verstand sie, dass nicht nur sein Leben, sondern auch das Ihre vom Erfolg dieser Aktion abhing.

Er war groß, er war schwer und er war schon wieder ohnmächtig.

Er musste solche Angst haben, dachte Salome und sie spürte wie das warme Blut an ihren Beinen vorbeisickerte, erschauerte beim Gedanken daran, dass er immer noch blutete.

Sie musste schneller sein, schneller als der Tod der sie verfolgte, der unter die schneeweiße Haut des Mannes kriechen wollte den sie so sehr liebte.

Salome wusste, dass sie ihn verlieren würde wenn sie nicht bald ankam.

Wie hatte er nur so weit hinaustreiben können?
Wahrscheinlich hatte er Panik bekommen und hatte sich gewehrt und war so immer weiter auf das Zentrum des Sees hingetrieben.

Ihre Kräfte neigten sich dem Ende zu, aber sie konnte nicht aufhören, sie hatte das hier schon mal gemacht, es öfters geübt, doch dieser See war anders als das schöne saubere Schwimmbad.

Algen strichen ihr um die Beine wie die Finger der Toten und das Wasser war eiskalt und schmutzig.

Salome keuchte, aber sie war sich sicher, dass sie nicht atmen musste, nicht wenn es um ihn ging, sie durfte jetzt nicht schlapp machen, sie musste ihn einfach retten.

 

Er spürte Arme um ihn und die lebendige Wärme eines anderen Menschen.

Halb im Delirium erinnerte er sich daran wie sie ihm einmal gesagt hatte, dass sie einen Kurs im Rettungsschwimmen belegen musste und wie sie ihn gewarnt hatte sich von tiefen Wassern fernzuhalten.

Salome hatte es gewusst, sie hatte es gespürt und er hatte ihr nicht geglaubt.

Er konnte sie riechen, wusste, dass es sie war die ihn durch das kalte Wasser zog und immer wenn wieder ein Blitz der klaren Auffassung ihn erfasste, überkam ihn das schlechte Gewissen.

Er war wirklich ein toller Held, er ließ sich von einer Frau die viel kleiner und sicher auch schwächer war als er retten, während er wie ein Baby in ihren Armen hing und sich nicht einmal bewegen konnte.

Er murmelte ihren Namen und versuchte die Beine zu bewegen, wurde jedoch sofort von einem stechenden Schmerz übermannt der ihn aufstöhnen ließ.

„Lass dich einfach treiben Baby.“

Ihre Stimme klang angespannt und er konnte nur erahnen wie anstrengend es sein musste ihn so abzuschleppen, aber er war sich nicht sicher wie er es leichter für sie machen konnte und so bewegte er sich besser nicht.

„Geht es?“ Sie keuchte, ihre Lungen brannten wie Feuer, aber ihre Beine strampelten tapfer weiter.

„Ja. Mir geht es gut. Salome…“

Er wusste nicht was er sagen sollte.
„Ich habe Angst.“ Wisperte er und spürte wie sie ihren Griff um ihn verstärkte.

„Ich weiß Liebling, ich auch.“ Sie machte eine Pause um zu atmen.

„Alles wird gut…Ich verspreche es…“

Sie war selbst am Rand des Zusammenbruchs, er spürte wie fest sie sich an das letzte Quäntchen Kraft klammerte und alles was er für sie tun konnte war bei Bewusstsein zu bleiben.

„Sprich nicht. Ich…Ich liebe dich. Ich habe dein Gesicht gesehen, ich habe dauernd an dich gedacht.“

Er suchte nach Worten, wollte ihr zumindest die Sorge nehmen, dass er einfach so sterben würde und so redete er wild drauf los:

„Er ist dein Stiefbruder nicht wahr? Das Biest das dich so lange gequält hat.

Ich hatte solche Angst um dich und…oh ich wollte dich nur noch einmal sehen und jetzt bist du hier.

Ich wünschte du müsstest das nicht tun, aber mein Bein schmerzt höllisch…
Ich…liebe dich.“
Die samtene Schwärze senkte sich wieder über seine Lider und ließ ihn verstummen.

Er hatte sein Bestes getan, aber der Schmerz und die Erschöpfung waren stärker gewesen.

 

Sue rannte, sie warf den beiden Männern Tischdecken, Servietten und Küchentücher zu.

Dann lief sie in die Küche und stellte den Ofen an.

„Was hast du vor? Willst du sie backen?“

Sie strafte Robert mit einem eiskalten Blick und zeigte auf den Ofen.

„Hitze, Wärme…Sie werden halb erfroren sein.“
Sie sah sich um.

„Robert du trägst das alles raus, Matthew stell dich bitte gleich ans Ufer um Salome zu helfen, ich schätze sie wird es nicht schaffen ihn aus dem Wasser zu heben, er ist zu groß.“

Sue war von einer Angst geschüttelt die ihre ganze Schüchternheit verblassen ließ, das hier war kein Moment für Höflichkeiten und kleine intime Ticks, hier ging es um Menschenleben und sie musste dafür sorgen, dass alles bereit war wenn Salome ankam und das würde sie.

Sue schnappte sich den Erste Hilfe Verbandskasten und eine Flasche Vieille Prune.

Das Wasser war schmutzig und sie würde den alten Trick anwenden, den ihre Großmutter für so sinnvoll hielt: Alkohol desinfizierte.

Ein Zittern erfasste ihre Glieder und sie musste sich kurz an der Arbeitsfläche abstützen.

Nein, jetzt war nicht der Moment um zusammenzubrechen, noch nicht.

Sie warf mehr Kohle in den alten Steinofen, schob zwei Sessel aus der Eingangshalle davor und sah aus dem Fenster.

Salome kam stetig näher, Matthew stand gerade und mutig im See, bis zu den Knien im Wasser und Salome ermutigende Parolen zubrüllend.

Robert breitete die Tischdecken so aus, dass er sie sofort darin einwickeln konnte wenn sie rauskamen und so ging Sue mit wackligen Schritten wieder raus und stellte sich neben Matthew.

„Bring du ihn rein, nimm Robert mit, er soll die Wunde hiermit abdrücken. Ich hole Salome.“

Sue drückte ihm eine Rolle Verbandsmull in die Hand, welche noch eingepackt war und somit keimfrei.

„Du schlägst dich wacker.“ Sprach Matthew anerkennend und Sue sah verwirrt auf.

„Sie ist meine beste Freundin, was hattest du erwartet?“

Boris sah dem regen Treiben nervös zu und am liebsten hätte er diesen Mann der unter ihm lag und blutete niedergeschossen wie einen räudigen Hund.

Gregori würde ihm niemals verzeihen wenn seiner Schwester etwas passierte.

 

Salome strampelte, ihre Beine waren taub und bleischwer, aber sie konnte Matthews Stimme hören die stetig näher kam.

„Nur noch ein kleines Stück, du hast es fast geschafft.“

Es war 19 Atemzüge her, dass Richard aufgehört hatte zu sprechen, aber sie konnte seine Atmung hören, er war nicht tot.

Er brauchte medizinische Versorgung und wahrscheinlich einen Therapeuten.

Sie musste es schaffen, dachte sie, doch die Schwäche übermannte sie und so biss sie sich fest in den Arm bis sie ihr eigenes Blut schmecken konnte und die Verletzung gab ihr den finalen Adrenalinkick.

„Ich komme.“ Hörte sie jemanden sagen und dann dämmerte sie weg.


Kapitel 89 by MaggyMae

89.

„LAUF!!!“ befahl Sue laut und schleppte die ohnmächtige Salome aus dem Wasser.

„Verdammt ihr dummen Idioten, rennt um Gottes Willen, der Junge verblutet uns sonst.“

Sue war eine gute Läuferin, ihre Beine waren lang und Salome war viel kleiner und wahrscheinlich auch um einiges leichter als Richard und so kamen alle fast gleichzeitig in der Küche an.

Die Leiche des Kochs lag immer noch in einer Ecke, aber sie hatten keine Zeit sich darum zu kümmern.

„So, Robert ich will, dass du raus gehst und nach den Behörden Ausschau hältst.

Matthew du versuchst Salome wieder zu wecken und ich…“
Sie sah auf das viele Blut und wischte mit der Kompresse darüber, Algen hatten sich um das Bein gewickelt und auch wenn es ihr zuwider war eine Küche mutwillig zu beschmutzen, kippte sie die Flasche und wusch mit dem Branntwein das Blut und die Algen ab.

Richard kam mit einem Schrei wieder zu Bewusstsein.

„Halt’s Maul.“ Knurrte Matthew und klopfte weiter auf Salomes Wangen herum.

Der Schrei, viel mehr als das vorsichtige Klopfen, brachten auch sie zurück.

„Verdammt, bin ich…hab ich…geht es ihm gut?“

Salome war desorientiert, aber als sie Sue und Matthew sah, wusste sie, dass sie das Ufer erreicht hatte.

Das hier ist nicht viel anders als Backen oder Kochen, einfach ein Schritt nach dem Anderen, sagte sich Sue während sie die Wunde schnell und fest verband.

Der Krankenwagen würde bald ankommen und die würden dann nachsehen wo genau die Kugel war, Sue wollte nur nicht länger diese klaffende Wunde sehen.

Salome war blass, sie war müde und an ihrem Arm rann immer noch Blut entlang, aber sie hatte es geschafft, sie hatte ihn in Sicherheit gebracht.

Matthew sah sie lange an und erkannte mit Schrecken, dass immer noch alle ihre Gedanken Richard galten, sie hatte ihr verdammtes Leben aufs Spiel gesetzt und während er wimmerte wie ein Baby, saß sie hier und starrte ihn besorgt an.

Sue kniete in einer Lache aus Blut und Alkohol und nun da sie entfernt die Sirenen der Wagen der Polizei und des Krankenwagens hörte, rollte sie sich zusammen und fing an hemmungslos zu weinen.

 

„Sue Liebling?“ Salome stand auf und als ihre Knie unter ihr einknickten, robbte sie bis zu ihrer Freundin.

„Alles ist gut.“ Wisperte sie und hielt Sue vorsichtig, liebevoll und tröstend.

„Du hättest sterben können.“ Schluchzte Sue, fragte aber nicht nach dem wieso, weil sie die Antwort schon kannte: Weil Salome das was sie getan hatte, tun hatte müssen und weil es in ihrer Natur lag alles auf eine Karte zu setzen.

Kurze Zeit darauf betrat Boris mit einem Beamten das Zimmer.

„Ihr Peiniger ist tot. Er ist verblutet.“ Informierte der Beamte und sah auf die Menschen die im Raum verteilt waren wie kaputte Möbel.

Salome zuckte zusammen, sie hatte einen Mann getötet, an ihren Händen klebte Blut.

„Er war mein Stiefbruder.“ Murmelte sie tonlos und seufzte.

Die Sanitäter kamen und nahmen Richard mit.

„Miss? Sie müssen auch ins Krankenhaus.“ Sprach einer der Sanitäter und zeigte auf Salomes blutenden Arm.

„Das da muss desinfiziert werden. Hat der Angreifer Sie gebissen?“

„Nein das war ich selbst. Ich war so müde und es war nicht mehr weit.“ Salome starrte glatt an dem Mann vorbei.

Der Beamte war eindeutig überfordert, wies die Sanitäter an alle, ausnahmslos alle ins Krankenhaus zu bringen und sie von der Meute abzuschirmen und stieg dann mit zitternden Händen in seinen Wagen um den Verletzten zu folgen.

 

James Parker war ein guter Polizist, er war der Grund wieso überhaupt jemand gekommen war und er schämte sich, weil es so lange gedauert hatte.

Allerdings konnte er seinem Chef es nicht verübeln, dass er den Anruf eines Mannes der sich zudem auch noch als Macfadyen ausgab nicht ernst genommen hatte.

„Wir wurden angegriffen, Richard liegt im See und der Angreifer ist verletzt.“

James fand auch jetzt noch, dass das nicht sehr glaubwürdig geklungen hatte, aber sein Instinkt hatte ihn dazu getrieben solange auf den Chief einzureden bis er ihm nachgab und ihm erlaubte nachzusehen.

Und James hatte mit allem gerechnet, mit betrunkenen Jugendlichen oder mit einem leeren Restaurant, doch als er die erdrückende Stille wahrnahm, begann er automatisch zu rennen.

Er fand die hochhakigen Schuhe einer Frau und vor ihm stand Robert T. Pattinson in Person, der ein Kleid zusammenknüllte und in einem Wagen am Straßenrand verstaute.

Seelenruhig nahm er auch die Schuhe an sich und ließ sie dem Kleid folgen.

„Sie sind hinten.“ Murmelte er und James hatte auf den ersten Blick erkannt, dass der Junge unter Schock stand.

Mittlerweile rechnete er mit Gemetzel und viel Blut, er drückte sich an die Wand und fluchte weil er das Megaphon im Wagen gelassen hatte.

Eine Geiselnahme vielleicht?

Parker versuchte nicht daran zu denken, dass ein Hollywoodstar ihn hier empfangen hatte und er schätzte den vermeintlichen Juxanruf jetzt auch schon viel realistischer ein als er um die Ecke bog, die Waffe gezogen und innerlich die Minuten zählend bis die Verstärkung die er per Funk angefordert hatte eintreffen würde.

Und schon wieder wurde er überrascht, denn der Täter lag in seiner eigenen Blutlache auf dem Boden und auf seinem Rücken kniete ein Mann der 20 Meilen gegen den Wind nach russischer Mafia stank und ihn abschätzig ansah.

„Ah die Herren der Polizei sind auch angekommen.“ Sprach er spöttisch, vor allem da James ganz allein war.

„Ist dies der Täter?“ James bückte sich und fühlte den Puls des Mannes, er war mausetot.

„Ja, aber was wichtiger ist, die Opfer sind in der Küche.“ Erwiderte der Mann und folgte James als dieser sich umwandte um mit den gerade eintreffenden Sanitätern nach den Opfern zu sehen.

Dieser Russe vertraute ihm nicht, dachte James belustigt und trat ein.

Da brat doch mal einer mir `nen Storch, japste er innerlich auf.

Da waren tatsächlich Macfadyen und Armitage und alles was man auf dem Präsidium nicht hatte glauben wollen war also wahr.

Ihm fiel nichts Anderes ein als sie zu informieren, dass der Peiniger tot war und zu allem Überfluss sah eine junge Frau verwundert zu ihm auf.

Gleich unter ihrer Schulter war eine klaffende Wunde und sie war pitschnass, James nahm darüber hinaus an, dass das sorgsam weggeräumte Kleid ihr gehören musste, da sie nur in altmodischer aber aufreizender Unterwäsche auf dem Boden saß und eine wunderschöne Person in ihren Armen hielt, welche in einer weiteren Blutlache kniete und weinte.

Instinktiv erkannte James, der sich nach seinem Militärdienst in ein ruhiges Örtchen hatte versetzen lassen, dass dies ein komplizierter Fall sein würde und da alle etwas angeschlagen aussahen, beschloss er die näheren Bestandsaufnahmen erst im Krankenhaus zu machen.

Wie zum Henker sollte er das erklären?

Er stieg aus dem Wagen, fuchtelte mit seiner Marke herum und folgte den Sanitätern und dem Trupp Menschen die brav den Gang entlang gingen.

Was für ein Einsatz, zuerst dachte er es sei nur ein Scherz, dann dachte er es herrsche imminente Gefahr und schließlich stellte sich heraus, dass jemand Selbstjustiz verübt hatte, oder was auch immer.

Er wurde nicht klug aus dieser Geschichte und war mehr als gespannt auf die Aufklärung.

Und gerade als er den Raum betreten wollte, wurde ihm der Weg von seinem Chef versperrt, der ihn einerseits bewundernd und andererseits verwundert ansah.

„Parker? Seien Sie doch bitte so gut und erklären mir was hier passiert ist.“

Bat der Chef und Parker nahm tief Luft um zumindest zu schildern was er bisher verstanden hatte.

Vielleicht wäre es besser wenn die Betroffenen dabei waren um ihn zu korrigieren, dachte er und betrat den Raum, dicht gefolgt vom Chef.


 

Kapitel 90 by MaggyMae

90.

„Also, ich kam an und habe Schuhe gesehen. Zivilist 1 kam mir entgegen und hat Kleider und Schuhe aufgehoben.

Als ich um die Ecke bog fand ich Zivilist 2 wie er auf Zivilist 3 saß, wobei Zivilist 3 der Täter war und darüber hinaus bereits tot.

In der Küche fand ich weitere 4 Zivilisten, davon 2 verletzt aber nur einer durch den Täter.

Die Kleider die ich bei Zivilist 1 gesehen habe waren die von Zivilist 5, welche eine junge Frau war die sich selbst gebissen hat.

Ich gehe davon aus, dass Zivilist 4 von Zivilist 5 gerettet wurde, nachdem Zivilist 3 den Zivilisten 4 in den See gestoßen hatte.“
Salome folgte den Ausführungen des Polizisten verwirrt, wie bitte?

War das Malen nach Zahlen hier?

Vor allem da der dienstältere das alles richtig gut zu verstehen schien.

„Wer sind Sie?“

Der ältere Mann machte es sich leicht und Salome beschloss die Geschichte noch mal von ihrer Warte aus zu erzählen, doch der jüngere Polizist kam ihr zuvor als er sprach:

„Wir haben einen Revolver gefunden und ein japanisches Messer.“

„Der Revolver gehört Matthias, dem Täter, und das Messer ist meins.“

„SIE haben den Mann getötet?“ warf der ältere Mann ein.

„Scheint so.“ erwiderte Salome zerknirscht.

„Also Miss, was ist hier los?“

Salome atmete tief durch:

„Mein Name ist Salome, ich war mit meiner Freundin Sue, die einzige andere Frau im Raum hier um meinen Nachbarn zu besuchen.

Mein Bruder, Stiefbruder, Matthias hat Richard, meinen Nachbarn, angeschossen.

Er hat sich mir genähert, ich habe ihn unschädlich gemacht und bin in den See um Richard rauszuholen.“

„Nackt?“

„Das Kleid war relativ bauschig und es hätte mich beim Kampf gestört.“
„Ach ja Chef, von diesen 7 Zivilisten sind 3 berühmte Schauspieler.“ Wandte Parker ein.

„Ja, das habe ich gemerkt, Danke Parker.“

Chief Reynolds kratzte sich am kahlen Kopf und betrachtete die kleine Person vor ihm eindringlich.

„Und der ältere Mann ist ihr Nachbar, während der Täter ihr Stiefbruder ist?“

„JA, beide sind in mich verliebt sollte ich einwenden.“ Salome sah ihn fast schamhaft an.

„Miss, Sie bereiten mir Sorgen. Weder ein Mann mittleren Alters noch Familienmitglieder sollten in sie verliebt sein.“

„Ehm…ja, Mister.“ Salome zuckte mit den Achseln.

„Und Sie haben einen Mann ganz allein aus dem Wasser gezogen? Was sind Sie Superwoman?“

Salome schüttelte den Kopf.

„Und der da?“ Der Chief zeigte auf Boris.

„Ist ein Freund meines Bruders.“
„Des Täters?“

„Nein, meines richtigen Bruders Gregori.“

Sue sah zwischen dem Polizisten und Salome hin und her und schüttelte innerlich den Kopf.

Wie sollte auch jemand aus dieser Geschichte klug werden?

„Mister? Was wird jetzt passieren?“

Chief Reynolds dachte kurz nach, er hatte zwei Leichen, eine davon war bisher nicht einmal erwähnt wurden und jetzt musste er vor allem mal klarstellen wieso die Männer tot waren.

„Ich denke Matthias hat den Koch umgebracht und ich hatte ehrlich gesagt nicht die Absicht Matthias zu töten, ich wollte nur sichergehen, dass er keinem Schaden zufügen kann.“

Reynolds Glatze war wie mit Ameisen übersät, sie juckte in der Tat schrecklich.

„Hat der Mann sie denn angegriffen? War es Notwehr?“

Salome zögerte.

„Nein, ich denke er hatte vor mich zu vergewaltigen, aber wenn ich ihn nicht davon abgehalten hätte, dann hätte jemand anderes es getan.

Nein, Matthias kann mir keine Gewalt antun, ich habe immer gegen ihn gewonnen und ich hätte ihn auch dieses Mal fertig gemacht.

Richard, mein Nachbar, ist ein schlechter Schwimmer und er war verletzt.

Ich musste ihn da rausholen, verstehen Sie?

Außerdem hatte Matthias eine Waffe und ich wollte verhindern, dass er einem der Andern Gewalt antut.“

„Aber Miss, er stand genau vor Ihnen, hatten Sie denn keine Angst um ihr eigenes Leben?“

Salome sah ihn an als hätte er sie nicht mehr alle.

„Nicht doch. Matthias weiß, dass er mir nicht wehtun kann, zumindest nicht körperlich.

Sein Ziel war es mir das Herz zu brechen.“

Reynolds verstand die Welt wirklich nicht mehr und fing einen verständnisvollen Blick von Parker auf, so allmählich verstand er warum sein junger Kollege so durch den Wind war.

„Sie, eine junge Frau haben sich einem verrückten Mörder in den Weg gestellt um 3 Männer zu retten die größer und stärker sind als Sie?“ hakte er vorsichtig nach.

„Hallo? Richard trieb irgendwo im See und die Andern lagen mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden.“

Reynolds Blick machte ganz klar was er von einem solchen Verhalten hielt.

„Sie sollten Altenpflegerin werden mit einer solchen Begeisterung für die Kranken und Schwachen.“ Scherzte er flach und erntete entsetzte Blicke.

„Sir? Ich liebe diese Menschen und Matthias ist…Ich habe 3 Jahre mit ihm zusammengelebt, ich kenne ihn und er wollte nur mir wirklich wehtun und ich konnte nicht zulassen, dass er noch mehr Menschen verletzt um mich leiden zu sehen.“

„Aber Sie sind ja komplett wahnsinnig.“ Rief Reynolds schließlich und wurde tatsächlich ausgelacht.

„Sie haben einen Mann, einen erwachsenen Mann erstochen und einen anderen Mann aus dem See gefischt. Und jetzt halten Sie mir eine Lektion von wegen wieso Sie das getan haben? Werden Sie denn nie müde?“
Salome lächelte wehmütig.

„Sie sind ein Mann Sir, Sie können nicht verstehen wie weit eine Frau gehen kann wenn es darauf ankommt, dass sie eben nicht zusammenbricht.“

„Sir? Die Rettungsaktion der beiden aus dem Wasser wurde komplett von Sue geplant und ausgeführt. Ich denke Sie haben Recht, wir haben uns nicht gerade mit Ruhm bekleckert.“

Wandte nun Robert ein und senkte schamvoll den Kopf.

„Das nehme ich doch sehr an junger Mann. Ehrlich…Eine Frau sich solchen Gefahren aussetzen zu lassen.“

Reynolds war komplett neben der Spur, so etwas hatte er in den langen Jahren im Dienst noch nie gesehen, aber er wusste auch, dass er hier kein verschüchtertes Opfer vor sich hatte.

Er nahm an, dass da mehr Waffen im Spiel gewesen waren, aber er beschloss nicht danach zu suchen.

Diese kleine Frau war eine sehr gefährliche Person, nicht etwa weil sie einen Mann erstochen hatte, nein, sie war bedrohlich weil sie jetzt hier saß, kurz nachdem sie genäht worden war und ihm dies total ruhig schilderte.

Sie glaubte an das was sie getan hatte und sie schien zu bereuen einen anderen Menschen getötet zu haben, aber wenn sie es noch mal tun müsste, dann würde sie mit der gleichen Präzision zustechen, daran bestand kein Zweifel.

Lächerliche kleine Attrappen von Männern, dachte er dann kopfschüttelnd.

Seltsame Frauen, überlegte er weiter als er Sues weidwunden aber steten Blick sah.

Die beiden würden durchhalten, würden stolz und stark wie eine Eiche im Sturm stehen bleiben bis die Ihren wieder sicher und frei waren.

„Ich denke ich werde jetzt meine Mutter und meinen Stiefvater darüber informieren, dass ich Matthias notgedrungen töten musste.

Er hätte übrigens leben können, wenn die Rettungskräfte eher gekommen wären.“ Sprach Salome und griff nach dem Hörer der neben ihrem Bett stand.

Kapitel 91 by MaggyMae

91.

Oh ja, die war auf Zack, dachte Parker und betrachtete Salome ernst.

Salome Anne Praskovia Balthasar, er hatte sie nachprüfen lassen, keine Vorstrafen, einige Strafzettel und die Schwester eines gewissen Gregori Balthasar.

Die Mutter Anya war zum zweiten Mal verheiratet, mit einem gewissen Gustav Schneider, der tote Täter war Matthias Schneider, Sohn des Stiefvaters.

James rieb sich über den Unterarm und schüttelte langsam den Kopf.

Matthias war von der Schule geflogen, war arbeitslos gewesen und hatte noch bei seinem Vater und dessen zweiter Frau gelebt.

Salome hatte dagegen einen Abschluss in Literatur und einen Job als Kolumnistin, sie lebte in London und wohnte tatsächlich in der direkten Umgebung dieses alten Irren den sie hartnäckig als den „Nachbarn“ betitelte.

Parker war sich ziemlich sicher, dass da mehr war, denn er kannte keine Frau die für ihn ins eiskalte Wasser springen würde, nicht einmal seine Ex-Frau.

Seine Ex-Frau, er lächelte innerlich, seine Ex-Frau würde sich ein Bein abreißen um jetzt hier zu sein, aber seine Ex-Frau war nicht hier weil sie sich von ihm hatte scheiden lassen.

Sie hatte diese Männer so sehr bewundert und mit ihren 35 Jahren wäre sie sicher auch eine angemessenere Partnerin gewesen als diese kleine Frau die wortlos auf dem Tastenfeld herumtippte.

James konnte sich nicht einmal vorstellen was für ein Gefühl es sein musste seiner eigenen Mutter sagen zu müssen, dass sie einen Mann getötet hatte, vor allem einen Mann der zu ihrer Familie gehörte.

Auch konnte er nicht verstehen was diesen Jungen dazu bewegt hatte seine Stiefschwester und einige sehr bekannte Männer derart anzugreifen.

Aber diese Salome hatte Recht, wenn sein Chef sofort eingegriffen hätte, wäre Matthias vielleicht noch am Leben und wie immer und überall im Leben würde diese Geschichte unter den Teppich gekehrt werden wenn der Vater des Jungen jetzt keinen Zirkus machte.

Weil man die Namen der Opfer und den guten Ruf der Polizei nicht in Gefahr bringen wollte und weil sowieso kein Gericht auf der Welt Salome dafür verurteilt hätte weil sie einen gefährlichen Amokläufer, Mörder und Entführer getötet zu haben.

 

Man rollte Armitage wieder herein und Parker sah sich ihn genau an.

Der Arzt nickte ihm kurz zu und er folgte ihm unauffällig, nun zumindest so diskret wie er konnte, denn alle Augen folgten ihm.

„Und?“ fragte er den müden Arzt leise.

„Prellung im Abdomen, der Kerl hat ihn mit aller Kraft getreten.

Glatter Durchschuss durch das linke Bein, ich denke der Schütze war Rechtshänder, denn es war ein stümperhafter Schuss der nur durch Glück das Bein getroffen hat.

Haarscharf am Knochen vorbei.

Ansonsten Übermüdung, Blutverlust und Unterkühlung.

Wer hat ihn da rausgeholt?“

Parker zeigte mit dem Daumen über die Schulter.

„Salome B., die Kleine mit der Bisswunde im Arm.“

Der Arzt sah ihn verwundert an, hielt eine Schwester an und sprach einige leise Worte.

„Das kann fast nicht sein. Er musste enorm schnell aus dem See raus sein, denn ansonsten wäre er jetzt tot. Er sagt er hätte immer wieder das Bewusstsein verloren, aber seine Temperatur war nicht tief genug.

Er muss nicht mehr als eine Viertelstunde, zwanzig Minuten da drin gewesen sein.“

Parker hob die Augenbrauen, Salome müsste eindeutig erschöpfter sein.

„Ich weiß es nicht, ich war nicht da…wir…hatten einige Kommunikationsschwierigkeiten.“

Der Arzt nickte als verstünde er, dass die Polizei nicht sofort so reagiert hatte wie sie hätte reagieren müssen.

„Wird er wieder?“ erkundigte sich Parker dann ohne dass es ihn wirklich interessiert hätte.

„Ich denke doch. Ich weiß nicht wer das war, aber irgendjemand hat da wirklich gut und schnell reagiert.“

„Sagen Sie das den Frauen selbst bitte.“

 

Als Dr. Karl eintrat, hielt Sue ihren Finger an die Lippen.

Salome zitterte als sie die Stimme ihrer Mutter vernahm.

„Salome? Wie geht es?“

„Mutter…Ich…“

Wie sollte sie ihrer Mutter das jetzt sagen.

„Mutter weißt du wo Matthias ist?“

Die Mutter schluckte und Parker machte Salome ein Zeichen das Gespräch auf Lautsprecher zu stellen, was sie nur widerwillig tat.

„Er…Oh Gott, Salome er ist vor ein paar Tagen weg und er hat den Revolver seines Großvaters mitgenommen. Denkst du er will dir etwas antun?“

Die Angst der Mutter, die ehrliche Besorgnis in ihrer Stimme, schnürte Salome die Kehle zu.

„Nein Mutter, ich weiß es mit Sicherheit. Ich habe ihn heute erstochen.“

Anya schluchzte leise auf und ein Schrei wie der eines sterbenden Tieres erklang hinter ihr.

Gustav, dachte Salome, Gustav, ich habe deinen Erstgeborenen gemeuchelt wie man ein Opferlamm verbluten lässt für die Reinheit des kommenden Zeitalters.

„Wie? Wo? Wann?“

„Ich…Ich bin in Neuseeland, ich habe einen…eine Reise gewonnen. Er hat einen Mann angeschossen und einen anderen, einen unschuldigen Mann erwürgt.

Um das Leben von 5 Menschen und mein eigenes zu retten, musste ich Matthias niederstechen. Er ist verblutet. Es tut mir leid.“

Anya schluchzte immer noch und Salome hörte wie Gustav leise „Mein Junge“ wimmerte.

„Geht es allen gut?“

Die typische Frage einer Mutter die jetzt so lächerlich fehl am Platz war.

„Nein Mutter, ein Koch ist tot, ein Ehemann und Vater ist tot nur weil er seine Arbeitsfläche noch putzen wollte.

Dein Stiefsohn ist tot weil er mich und Freunde von mir angefallen hat.

Ein Mann ist schwer verletzt weil Matthias ausgerastet ist.“

„Wie geht es dir mein Kind?“

In dieser Sekunde war Anya die Mutter von Salome und so grausam es auch klingen mochte, sie interessierte sich in erster Linie für das Wohlergehen ihrer Tochter die nichts Unrechtes getan hatte. Matthias war tot, daran würde niemand mehr etwas ändern können.

Ehret die Toten, aber kümmert euch um die Lebenden, das war ihr Motto.

„Mir geht es gut Mutter. Ich bin ein wenig müde, aber mir geht es mehr oder weniger gut.

Aber ich habe einen Mann getötet, und dieser Mann war mein Bruder.

Auch wenn wir eindeutig nicht miteinander klarkamen, war er doch irgendwo Familie.

Er war Gustavs Sohn und dein Stiefsohn, der Bruder meines zukünftigen Bruders.

Und nun ist er tot, gestorben durch meine Hand.“

Salome wünschte sie könnte weinen, aber der Schock saß noch zu tief und ihr ganzer Körper war angespannt und trocken wie die Wüste.

„Hast du ihn getötet weil du ihn gehasst hast?“ fragte Anya ernst.

„Nein, ich habe ihn getötet weil ich die Menschen am andern Ende des Laufes liebe.“

„Dann trifft dich keine Schuld. Gib den Behörden unsere Nummer, wir werden mit ihnen sprechen.“

Anya war ruhig, sie musste stark sein für ihre Tochter und für den Mann den sie aus Liebe geheiratet hatte und der nun weinte wie ein kleines Kind.

Kein Mensch sollte seine Kinder zu Grabe tragen, dachte Anya traurig und es belastete sie sehr, dass diese Situation entweder das Ableben ihres Kindes oder des Seinen verlangt hatte.

„Salome? Gustav möchte mit dir sprechen.“ Murmelte Anya dann als sie ihren Mann fuchteln sah.

Salome erzitterte, aber sie war diesem Mann schuldig ihm Rede und Antwort zu stehen und so sagte sie sehr leise:

„Gib ihn mir Mutter.“


Kapitel 92 by MaggyMae

92.

Parker konnte sich nur über den Mut und die Ausdauer dieser Frau wundern und während das Tonband brav mitlief, lehnte er sich gegen die Wand, abwartend, befürchtend.

„Gustav?“ fragte Salome sanft als sie nur das leise Röcheln vernahm.

„Salome, du hast meinen Sohn getötet.

Meinen Erstgeborenen, meinen Erben, mein Kind, mein Fleisch und Blut, mein ganzer Stolz.“

„Ja Gustav.“ Was sollte sie auch anders sagen?

„Es tut mir leid, denn was passiert ist, ist auch meine Schuld.“

Salome schnappte nach Luft, sie hätte alles erwartet, aber nicht das.

„Ich habe dich nie geliebt, ja ich habe dich nicht einmal gemocht.

Ich wurde von einer Frau großgezogen die ein halber Mann war und ich habe zwei Frauen geheiratet die an sich ruhig und freundlich waren, sanft halt.

Du warst nie sanft und meine Söhne waren groß, ich hatte keine Lust ein kleines Mädchen aufzuziehen.

Weißt du, du hast Matthias immer gefallen, aber ich habe ihm solche Gedanken verboten.

Wenn er dich gequält hat, habe ich ihn nie gescholten wie er es verdient hätte.

Insgeheim war ich sogar stolz, dass er sich gegen dich wehrte.“

Ein tiefer Schmerz traf Salome als sie hörte was sie stets geahnt hatte.

Gustav hatte es nicht übersehen, er hatte beide Augen fest zugedrückt.

Er hatte sie allein gelassen und sich über ihren Schmerz insgeheim gefreut.

„Und jetzt ist mein Sohn tot weil du eine Hexe bist.

Weil ich ein schlechter Vater bin und ihm nie klargemacht habe, dass du seine Schwester bist und dass er dich beschützen muss und nicht bekämpfen.

Dieser hilflose Hass ist sein Erbe und wurde zu seinem Todesurteil.

Wäre ich nur durch deine Hand gestorben…“

„Nein Gustav, sag das nicht.

Es tut mir leid und du musst mir glauben wenn ich sage, dass ich ihn nicht töten wollte.

Es war Notwehr oder Prävention, aber ICH habe ihm keine Gewalt angetan nur um ihm Gewalt anzutun.

Ich würde dir gerne wiedersprechen, aber ich denke du hast Recht.

Du hast dich nie für mich eingesetzt, du hast gegen mich gehetzt und als du bei meiner Mutter auf taube Ohren gestoßen bist hast du deine eigenen Söhne mit deinem Hass vergiftet.

Du hast ihre und meine Kindheit verdorben durch eine Eifersucht die grundlos war.

Und wieso hast du es versäumt Matthias zu sagen, dass er mich nicht haben kann weil ich seine Stiefschwester war?
Wieso hast du ihn glauben lassen, dass ich ihn seinetwegen ablehnte?

Du weißt genau, dass er mich geschlagen hat und es tut weh zu wissen, dass du es jedes Mal wusstest und es nicht für nötig gehalten hast ein kleines Mädchen zu beschützen.

Niemand hat von dir verlangt mich zu erziehen oder mich zu lieben, aber du hättest gerecht sein können und diese Ungerechtigkeit und dieser schwelende Zorn haben deinen Sohn verrückt gemacht.

Er hat versucht Gerechtigkeit zu finden und fand nur den Tod.

Er rächte all die Male an denen ich aus Verzweiflung gewonnen hatte und er rächte die Jahre der Stille zu der du mich verdammt hast.

Du hättest das alles verhindern können, aber du hast mir meine Jugend gestohlen und deinem eigenen Sohn die Möglichkeit auf ein sorgenfreies Leben.

Verstehst du? Siehst du, dass er auch dich rächen wollte?“

Salome schämte sich ihrer harschen Worte, aber Gustav musste sehen, dass sie nicht die einzige Schuldige war.

„Je n’ai pas, je vous le jure, voulu ce qui s’est passé, la vengeance n’est pas ma nature, mais pourtant oui, je l’ai vengé.

Vous qui vous détestez tant, comment voulez-vous, nous juger ? Nous sommes tous les trois vos enfants, c’est vous seuls qui les avez tués. Nous ne sommes que des mimes, à imiter vos crimes.“

Zitierte Salome leise die Zeilen eines Liedes das sie kannte und mochte.

„Ich bin schuld an deinem Leid und ich bin schuld am Tod meines Sohnes, ja, du hast Recht.

Ich habe ihn vergiftet und ich bezahle meinen gerechten Preis.“

Und dann sehr leise:

„Wen hat er angeschossen?“

„Ich weiß nicht ob du den kennst, der Mann heißt Richard Armitage.“

Salome biss sich auf die Lippe.

„Oh ja ich liebe ihn in Robin Hood.“

Salome verdrehte die Augen und erstarrte dann als ihr Stiefvater nach Luft schnappte.

„Oh ich hätte es verhindern können.“ Weinte er verzweifelt.

„Vielleicht, vielleicht aber auch nicht.“ Versuchte Salome ihn zu trösten.

„Nein, du verstehst nicht. Er hat einen Zettel da gelassen.

Ich dachte da steht I’ll fulfill a mirage, aber da stand I’ll kill Armitage.

Der Junge hat eine so unleserliche Schrift.“

Salome konnte ihren Ohren nicht trauen, Matthias hatte einen Brief hinterlassen und ihr Stiefvater hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht ihn genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Und was für ein Zaubertrick sollte das deiner Meinung nach sein?“

Salome schluchzte trocken als ihr bewusst wurde, dass Gustav sie alle hätte retten können.

„Ich weiß es nicht. Ich hätte eine derartige Tat niemals erwartet.

Ich hätte es ihm nicht einmal zugetraut.

Lebt der Mann?“

Salome ließ ihre Augen über das Gesicht wandern das sie so liebte und das sie fast für immer verloren hätte.

„À peine.“ Murmelte sie und drängte die Tränen, die nun doch unaufhörlich flossen zurück.

„Er war mein Sohn und es tut mir leid, dass er versucht hat dir das anzutun.“
„Wirklich?“ Salome war grausam, aber sie musste es wissen.

„Ja wirklich. Ich habe zu spät gemerkt was ich versäumt hatte und auch das tut mir leid, ich hoffe nur David ein besserer Vater zu sein als meinen eigenen Söhnen und dir.“

„Ich brauchte keinen Vater, ich brauchte keinen Liebhaber, das habt ihr nur nicht verstanden.

Ich brauchte damals vor allem Freunde, aber ich habe keine gefunden und das ist zum Teil mindestens eure Schuld, aber auch meine.

Ich hoffe ich kann DCT eine bessere Schwester sein als ich deinen Söhnen war.

Es tut mir so schrecklich leid und wenn du willst, dann komme ich auch zur Beerdigung, wenn du aber nicht willst, dann tue ich es nicht.“

Salome sprach bevor sie nachdachte, aber sie musste für beide Seiten da sein und auch wenn Matthias durch ihre Hand gestorben war, konnte sie ihm als ihrem Stiefbruder doch die letzte Ehre erweisen.

„Nein. Es wird keine Zeremonie geben. Ich will nicht einmal, dass deine Mutter kommt.

Oder sein Bruder. Aus Matthias wird kein Märtyrer gemacht.

Er hat sich falsch verhalten und diese Schande wird er mit mir und mit niemandem sonst teilen an dem Tag an dem ich meinen Sohn der Erde übergebe.“

Salome bewunderte Gustavs Mut und sie wusste, dass er etwas wieder gutzumachen versuchte, was er nicht mehr ändern konnte.

Er war jetzt der Waise seines eigenen Kindes in einer Art und Weise und Salome wusste wie sehr er dieses Kind geliebt hatte und wie tief dessen Verrat ihn treffen musste.

„Kind, du musst müde sein.

Ich hoffe es geht dir gut, nein, das hoffe ich wirklich.

Richte allen meine ehrliche Entschuldigungen aus, ich wollte das nie und ich werde ab dem heutigen Tag mit dem Wissen leben müssen, dass mein Sohn ein Mörder ist und dass es meine Schuld ist, dass es überhaupt so weit gekommen ist.

Bis bald Salome.

Ach ja, DCT wächst stetig, er wird ein großer Junge.

Ich hoffe er bekommt die blauen Augen deiner Mutter, mit diesen Namen sollte er wohl oder übel blaue Augen haben, findest du nicht?“

Und Salome verstand, dass das alles war was sie als Entschuldigung zu erwarten hatte von Seiten ihres Stiefvaters und so stimmte sie ihm zu und legte auf.

 

Richard schlug die Augen auf als er ihre Stimme hörte und sah sich einigermaßen verwirrt um.


 

Kapitel 93 by MaggyMae

93.

„Mister? Wie fühlen Sie sich?“

Dr. Karl fand eindeutig, dass dieser Raum überfüllt war, aber er verstand auch, dass er diese Menschen im Moment einfach nicht trennen konnte.

„Müde, erschlagen…“ erwiderte Richard und lächelte als Salome an sein Bett trat.

„MISS, Sie sollten doch gar nicht aufstehen.“

„Oh hush.“ Murmelte Salome, doch Karl wusste nicht ob sie zu ihm oder zu Armitage sprach.

Seufzend sah er Richard an, da er sein Patient und das Opfer war.

„Mister, wie lange waren Sie im Wasser?“

„Eine Ewigkeit so scheint es mir zumindest.“

Ok, er war ihm keine große Hilfe dachte Karl deprimiert und sah Parker mitleidheischend an.

„Ungefähr 15 Minuten. Es dauerte schon mehr als 5 Minuten diesen verdammten Irren dazu zu bekommen die Waffe fallen zu lassen.“

Matthew schaltete sich ein, wie immer die Stimme der Vernunft wenn alle andern den Kopf verloren.

„Und der Verband?“

Sue hob die Hand und lächelte als sie gefragt wurde ob sie Krankenschwester wäre.

„Nicht im Geringsten, aber Salome tut sich öfter weh, ich habe also Erfahrung mit Verbänden.

Und außerdem kann man nie vorsichtig genug sein.“

Sie wedelte mit einem Buch das in ihrer Tasche steckte, Erste Hilfe stand auf dem Cover und sie lächelte bescheiden als der Arzt ihr anerkennend zunickte.

„Ich will Ihnen auf keinen Fall vorwerfen das alles geplant zu haben, aber ich muss doch anmerken, dass Sie erstaunlich gut vorbereitet waren.“

Sprach der Arzt nun leise und vorsichtig.

„Mister…Karl?“ Sue streckte sich um das Namensschild lesen zu können.

„Diese Männer sind Freunde Salomes und sie hat es für nötig empfunden sich auf einen eventuellen Angriff vorzubereiten, tatsächlich haben wir gedacht, dass vielleicht jemand auf die Idee kommen würde uns als Druckmittel gegen sie einzusetzen und nicht umgedreht.

Also hat Salome gelernt wie man schnell und effektiv kämpft und da ich nie der kämpferische Typ gewesen bin, habe ich gelernt wie man den Schaden begrenzt.“
Karl nickte erneut, tatsächlich, erstaunliche Wesen diese Frauen.

„Darf ich fragen was Sie beruflich machen?“

Sue nickte und sprach:

„Ich bin Konditorin, also Bäckerin im Grunde und Salome ist Schreiberling, Journalistin, Kolumnistin und Satirikerin, was ihr so gerade in den Kopf kommt.“

Karl fiel sofort auf wie diese Frau ihre Kopf verschämt zur Seite neigte wenn sie sprach und wie sie errötete als sie merkte, dass alle ihr zuhörten, sie war eindeutig schüchtern und doch hatte sie wenn er dem jungen Parker Glauben schenkte, der das von Master Pattinson gesagt bekommen hatte, alle Vorbereitungen der Nachsorge der Rettungsaktion der Freundin alleine übernommen und dirigiert.

„Sue kann sich besser konzentrieren wenn sie arbeitet. Sie mag es ihre Hände zu beschäftigen und sie kann sich echt gut konzentrieren.

Salome kann tausend Dinge auf einmal sehen, denken und tun, aber Sue kann alles Andere ausblenden und sich ganz auf das was gerade zu tun ist konzentrieren.“

Meldete sich eben jener junge Mann gerade zu Wort und bestätigte die Annahmen des Arztes.

„Ich bin sehr beeindruckt. Das war astreine Arbeit und ich wünschte wir hätten solche Menschen in unseren Rettungsdiensten.“

Karl war tief berührt über so viel Zivilcourage und wandte sich dann an die Männer.

„Ich kann Ihnen zwei Dinge sagen:

Erstens Sie haben sehr viel Glück, dass zwei Frauen so beherzt eingegriffen haben.

Zweitens, ich habe gerade ein Feedback erhalten, der Stich war nicht tödlich, die Zeit die verstrich bevor die Rettungsdienste eintrafen schon.

Mister Armitage wäre allerdings mittlerweile tot wenn nicht Miss Balthasar ihn gerettet und Miss Martins ihn verbunden hätte.“

„Ich weiß.“ Krächzte Richard und räusperte sich leise.

„Ich weiß, dass ich euch mein Leben zu verdanken habe.

Ich wünschte es wäre nicht so und nein, das hat nichts mit törichtem männlichen Stolz zu tun, aber auch wenn ich wahnsinnig froh um meinetwillen bin, dass ihr es nicht getan habt, so wäre mir doch irgendwie lieber, dass ihr euch wie jede Frau auf der Welt beim Fall eines Schusses unter einen Tisch verkrochen hättet.

Seid ihr denn des Wahnsinns?

Ihr könnt doch nicht um die Ecke flitzen wenn jemand schießt.“

Er holte Luft und kämpfte gegen die Schmerz- und Beruhigungsmittel an.

„Sei nicht dumm. Ich habe es dir gesagt, Greg hat es dir gesagt, wenn du je in Gefahr bist dann werde ich da sein und an deiner Seite kämpfen oder sterben.“

Salome sah ihn mit ihrem trotzigen Kindergesicht eindringlich an.

„Du bist ein richtiger Mann Richard Crispin Armitage!

Du hörst wirklich nie zu.“ Schimpfte Sue ihn wütend und er zuckte zusammen, denn er hatte sie noch nie richtig wütend gesehen.

„Wie bitte? Ich bin ganz Ohr Sue.“

Sie sah ihn als wolle sie sagen „das will ich für dich hoffen mein Freund“ und sprach:

„Sie liebt dich und sie würde durch die Hölle und zurück laufen, barfuß.

Und natürlich verkriechen wir uns nicht unter Tischen.

Ihr habt uns die ganze Zeit gefragt was nicht geht, na jetzt wisst ihr was uns so nervös gemacht hat.

Salome hat den Instinkt und ich die Erfahrung, böse Blicke in unseren Rücken zu spüren und demnach entweder zu fliehen oder zu handeln.

Ich bin ein Leben lang geflohen, aber zum ersten Mal habe ich etwas für das es sich zu kämpfen lohnt.

Als wir merkten, dass jemand euch entführt hatte sind wir praktisch sofort los.

Verkriechen? Dass ich nicht lache.

Auch wenn ihr alle dumm wie Bohnenstroh und ungefähr genauso robust seid, wir mögen zumindest eure Arbeit und es wäre doch schrecklich schade wenn wir nichts mehr zum Seufzen und Lästern hätten, oder?“

Sue grinste hämisch als Richard das Gesicht verzog.

„Ich habe Wochen auf dich gewartet du ESEL…

Denkst du wir lassen zu, dass jemand dich niedermetzelt nachdem ich doch gerade erst erfahren habe mit wem sie geschlafen hat?“
Agent Parkers Ohren wurden knallrot, mussten sie denn jetzt ihre ganze schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen?
„SUE? Du bist doch sonst so schüchtern, was ist denn mit dir los?“

Rief Robert verwundert und Sue warf ihm einen bitterbösen Blick zu.

„Ja, ich bin schüchtern, aber ich habe doch Gefühle auch wenn ich sie nicht immer zeigen kann und ich habe heute die Angst des Jahrhunderts gehabt.

Meine Eltern haben sich gemocht, aber ich kann nicht behaupten, dass ich je das Gefühl hatte, dass sie sich außerordentlich liebten.

Salome liebt, liebt mit ihrem ganzen Herzen und das will ich auch, ich will das Leben eben nicht immer durch einen Filter wahrnehmen.

Außerdem was bildest du dir ein?

Da ging es um Menschenleben, da waren zwei Menschen die halb erfroren und müde und blutend waren, denkst du da kann ich dann daran denken, dass ich doch lieber zuhause mit einem Buch oder einem Film wäre.

Ja, ich hatte Angst, wir alle hatten Angst, aber man darf sich nicht lähmen lassen wenn die Angst größer und wichtiger ist als das alltägliche Leben.

Meine Angst soll mich vor der Gefahr und der Enttäuschung schützen bevor sie da sind, aber wenn sie wie ein Damoklesschwert über mir hängen, dann hindert sie mich.

Man sollte vor der Kurve bremsen, nicht mittendrin.“

Robert sah sie lange, wortlos, anbetend an.

„Gott Susan, du bist die unglaublichste Frau die ich kenne.

Ich liebe dich über alle Maßen.“


Kapitel 94 by MaggyMae

94.

Sue zuckte mit den Achseln und seufzte: „Damit kann ich leben.“

„Wie bitte?“

Sue blinzelte, hatte er das jetzt wirklich gerade gesagt oder hatte sie sich das nur eingebildet?

„Ich liebe dich Sue. Ich liebe dich wirklich.“

Robert sah aus als wäre ihm das gerade erst aufgefallen und in seinem Fall war das nicht einmal schwer zu glauben.

Aber wie hätte er sie nicht lieben können wenn sie doch so mutig war und nicht nur der Gefahr ins Gesicht lachte, sondern auch noch ihre tiefsten Ängste und Schatten übersprungen hatte um an ihrer Seite zu sein?

Wie konnte er sie nicht lieben wenn sie Richard böse anfunkelte und dabei aussah wie ein Engel der Apokalypse?

Er hatte selten einen Menschen getroffen der so schön war und sich weder in sinnloser Eitelkeit noch in heuchlerischer Bescheidenheit erging, sondern seine Schönheit einfach nur als Teil seiner Person hinnahm.

Und er hatte noch nie eine Frau gekannt, die gleichzeitig so verletzlich und so stark sein konnte.

Sie war besonnen, sie kannte die Gefahr in und auswendig und doch war sie ihr entgegengestürzt, weil sie mehr zu gewinnen hatte als zu verlieren und daher sagte er sich, dass er ihr nicht gleichgültig sein könnte.

Natürlich hatte er nicht vorgehabt ihr das so ins Gesicht zu schleudern, aber sie waren ehrlich miteinander, zwischen ihnen war kein Platz mehr für höfliche Lügen und deshalb hatte er ihr offenbart was sein Herz jetzt erst klar formulieren konnte.

Er liebte es bei ihr zu sein und alle seine Gedanken waren bei ihr gewesen in den langen Minuten der Unsicherheit.

Als sie ihm Befehle erteilt hatte war er diesen ohne zu zögern gefolgt, weil er ihr vertraute und sich sicher war, dass sie richtig handeln würde.

In diesem Moment, in dieser Zeit, in diesem Leben brauchte er einen Menschen an seiner Seite auf den er sich verlassen konnte, von dem er wusste, dass er sich nicht vor das Wohlergehen Anderer stellte, dass er richtig von falsch unterscheiden konnte.

„Es tut mir leid, aber ich möchte auch etwas dazu sagen.“

 

Robert schluckte schwer und sah Salome und Sue dann ernst an.

„Wie ihr unschwer erkennen könnt bin ich vielleicht wirklich kein Held und ich habe niemals behauptet einer zu sein.

Die Menschen haben sich ein Bild gemacht und ich tue mein Bestes dem gerecht zu werden, aber ich habe heute gelernt was es heißt blind zu vertrauen.

I am blessed to know you.

Es ist außergewöhnlich, es ist unglaublich, aber ich habe heute gesehen wie weit ein Mensch gehen kann um seine Überzeugungen zu verteidigen und ich bin stolz und glücklich euch beide Freundinnen von mir nennen zu können.

Ich lebe in einer Welt in der alles nur Schein ist, in der deine Nächsten dich von hinten erdolchen wenn es ihnen einen Vorteil bringt und es erfüllt mich mit Demut und Scham zu wissen, dass es Menschen gibt die sich immer noch für Schwächere einsetzen.

Und ja, ich halte mich für schwächer.

Ich hätte nicht gewagt was ihr gewagt habt, ich wäre nicht ohne zu zögern in einen See gesprungen und ich hätte dieses grausam verstümmelte Bein niemals angefasst.

Ich bin ein Feigling und ich bin fürchte, dass ich mittlerweile auch ein Egoist geworden bin.

Ich danke euch also für diese Lektion in Demut.“

Salome drehte sich langsam um und berührte seine Wange leicht.

„Du bist doch noch ein halbes Kind.

Ihr versteht nicht was ich meine habe ich so das Gefühl.

Ich war darauf vorbereitet, ich habe damit gerechnet und ich wurde dazu geboren.

Schutz und Liebe, ich bin eine Frau, auch wenn ich so klein und lächerlich bin, bin ich doch eine Frau und das ist es was Frauen nun mal tun.

Und…“

 

Sie trat einige Schritte zurück und sprach dann erst weiter, alle 3 Männer ernst ansehend.

„Ihr wisst es gar nicht oder?

Ich habe mich fast einer Vergewaltigung ausgesetzt.

Wer hat mich zurück geholt?

Ich habe mich halbtot geweint.

Wer hat mich getröstet?

Ich hatte Angst, ich war einsam, ich habe Dummheiten gemacht und wer war immer, immer, immer nur einen Anruf entfernt?

Ihr habt mich durch meine dunkelsten Nächte gebracht, habt mit mir gespielt und ehrenhaft verloren, wann immer mein Herz brach wart ihr da.

Wie oft habe ich Trost und Beistand in euren Armen, eurer Stimme und eurer Anwesenheit gefunden?

Ich habe nicht mehr getan als eine Schuld beglichen, ich kann einfach nur andere Dinge besser als ihr.

Ich habe mich darauf vorbereitet und ich habe gekämpft weil ich wusste, dass ich es irgendwann müsste, aber können diese paar Minuten wirklich die Tage und Stunden aufheben in denen ihr Kummer, Leid, Verzweiflung und eine verkrüppelnde Einsamkeit von mir genommen habt?

Selbst als ich euch nicht kannte, kann irgendetwas aufwiegen was es mir bedeutet hat?

Oder Sue?

Da war nichts Selbstloses an meinem Handeln, glaubt mir das.

Wärt ihr nicht gewesen wäre ich heute vielleicht schon tot, denn dann hätte Matthias mich im Schlaf gemeuchelt, weil ich nach Hause gefahren wäre.“

Salome seufzte schwer und trat wieder an Richards Bett als er ihr die Hand entgegen streckte.

„Ich wusste es, ich wusste, dass du mein Leben sein würdest.

Mir geht es nicht darum, dass du mein Leben gerettet hast, zumindest nicht nur.

Es geht darum, dass du es tun konntest, es tun wolltest.

Ich weiß genau was Robert meint, es ist einfach so unglaublich sich einfach fallen lassen zu können, zu schwächeln, zu straucheln und zu stürzen und doch immer sicher zu sein, dass jemand da sein wird, dass du da sein wirst um mich aufzufangen, zu pflegen, zu trösten.

Ich bin wohl doch ein Macho, denn ich hätte niemals erwartet, dass…

Ach ich weiß nicht wie ich das erklären soll.

Dass jemand der uns so wenig kennt, zu so etwas bereit sein würde.“

„Du bist mein Schicksal du Dummkopf.

Ich kenne dich seit meinem ersten Atemzug, ich wurde geboren um heute hier zu sein und dich zu halten, ich bin dein Schutzschild und du mein Schwert.“

Salome lächelte und strich ihm über das Haar.

„Und Sue? Gott, Sue kennt euch schon so lange und ich war eine Ungläubige, denn das was mich persönlich am meisten überrascht ist der Fakt, dass sie mit allem Recht hatte.

Ihr habt jeden Seufzer, jedes gute Wort, jede kleine Geste der Verehrung verdient.

Gott findet einen Weg die Seinen zu retten zu halten.“

Parker machte Karl ein Zeichen und sie verließen unauffällig den Raum.

Verstohlen wischte sich Parker eine Träne aus dem Augenwinkel, er hatte wohl zu lange vergessen zu blinzeln.

Richard kramte in der Hose, die neben ihm lag und seufzte erleichtert, als er merkte, dass nichts verloren gegangen war während seinem kleinen Unterwasserausflug.

Es war zwar alles etwas nasser als geplant, aber er war sich so sicher, Gregori hatte Recht gehabt, in dem Moment in dem er bereit war sein Leben in ihre Hände zu legen…

„Hier ist deine Leihgabe.“ Wisperte er und nahm die Kette wieder ab die er die ganze Zeit über getragen hatte.

„Und da hätte ich noch so eine winzige Frage.“

Salome nickte.

„Wo ist dein Hund?“

Kapitel 95 by MaggyMae

95/Epilog

John wurde wiedergefunden, die Polizei hatte den verängstigten Hund aus dem Restaurant mitgenommen.

Richard kam zum eigentlichen Kern seiner Frage.

„Salome? Wirst du mich heiraten?“

Er war zu müde für blumige Worte und so biss er sich selbst in den Arsch wegen seinem Mangel an Romantik.

„Ja.“ erwiderte sie ebenso knapp und so wurde die bisher größte Entscheidung ihres Erwachsenenlebens in einem Krankenhauszimmer am Ende der Welt gefällt.

 

Gott, Salome war nervös.

DCT hatte ihr auf ihr Brautkleid gespuckt und die Torte begann langsam aber sicher zu schmelzen, denn der Pfarrer hatte Verspätung.

Sue schluchzte laut, nur von DCTs leisem Glucksen unterbrochen und als sie die Trauung endlich hinter sich gebracht hatten, natürlich nicht ohne dass Salome über ihre eigene Schleppte stolperte, entbrannte ein lustiges Fest.

Ein Fest auf dem alle Freunde waren, ungeachtet ihres Bankkontos oder ihres Ruhmes.

Sue tanzte mit Robert an ihr vorbei und Salome lächelte zu ihrem geliebten Bräutigam auf.

„Du bist ein guter Tänzer.“
„Auch ich habe verborgene Talente.“ Lächelte er, die Brust stolzgeschwellt und es war ihm egal, dass eine Menge seiner Kollegen den Kopf über ihn schüttelten weil er eine viel jüngere Frau geheiratet hatte.

Er wusste, dass er keine andere Frau an seiner Seite haben wollte als dieses Püppchen, das höchstwahrscheinlich sogar Guy mit einem Küchenmesser fertig machen könnte.

„Ich liebe dich.“ Wisperte er an ihrer Wange und drehte eine ihrer Locken um seinen Finger.

„Ich denke das solltest du wohl besser, du hast mich vor nicht mal 4 Stunden geheiratet.“

Salome lachte, sie war endlich vollkommen angekommen, sie war wie die Zeit aber ohne die Stunden und Jahre, sie war die Ewigkeit und sie war mit dem Universum im Einklang.

Sie bräuchte nicht mehr als diesen Mann in ihren Armen um für immer zufrieden zu sein.

„Dein Bruder ist süß.“

Salome sah zu ihrer Mutter und Gustav, die sich von dem Schock erholten hatten und freudig zugestimmt hatten zu ihrer Hochzeit zu erscheinen.

Gustav hatte sie an Richard übergeben, ein erster Akt der Wiedergutmachung, der Versöhnung.

 

Gregori kam angeschlendert und sah Richard abwartend an.

„Hey…Du hattest Recht.“ Meinte dieser kleinlaut.

„Ich habe immer Recht mein Freund. Willkommen in der Familie.“

Gregori klopfte ihm leicht auf die Schulter und dachte lächelnd an seine kleine Schwester, die diesen armen Hund wahrscheinlich nie wieder aus den Augen lassen würde.

Recht hatte sie, er war ein verdammt attraktiver Teufel, aber er suchte schon wieder nach ihr und Gregori war beruhigt darüber, dass er seine Schwester einem Mann überlassen konnte der sie wirklich liebte und sich gut um sie kümmern würde.

„Auf einen Neuanfang.“ Lächelte Richard später und stieß mit einem grinsenden Matthew an.

„Nee, dazu sind wir zu alt. Auf eine bessere Welt…morgen.“

Richard nickte und lächelte.

Konnte die Welt denn perfekter sein als in diesem Moment.

Und dann drehte sich Salome um, lächelte ihn breit und unbeschwert an und winkte ihn näher.

„Was würdest du zu einem Erben sagen mein geliebter Gemahl?“

Er stutzte, sie war so jung und natürlich wünschte er sich Kinder…irgendwann, wenn sie bereit dazu war.

„Wenn und wann du willst mein Liebling.“ Lächelte er warm.

„Hmm ich fürchte das hängt nicht mehr von mir ab.“

Die Hexe hatte es vor ihm geheim gehalten, dachte er aufgebracht und aufgeregt.

„Aber…was meinst du damit? Also…“

„Ich denke schon…“ Salome hielt ihm ein Stäbchen unter die Nase, ein Stäbchen auf das sie uriniert hatte und das er am liebsten hätte vergolden lassen.

Ihm fehlten die Worte.

„Ich wurde geboren um dir alle deine Wünsche zu erfüllen und vielleicht ist Gott dieses Mal etwas schneller gewesen.“ Grinste sie und ging wieder tanzen.

Richard sah in den Sommerhimmel hinauf und ihm war als würden ihm die Sterne aufmunternd zuzwinkern.

Ja, das Leben konnte perfekter sein, es würde perfekter sein…Salome war sein Leben und damit konnte er keinen Mann mehr beneiden.

95/Epilog

John wurde wiedergefunden, die Polizei hatte den verängstigten Hund aus dem Restaurant mitgenommen.

Richard kam zum eigentlichen Kern seiner Frage.

„Salome? Wirst du mich heiraten?“

Er war zu müde für blumige Worte und so biss er sich selbst in den Arsch wegen seinem Mangel an Romantik.

„Ja.“ erwiderte sie ebenso knapp und so wurde die bisher größte Entscheidung ihres Erwachsenenlebens in einem Krankenhauszimmer am Ende der Welt gefällt.

 

Gott, Salome war nervös.

DCT hatte ihr auf ihr Brautkleid gespuckt und die Torte begann langsam aber sicher zu schmelzen, denn der Pfarrer hatte Verspätung.

Sue schluchzte laut, nur von DCTs leisem Glucksen unterbrochen und als sie die Trauung endlich hinter sich gebracht hatten, natürlich nicht ohne dass Salome über ihre eigene Schleppte stolperte, entbrannte ein lustiges Fest.

Ein Fest auf dem alle Freunde waren, ungeachtet ihres Bankkontos oder ihres Ruhmes.

Sue tanzte mit Robert an ihr vorbei und Salome lächelte zu ihrem geliebten Bräutigam auf.

„Du bist ein guter Tänzer.“
„Auch ich habe verborgene Talente.“ Lächelte er, die Brust stolzgeschwellt und es war ihm egal, dass eine Menge seiner Kollegen den Kopf über ihn schüttelten weil er eine viel jüngere Frau geheiratet hatte.

Er wusste, dass er keine andere Frau an seiner Seite haben wollte als dieses Püppchen, das höchstwahrscheinlich sogar Guy mit einem Küchenmesser fertig machen könnte.

„Ich liebe dich.“ Wisperte er an ihrer Wange und drehte eine ihrer Locken um seinen Finger.

„Ich denke das solltest du wohl besser, du hast mich vor nicht mal 4 Stunden geheiratet.“

Salome lachte, sie war endlich vollkommen angekommen, sie war wie die Zeit aber ohne die Stunden und Jahre, sie war die Ewigkeit und sie war mit dem Universum im Einklang.

Sie bräuchte nicht mehr als diesen Mann in ihren Armen um für immer zufrieden zu sein.

„Dein Bruder ist süß.“

Salome sah zu ihrer Mutter und Gustav, die sich von dem Schock erholten hatten und freudig zugestimmt hatten zu ihrer Hochzeit zu erscheinen.

Gustav hatte sie an Richard übergeben, ein erster Akt der Wiedergutmachung, der Versöhnung.

 

Gregori kam angeschlendert und sah Richard abwartend an.

„Hey…Du hattest Recht.“ Meinte dieser kleinlaut.

„Ich habe immer Recht mein Freund. Willkommen in der Familie.“

Gregori klopfte ihm leicht auf die Schulter und dachte lächelnd an seine kleine Schwester, die diesen armen Hund wahrscheinlich nie wieder aus den Augen lassen würde.

Recht hatte sie, er war ein verdammt attraktiver Teufel, aber er suchte schon wieder nach ihr und Gregori war beruhigt darüber, dass er seine Schwester einem Mann überlassen konnte der sie wirklich liebte und sich gut um sie kümmern würde.

„Auf einen Neuanfang.“ Lächelte Richard später und stieß mit einem grinsenden Matthew an.

„Nee, dazu sind wir zu alt. Auf eine bessere Welt…morgen.“

Richard nickte und lächelte.

Konnte die Welt denn perfekter sein als in diesem Moment.

Und dann drehte sich Salome um, lächelte ihn breit und unbeschwert an und winkte ihn näher.

„Was würdest du zu einem Erben sagen mein geliebter Gemahl?“

Er stutzte, sie war so jung und natürlich wünschte er sich Kinder…irgendwann, wenn sie bereit dazu war.

„Wenn und wann du willst mein Liebling.“ Lächelte er warm.

„Hmm ich fürchte das hängt nicht mehr von mir ab.“

Die Hexe hatte es vor ihm geheim gehalten, dachte er aufgebracht und aufgeregt.

„Aber…was meinst du damit? Also…“

„Ich denke schon…“ Salome hielt ihm ein Stäbchen unter die Nase, ein Stäbchen auf das sie uriniert hatte und das er am liebsten hätte vergolden lassen.

Ihm fehlten die Worte.

„Ich wurde geboren um dir alle deine Wünsche zu erfüllen und vielleicht ist Gott dieses Mal etwas schneller gewesen.“ Grinste sie und ging wieder tanzen.

Richard sah in den Sommerhimmel hinauf und ihm war als würden ihm die Sterne aufmunternd zuzwinkern.

Ja, das Leben konnte perfekter sein, es würde perfekter sein…Salome war sein Leben und damit konnte er keinen Mann mehr beneiden.

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