Laws of Attraction by Angelika
Summary:

 

Eine Stolz-und-Vorurteil-Fanfiction 

 

Als Englands erfolgreichste Scheidungsanwälte nach einer durchzechten Nacht nebeneinander mit einem Ring am Finger aufwachen, ist Not am Mann. Denn um Ruf und Karriere zu retten, müssen zwei, für die gescheiterte Ehen das täglich Brot darstellen und die außerdem vor Gericht erbitterte Gegner sind, plötzlich ein glückliches Ehepaar spielen.


Categories: Sonstige Schauspieler, Matthew Macfadyen, Rollenbezogene Geschichten, Novel-length Characters: Elizabeth Bennet, Fitzwilliam Darcy
Genres: Humor, Romanze
Warnings: Keine
Challenges: Keine
Series: Keine
Chapters: 6 Completed: Nein Word count: 14552 Read: 14160 Published: 18 Sep 2009 Updated: 16 Dec 2009
Kapitel 2 Whatever gets you through today by Angelika

Kapitel 2 – Whatever gets you through today
Song by The Radios

Elizabeth

Von da an ging es stetig abwärts.

Einen Moment lang war ich vollkommen sprachlos, Jane schluchzte mir durch den Hörer in mein Ohr. „Wie bitte?“, fragte ich dann.

Das konnte nicht sein, Jane und Charles konnten sich nicht scheiden lassen, sie waren eins der glücklichsten Paare, die ich kannte und mir war schon der Gedanke gekommen, dass sie meine Theorie, dass Menschen einfach nicht für eine lebenslange Partnerschaft geschaffen waren, auf den Kopf stellen konnten. Ausnahmen bestätigen die Regel hatte ich bei den beiden immer gedacht. Sie waren wirklich ein perfektes Paar gewesen – ihre augenscheinliche und vollkommen überraschende Trennung traf mich wie einen Schlag in die Magengrube. Und es schien wirklich ernst zu sein. Nun ja, über Scheidungen machte man ja im Allgemeinen keine Scherze.

Was war passiert? Die beiden waren doch erst seit ein paar Monaten verheiratet, ich versuchte mich zu erinnern, vor einer Woche waren es 7 Monate gewesen. Sie waren im September letzten Jahres, als sie sich gerade einmal drei Monate gekannt hatten, einfach nach Las Vegas geflogen und hatten sich dort trauen lassen. Und die beiden waren in ständiger Flitterwochenstimmung. Ich sah Jane nur mittlerweile nur sehr selten, weil wir beide beruflich stark eingespannt waren (Jane war Kinderärztin in einer Londoner Klinik), aber jedes Mal, wenn ich sie besucht hatte, hatten sie und Charles wie das verliebteste Pärchen der Welt ausgesehen. Sogar ich, die der Ehe doch sehr kritisch gegenüber stand, hatte mich davon überzeugen lassen, dass die beiden wie füreinander geschaffen waren. Was war denn jetzt passiert?

„Lizzy“, schniefte Jane. „Er hat mich betrogen.“

„WAS?!?!“, rief ich in den Hörer. „Bist du dir sicher?“

„Jaaa“, kam es von Jane zurück. Sie schnäuzte sich heftig, wohl in einem Versuch, sich wieder zu fangen. „Ich habe ihn auf frischer Tat ertappt.“ Erneut brach sie in Tränen aus.

„Oh mein Gott“, murmelte ich. Das konnte einfach nicht wahr sein. Bei jedem anderen hätte ich das geglaubt, aber doch nicht bei den beiden!

„Ich bin heute morgen ja erst nach Hause gekommen, weil ich gestern Abend etwas mit Caroline unternommen und dann auch bei ihr übernachtet habe und Charles wollte auch mit ein paar Freunden raus und dann bin ich heim gekommen und finde ihn nackt mit irgendso einer Blondine in unserem Bett!“ Sie schluchzte heftig.

Ich wusste einfach nicht, was ich sagen sollte. Solche Geschichten hatte ich während meiner Tätigkeit schon vielfach gehört, aber ich hatte nie erwartet, dass meine eigene Schwester sie mir auch einmal erzählen würde. Ich konnte natürlich meine Standardsätze wie „Das muss natürlich sehr schlimm für Sie gewesen sein.“ oder „In Ihrem eigenem Bett! Wie schrecklich!“ sagen, aber die hörten sich auf einmal alle so falsch und armselig an. Zu meinen Mandantinnen oder Mandanten hatte ich ja nie so eine enge Beziehung gehabt und den untreuen Ehepartner hatte ich ja auch nicht gekannt, da konnte man ihn oder sie auch ganz leicht verurteilen...

Es sah Charles so gar nicht ähnlich, Jane zu betrügen. Unwillkürlich drängte sich mir der Frage auf, ob es das erste Mal gewesen war und ich mich vielleicht schrecklich in ihm geirrt hatte. Ich kannte die Geschichten alle. Wie häufig war Jane nachts nicht Zuhause gewesen, weil sie im Krankenhaus Schicht gehabt hatte? Wie häufig hatte Charles die Gelegenheit gehabt...

Es war einfach schrecklich, manchmal stimmte es schon, dass ich einfach nur das Schlimmste in den Menschen sah. Vor fünf Minuten hatte ich Charles noch für einen prima Kerl gehalten und jetzt unterstellte ich ihm vielfache eheliche Untreue. Ich musste auf jeden Fall mehr erfahren. Jane hatte gesagt, er sei mit Freunden unterwegs gewesen. Viele Ehen waren auch schon kaputt gegangen, weil einer der Partner im betrunkenen Zustand einen schrecklichen Fehler begangen hatte. War Charles das Gleiche passiert? Es ist ja nun einmal so, dass Alkohol fast sämtliche Hemmungen abbaut – weshalb ich ihn den größten Teil meiner Zeit auch mied wie der Teufel das Weihwasser.

„Oh Lizzy!“, weinte Jane jetzt. „Es war so schrecklich. Ich kam in unser Schlafzimmer und er schlief tief und fest und da lag diese Nackte in meinem Teil des Bettes!“

Ich rieb mir mit der Hand die Schläfen, das war einfach nur furchtbar. Ich wollte es eigentlich gar nicht mehr hören, es endete immer auf die gleiche Art und Weise.

„Ich stand wie perplex im Türrahmen“, fuhr Jane jetzt fort. „Diese Frau formte mit ihrem Mund nur ein überraschtes ‚Oh‘ und hat Charles dann kräftig geschüttelt, sodass er auch aufgewacht ist. Er erinnert sich an nichts mehr! Er hat ganz fassungslos er sich, dann die Frau und dann mich angesehen und wusste scheinbar nicht, wie ihm geschah.“

Filmriss, dachte ich.

„Ich bin dann aus dem Zimmer gerannt und er mir hinterher – er war noch ganz wackelig auf den Beinen – aber ich wollte einfach nicht zuhören, was er gesagt hat. Es wären doch nur so Sachen wie ‚Ich kann das alles erklären‘ gewesen.“

„Und du bist dir wirklich sicher, dass du die Scheidung willst?“, fragte ich jetzt. „Und weiß Charles davon? Ich weiß aus Erfahrung, dass das bestimmt eine hochemotionale Situation für dich ist, aber willst du nicht erst noch einmal mit ihm über alles reden...“ Das klang jetzt irgendwie so kalt und businessmäßig.

„Lizzy, er hat mich betrogen! Die Situation war ja wohl eindeutig. Wir haben darüber geredet, dass das bei uns niemals vorkommen wird. Wie soll ich ihm denn jetzt jemals wieder vertrauen?“

Ja, das brachte eigentlich die meisten Ehen zum Scheitern, der Mangel an Vertrauen. Vielfach wurde der Fehltritt (wenn es denn nur einer war) verziehen, aber die Ehe hatte Risse bekommen, die sich schwerlich kitten ließen, Eifersucht, Kontrollwahn, Einengen des Partners, daran ging die Beziehung dann eigentlich kaputt, der Seitensprung war ein schlimmer Auslöser für all das Nachfolgende gewesen.

„Das verstehe ich. Wo bist du jetzt? Noch Zuhause?“

„Nein, da habe ich es einfach nicht mehr ausgehalten, wenn ich mir vorstelle...“ Der Rest ging in erneuten Tränen unter. Ich wartete, bis Jane sich ein weiteres Mal die Nase geputzt hatte. „Ich will nicht mehr in unser Haus zurück. Ich bin in der Klinik.“

„Du kommst zu mir“, sagte ich einfach nur. „Mein Gästezimmer ist immer für dich frei.“

„Ich will dir wirklich nicht zur Last fallen...“

„Jane, du bist meine Schwester. Ich werde dir in dieser schwierigen Zeit natürlich beistehen. Also, ich hole dich jetzt ab und dann fahren wir zu meiner Wohnung.“

„Hast du denn nicht zu tun...“

„Ich kann mich für ein paar Stunden frei machen. Bleib, wo du bist – ich komme.“

Ich nahm mir ein Taxi und fuhr zur Klinik. Jane saß wie ein Häufchen Elend in ihrem Büro, ich nahm sie mit in meine Wohnung und packte sie in mein Gästebett. Ich hatte mir von Theresa eine große Packung Kleenex mitgeben lassen (die wir in der Kanzlei immer irgendwo stehen hatten) und reichte sie ihr. Jane weinte sich erst einmal eine ganze Weile an meiner Schulter aus. Ich hasste es, sie alleine lassen zu müssen, aber ich hatte am Nachmittag einen Termin mit William Lucas, den ich nicht absagen konnte. Mit einem letzten sorgenvollen Blick auf meine ältere Schwester verließ ich meine Wohnung.

Ich mag meinen Job, aber wenn es dazu kommt, dass man ein Familienmitglied vertreten muss, geht es einem schon sehr an die Nieren.

~**~

William

Aus war der Traum von einem guten Tag, mit offenem Mund hielt ich in den Telefonhörer in der Hand und wusste nicht, was ich sagen sollte.

„Will, bist du noch da?“, fragte Charles schließlich.

„Jaaa“, sagte ich langsam. „Aber ich glaube, ich halluziniere gerade. Ich habe gehört, dass du und Jane euch scheiden lassen wollt – ich muss mich verhört haben, das kann doch nicht sein.“

Sie hatten sich vor einigen Monaten in einer Blitzhochzeit in Las Vegas trauen lassen. Ich wusste noch, wie skeptisch ich ihrer Ehe damals gegenüber gestanden hatte, aber sie hatten mich dann doch eines besseren belehrt. Besonders seiner Frau Jane hatte ich kritisch gegenüber gestanden, wollte ich doch vermeiden, dass Charles einer eiskalten Goldgräberin zum Opfer fiel. Zu häufig hatte ich schon miterlebt, dass sich Frauen wegen unseres Vermögens vor die Füße warfen. Und Charles war in dieser Hinsicht leider sehr anfällig gewesen. Bis er Jane kennen gelernt hatte, war er fast jede Woche in einer andere Frau unsterblich verliebt gewesen. Aber mit Jane war es wirklich sehr ernst gewesen, ich hätte ihn fast um sein Glück beneidet, so verliebt waren die beiden gewesen.

Ja, hatte ich einmal gedacht, vielleicht hatte sich dort eines der wenigen Paare getroffen, die wirklich füreinander bestimmt waren und nicht vor dem Richter landen würden. Aber es hatte anscheinend nicht sein sollen. Wie konnte eine derart perfekte Ehe kaputt gehen?

Das fragte ich Charles dann auch sofort.

„Ich glaube, ich habe sie betrogen“, sagte Charles.

„Wie, du glaubst, du hast sie betrogen?“, fragte ich. „Hast du oder hast du nicht?“

„Ich denke mal, ich habe es. Du weißt ja, dass ich gestern Abend mit ein paar Freunden raus war und ab 10 Uhr habe ich keine Erinnerung mehr. Ich weiß nur, dass ich heute Morgen nackt mit einer Blondine in meinem Bett aufgewacht bin.“

Ich fluchte innerlich. Eine typische, schon fast klischeehafte Geschichte. Wie häufig hatte ich das schon erlebt? Da hatte die werte Gattin oder der werte Gatte volltrunken mit jemandem geschlafen hatte, der nicht der oder die Angetraute war. Oh ja, ich hatte es alles schon gehört. Meiner Meinung nach war Alkohol das gefährlichste, was einer Ehe überhaupt passieren konnte. Wenn man sämtliche Schranken fallen ließ, dann fand man sich schnell beim Scheidungsrichter wieder. Ein meiner Meinung nach viel zu großer Teil der Scheidungen, die ich vertreten hatte, war auf Alkoholkonsum zurückzuführen – weshalb ich nur äußerst selten einen Tropfen anrührte.

Nun, eigentlich war es noch nicht einmal der Alkohol selbst, meist war es das, was danach kam. Da wurde der Seitensprung großzügig vergeben, aber das Misstrauen blieb. Es hieß einmal, Alkohol baue Hemmungen ab und bringe eigentlich die wahren, lange verborgenen Gefühle zum Ausdruck… Daran scheiterten die Ehe, der oder die Betrogene fragte sich, ob er sexuell vielleicht nicht mehr attraktiv genug war und ob sich der Partner deshalb (wenn auch eher unterbewusst) jemand anderem zugewandt hatte, ob er oder sie mehr Abenteuer wollte. Versagensängste mischten sich mit Furcht vor dem Verlust des Partners, was zu Kontrollsucht und Nachspionieren führte. Und ohne Vertrauen konnte selbst die vorher stärkste Liebe nicht mehr funktionieren.

Die wenigen Ehen, die einen Seitensprung überstanden, schafften das nur nach einer sehr, sehr langen Zeit mit sehr, sehr viel Geduld und sehr, sehr viel Arbeit. Ein Vorteil war es meist, wenn es Kinder gab, da musste man sich zwangsläufig zusammenraufen, aber das war auch kein Garant für Erfolg, auch solche Ehen hatte ich schon scheitern sehen.

„Was ist genau passiert?“, fragte ich. Das, was meine Schwester Georgiana mal „mein analytisches Anwalts–Ich“ genannt hatte, kam wieder hervor.

„Das meiste ist weg.“

Filmriss, dachte ich.

„Ich war gestern Abend halt raus mit James und Dave und so und wir haben halt das gemacht, was wir immer gemacht haben… Ich dachte eigentlich auch, ich hätte gar nicht so viel getrunken, sonst werde ich von ein paar Guinness ja auch nicht betrunken. Irgendwann so gegen 10 hat mich eine Blondine angesprochen und wir haben uns eigentlich ganz gut unterhalten. Sie hat mir offensichtliche Avancen gemacht, aber die habe ich geblockt – zunächst scheinbar, daran kann ich mich noch erinnern. Und das nächste ist, dass ich am nächsten Morgen von ihr geweckt worden bin. Ich war nackt, sie war sozusagen nackt und Jane stand in der Tür.“

„Und dann?“, fragte ich nach.

„Jane ist natürlich geflüchtet, sie hat alle meine Gesprächsversuche abgeblockt.“

„Und was verleitet dich jetzt sofort zu der Vermutung, dass sie die Scheidung will? Ihr könnt doch noch reden…“ Es klang sogar in meinen Ohren nach einem sehr, sehr lächerlichen Vorschlag.

„Wir haben abgemacht, dass so etwas bei uns niemals vorkommen wird – der Vertrauensbruch ist enorm und Jane ist jemand, der so etwas sehr, sehr ernst nimmt. Ich kenne sie einfach viel zu gut, sie wird mir nie wieder vertrauen können – und das ist verdammt noch mal ihr gutes Recht. Wenn sie gehen will, werde ich sie gehen lassen und deshalb warst du nicht nur als mein bester Freund mein erster Ansprechpartner, es soll für sie eine saubere Scheidung werden.“

„Willst du denn gar nicht um sie kämpfen?“, fragte ich ungläubig.

„Wenn sie nicht will, dann nicht. Ich habe sie nicht verdient. Ich habe ihr weh getan, sie verdient es, dass ich sie nicht mehr länger mit meiner Anwesenheit belästige. Ich habe sie in jedem Fall nicht verdient“, wiederholte er und es klang mehr so, als wolle er sich selbst überzeugen.

Erneut war ich sprachlos. Wie bitte? Er wollte sie einfach so gehen lassen?

„Charles, ich bin mir sicher, das ist für euch beide jetzt eine schwierige Situation“, versuchte ich, „aber bitte trefft jetzt keine vorschnellen Entscheidungen. Ich bitte dich, an so etwas kann man arbeiten…“

Charles sagte nichts.

„Weißt du, wo Jane ist?“

„Nein, sie ist geflüchtet. Aber so wie ich sie kenne, wird sie wohl zu ihrer Schwester gegangen sein.“

„Versuch, sie zu erreichen – bitte, du kannst eine so junge Ehe doch nicht einfach so aufgeben. Es ist möglich, so etwas zu überstehen. Als Freund kannst du mich jederzeit erreichen, aber bitte frag mich nicht als Scheidungsanwalt.“

„In Ordnung, Will – vielen Dank.“

„Dafür sind Freunde doch da.“

Er legte auf. Ich atmete tief durch.

Ich mag meinen Job, aber man stellt sich doch nie im Leben vor, dass es dann so persönlich wird.

Diese Geschichte ist archiviert auf http://rafanfiction.janeites.net/viewstory.php?sid=140